A.N: Ein frohes neues Jahr!

Ich habe mir erlaubt in der Sache mit dem Denkarium künstlerische Freiheit walten zu lassen. So genau habe ich das mit dem Ding eh nie verstanden gg

Tun wir einfach so, als könnten darin jede Menge Erinnerungen herumschwimmen – und bei Bedarf fischt man sich die richtige heraus, ok? Ich mag es ansonsten lieber Detail getreu, aber ich hoffe, man verzeiht mir den Anflug von spontaner Eingebung und Missbrauchs derartiger Gegenstände.

Teil 6

Mehr aus Überlebensinstinkt heraus hatte Hermine versucht sich zu wehren, aber sie war praktisch zur Bewegungslosigkeit verdammt, zwischen ihm und der Wand in ihrem Rücken eingekeilt. Sie hatte nur kurz versucht, ihn von sich wegzudrücken, doch er schien ihre Bemühungen nicht einmal zu spüren. Fast brutal zwang er mit seiner Zunge ihre Lippen auseinander, bis ihr nichts anderes mehr übrig blieb als nachzugeben.

Hermine wurde sicher nicht zum ersten Mal in ihrem Leben geküsst. Da war Victor gewesen, der ihr auf eine plumpe, fast ordinäre Art seine Zunge in den Hals geschoben hatte, als wollte er wissen, was sie zu Abend gegessen hatte. Und Ron, zunächst freundschaftlich schüchtern, später auch mutiger, aber immer vorsichtig und sanft. Nichts von dem kam diesem auch nur im Entferntesten nah.

Es war, als würden ihre Zungen um eine geheime Übermacht kämpfen. Noch etwas, was Hermine nicht bedacht und erwartet hatte. Bei der einstigen Vorstellung eines einfachen, ohne Gefühle durchgeführten Geschlechtsakts war Küssen nicht vorgekommen. Sie hatte es einfach nicht in Betracht gezogen.

Ihre Füße berührten kaum noch den Boden, lediglich ihre Zehenspitzen hatten noch etwas Kontakt. Endlich hatte sie auch einen Arm befreien können, aber statt dass sie ihre gewonnen Teilfreiheit nutzte um sich zu wehren, klammerte sich ihr zu einem neuen Eigenleben erwachter Arm fest um seinen Nacken. Sie spürte wie sich eine Hand in ihren Haaren vergrub, um sie noch ein wenig fester an sein Gesicht zu ziehen, was eigentlich nicht mehr möglich war und ihr war, als würde ihr ganzer Körper unter Strom stehen.

Noch weigerte sich ihr Verstand die Führung ihrem Körper zu überlassen, denn das wäre ihr einer Kapitulation gleichgekommen, aber das änderte sich in dem Augenblick, als er den Druck seines Körpers auf sie lockerte und sich seine andere Hand unaufhaltsam unter ihren Pullover schob.

Seine Finger hinterließen eine feurige Spur auf der ohnehin schon erhitzen Haut und Hermine konnte nicht anders als enttäuscht zu murren, als er den Kuss plötzlich unterbrach und sanft den Arm aus seinem Nacken löste.

Ein letztes warnendes Aufflackern ihres Denkvermögens sagte ihr, dass sie augenblicklich die Flucht ergreifen sollte, aber statt der Warnung nachzugeben, hob sie wie eine willenlose Marionette ihre Arme und ließ sich den Pullover ausziehen. Instinktiv begann sie nun auch an den Knöpfen seines Anzugs zu nesteln und stöhnte leise auf, als er die Geste vom Vortag wiederholte und mit seinen Lippen eine Spur von der Schulter bis hinauf zu ihrem Ohrläppchen zog.

Seine Hände schienen überall zu sein. Auf ihren Schultern, auf ihrem Bauch, an ihren empfindlichen Seiten und schließlich auf ihrem Rücken. Sekunden später folgte ihr BH dem Pullover.

Hermine wusste nicht mehr, wo oben oder unten war und als seine Hände verlangend über ihre Brüste strichen hätte sie vermutlich aufgeschrien, wenn er es mit einem weiteren Kuss nicht verhindert hätte.

Endlich hatte auch sie es geschafft, ihm diesen furchtbaren Gehrock auszuziehen und es ärgerte sie, dass sie den Kuss erneut unterbrechen musste, um das darunter liegende Shirt zu entfernen, allerdings erlaubte es ihr auch endlich einen Blick auf das, was sie bisher nur mit ihren Fingern hatte ertasten können. Er war schlank, ganz ohne Zweifel, und alles an ihm wirkte so hart wie er auch im Leben war. Einzelne Narben zeugten von den Kämpfen, die er schon ausgestanden haben musste und Hermine konnte nicht anderes, als jede davon zu berühren.

Für eine kleine Weile ließ er zu, dass ihre Hände jeden Winkel seines Oberkörpers abtasteten, bevor er ihre Bewegungsfreiheit wieder damit einschränkte, indem er seine Hand in ihren Haaren vergrub und ihren Kopf nach hinten zog, so dass sie gezwungen war, in seine Augen zu sehen.

