Ich hoffe ihr hattet alle schöne Feiertage und seit gut ins neue Jahr gestartet!

Kapitel 5

„Draco, steh auf!"

Blaise Zabini, ein hoch gewachsener Slytherin, zog die grünen, samtenen Vorhänge um Dracos Bett zurück und starrte auf eine leere Matratze. Das ebenfalls grünliche Bettdeck was bereits ordentlich zurechtgemacht, sodass man die mit silbernem Faden eingestickte Schlange ungehindert betrachten konnte.

Aber Blaise war nicht danach die aufwändige Stickerei zu bewundern.

Pah Frechheit, dachte Blaise, der schon seit einer viertel Stunde auf seinen besten Freund gewartet hatte und stapfte nun erbost zum Frühstück in die Große Halle.

Was denkt sich Draco denn, hätte er nicht einfach die Vorhänge offen lassen können, nein ich warte da ewig auf ihn und mach mich zum Deppen. Soll der mir mal über den Weg laufen...

Doch Blaise hatte keine Gelegenheit sich bei Draco für die unnütze Wartezeit zu bedanken.

Dieser hatte nämlich schon längst sein Frühstück beendet und befand sich in der weithin berühmten Bibliothek von Hogwarts. Dracos Mutter hatte ihm am Ende der Sommerferien ein Pergamentbogen in den Koffer gepackt und ihn gebeten die darauf aufgelisteten Bücher gründlich zu studieren.

So befand er sich nun in der hintersten Ecke der Abteilung „Verwandlung" und zog ein dünnes, kleines Büchlein mit der Aufschrift: „kleine Tarnungszauber für den alltäglichen Gebrauch" hervor.

Die Seiten waren vergilbt und der Umschlag löste sich schon fast vom Rest des Buches ab, doch offensichtlich war es genau das, wonach der Slytherin gesucht hatte.

Draco steckte es unter seinen Umhang wo sich schon ein anderes, viel dickeres Buch befand. Dann verließ er die langen Regalreihen und ließ sich an einem Arbeitstisch nieder. An dem, der von neugierigen Blicken am meisten geschützt war, was angesichts einer menschenleeren Bibliothek jedoch unsinnig schien.

Das dicke Buch wurde auf dem Tisch abgelegt, in dem Dünnen glitten Dracos Augen das Inhaltsverzeichnis entlang bis er fündig wurde und die entsprechende Seite aufschlug. Schon ein paar Augenblicke später ließ er ein leises Schnauben ertönen, wie hatte er nur einen so simplen Zauber vergessen können. Doch jetzt wusste er wieder wie er funktionierte und wand sich der anderen Lektüre zu.

Draco stellte sich das Aussehen des Buchumschlags genau vor, sprach die gefundene Zauberformel und schon entsprach der Titel keines Wegs mehr dem Inhalt des Buches.

Zufrieden blickte Draco darauf, nahm es auf und machte sich auf den Weg zurück in seinen Gemeinschaftsraum. Das dünne kleine Büchlein ließ er liegen, er wollte ja der schrulligen Madam Pince nicht die Arbeit wegnehmen.

Erfolgreich schmuggelte er das Buch aus der Schulbibliothek und überlegte sich, ob er nicht das schöne Wetter ausnutzen sollte und es sich unten am See gemütlich machen.

Auf halbem Weg kam ihm Hermine entgegen und sprach ihn an:

„Hey Malfoy. Wir müssen das Treffen der Vertrauensschüler vorbereiten. Ich schlage vor, dass wir uns heute Abend um 6 Uhr in unserem Schülersprecherzimmer treffen."

„Heute ist Samstag!" entgegnete Draco schnippisch; was denk sich die Granger denn da, er sollte seinen freien Abend opfern?

„Ich weiß welchen Wochentag wir haben, aber ich kann nun mal erst ab 6 Uhr. Was hast du den so wichtiges vor?"

Hermine drehte ihren Kopf leicht schräg um den Titel des Buches lesen zu können, welches Draco in der Hand hielt.

„Der Aufstieg des Dunklen Lords", las sie verächtlich vor, „das musst du nachlesen Malfoy? Ich dachte immer, das gehöre zu deinen Gute-Nacht-Geschichten."

