Hier ist also der zweite Teil, Harrys siebtes Schuljahr fängt an und ihn erwarten gleich zu Beginn (un)angenehme Überraschungen.

Danke an die drei Reviewer - Evaisy, Sara-Kim und Trovia -, würd mich freuen, wenn ihr weiter postet und auch andere schreiben ob es ihnen gefällt. Ich weiß doch sonst nicht ob ich weiter hochladen soll ... gg

Zum Thema Absätze, ich hab versucht es in diesem Kapitel besser zu machen, gut so?

Jetzt aber viel Spaß mit Harry, seinen Freunden und dem Orden! Wobei Harry und die anderen wohl weniger Spaß haben werden ...


Lebendig begraben


Es war kühl und dunkel, und Harry konnte kaum die Hand vor Augen sehen. Wo waren sie denn hier gelandet? Von irgendwo kam ein leises Plätschern, hier und dort raschelte es verdächtig. Das konnte doch nicht das neue Hauptquartier sein?

„Bist du sicher, dass wir uns nicht ... verportschlüsselt haben?" fragte er Lupin besorgt, der – so hoffte Harry wenigstens – gleich hinter ihm stand.

„Mach dir keine Sorgen, Harry", versuchte Remus den Jungen leise zu beruhigen, „wir sind hier vollkommen richtig." Schwer zu glauben, dachte sich Harry Potter und zog seinen Zauberstab hervor. „Lass das Licht aus!" zischte Lupin ihm zu, gerade als Harry ‚Lumos!' rufen wollte, und flüsterte dann: „Wir wollen doch keine Aufmerksamkeit erregen..."

Mit diesen Worten griff Lupin nach Harrys Hand und zog ihn hinter sich her. Als ihm ein Ast ins Gesicht klatschte, merkte Harry, dass sie im Freien waren, dem Geruch zufolge – was er auch früher hätte bemerken können – mitten im Wald.

Fünf Minuten lang zog Lupin ihn schon bergauf. Der Weg war steinig, und man musste aufpassen, nicht über irgendwelches Geröll zu stolpern, das reichlich über den Boden verteilt war. Aus irgendeinem Grund kam Harry der Weg bekannt vor und er versuchte sich zu konzentrieren, aber ihm fiel nicht ein, woher er ihn kannte. Wenn er hier schon einmal gewesen war, dann konnten sie doch nur in der Nähe von Hogwarts sein. Harry wollte gerade nachfragen, als sie kurz anhielten und Remus sich noch einmal umsah, ob auch niemand sonst anwesend war, bevor er Harry schnell durch einen schmalen Spalt im Fels schob und sofort hinterher kletterte. Schlagartig wurde es kühler, und ihre Schritte riefen eine Art Echo hervor, sodass sich Harry ziemlich sicher war, dass die beiden soeben eine Höhle betreten hatten.

Diffindo!" sagte Remus. Der Widerhall des Zauberspruchs wurde unterbrochen von einem kurzen Poltern, mit dem etwas vor den beiden aufriss, dann folgte eine Art Erdrutsch. Lupin schob Harry zwei Meter weiter, und nach einem „Reparo!" und weiteren zehn Sekunden entschloss sich Remus endlich, die Finsternis mit „Lumos!" zu vertreiben.

Harry fand sich in einer kleinen Höhle wieder, die allerdings keinen Ausgang zu haben schien bis auf eine kleine Holztür, aber um diese zu öffnen, hätte Remus nicht ‚Diffindo' verwendet, und es hätte sich auch nicht nach einem Erdrutsch angehört.

„Nun, wir sind gerade durch diese Wand gegangen", deutete Lupin auf die Seite der Höhle gegenüber von der Tür, „da befindet sich die Höhle, in der sich Sirius während des Trimagischen Turniers versteckt hat, er hat sie mal beim Abendessen erwähnt. Wir haben schließlich entdeckt, dass dahinter noch eine größere Höhle ist, und hier vermutet wohl niemand ein Hauptquartier, weil sich ein Haus doch viel besser eignen würde, die Höhle ist ja auch ziemlich unbequem. Allerdings ..." Jetzt seufzte Remus tief und blickte kurz ins Leere, bevor er fortfuhr, „Es gibt kaum noch ein sicheres Versteck, und wir können es uns nicht leisten, uns in irgendeinem Haus zu treffen. Man muss immer damit rechnen, dass in der Nähe ein Todesser wohnt, und dann hätten wir das gleiche Problem wie am Grimmauldplatz."

