Klasse, NEUN Reviews! Danke!
:bei Trovias Indianertanz mitmach:

Das sind dreimal so viel wie mein Rekord! Meint ihr, wir schaffen das nochmal? (Ich mein 9 Rev., der dreifache Rekord wär ja jetzt 27. Bin ja nicht größenwahnsinnig!) Bitte fleißig mithelfen!

Coop: Zu Befehl! ... laser-jet: Merlin hat einen Brief geschickt, der mit einem Schutzzauber belegt wurde. Den Zauberspruch hat man vor langer Zeit vergessen und das beweist, dass es keine Finte Voldemorts ist, wie Merlin1991 es zuerst gedacht hat. Gruß von Lord Adolf V. H. ... Julea: Das mit den fünf Kapiteln schaff ich leider nicht in den drei Wochen ... Roter Draconis: Also von mir aus darfst du gern weiterlesen :g: Werd natürlich nicht nur Harry und Sirius schreiben, aber er bekommt auch keine Nebenrolle ... Adsartha, Ela3, Lord Adolf V. H.: Danke für das Lob! ... Trovia: Es wird noch etwas dauern, bis einige der Rätsel gelöst sind, die du ansprichst. Natürlich bedauert Ron, dass Snape nicht verscharrt wird, aber ich brauch ihn noch ...

Freut mich, dass euch 07 gefallen hat, nun viel Spaß mit Kapitel 08! Mal sehen, wie die Ordensmitglieder Sirius' Rückkehr verdauen :gg:


Spuren eines Kampfes


Harry stand da wie angewurzelt, er war sicher, seinen Augen nicht mehr trauen zu können und hoffte dennoch, sie zeigten ihm die Wahrheit! Immer noch zitterte er am ganzen Körper, das war zu schön um wahr zu sein!

Wie vom Donner gerührt starrte er in das Gesicht seines Paten, den er seit über einem Jahr – einem wirklich grauenvollen Jahr – für tot gehalten hatte, bekam nichts mehr mit von dem, was um ihn herum geschah. Todesser hätten das Hauptquartier stürmen können, Voldemort persönlich hätte angreifen können, er hätte es nicht einmal gehört!

Alles, was er sah, war sein Pate, seine silbergrauen Augen, die Sirius ebenso wenig von Harry wenden konnte wie Harry von ihm.

Für den Bruchteil einer Sekunde flüsterte eine Stimme in Harrys Kopf, dass das gar nicht möglich war, dass alle sagten, Sirius sei tot und dass er deshalb nicht zurückkehren konnte.

Doch ein Blick in diese Augen, und die Zweifel waren wie weggeblasen, das war sein Pate!

Harry stand da wie betäubt, zwang sich bewusst, Luft zu holen – er hatte völlig vergessen zu atmen.

Dies musste ein Traum sein, so oft hatte er sich gewünscht, Sirius würde aus heiterem Himmel einfach wieder auftauchen und ihn angrinsen, als ob die Ereignisse im Zaubereiministerium nie stattgefunden hätten. Aber wenn es wirklich ein Traum war, dann wollte der Junge nie wieder aufwachen!

Die Zeit verstrich, und immer noch wagte keiner von ihnen etwas zu sagen.

Harrys Fingernägel bohrten sich in seine Haut, so fest hatte er die zitternden Hände zu Fäusten geballt. Es tat weh, doch Harry begrüßte den Schmerz, denn er befreite ihn von dem quälenden Gedanken, dies könne ein Traum sein. Sein Pate war wieder aufgetaucht. Und er grinste nicht.

„Hallo Harry", hauchte Sirius irgendwann und steckte gedankenverloren seinen Zauberstab in den dunkelgrauen Gürtel, auch ihm schienen die Worte zu fehlen. Noch immer hatte keiner der beiden den brennenden Blick unterbrochen, noch immer starrte Harry wie erschlagen in Sirius' funkelnde Augen, bis ihm schließlich Tränen die Sicht verschleierten.

Aus einem plötzlichen Impuls heraus schoss er nach vorne.

Kaum hatte Sirius Harry von den Fesseln befreit, schlang der Junge auch schon die Arme um ihn, er vergrub sein Gesicht in den Roben seines Paten und ließ den Tränen freien Lauf, versuchte nicht einmal sie aufzuhalten.

Die vielen Schuldgefühle der vergangenen Monate, die abgrundtiefe Verzweiflung, die Trauer, all das hatte sich angestaut und suchte nach einem Ventil, Harry konnte einfach nicht anders. All jene grausamen Erinnerungen aus der Vergangenheit, die er tief in seinem Innern vergraben hatte, brachen nun aus ihrem Versteck hervor und strömten auf ihn ein, lösten sich in sekundenschnelle in Luft auf und ließen nichts als grenzenlose Erleichterung und unendliche Freude zurück, er hatte seinen Paten wieder!

„Schon gut, Harry", versuchte Sirius – der die klammernde Umarmung ebenso intensiv erwiderte – den Jungen zu trösten, auch in seinen Augen schimmerten Tränen, „Ist ja gut!"

Eine halbe Ewigkeit standen die beiden schon so da, engumschlungen und Harry dem Zusammenbruch nahe. Dann hatte der Junge sich endlich wieder gefangen und löste sich nach kurzem Zögern – als hätte er Angst, Sirius würde wieder verschwinden, wenn er ihn los ließ – von seinem Paten.

„Ich hab dich so vermisst!" platzte es mit brüchiger Stimme aus ihm heraus, „Es tut mir so leid, dass ich damals ..."

