Wow, sieben Reviews! Das ist nahe am Rekord - zwar noch weit entfernt von den erhofften 13, aber es werden mehr ;)
Anne Carter: Danke für deinen Beitrag, und freut mich, dass dir das Kapitel gefallen hat ... elblindo: Das ist doch keine Erpressung ;D Ihr durftet frei entscheiden, ob ihr die Fortsetzung letzte Woche oder später lesen wolltet! ... Sanny: Hat ja leider nicht ganz geklappt, aber danke für das Review ... Adsartha: Macht doch nichts. Nein, nehm ich nicht, keine Sorge ;) Hab mich aber trotzdem über das Review gefreut ... grayfox: Freut mich ... Baghira: Schön, eine, die auf meine Frage eingegangen ist; bitte sehr, hier ist die Fortsetzung ... Trovia: Vielen Dank für das lange Review. Nun, zumindest von einem Dementor will sich Harry anderswo sicher auch nicht küssen lassen. Das mit Natasha ist vielleicht ein wenig seltsam rübergekommen, stell sie dir einfach als eine attraktive Frau mit ein paar Pölsterchen und Rundungen an den richtigen Stellen vor. Ist in diesem Kapitel genug Sirius? Ela3: Danke für das Lob!
Viel Spaß nun mit Kapitel 13!
Kopf ab!
RUMMS!
Schlaftrunken öffnete Harry die Augen und blickte sich blinzelnd um. Seine Gedanken schienen noch immer zu schlafen, während er automatisch nach der Brille auf dem Nachttisch griff und verwirrt überlegte, wo er sich denn eigentlich befand. Die Uhr teilte ihm mit, dass es 3.40 Uhr morgens war.
Vor zwei Stunden waren die Kopfschmerzen endlich verschwunden, kurz vor Sirius und Remus, die ihm noch geraten hatten, sich nun aber schnellstens aufs Ohr zu hauen; praktisch sofort hatte er sich ins Bett und in einen dornröschenähnlichen und wohlverdienten Schlaf fallen lassen.
Ein leises Quietschen ließ seinen Blick auf die Tür fallen, wo er in der Dunkelheit den undeutlichen Schatten einer Person sehen konnte, die sich mit einem Haufen Holzstäbe – waren es Zauberstäbe? – aus dem Zimmer schlich.
Wer sollte denn ihre Zauberstäbe einsammeln?
Und woher stammte dieses Rumpeln, das Harry aus einem Traum gerissen hatte?
‚Dobby und Winky', dachte sich Harry gähnend, und während ihm dieser Gedanke noch bewusst machte, dass er sich am Grimmauldplatz befand, war er auch schon beinahe wieder eingeschlafen.
Natasha stand wie erstarrt in der Dunkelheit und lauschte angestrengt, ob jemand wach geworden war. Mit der Fußspitze tippte sie verärgert gegen einen der alten Stühle in der Küche, den sie versehentlich umgestoßen hatte – kein Wunder, die Finsternis ließ gerade einmal verschwommene Umrisse erkennen, und aus irgendeinem Grund konnte sie ihren Zauberstab nicht finden.
Hatten die anderen etwas bemerkt? Aber könnte sie dann überhaupt noch Stühle umstoßen?
Leise schlich sie zu Kreachers Unterschlupf und öffnete die Tür. Lange Finger tasteten vorsichtig den Boden ab.
Kurze Zeit später hatte sie gefunden, was sie suchte, und ein zufriedenes Lächeln huschte über ihr Gesicht. Sie verließ die Küche wieder und machte sich auf den Weg nach oben, aufs Äußerste darauf bedacht, keine Stufe knarren zu lassen.
Im zweiten Stock begutachtete sie ihr kostbares Beutestück im spärlichen Schein einer Straßenlaterne, die ihr Licht durch das Fenster warf.
Natasha hielt ein langes, dünnes Schwert in der Hand, ungewöhnlich leicht für eine über einen Meter messende Klinge, die aus einem goldenen Griff herausragte.
Ein Hieb nach dem staubigen Vorhang verriet ihr, dass sie schärfer als ein Rasiermesser war und ohne Mühe auch durch Fleisch schneiden würde.
Die Frau kniff die Augen zusammen, nur mit Mühe unterdrückte sie ein Niesen, als der Staub ihre spitze Nase kitzelte, und ihr Blick fiel auf das Familienwappen der Blacks am unteren Ende des Griffes. Anmutig und gekonnt führte sie einige Probehiebe aus, Fechten war ihr großes Hobby, und so bereitete ihr der Umgang mit der eleganten Waffe keinerlei Schwierigkeiten.
Die Zeit der Rache war gekommen!
Lautlos öffnete sie eine Tür und trat ins Zimmer.
Die beiden Insassen schliefen tief und fest, gut, das würde ihr die Arbeit erleichtern.
Ein kurzer Moment des Zögerns, für diese Tat würde sie sicher nicht nur aus dem Orden geworfen, sondern auch verurteilt und nach Askaban geschickt werden. Doch dann dachte sie an Nataly, und ihre Zweifel waren wie weggeblasen. Entschlossen hob sie das Schwert, bereit zuzustechen, als ein lauter Schlag aus dem Nebenzimmer sie zusammenzucken ließ. Sie fing sich aber sofort wieder und holte erneut zum Hieb aus.
Die Zeit ihrer Rache war gekommen!
Remus brummte und drehte sich auf die andere Seite, die Lider immer noch geschlossen. Musste es in diesem Haus denn immer krachen? Und wieso ausschließlich nachts, wenn alle schliefen?
Ein Zischen wie von einem Tennisschläger, der rasend schnell durch die Luft glitt, und ein darauffolgender leiser Aufschrei holten ihn aus seinem Traum und unwillig öffnete er verschlafene Augen, gerade noch rechtzeitig um mitzubekommen, wie Natasha Toleen ein dünnes Schwert in das Bett am gegenüberliegenden Ende des Raums sausen ließ, dabei ein Kissen zerfetzte, sodass die Federn wild durch die Luft wirbelten, und anschließend die Matratze spaltete.