– „Aber ist das nicht zu umständlich, wenn ihr immer im Wald erscheinen und dann hierauf klettern müsst? Wenn ihr euch mal dringend besprechen müsst, dann gibt das doch Probleme." – „Naja, die meisten von uns apparieren direkt in Sirius' Höhle, und dann dauert das ganze vielleicht vier Minuten. Hierher, vor diese Tür, kann man nicht mehr apparieren, weil Dumbledore einen Anti-Apparier-Zauber ausgesprochen hat, außerdem hat er uns noch vor ein paar weiteren unangenehmen Überraschungen geschützt. Ganz zu schweigen davon, dass wir die Höhle wieder mit dem Fidelius-Zauber versteckt haben."

„Und wer ist der Geheimniswahrer?" wollte Harry neugierig wissen. – „Ich", erklärte Remus und grinste ihn an, „Wir hielten es für eine gute Idee, weil alle denken würden, Dumbledore als das mächtigste Ordensmitglied müsste auch Geheimniswahrer werden, und selbst wenn Voldemort unsere List durchschaut, wäre der letzte, der ihm in den Sinn kommt, ein ‚unreiner' Werwolf! Deshalb Harry: Hinter dieser Tür befindet sich das neue Hauptquartier des Phönixordens. Daran musst du ganz fest denken, wenn ich mit dem Passwort die Tür geöffnet habe." – „Geht klar."

Kurze Zeit später befanden sich die beiden im Innern des Berges, wo sich eine große Höhle befand. Bis auf einige kleine Öffnungen, die sicherstellten, dass frische Luft herein konnte und der Orden somit nicht ersticken musste, gab es keine Verbindung nach draußen. Harry fiel auf, dass diese Öffnungen gegen Eindringlinge abgesichert waren, die Luftlöcher waren so klein, dass nicht einmal Pettigrew als Ratte eindringen könnte. Der Ort wirkte so düster, dass Harry glaubte man hätte ihn lebendig begraben!

Die Höhle war nur spärlich beleuchtet, aber trotzdem konnte Harry einige Zelte erkennen, die ziemlich abgenutzt aussahen. Nicht nur die Zelte erweckten einen solchen Eindruck, die gesamte Ausstattung und Ausrüstung war notdürftig und alt. „Der Orden ist ziemlich angeschlagen", erzählte Lupin auf dem Weg an den Zelten vorbei zum hinteren Teil des Raumes, wo der Essbereich war, „Vielleicht hast du schon davon gehört, dass das Ministerium uns zu einer ‚illegalen kriminellen Organisation' erklärt hat? Nein? Nun, um Lockhart zu zitieren: ‚Sie behindern uns, Todesser zu fangen, indem sie sich immer wieder einmischen und unsere Pläne durchkreuzen! Wir werden hart gegen sie vorgehen, Mitglieder werden verhaftet und nach Askaban gesperrt.'"

Harry erstarrte: „Das ist nicht dein Ernst! Ohne den Orden des Phönix wüssten diese engstirnigen Regierungsleute doch noch überhaupt nicht, dass Voldemort zurück ist!"

– „Sag das denen Harry, und nicht mir", erwiderte Lupin bitter, „Arthur, Tonks und Kingsley wurden jedenfalls gefeuert und sollten eigentlich schon in Askaban sitzen, aber sie konnten vorher rechtzeitig fliehen. Die drei wurden als erste enttarnt. Alle weiteren, die bisher aufgeflogen sind, verstecken sich hier und treten nur in Erscheinung, wenn es unbedingt sein muss, zum Glück sind das noch nicht so viele, und vor allem haben sie bisher keinen Hogwarts-Lehrer erwischt, dann würden die alle Lehrer verhören. Die Leute, die noch nicht enttarnt wurden, bringen so oft wie möglich Verpflegung und Ausrüstung vorbei, aber sie müssen sehr aufpassen, nicht auf sich aufmerksam zu machen. Du siehst ja selbst, wie das hier zugeht. Es reicht gerade zum Überleben. Die medizinische Versorgung ist auch nicht die beste, wenn jemand verletzt ist, können wir ihn oft nicht sofort von seinen Schmerzen befreien. Auf dieser Basis können wir gegen Voldemort leider nicht so kämpfen, wie wir es gern täten!"

