Ein ganz liebes Dankeschön an meine drei Reviewer laser-jet, pirat und Trovia - hach, es geht aufwärts!
Freut mich, dass euch das Kapitel und die Duelle gefallen - apropos Duelle, hier bedank ich mich ganz herzlich bei Trovia für die Sprüche, von denen ich hier gleich einen eingebaut habe! Lass dich knuddeln!
Da die Schüler in den Gängen eh nicht zaubern sollten - oder dürfen - hab ich mir gedacht, kann ich sie ruhig ihre Zauberstäbe in den Schlafräumen lassen. Und was das mit den Slytherins ohne Todessereltern angeht, Voldemort ist schon lange zurück, und er sammelt Anhänger. Entweder haben sie sich ihm in meiner Geschichte freiwillig angeschlossen oder er hat sie verhext. Und die Nicht-Slytherins mit Todessereltern, darauf geht dieses Kapitel noch kurz ein. Immer langsam mit den unruhigen Hippogreifen!
Nun viel Spaß mit Kapitel 05, ich hoffe der Titel hat euch neugierig gemacht, und hinterlasst mir bitte ein Review ;D
Bellatrix Lestrange in Hogwarts?
„Protego!"
Harry konnte gerade noch Remus Lupin ausweichen, der die große Treppe in der Eingangshalle hinunterstürmte und mit dem Schildzauber ein ‚Expelliarmus' von Bellatrix Lestrange abwehrte, welches sie über die Schulter auf ihn geschossen hatte. Ron, Hermine und Hagrid – mit denen der Junge sich auf dem Weg nach oben unterhalten hatte – mussten ebenfalls zur Seite springen. Moment mal! Bellatrix Lestrange in Hogwarts?
Verdutzt sah Harry zu, wie Lupin und Lestrange sich in der Eingangshalle duellierten.
„Impedimenta!" schrie Bellatrix, als Remus den Fuß der Treppe erreicht hatte. Dieser lenkte den Fluch jedoch gekonnt ab und antwortete: „Petrificus Totalus!", diesmal wehrte Bellatrix ab.
Die beiden hetzten sich die wüstesten Verwünschungen auf den Hals, während sie sich gleichzeitig so schnell bewegten, dass Harry sich fragte, wie sie sich da noch auf die Zaubersprüche konzentrieren konnten. Trotzdem traf regelmäßig ein Schock- oder Stoßzauber den Gegner und warf ihn von den Füßen.
Bellatrix ließ in diesem Moment aus ihrem Zauberstab eine scharfe Peitsche hervorschnellen, die Lupin ins Gesicht schnitt, wofür sich dieser bedankte, indem er mit „Accio Blumentopf!" eine große Tonschale auf Lestranges Hinterkopf – der sich zwischen ihm und dem Gegenstand befand – zersplitterte.
Wütend schrie Bellatrix auf und stürmte schnell wie der Blitz auf Lupin zu, den Zauberstab drohend erhoben. Harrys Lehrer deutete mit seinem Stab auf den Fußboden, „Ratzeputz!", der Boden war gebohnert und spiegelglatt, und Bellatrix rutschte aus und wurde von ihrem eigenen Schwung aus der Eingangshalle geschleudert. Remus sprang sofort hinterher, froh darüber, den Kampf ins Freie verlagern zu können.
„Was macht die denn in Hogwarts?" fragte Ron besorgt. – „Wüsste ich auch zu gern!" sagte Hermine ratlos. Hagrid blickte verwirrt in die Gegend.
Harry rannte bereits den beiden Duellanten hinterher, ein wütendes Funkeln in den Augen. Mit dieser Hexe hatte er noch eine Rechnung offen, sie sollte dafür büßen, was sie Sirius in der Mysteriumsabteilung angetan hatte!
Lupin und Lestrange hatten bereits den Rand des Hogwarts-Geländes erreicht, immer noch in ihren verbissenen Kampf verstrickt.
Harry hob seinen Zauberstab und schrie lauthals: „Lacanum Inflamare!" Er wusste nicht, wie ihm geschah, als der Zauber von Lestrange zurückprallte, ohne sie zu berühren, und statt ihrem Arm Harrys Umhang in Brand setzte.
„Halt dich da raus, Harry!" befahl Remus dem Jungen scharf, der verblüfft und verärgert auf der Erde saß und Hermine die Flammen löschen ließ. Sie, Ron und Hagrid hatten inzwischen zu ihm aufgeschlossen.