Fast hätte sie dabei Sirius enthauptet, der sich in letzter Sekunde zur Seite gerollt hatte und nun hart auf dem Boden aufschlug, dem tödlichen Hieb um Haaresbreite entkommen.
Remus war mit einem Schlag hellwach und griff – bevor er sich dieser Absicht überhaupt bewusst wurde – nach seinem Zauberstab, seine Hände erwischten aber nur Luft.
„Natasha, was soll das?" rief er entgeistert, als die Frau auch schon zum nächsten Hieb ansetzte und nach Sirius schlug, der sich wieder nur mit Mühe und Not darunter hinweg ducken konnte, wie von einem Vampir gebissen aufsprang und barfuß aus dem Zimmer hetzte, Natasha mit erhobenem Schwert hinterher.
Einige Sekunden saß Remus im Bett wie versteinert, unfähig sich zu rühren oder zu begreifen, was er da eben miterlebt hatte. Das war sicher ein Alptraum! Seit wann gingen Mitglieder des Ordens aufeinander los?
Um sich zu überzeugen kniff er sich in den Arm.
Autsch!
Nein, dies war kein Traum!
Dann, als er diese Tatsache mit einem Mal realisierte, sprang er hastig aus dem Bett – verdammt, wenn er nicht träumte, war Sirius in Gefahr! –, verhedderte sich in seinen Laken und stürzte kopfüber auf den Boden, dass das ganze Zimmer bebte. Benommen versuchte er, sich zu befreien, und als es ihm endlich gelang, raste er Hals über Kopf hinter den beiden her, er musste seinem besten Freund helfen!
Hoffentlich war es noch nicht zu spät!
Sirius rannte um sein Leben.
Er flog beinahe die Treppen hinunter und warf mehrmals einen im wahrsten Sinne des Wortes flüchtigen Blick über die Schulter.
Diese Furie ließ einfach nicht locker, sie blieb dicht auf seinen Fersen und ein paar Mal war es ihr beinahe gelungen, ihm den Kopf abzuschlagen, seinen Schlafanzug hatte sie bereits an mehreren Stellen aufgeschnitten.
Schnell und ohne überhaupt darüber nachzudenken schlug er einen Haken und sprang in den Salon, Natashas Schwert landete wenige Zentimeter hinter ihm im Holz des Türrahmens, fraß sich in den dunklen Balken und sprengte eine bemerkenswerte Anzahl an Splittern heraus, die auf den blutroten Teppich regneten.
Wo war nur sein dreimal verfluchter Zauberstab geblieben? Er war sich ganz sicher, ihn vor dem Schlafengehen unter das verdammte Kopfkissen gelegt zu haben, aber da hatte er ihn nicht mehr vorgefunden!
Ausgerechnet heute!
Mit einem Hechtsprung, der jedem Volleyballspieler alle Ehre gemacht hätte, wich er einem weiteren Schwerthieb Natashas aus und schlitterte über den Boden, unter dem Schreibpult hindurch, verzog das Gesicht dabei zu einer Grimasse, als aufgeschürfte Haut schmerzend gegen die raue Behandlung protestierte.
„Was soll das eigentlich?" wollte er nervös wissen, während Natasha und er um das Pult herum tanzten; Sirius achtete darauf, dass der kunstvoll verzierte Tisch stets zwischen ihm und der Angreiferin blieb. So konnte sie nicht direkt auf ihn losgehen.
„Du wagst es, das auch noch zu fragen?" presste sie hinter zusammengebissenen Zähnen hervor, giftiger als eine Schlange, „Wie kannst du nur!"
Mit einem Satz sprang sie über das Pult und räumte so das Hindernis zwischen sich und ihrem Opfer aus dem Weg, stieß es einfach um. Federn und Pergament rieselten auf den Teppich.
Sie war noch nicht richtig auf dem Boden gelandet, hetzte Sirius auch schon zur Tür und knickte dabei mit dem Fuß um, spürte ein heißes Stechen, das seinen Knöchel jeden Augenblick zerreißen musste – er war auf einer Schreibfeder ausgerutscht. Eine wertvolle Sekunde hielt er inne und keuchte vor Schmerz, und eben jene Sekunde kostete ihn den Vorsprung vor seiner Scharfrichterin!
Natasha bekam gerade noch seine Haarspitzen zu fassen und holte aus.
„Das ist dein Ende, Black!" kreischte sie im gleichen Moment und schlug ebenso kraftvoll wie geschmeidig zu.
Sirius, kreideweiß im Gesicht, machte mit dem Mut der Verzweiflung und aller Kraft die er in Anbetracht des drohenden Todes aufbringen konnte – er hatte eine Aufgabe zu erledigen, und außerdem war es so unehrenhaft, im eigenen Haus halbiert zu werden! – einen verzweifelten Satz auf die Treppe zu, riss Natashas Arm mit nach vorne, und sie durchschnitt zwar seine Haare, nicht aber seinen Kopf.
Ihr wutverzerrtes Kreischen übertönte das hektische Schlagen der Türen ein Stockwerk über den beiden.
Remus polterte die Stufen hinunter, dicht gefolgt von Harry, Ron, Tonks und Snape; keiner von ihnen hatte einen verdammten Zauberstab bei sich.
Während Harry fassungslos den Blick zwischen Sirius, Natasha und dem Haarbündel in ihrer Hand hin und her gleiten ließ, hob Snape die Brauen und schien äußerst amüsiert. Remus war der einzige, der nicht zur Salzsäule erstarrt war, Schweiß trat ihm auf die Stirn und er setzte sich wie betäubt in Bewegung.
Bevor er den Salon jedoch erreichte, hatte Natasha zu einem weiteren, wuchtigen Hieb ausgeholt und durchschnitt waagrecht die Luft, so schnell und plötzlich, dass sie Sirius diesmal nur um einige wenige Millimeter verfehlte, der sich im letzten Augenblick auf den Fußboden werfen konnte und nun die Treppe hinunter stürzte.
Mit einem ohrenbetäubenden Poltern landete er ein Stockwerk tiefer.
