Wieder einmal muss ich mich für die Verzögerung entschuldigen; einiges an der Uni zu erledigen, wie Klausuren und solche Sachen.

Ich möchte mich auch für die Reviews für das fünfzehnte Kapitel bedanken.
Wobei ich zugeben muss, langsam mach ich mir Sorgen, dass es euch nicht mehr gefällt, immerhin werden es wieder weniger Reviews. Ich würde mich freuen, wenn auch die Leute noch schreiben, die sich schon gemeldet haben, und die Schwarzleser
(:gg: jaja, der Hit-Zähler); und mir sagen, was sie von den Kapiteln halten ;-)

Nun wünsche ich viel Spaß mit dem nächsten Kapitel; ich hoffe, der Titel hat euch neugierig gemacht!


Harry gegen Sirius


Die Sonne schien warm und freundlich vom wolkenfreien Himmel, ließ den Schnee in Rekordzeit schmelzen und das Eis vom halb gefrorenen See tauen, lockte immer mehr Schüler aus dem Schloss, in dem sie viel zu lange festgesessen hatten. Obwohl einen ganzen Januar lang dafür Zeit und Gelegenheit war, sich gegenseitig Schneebälle um die Ohren zu werfen, strömten Hufflepuffs, Gryffindors und Ravenclaws geradezu scharenweise aus dem großen Eingangstor ins Freie, tauchten sich gegenseitig in die durchgezogene, glitzernde Schneedecke und begannen mit einer tosenden Schneeballschlacht zwischen den Häusern.

Gelegentlich verirrte sich eine der nicht wirklich runden, hastig geformten Kugeln und traf eine Eule, die aufgeschreckt mit den Flügeln flatterte und sich beeilte, davonzukommen, und als am frühen Nachmittag, als die Sonne schon tiefer sank und die Schatten des Verbotenen Waldes länger und länger wurden, eine jüngere Ravenclaw auf die Gryffindor Tora Hyre anlegte, den Wildfang jedoch verfehlte und stattdessen den spitzen Hut Professor McGonagalls vom Kopf der Verwandlungslehrerin fegte, konnten sich selbst jene das Lachen nicht mehr verkneifen, die der Gedanke an den Zweiten Großen Krieg und die Bedrohung durch Lord Voldemort regelmäßig zu früh aufwachen oder zu spät einschlafen ließ.

Von all dem bekam Harry Potter nichts mit, denn Harry Potter kroch mit seinem feuchten Lappen unter einem der Tische im Gemeinschaftsraum der Slytherins hindurch und fluchte hingebungsvoll – er hasste Putzen!

Die Strafe für ihren erneuten Ausbruch war diesmal ungleich höher ausgefallen, der Junge wäre froh gewesen, wenn sie denn aus Kesselputzen bestanden hätte. Nein, sie bestand darin, drei Wochen lang täglich zwei Stunden Snapes Kerker und die Räume der Slytherins, die nach deren Abzug verstaubten, zu säubern – was sich als noch schlimmer erwies als die Tranktöpfe zu schrubben!

Wieder führte Snape die Aufsicht – der im Moment jedoch wegen eines feuerspuckenden Kessels im Unterricht der jüngsten Gryffindors auf der Krankenstation lag und deshalb eine Aushilfe angeheuert hatte, die nur gelegentlich vorbei schaute und die sechs Schüler mehr beschützte als kontrollierte; vor allem vor dem Hausgeist Slytherins, aber auch vor den anderen slytherinschen Geistern.

Als ob das noch nicht genug gewesen wäre – was gab es bitte schlimmeres, als dem Blutigen Baron in seinem eigenen Reich als nur mit einem abgegriffenen Lappen bewaffneter, „unwürdiger Eindringling" entgegentreten zu müssen? – , hatte ihnen Dumbledore persönlich eine Menge Punkte abgezogen, und Harry kochte innerlich bei dem Gedanken daran, wie weit hinten Gryffindor in der Rangfolge lag und –

„Au, verdammt!" fauchte Harry laut, als er sich in Gedanken versunken unter einen weiteren Tisch beugte und mit dem Kopf hart gegen die Tischplatte stieß, und er fuhr mit der Hand an die Stirn; das würde eine hübsche Beule geben! Scheiß drauf!