Harry hatten diese Neuigkeiten die Sprache verschlagen. Jetzt fiel ihm auch auf, dass Lupin noch schäbiger als sonst gekleidet war, und auch einige Schnitt- und Schürfwunden hatte. „Haben sie dich auch enttarnt?" fragte er deshalb. – „Nein, haben sie nicht. Ich hab mich bei einem Straßenkampf mit zwei Todessern verletzt. Bill ist auch nicht ohne den einen oder anderen Kratzer davon gekommen."

Es waren nur wenige Ordensmitglieder im Hauptquartier anwesend, aber fast alle kannte Harry. Die Weasleys waren bis auf Charlie (der in Rumänien war) und Percy vollständig anwesend, Harry vermutete, dass er immer noch vermisst wurde. Fred und George waren seit kurzer Zeit ebenfalls Ordensmitglieder, sodass Ron, Ginny und Hermine neben ihm selbst als einzige nicht dem Orden angehörten. Nymphadora Tonks, Kingsley Shacklebolt und Alastor Moody saßen an einem Tisch und aßen ihr Frühstück, ein unappetitlicher Brei, der hoffentlich nur halb so übel schmeckte wie er roch. Soeben traten Dumbledore, Professor McGonagall und ein Mann aus einem Zelt, den Harry aus dem St. Mungo kannte.

„Heiler Smethwyck ist neu zum Orden gestoßen", klärte Remus Harry auf, der seinen Blick bemerkt hatte, „Und das ist ein Glück für uns, er ist sozusagen unser Feldarzt. Im Moment muss er sich vor allem um Snape kümmern, es wird wohl noch eine Weile dauern, bis er wieder auf den Beinen ist. Allmählich befürchte ich auch fast, dass die Stelle eures Lehrers in Verteidigung gegen die dunklen Künste verflucht ist, er ist schon der sechste, der nicht länger als ein Jahr unterrichten konnte! ... War nicht ernst gemeint, du weißt, ich glaub nicht an die Art von Flüchen", fügte Lupin rasch hinzu, als Harry eine Braue hob.

„Harry, schön dich zu sehen", begrüßte Dumbledore den Neuankömmling und wandte sich an Lupin: „Hattet ihr unterwegs Schwierigkeiten?" – „Nein. Wir sind zum Glück keinen Todessern über den Weg gelaufen." – „Freut mich zu hören. So wie es aussieht haben wir Harry gerade noch rechtzeitig in unser Versteck geholt." Alarmiert bemerkte Harry, wie besorgt sich sein Schulleiter anhörte, während er ein Pergament aus der Tasche kramte und es an Lupin weiterreichte, der es überflog und dann entsetzt aufsah: „Das Haus der Dursleys wurde überfallen?" – „In der Tat. Arabella Figg hat Mundungus benachrichtigt, und er hat sofort eine Eule zu mir geschickt. Zum Glück war das Haus leer, weil alle vier fort waren. Allerdings wird es sie nicht freuen, bei ihrer Heimkehr nur ein verkohltes, riesiges Loch vorzufinden, das ganze Grundstück wurde in die Luft gesprengt!"

Harry hatte kaum Zeit zu realisieren, was Dumbledore ihnen da gerade mitgeteilt hatte, da kamen auch schon Ron, Hermine, Ginny und die Zwillinge angestürmt. Seine beiden besten Freunde fielen ihm um den Hals, und auch die anderen waren sichtlich erleichtert, dass er es gesund in die Höhle geschafft hatte. Sie zerrten ihn zum großen Tisch, an dem Mad-Eye, Tonks und Kingsley ihre Mahlzeit mittlerweile beendet hatten und drückten ihn auf die harte Holzbank.

