Teil 9

Der ganze Morgen stand im Zeichen des großen Abschieds. Es kamen Vertreter des Ministeriums, die Urkunden an die Abschlussklassen verteilten, langweilige Reden hielten und immer wieder betonten, was für ein großer Abschnitt doch nun hinter ihnen läge. Hermine folgte dem Spektakel nur am Rande. Immer wieder flogen ihre Gedanken fort und holten sich die Erinnerungen der unglaublichen letzten Nacht vor ihr Auge.

Es hatte sie erleichtert, mit Harry darüber zu reden, auch wenn er noch nicht wusste, was sie getan hatte und es fiel ihr zunehmend schwerer sich gegenüber Ron normal zu verhalten.

Erneut sah sie sich in seinem Bett, noch völlig aufgelöst von dem, was geschehen war. Nicht einmal jetzt, mit dem gehörigen Abstand, verstummte das seltsame Summen in ihrem Körper. Es war, als flögen Milliarden kleiner Schmetterlinge in ihrem Inneren herum und wirbelten alles darin durcheinander.

Verhaltener Applaus war zu hören und sie klatschte instinktiv einfach mit, doch von dem was da am Pult geredet wurde, registriere sie nichts.

„Hermine."

Es war ihr, als könnte sie plötzlich hören, wie er ihren Namen ausstieß. Das war es gewesen! Das war es, was er im Moment größter Verzückung gesagt hatte. Aufgeregt verhakte sie ihre Hände ineinander.

„Hermine."

Konnte es denn wahr sein? Die Schmetterlinge verknoteten sich zu seinem gigantischen Flatterball in ihren Eingeweiden.

„Hermine."

Nein, soviel Hoffnung durfte sie sich nicht machen, denn der Schmerz darüber enttäuscht zu werden, würde viel größer sein.

„Hermine, verdammt."

Ein heftiger Stoß in ihre Rippen unterbrach ihre Tagträumereien und sie starrte für einen Augenblick verwirrt in das Gesicht von Ginny.

„Sie sind endlich fertig und fast alle sind schon weg. Wir sollen uns draußen für ein Abschiedsbild versammeln, nun komm endlich."

Überrascht sah sie sich um und erkannte, dass fast alle den Saal bereits verlassen hatten. Eilig machte sie sich daran Ginny zu folgen, die sie fragend angesehen und dann den Kopf geschüttelt hatte. Ob sie etwas ahnte? Harry hatte sicher schon mit ihr gesprochen. Ginny war weitaus sensibler, was Hermines Gefühle anging. Auch wenn sie erstaunt war, wie viel Verständnis Harry ihr entgegen gebracht hatte und wie viel Einfühlungsvermögen er damit bewiesen hatte - Sie war überzeugt, dass Ginny in der Lage war, sie zu durchschauen.

Ob sie böse war? Ron war ihr Bruder, da wäre es natürlich, doch ihre Freundin machte keinerlei Anzeichen, dass sie böse mit ihr war. Auch sie machte eher einen besorgten Eindruck.

Der magische Fotograf versuchte natürlich mit allen Mitteln, Harry und seine Freunde nach vorne in die erste Reihe zu bringen. Immerhin würde das Bild auch im Tagespropheten erscheinen und Hermine konnte sich schon gut die Schlagzeile vorstellen. Zu ihrer Erleichterung war es ein wenig ruhiger geworden, was den Rummel um den Sieg über Voldemort anging, aber die Reporter ließen keine Gelegenheit aus, die Dinge wieder auszugraben. Erst letzten Monat war der Vorschlag gekommen, die Zeitrechnung neu zu setzen. Ab sofort sollte es: Jahr 1 n.V. (nach Voldemort) heißen. Gut, dass Harry so gelassen reagiert und einem der Klatschpresse mitgeteilt hatte, dass er nicht bei jedem Blick aufs Datum an diese schreckliche Zeit erinnert werden wollte.

Noch immer verweigerten sie sich untereinander über die Toten zu sprechen. Es war beinahe so, als wären sie es gar nicht, wenn man ihren Namen nicht aussprach. Fred, lieber, guter und immer lustiger Fred. Es war immer noch grausam daran zu denken, dass man nie wieder sein Lachen hören würde. Moody, Dobby und vor allem auch Lupin und Tonks. Sie hatten so wenig Zeit zusammen haben können. Wie sehr hatte Hermine ihnen dieses Glück gegönnt, sich zu finden und wie schnell war es grausam zerstört worden. Ihr gemeinsamer Sohn lernte vermutlich gerade laufen und sie würden es nie sehen können.