„Impedimenta!" brüllte Bellatrix enthusiastisch, und hätte Remus damit auch beinahe getroffen. Sofort machte sie weiter: „Expelliarmus!"
– „Everbero!" warf Lupin Bellatrix konzentriert entgegen.
Diese hatte den Schildzauber zum Schutz gegen ihren Entwaffnungsfluch erwartet, überrascht wurde sie vom Stoßzauber getroffen und nach hinten geschleudert.
Als Bellatrix die Grenze zum Gelände der Schule passierte, leuchtete um sie herum kurz ein blau-weißes Blitzen auf. Im gleichen Augenblick wurde Remus der Zauberstab aus der Hand gerissen, er landete einige Meter vor ihm im Gras.
„Wir sehen uns morgen wieder!" knurrte Bellatrix, drehte sich schnaubend um und verschwand. Nachdem Lupin kurz verschnauft hatte, wischte er sich den Schweiß von der Stirn und hob seinen Zauberstab auf. Sogleich wurde er von den Umstehenden mit Fragen bombardiert.
„Was war das denn eben?" – „Wieso hast du mit ihr gekämpft?" – „Was hat die in Hogwarts zu suchen?" – „Was soll das heißen, sie kommt morgen wieder?"
Lupin rang sich ein schiefes Lächeln ab und meinte nur: „Professor Dumbledore wird das sicher beim Abendessen erläutern. Entschuldigt mich." Mit diesen Worten drehte er sich um und ging hinkend auf das Schloss zu, vermutlich zum Krankenflügel.
Hermine tauschte einen fragenden Blick mit Ron und überlegte verwirrt: „Meint ihr, dieses Blitzen hatte etwas mit dem Schutzschild zu tun, den Professor McGonagall vor einigen Tagen erwähnt hat?" ...
... TODESSER AUS ASKABAN ENTKOMMEN
Aus bisher unauffindlichen Gründen ist gestern die Flucht erst vor kurzer Zeit inhaftierter Anhänger von Du-weißt-schon-wem aus Askaban geglückt. Auroren haben über vier Monate gebraucht, diese etwa zwanzig Verbrecher einzufangen. Der Zaubereiminister ließ verlauten, dass ihn die Affäre schockieren würde, er hätte mehr von den Wachen erwartet und werde gründlich prüfen lassen, wie es zu diesem Fiasko kommen konnte.
Ein weiterer Ausschuss werde der Vermutung nachgehen, dass nicht gefangene Todesser geheime Informationen entwendet haben, die der Orden des Phönix gesammelt hat, und diese zum Ausbruch verwendet haben. Dadurch hätte diese illegale Vereinigung wieder einmal dazu beigetragen, die Sicherheit der Menschen zu gefährden. Es werde noch schärfer gegen sie vorgegangen als bisher, versprach Lockhart.
„Na toll, als ob der Orden nicht schon genug am Hals hätte", brummte Hermine und ließ den Tagespropheten sinken, hinter dem sie sich bisher versteckt hatte. Harry und Ron konnten nun auf der Titelseite die Gesichter der geflohenen Todesser erkennen, sie starrten sie mordlüstern an.
„Aber es stimmt zumindest, dass sie für so eine Aktion Hilfe gehabt haben müssen", erwiderte Ron, „Da wir alle drei wissen, dass sie nicht vom Orden kam, stellt sich die Frage, wer war es dann, der ihnen geholfen hat?"
– „Gute Frage", mischte sich nun auch Harry seufzend in das Gespräch ein, „Bisher ohne Antwort. Ich kann mir trotz allem nicht denken, dass Todesser einfach so nach Askaban marschieren und ihre Kumpels befreien können. Komisch ist jedoch, dass das Ministerium immer so auf dem Orden herumhackt, sie wollen doch nur helfen, und sind meiner Meinung nach viel besser in der Lage, mit der Situation umzugehen, als sämtliche Ministeriumsangestellte zusammen! Lockhart macht ihnen ihre Arbeit verdammt schwer!"
„Schaut euch mal diese Randnotiz an", riet Hermine den Jungen, sie hatte schon weitergelesen.