„Vorsicht Granger" Dracos Stimme klang drohend, „red nicht über Dinge von denen du keine Ahnung hast." Und mit einem letzten verächtlichen Blick stolzierte er den Korridor hinunter.

„Und wegen heut Abend?" rief Hermine ihm hektisch hinterher.

„Mal sehen" erklang es gerade noch aus Dracos Richtung bevor dieser um die Ecke bog.

Hermine war sauer auf sich selbst.

Wieso konnte ich mich denn nicht ein wenig beherrschen? Nein ich musste ihn gleich blöde anmachen und auf die böse Seite - gute Seite - Sache anspielen. Dabei hat er sich echt verändert seit sein Vater letztes Jahr nach Askaban kam.

Nun ja, er hat vielleicht aufgehört mich „Schlammblut" zu nennen, aber ansonsten legte er sich immer noch genauso gern mit uns Gryffindors an, wie früher.

Doch je länger Hermine über Dracos Verhalten nachsinnte wurde ihr eines ganz deutlich: Draco mochte zwar immer noch Streit suchen, doch nie hatte der Anlass etwas damit zu tun, dass er mit den Auffassungen Lord Voldemorts einer Meinung war.

Hermine fiel auf, dass Harry und Ron dies vor lauter Hass und eingespielten Streitereien wohl bestimmt nicht aufgefallen war und beschloss mit ihnen so bald wie möglich darüber zu sprechen.

Nachdem Blaise ausgiebig gefrühstückt hatte, holte er seine Schulbücher und betrat die Ländereien von Hogwarts. Er war sich sicher Draco hier draußen zu finden.

Und damit hatte er recht gehabt. Er gesellte sich zu Draco ins Gras, der im Schatten unter einer Trauerweide ein Stück entfernt vom Seeufer saß.

„Morgen Draco, ich habe vorhin auf dich gewartet!"

„Schlecht für dich, ich war in der Bibliothek" entgegnete der Angesprochenen ungerührt.

„Immer ein nettes Wort auf den Lippen."

„Kennst mich doch." Und bei diesen Worten drehte sich Draco das erste Mal direkt zu Blaise und grinste ihn an.

„Das kann man aber laut sagen und deshalb sei mal ehrlich: was ließt du denn da?"

Draco schaute verschmitzt zu Blaise und drückte ihm den Wälzer in die Hände. Dieser schüttelte den Kopf als er den Buchtitel ein weiteres Mal las und schlug es auf.

Dann fing er an zu lachen. Er konnte gar nicht mehr damit aufhören, sodass es Draco bald zu bunt wurde und er barsch fragte:

„Was gibt's da zu lachen? Hast du ein Problem damit?"

„Ich?", gluckste Blaise, „ Nein ich bestimmt nicht, aber du anscheinend. Ich mein Draco, also echt, ich glaube keiner würde dich dumm anmachen nur weil du ein Buch ließt, dass Dumbledore geschrieben hat!"

„Ach ja? Du meinst also ich, Draco Malfoy, könnte einfach so durch die Gegend spazieren mit einem Buch das die Irrlehren von Lord Voldemort heißt? Mein Leben und das meiner Familie ist mir doch so einiges wert.", schloss Draco und war zum Schluss hin immer ernster geworden.

Blaise hörte auf zu lachen.

„Du hast Recht. Für Theodore wäre das ein gefundenes Fressen!"

Bis zum Mittagessen saßen die 2 Jungs schweigend am See. Draco in sein Buch vertieft, Blaise mit seinen Hausaufgaben beschäftigt.

Nachdem sie ihren Magen mit Steak und anschließend Pudding gefüllt hatten kehrten sie zu ihrem Plätzchen zurück, waren inzwischen aber um 1 Person gewachsen.

Mary Kenneth. Sie ist seit beginn des Schuljahres, also um genau zu sein seit einer Woche, Blaises Freundin. Draco konnte das ein Jahr jüngere Mädchen nicht leiden, sie himmelte Blaise an und gehörte nicht gerade zu den Schlausten.