– „Das war doch nicht deine Schuld!" entgegnete Sirius leise, als Harry stockte, und legte ihm die Hände auf die Schultern, „Du hast es nur gut gemeint!" Nun lächelte er, eines der wenigen warmen, echten Lächeln die der Junge bei ihm gesehen hatte: „Ich hab dich auch vermisst!"

Harry wischte mit seinem Ärmel die letzten Tränenreste fort und strahlte dann, stellte damit sogar den schönsten Patronus in den Schatten. „Schön, dass du wieder da bist", grinste er von einem Ohr bis zum anderen, seine Stimme quoll fast über vor Glück, „Untersteh dich, wieder zu verschwinden!"


„Ach du Schande!" entfuhr es Lee auf einmal, der mit Andromeda an der Spitze ging und ihr fassungslos eine Hand auf die Schulter legte. Doch Andromeda hatte bereits gesehen, auf was er sie hinweisen wollte, und auch ihr hatte es den Atem verschlagen. ‚Bei den schwarzmagischen Fähigkeiten meines Onkels!'

Alarmiert eilte der Rest der Gruppe herbei, bis auf Moody und Kingsley, die noch eine Höhle in Augenschein nehmen wollten, hatten sie alle die Suche nach Harry unterbrochen.

Vor wenigen Minuten erst hatten die neun Ordensmitglieder das Hauptquartier betreten und wie vom Blitz getroffen innegehalten, viele Zelte wiesen Löcher und Brandflecke auf, Spuren eines Kampfes, die es ihres Wissens nach eigentlich nicht geben durfte, wie hätte der Feind denn die Höhle finden sollen? Der ganze Ort machte einen ziemlich mitgenommenen Eindruck.

Andromeda hatte sich entsetzt umgesehen, einige Zelte standen nicht einmal mehr, und direkt gegenüber des Eingangstores war eine Blumenvase zu Bruch gegangen, die Molly erst vor ein paar Tagen dort aufgestellt hatte, die schönen Narzissen hatte es geradezu zerfetzt.

Doch dies war nichts gewesen im Vergleich hierzu!

Geschockt starrte sie auf die unerwartete Szene, die sich ihren Augen bot: Zwischen den Zelten standen Dumbledore und einige andere und rührten sich nicht, anscheinend waren sie mitten in der Bewegung eingefroren.

Was war hier geschehen, während ihrer Abwesenheit?

Der Schulleiter hatte seine Hand locker an einer Tasse auf dem Tisch, als wolle er sie aufheben oder abstellen.

Ginnys Mund stand offen, aber kein Laut kam daraus hervor, unterstrich die unheimliche Stille, die sich im Hauptquartier ausbreitete und die auch noch den letzten der Gruppe schaudern ließ. Das Gesicht des Mädchens war zu einer angeekelten Grimasse verzogen, ebenso wie bei Neville und Luna.

Fast schien es, als hätte jemand die Zeit angehalten. Die Szene war so surreal, dass sie einem Alptraum hätte entspringen können ...

„Potz, Blitz und Donner!" zischte Hagrid, der als erster die Sprache wiederfand, „Was'n da passiert, bei Griphook dem Kobold?"

– „Sscht!" machte Tonks scharf, „Der Übeltäter könnte noch in der Nähe sein, leiser! Wir sollten ausschwärmen und alles absuchen! Zitat Mad-Eye: Immer wachsam!"

Sprach's und stolperte auch schon über einen Hering, riss das halbe Zelt mit um und schoss erschrocken hoch, das Hauptquartier nach allen Richtungen absuchend, ob jemand den Lärm bemerkt hatte.

„Verflucht, Nymphadora!" schimpfte Andromeda und verdrehte die Augen, wie hätte das auch jemand überhören können?

Fleur, Lupin und Lee entschieden sich, bei den „Statuen" zurückzubleiben, sie wollten versuchen, sie aufzuwecken – was sich als ziemlich harte Nuss herausstellen sollte, immerhin wussten sie nicht einmal, was ihnen widerfahren war. Die anderen schlichen unterdessen immer zu zweit in verschiedene Richtungen, untersuchten Zelte und spähten wieder und wieder um Ecken, stets auf der Hut.

Gerade wollte Andromeda vorsichtig zwischen zwei weiteren Zelten hindurchschleichen, als Snape sie grob am Kragen packte und in Deckung zog, so plötzlich, dass der Frau fast das Herz stehen blieb vor Schreck!

Mit einem Kopfnicken bedeutete er ihr, nach links zu schauen. Verärgert rieb sich Tonks' Mutter den schmerzenden Nacken, wieso musste sich dieser Schleimbeutel immer so ungehobelt aufführen? Trotzdem folgte sie seufzend der Anweisung.

Auf der Stelle stockte Andromeda der Atem, etwa zehn Meter entfernt vor ihnen lagen ihre fünf neuen Ordensmitglieder Geoffrey, Hendrik, Drew, Unberew und Chokoloye bewusstlos (teils mit den Gesichtern) im Dreck, die vielen Schürfwunden bewiesen, dass sie angegriffen worden sein mussten – und haushoch unterlegen waren, keine große Überraschung, bei ihrem kämpferischen Talent! Nichts desto trotz machte sie sich Sorgen.

Etwas abseits von ihnen standen Hermine, Ron und die Weasley-Zwillinge und starrten fassungslos einen Fremden in einem silbernen Umhang an, der Andromeda den Rücken zuwandte, aber sie würde trotzdem ihr reines Blut – welches ihr sowieso nicht allzu viel wert war – darauf verwetten, dass er Chokoloye und die anderen erledigt hatte!

Und da war Harry!

Harry, den sie die ganze Nacht gesucht hatten, den sie immer noch für verschollen hielten! ‚Wie, beim Temperament von Onkel Antares, ist der unbemerkt ins Hauptquartier gekommen?'