Vermutlich hätte sie Angst vor dem haben sollen, was sie darin sah, aber ihr Verstand hatte sich längst in den hintersten Winkel ihres Kopfes zurückgezogen und seine Funktion eingestellt.

Als sein Mund die Vertiefung unter ihrer Kehle berührte, begann sie unkontrolliert zu zittern. Sie hatte Angst den Halt zu verlieren, klammerte sich an seinen Schultern fest und schrie leise auf, als er eine ihrer Brustwarzen in den Mund nahm, um unerwartet sanft daran zu saugen. Kleine Supernovas zerbarsten hinter ihren geschlossenen Lidern.

Irgendetwas völlig Neues passierte da mit ihren Körper und sie glaubte zu explodieren, wenn diese unerträgliche Spannung sich noch steigern würde. Hermine zog ihn wieder zu sich hoch, küsste ihn verlangend und spürte, wie sich seine Haut an ihrer rieb. Sein Unterkörper presste sich an ihren Bauch und sie spürte zum ersten Mal sein deutliches Verlangen, was ein seltsames Hochgefühl in ihr auslöste. Er fand sie also doch nicht so abstoßend, wie sie gedacht hatte.

Sehr viel weiter kam sie mit ihrem Denken aber auch nicht. Erneut kämpften ihre Zungen miteinander und seine Hände wanderten fordernd über ihre Brust, über den Bauch, bis hinab zu dem Bund ihrer Hose. Der Knopf und auch der Reißverschluss öffneten sich wie von Geisterhand und als seine warme Hand weiter hinab fuhr, schrie sie unwillkürlich leise auf.

Bereitwillige öffnete sie ein wenig ihre Beine, um ihm mehr Platz für die fordernden Finger zu verschaffen, welche sich ihren Weg zwischen den feuchten Falten suchten. Ungewohnte Nässe sammelte sich zwischen ihren Schenkeln, doch sie hatte keine Zeit darüber nachzudenken und konnte sich nur hilflos den neuen Sensationen aussetzen, die seine Hand in ihr auslöste.

Finger vergruben sich in ihr und gaben ihr den Hauch einer Ahnung, wie es bei einer richtigen Vereinigung sein würde. Über ihre Lippen kamen nur noch unartikulierte Laute. Sie jammerte und wand sich, wartete förmlich darauf, gleich zu sterben, wenn sie diese unerträgliche Spannung in ihrem Körper nicht los wurde, doch jedes mal, wenn sie dachte es wäre nicht mehr zu ertragen, hörte er wieder auf und ließ sie zu Atem kommen.

„Bitte", flehte sie, als sie sicher war, dass sie die unerträgliche Hitze nicht mehr ertragen konnte und er schien endlich Mitleid mit ihr zu haben. Seine Finger fanden das winzige Nervenbündel, welches das Zentrum all dieser Qualen bedeutete und ihre Beine gaben nach. Lediglich die Wand in ihrem Rücken hielt sie aufrecht, als sie glaubte abzuheben und zu fliegen. Etwas in ihrem Inneren zog sie höher und höher, unaufhaltsam in einen Strudel von explodierenden Gefühlen, bis zu dem Punkt an dem es nur noch abwärts in eine unbekannte Tiefe ging.

Die Realität holte sie erst nach einer unbekannten Weile wieder ein, als sie es endlich wagte die Augen zu öffnen. Noch immer raste ihr Puls, flatterte ihr Herz unkontrolliert in ihrem Brustkorb.

Sie wollte etwas sagen, etwas tun, aber ihr unsagbarer schwerer Körper war kaum zu einer Regung fähig.

Enttäuscht bemerkte sie, dass er etwas von ihr abgerückt war, seine Arme rechts und links von ihrem Kopf gegen die Wand presste und sie böse ansah.

Was hatte sie denn jetzt schon wieder angestellt?

Dann erst fiel ihr ein, was soeben geschehen war und ihr Blut, was bis vor Sekunden noch in unteren Regionen verschwunden war, pumpte sich mit Überschallgeschwindigkeit in ihre Wangen.

Ihre Hände flatterten hilflos nach oben, wollten sein Gesicht berühren, aber er rückte so schnell von ihr ab, dass sie sie entmutigt wieder sinken ließ.

„Nennen Sie mich nie wieder feige", erklärte er leise und in ihren Ohren klang es wie blanker Hohn. Sie fühlte sich verletzt, erniedrigt und völlig leer. Was hatte sein Verhalten nur zu bedeuten?

An der deutlichen Ausbuchtung seine Hose konnte sie erkennen, dass es ihn ebenfalls nicht kalt gelassen haben konnte, warum reagiert er dann nur so? Betroffen schlängelte sie sich unter seinen Armen weg und suchte ihre Sachen, die sie sich hektisch überwarf.