Entnervt schleuderte er seinen fliederfarbenen Filzlappen in den Wassereimer und kümmerte sich nicht im geringsten um die entstehenden Pfützen auf dem mit einem komplizierten Schlangenmuster überzogenen Teppichboden, zog bissig eine Grimasse bei der Erinnerung an das schadenfrohe Grinsen einiger ihrer Hauskameraden, als die fünf Freunde den Gemeinschaftsraum verlassen hatten; nach dem gewaltigen Punktabzug Dumbledores zweifelte Harry nicht daran, dass viele der Gryffindors ihnen jede einzelne Minute, die sie im Territorium der Slytherins verbrachten, von Herzen gönnten, und er hätte seinen Lappen am liebsten noch einmal in den Eimer geworfen!

Glücklicherweise war dies der letzte Tag ihrer Strafarbeit – kaum zu glauben, dass sie erst vor drei Wochen aus London zurückgekehrt waren, es kam dem Jungen vor wie ein Jahrzehnt und länger.

Soviel war passiert seitdem! Die Titelstorys der Zeitungen hatten sich tagelang nur um den Angriff Voldemorts auf Askaban gedreht, den die Auroren unter der Leitung von Rufus Scrimgeour gerade noch vereiteln konnten; wobei es sich natürlich als überaus hilfreich erwiesen hatte, dass Mitglieder des Phönixordens Fenrir Greyback und seinen Werwolffreunden, der Verstärkung für die Anhänger des Dunklen Lords, den Weg abgeschnitten hatten. Ebenso natürlich war Lockhart dann auch sofort zur Stelle gewesen, um die Lorbeeren dafür einzuheimsen – und einige zusätzliche Verordnungen aufzustellen, die zukünftige Übergriffe dieser Art noch unwahrscheinlicher machen sollten.

Allen voran die Verfolgung aller Werwölfe, die sich nicht jede Woche einmal im Ministerium meldeten um dort ihren Aufenthaltsort der nächsten Tage anzugeben – der natürlich auch stichprobenartig überprüft wurde.

Vor neun Tagen erst war eine Delegation des Ministeriums in der Eingangshalle Hogwarts' erschienen und hatte verlangt, Remus zu sehen – die dreizehn- und vierzehnjährigen Hufflepuffs hatten bestimmt nichts dagegen gehabt, dass eine halbe Stunde ihres Unterrichts ausfiel, aber die Befragung durch das Ministerium hatte eine einzige Schikane dargestellt, wenn man nach Remus' verschlossener Miene beim Abendessen urteilte, als der Duellierlehrer unüblicherweise selbst Sirius und seine Aufmunterungsversuche gründlich ignoriert hatte.

Harry fluchte hingebungsvoll, als er sich aufsetzen wollte und dabei erneut mit dem Kopf gegen die Platte schlug, ärgerte sich über das wiederholte Missgeschick und versuchte nicht einmal sein Gähnen zu unterdrücken, setzte müde, wie immer in den letzten Wochen, die Putzarbeit fort; aber er musste diese verdammte Ungeschicklichkeit endlich wieder ablegen, zum Henker!

Der Junge schüttelte den Kopf, er wollte noch immer nicht glauben, dass er gestern – vollkommen unkonzentriert und drauf und dran, ins Reich der Träume wegzunicken – in Duellieren schon wieder sein Ziel verfehlt hatte – zumindest ging Remus davon aus, dass nicht er das Ziel gewesen sein sollte! Natürlich hatte Harry sich sofort bei dem Lehrer entschuldigt und beteuert, es sei keine Absicht gewesen; und sie hatten ja zum Glück auch keinen gefährlichen Zauber benutzt, sondern lediglich eine harmlose Version des Stoßfluches, sodass Remus eigentlich nichts passieren konnte.

Aber verflucht, er wollte sich vor einen Klatscher legen aus Wut darüber, dass sich diese Versehen in letzter Zeit häuften.

Der Grund dafür? Schlicht und einfach Überanstrengung!

Als Sirius beim „Nachsitzen" mit Harry am ersten Tag nach den Weihnachtsferien festgestellt hatte, wie gut dieser sich mittlerweile an das bisherige Trainingslevel angepasst hatte, fasste er doch glatt den Entschluss, es sei an der Zeit die Anforderungen immer weiter zu erhöhen – der Hindernisparcour war schon doppelt so schwer wie am Anfang, und würde immer schlimmer werden!

Auch die geistigen Herausforderungen nahmen zu, es wurde zunehmend schwieriger, beim Meditieren nicht wegzunicken, sodass Harry abends wie ein nasser Sack ins Bett fiel, nur noch schlafen wollte und früh jeden anmotzte, der ihn weckte.