„Euch ist doch hoffentlich niemand gefolgt?" fing Moody sofort argwöhnisch an, „Wir können uns keine Fehler leisten. Immer wachsam! Sonst spüren die uns hier noch auf, die sind wie Windhunde. Schon die Neuigkeiten erfahren, Potter? Arme alte Schweine, ihr ganzes Haus pulverisiert. Aber wenigstens sind sie mit dem Leben davongekommen. Lupin, hast du dich auch vergewissert, dass niemand in der Nähe ist, bevor du Potter hereingelassen hast? Wär ja eine schöne Bescherung, wenn uns hier aus heiterem Himmel auch Todesser überfallen ..."

– „Beruhig dich, Mad-Eye", fiel Remus dem Zauberer genervt ins Wort, „Ich bin schließlich nicht blöd, du musst mich nicht schon wieder darauf hinweisen!" Tonks und Kingsley grinsten sich an. Offensichtlich war Moody immer noch der Alte, dachte sich Harry und wollte den Dreien gerade ‚hallo' sagen, als sich am anderen Ende der Höhle die Tür ein weiteres Mal öffnete und Elphias Doge herein humpelte. Er trug eine bewusstlose Frau über der Schulter, die beiden waren anscheinend angegriffen worden.

„Mutter!" rief Tonks entsetzt, sprang auf und stürmte auf sie zu, wobei sie über die Verankerung von zwei Zelten stolperte und diese daraufhin einstürzten. Gemeinsam mit Heiler Smethwyck trug sie die Frau ins Krankenzelt, sie hatte lange, schwarze Haare, ein schönes, elegantes Gesicht und eine gute Figur. Ihr Umhang war allerdings aufs Übelste zerfetzt, und hier und da bluteten Wunden. Harry erinnerte sich, dass Tonks' Mutter eine Cousine von Sirius war, und offensichtlich waren ihre Haarfarbe und ihr großartiges Aussehen Eigenschaften, die sämtliche Mitglieder der Familie Black teilten, angefangen bei Sirius über Andromeda Tonks und Bellatrix Lestrange bis zu Narzissa Malfoy, deren Gesicht durch ihren griesgrämigen Ausdruck jedoch leicht entstellt wurde.

„Was ist passiert, Doge?" bellte Moody. – „Rodolphus Lestrange ... hat Andromeda aus dem Hinterhalt angegriffen ... sofort entwaffnet ... und dann ... dann hat er sie mit allen möglichen Flüchen traktiert ... konnte ihn gerade so vertreiben ... hab auch einiges abbekommen ... Aber das Ministerium weiß jetzt, ... dass Andromeda und ich ... im Orden des Phönix sind ..."

– „Du brauchst Ruhe, Elphias", redete Kingsley auf den Verletzten ein, „Leg dich ins Krankenzelt, du bringst ja kaum einen vernünftigen Satz raus!" – „Ist wohl ... das vernünftigste", erwiderte Doge und ließ sich von Shacklebolt und McGonagall ins Zelt führen. Kurz darauf kam diese zurück mit den Worten: „Smethwyck ist sich sicher, dass die beiden durchkommen, sie brauchen nur etwas Ruhe und Schlaf, und natürlich Medizin! Ich mache mich sofort auf den Weg um welche zu holen. Wenn es zu lang dauern sollte, dann geh schon mal nach Hogwarts vor, Albus, ich komme nach sobald ich kann."

„Seit wann ist Tonks' Mutter im Orden?" fragte Harry Fred. „Schon ein paar Monate", antwortete dieser, mies gelaunt auf Grund der Tatsache, dass ein Ordensmitglied überfallen worden war, „Sie kam noch vor George und mir dazu. Offenbar ist sie sauer auf ihre Schwestern, weil sie Anhänger von Du-weißt-schon-wem sind. Andromeda ist nämlich ganz unserer Meinung, was Du-weißt-schon-wen betrifft, und tut ihr möglichstes, um ihn zu bekämpfen. Und ich denke auch, dass sie wütend auf Bellatrix ist, weil die Sirius durch diesen Bogen bugsiert hat. Die beiden haben sich nach dem, was wir bisher so mitbekommen haben, ganz gut verstanden."

– „Jetzt wo du's erwähnst, Sirius hat mir mal gesagt, dass Andromeda seine Lieblingscousine ist. Sie wurde aber von der Familie verstoßen, weil sie keine Reinblutehe eingegangen ist ..." – „Könnte erklären, warum sie von ihrem Schwager angegriffen wurde!" überlegte Fred.