Sie wollte nur noch weglaufen. Vor Scham, vor den Gefühlen, die sie gehabt hatte und vor allem vor diesem von Hass zerfressenden Blick. Sie wandte sich zu der Tür, die einige Schritte entfernt war, doch seine Hand vergrub sich schmerzend in ihrem Oberarm, während er sie zu sich herum riss.

„An wen haben Sie dabei gedacht?" Sie verstand ihn zunächst nicht und Tränen schossen ihr in die Augen. Nicht weil sein Griff schmerzte, sondern weil es ihm offensichtlich nichts bedeutet hatte.

„Haben Sie an diesen rothaarigen Versager gedacht? Haben Sie sich gewünscht, dass er an meiner Stelle ist?"

Hermine zog es ihr Innerstes zusammen. Reichte es nicht, dass er sie demütigte, jetzt musste er auch noch in der Wunde graben?

„Nein", schrie sie auf und riss sich los, vor Tränen fast blind, aber jetzt war es eh zu spät. Noch tiefer konnte sie nicht sinken, sollte er sich doch noch mehr über die kleine dumme Gans amüsieren.

„Was?"

Er schien überrascht, aber Hermine registrierte es kaum. Sollte er sich doch über sie lustig machen, es war sowieso alles egal.

„Ich habe nicht an Ron gedacht, keine einzige Sekunde lang. Weder heute, noch gestern, noch vorgestern. Gute Nacht, Professor Snape."

Sie hatte die Tür aufgerissen und den letzten Gruß in seine Richtung geschleudert, um dann das Türblatt mit einem Donnern ins Schloss fallen zu lassen.

O0o°°°o0O

Dieses Mädchen war die personifizierte Heimsuchung. Ein Fluch, oder noch Schlimmeres… Vielleicht war er niemals Voldemort entkommen, das Gift der Schlange raste immer noch durch seine Adern und ließ ihn in seinem Todeskampf auf diese Weise Höllenqualen erleiden.

Doch leider musste er sich eingestehen, dass es nicht so war. Die verheilten Narben des Bisses in seinem Nacken waren deutlich fühlbar und auch das dunkle Mal an seinem Arm war nichts weiter als ein lebloses, in die Haut graviertes Mahnmal an eine furchtbare Zeit.

Er hatte es wirklich versucht. Hatte ernsthaft alles getan, damit sie endlich mit dem Schwachsinn aufhörte. Nein, damit er endlich mit dem Schwachsinn aufhörte. Und alles was sie dachte, war, dass er sie abstoßend fand?

Das war völlig verrückt. Hermine Granger war nicht nur ausgesprochen intelligent, mutig und loyal, sie war auch ausgesprochen attraktiv. So blind war nicht einmal Filch, den er auch schon dabei beobachtet hatte, wie er heimlich hinter dem Mädchen her sah.

Sie kostete ihn jeden verdammten noch vorhandenen Nerv den er besaß.

Es war gut, dass es nicht zum Äußersten gekommen war, auch wenn es ihn noch über Jahre verfolgen würde. Wenigstens konnte er sich jetzt sicher sein, dass er sie so schnell nicht wiedersehen würde.

Noch einmal rief er sich die Erinnerungen ins Gedächtnis. Die geschlossenen Augen, die kleinen Laute, die sie von sich gegeben hatte - und ihre Berührungen, die immer noch wie alte Narben auf der Haut brannten.

Die Wut hatte ihn übermannt, als er sich bewusst wurde, dass das alles nicht ihm galt.

Wegen ihr machte er sich noch zum Narren!

Nachdenklich sah er zur Tür, hinter der sie vor wenigen Minuten verschwunden war. Aber wenn sie es abstritt – und zweifellos hatte sie nicht gelogen, sonst wäre sie nicht so erschüttert gewesen - an wen hatte sie dann gedacht?

O0o°°°o0O

Am nächsten Morgen sah Hermine beinahe so blass und krank aus wie Ron, der im Aufenthaltsraum auf einem der Sofas lag und immer noch vor sich hinjammerte.

Sie hatte sich nicht einmal zum Frühstück aufraffen können und stattdessen die zahlreichen Wünsche ihres Freundes nach Beschäftigung, Essen, Trinken und allerlei Extras erfüllt. Irgendwie sah sie es als eine gerechte Strafe an und tat alles, damit Ron sich besser fühlte.

Ginny und Harry sprachen wenig an diesem Morgen mit ihr, tauschten aber immer wieder lange Blicke aus. Sie hatten sich entschlossen, Hermine vorerst nicht darauf anzusprechen, in der Hoffnung, dass sie von allein zu ihnen kommen würde.

„Glaubst du es könnte ein Imperius sein?", tuschelte Harry seiner Freundin zu, doch Ginny zuckte nur mit den Schultern. „Ich kann mir das einfach nicht vorstellen, nach all dem, was er getan hat. Dumbledore hat ihm bedingungslos vertraut und wie wir alle wissen, war es auch gerechtfertigt. Zugegeben, er ist ein immer noch ein Widerling, aber ich kann einfach nicht glauben, dass er zu so etwas fähig ist."