Auch wenn der Junge schon in den Ferien rund um die Uhr müde und gereizt gewesen war, nun wurde es von Tag zu Tag schwieriger, mit ihm klarzukommen – erst gestern hatte er völlig übertrieben Neville heruntergeputzt, weil der ihn daran erinnerte, sich zu beeilen um sich nicht zum Frühstück zu verspäten, nachdem Harry beim Anziehen über eine von Seamus' herumliegenden, grünen Wollsocken gestolpert war. Und das schlimmste war, dass es ihm nicht einmal leid tat!

Außerdem wurde Harry durch die extreme Übermüdung nicht nur immer launischer, sondern auch zunehmend tollpatschiger, unkonzentrierter und – beim Zaubern – treffunsicherer. Wieso auch sonst hätte er Remus an die Wand schicken sollen? Der Werwolf hatte ihm zwar versichert, es sei nichts passiert, dabei aber ziemlich angestrengt versucht, sein Hinken zu verbergen.

Ich muss Sirius endlich davon überzeugen, dass ich das nicht mehr lange durchhalte, fuhr es Harry durch den Sinn, als er sich gerade noch davon abhalten konnte, mit dem Kopf geradewegs in ein Tischbein zu rennen, energischer, als bisher. Wenn er nur an seinen Misserfolg direkt nach den Weihnachtsferien dachte ...

Allerdings sah Harry auch für einen vierten oder fünften Versuch kaum eine Chance, Sirius von einer Mäßigung des Trainingslevels zu überzeugen – Merlin, sein Pate war so streng dahinter her, dass Harry hart trainierte, dass dem Jungen manchmal der Gedanke kam, er legte es beinahe darauf an, dass Harry irgendwann in sich zusammensacken würde!

Blödsinn! schüttelte Harry erschöpft den Kopf, das würde sein Pate nicht tun ... Oder?

In den Zusatzstunden, die er bei ihm verbrachte, kam es dem Jungen manchmal vor, als würde er seinen Lehrer gar nicht kennen – vor kurzem hatte er in einem Gespräch mit Hermine und Ron sogar schon zwischen Sirius und seinem Verteidigungslehrer unterschieden, weil er so leichter damit zurecht kam! Damit, wie Sirius Harry immer weiter antrieb, zunehmend mehr von dem Jungen verlangte und sich – vor allem beim Hindernisparcour und Meditieren – so unnachgiebig gab, wie Harry es Snape kaum zutrauen würde!

Wieso in aller Welt tat sein Lehrer ihm das an? Wegen einem einzigen, dummen Zauber? Der keinen großen Unterschied machte, weil der Dunkle Lord Harry sowieso ermorden würde? Sirius sollte ihm lieber Gelegenheit geben herauszufinden, wie Harry Voldemort mitnehmen könnte!

„Du, Harry?" riss Ron den Jungen aus seinen – in letzter Zeit leider immer öfter – ärgerlichen Gedanken an Sirius; was er nach Harrys Fauchen auch sofort bereute.

– „Entschuldige bitte", lenkte Harry schließlich matt ein, als er bemerkte, dass er wieder überreagierte, und seufzte, „Was ist denn?"

– „Ich wollte dir eigentlich nur sagen, dass Dumbledore für Samstag in einer Woche ein Quidditchspiel angesetzt hat – Gryffindor gegen Hufflepuff! Dachte, das lenkt dich vielleicht ein bisschen ab", erzählte Ron seinem Freund und unterbrach seine Putzarbeit für einen Moment, um Harry über einen bis zum Rand mit Schmutzwasser gefüllten Eimer einen besorgten Seitenblick zuzuwerfen, „und bringt dich auf bessere Gedanken. Hufflepuff sollten wir nämlich problemlos schlagen – ist zwar nur ein Freundschaftsspiel, aber immerhin ..."

– „Wann beginnen wir mit dem Training?" hakte Harry nach, schnitt seinem besten Freund ein wenig schärfer das Wort ab, als er es beabsichtigt hatte und zuckte diesmal nur mit den Schultern; sicher, er liebte Quidditch, aber hatte er noch nicht genug um die Ohren? Entnervt schmiss er seinen Lappen aus der Hand und traf versehentlich Hermine, die sich auch sogleich beschwerte. Weich dem Fetzen beim nächsten Mal aus!