Die Frau entschied sich jedoch, dass das jetzt nebensächlich war, denn der Fremde hatte seine Hände neben Harrys Hals gelegt, es schien als würde er dem Jungen langsam die Luft abdrücken! Harrys Gesicht war bereits tiefrot und seine Augen geschwollen! In diesem Zustand würde er nicht mehr lange durchhalten! ‚Wir müssen eingreifen!'

„Bewegen Sie endlich Ihren breiten Hintern, Tonks, und holen Sie die anderen!" bellte Snape scharf, der offenbar den gleichen Schluss gezogen hatte wie sie selbst, „Ich kümmere mich um den Eindringling!"

Andromeda – erschrocken und besorgt, wie sie war – störte sich ausnahmsweise nicht an der charmanten Anweisung des Schleimbeutels, sie ließ sich das kein zweites Mal sagen und machte sich so schnell wie möglich auf die Suche nach ihren Ordenskameraden, während Snape mit erhobenem Zauberstab hinter dem Zelt hervorstürmte, auf Harry und den Fremden zu.


Hermine war immer noch sprachlos – Sirius hatte sie ganz bestimmt nicht erwartet. Mit allem möglichen hatte sie gerechnet, aber nicht mit Harrys Paten!

Andererseits ... vor kurzem war ein Brief Merlins erschienen, was konnte da noch überraschen?

Fred und sein Zwilling grinsten ebenso wie Ron – wieso war ihr nie aufgefallen, wie ähnlich sich die Brüder dabei sahen? –, sie schienen glücklich zu sein, dass Sirius zurück war, und Hermine konnte die drei verstehen, sie würde sich genauso freuen, wenn ... ja, wenn da nicht diese Zweifel wären ...

Ist das wirklich Sirius?'

Im Gegensatz zu Harry, der so erleichtert und glücklich – und auch ein wenig verwirrt und müde – schien, weigerte sie sich zu glauben, dass das tatsächlich sein konnte. Hermine überlegte hin und her, wog das Für und Wider ab, kam aber zu keinem Ergebnis.

Nur eins wusste sie: War das nicht Sirius, würde es Harry auf jeden Fall das Herz brechen, dazu musste sie den strahlenden Jungen gar nicht erst ansehen!

Dagegen sprach, dass Sirius doch hinter diesen Bogen gefallen war, und nach dem kompletten Wissensstand der Zaubererwelt – die verbotene Abteilung in Hogwarts mit eingeschlossen – war es eigentlich unmöglich, dort wieder hervorzukommen. ‚Edgar Paddington ist nur einer, der dies am eigenen Leib erfahren musste, neben Cassandra Perkins oder Wharner Brassers ...'

Doch gleichzeitig schloss dies auch die Möglichkeit aus, dass ein Todesser sich als Sirius getarnt hatte – was doch nur mit dem Vielsafttrank ging –, denn immerhin hätte der dann auch durch diesen Bogen und wieder zurück gemusst, um an ein Teil von Sirius zu kommen!

Verdammter Mist nochmal', fluchte Hermine innerlich und hätte Ron wohl sehr schockiert, hätte sie diesen Gedanken laut ausgesprochen.

Was blieb noch? ... ‚Vielleicht handelt es sich um einen ... mentalen Trick?' überlegte das Mädchen und nahm schnaubend den Daumen aus dem Mund, ihre schlechte Angewohnheit, beim Grübeln an den Fingernägeln zu kauen, machte sich bemerkbar.

Aber mal ehrlich, würde ein Todesser, der Harrys Paten nachmachen wollte, dies dann nicht ohne jegliche Veränderung tun?'

Und jeder musste zugeben, dass Sirius' Erscheinungsbild sich zumindest ein wenig verändert hatte – nicht nur die Haare waren länger, er schien auch muskulöser und durchtrainierter, und irgendwie einfach gesünder, seit sie sich zuletzt gesehen hatten! Auch wenn einige der Spuren, die Askaban hinterlassen hatte, wohl nie verschwinden würden ...

Dann war da noch seine neue Animagus-Gestalt.

Die Todesser wussten, dass Sirius sich in einen Grim verwandeln konnte, wieso dies verändern und dadurch Zweifel an seiner Identität erzwingen?

Man konnte einen Animagus nicht kopieren, weder durch Tränke oder Zaubersprüche – wobei Hermine voraussetzte, dass mentale Zauber als einzige nicht inbegriffen waren, denn vortäuschen ließen sich viele Dinge –, und deshalb wäre es eher logisch, Sirius zu einem Grim werden zu lassen, das würde solche Zweifel wie die ihren auslöschen ...

Ein mentaler Trick fällt also wahrscheinlich auch weg ...'

Andererseits warf Sirius' Fähigkeit, sich in eine Eule zu verwandeln, eben jene Zweifel auf, über die sie gerade nachgedacht hatte.

Ein Zauberer kann einfach keine zweite Animagusform annehmen, er darf sich die erste ja nicht einmal aussuchen – sie richtet sich nach seinen Charaktereigenschaften!'

Wie konnte Sirius Sirius sein, wenn er nicht Tatze war?

Verärgert schüttelte das Mädchen den Kopf, sie hasste es, so im Dunkeln zu tappen und nicht weiterzukommen. Eine logische Erklärung gab es nicht – verdammt, ihr fiel nicht einmal eine unlogische Erklärung ein ... Doch wonach sollte sie sonst gehen?

Aufmerksam wandte sich das Mädchen Sirius zu, versuchte seine Körpersprache zu lesen, seine Gestik, die Mimik ... Zuletzt blieb ihr Blick an den Augen hängen, welche schließlich ihre Zweifel wegwischten, als hätten sie nie existiert.