PRÜFUNG LEIDER IMMER NOCH NICHT DURCHFÜHRBAR
Wir bitten alle jungen Zauberer, die vor kurzem volljährig wurden, sich noch ein wenig zu gedulden. Da wir – verständlicherweise – gerade sehr beansprucht sind und jede Hand brauchen, können wir leider keinen unserer Mitarbeiter damit beauftragen, die Prüfungen im Apparieren abzunehmen. Es wird also noch eine Weile dauern, bis diese Zauberer apparieren dürfen, wir bitten um Verständnis. Gleichzeitig warnen wir: Wer ohne bestandene Prüfung appariert, wird strafrechtlich verfolgt.
„A-ha", machte Harry sarkastisch, „Zum Verfolgen ist Zeit, zum Prüfen nicht! Steht da vielleicht irgendwo in deiner Zeitung noch eine gute Nachricht?" – „Mal sehen, ich find sicher noch eine ... Hör dir das an:
SCHLECHTE VERLIERER
Aus lauter Frust darüber, bei einem Freundschaftsspiel gegen Schulkollegen den kürzeren gezogen zu haben, hinterließen die Bewohner des Hauses Slytherin von der Zaubererschule Hogwarts nach einem überaus sensationellen Kampf ein Schlachtfeld. Da ihre Methoden des Fairplay nicht funktionierten, übernahmen sie die Strategie des Gegners und beschossen diesen mit Flüchen. Die Lehrer waren der Lage nicht gewachsen und konnten nur zusehen, wie Tausende von Schülern schwer verletzt wurden.
Die ungerecht behandelten Ex-Slytherins haben sich in einer anderen Schule, Schloss Durmstrang, niedergelassen, in der Hoffnung, dass sich dies hier bessern möge. Wünschen wir ihnen viel Glück!
Wenn ich nicht wüsste, dass sie es nicht sein kann, würde ich glatt sagen, das war Rita Kimmkorn", beendete Hermine den Vortrag.
– „Die fairen Slytherins! Darf ich lachen?" rief Ron entrüstet, „Die haben alles falsch erzählt! Und dass die ihnen auch noch Glück wünschen, mir wird schlecht."
– „Unsere Lehrer kommen auch nicht gut weg", Hermine kaute in Gedanken versunken auf ihrer Unterlippe, „Wenn sie hier gewesen wären, dann hätten sie die Rangelei ohne Probleme beendet. Im Bericht werden sie wie Idioten hingestellt. Außerdem beschreiben die Redakteure den ‚Auszug' der Slytherins als eine Art ... Notwehr, dabei waren sie doch die Angreifer. Meine Güte, das Niveau des Tagespropheten sinkt immer tiefer! Wenn sie nachdenken würden, wüssten sie, dass wir nicht einmal tausend Schüler hier haben, die verletzt werden konnten!"
„Wieso sind sie denn gerade nach Durmstrang?" warf Harry auf einmal ein.
– „Wahrscheinlich, weil sie da in den dunklen Künsten unterrichtet werden. Dazu kommt noch, dass Malfoys Mutter dort Leiterin geworden ist, vor allem Draco wird sie die Noten hinterherwerfen."
– „Woher weißt du das denn schon wieder, Hermine?" wollte Ron verblüfft wissen. – „Viktor hat es in einem Brief erwähnt", erklärte ihm Hermine, woraufhin Ron tiefrot anlief und sich nur mit Mühe zurückhalten konnte, an die Decke zu gehen.
Harry grinste, als er das bemerkte, und meinte beiläufig: „Nur nicht eifersüchtig werden ..."
In diesem Moment hatte sich die stellvertretende Schulleiterin erhoben und bat um Ruhe. Erst jetzt fiel Harry auf, dass Dumbledore nicht anwesend war. Seltsam!
„Bevor Sie sich auf den Weg in Ihren Unterricht machen, will ich alle Schüler noch auf etwas wichtiges hinweisen", fing McGonagall ernst an, „Vielleicht ist einigen von Ihnen aufgefallen, dass der Direktor heute nicht am Frühstück teilgenommen hat, und der Grund ist folgender:
Nach dem Abzug der Slytherins und der resultierenden Gefahr eines Angriffs der Todesser auf Hogwarts hat das Lehrerkollegium beschlossen, einen Schutzschild um das Schulgelände zu errichten – im Übrigen haben diverse Schüler, die nicht in Slytherin waren und deren Eltern vermutlich Todesser sind, Hogwarts ebenfalls verlassen.