„Morgen nach dem Mittagessen", klärte Ron ihn auf, gab vor, Hermines Protest nicht zu bemerken und widmete sich wieder seiner Tischplatte, die er heute noch auf Hochglanz polieren musste, „Hab das Quidditchfeld den ganzen Samstagnachmittag reserviert – wir üben also so lange wie möglich!"

– „Möglich ist es bei mir bis um drei", teilte Harry seinem Teamkapitän mit einem bitteren Unterton mit, bevor er wütend nach seinem Ersatzlappen griff – er hatte gerade keine Lust, den anderen holen zu gehen – und diesen ins Putzwasser tauchte, „Dann hab ich wieder Zusatztraining bei meinem Paten!"

– „Kannst du Sirius nicht bitten, in der nächsten Woche Rücksicht auf uns zu nehmen?"

Harry schnaubte und lachte freudlos auf. „Kann ich. Aber wenn er darauf eingeht, verspeise ich Dumbledores Bürosessel!"


Selbst der Geruch von gebratenem Speck und Pasta konnte Harry am Abend nicht von seiner schlechten Laune ablenken, als er sich den Teller voll häufte, während neben ihm Ron bereits ein halbes Steak in seinen Mund gestopft hatte und verzweifelt kämpfte, um es endlich klein zu kauen; doch der Junge der lebte hatte schon vor über einer Woche feststellen müssen, dass Abendessen, und sei es noch so lecker, nur bis zu einem gewissen Grad der Miesepetrigkeit diese noch halbwegs vertreiben konnte ... Also zuckte er mit den Achseln und spießte mit der Gabel aggressiv ein paar Nudeln auf, knurrte, verärgert über den zerlaufenden Käse, der einfach nicht abreißen wollte, und schob sich den Auflauf dann kommentarlos in den Mund.

Irgendwann hatte Ron schließlich den Kampf gegen das Steak gewonnen, und so überließ Harry es mit grimmiger Genugtuung dem besten Freund, das Gespräch mit dem gegenübersitzenden Neville fortzuführen, denn auf Frage-und-Antwortspielchen hatte er im Moment nicht wirklich Lust.

„An dem Gerücht ist wirklich was dran", erklärte Ron gerade, als er offenbar sein Messer entdeckte – gut, dann musst du ja das Steak nicht mehr ganz hinunterwürgen! dachte sich Harry bissig –, kurz bevor Hermine in die Halle eilte, mit einem dicken Buch unter dem Arm, und sich neben die beiden Jungen sinken ließ; sie grüßte die drei Klassenkameraden mit einem knappen Nicken und hatte auch schon eine Seite irgendwo in der Mitte des Wälzers aufgeschlagen.

Harry fragte sich nebenher, ob sie überhaupt mitbekam, was sie sich da auf den Teller lud, als Ron Neville etwas zuflüsterte und den Jungen somit aufhorchen ließ.

„Der Orden hat wirklich ein neues Mitglied, aber es ist nicht Stan Shunpike", erklärte sein bester Freund gerade, und Harry spitzte zunächst etwas widerwillig die Ohren; eigentlich wollte er gerade nur seine Ruhe haben, aber andererseits, geheime Neuigkeiten über den Phönixorden konnten immer interessant sein, überlegte er, während Ron bereits fortfuhr: „Was weiß ich, woher die Kimmkorn das nur wieder haben will! Ich weiß nicht einmal, wie jemand überhaupt herausfinden konnte, dass der Orden Verstärkung bekommen hat –"

– „Wahrscheinlich hat die einfach gut geraten", fiel Harry Ron grob ins Wort und stocherte wieder in seinem Pastaauflauf herum, während Neville nur mit den Schultern zuckte; er wollte offenbar wissen, wer denn nun der Zauberer sein sollte, der es wagte, sich dieser berüchtigten und vom Ministerium verfolgten Organisation anzuschließen und dafür sogar einen Aufenthalt in Askaban riskierte – es wurde immer schlimmer!

Als vor sieben Tagen irgendwo in den Bergen Schottlands eine Lawine in einem Skigebiet losging – sei verdammt, Dolohow! –, hatte das Ministerium doch glatt den Phönixorden für die vielen Opfer unter den Muggeln und Zauberern, darunter Emmeline Vance und Mirabella Goyle, verantwortlich gemacht!

Unter diesen Umständen wunderte es Harry, dass überhaupt noch jemand sich für eine Mitgliedschaft im Phönixorden interessierte, und so fragte er: „Wer ist es wirklich?"