Der Lärm weckte natürlich das Porträt seiner Mutter, und auf der Stelle setzten die altgewohnten und so verhassten „Schlammblüter"–, „Blutsverräter"–, „Abschaum"– und „Halbblüter"–Rufe ein.
Sirius atmete zitternd durch.
Sein Knöchel schmerzte und war geschwollen, die Haut an verschiedenen Stellen aufgeschürft und die Wange beim letzten Sturz aufgeplatzt, sie brannte wie Feuer! War die flüssige Wärme an seinem Hals etwa Blut?
Trotzdem rappelte er sich schnellstens auf, Natasha war bereits wieder gefährlich nahe und fuchtelte bedrohlich mit der Waffe über ihrem Kopf. Gerade noch rechtzeitig stolperte er rückwärts.
Natasha hatte mit voller Wucht nach ihm geschlagen, erwischte Sirius jedoch kaum noch und verursachte lediglich einen langen Schnitt in seiner Brust. Der Schwung der Waffe – er hätte gereicht, um Harrys Paten in zwei Teile zu spalten – brachte es fertig, den blutroten Schal zu durchtrennen, den das Porträt von Sirius' Mutter trug.
Daraufhin verstummten ihre Schreie auf der Stelle – Sirius fragte sich unbewusst, ob er da auch Harry und Remus hatte schreien hören. Sprachlos funkelte die Sabberhexe die Frau im weißen Nachthemd an, bevor sie sie mit Wörtern beschimpfte, die selbst Snape die Schamesröte ins Gesicht trieben.
Toleen kümmerte sich jedoch keineswegs um die Liebenswürdigkeiten, mit denen sie gerade bedacht wurde, und verfolgte entschlossen Sirius.
Harrys Pate kippte immer wieder zur Seite, mit seinem bei jedem Schritt schmerzenden Knöchel konnte er kaum noch laufen. Dennoch zwang er sich dazu, die Flucht fortzusetzen und hetzte – oder besser taumelte sich an der Wand abstützend – die Treppe zur Küche hinab, wunderte sich unten, wie es sein konnte, dass er nicht gestürzt war.
„Bleib gefälligst stehen, wenn ich dich umbringen will!" schrie Natasha ihm hinterher und betrat Sekunden später ebenfalls die Küche.
Sirius befand sich bereits auf der anderen Seite des Zimmers, und Natasha – die keine Lust auf das gleiche Spielchen hatte wie im Salon – sprang auf den großen Küchentisch und rannte darauf zur anderen Seite des Raums.
„Hat dir deine Mutter nicht beigebracht, dass man die Füße nicht auf den Tisch setzt?" brachte Sirius nach Luft ringend hervor und wich schwerfällig einem weiteren Hieb aus.
Jetzt hatte Natasha ihn allerdings in die Ecke gedrängt, mit dem Rücken zur Wand konnte er ihr nicht mehr entgehen. Zufrieden drückte sie ihm die Klinge an den Hals und lächelte grimmig ...
„Tu's nicht, Natasha!" schrie Remus und stürmte die Küche, Harry, Ron und Tonks dicht auf seinen Fersen, Snape schlenderte gemütlich hintendrein.
– „Nenn mir einen Grund, es nicht zu tun!" forderte ihn die Frau kühl auf, das Schwert und ihr Blick immer noch an Sirius' Hals, und genoss es sichtlich, dass Harrys Pate ihr auf Gedeih und Verderb ausgeliefert war.
– „Nenn mir einen Grund, warum du es tun solltest!" entgegnete Lupin heiser. Seine Anspannung lag fast greifbar in der Luft; Harry – bleich wie ein Gespenst – zitterte am ganzen Körper, er hoffte inständig, Remus würde die missliche Lage unter Kontrolle bringen.
„Nataly Toleen. Meine Schwester", gab Natasha ungerührt zurück und funkelte Sirius an.
– „Was ist mit ihr?" mischte dieser sich ins Gespräch ein und hob die Brauen. Er befeuchtete kurz die Lippen mit der Zunge und verzog das Gesicht, als er dort tatsächlich Blut schmeckte.
„Sie ist tot!" brauste Natasha auf, „Du hast sie umgebracht, Black, als du vor sechzehn Jahren Pettigrew in Stücke gerissen hast!"
– „Ach daher weht der Wind!"
– „Sei nicht so vorlaut!" kreischte Natasha und verzerrte das Gesicht vor Wut.
– „Sirius, ich denke nicht, dass du sie gerade in dieser Situation reizen solltest", warf Remus vorsichtig ein und näherte sich den beiden langsam. Snape schnaubte.
„Ist jetzt egal", wies Natasha Lupin knapp zurecht und hielt ihren Blick noch immer starr auf Sirius gerichtet, holte ein letztes Mal mit dem Familienerbstück der alten und ehrwürdigen Familie Black aus, um ihrem letzten Sohn den Kopf abzuschlagen ...
„Accio Schwert!" erklangen zwei Stimmen hinter Harry, dieser zuckte zusammen und wäre beinahe gestolpert – ebenso wie Remus und Tonks war er schon dabei, sich auf Toleen zu stürzen, um Sirius zu retten.
Er drehte sich um und erblickte die Weasley-Zwillinge, mit erhobenen Zauberstäben stürzten sie in den Raum.
Natasha riss die Augen auf, als ihr die Waffe aus der Hand glitt und auf Fred und George zuraste, die sich kurz ansahen, schluckten, und dann in verschiedene Richtungen davontauchten. Sekunden später bohrte sich die Spitze der Klinge in die Wand und zitterte, gerade als Harry – nicht weniger zitternd, in seinen Adern floss mehr Adrenalin als Blut – Sirius erreichte und die Arme um seinen Hals schlang.
George reichte Lupin feierlich seinen Zauberstab, der auf der Stelle Natasha fesselte und auf einen Stuhl zwang.
„Seltsam, dass ausgerechnet Ihnen beiden die Zauberstäbe nicht weggenommen wurden", stellte Snape süßlich fest, während die meisten Ordensmitglieder – bis auf Tonks und Snape selbst – sich am Tisch verteilten, „Wir anderen können unsere nicht mehr finden!"