Diesen Blick kann man einfach nicht falsch deuten! So wie er Harry ansieht ...'

Sie wusste nicht wie, aber er war wieder da! Allmählich erlaubte sich auch Hermine, sich zu freuen. Und auf die Erklärung, wie er es geschafft hatte, war sie sehr gespannt!

Wie aus heiterem Himmel erschienen dünne Seile aus dem Nichts und schossen mit unfassbarem Tempo auf Sirius zu, sie schlangen sich um seinen Hals und würgten ihn!

Hermine zuckte vor Schreck zusammen, abrupt aus ihren Gedanken gerissen, und Harry stieß einen spitzen Schrei aus, als er seinen Paten röcheln und auf die Knie sinken sah. Sirius versuchte seinen Zauberstab zu ertasten, Harry wollte ihm helfen, versuchte vergeblich und immer verzweifelter, die Schlingen vom Hals seines Paten zu lösen, der keine Luft mehr holen konnte und langsam blau anlief.

„Was soll das?" rief Harry entgeistert und suchte panisch nach der Ursache für diese plötzliche Notlage, die niemand erwartet hatte.

Fred und George hatten sie glücklicherweise bereits entdeckt, entschlossen zückten sie gleichzeitig ihre Zauberstäbe und riefen wie aus einem Mund: „Stupor!"

Rote Blitze schossen dem heranrasenden und völlig verdutzten Snape entgegen, und der Schockzauber der Zwillinge streckte ihn zum zweiten Mal in dieser Nacht nieder. Er verlor seinen Zauberstab, die Seile lösten sich von Sirius' Hals und er rang keuchend und hustend nach Luft.

„Oops", machte diesmal Fred und ahmte die Unschuldsmiene seines Bruders vom Vorabend nach, auch er wiegte abschätzend den Kopf zur Seite, während er das bewusstlose Mitglied im Phönixorden musterte, „Wieder der olle Snape!"

– „War wohl ... ähm ... schon wieder ... eine Verwechslung", ergänzte George belustigt und wollte die Haare des Zaubertranklehrers gerade in ein zartes Babyrosa färben, als er von Hermine unterbrochen wurde.

„Was habt ihr diesmal angestellt?" rief sie – wobei sie unbeabsichtigt den Ton von Molly Weasley erstaunlich gut nachmachte – und rannte zu ihnen.

Die Zwillinge wechselten einen schelmischen Blick und verteidigten sich sofort abwechselnd: „Ist schließlich nicht unsere Schuld –"

„– wenn der Blindgänger keine Augen im Kopf hat!"

„Wieso –"

„– bei der Eule Merlins –"

„– muss er auch Sirius angreifen?"

– „Das hat er sich eindeutig alles selbst zuzuschreiben!"

Während das Mädchen noch überlegte, ob sie den beiden recht geben sollte oder nicht – die zwei hatten sie regelrecht übertölpelt –, wandte sich Fred – wieder strahlte er vom einen Ohr bis zum anderen – an seinen Zwilling:

„Diesmal lassen wir uns die Gelegenheit nicht entgehen, werter Bruder, buddeln wir ihn ein!"

Das jedoch riss Hermine aus ihren Überlegungen – sie war damit ganz und gar nicht einverstanden –, und der alte Streit ging von neuem los:

„Ihr dürft den Professor nicht einfach irgendwo vergraben! Das hat euch auch Professor Lupin gesagt ..."

– „Und es hinterher gleich wieder zurückgenommen!"

– „Nein, nein, nein! Nehmt endlich Vernunft an! Ihr werdet niemanden verscharren!"

Bevor die Zwillinge anfangen konnten, sämtliche ihnen in den Sinn kommenden Vorteile aufzuzählen die es bringen würde Snape einzugraben, stürmten hinter ihnen etliche Ordensmitglieder mit wehenden Umhängen und erhobenen Zauberstäben heran als würde ihnen Voldemort persönlich im Nacken sitzen.

„Lassen Sie die Kinder in Ruhe!" brüllte Andromeda, kaum dass sie das letzte Zelt hinter sich gelassen hatte – welches auch gleich darauf in sich zusammensackte, als Tonks hineinrannte.

Weil Sirius ihr immer noch den Rücken zudrehte, konnte sie ihren Cousin nicht erkennen, er kniete auf dem Boden und hatte sich zwar in der Zwischenzeit von Snapes Würgegriff erholt, war dafür jedoch voll und ganz damit beschäftigt, beruhigend auf Harry einzureden, dessen Gefühle gerade Achterbahn fahren mussten anhand der sich überschlagenden Ereignisse.

„Weg von ihm, Harry", wies Andromeda den Jungen mit zitternder Stimme scharf an, als keine Reaktion folgte, „Er ist gefährlich!"

– „Wie kommen Sie denn auf so eine Schnapsidee?" platzte Ron verblüfft heraus, er verstand nicht, was der ganze Aufruhr sollte – er wusste ja, anders als die Erwachsenen, wen sie gerade mit ihren Zauberstäben bedrohten.

– „Schau dir an, was er mit Chokoloye und seinen Freunden gemacht hat", erläuterte Remus, seine aufmerksamen Augen weiterhin auf den ihm wohlbekannten Fremden gerichtet, seine Nerven schienen so angespannt als würden sie gleich zerreißen, „Von Dumbledore und den anderen ganz zu schweigen!"

– „Vorhin hat er sogar versucht, Harry zu erwürgen!" fügte Andromeda beinahe hysterisch hinzu, ohne von dem lächerlichen Widerspruch in ihrer Aussage wissen zu können.