– „Amos Diggory!" hauchte Ron, nachdem er sich vergewissert hatte, ja nicht belauscht zu werden, und sah seine beiden Schlafsaalkameraden verschwörerisch an.

Amos Diggory ... „Cedrics Vater?" brachte Harry heraus und vergaß für einen Moment fast, dass er sich eigentlich ärgerte, als er sich an den Namen erinnerte, dieser ihm das dazugehörige Bild eines wettergegerbten Gesichts lieferte, welches fassungslos und voll stummer Verzweiflung die toten Augen seines Sohnes anstarrte.

Schnell verdrängte er die unwillkommene Erinnerung aus seinem Kopf und fragte sich überrascht, wieso Diggory sich dem Orden angeschlossen hatte – nicht, dass es nicht verständlich wäre, wenn dieser Rache für den Tod seines einzigen Sohnes wollte ... aber wieso hatte er sich dem Orden dann nicht früher angeschlossen?

„Das Ministerium hat ihn gefeuert", mischte sich Hermine unerwartet in das Gespräch ein und sah von ihrem Buch auf, „nachdem er mehrmals kritisiert hat, dass nicht scharf genug gegen Voldemort vorgegangen würde. Das stand natürlich nicht im Tagespropheten, aber Professor McGonagall hat Professor Snape darauf hingewiesen, als ich gerade aus Arithmantik gekommen bin."

– „Und damit er weiterkämpfen kann, hat er sich an den Orden gewandt?" ergänzte Neville und zog die Stirn in Falten, glättete sie wieder, als Hermine – schon wieder in ihr Buch vertieft – gedankenverloren nickte, „Was liest du da eigentlich?"

– „Magische Schlüssel und ihre Wirkung", gab das Mädchen zurück ohne ihre Lektüre zu unterbrechen und blätterte eine der hauchdünnen Seiten um, „von Anastacia Bagman und Edgar Bones. Ich suche Informationen, was das für ein Schlüssel sein könnte, der in Natashas Brief gemeint war und nach dem der Orden sucht – und nein, ich habe noch nichts gefunden."

– „Apropos Orden", nahm nun wieder Neville den Faden auf und schluckte so schnell wie möglich seinen Salat hinunter, bevor er fortfuhr, „haben sie eigentlich den Spion gefunden?"

– „Leider nicht", beantwortete Ron Nevilles Frage und fuhr fort, während er mit seinem Messer das halbe Steak auf seinem Teller bearbeitete: „George hat erzählt, dass es langsam wirklich Zeit wird. Dass Moody jeden einzelnen im Auge behält, ist ja nichts neues. Aber mittlerweile verdächtigt jeder jeden: Smethwyck sagt, es wären Lupin oder Andromeda – wenn er ihn nicht schon hätte streichen müssen, wäre sein Hauptverdächtiger wohl Sirius; Dung misstraut sowieso fast jeder, Jones sagt, es wäre Snape", Ron gestikulierte ein wenig, um anzudeuten, dass er noch Minuten so weiter machen könnte, und ein auf seine Gabel gespießtes Stück Fleisch schien vollkommen vergessen, während er ungewöhnlich betroffen berichtete:

„Dädalus Diggel wäre bei seinem letzten Einsatz um ein Haar von jemandem aus dem Orden aufgehängt worden, weil einige Mitglieder kaum noch jemandem trauen – die Zusammenarbeit ist dann natürlich im Eimer! Moody versucht schon alles, damit nicht zu viele davon in einem Team landen, aber ..."

Eisiges Schweigen senkte sich über die vier Schüler, als Ron seine Erklärungen nicht fort führte, und sie starrten nur betreten auf den Tisch. Keiner von ihnen schien Lust zu haben, dieses Thema fortzuführen.

Harry stieß die Gabel ein paar Mal wütend in seinen Auflauf und schnaubte; wo sollte das eigentlich noch hinführen? Wir können dem Dunklen Lord nur dann entgegentreten, wenn wir ein nicht minder starkes Band der Freundschaft und des Vertrauens knüpfen, hatte Dumbledore ihnen allen nach der Rückkehr Voldemorts eingeschärft – aber dieses Band bröckelte wohl immer schneller auseinander. Wie lange würde es noch dauern, bis sie das alle den Kopf kosten würde?