Jeder – egal ob Schüler oder Besucher – kann nur durch diesen Schild gehen, wenn einer der Lehrer dies gestattet und bei der Passage anwesend ist. Tiere kommen ebenso wenig von selbst hindurch, ausgenommen Eulen. Ihre Post werden Sie also wie gewohnt erhalten.
Professor Dumbledore ist bereits damit beschäftigt, diesen Schild zu errichten, weshalb er für einige Tage nicht gestört werden darf, er muss einige sehr schwierige Zauber durchführen. Die Pflichten des Schulleiters werde für diese Zeit ich übernehmen. Sobald der Schild steht, muss der Professor täglich einige Stunden meditieren, um ihn aufrecht zu halten. Dies wird er vormittags tun, und während dieser Zeit, in der Sie für gewöhnlich sowieso unterrichtet werden, belästigen Sie ihn bitte auch nicht!
Eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme besteht darin, dass die Gemeinschaftsräume nach neun Uhr abends abgeschlossen werden, selbst mit dem Passwort darf dann niemand – auch kein Lehrer – eintreten, Sie sollten also nach dieser Zeit nicht mehr durch das Schloss wandern. Wird dies doch einmal notwendig sein, wenden Sie sich bitte sofort an den nächsten Lehrer, er wird Ihnen in dieser Nacht einen anderen Schlafplatz zur Verfügung stellen. Das ist alles, Sie dürfen gehen." ...
... „Das ist sehr gut möglich", überlegte Harry, nachdem er sich die Szene noch einmal ins Gedächtnis gerufen hatte.
– „Dann funktioniert der Schild aber nicht ganz richtig!" sagte Hagrid, „Sonst hätt' er doch die Lestrange vom Schlossgelände fern gehalten."
– „Aber Professor Dumbledore hat uns gestern Abend versichert, dass er den Schild errichtet hat und wir uns keine Sorgen machen müssen!"
– „Hast recht, Hermine. Da bin ich ja mal auf die Erklärung gespannt!"
An diesem Tag erhielten sie keine Erläuterung mehr, dafür am nächsten. Nach dem Abendessen erhob sich Dumbledore und verkündete mit besorgter Miene:
„Ihr wisst mittlerweile sicher alle, dass eine Todesserin, Bellatrix Lestrange, gestern in Hogwarts eingedrungen ist. Leider ist der von mir errichtete Schutzschild nicht in der Lage, sie fernzuhalten, da sie bei dessen Aufbau ein Ritual durchgeführt hat, welches ihr erlaubt, täglich einmal hindurch zu gelangen und eine Person anzugreifen, die sie während des Rituals erwählt hat."
In der Eingangshalle zerbrach etwas mit einem lauten Knall. Harry fiel auf, dass Lupin nicht da war, er kämpfte doch nicht etwa wieder mit Bellatrix Lestrange? Dumbledore musste den Ausdruck auf seinem Gesicht bemerkt haben, er wandte sich ihm zu, nickte knapp und fuhr dann fort:
„Ihr wisst, dass Lord Voldemort es auf Harry Potter und mich abgesehen hat, weil er uns aber persönlich beseitigen möchte, wählte Lestrange eine andere Person, den Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste. Sie möchte ihn aus seiner Stellung vertreiben, da die Schüler – ohne entsprechenden Lehrer – nicht lernen, sich zu verteidigen.
Für alle anderen Personen im Schild stellt Lestrange keine Gefahr dar, denn sollte sie eine solche angreifen, wird sie augenblicklich hinausgeworfen.
Anders verhält sich der Fall allerdings, wenn einer von uns Lestrange angreift, der Fluch wird automatisch sofort auf den Betreffenden zurückgeworfen, und Bellatrix darf diese Person nun verfluchen. Haltet euch also von ihr fern!" schärfte Dumbledore den Schülern ein und sah insbesondere Harry eindringlich an,
„Geht nun in eure Gemeinschaftsräume, in einer Stunde werden sie sich absperren."
„Hab ich das jetzt richtig verstanden?" wiederholte Hermine beunruhigt, während sie mit Ron und Harry die Große Halle verließ, „Sie darf täglich einmal herein und mit Professor Lupin kämpfen, bis er sie wieder vor den Schild befördert, dann kann sie erst wieder am nächsten Tag eindringen."
– „Genau", stimmte ihr Ron zu, „Und die anderen Lehrer dürfen Lupin nicht helfen, weil die sonst ihre Flüche zurückerhalten. Mist!"