– „Das ist kein Zufall", begann Fred sorglos, „Mein Bruderherz und ich, wir haben sie uns ausgeliehen ..."
– „Was!" unterbrach Sirius die Erklärung scharf und hätte sich wohl auf die Zwillinge gestürzt, wenn sein Knöchel sich nicht bei jedem Schritt anfühlen würde, als stünde er in Flammen.
– „Wir konnten ja nicht wissen, dass es ausgerechnet heute so dringend ihrer Dienste bedarf", entschuldigte George sich munter und ahmte dabei Lockharts hochtrabendes Gerede und Herumgefuchtel nach, „Frederic und mich hat es gedürstet, ein Experiment durchzuführen. Zum Unglück ist es uns allerdings misslungen, und somit werden wir die Stäbe ohne Umschweife ihren Besitzern aushändigen!"
– „Natasha bekommt ihren aber nicht!" forderte Harry auf der Stelle und funkelte die Frau zornig an, die zwischen ihm und Remus am Tischende saß.
– „Womit wir wieder beim Thema angelangt wären", schloss Lupin und schlug die Beine übereinander, während nun auch Tonks am Tisch Platz nahm; nur Snape holte sich ein Glas Wasser, als ginge ihn die ganze Situation nichts an.
„Natasha, es gibt da etwas, das du wissen solltest", begann Remus langsam und blickte die Frau ernst an, „Und zwar, dass nicht Sirius die Leute damals umgebracht hat!"
– „Es war Pettigrew", fügte Harry schnell hinzu, wurde jedoch von einem Schnauben Natashas unterbrochen.
– „Pettigrew wurde von Black ermordet, Potter", zischte sie und blitzte den vermeintlichen Massenmörder an Remus vorbei mit eisigen Augen an, „Erzähl mir keine Märchen!"
– „Sag mal, Black, hast du hier auch Gläser, die groß genug sind, damit nicht nur Ratten draus trinken können ohne zu verdursten?" stellte Snape eine ganz und gar nicht zum Thema gehörige Frage, offenbar gar nicht froh darüber, Sirius direkt ansprechen zu müssen. Dieser schien genauso wenig erfreut, stand aber trotzdem auf – wobei er nur mit eiserner Disziplin ein leises Stöhnen unterdrücken konnte – und reichte Snape den größten Krug, den er fand – er fasste einen ganzen Liter –, wobei beide extrem darauf achteten, nicht zufällig die Fingerspitzen des anderen zu berühren.
Snape säuberte das Gefäß, wo Sirius es angefasst hatte, mit dem Umhang, dann ließ er den Krug unter dem Wasserhahn volllaufen und setzte sich zum Rest der Gruppe an den Tisch, allerdings nicht, ohne einen gewissen Mindestabstand zu halten.
Auf einmal betrat Neville gähnend den Raum und erstarrte noch im Türrahmen.
Fassungslos blickte er vom Schwert in der Wand über Sirius' aufgeschlitzten Schlafanzug und sein lädiertes Gesicht zu Natashas Fesseln. „Was in aller Welt ist denn hier passiert?" brachte er blinzelnd hervor, ein graues Fellbündel im Arm, und setzte sich auf den – wenn man den neben Snape außer Acht ließ – einzig freien Platz zwischen Sirius und Tonks.
– „Lange Geschichte", winkte Ron ab und wandte sich wieder aufmerksam Harry, Lupin und Natasha zu, wie auch alle anderen – ausgenommen Fred und George, die beiden hatten unter dem Tisch eine alte, mysteriöse Schatulle gefunden, die mehrere verschiedenfarbige Pulver enthielt, und spielten damit herum.
„Wie wir bereits berichtet haben – bevor du uns freundlicherweise das Wort abgeschnitten hast –, hat Peter diese Straße in die Luft gejagt", begann Remus ein weiteres Mal an Natasha gewandt, als ein lauter Knall ihn schon wieder unterbrach.
Harry und Ron zuckten daraufhin erschrocken zusammen, während Tonks und Sirius unisono herumfuhren und die Lärmquelle bereits instinktiv mit den Zauberstäben fixierten; Neville indessen warf vor Schreck sein Fellbündel in die Luft, es plumpste in Snapes Wasserkrug, woraufhin der Lehrer wütend aufsprang! Remus schenkte den Übeltätern nur einen vernichtend schiefen Blick.
Eben jene, mit Dummheiten sehr erfahrenen Übeltäter saßen am Tischende mit verrußten Gesichtern, die blau-grauen Augen stachen auffällig aus dem Schwarz außenrum hervor. Sie blinzelten, schauten sich gegenseitig an und begannen lauthals zu lachen, als sie den jeweils anderen so zugerichtet sahen.
„Das lila Pulver sollten wir nicht unbedingt mit dem grünen und dem pinken mischen, wenn wir noch violett und orange reinschütten", stellte Fred im Oberlehrerton fest, woraufhin sein Bruder noch einmal losprustete.
„Wir sind hier nicht im Chemieunterricht!" polterte Snape erbost und schrie, „Wenn Sie doch nur noch in der Schule wären, damit ich Ihnen Punkte abziehen und Strafarbeiten geben könnte!"
Dann wandte er sich an Neville, der gerade sein Fellbündel, welches sich als Ratte herausstellte, retten wollte und stieß seine Hand weg. „Vergessen Sie es!" plärrte er, „Sie müssen einmal begreifen, dass ihre Tollpatschigkeit Konsequenzen nach sich zieht! Wenn Sie nicht auf Ihre Haustiere aufpassen können, dann ersäuft das Vieh eben!"
– „Das ist nicht meine Ratte", erläuterte Neville weinerlich, „Ich hab sie draußen gefunden ..."
– „Mir egal, sie bleibt trotzdem da drin!" – „Sieht aber nicht so aus, als könne sie schwimmen und –"
– „Hören Sie schlecht? Drinlassen!"
– „Severus", begann Remus gutmütig für Neville Partei zu ergreifen, kam jedoch nicht weiter, denn die Ratte – mittlerweile fast ohnmächtig – hatte offenbar erkannt, dass sie ertrinken würde und beschlossen, ihre Tarnung aufzugeben um ihr Leben zu retten.