Eine Bewegung im Augenwinkel ließ Harry zum Eingangstor blicken. Sirius und Remus verließen gerade die Große Halle, angestrengt – und extrem leise – in ein ziemlich ernstes Gespräch vertieft; sicher eine Ordensangelegenheit.

Der Junge seufzte tief, schluckte den Kloß in seinem Hals hinunter und versuchte den Gedanken an das nach dem Essen folgende Training zu verscheuchen. Er verstand seinen Paten nicht mehr – wieso mutete er ihm diese ganze Tortur zu, die ihn fast zusammenbrechen ließ? Er konnte unmöglich nicht sehen, was er dem Jungen damit antat. Was hatte Harry eben noch gedacht? Das Band bröckelte ... Urplötzlich erschrak er, als er begriff, dass es nicht nur den Ordensmitgliedern so ging; und Harry schloss verzweifelt die Augen und wünschte sich stumm, dass sein Pate es nicht so weit kommen lassen würde, dass es riss.


„Von mir aus können wir unseren Trainingsplan gern an eure Übungszeiten anpassen", erwiderte Sirius mehr als eine Stunde später auf Harrys Anfrage hin und löschte mit der linken Hand eine weitere der dunkelroten Kerzen, konzentrierte sich anschließend und ließ so das Meditationszimmer verschwinden und zum zweiten Mal an diesem Tag den Parcour erscheinen. Der Junge hob misstrauisch die Brauen und wartete – das konnte doch nicht so einfach sein ...

„Aber ich bin nicht bereit, auch nur eine einzige Minute von unserem Training zu streichen!"

– „Sirius!" fing Harry verärgert an, doch sein Pate brachte ihn mit einem entschlossenen Kopfschütteln zum Schweigen und fuhr fort: „Wir werden es so legen, dass es Quidditch nicht in die Quere kommt."

Harry schloss die Augen und seufzte, wieso überraschte ihn das nicht? Er hatte doch gewusst, dass noch etwas kommen würde.

„Müssen wir wirklich so hart trainieren?" platzte es unfreundlich aus ihm heraus und er schnaubte, funkelte seinen Lehrer mit blitzenden Augen an, während ein Teil von ihm sich überlegte, ob er demnächst Ähnlichkeiten mit Moody haben würde, so wie er in letzter Zeit jeden anfauchte – schon als er den Verteidigungslehrer zusammen mit Remus die Halle hatte verlassen sehen, war er schnell zu seiner schlechten Laune zurückgekehrt und hatte sich allein beim Gedanken an das bevorstehende Training wieder an seinem Abendessen abreagiert.

„Sirius, ich kann bald nicht mehr!" beschwerte er sich und verschränkte provozierend die Arme, während er den Kopf hob und das Kinn nach vorn schob, bevor er fortfuhr, „Erst auf dem Weg hierher hab ich McGonagall angerempelt, weil mir vor Müdigkeit schwindlig war! Der Drache ist natürlich gleich über mich hergefallen, ich soll meine Tomaten von den Augen nehmen!"

Herausfordernd starrte Harry seinen Paten an, der ihn kurz mit einem mitleidigen Blick musterte; Harry blinzelte das Staubkörnchen fort, das ihm ins Auge geflogen sein musste (er ignorierte dabei geflissentlich, dass es in diesem Raum überhaupt nicht staubig war) und ballte die Hände zu Fäusten, damit sie nicht zitterten – pure Einbildung, nach diesen letzten Wochen wäre das einfach zu schön, um wahr zu sein.

Verdammt, er konnte sich nicht einmal erinnern, wie lang es her war, dass Sirius ihm diesen Blick zuletzt zugeworfen hatte! Im Kamin vor dem Beginn des Trimagischen Turniers? Im Haus seiner Eltern? Oder doch, kurz nach Halloween, in Hogwarts?

Dann kehrte wieder dieselbe Entschlossenheit wie in den letzten Wochen in die Züge seines Lehrers zurück, wann immer ihr Gespräch auf das Training gekommen war – und Harry schüttelte verbittert den Kopf, als er sich an die zahllosen Gelegenheiten erinnerte, zu denen er hatte wissen wollen, wieso Sirius Harry nicht zumindest den Grund verraten konnte, warum er sich über den Zauber ausschweigen musste, weshalb der Zauber so wichtig sei und warum verdammt er dafür so hart trainieren musste!