Harry sagte gar nichts, er hatte Lupin auf der Treppe gesehen, der sich mit Hagrid unterhielt. Er wirkte sehr müde und erschöpft, sein Umhang war hier und da aufgerissen, und sein linker Arm wies eine lange Wunde auf. Im Gesicht waren deutlich Kratzer zu erkennen.
Der Junge nahm immer zwei Stufen auf einmal – wobei er beinahe durch eine Trickstufe gefallen wäre – und blieb keuchend vor den beiden Lehrern stehen. „Wie geht's dir, Remus?" fragte er besorgt, „Hat dich Bellatrix wieder herausgefordert?"
– „Offen gestanden, ja, das hat sie", gab dieser zur Antwort, „Diesmal war es noch härter als gestern, ich konnte sie mit Mühe und Not gerade so hinauswerfen."
Er begutachtete seinen Arm und stellte ironisch fest: „Madam Pomfrey wird sich sicher freuen, dass ich sie heute schon wieder besuche!"
„Kann man denn gar nichts machen?" überlegte Hermine.
– „Leider nicht", Lupin schüttelte verärgert den Kopf, „Sie hat das Ritual durchgeführt und wir können die Folgen nun nicht mehr ändern. Da bleibt mir nichts übrig, außer durchzuhalten. Ein Gutes hat die Situation trotzdem. Durch Lestranges Angriffe erhalte ich vielleicht mit etwas Glück die Chance, Sirius zu rächen. Aber ich fürchte, das würde der Schulleiter nicht zulassen!"
– „Kann ich mir auch nich vorstellen", pflichtete ihm Hagrid betrübt bei.
Ron verzog das Gesicht: „Diese Hexe muss man doch irgendwie austricksen können!"
Wieder schüttelten Lupin und Hagrid simultan den Kopf, und Hagrid fing an:
„Dumbledore hat gestern Abend den Orden zusammen gerufen, und die haben beratschlagt. Bis auf die Lehrer hier, die im Orden sind, natürlich. Hätt vielleicht misstrauisch gemacht. Müssen sie ja nich auf unsre Fährte führen. Jedenfalls ist ihnen keine Idee gekommen, wie man Bellatrix aussperren kann. Gibt wohl auch keine Möglichkeit. Snape hat vorgeschlagen, Lupin zu entlassen und einen anderen an seine Stelle zu setzen."
– „Das würde aber nichts nützen", fuhr nun Lupin fort, „da Lestrange sich nicht explizit auf mich bezogen hat, sondern auf den Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste. Sie kann also jeden angreifen, der – so hat sie das im Ritual definiert – den Schülern Flüche und Gegenflüche beibringt, die sie noch nicht kennen und die gewöhnlich im Kampf verwendet werden."
– „Also hat Dumbledore Snapes Vorschlag abgelehnt. Kommt übrigens bald wieder, nehm ich an, dauert vielleicht noch ne Woche. Jetzt wird's aber langsam Zeit, ihr verpasst sonst den Einschluss", schloss Hagrid.
Harry machte sich griesgrämig mit seinen beiden Freunden auf den Weg zum Turm der Gryffindors. Wenn etwas seine Laune noch weiter in den Keller hätte sinken lassen können nach Lestranges Angriff, dann war es die Nachricht Snape würde bald zurückkehren!
Die ersten Lichtstrahlen dieses Morgens drangen in die Eingangshalle, als Harry langsam die Treppen hinunter schlenderte. Ron und Hermine waren noch bei den anderen oben im Gemeinschaftsraum, und er hätte eigentlich auf sie warten können, aber er schaffte es einfach nicht sich dazu durchzuringen, Remus' Rat zu befolgen, offener zu sein.
Es gab Tage, da konnte er es nicht ertragen, Gesellschaft zu haben. Heute war wieder so ein Tag.
Im Traum hatte er den Moment noch einmal erlebt, als er am Ende seines fünften Schuljahres mit Luna Lovegood gesprochen hatte, über die Stimmen hinter dem Schleier. Luna hatte ihn überzeugt, dass er seine Eltern und Sirius eines Tages wiedersehen würde.