„Diese Übergriffe häufen sich langsam!" murmelte Ron, „Ein Wunder, dass noch niemand umgekommen ist!" – „Ja, wirklich schade, dass Merlin schon vor einigen Jahrhunderten gelebt hat! Seine Zauberkräfte könnten wir jetzt gut brauchen", stimmte ihm Hermine zu, „Denkt doch mal an die alten Geschichten, die man sich von ihm erzählt. Soweit ich gehört habe, war er in allen Kämpfen siegreich, und dabei trotzdem nie auf Hilfe angewiesen."

– „Nun, es gab da einmal eine Situation, in der selbst Merlin nichts mehr tun konnte", mischte sich Dumbledore in das Gespräch ein, woraufhin sich alle schlagartig ihm zuwandten. Dumbledore lächelte, als er ihre erwartungsvollen Gesichter sah, und fing an, eine der vielen Geschichten von Merlin zu erzählen, die im Lauf der Zeit zu Legenden geworden waren ...


... Es war einmal, vor langer langer Zeit, da lebte ein Zauberer. Dieser Zauberer war alt und sehr mächtig, sein von einem langen, weißen Bart umrandetes Gesicht spiegelte seine Güte, seine Weisheit, und seine Lebenserfahrung.

In der Tat hatte der Zauberer in seinem Leben schon viele Heldentaten beim Kampf für das Gute begangen. Schwarze Magie verabscheute er zutiefst, und er bekämpfte jene, die sie ausübten. Darin war er sehr erfolgreich, und alle dunklen Kräfte fürchteten seine Macht, da dieser Mann weit stärker war als alle Hexen und Hexer vor und nach seiner Zeit. Der Zauberer hieß Merlin.

Eines Tages, die Sonne hatte sich gerade zur Ruhe begeben, schritt Merlin durch einen dunklen Wald, auf der Suche nach einem Platz, an dem ihn niemand stören würde, denn er beabsichtigte zu meditieren. Gestern erst hatte er wieder einen Schwarzmagier verbannt, welcher lange Zeit Chaos und Schrecken verbreitet hatte, und sollte nun dafür gefeiert werden. Aber so bewundert Merlin von allen Seiten war, so wenig wünschte er dies. Für ihn war es eine Selbstverständlichkeit, die Fähigkeiten, die er besaß, dem Wohl der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, und jedes Mal wenn er aufgefordert wurde, nicht so bescheiden zu sein, lächelte er bloß weise und machte sich auf den Weg zu neuen Abenteuern.

Endlich wurde der Zauberer fündig und ließ sich ins dichte Moos sinken. Dies hier war der Platz, der ihn im ganzen Wald am meisten reizte, hier würde ihn kein Mensch finden und so konnte er sich ohne Störung auf seinen inneren Kosmos besinnen. Er schloss seine Augen, schob seine Gedanken, durch jahrelange Übung mühelos, beiseite und ließ seine Gedanken treiben.

Irgendwann, es war inzwischen finster geworden, erhob sich Merlin wieder und beschloss, sich auf den Rückweg zu machen, als eine große, silbern-graue Eule lautlos durch die kühle Waldluft auf ihn zusegelte und schließlich landete. Dies war Mimas, seine Weißgesichtseule. Gemäß dem Namen hatte sie ein schneeweißes Gesicht, durch einen schmalen, dunkelgrauen Rahmen vom ansonsten silber-grauen Gefieder getrennt. Diese Eule war Merlins treuer und stolzer Begleiter.

Gelegentlich überbrachte der erhabene Vogel Briefe für Merlin, oder von diesem. So auch diesmal. Der Zauberer nahm das Pergament entgegen und las, es war ein Hilferuf. Sofort machte er sich auf den Weg und fand, auf dem Boden liegend, ein kleines Mädchen. Über ihr stand ein finsterer Mann, der mit dem Zauberstab direkt auf sie deutete. „Hör auf zu winseln!" herrschte der Finsterling sie an. An seiner ruppigen Art und seiner äußeren Erscheinung erkannte Merlin, dass dies der Bruder jenes Mannes sein musste, den er gestern erst wegen ähnlicher Vergehen verbannt hatte.