„Es ist der einzige Weg, diesen Zauber zu lernen, Harry", erwiderte Sirius leise, und am sanften Wogen seiner Roben konnte Harry erkennen, dass sein Lehrer die Schultern straffte; wie immer, wenn er den Jungen beschwichtigen – oder wohl eher hinhalten – wollte; was nicht viel half, da er sich strikt weigerte, Harry Antworten auf seine Fragen zu liefern. Immer mit der Begründung, er würde ihm gern mehr verraten, dürfe das aber nicht, weil Harry sonst den Zauber nicht ausführen könne. Vor einigen Monaten hatte der Junge seinem Lehrer noch abgenommen, dass ihm das Schweigen ebenso missfiel ...

„Ich kann mir vorstellen, dass es dir gerade nicht leicht fällt", fuhr Sirius fort: Harry versteifte sich unwillkürlich – oh nein, das kannst du nicht! Du musst das hier schließlich nicht selbst durchmachen! – und drehte sich weg, bemerkte so nicht das bittende Brennen in Sirius' Augen, als dieser, um den Jungen aufzumuntern, hinzufügte: „Die erste Phase ist aber bald vorbei. Dauert nicht mehr lange."

Na toll, schoss es Harry sarkastisch durch den Sinn; Sirius hatte unbeabsichtigt genau das falsche gesagt – hatte er nicht in Aussicht gestellt, dass die zweite Phase noch anspruchsvoller sein würde? –, und Harry wollte in einem Anflug stummer Verzweiflung am liebsten aus dem Raum stürmen.

Verdammt! Er wusste selbst nicht, warum er davon absah und stattdessen zögernd die angebotene Hand ergriff und sich von Sirius auf die Beine ziehen ließ.

Sein Lehrer streifte seine Roben ab und band sein Stirnband um, bevor er den Jungen mit einem flüchtigen – ‚und doch unnachgiebigen' – Nicken aufforderte, gemeinsam mit ihm den Hindernislauf anzutreten.

Harry fluchte in Gedanken, kämpfte die bittere Enttäuschung nieder, die in ihm aufkeimen wollte und setzte sich widerwillig in Bewegung – wieso eigentlich? –, aber lang würde und konnte er das nicht mehr mitmachen! Nicht wenn er sich so ausgelaugt fühlte wie ... Nun, eigentlich fiel ihm dafür überhaupt kein Vergleich ein – genau genommen konnte er gerade an rein gar nichts denken –, so entkräftet hatte er sich noch nie gefühlt.

Wenn sein Lehrer seine Anforderungen im Training nicht bald reduzierte, würde Harry früher oder später zusammenbrechen; um das zu wissen, musste er weder Seher noch Heiler sein!

Und das konnte sein Pate doch nicht ernsthaft wollen oder von ihm verlangen, nicht wahr?


Eine Weile später robbte Harry die Höhle im Parcour entlang, ohne überhaupt groß zu registrieren, dass er sich Stück für Stück über schlammigen Boden zog. Der Schweiß lief ihm in Strömen hinunter, die warme und feuchte Atmosphäre tat ihr übriges ... selbst nach einer Stunde Wahrsagen – was er zum Glück abgewählt hatte ... das hatte er doch, oder? – in Trelawneys Turmzimmer hatte er sich nie so benebelt gefühlt!

Irgendwann vor einer halben Ewigkeit hatte sein ärmelloses T-Shirt unangenehm auf seiner Haut geklebt und sich bei jeder Bewegung bemerkbar gemacht, und Harry hatte es wütend und sehr ungeschickt herunter gerissen und weggeworfen, dabei nur schwer dem Drang widerstanden, noch ein paar mal darauf herumzutrampeln.

Schweiß ließ seine Augen brennen, wo er hineintropfte, und vor ihm verschwamm alles, noch mehr, als es das aufgrund der Erschöpfung ohnehin schon tat. Umso deutlicher hörte Harry sein Ächzen und Keuchen, während er verzweifelt nach Luft rang, von der er in dieser Hitze nie genug bekommen konnte.

Alles so stickig, und heiß, und Harry blinzelte verzweifelt, um den Dunst vor seinen Augen zu vertreiben.

Nur noch ein kleines Stück, feuerte er sich in Gedanken an und zwang sich durchzuhalten, wiederholte immer und immer wieder denselben Satz, nur noch ein kleines Stück.