Endlich war das Bild fertig und die Schüler streiften ihre langen Roben ab, lachten und flachsten miteinander, während Hermine immer noch grübelte. Es war warm an diesem Tag und auch die letzten Pfützen der langen Schlechtwetterperiode verdampften in der Sonne.

Man konnte nie wissen, wann das Schicksal einen traf. Ob man am Ende die vergeudete Zeit bereute? Was, wenn sie nun einfach Hogwarts verließ und nie erfahren würde, ob da nicht vielleicht doch eine Chance gewesen wäre?

Wie spät war es wohl? Ein Blick in den Himmel zeigte Hermine, dass es bereits früher Nachmittag war. Die letzte Stunde im Zaubertränkekeller war bestimmt bald vorbei. Vielleicht die letzte Gelegenheit, um einige Dinge zu klären.

„Kommst du mit? Wir wollten uns von den Zentauren verabschieden. Hagrid kommt mit und zeigt uns eine Abkürzung durch den Wald."

Hemine sah Ron nicht einmal an, während sie ihren Kopf schüttelte.

„Nein, ich muss noch etwas anderes erledigen. Grüßt sie herzlich von mir."

Ein wenig ratlos sah er ihr hinterher und auch die betretenen Gesichter von Harry und Ginny brachten keine vernünftige Erklärung für Hermines seltsames Verhalten. Doch dann zuckte Ron mit den Schultern und folgte dem Wildhüter in den verbotenen Wald.

Sie hatte Glück, denn die Stunde war wirklich noch nicht beendet, also wartete sie einfach vor der Tür und lauschte den Geräuschen. Sie hörte genau seine scharfe Stimme heraus, wie er einen Schüler zurechtwies. Es war ihr, als könnte sie genau sehen, wie er mit den Händen auf den Rücken von Kessel zu Kessel lief. Wie die Schüler in Hektik ausbrachen, wenn er ihnen auch nur über die Schulter sah und wie sie erleichtert die Luft aus den Lungen ließen, wenn er wieder weg sah.

Endlich war die Stunde beendet und Hermine stellte sich vorsichtshalber ein wenig zur Seite. Sie wusste genau, dass wenn die Tür aufging, die Jungen und Mädchen mit erleichterten Gesichtern heraus stürmen würden – froh darüber, wieder eine dieser verhassten Unterrichtsstunden hinter sich gebracht zu haben.

Erst als auch der Letzte weg war, schlüpfte sie hinein, schloss die Tür hinter sich und beobachtete kurz, wie er die Tische und Kessel kontrollierte. Vermutlich würden am nächsten Tag so einige Punkte auf dem Hauskonto fehlen, wenn auch nur ein Schutzfleckchen übrig geblieben war.

Wie hatte sie nur annehmen könne, dass sie es nicht vermissen würde? Dies war ihr Leben. Dieses Schloss, mit seinen wandelnden Treppen, den Unterrichtsräumen, den Gemälden und Geistern. Dem Lachen und Leben, das hier herrschte. Es war ihr Zuhause geworden in all der Zeit und sie würde von nun an alles daran setzen, hierher zurückzukehren, selbst wenn ihr Gespräch gleich nicht zu ihren Gunsten verlaufen würde.

„Was willst du hier?" Für einen Moment hatte sie geglaubt, er hätte sie nicht einmal bemerkt, da er nicht einmal aufgesehen hatte.

Entschlossen kam sie ein paar Schritte näher und war ein wenig enttäuscht, dass er es nicht einmal für nötig befand, sie anzusehen. Stattdessen fuhr er mit dem Finger über den Rand eines Kessels und verzog angewidert die Miene.

„Reden." Warum musste sich ihre Stimme nur so zittrig anhören, ärgerte sie sich, und räusperte sich leise.

„Mit wem?" Überrascht zog sie ihre Brauen nach oben und sah sich demonstrativ um.

„Na mit dir, oder ist hier sonst noch jemand?"

Es war sehr seltsam, ihn nicht mit dem gewohnten 'Sie' anzusprechen und es fiel ihr schwer. Trotzdem wäre es ihr nicht wieder gelungen, nicht nach der letzten Nacht.

Endlich hörte er mit seiner Inspektion auf, sah hoch und starrte sie finster an.

„Ich wüsste nicht, was wir noch zu bereden hätten."

Verdammt, warum musste er es ihr so furchtbar schwer machen? Ein nettes Wort, oder auch nur ein freundlicher Blick und sie wäre ihm vermutlich einfach um den Hals gefallen, statt nun herumzudrucksen und nach den richtigen Worten zu suchen.