Um ihm Einhalt zu gebieten, stellte sich Merlin zwischen diesen Mann und das Mädchen. „Aus dem Weg!" zischte der Verbrecher wie eine Schlange, „Oder willst du mit ihr sterben?" Er hatte schon den Zauberstab erhoben, da bemerkte er die Eule, die an der Seite seines Gegners war, und ihm fiel es wie Schuppen von den Augen. „Ihr seid Merlin!" rief er entgeistert aus und wollte fliehen. Jedoch kam er nicht weit, bevor ihn eben jener, den er fürchtete, mit unsichtbarer Hand zurückzog und betäubte.

Nun wandte sich der Zauberer dem Kind zu, welches schwer verletzt vor ihm lag. Schwarze Flüche hatten es schlimm zugerichtet, kaum vorstellbar wie man jemandem so etwas antun konnte. Traurig musste Merlin erkennen, dass selbst er dem Mädchen in dieser Lage nicht mehr helfen konnte. Da näherte sich ein großes, weißes Einhorn, anmutig blieb es neben dem Mädchen stehen und beugte sich zu ihr hinunter. Sein Horn begann zu leuchten, weiß und warm und viel zu hell, Merlin musste die Augen schließen um nicht geblendet zu werden.

Er fühlte grenzenlose Geborgenheit, die kühle Brise des Waldes war verschwunden, nur Wärme und Licht, so angenehm, dass er nie wieder darauf verzichten wollte, es war einfach unbeschreiblich. Zuversicht, so tief wie der Ozean, hüllte ihn ein, und eine Welle des Glücks überrollte ihn. Ihm war, als wäre er eingetaucht in eine neue Welt, in der so viel Licht herrschte, dass an Schatten gar nicht mehr zu denken war ... Als der Zauberer wieder seine Augen öffnen konnte ohne geblendet zu werden, war das Mädchen gesund und das Einhorn verschwunden. Und als Merlin später gefragt wurde, was denn geschehen sei, fand der sonst so weise und redegewandte Zauberer keine Worte, die Magie des Einhorns auch nur ansatzweise zu beschreiben ...


... Dumbledore sah sich um, als er geendet hatte. Harry und die anderen starrten ihn mit offenen Mündern an, so gebannt waren sie von der Geschichte, und er lächelte. „Ich muss nun wieder zurück nach Hogwarts. Die Pflichten des Schulleiters, übermorgen fängt die Schule wieder an. Wenn ich mich sowieso auf den Weg mache, kann ich gleich euer Gepäck mitnehmen", wandte er sich dann an Harry, Ron, Hermine und Ginny, „Alles bis auf die Zauberstäbe, die Zahnbürste und neue Kleidung für die nächsten zwei Tage. Packt das noch schnell aus, dann mache ich mich auf den Weg." Die vier befolgten stumm seine Anweisungen, immer noch benommen von seiner Schilderung der Magie des Einhorns. Fünf Minuten später war Dumbledore verschwunden.
Zwei Tage später kehrten Harry und seine Freunde nach Hogwarts zurück. Ihr siebtes und letztes Schuljahr hatte begonnen. Eigentlich – das hatten sie in der dritten Klasse schon beschlossen – sollte dieses letzte Jahr eine Zeit voller Spaß, Streiche und Gelächter sein, ein würdiger Abschluss für die wundervolle Schulzeit, welche – da waren sie sich damals schon sicher – zweifellos zu den schönsten Zeiten in ihrem Leben gehören würde. Den Spaß, den sie mit den Klassenkameraden hatten, die Abenteuer, Quidditch ... Schon jetzt wurde Harry nostalgisch und auch ein wenig traurig, wenn er daran dachte, dass das alles in einem Jahr vorbei sein würde.

Der Krieg hatte ihnen allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht. Viele Schüler lebten mit der ständigen Angst, schlimme Nachrichten von zu Hause zu erhalten, an Streiche war da nicht zu denken. Quidditch zu spielen um einen Pokal, während andere Leute litten, wäre ihnen allen makaber erschienen, auch wenn Harry nicht leugnen konnte, dass es ihn schon reizte, auf seinem Feuerblitz nach dem Schnatz zu jagen.