Sein Hals war trocken, sein Mund regelrecht ausgedörrt und er wollte nichts sehnlicher, als endlich der Dunkelheit der Bewusstlosigkeit nachgeben, die von allen Seiten nach ihm tastete, doch Harry wusste, dass es erst zu Ende sein würde, wenn er den Parcour absolviert hatte. Verflucht!

Irgendwo vor sich erkannte Harry ein undeutliches Licht ... das Tunnelende? Endlich! Theoretisch hätte Harry hier auf allen Vieren kriechen können; das wusste er aus Erfahrung, und es überraschte ihn zugleich, dass er sich daran überhaupt noch erinnern konnte.

Aber er fand einfach keine Kraft, um sich hochzustemmen, also zwang er sich, weiter über den Boden zu kriechen, konzentrierte sich nur noch auf den einen Gedanken durchzuhalten, er würde durchhalten!

Gleich hast du's geschafft, nicht aufgeben! Die Genugtuung wirst du ihm nicht gönnen, untersteh dich, vor seinen Augen zusammenzubrechen!

Harrys Arme und Beine zitterten, schwer wie Blei. Unbeweglich wie Beton, kraftlos wie die eines Babys. Überall Schwärze, Finsternis ...

Zwei starke Hände griffen nach seinen Schultern und zogen ihn hoch, lehnten ihn sanft gegen die Höhlenwand; Harry hatte nicht einmal die Kraft, überrascht aufzuschreien, als er dankbar die Kühle des Felsens im Rücken spürte, soviel wie möglich von der Hitze seines Körpers hineinpressen wollte.

Langsam beruhigte sich sein Atem, und irgendwann auch sein Herzschlag. Ein gutes Gefühl, nicht mehr befürchten zu müssen, die Lungen und Adern würden ihm jeden Moment zerspringen. Ein gutes Gefühl, wieder genug Luft zu bekommen.

„Trink das", hörte der Junge undeutlich eine Stimme, die er erst nach einiger Zeit als die seines Lehrers identifizieren konnte; ein großes Glas wurde ihm in die Hand gedrückt, und gierig schluckte Harry das herrlich kühle Nass, bevor er endlich die Augen öffnen konnte und in helles Sonnenlicht blinzelte – er hatte nicht einmal registriert, dass er die Höhle mittlerweile verlassen hatte, gefolgt von Sirius.

„Sind wir fertig für heute?" brachte Harry mit einer schwachen Stimme heraus, die nicht weniger zitterte als seine matschbedeckten Hände und sich so überhaupt nicht nach seiner eigenen anhörte.

Anders als zuvor bei der Strafarbeit oder nach dem Meditieren war er im Moment überhaupt nicht verärgert, nein, ganz und gar nicht. Er war nicht verärgert, er war nicht ungeduldig, er war einfach nur k.o. Die körperliche Anstrengung hatte seinen Zorn vollkommen ausgebrannt – er war viel zu erschöpft, um noch irgendetwas zu fühlen außer der beruhigenden Frische der Wand in seinem Rücken, oder der Dankbarkeit über die kurze Verschnaufpause ... was sich bald wieder ändern würde, dessen war er sich sicher.

Der Ärger, an den er sich in letzter Zeit viel zu sehr gewöhnt hatte, würde nicht lange auf sich warten lassen.

„Einmal den Parcour, dann Sinne schärfen, Meditieren ... und noch einmal den Parcour bis zur Höhle", krächzte Harry und rang noch immer nach Luft, „das reicht für einen Tag ..."

Der Stein fühlte sich immer noch so herrlich kühl an, und Harry nahm Sirius' Stimme wahr ohne richtig zu registrieren, was er sagte ... im Moment konnte der Junge kaum einen klaren Gedanken fassen, filterte mit Mühe und Not die Zustimmung seines Lehrers heraus und zog sich am Felsen hoch auf die Beine. Zwei Hände fassten ihn am Arm und wollten ihm beim Aufstehen helfen, doch Harry stieß Sirius nur grob weg, geriet dadurch aus dem Gleichgewicht und strauchelte.

„Bis morgen", verabschiedete er sich schnell und stolperte aus dem Raum, bevor sein Lehrer es sich noch anders überlegen konnte.


-Anmerkung der Autorin-


Oops, na wie ist denn das passiert? Zu diesem Kapitel hätte ich drei Bitten:

Erstens: Schlagt mich bitte nicht! Zweitens: Sirius bitte auch nicht schlagen!
Drittens bitte um Reviews, was ihr von der Geschichte haltet
;-) Bin gespannt auf eure Meinung!