Eigentlich tat Harry das auch nicht, aber ihm ging die Sache einfach nicht aus dem Kopf. Hermine log, verheimlichte etwas vor ihren Freunden und dazu sah sie heute auch noch aus, als stünde ein neuer Endkampf bevor. Sie war letzte Nacht bei Severus Snape gewesen, vermutlich auch die Nacht davor – wer weiß, wie lange das schon so ging.

„Armer Ron", bemerkte er mit einem langen Blick auf seinen Freund. „Er dreht durch, wenn er das erfährt."

„Weißt du", bestimmend legte Ginny eine Hand auf seine Schulter. „Ich habe das seltsame Gefühl, dass wir es ihm nicht sagen sollten."

Gegen Mittag besuchten sie wieder einmal Hagrid in seiner Hütte, um ihm diesmal ein gemeinsames Abschiedsgeschenk zu bringen. Sogar Ron hatte sich aufgerafft und für eine Weile seine angeblichen Schmerzen vergessen. Die Luft war geschwängert von sentimentalen Erinnerungen und als der Halbriese sein großes Paket auspackte, schnupft er ein paar Mal gerührt in sein Taschentuch, welches die Ausmaße eines Kissenbezuges hatte. Dabei sah er seltsam zerrupft aus. An einem Ohr und an der gewaltigen Stirn saßen noch Reste von Klebestreifen, aber niemand sprach ihn direkt darauf an, denn eigentlich wollte auch keiner so genau wissen, was er wieder angestellt hatte.

Sie hatten ihm eine Schneekugel gekauft, in deren Mitte ein Drache auf einem Fels saß. Jedes Mal, wenn man die Kugel mit den Ausmaßen eines Quaffels schüttelte, begann es zu schneien und der Drache breitete seine Flügel aus, spie Feuer oder röhrte laut.

„Hach, es wird nich' mehr dasselbe sein, wenn ihr weg seid", schniefte der bärtige Koloss und wischte sich die aufkommenden Tränen aus den Augenwinkeln.

„Wir werden uns sicher wiedersehen. Vermutlich auch öfter noch in der Winkelgasse treffen. Außerdem kannst du uns jederzeit besuchen", bemerkte Harry und alle nickten zustimmend.

„Ich hab auch was für euch", fiel Hagrid schließlich ein und kramte aus der gigantischen Kommode seiner Hütte ein paar ungeschickt verpackte Päckchen. Das Papier, sofern man es unter den Klebestreifen noch erkennen konnte, war leicht eingerissen, die Schleifen saßen schief und eins sah aus, als hätte jemand darauf gesessen, aber der Riese strahlte die vier so herzlich an, dass niemand anders konnte, als auch zu grinsen.

Dank der magischen Klebestreifen, die immer wieder versuchten an ihren angestammten Platz zu kommen und sich notfalls einfach an dem Nächstbesten hefteten , dauerte es eine Weile bis jeder es geschafft hatte, sein Geschenk abzuwickeln, ohne später selbst auszusehen wie frisch verpackt.

Es gab, wie für Hagrid typisch, allerlei unnützes Zeugs, über das sich die vier trotzdem freuten. So erlebten sie einen gemütlichen Nachmittag mit alten Geschichten, bei denen sie so manches Mal sentimental wurden. Aber Hermine war froh, so wenigstens auf andere Gedanken zu kommen, bis ein Fünftklässler aus Gryffindor hektisch an Hagrids Tür klopfte.

„Schulleiterin McGonagall sagte, sie wünscht Hermine Granger und Harry Potter in ihrem Büro zu sehen."

Ein wenig überrascht sahen sich die beiden an, verabschiedeten sich dann aber und machten sich sofort auf den Weg in das Schloss.

Für beide war es beklemmendes Gefühl, in das Schulleiterbüro zu gehen. Die Erinnerungen an Dumbledore und die vielen schrecklichen Geschehnisse holten sie an solchen Orten viel schneller ein als im normalen Schulalltag.

Ihre Blicke wanderten sofort hinauf zu Dumbledores Bild, wo ein in Öl gemalter ehemaliger Schulleiter lächelnd zu ihnen herüber winkte und dann leise weiter mit dem Gemälde eines anderen ehemaligen Leiters der Schule tuschelte.

„Ah, da sind Sie ja, setzen Sie sich bitte." McGonagall machte eine Geste mit ihrer Hand und sofort folgten die jungen Leute ihrer Aufforderung. „Nun, es geht um die Verleihung der besonderen Auszeichnungen für Hogwarts-Schüler. Normalerweise ist es üblich, dass diese in den Vitrinen der Schule bleiben, aber jeder verdiente Schüler bekommt ein Duplikat für sich, damit er die Erinnerung für seine besonderen Leistungen behält."