Ihre Hand griff nach einem der großen Kessel und klammerte sich daran fest. Er war noch warm von den Übungen und sie erkannte noch am Geruch, mit welchen Pflanzen sie gearbeitete hatten.

Es war so verrückt. Jedes Mal, wenn sie auch nur in seine Nähe kam, waren die wunderbaren Worte, die sie sich ausgedacht hatte wie weggeblasen und sie konnte nicht anders als ihn anzustarren.

Es hatte den Anschein, als würde es ihn nur noch ungehaltener machen und mit einer abwehrenden Geste drehte er sich einfach um und sortierte die Pergamente und Rezepte auf dem Schreibtisch an der Spitze des Tränkelabors.

„Wenn du gekommen bist, weil du mir in irgendeiner Weise dein Bedauern über die letzte Nacht zum Ausdruck bringen willst, dann lass es gleich."

Überrascht ließ sie den Kessel los und wischte die Hand an ihrem Rock ab, denn das Kupfer war immer noch feucht gewesen. Oder war es lediglich ihr eigener Schweiß, der das verursacht hatte?

„Wie kommst du darauf, dass ich es bedauern würde?" War sie zu offensichtlich mit ihren Worten? Auf keinen Fall wollte sie, dass er sich für etwas verantwortlich fühlen sollte.

Irgendetwas stimmte nicht, meldete ihr Instinkt. Er strahlte so eine Kälte aus, dass es sie fröstelte, obwohl es hier unten immer noch warm von den vielen Feuern war. Die feinen Härchen in ihrem Nacken stellten sich warnend auf, als er sie ansah und sie schon wieder dieses Gefühl bekam, in seiner Gegenwart zu schrumpfen.

„Hör mir genau zu, denn ich werde es dir nur einmal sagen. Ich habe weder Zeit noch die Geduld für diese pubertären Frage und Antwort-Spielchen. Wenn du etwas zu sagen hast, dann sag es mir jetzt, oder geh und lass mich in Ruhe."

Hermine schnappte nach Luft, die seltsamerweise plötzlich knapp zu werden schien und das winzige Fünkchen Hoffnung in ihr erlosch mit der aufkeimenden Entrüstung darüber, dass er sie nach all dem immer noch für ein kleines Mädchen hielt.

„Inzwischen sollte es selbst dir aufgefallen sein, dass ich kein Kind mehr bin", schimpfte sie energisch in seine Richtung.

Die Pergamente fielen wieder ungeordnet auf den Tisch, nachdem er sie abrupt losließ und sich mit den Händen auf der Platte abstützte, zu ihr vorbeugte und Hermine das Gefühl bekam, ein Raubtier geweckt zu haben.

„Das", und er betonte es akzentuiert, „ist mir allerdings aufgefallen. Bist du deshalb hier?"

Er hatte den Tisch umrundet und war auf Hermine zugekommen, die wie zur Bewegungslosigkeit verdammt nur zusehen konnte, wie er ihr näher kam. Sie wusste, dass es besser für sie war, sofort zu verschwinden, aber sie schaffte es einfach nicht.

„Gibt es noch etwas, was ich für dich tun kann, oder ist dein Liebhaber nicht Manns genug dafür?" Sie wich zurück, aber es war zu spät. Wie magische Schraubzwingen hatten sich seine Hände in ihre Schultern gebohrt. Seine Worte tropften nur so vor Sarkasmus.

„Schick ihn zu mir, ich gebe ihm gerne Adressen von willigen Hexen, die ihm das Nötige beibringen."

Er zuckte nicht einmal, als Hermines flache Hand ihn mit Wucht ins Gesicht traf und dort rote Spuren hinterließ.

„Du bist..."

„Was bin ich?" unterbrach er sie mit einem boshaften Lächeln. „Widerlich? Abstoßend?"

„Gemein."

„Oho, welch beeindruckende Wortwahl. Sollte ich mich das etwa treffen? Glaub mir, ich habe schon Dinge über mich gehört, da klingt das wie ein Kompliment."

Hermine hatte es nicht sagen wollen und verzerrte ihr Gesicht. Sie war unter völlig anderen Voraussetzungen gekommen.

„Hör auf, Severus, bitte."

Sofort ließ er sie los, als wäre sie ein glühendes Eisen.

„Es tut mir Leid, ich wollte dich nicht schlagen."

Seine Finger strichen einmal kurz über sein Gesicht, als würde er es erst jetzt bemerken.