Seitdem verstand er seine widersprüchlichen Gefühle nicht mehr, einerseits wollte er noch nicht sterben, aber andererseits wünschte er sich nichts sehnlicher, als dass der Tag rasch käme, an dem er sie endlich wieder treffen würde! Vielleicht war dies einer der Gründe, weshalb ihm Trelawneys Vorhersage zwar enorm zusetzte, aber doch nicht so sehr wie er es zuerst befürchtet hatte. Ja, ihm wurde flau im Magen wenn er an ihre Worte dachte, und Angst bekam er auch, jedoch ...
„Der kleine Potty zieht ganz allein durch die Schule?" fragte jemand. Harry stockte, es war diese Stimme, die ihn vor einem Jahr jede Nacht im Alptraum heimgesucht hatte, ihr triumphierender Schrei, als Sirius durch den Bogen fiel ...
„Willst du nicht bei deinen Freunden sein, kleines Baby?" rief Lestrange mit unüberhörbarem Spott, „Ach, ich weiß. Du willst keinen von ihnen umbringen, nicht wahr? Oder sollte ich sagen, keinen mehr?"
Harrys Hand glitt unter seinen Umhang.
„Wie hat es sich angefühlt, dass du deinen geliebten Paten durch einen eigenen, fatalen Fehler verloren hast? Ich wette, du hast geflennt wie ein Hund", höhnte Bellatrix, „Ein großer und schwarzer Hund wie Black es war, so ein unnützlicher Drecksköter!"
Harry sah rot, er dachte nicht mehr nach. Er zückte den Zauberstab, den er bereits fest umklammerte, und brüllte, dass es in der ganzen Halle widerhallte: „Expelliarmus!"
Es war ihm gleich, ob er hinterher einen Unbewaffneten angreifen würde, er wollte ihr wehtun, er wollte sie zahlen lassen für das, was sie Sirius, der für Harry eine Art Vater-Ersatz gewesen war, angetan hatte, er wollte ...
Als ihm sein eigener Fluch den Zauberstab aus der Hand riss, kam er wieder zur Besinnung, und ihm fiel ein, was Dumbledore vor einigen Tagen gesagt hatte. Der Fluch wird automatisch sofort auf den Betreffenden zurückgeworfen, und Bellatrix darf diese Person nun verfluchen.
„Dumm gelaufen, was?" grinste Bellatrix boshaft, „Wirklich ein Pech, dass diesmal niemand da ist, der sich für dich opfert! Crucio!"
Harry schrie, ohne es wahrzunehmen.
Er konnte an nichts mehr denken, nichts mehr fühlen – nichts, abgesehen von den unvorstellbaren Schmerzen, die er gerade durchlitt, die sich mit nichts vergleichen ließen, was ihn bisher heimgesucht hatte.
Was passierte mit ihm?
Drachen spieen Feuer und verbrannten seine Haut, er brannte lichterloh bei vollem Bewusstsein, von den Zehen bis zum Haaransatz schien er zu zerreißen, und er wünschte sich nichts sehnlicher als das ... denn dann wäre es vorbei ... er müsste nicht mehr diese Folter ertragen ... diese Agonie ... Nein! Stop! ... SCHLUSS DAMIT! Bitte nicht, aufhören, bitte! ... BITTE! ...
Von einer Sekunde auf die andere nahm der Schmerz entschieden ab, bevor er endlich verschwand. Bellatrix hatte den Fluch unterbrochen, Harry wollte sie dafür umarmen!
„Du winselst wirklich wie ein Straßenköter!" stellte sie fest und hörte sich dabei an, als hätte sie den Anblick von Harrys zuckendem Körper mehr genossen als das köstlichste Festmahl, „Das waren gerade mal fünf Sekunden. Ich bin gespannt, wie du mit einer längeren Kostprobe fertig wirst!"
Harry – weiß wie Porzellan, unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen und unter den Nachwirkungen des Fluchs zitternd – musste hilflos mit ansehen, wie sich ihr Zauberstab unheilvoll senkte, „Crucio!"
Ein unsanfter Stoß, Harry schlug hart auf und fand sich auf dem Boden wieder.
Neben sich hörte er Schreie, grauenvolle Schreie, er presste sich die Hände auf die Ohren, das konnte man nicht mit anhören! Hatte er ebenso geschrieen? Der Junge öffnete die Augen, um nachzusehen, von wem dieses herzzerreißende Wehklagen stammte.