– „So ein Schwachsinn!" entrüstete sich George aufgebracht, Fred schüttelte den Kopf: „Als ob wir dann einfach daneben gestanden und Löcher in die Luft gestarrt hätten!"

– „ Also euch beiden trau ich beinahe alles zu", stellte Andromeda nüchtern fest und hob die Brauen.

Die Zwillinge schnappten natürlich sofort nach Luft und taten unglaublich verletzt und beleidigt, George legte sich dramatisch die Hände aufs Herz: „Denkt ihr wirklich, wir sehen nur dabei zu, wenn das Hauptquartier verwüstet und einer unserer Freunde attackiert wird?"

– „Wir haben uns gewehrt –"

– „– und dabei die Hälfte der Zelte selbst demoliert ... Autsch!"

– „George, das muss sie nicht wirklich wissen!" grinste Fred, während er liebevoll den Ellbogen im Bauch seines Bruders versenkte, und versuchte das Thema zu wechseln, „Dumbledore und die anderen wurden durch Starre-Kapseln in Sumpfnarzissen-Tee außer Gefecht gesetzt –"

„– Sumpfnarzissenwurzel-Tee, liebster Frederic –", kamen auch sofort die Korrektur und der Gegenhieb von George.

„– die Hendrik aus einem Zelt entwendet und Chokoloye in den Tee gegeben hat, mit der Absicht, uns alle einzufrieren und ..."

– „Wieso sollten sie denn Mitglieder des Ordens angreifen? Sie sind doch selbst im Phönixorden!" unterbrach Andromeda unwirsch die Erklärungen der beiden und winkte elegant mit der freien Hand ab, wechselte danach einen flüchtigen Blick mit Lupin, „Redet doch keinen Unsinn!"

– „Sie sind doch nicht verhext worden, oder?" wisperte Tonks – die sich inzwischen aus dem Zelt befreit hatte – ihrer Mutter beunruhigt ins Ohr und nickte in Richtung der Zwillinge.

Diese schien es nicht im Geringsten zu bezweifeln, „Wieso sollten sie den Mann sonst unterstützen?"

– „Deswegen!" mischte sich Hermine in den Wortwechsel ein, sie hatte – ohne von jemandem bemerkt zu werden – die bewusstlose Geoffrey heran levitiert und zerrte energisch ihren Ärmel hoch, offenbarte somit ein schwarzes, in die Haut gebranntes Bild, das alle Anwesenden augenblicklich zusammenzucken ließ – „Das Dunkle Mal!"

Wie gebannt starrten Lupin und die anderen auf das schwarze Zeichen, welches sie vom Arm ihrer Kollegin – wenigstens hatten sie das angenommen – höhnisch auszulachen schien.

„Was ... ich meine, wie kommt das ...?" stotterte Andromeda geschockt, ihre Augen flackerten zwischen Hermine und dem Totenkopf hin und her. Die Ordensmitglieder verfielen in bedrücktes Schweigen, unfähig, den Blick von Valerys Arm zu wenden.

Sie hatten einen Verräter in ihrer Mitte!

„Zum Glück wurden die Absichten der Todesser vereitelt!" beendete Dumbledore unvermittelt die Stille, überrascht fuhren die Mitglieder des Phönixordens herum und wandten sich dem Oberhaupt desselben zu, keiner hatte sein Herannahen bemerkt.

Die Wirkung der Kapseln hatte endlich nachgelassen.

Hinter dem Direktor waren Molly, Ginny und die anderen mit einem erleichterten Lee und einer noch immer recht bleichen Fleur im Schlepptau erschienen.

„Nicht auszudenken, wenn Lord Voldemort (nicht wenige erschauerten) an geheime Informationen über den Orden gekommen wäre! Niemand von uns wäre mehr sicher, vor allem da Lockhart uns als ‚illegal' deklariert hat. ...

Und bitte –", wandte er sich dann an Lupin und die anderen – auf einmal schien er sich (dem Funkeln in seinen Augen zufolge) regelrecht zu amüsieren,

„– hören Sie auf, meinen neuen Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste mit ihren Zauberstäben zu bedrohen! Ich hoffe doch sehr, dass dieser etwas länger ... halten wird!"

Während Andromeda einen verdutzten Blick mit ihrer Tochter wechselte, stieß Harry hinter ihr einen spitzen Freudenschrei aus: „Du unterrichtest in Hogwarts? Ehrlich? Das ist ja genial!"

Dieser Ausruf brachte die Frau mit einem Schlag ins Hier und Jetzt zurück, immerhin hatte sie nicht vergessen, was sie vorhin mit eigenen Augen gesehen hatte!

„Aber, Sir!" protestierte sie deswegen energisch, „Eben hatte es den Anschein, als würde er Harry die Luft abdrücken, wes..."

– „Nenn mir einen Grund, weshalb ich meinem Patenkind etwas antun sollte!" fiel Sirius ihr nun grinsend ins Wort, Harry und er hatten sich endlich der Gruppe angeschlossen.

Augenblicklich kehrte Totenstille ein, man hätte die berühmt-berüchtigte Stecknadel fallen hören können.

So geschockt die Ordensleute vom Dunklen Mal auf dem Arm ihrer Kameradin gewesen waren, so neutral wirkte dies im Vergleich hierzu. Beim Klang dieser Stimme, die die meisten sofort wiedererkannten, waren sie ausnahmslos alle herumgefahren.

Wie auf Kommando klappte Andromeda und Tonks zur selben Zeit das Kinn auf die Brust. Arthur, Molly und Bill schnappten überrascht nach Luft, während Hagrid nur schlucken und stammeln konnte und jeden Moment in Ohnmacht zu fallen drohte – er wirkte jedoch noch durchaus gesund im Vergleich zu Remus!