„Was willst du hier noch?", flüsterte er heiser und einem Impuls folgend, hob Hermine ihre Hand und folgte seinen Fingern.

Er war wie erstarrt und erst nach einer Schrecksekunde, umfasste er ihre Hand und zog sie von seinem Gesicht fort.

„Ich hatte dir etwas sagen wollen." Nur was, das fiel ihr einfach nicht mehr ein. Es war fiel zu faszinierend zuzusehen, wie er ihre Hand hielt, sich ihre Handflächen aufeinander drückten und ihre Finger langsam verhakten.

Er wusste nicht warum sie hier war, aber noch immer schwelte in ihm die Wut darüber, dass sie offensichtlich in Potter verliebt war. Am liebsten hätte er ihr diese Gefühle wie eine Erinnerung aus ihr heraus gesaugt, sie mit irgendeinem Amnesiezauber belegt, oder noch Schlimmeres. Da war die Vorstellung, dass sie sich mit diesem rothaarigen Idioten herumtrieb noch einfacher zu ertragen.

Ihre Nähe machte ihn verrückt, ließ ihn nicht mehr klar denken und fachte seinen Zorn nur noch mehr an. Und jetzt sah sie ihn auch noch mit diesen weit aufgerissen Augen an, als könnte sie bis auf den Grund seiner schwarzen Seele blicken.

Sie machte ihn verwundbar, auf eine eigenartige Weise verletzlich und es ärgerte ihn. Nach dem fast Jahrzehnte andauerndem Kampf, sämtliche Emotionen verkümmern zu lassen, oder wenigstens in jeder Situation zu beherrschen, kam diese kleine Person und brachte sein Nervenkostüm allein durch ihre Anwesenheit an den Rand der Selbstbeherrschung.

Vermutlich war sie nur aus dem Grund gekommen, ihm ihr lächerliches Geheimnis preiszugeben Sie hatte so verwirrt ausgesehen, so herumgedruckt, dass es fast gar nichts anders sein konnte, doch er wollte es nicht hören. Wollte nicht aus diesem Mund hören, dass sie sich zu diesem Möchtegernhelden hingezogen fühlte, der unter seinen Augen zu zittern begann.

„Spar dir deine Worte, ich kann es mir denken", brachte er mit Mühe zwischen den Zähnen hervor und erkannte diese Spur von Überraschung und Erwartung in ihren Augen. Was wollte sie denn noch hören? Dass er sie beglückwünschte?

Wie automatisiert wanderte seine andere Hand in ihren Nacken und griff in den dicken Schopf von Haaren, die andere noch fest mit ihrer verbunden.

„Weiß es dieser Weasley schon? Oder hast du Angst, es bricht ihm sein süßes, kleines Herz?"

Erneut sah er das Unverständnis in ihren Augen und konnte fühlen wie sie versuchte, den Kopf zu schütteln, den er unerbittlich festhielt, damit sie seinem Blick nicht ausweichen konnte. Er hätte alles darum gegeben ihre Gedanken an den anderen aus ihrem Schädel zu pressen, ihr eine Art eigenen Stempel aufzudrücken und wusste im nächsten Atemzug, dass dies nicht möglich war.

Nicht, weil er nicht dazu fähig war, sondern weil er wissen würde, dass es niemals echt sein könnte.

Sie würde ihn hassen für das, was er nun einfach tun musste, aber es war besser mit ihrem Hass zu leben, als weiteren, schmerzenden Erinnerung, und ohne zu zögern, presste er seine Lippen auf ihre.

Er hatte mit allem gerechnet. Einem weiteren Schlag, oder zumindest eine Art Abwehr, aber sie gab einfach so nach. Erwiderte den Kuss mit dem scheinbar gleichen Verlangen, das erneut diese seltsame Macht in ihm die Oberhand gewinnen ließ.

Er wusste genau, dass es eine riesige Dummheit war, aber er war unfähig, sich dagegen zu wehren.

Mit sanftem Druck trieb er sie rücklings gegen die nächstbeste Kellerwand, keilte sie förmlich ein zwischen Stein und seinem Körper, doch noch immer schien sie sich nicht bewusst zu werden, was passierte. Stattdessen stachelte sie ihn auch noch an, indem ihre Hand in seinen Nacken wanderte und, soweit es ihr noch möglich war, ihren kleinen Körper aufreizend an seinem rieb.