Remus lag auf dem Boden, er war in der Halle erschienen und hatte den Jungen zur Seite gestoßen, und dafür war er selbst vom Fluch getroffen worden. Lupin zuckte unter Schmerzen, die Harry gerade selbst noch durchlebt hatte, die unvorstellbar grausam waren und einen Menschen um den Verstand bringen konnten!
„HÖR AUF DAMIT!", brüllte Harry wie von Sinnen, so etwas durfte niemandem angetan werden! „LASS – IHN – IN – RUHE!"
Bellatrix hob den Zauberstab und nahm den Cruciatus-Fluch von Remus. Bevor dieser sich jedoch erholt hatte, schoss eine rasiermesserscharfe, heiße Peitsche daraus hervor, mit der Bellatrix genussvoll auf ihn einschlug.
Mehrere blutende, tiefe Wunden klafften auf Lupins Rücken, und er hielt sich eine Schulter. Mühsam versuchte er, auf die Beine zu gelangen, konnte sich jedoch nur aufsetzen, er war zu schwer verletzt.
„Expelliarmus!" Bellatrix hatte ihn entwaffnet und grinste nun über das ganze Gesicht. „Zeit, sich von der Welt zu verabschieden, Bestie. Avada Kedavr..."
Bevor Bellatrix den Todesfluch zu Ende bringen konnte, packte sie eine unsichtbare Hand und zog sie aus der Halle. Kurz darauf drang das mysteriöse Knistern des Schildes an Harrys Ohren, sie hatte das Schulgelände verlassen.
Harry und Remus sahen sich ratlos aber zutiefst erleichtert an. Hinter ihnen schritt Dumbledore die Treppen hinab.
„Das ist gerade noch einmal gut gegangen", seufzte Lupin und zog eine Grimasse, sein Rücken musste höllisch schmerzen.
– „Sei dir da nicht so sicher", warnte ihn der Schulleiter,
„Fragst du dich überhaupt nicht, wieso Bellatrix hinausgeworfen worden ist? Ich sah nur eine einzige Möglichkeit, dich zu retten, und deshalb ... tut mir Leid, aber ich musste dich entlassen.
Wenn du nicht mehr Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichtest, darf sie dich nicht angreifen. ... Mach dir keine Sorgen, ich finde eine andere Anstellung für dich, Remus, und habe da auch schon eine Idee. Vorher solltest du dich jedoch behandeln lassen."
„Gut, dass Professor Lupin wieder vollständig genesen ist", stellte Hermine eine Woche später erleichtert fest, „Und ich freue mich außerdem, dass er Hogwarts nicht verlassen muss. Professor Dumbledore hatte schon länger geplant, Duellieren als Unterrichtsfach einzuführen, als Ergänzung für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Jetzt hat er auch einen qualifizierten Lehrer dafür; auch wenn Professor Snape behauptet hat, ein guter Lehrer hätte Bellatrix nicht die Oberhand gewinnen lassen. Aber das war nicht Professor Lupins Fehler!"
– „Und außerdem hat Snape nur vier Tage gegen Bellatrix durchgehalten, bevor Dumbledore ihn wegen dem Todesfluch feuern musste", freute sich Ron, „Und Lupin hat ganze sieben Tage durchgehalten! Mann, Snape hat echt geschäumt vor Wut!"
– „Wieso bringt uns Remus eigentlich in Duellieren keine neuen Zaubersprüche bei?" wollte Harry wissen, „Nachdem Bellatrix drei weitere Kandidaten verscheucht hat – zwei davon noch vor dem Schlosstor, den dritten am ersten Tag – haben wir doch keinen Verteidungs-Lehrer mehr, keiner will sich mehr bewerben!"
– „Hast du denn schon Professor Lupins Worte vergessen? ‚Sie kann jeden angreifen, der – so hat sie das im Ritual definiert – den Schülern Flüche und Gegenflüche beibringt, die sie noch nicht kennen und die gewöhnlich im Kampf verwendet werden', deshalb darf Professor Lupin nur auf Zauber zurückgreifen, die wir bereits gelernt haben!"
– „Wie kannst du dir das so genau merken?" fragte Ron und verdrehte die Augen.
– „Ist jetzt egal", unterbrach ihn Harry aufgebracht, „Jedenfalls haben wir kein Verteidigung gegen die dunklen Künste mehr! Und das obwohl wir lernen müssten, uns gegen Voldemort (Ron zuckte zusammen) zu verteidigen!"