Kein Wunder, dass Blaise gerade mit ihr rummacht, dachte Draco, wenn er genug von ihr hatte konnte sie sich wenigstens keine gefährlichen Rachepläne ausdenken. Kein Wunder, dass der Sprechende Hut sie nach Hufflepuff gesteckt hat.

Ein Schmunzeln huschte über Dracos Gesicht, wenn er an Blaises Vorhaben dachte, dass er ihm in den Ferien mitgeteilt hatte: Noch so viel Vergnügen wie möglich auf Hogwarts zu haben, bevor er sich, in der inzwischen so riskanten Welt, sein Überleben sichern musste.

Ein paar wagemutige Mädchen hatten beschlossen die relativ warme Sonne zu nutzen und begaben sich in einiger Entfernung von Draco in das verhältnismäßig kühle Wasser.

Draco erkannte 2 von ihnen wieder: Lovegood, deren Vater Redakteur dieses bescheuerten Magazins „Klitterer" war und das Weasley Mädchen.

Es kam Draco irgendwie komisch vor, wie sie sich im Kontrast zur Nacht auf dem Korridor des 2. Stocks verhielt.

Der ultramarinblaue Bikini umschmeichelte sanft ihre schöne Figur und Draco musste sich eingestehen, dass sie schon lange nicht mehr das kleine Mädchen war, als das sie Draco sonst immer gesehen hatte.

Ihre gesamte Haltung strahlte etwas lebendiges und freudiges aus und Nichts erinnerte an die bedrohliche Atmosphäre die, des Nachts, zwischen ihnen geherrscht hatte.

Das Ginny auch einen guten Geschmack im Bezug auf Kleidung besaß, fiel ihm erst bewusst auf, als er den, nun ja das regenbogenfarbene Teil betrachtete, dass Luna trug.

Auch das vergnügte Lachen das Ginny mit ihren Freundinnen tauschte bemerkte Draco. Wie 2 verschiedene Menschen, schoss es ihm durch den Kopf.

„He Blaise Schatz, schau mal, ich glaub dein Freund hat gefallen an den Mädchen da unten gefunden", kicherte Mary, was Draco aus seinen Gedanken riss.

Blaise blickte zum See, um nachzusehen um wen es sich da handelte, dann zu Draco der ihn verärgert anblinzelte und schließlich wand er sich mit einem wissenden Lächeln an seine Freundin:

„Hach lass ihn doch, wird eh mal Zeit das er sich eine Freundin zulegt, sonst vereinsamt er ja noch."

Draco ging nicht darauf ein, sondern schnappte sich Blaises Schulbuch, das dieser nun nicht mehr benötigte, da er sich eingehend mit Mary beschäftigte und begann damit einem Aufsatz für Professor Snape zu schreiben.

Pünktlich um 6 Uhr stand Draco vor dem Schülersprecherzimmer. Er wollte nicht, dass der Verdacht aufkam, dass er seine Pflichten nicht ernst nehmen würde und hatte sich somit widerwillig dazu entschlossen Hermines Aufforderung nachzukommen.

Das Schülersprecherzimmer war ein gemütlich eingerichteter Raum, der den jeweils amtierenden Schülersprechern zur Verfügung gestellt wurde. Meist fanden dort die Treffen der Schülersprecher sowie der Vertrauensschüler statt.

Konsultationen, um die meist die jüngeren Schüler baten wurden ebenfalls hier abgehalten.

Der Raum befand sich im Ostflügel und war mit 2 großen, sich gegenüberstehenden Schreibtischen, sowie einer kleinen Sitzecke, die vor einem Kamin platziert war, ausgestattet.

Draco wartete noch 5 Minuten ehe er das Zimmer betrat. Ein klein wenig Bangen konnte der Granger schon nicht schaden, befand er.

Erst als er das Schülersprecherzimmer betreten und die Türe hinter sich geschlossen hatte, bemerkte Draco, dass eindeutig zu viele Leute anwesend waren.

In den Sesseln saßen Ron, Hermine, Harry und Ginny. Alle 4 starrten ihn Unheil verkündend an und gewisse Parallelen ließen ihn sich wie bei einem Déjà-vu fühlen.

Draco begann sich zu fragen, wo hinein ihn, sein damals so hungriger Magen, in dieser verhängnisvollen Nacht, denn nur verwickelt hatte.