Es schien, als würden Hermine und Harry beide eher unangenehm berührt darüber zu sein, denn sie sagten nichts dazu. Harry wusste nicht einmal, wofür er so eine Auszeichnung bekommen sollte. Alle die man ihn für die Vernichtung Voldemorts angeboten hatte, hatte er ausgeschlagen. Und seine Schulleiterin wusste dies. Für Hermine war es jedoch klar. Sie war Jahrgangsbeste und bekam einen Schulorden verliehen.

McGonagall blinzelte ihre ehemaligen Schüler kurz durch ihre Brillengläser an und winkte dann mit ihrem Zauberstab, so dass ein kleiner Pokal und ein dicker Orden mit einer großen Samtschleife erschienen.

'Bester Sucher' stand auf Harrys Pokal. Er sah beinahe so aus wie der, den sein Vater schon einmal bekommen hatte und der im Schloss ausgestellt war, zusammen mit den vielen anderen Pokalen, Orden und Urkunden, die über Jahre angesammelt waren.

Beide bedankten sich artig, denn sie wussten, dass die eigentlich Verleihung im Rahmen des Abschlussballs stattfinden würde. Sie waren auch schon im Begriff zu gehen, als eine aufgelöste Poppy das Büro stürmte.

„Minerva!" Ihre Stimme war aufgeregt und sie beachtete die beiden Schüler nicht einmal, sondern wedelte hektisch mit ihrem Stab in der Luft herum. „Wir haben ein großes Problem. Wenn wir nicht sofort handeln, besteht die Gefahr, dass ich die ganze Schule für Wochen unter Quarantäne stellen muss. Ich bin völlig fertig, so einen Fall hatte ich noch nie. Fast die Hälfte der Sechstklässler von Ravenclaw sind betroffen, sowie einige aus den höheren Klassen und vermutlich haben sie alle anderen auch schon angesteckt. Ich habe bereits einen Bannzauber gesprochen, damit die Viren Hogwarts nicht verlassen können, aber einige der Infizierten behaupten, sie waren schon in Hogsmeade. Ich habe die zuständigen Stellen schon informiert, dort scheint alles in Ordnung zu sein, aber..."

„Poppy, beruhige dich." McGonagalls Stimme klang ruhig, trotz der Panik, die die Krankenschwester Hogwarts verbreitete. Harry sah Hermine fragend an, aber die zuckte nur mit den Schultern und schien noch nicht zu wissen, um was es dabei ging.

„Um was handelt es sich dabei genau?"

„Erst dachte ich, es wäre nur Kräuselgrippe, aber als dann das Fieber dazu kam und die ersten Schüler diesen Ausschlag bekamen, war mir klar, dass es die kolumbianischen Kumuluspocken sind."

Hermine und McGonagall erbleichten, jedoch hatte Harry keine Ahnung um was es sich dabei handelte.

„Haben sie genug dunubius flamare?"

„Das ist es ja. Leider ist dieser Trank extrem flüchtig und man kann ihn nicht lange lagern, deshalb sind meine Vorräte begrenzt. Ich habe ihn erst einmal auf die akuten Notfälle verteilt und diese Schüler sind auch schon wieder auf den Beinen. Aber es gibt nur wenige, die ihn herstellen können, da die Zubereitung extrem gefährlich ist. Ein kleiner Fehler und alles fliegt in die Luft. Du meine Güte, was machen wir nur? Im St. Mungos nachzufragen wird nichts bringen, vermutlich haben die selbst alle Hände voll zu tun, wenn der Virus erst einmal im Land ist. Wenn wir nicht innerhalb der nächsten Stunden kein Gegenmittel haben, rechne ich mit dem Schlimmsten."

„Ich kann ihn zubereiten", bot sich Hermine sofort an und die Schulleiterin sah sie kurz an. „Sind Sie sich sicher? Nicht einmal ich würde mich an dessen Herstellung wagen."

„Wir haben alle Zutaten dafür und ich kenne das Verfahren auswendig. Ich bin mir sicher, dass ich es kann."

„Wir brauchen Unmengen davon, das kann niemand allein schaffen", warf Madame Pomfrey ein, aber Minerva ignorierte sie einfach und sah Hermine streng an.

„Normalerweise bringe ich keine Schüler in Gefahr, aber ich denke, in diesem Fall kann ich eine Ausnahme machen. Miss Granger, ich muss Sie bitten, hier zu warten. Poppy, such Severus, er soll sofort in mein Büro kommen. Ich gehe jetzt das Kollegium informieren.

Bis auf weiteres werden alle Schüler in ihren Aufenthaltsräumen bleiben. Die Vertrauensschüler werden angewiesen, alle Erkrankten sofort zu melden und auf die Krankenstation zu bringen.

Mister Potter, wenn sie so freundlich wären, das zu übernehmen?"

Harry nickte nur und rannte fluchtartig hinter der Krankenschwester aus dem Büro heraus.

Allein gelassen sah sich Hermine im Büro um. Überall hangen die Bilder ehemaliger Schulleiter an den Wänden, teilweise in heller Aufregung. Die meisten hatten sicher mitbekommen, was los war und diskutierten untereinander.