Der Werwolf schwankte bedrohlich und verlor alle Farbe aus seinen ohnehin bleichen Zügen, riss die Augen auf und starrte Sirius an wie eine Erscheinung! Ein paar mal öffnete und schloss er den Mund, ohne dass jedoch ein Ton zu hören war.

Wie Harry vor etwa einer Stunde fing auch er an zu zittern, Fassungslosigkeit, Zweifel und Hoffnung standen in seinem Blick geschrieben.

„Sirius?" brachte er heißer hervor, seine Stimme war dabei kaum mehr als ein Flüstern.

Wie in Trance streckte er langsam die rechte Hand aus – seinen Zauberstab hatte er achtlos fallen lassen – und keuchte hörbar auf, als seine zitternden Finger den Arm seines Freundes berührten und wider Erwarten nicht hindurch glitten.

„Sirius!" hauchte er erstickt, seine bernsteinfarbenen Augen glänzten verräterisch, und Harry konnte es ihm nicht verdenken.

Abrupt zog Remus die Hand zurück und schüttelte ungewollt den Kopf.

Währenddessen schrieen Lee, Fleur und Smethwyck (der nicht bemerkte, dass ein Ordensmitglied seiner Dienste als Heiler bedurfte) entsetzt auf – für die Öffentlichkeit war Sirius noch immer ein gesuchter Massenmörder – und schauten Dumbledore vorwurfsvoll an, wie konnte er so eine Person nur auf seine Schüler loslassen?

Sofort hoben sie ihre Zauberstäbe erneut, Ginny, Neville und Luna, die erfreut zu Harry und seinem Paten eilten, versperrten ihnen allerdings die Schussbahn.

„Schade, dass Snape nicht wach ist", feixte George übermütig, „Auf seine Reaktion war ich am meisten gespannt!"

– „Der würde sich wahrscheinlich freiwillig einbuddeln lassen!" Fred kugelte sich vor Lachen und sein Bruder stimmte sofort mit ein, die Vorstellung eines Snape, der auf Knien darum flehte, eingegraben zu werden, war einfach zu witzig.

„Wie kann das möglich sein?" nuschelte Andromeda und starrte ihren Cousin an, als sähe sie ihn in diesem Augenblick zum ersten Mal in ihrem Leben.

– „Ich hab's!" schrie Tonks, „Das ist ein Irrwicht!"

Ihre Mutter schlug sich die Hände über dem Kopf zusammen. „Nymphadora, nimm bitte deinen Verstand zusammen. Wer hier – außer unserem Heiler, Lee und Fleur – hat bitte Angst vor Sirius' Rückkehr?"

– „Die drei reichen doch!" antwortete ihre Tochter und schielte misstrauisch zu Harrys Paten.

– „Wenn es dich beruhigt, kannst du von mir aus gern versuchen, Irrwicht Black zu vertreiben", grinste dieser, was sich Tonks ohne Zögern zu Herzen nahm, eifrig schwang sie ihren Zauberstab und intonierte etwas zu laut und deutlich: „Riddikulus!"

Als Sirius jedoch nach ihrem Zauberspruch immer noch an Ort und Stelle stand, war Tonks davon überzeugt, es nicht mit einem Irrwicht zu tun zu haben, und grübelte weiter. „Jetzt aber!" schrie sie auf und fuchtelte mit dem Zauberstab vor seiner Nase herum, „Du bist ein getarnter Todesser!"

Damit folgte sie genau dem Gedankengang, den Hermine vor einiger Zeit geführt hatte, und das Mädchen wollte eben den Mund öffnen, um zu widersprechen, doch Sirius kam ihr zuvor: „Und wie hätte ich mich bitte tarnen sollen?"

– „Mit diesem komischen Trank, der einem die Gestalt einer anderen Person verleiht! Wie heißt der doch gleich?" Tonks überlegte und kratzte sich mit dem Zauberstab am Kopf – wenn Mad-Eye das sehen würde! – dann zuckte sie mit den Achseln und gab es schließlich auf.

„Vielsaft-Trank. Damit ich den brauen könnte, hätte ich aber doch durch diesen Torbogen springen müssen, um an meine Haare zu kommen", widersprach der Cousin ihrer Mutter schmunzelnd und stemmte herausfordernd die Hände in die Hüften.

– „Ähm ... verfluchter Dreck, du hast Recht!"

– „Außerdem", mischte sich Hermine nun endlich in das Gespräch ein und übertönte damit Andromedas entsetztes „Nymphadora!", „Ist Sirius schon eine ganze Weile hier, er hat in der Zwischenzeit nichts getrunken und hätte sich – wäre er eine andere Person – schon längst zurück verwandeln müssen!"

Während Tonks dumm aus der Wäsche guckte, wandte sich Heiler Smethwyck mit unverkennbarem Vorwurf in der Stimme an Dumbledore: „Professor, wieso in Merlins Namen stellen Sie einen Massenmörder ein, einen verrückten Massenmörder? Haben Sie eine Garantie dafür, dass Black nicht auf die Kinder losgeht?"

– „Beruhigen Sie sich, Hippocrates", redete der Direktor gelassen auf den Heiler ein, „Einmal abgesehen davon, dass Sirius offenbar alles andere als verrückt ist ... Was wäre wenn ich ihnen erkläre, dass er die Morde, für die er verurteilt wurde, nicht begangen hat?"

– „Selbst wenn ich Ihnen das abnehmen würde, Schulleiter, das Ministerium wird Ihnen diese Stellenbesetzung – zum Glück für die Kinder – nicht durchgehen lassen!" erwiderte Smethwyck überzeugt.