So kam es, dass sie sich unter den erstaunten Augen Snapes, Tonks' und vor allem Natashas in Peter Pettigrew verwandelte, tropfnass lag er dort, mit ausgestreckten Armen auf dem Tisch, und rang nach Luft.
Einen Augenblick lang brachte keiner ein Wort heraus, viel zu erschlagen waren sie vom plötzlichen Auftauchen ihres Überraschungsgasts, dann sprangen Sirius und Remus simultan von ihren Stühlen und stürzten sich auf ihren ehemaligen Freund, es dauerte keine dreißig Sekunden, da hatten sie ihn fachmännisch gefesselt und verschnürt.
„So ein Zufall, Peter, wir haben gerade versucht, über dich zu sprechen", meinte Sirius grimmig, diebische Freude darüber, dass Pettigrew wie ein Paket verpackt, triefend und vor Panik mit den Zähnen klappernd vor ihm auf dem Tisch lag, stand ihm mitten ins Gesicht geschrieben. Remus nickte und wandte sich trocken an Natasha: „Sieht ziemlich lebendig aus, findest du nicht auch?"
Er erhielt jedoch keine Antwort, die Frau saß da und rührte sich keinen Millimeter. Interessiert hob sie die Brauen.
Snape fasste sich als erster wieder, baute sich breitbeinig vor Neville auf und polterte so laut, dass in der Eingangshalle Sirius' Mutter aufwachte: „Longbottom! Wie bei Merlins Barte kommt so ein hirnloser Nichtsnutz wie Sie einer sind dazu, den Feind auf unsere Fährte zu setzen?"
Harry drehte sich bei diesem Wutausbruch schnellstens nach seinem Klassenkameraden um, Neville konnte einem wirklich leid tun! Schlotternd und zusammengekauert stand er da, kreideweiß aus Angst, Snape könne ihn jeden Augenblick in seine Einzelteile zerfetzen. Hatten sie nicht schon vor Jahren erfahren, dass Nevilles größte Angst dem verhassten Tränkemeister galt? Zu Nevilles Pech würde Snape sich diesmal jedoch nicht die Roben und den Geierhut Mrs. Longbottoms anziehen.
„Geguckt ... von Dumbledore", mehr brachte Neville nicht heraus, doch mehr war auch nicht nötig, damit Harry erkannte, was er sagen wollte: Pettigrew hatte als Ratte – als Lupin Neville, Luna und Natasha einen Zettel von Dumbledore zeigte, damit sie Sirius' Haus betreten konnten – ebenfalls einen Blick darauf erhascht.
„Severus, Natasha", schnitt Remus – der sich inzwischen wieder gesetzt hatte und nun die Beine übereinander schlug – Snape ruhig das Wort ab und rettete Neville dadurch vor einer weiteren Standpauke, die dieser wohl nicht hätte aushalten können, „Was halten Sie davon, wenn wir Peter ins Ministerium bringen und ihm anschließend Veritaserum verabreichen? Ich bin sicher, er würde uns unter diesen Umständen liebend gern nicht nur von seinen Taten vor sechzehn Jahren erzählen, sondern auch von den aktuellen Plänen Voldemorts!"
– „Warum können wir das nicht hier machen?" beschwerte sich Sirius mit einem verärgerten Unterton in der Stimme.
– „Ich verstehe ja, dass du da zu gern dabei wärst", räumte Lupin schmunzelnd ein und warf dem verängstigten Ratten-Animagus einen flüchtigen Seitenblick zu, „Aber wenn Peter im Ministerium gesteht, ist das dann gleich offiziell! Und dorthin solltest du uns aus gewissen Gründen, die du dir ja sicher selbst denken kannst, lieber nicht begleiten."
– „Und warum nimmst du gerade Snape und Natasha mit?" warf Tonks fragend ein, von der bisher noch kein Ton gekommen war; den Zauberstab fest umschlossen, und doch locker an der Seite, hatte sie ihren Platz verlassen und sich der Tür genähert – wovon Harry bisher jedoch überhaupt keine Notiz genommen hatte –, wohl um sicherzustellen, dass Pettigrew, sollte er wirklich den Fesseln entkommen, keine Möglichkeit zur Flucht blieb.
– „Nun, rein zufällig weiß ich, dass Severus Veritaserum dabei hat", erläuterte Remus munter, und Harry vermutete, dass diese Tatsache etwas mit der Aufgabe zu tun haben musste, die der Orden in London erledigen wollte, „Und Natasha ist in gewisser Weise in einer solchen Angelegenheit unsere offizielle Ansprechpartnerin, immerhin ist sie seit Kingsleys Enttarnung verantwortlich für die Suche nach Sirius – im Nachhinein vermute ich als Grund, dass sie den Tod ihrer Schwester rächen wollte. Wir können die Befragung zu dritt in ihrem Büro durchführen und die Leute im Ministerium damit vor vollendete Tatsachen stellen. Nicht, dass Peter sich sonst bei der Befragung noch verplappert und etwas über den Orden verrät!"
– „Ganz nebenbei bemerkt, Lupin", warf Snape honigsüß ein, „Sie wissen aber schon, dass es – vor allem nach Lockharts neuesten Verordnungen – aufs Strengste verboten ist, jemanden zur Einnahme von Wahrheitsserum zu nötigen?"
Ein fieses Grinsen huschte andeutungsweise über seine Lippen, und so schwer es Harry fiel, dieses Grinsen wahrzunehmen, so unüberhörbar war der Spott, der in seinen nächsten Worten mitschwang, „Es wäre doch jammerschade, wenn Sie in Askaban enden würden, wer sollte denn in diesem Fall neuen Ordensmitgliedern den Standort des Hauptquartiers verraten?"
Aus den Augenwinkeln konnte Harry gerade noch wahrnehmen, wie Sirius den Mund öffnete, um zu einer scharfen Antwort anzusetzen, und in Windeseile nach seinem Zauberstab am Gürtel griff, als ihn auch schon Remus mit jenem autoritären Blick zurückhielt, der bereits des Öfteren bei besonders starrsinnigen Schülern in Hogwarts gewirkt hatte.