Jegliche Vernunft tauchte ab und ließ die primitivsten aller Triebe an die Oberfläche. Heftig riss er ihren Rock nach oben und drängte sich noch näher an die feuchte Wärme. Keinerlei Abwehr kam ihm entgegen, stattdessen wanderten ihre Hände zu dem Bund seiner Hose, als wäre sie von den gleichen niederen Instinkten besessen wie er.

Aus der lästigen Enge befreit, presste er sie nur noch mehr an die Wand, schob den noch störenden Stoff ihres Slips einfach zur Seite und versenkte sich ohne unnötiges Vorspiel in ihr. Automatisch wickelten sich ihre Beine um seine Hüften, ihr ganzer Körper lediglich gehalten von den Händen unter ihren Achseln und der Steinwand im Rücken.

Sie schien nicht einmal zu spüren, wie die raue Oberfläche über ihre Haut schabte und dort wunde Spuren hinterließ, fühlte nichts als ihn und die sich nähernde Explosion in ihrem Inneren. Stöhnend schloss sie ihre Augen.

„Nein. Sieh mich an", befahl er ihr, den Kuss unterbrechend. Sie sollte wissen, dass er es war und nicht an diesen jungen Schnösel denken. Zu seiner Überraschung tat sie es sogar. Sah ihn an mit nichts als diesem von Lust verschleierten Blick und hielt dem seinen stand, bis die Ekstase sie überrollte, ihre Augen sich nach oben verdrehten und sie ihn einfach mitriss.

Minutenlang standen sie noch aneinander gepresst, schwer atmend zusammen, bis sich ihre Beine schließlich lockerten und zu Boden glitten. Fasst beschämt zog Hermine sich ihren bis zur Taille hoch gerutschten Rock wieder herunter und konnte nicht fassen was geschehen war.

Sie hatte sich benommen wie eine läufige Hündin, was würde er nur von ihr denken? Hatte er sie wirklich richtig verstanden? Seine seltsamen Andeutungen waren so verwirrend gewesen, als wüsste er um ihre Gefühle. Es hatte etwas völlig Paradoxes an sich, dass er sie zunächst kränkte und dann...

Blut schoss ihr in die Wangen und sie senkte den Blick, um ihn nicht ansehen zu müssen. Sie kam nicht weiter darüber nachzudenken, denn es klopfte energisch an der Tür des Labors.

„Hermine?" Harry dunkler Schopf zeigte sich ohne eine Aufforderung abzuwarten und sie war froh, dass auch Severus sich bereits wieder zurecht gerückt und einige Schritte von ihr entfernt hatte. Um ein Haar wären sie in einer äußerst peinlichen Situation erwischt worden.

„Die Zentauren waren nicht da", erklärte er und sah angespannt zwischen seiner Freundin und seinem ehemaligen Lehrer hin und her. Ginny war auf die Idee gekommen, sie hier zu suchen und es ärgerte ihn sogar ein wenig, dass seine Freundin recht gehabt hatte. Nur um Ron nicht zu verunsichern hatte er darauf verzichtet, die Karte zu nutzen.

„Hm?" Sie schien ihm gar nicht richtig zuzuhören, sondern wirkte eher erschrocken. Auch Snape sah nicht begeistert aus. Der unverhohlene Zorn stand ihm ins Gesicht geschrieben, wobei er Hermine nicht aus den Augen ließ.

„Ich komme", sagte sie dann nach einer weiteren Pause angespannter Stille. „Ich hatte lediglich noch etwas mit dem Professor zu besprechen, aber das kann ich auch noch ein andermal tun."

„Ich glaube nicht, dass das nötig ist, Miss Granger." Hermine zuckte unter der Erwähnung ihres so förmlich gesprochenen Namens zusammen. „Die Angelegenheit bedarf keiner weiteren Klärung."

Damit rauschte er mit wehendem Umhang an ihr vorbei, streifte Harry mit einem verächtlichen Blick und ließ die beiden allein. Erst nach einem gebührenden Abstand warf er einen kurzen Blick zurück und sah, wie der junge Mann nach der Hand des Mädchens griff.

Dieses heimtückische Biest. Es war wohl einer ihrer verrückten Pläne sich auch noch von Potter erwischen zu lassen, der zu seinem Glück schief gegangen war. Wollte sie Harry eifersüchtig machen? Das würde erklären, warum sie ihn in diese kranken Ideen mit einbezogen hatte.

Auf jeden Fall würde er dafür sorgen, dass sie nie wieder eine derartige Gelegenheit bekommen sollte.

Ok, jetzt ist aber wirklich Schluss mit Missverständnissen ggg Der nächste Teil heißt 'Wahrheiten' und wird so langsam das Ende dieser Story einleiten.