– „Muss es auch nicht", antwortete Dumbledore unbeeindruckt, „Dafür hat Cornelius mit seiner letzten Amtshandlung gesorgt. Ich bin niemandem mehr für die Auswahl und Einstellung meiner Lehrer Rechenschaft schuldig, trage dafür jedoch die hundertprozentige Verantwortung, sollte etwas passieren."

– „Und dieses Risiko sind Sie bereit, auf sich zu nehmen?" entfuhr es dem Heiler ungläubig.

– „Ich sehe kein Risiko", gab Dumbledore lächelnd zurück, „Wie bereits gesagt, ist Sirius unschuldig." Ein belustigtes Funkeln trat in seine Augen.

„Wussten Sie eigentlich, dass ihn das Ministerium, solange er in Hogwarts ist, nicht verhaften darf?" fügte er schmunzelnd hinzu, ohne auf den versteinerten Gesichtsausdruck seinen Gesprächspartners zu achten, „Wenn doch Cornelius nur wüsste, was mir dieser Erlass ermöglicht..."

Mit diesen Worten betrachtete der Direktor das Gespräch offensichtlich für beendet und wandte sich freundlich an seine Schüler, die ausgelassen um Harry und Sirius herumtanzten:

„Das ist genug für heute, meine Lieben. Es ist bereits nach zwei Uhr morgens, ab ins Bett! Ein paar Stunden könnt ihr noch schlafen. Über die Strafe, weil ihr weggelaufen seid, reden wir morgen."

Er wollte schon weggehen und ein Zitronenbrausedrop in den Mund stecken, als ihm noch etwas einfiel, und er wandte sich wieder an den Heiler: „Hippocrates, verabreichen Sie ihnen bitte einen leichten Schlaftrank, ich bin sicher, keiner von ihnen wird sonst heute Nacht noch ein Auge zudrücken."

Mit einem strengen Blick ließ er die wilden Proteste, die sich sofort erhoben hatten, verstummen und kontrollierte einige Minuten später persönlich, ob sie alle schliefen.

Vor allem Harry schien einen wundervollen Traum zu haben, doch nicht einmal Dumbledore konnte ahnen, wie wundervoll. Nur Harry wusste, dass er gerade auf Mimas' Rücken in den glutroten Sonnenuntergang flog ...


Harry fuhr aus dem Schlaf, Ron hatte ein Kissen nach ihm geworfen und ihn dadurch unsanft geweckt.

„Aufgewacht, du Schlafmütze", rief er vergnügt.

BUMM – schon hatte auch er ein Kissen im Gesicht, und ihm Nu war die schönste Kissenschlacht im Gange. Fred und George waren – was denn sonst? – die ersten, die sich dazu gesellten, Ginny und Neville folgten praktisch auf der Stelle, während Luna weiter träumte und Hermine sich ihr eigenes Kissen über die Ohren zog, um von dem Krach nichts mitzubekommen, sie wollte noch etwas schlafen.

„Hey!" beschwerte sie sich entrüstet, als Fred – dem die Munition ausgegangen war – es ihr vom Kopf zog und damit quietschfidel nach seinem jüngsten Bruder zielte – ihn jedoch verfehlte und es stattdessen Lupin ins Gesicht warf, der eben den Kopf ins Zelt gesteckt hatte.

„Herzlichen Dank", kommentierte der Lehrer nüchtern und informierte die Zwillinge: „Wir treffen uns gleich vom Orden aus."

– „Stimmt etwas nicht?" fragte George und schlug lebhaft mit einem Kissen auf Harry ein, das andere flog Richtung Luna – was für ein Glück, dass er nicht mehr als zwei Arme hatte!

– „Nun ... ja", gab Lupin zu und strich sich eine Strähne seiner blonden, graudurchsetzten Haare aus der Stirn, „Wir erwarten eine Nachricht von unserem Spion im Ministerium, er hat uns etwas wichtiges und sehr ernstes mitzuteilen."

– „Wo ist das Problem?" bohrte George neugierig weiter und angelte nach einem weiteren Kissen.

– „Das Problem liegt darin, dass die Eule vielleicht nicht zu uns durchkommt! Todesser werden versuchen, sie abzufangen. Sie wissen zwar nicht, wer unser Spion ist, sie haben jedoch Wind davon bekommen, dass er uns eine Nachricht schicken will, in der Informationen enthalten sind, die auch für die dunkle Seite sehr wertvoll sind!"

Remus räusperte sich und fing geschickt ein Kissen auf, nach dem George gerade schnappen wollte, „Hinzu kommt noch, dass ihnen in den letzten Monaten kaum eine Eule, auf die sie es abgesehen hatten, entwischt ist! ... Kommt ihr jetzt endlich?"

Grinsend verließen die Zwillinge mit Remus das Zelt, Ron gab Harry mit einem eindeutigen Blick zu verstehen, dass er auch zu dem Treffen und die Ohren spitzen sollte.

Der Junge erreichte den breiten Holztisch kurz vor Dumbledore – und hielt natürlich Abstand, er wollte nicht entdeckt werden.

„Gibt es etwas neues?" wollte der Direktor unterrichtet werden, als er sich zu den anderen gesetzt hatte.

– „Leider nicht, Sir", beantwortete Andromeda zerknirscht seine Frage, „Ich befürchte fast, sie haben die Eule, sie müsste schon längst hier sein." Sie schaute entnervt auf ihre Armbanduhr.

– „Verflucht", Tonks sprang auf, warf dabei ihren Stuhl um und lief beinahe so feuerrot an wie ihre Haare, „Du-weißt-schon-wer darf diese Nachricht nicht erhalten!"