„Ganz schön gefährlich dieser dunubius flamare", filterte sie die Stimme ihres ehemaligen Direktor heraus und sah zu dem Gemälde von Dumbledore, der sie aufmerksam zu beobachten schien.

„Nicht wenige sind dabei schon explodiert. Ein alter Bekannter von mir, Herman Hellermann aus Deutschland, dem hat's beide Beine abgerissen. Scheußliche Sache sowas."

„Ich schaffe das", bemerkte Hermine mit fester Stimme, kam aber nicht umhin, sich unwohl zu fühlen. Es war wirklich sehr gefährlich.

„Oh, dessen bin ich mir absolut sicher, meine Liebe. Ich hatte in meiner Amtszeit auch einen Ausbruch an der Schule. Scheußliche Sache, sehr sehr scheußlich. Wir hätten damals fast einen Schüler verloren, aber Severus war als Sechstklässler schon sehr begabt, was Tränke anging. Leider weiß ich nicht mehr alles so genau, aber ich hab die Erinnerungen daran aufgehoben, im Denkarium."

Hermine sah zu der flachen Steinschale und wieder auf das Gemälde. Die Erwähnung des Namens ihres ehemaligen Lehrers gab ihr einen Stich, aber sie war auch neugierig, wie der damalige Schüler es wohl geschafft hatte, den Trank ohne Verletzungen zu überstehen.

Ob sie es wagen sollte? Sie war praktisch allein und die Versuchung zu groß. Es würde auch nicht lange dauern...

Entschlossen stand sie auf und blickte in die Schale mit den ineinandergewirbelten Gedanken. Sie musste sich nur konzentrieren und schon würde die richtige Erinnerung in ihren Kopf wandern.

Sie hatte die Oberfläche kaum berührt, als sie auch schon das Gefühl hatte zu fallen.

Dies waren nicht die richtigen Erinnerungen, dessen war sie sich bewusst, kaum dass sie sich umsah. Erst verstand sie nicht, aber dann wurde ihr klar, um wessen es sich handelte. Harry hatte ihnen nie die Details erzählt und eigentlich hatte sie auch geglaubt, dass Snape diese längst wieder entfernt hätte, aber nun befand sie sich mitten in seiner Vergangenheit und was sie sah, zog ihr das Herz zusammen...

Hermine wurde kräftig an der Schulter gezogen und so aus den Erlebnissen, dass ihr für Sekunden ganz schwarz vor den Augen wurde, erst dann erkannte sie blinzelnd den dunkelhaarigen Mann, der sie hasserfüllt anstarrte. Für einen irrwitzigen Augenblick hatte sie das Bedürfnis, ihre Arme um ihn zu schlingen, aber dann wurde ihr klar, dass er sofort wissen würde, was sie gesehen hatte.

„Darf ich fragen, was Sie da machen?" Seine Stimme war eiskalt und Hermine zuckte verlegen zusammen. Erinnerungen stürzten über sie zusammen. Ihre. Gemeinsame. Seine.

„Severus, schön dich zu sehen. Wie geht es dir? Ich habe Hermine gebeten nach einer Erinnerung von mir zu suchen." Zu ihrem Glück half ihr das Gemälde sofort aus der Patsche, in der sie saß.

„Haben Sie sie gefunden, meine Liebe?"

Hermine hatte Mühe, ihre Tränen zu unterdrücken, aber sie schüttelte ihren Kopf. „Nein, tut mir Leid, Professor Dumbledore."

„Nun ja, macht nichts. Sie haben sicher beide nun genug um die Ohren."

Snape sah misstrauisch zwischen dem Gemälde und der jungen Frau hin und her, bevor er seinen harten Griff an Hermines Schulter lockerte.

„Da gebe ich dir völlig Recht, Albus", hörte Hermine die Stimme McGonagalls aus dem Hintergrund. „Severus, ich muss dich um Beeilung bitten, die Situation ist wirklich so schlimm wie Poppy gesagt hat. Miss Granger wird dir zur Hand gehen, wir brauchen jetzt jede Hilfe, die wir bekommen können."

Sein von Misstrauen und Zorn vernebelter Blick ließ nicht nach. Nicht einmal als die Schulleiterin ihn ansprach, löste Snape den Blick von der jungen Frau an seiner Seite.

„Ich verzichte, Minerva. Es ist zu gefährlich für sie und ich werde die Verantwortung nicht übernehmen. Das erledige ich allein."

„Nun, Miss Granger hat mir versichert, dass sie fähig dazu ist und ich vertraue ihr. Außerdem ist es beschlossen und die Verantwortung übernehme selbstverständlich ich. Die Krankheit ist zu weit ausgebreitet, als dass wir Zeit für Diskussionen haben."

Der Professor ruckte herum und sah die Schulleiterin an, aber die gab nicht nach und so nickte er nur kurz.