Er seufzte. Ein paar Freundschaftsspiele würden sie zwar abhalten, schon allein damit den Schülern nicht die Decke auf den Kopf fiel, aber keine Meisterschaft. Armer Ron! Er war letztes Jahr Mannschaftskapitän der Gryffindors geworden – er war mittlerweile ein besserer Hüter als Wood – und wahrscheinlich war er bisher auch der einzige Kapitän, der die Mannschaft nicht in die Meisterschaft führen durfte. Auf Abenteuersuche konnten sie auch nicht gehen, die Lehrer überwachten ihre Schüler strenger als je zuvor, selbst die Ausflüge nach Hogsmeade waren aus Sicherheitsgründen gestrichen worden. So gesehen würde dies ein ganz gewöhnliches Schuljahr ohne große Ereignisse werden – von den UTZs einmal abgesehen –, und keines, an das man sich erinnerte und dabei ins Schwärmen geriet, so viel zum würdigen Abschluss ihrer Schulzeit!

Diese Gedanken gingen nicht nur Harry durch den Kopf, als er in der Großen Halle am Tisch der Gryffindors saß. Auch andere seines Jahrgangs dachten sicher an etwas ähnliches, während sie darauf warteten, dass die Erstklässler den verschiedenen Häusern zugeordnet wurden und gelegentlich klatschten. Als diese Tradition beendet und jeder Teller geleert war, begann Dumbledore mit den üblichen Bemerkungen zum Schuljahresbeginn: Die Hausordnung, was in diesem Schuljahr an außerschulischen Aktivitäten statt- oder eher nicht stattfand, und zum Schluss die Vorstellung neuer Lehrer.

Harry sah flüchtig zum Lehrertisch und wollte sich schon wieder Dumbledore zuwenden, als er Remus Lupin dort sitzen sah. Remus? Wieso hatte er denn nicht erwähnt, dass er dieses Jahr in Hogwarts unterrichten würde?

„ ... Zuguterletzt möchte ich euch noch den Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste vorstellen, Professor Lupin. Die Älteren von euch kennen ihn sicher noch, und Professor Lupin hat mich gebeten, gleich zu Beginn darauf hinzuweisen, dass er ein Werwolf ist. Außerdem möchte ich euch erklären, dass er an Vollmond nicht nur den Wolfsbanntrank einnehmen, sondern auch das Schloss verlassen wird und somit keine Gefahr besteht. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie schlimm das Schicksal eines Werwolfs ist, und hätte diese Stelle nicht angetreten, wenn auch nur das kleinste Risiko für euch bestünde. Zudem beherrscht er sein Fach ausgezeichnet, weshalb ich euch bitte, ihn vorbehaltlos zu akzeptieren."

Mit diesen Worten erhob sich Dumbledore und entließ die Schüler in ihre Gemeinschaftsräume. Die jüngeren Jahrgänge bestürmten natürlich sofort die fünfte bis siebte Klasse – die Lupin schon unterrichtet hatte – was denn von ihm zu halten sei, und erfreut stellte Harry fest, dass alle, bis auf die Slytherins, seinen Unterricht sehr lobten, er sei ganz ausgezeichnet und sie hätten viel bei ihm gelernt, beteuerten sie.

Gerade wollten die ersten Schüler den Raum verlassen, als Professor Trelawney aufsprang, und mit derselben, heißeren und mystischen Stimme, mit der sie Wurmschwanz' Rückkehr zu Voldemort vorausgesagt hatte, laut etwas verkündete, das auf der Stelle einen riesigen Tumult auslöste:

„Der Eine Kampf, der das Schicksal besiegeln soll, rückt näher ... ausgefochten zwischen dem Dunklen Lord und dem Einen, den er sich ebenbürtig zeichnete ... in einer Schlacht in der sich Licht und Dunkel gegenüberstehen ... wird Er entscheiden über die Herrschaft von Licht oder Dunkel ... der Eine, mit der Macht den Dunklen Lord zu besiegen, wird Diesem die Stirn bieten ... und dem Dunklen Lord wird keine Möglichkeit bleiben außer den Fluch des Todes gegen Diesen seinen Widersacher einzusetzen ... und Er, der für das Licht kämpft, wird nicht fähig sein auszuweichen oder etwas vor Sich zu stellen zum Schutz gegen den Fluch des Todes ... und der triumphierende Schrei des Dunklen Lords wird erschallen ... Der Eine Kampf, der das Schicksal besiegeln soll, rückt näher ..."