„Ich bin überzeugt, dass wir Peter nicht zwingen müssen, das Serum einzunehmen", erwiderte er dann gelassen und wandte sich betont freundlich und einladend an Pettigrew: „Nicht wahr, Peter? Sicher wirst du es freiwillig schlucken, denn immerhin möchtest du nicht, dass ich Sirius auf dich loslasse, oder?"
Das wirkte!
Es schien fast so, als wären diese Worte eine schallende Ohrfeige für den kleinen, zusammengekauerten Verräter gewesen!
Fassungslos starrte er erst Remus, dann Sirius an, sein Blick huschte immer wieder angsterfüllt zwischen den entschlossenen, bernsteinfarbenen Augen des Werwolfs – denen er deutlich ansah, dass er verloren hatte – und den silbergrauen Augen des Eulen-Animagus hin und her, der sich um einen mordlüsternen Blick bemühte und bedrohlich die Finger knacken ließ, als würde er der Ratte jeden Moment das Genick brechen. Ein unheilvolles, gefährliches Lächeln umspielte seine Lippen.
Sowohl Remus als auch Sirius teilten ihm unmissverständlich mit, dass es dieses Mal kein Entkommen geben würde, und Pettigrew schluckte.
„Interessiert es dich vielleicht, Lupin, dass das Erpressung ist?" unterbrach Natashas kühle und doch amüsierte Stimme die angespannte Stille – außer einem gelegentlichen Wimmern von Seiten der verschnürten Ratte war nichts zu hören; Sirius verstand es wirklich ausgezeichnet, seinen früheren Freund, der auch zunehmend bleicher wurde angesichts seiner aussichtslosen Lage, um sein Leben bangen und betteln zu lassen.
Harrys Hals wurde auf einmal trocken, und dennoch musste er schlucken; dieser Ausdruck in den stürmend grauen Augen seines Paten – so ähnlich dem Funkeln in Natashas Blick, als sie ihn Minuten zuvor mit dem Schwert hatte aufschlitzen wollen – machte ihm mit einem Schlag bewusst, dass Sirius Pettigrew tatsächlich umbringen konnte, es auch tun und ihnen dadurch jegliche Möglichkeit nehmen würde, seine Unschuld zu beweisen, wenn er es sich leisten könnte; zum ersten Mal musste Harry der so oft verfluchten Zeit nach der Neugründung des Phönixordens, in der Sirius am Grimmauldplatz festsaß und in seinen Depressionen zu ertrinken drohte, etwas Positives aberkennen: Er würde nicht riskieren, dass sich dies wiederholte!
„Ich bitte dich, Natasha!" erwiderte Remus ungezwungen; doch auch er musste den Ausdruck in Sirius' Augen bemerkt haben, denn er sah seinen Freund warnend und eindringlich an und schüttelte andeutungsweise den Kopf, während er fortfuhr, „Erpressung ist so ein hartes Wort – und Peter hat doch die freie Wahl!"
Neben ihm lachte Sirius schallend auf, und auch Tonks verkniff sich nur mit Mühe ein Grinsen.
„Ich wusste gar nicht, dass du so hinterlistig sein kannst, Remus", feixte der Verteidigungslehrer vorlaut; sein Blick veränderte sich, und Harry atmete erleichtert auf, als Verschlagenheit und Schadenfreude die Rachegedanken daraus vertrieben, „Dabei tust du doch immer so unschuldig."
Mit einem letzten Glucksen wandte er sich an das menschliche Paket, welches noch immer fein verschnürt und zitternd wie das Laub der Peitschenden Weide vor ihm auf dem Tisch lag, und knackte ein weiteres Mal so laut mit den Fingern, dass Ron neben Harry zusammenzuckte: „Also Peter, was darf es bitte sein: ich oder Veritaserum?"
Peter war geschlagen, und er wusste es.
So sehr er sich auch dagegen sträuben mochte – und Harry hoffte inständig, dass er Todesängste ausstand! – so wenig konnte er hoffen, dass er einen Ausweg finden würde, und so ergab er sich widerwillig seinem Schicksal.
„Nun denn", meinte Remus, auf einmal geschäftsmäßig, und klatschte in die Hände, „Severus, Natasha, auf ins Ministerium!"
– „Einverstanden", stimmte Natasha Lupins Vorschlag zu und zog die Hände aus den von Tonks gelockerten Fesseln – Snape fügte sich ebenfalls, wenn auch widerwillig. Die drei zogen sich um und verließen gemeinsam mit Pettigrew das Haus.
Von den anderen dachte – obwohl sie alle hundemüde waren – keiner daran, wieder ins Bett zu gehen.
Harry saß mit einem vorfreudigen Kribbeln im Bauch – Sirius' guter Name wäre bald offiziell wieder hergestellt! – zwischen Ron und Neville, wollte am liebsten aufspringen, um in der Küche auf und ab zu laufen, und starrte auf das Schwert, das immer noch aus der Wand ragte, bis Sirius schließlich aufstand und es herauszog.
Den anderen fiel es vermutlich nicht auf, aber Harry sah in seinen Augen – die sich, wie der Junge eben in diesem Moment erkennen konnte, noch deutlich an die Gefangenschaft erst in Askaban und dann im Haus seiner Eltern erinnerten –, wie sehr er dem so lang ersehnten Wunder entgegenfieberte, und sich zugleich verbieten wollte, seine Hoffnungen zu sehr nach oben zu schrauben.
Eine flüchtige Grimasse seines Paten, als Sirius sich wieder auf seinen Stuhl gegenüber von Harry fallen ließ – er fühlte sich wohl unbeobachtet –, wies auf den verstauchten Knöchel hin, der unter Sirius' Aufspringen vom Stuhl, als Peter so plötzlich erschien, sicher gelitten hatte; doch Sirius entschloss sich offenbar, dem nicht weiter Beachtung zu schenken, und strich sich einige Haarsträhnen aus dem Gesicht.