„Also gut. Granger, kommen Sie mit. Aber keine Beschwerden, wenn Ihnen später einige Gliedmaßen fehlen, sollten wir dieses Unterfangen überhaupt überleben."

Sie begaben sich umgehend in den Keller und sicherten vorsichtshalber das Gewölbe mit einem Schutzzauber, damit im Fall eines Fehlschlags nicht gleich das ganze Schloss mit in die Luft flog.

Hermine arbeitete ohne ein Wort. Sie suchte die Zutaten heraus, reichte sie dem Lehrer, beschwörte Ingredienzien, pulverisierte Pflanzen und konzentrierte sich auf das, was sie tat.

„Nur drei Tropen davon, achten Sie darauf", warnte Snape sie leise, als sie aus einer Phiole eine Flüssigkeit in den Kessel tropfte.

„Ich weiß", quetschte sie zwischen den Zähnen hervor. Eine zuviel und ihre Einzelteile würden als Wandtapete das Kellergewölbe zieren.

„Nun, ich habe keine Lust, später Ihre Eingeweide einzusammeln."

„ICH WEISS!" Hermine war genervt. Sie hatte Angst, dass er selbst nicht aufpasste, wenn er sie ständig auch noch im Auge behielt.

„Jetzt die Katzenwinde. Genau fünf Stängel und seien Sie vorsichtig."

„Blablabalbalba", äffte sie leise und versuchte ihre zitternde Hand zu beruhigen. Sie durfte keinen Fehler machen, sonst schnitt ihr das Kraut die Finger ab.

„Haben Sie etwas gesagt? Passen Sie bloß auf, ich habe keine Zeit, mich um abgetrennte Extremitäten zu kümmern."

„Wenn Sie nicht endlich aufhören mich zu stören, werde ich Ihnen einige Extremitäten abtrennen, wenn das hier vorbei ist."

Sie hatte die Nase voll. Seit Jahren schikanierte er sie in diesem Fach, obwohl sie mit Abstand die Beste war. Er hatte nicht mehr das Recht sie zu kritisieren und nach all dem, was zwischen ihnen vorgefallen war, hatte sie auch allen Grund stinksauer auf ihn zu sein. Sie hatte keine Zeit in dieser brisanten Situation darüber weiter nachzudenken, aber wenn er nicht gleich aufhörte, konnte sie für nichts mehr garantieren. Da war die Vorstellung, zerlegt zu werden noch netter als seine ständigen Zwischenrufe.

Völlig untypisch für ihn, so fand Hermine, war er tatsächlich für eine Weile ruhig. Trotzdem sah sie aus dem Augenwinkel, dass er sie bei jeder Aktion im Auge behielt.

„Zehnmal umrühren, entgegen dem Uhrzeigersinn", murmelte sie und tauchte den gigantischen Kochlöffel vorsichtig in die trübe Flüssigkeit, die leicht vor sich hin brodelte. „Temperatur und Farbe sind gut. Fast fertig." Sie zählte in Gedanken mit und hört millimetergenau an der gleichen Stelle auf, wo sie mit dem Löffel eingetaucht war.

Verschwitzt wischte sie sich mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn. Jetzt kam das Gefährlichste an ihrem Unternehmen, aber sie mussten noch einige Minuten warten.

„Tja, Miss Granger. Gleich kommt der spannende Moment, vielleicht gewöhnen Sie sich schon mal an den Gedanken, dass dies das letzte ist, was sie sehen werden. Die Chancen stehen zu fünfzig Prozent gegen uns."

Hermine wusste es. Sie mussten gegen den Kessel schlagen, damit er in Vibration kam, sobald der Trank die richtige Temperatur erreicht hatte. Etwas zu fest oder zu schwach, und sie würden praktisch mit dem Rest des Kellergewölbes verpuffen.

„Nun, das kommt auf die Sichtweise an. Ich würde sagen, es steht zur Hälfte für uns. Immerhin sind wir noch ganz." Auch in der Zwischenzeit hätte schon alles Mögliche passieren können.

„Sie hatten einfach nur Glück."

„Ach ja? Meiner Meinung nach habe ich verdammt gut gearbeitet. Hätten Sie lieber Neville Longbottom an ihrer Seite gehabt?" Angewidert verzog der Professor das Gesicht, als der Namen des wohl unbegabtesten Tränkeschülers aller Zeiten hörte.

„Ich hätte am liebsten niemanden hier gehabt, schon vergessen? Sie haben sich ja Minerva aufgedrängt. Außerdem hätte Longbottom es niemals gewagt, so mit mir zu reden."

„Der arme Neville hatte eine Scheißangst vor Ihnen, weil Sie ihn permanent drangsaliert haben!"

„Wenn ich das nicht getan hätte, dann hätte er sich und andere mit seinen haarsträubenden Aktionen in der Tränkeherstellung in Lebensgefahr gebracht. Und es wäre besser, wenn sie auch eine Scheißangst vor mir hätten, wenn Sie weiter so respektlos mit mir reden."