Gerade als Tonks wieder Platz nahm – die Wangen immer noch gerötet – und niemand mehr damit rechnete, flatterte eine Eule heran und landete auf dem Tisch – bei weitem nicht so anmutig wie am Vortag, es fiel ihr offenbar schwer zu fliegen. Harrys Mundwinkel zuckten, nur mit Mühe konnte er ein Grinsen unterdrücken, das war Mimas!

Aber wie sah er aus? Sofort machte sich der Junge Sorgen, ihm wurde bewusst, warum das Tier sich kaum in der Luft halten konnte.

Einige Federn waren Mimas ausgerupft, außerdem hinkte er ein wenig. Am schlimmsten war jedoch einer seiner Flügel zugerichtet – der linke –, er hing in einem seltsamen Winkel davon und machte zudem einen sehr lädierten Eindruck. Das zuvor makellose, glänzende Federkleid war nun schmutzig, einige kleine Äste fielen auf den dunklen Holztisch.

Mrs. Weasley, die noch nicht wusste, dass Mimas Sirius war, suchte zuallererst nach dem Brief vom Spion des Ordens, sie hob die Weißgesichtseule hoch und begutachtete sie von allen Seiten.

„Er ist nicht hier!" rief sie anschließend entsetzt, als sie nichts gefunden hatte, Mimas wehrte sich gegen die raue Behandlung, indem er mit dem unverletzten Flügel nach der Frau schlug, „Die Todesser haben ihn! Das darf nicht wahr sein!"

– „Immer mit der Ruhe, Molly", redete Dumbledore – gelassen wie immer – auf sie ein, aber sie ließ sich nicht beirren und verschränkte die Arme vor der Brust, gab Mimas nicht einmal die Chance, sich ihr vorher zu entziehen, „Ich soll mich beruhigen? Diese Informationen sind wichtig!"

– „Deshalb habe ich auch nicht einfach eine gewöhnliche Eule geschickt, die die Todesser ohne Probleme abfangen können", beschwichtige der Schulleiter Rons Mutter belustigt (diese fasste das offenbar als Beleidigung auf, setzte sich hin und schmollte).

– „Ist das etwa ein Löwe? Sieht mir sehr nach Eule aus!" blaffte Snape und schaute auf den in Mollys Arme gequetschten Vogel, „Und abgefangen wurde sie ja wohl offensichtlich! Der Dunkle Lord hat unseren Brief!"

– „Für wie dumm haltet ihr mich eigentlich?" mischte sich Sirius in das Gespräch ein und verwandelte sich zurück, die meisten Leute am Tisch sahen verblüfft zu, wie aus der Weißgesichtseule ein Ordensmitglied wurde.

Snapes Züge offenbarten augenblicklich den gewohnten Hass, wie immer, wenn Sirius in der Nähe war. Dieser gab sich Mühe, Snape nicht zu beachten, aber auch seine Miene verhärtete sich.

„Lässt du mich bitte los, Molly?" wandte er sich an die verdutzte Rothaarige, die ihre Arme um ihn geschlungen hatte und einige Sekunden brauchte, um zu begreifen, was passiert war.

Als sie der Aufforderung endlich wie von einem Hippogreif getreten nachkam (hochrot im Gesicht), räumte Sirius sofort fluchtartig ihren Schoß und zwinkerte Harry zu. Der Junge zuckte zusammen, er hatte gehofft, nicht bemerkt zu werden.

„Hattest du Erfolg?" wandte sich Dumbledore ruhig an seinen „Postboten".

Dieser nickte knapp und humpelte zum Schulleiter, während er sich behutsam den linken Arm hielt. Vermutlich war er entweder gebrochen oder die Schulter ausgekugelt. Harry schnitt eine Grimasse, das tat bestimmt weh! Verflixte Todesser! Wie konnten die es wagen, Sirius zu verletzen!

Vorsichtig holte sein Pate einen Brief aus seinem hier und da aufgerissenen, grauen Umhang und legte ihn dann vor Dumbledore auf den Tisch, „Hier!"

– „Vielen Dank!" nickte der Direktor und blickte seinen neuen Lehrer über den Rand der Halbmondbrille schmunzelnd an, „Hat es die Todesser nicht stutzig gemacht, dass du nach außen hin nicht einmal ein einziges Blatt Pergament bei dir hattest?"

– „Hatte ich doch", gab Harrys Pate schulterzuckend als Antwort, „Mit Informationen, die Voldemort (das übliche Erschauern) sicher sehr begrüßen wird!"

– „Was stand denn in dem anderen Brief?" wollte Fred auch sofort neugierig wissen.

– „Sagen wir mal so", begann Sirius und erlaubte sich ein hinterlistiges Grinsen, „Wenn sie sich an die Anweisungen halten, werden sie die nächsten zwei Wochen sicher keine Scherereien machen. Da haben sie dann selbst genug!"

Mit einem versteckten Schmunzeln bat Dumbledore Sirius, sich zu setzen – wenn er zuvor nicht ins Krankenzelt wollte, und Harry hätte seinen Zauberstab zerbrochen, hätte Sirius die Tischrunde tatsächlich verlassen – dann trug er Harry auf, der trotz seiner Vorsicht nun auch noch von jemand anderem als seinem Paten entdeckt worden war, doch bitte mit seinen Schulkameraden die Zelte zu reparieren.

Der Junge vermutete, dass der Direktor dies nur als Tarnung verwendete, damit er nicht mitbekam, was in dem Brief vom Spion stand. Diese Tatsache machte Harry allerdings nur noch neugieriger!