Um seine Aufregung wegen der überraschenden Gefangennahme Pettigrews durch ihr Zittern nicht zu verraten, spielten seine Hände mit dem – auf den zweiten Blick – beeindruckenden Schwert, dem Auslöser der unerwarteten Ereigniskette dieser Nacht.
Tonks unterdessen beobachtete interessiert Fred und George, die wieder begierig mit dem Pulver herumspielten.
Keiner achtete darauf, wie die Zeit verging, Sekunden wurden zu Minuten und Minuten zu Stunden, und keinen kümmerte es, jeder ging in seinen eigenen Gedanken auf ...
Ein lautes Zischen holte Harry – wie die meisten anderen auch – abrupt in die Gegenwart zurück; die Zwillinge hatten weißes und schwarzes Pulver gemischt, einige Reste lagen noch zwischen ihnen auf dem Boden, und damit ein heilloses Durcheinander angerichtet: Riesige, eulenförmige Raketen sausten durch den Raum, ließen pinke, türkise und silberne Funken auf die Versammelten regnen und Löcher in ihre Bettkleidung brennen, bevor sie lautstark die Küche verließen auf dem Weg in die oberen Stockwerke, nicht ohne dabei Mrs. Blacks Porträt erneut aufzuwecken.
„Irgendwann häng ich das verdammte Ding noch ab, und wenn es das letzte ist, was ich tu!", schimpfte Sirius und seufzte tief, da kamen auch schon Hermine, Ginny, Luna und Andromeda in ihren Morgenmänteln in die Küche gestürmt. Mrs. Blacks gedämpftes Geschrei verstummte sofort, als die schwere, dunkle Holztür hinter ihnen krachend ins Schloss fiel und erzitterte, als einige Eulen dagegen flogen.
„Was soll der dumme Scherz?" beschwerte sich Tonks' Mutter und blitzte die Zwillinge an.
Die beiden setzten augenblicklich eine Unschuldsmiene auf und taten verärgert: „Wieso sind immer wir Schuld, wenn jemand etwas anstellt?"
Ginny und Ron prusteten los, Tonks und Harry brachen in schallendes Gelächter aus, während Andromeda verblüfft und überrumpelt vor der Tür stand, die noch immer beunruhigend zitterte. Kurz darauf hatte sie sich wieder gefangen.
„Wer, bitte sehr, soll es denn sonst gewesen sein? Außer euch beiden kommt für so eine Dummheit nur noch Sirius in Frage, und der ist seinem Schlafanzug nach zu urteilen zu sehr damit beschäftigt, sich selbst mit diesem Schwert der ach so fürnehmen Blacks aufzuschlitzen, um auch noch Raketen loszulassen", stellte sie nüchtern fest, womit sie nur noch mehr Gelächter erntete – Harry fiel fast vom Stuhl, Ron brüllte beinahe in Hermines Ohr und Sirius rannen Tränen über die Wangen.
„Ich sag jetzt nichts mehr", resignierte Andromeda und ließ sich auf einen Hocker sinken – von dem sie allerdings sogleich wieder herunterfiel, als Luna und Hermine ihr ins Ohr schrieen.
Eine Eule hatte den Tagespropheten hereingebracht und sie starrten gebannt auf die Titelseite.
„Das gibt's nicht!" stellte Ginny nach einem Blick auf die Schlagzeile fest und warf die Zeitung auf den Tisch, „Lest! Lest! LEST!"
VERRÄTERISCHE RATTE – ALS HELD VEREHRT
(von der feurigen und gut aussehenden Rita Kimmkorn)
Heute Nacht haben sich im Zaubereiministerium unerhörte Dinge offenbart!
Der seit sechzehn Jahren für tot gehaltene, gemeingefährliche Peter Pettigrew gestand unter den Augen einer ehrgeizigen und kühlen Ministeriumsmitarbeiterin (Natasha Toleen, 29) die unerwartete und erschreckende Tatsache, dass er seit mittlerweile über sechzehn Jahren für den grausamsten und gefürchtetsten Schwarzmagier aller Zeiten arbeitet.
Er habe James und Lily Potter, die begabten und überaus beliebten Eltern des Jungen, der überlebte, das Traumpaar überhaupt, hinterhältig an seinen Meister verraten und diesem hierdurch die Möglichkeit gegeben, die beiden heimtückisch zu ermorden, so Pettigrew!
Zudem hatte er skrupellos die grauenvolle Explosion am darauffolgenden Tag verursacht, bei der zwölf bedauernswerte Muggel ihr Leben verloren.
Pettigrew – ein bisher nicht registrierter Ratten-Animagus mit wässrigen Augen und grauen Hängepausbacken – täuschte durch den hinterhältigen Massenmord seinen Tod vor und schob den Verrat an seinen Freunden und den Mord an den Muggeln rücksichtslos dem einstmals umwerfend gut aussehenden, hochgradig talentierten Sirius Black in die Schuhe, der ihn wagemutig verfolgt hatte, um den Tod seines „Bruders", James Potter, zu rächen.
Somit erwartete den armseligen Black das grauenvolle Schicksal, zwölf unendlich lange Jahre zu unrecht verurteilt in Askaban und unter den Dementoren dahinzusiechen, von der Welt im Stich gelassen, weil niemand von seiner Unschuld wusste.
Das Ministerium erkannte dem unansehnlichen Pettigrew nach diesen grausigen Enthüllungen sofort den begehrten Merlinorden erster Klasse ab und lädt den seit seiner ebenso herausragenden wie berüchtigten Flucht aus Askaban verfolgten Sirius Black ein, als Augenzeuge zu Pettigrews Verhandlung zu erscheinen, bei der ihn ebenso eine offizielle und wirklich dringend nötige Entschuldigung des Zaubereiministers sowie eine Entschädigung für den fatalen Irrtum des Ministeriums erwarten wird, die – dessen bin ich sicher – nie an die entsetzlichen Schrecken durch die Dementoren heranzureichen in der Lage ist, die der arme, zutiefst entstellte Mann wohl nie vergessen wird.