„Vielleicht sollten Sie besser aufhören so zu brüllen. Wenn der Kessel durch ihr Geschrei in Vibration kommt, sind wir in größerer Lebensgefahr, als wir es durch Neville jemals waren."

„Ich brülle...", dröhnte Snape und senkte dann sofort seine Stimme etwas ab. „Ich brülle nicht. Ich bin lediglich nicht gewohnt, mich von impertinenten kleinen Mädchen maßregeln zu lassen."

„Erstens bin ich kein kleines Mädchen mehr und zweitens wird es Mal Zeit, dass Ihnen jemand sagt, was für ein Ekel Sie sind."

„Oh, die vielleicht letzte Minuten ihres Lebens erfüllen Sie sich wohl den geheimen Wunsch, mir endlich ungestraft ein paar Beleidigungen an den Kopf zu werfen?"

„Zumindest kann ich dann im Jenseits von mir sagen, dass ich diese Zeit mit etwas Nützlichem verbracht habe."

„Werden Sie jetzt sarkastisch? Sollte ich noch eine neue Seite an Ihnen entdecken, außer, dass sie in Ihren Träumen Ihren Mr. Weasley betrügen? Ich bin schockiert." Seine Stimme tropfte vor Hohn.

Hermine fauchte vor Wut, als hinter ihr das magische Thermometer anfing zu piepsen. Es war soweit. Der Zauberer nahm seinen Stab in die Hand und klopfte dreimal hintereinander an die Kesselwand.

„In genau drei Minuten fliegt uns vermutlich alles um die Ohren. So hatten Sie sich ihre letzten Atemzüge wohl nicht vorgestellt, oder? Es muss ja furchtbar sein, ausgerechnet mit mir an der Seite zu sterben. War das ihr letzter Wunsch? Wenigstens jemanden mitzunehmen, den sie hassen?"

„So pessimistisch, Miss Das-Glas-ist-halb-voll? Vorhin hörten Sie sich weitaus optimistischer an. Aber Sie haben völlig Recht. Der Gedanke, wenigstens noch eine gute Tat vollbracht zu haben und die Welt vor so einer unerträglichen Besserwisserin zu befreien, hat etwas für sich."

Hermine fauchte erneut, bog ihre Finger zu krallen und wollte ihre Nägel in sein Gesicht schlagen, aber er fing ihre Fäuste wie lästige Fliegen ab und hielt sie fest. Sekundenlang standen sie sich gegenüber, funkelten sich hasserfüllt an und niemand war bereit den Blick zu senken, bis der Professor Hermine so abrupt losließ, dass sie ins Staucheln kam.

Es war seltsam. Sie hatte schon davon gehört, dass man das Leben an sich vorbeiziehen sah, wenn man starb. Aber Hermine wollte nicht sterben und sie war sich sicher, dass alles gut würde. Es musste einfach. Es gab noch soviel zu erleben. Noch soviel zu lernen und vor allem aber – sie lachte bei dem Gedanken – würde ihr die Genugtuung gefallen, Snape in dem Wissen zu lassen, dass ihm mal wenigstens jemand die Meinung gesagt hatte. Es war fast schon verrückt, an was man alles im Angesicht des Todes so dachte.

Im gleichen Augenblick taten ihr die Worte auch schon wieder Leid. Sie hatte gesehen, warum er so geworden war. Hatte seinen Schmerz und seine Verzweiflung gespürt. War es da nicht natürlich? Er war um ein Haar gestorben, nur um das Andenken einer verlorenen Liebe. Wie grausam musste es für ihn gewesen sein, Lily praktisch dreimal zu verlieren? Einmal als Freundin, als die große Liebe und in ihrem Vermächtnis später noch einmal, als Dumbledore ihm eröffnete, dass Harry sterben müsste.

Wie es wohl sein musste so leidenschaftlich zu lieben?

Tränen schwammen in ihren Augen. Wieviel Zeit blieb ihr noch, bevor sie wussten, ob es mit dem Trank geklappt hatte oder nicht?

„Ich hätte nicht erlauben sollen, dass Sie hier sind."

Seine Worte überraschten Hermine, weil sie sich ungewöhnlich sanft anhörten, fast als wollte er sich entschuldigen. Ob ihm ähnliche Dinge durch den Kopf gingen? Wem wohl seine letzten Gedanken galten?

Sämtliche Wut war aus seinem Blick verschwunden als Hermine aufblickte. Es kam ihr unwirklich vor, dass sie jemals wirklich Angst vor ihm gehabt hatte.

Verrückterweise wollte sie nichts anderes als diesen Moment festhalten.

Wieviel Zeit noch? Sekunden? Eine Träne rollte über ihre Wange und wurde von seinem Finger abgefangen.

Automatisiert hob Hermine ihre Arme, legte sie ihm auf die Schultern, stellte sich auf die Zehenspitzen und regungslos ließ er zu, dass sie ihn küsste.