Zudem ist es vor allem dem abscheulichen Pettigrew zu verdanken, dass besagter, ruchloser Schwarzmagier einen neuen, angsteinflößenden Körper und somit seine alte Macht erhielt – durch eine verachtenswerte List brachte er den wundervollen und begabten Harry Potter in seine Gewalt und missbrauchte ihn sträflich für seine düsteren Absichten.
Die getäuschte Zaubererwelt darf froh sein, dass dieser elende Verbrecher endlich gefasst wurde. Geheimnisse des unnennbaren Schwarzmagiers gab Pettigrew bedauerlicherweise keine Preis, da er vorher zusammenbrach.
Er ist auf seinem durchaus verdienten Weg nach Askaban, wo ihn Rufus Scrimgeour, löwenähnlicher und wagemutiger Leiter des Aurorenbüros, stolzer Träger des Merlinordens zweiter Klasse und Vertrauter des Zaubereiministers, persönlich in Blacks frühere Zelle stecken wird.
Harry sah wie benebelt auf; niemand wagte etwas zu sagen, aus Angst den Bann zu brechen, unter dem sie alle zu stehen schienen.
Vor allem Sirius schien noch nicht begreifen zu können, dass dies kein Traum war, sondern Realität, dass es kein böses Erwachen geben würde!
Ihre Blicke trafen sich wie von selbst, und Harry sah ungläubige Freude in seinen brennenden Augen, die Harrys eigene Euphorie – selbstverständlich! – noch bei weitem überflügelte.
Womöglich stellte er sich gerade vor, wie es sein würde, als freier Mensch durch die Straßen laufen zu können, sich nicht mehr verstecken zu müssen, den Grimmauldplatz und jeden anderen Ort verlassen zu dürfen, wann immer er gerade Lust darauf hatte, ohne vielleicht in die Verhaftung oder gar den Kuss des Dementoren zu rennen; nicht mehr schief angestarrt zu werden in Hogwarts als vermeintlicher Massenmörder, weil viele Dumbledores Erläuterungen doch anzweifelten.
Das Ministerium hatte ihn offiziell freigesprochen, alle Schüler und Angestellten würde dies überzeugen.
Zudem – und dieser Punkt schien seinem Paten noch wichtiger zu sein – wurde er nicht mehr angeklagt, Harrys Eltern, die Sirius – so schrieb auch der Tagesprophet – wie Bruder und Schwester geliebt hatte, verraten zu haben.
Bei einem Gespräch, Weihnachten vor zwei Jahren, hatte Harry deutlich aus den Sätzen seines Paten heraushören können, dass dieser sich noch immer die Schuld am Tod seiner Freunde gab und sich das auch nie verziehen hatte.
Doch so sehr ihn diese Überzeugung damals schmerzte – Harry persönlich gab Sirius nicht die Schuld am Tod seiner Eltern, was die Meinung seines Paten jedoch nicht geändert hatte –, so sehr schmerzte ihn die Unterstellung, er könne Lily und James verraten!
„Typisch Kimmkorn! So schreibt sonst niemand! Wann haben die denn Pettigrew gefasst?" äußerte sich Hermine nach einer Weile, um das Schweigen endlich zu brechen, „Und wieso herrscht hier eigentlich so ein Durcheinander?"
– „Das zu erklären wird wohl eine zeitlang dauern. Ihr solltet vorher noch einige Stunden schlafen", winkte Lupin ab, der mit Snape und Natasha und einem Strahlen im Gesicht, wie Harry es von ihm überhaupt nicht kannte, soeben aus dem Ministerium zurückgekehrt war. Er wandte sich an Toleen: „Kann ich mich darauf verlassen, dass du Sirius nicht mehr umbringen willst?"
– „Können Sie", erwiderte Snape mürrisch anstelle von Natasha, ohne auf die empörten Schreie von Hermine, Andromeda und Ginny zu achten, „Oder ich muss als Legilimentor abdanken. Von mir aus machen Sie nun alle, was sie wollen, ich geh ins Bett!"
Natasha schließlich blickte zu Sirius und musterte ihn eine zeitlang, bevor sie, ganz die Ruhe selbst, den Mund aufmachte. „Entschuldige Black, dass ich dich geweckt habe!"
Harry, der gerade an einem Glas Kürbissaft nippte, welches Tonks ihm gereicht hatte, verschluckte sich doch glatt daran, hustete, dass ihm die Lungen aus dem Mund fliegen mussten und rang verzweifelt nach Luft – er glaubte, seinen Ohren nicht trauen zu können.
‚Geweckt? Das meinte die nicht ernst, oder?'
Neben Harry ließ Ron vor Verblüffung das Saftglas fallen, das auf ihn selbst zugeschwebt war, während Tonks Natasha nur einen schiefen Blick zuwarf. Sirius jedoch begann schallend zu lachen.
„Ich wollte mir sowieso eine andere Frisur zulegen", feixte er übermütig, als er sich wieder beruhigt hatte.
Dann betrachtete er mit immer noch funkelndem Blick seine Haare, die nun knapp über der Schulter endeten, „Ich fürchte nur, die Spitzen muss ich noch grad schneiden!"
Bei dieser Antwort verschlug es sogar dem sonst so gefassten, permanent übellaunigen Zaubertranklehrer Hogwarts' die Sprache, lediglich Natasha hob nur schmunzelnd die Brauen und griff mit der linken Hand nach Sirius' Haaren und mit der rechten nach dem Schwert, welches unbeachtet auf dem Tisch lag.
„Gerade schneiden also", wiederholte sie locker und holte lächelnd mit der scharfen Waffe aus, „Beweg dich nicht, Black, sonst könnte ich dir doch noch den Kopf spalten!"
Nur Tonks' schnelles Eingreifen hielt Toleen davon ab, sich als Friseuse zu üben.
- Anmerkung der Autorin -
Und? Was haltet ihr davon? Von Natasha, Sirius und den neuen Entwicklungen?
Ich muss sagen, dass dieses Kapitel bisher mein absolutes Lieblingskapitel ist, ich hatte unheimlich viel Spaß beim Schreiben!
Und würde nun deshalb gern wissen, ob ihr genauso viel Spaß beim Lesen hattet, also bitte Reviews nicht vergessen!
