So, das nächste Kapitel. Ging diesmal etwas schneller!

Und wieder vielen Dank für eure Reviews - auch wenn es noch einmal weniger geworden sind; Leute, wie soll ich da wissen, was ich verbessern soll? Würde mich sehr freuen, wenn sich auch die melden, die bisher nichts kommentieren wollten (und die anderen natürlich auch weiterhin) :-D

Zu "Harry gegen Sirius" hätte ich noch eine Anmerkung:
Zuerst einmal danke, dass keiner seinem Drang, Sirius zu schlagen, nachgegeben hat - es genügt, wenn
ich mich mit blauen Flecken abgeben muss.
Als Sirius-Fan hab ich außerdem eine gute Begründung, ihn so handeln zu lassen, und ihr werdet noch darüber stolpern, wenn ihr weiterlest! Was ich doch hoffe!

So, nun viel Spaß mit Kapitel 17 und "dem Spion im Orden".


Der Spion im Orden


... und bisher gibt es nur eine Person, die solch einen dunklen Fluch überlebt hat. In Klammern: vergleiche Potter, Harry", beendete Harry seinen Vortrag über den Avada Kedavra, schlug verärgert das schwere, vergilbte Buch mit dem grauen Einband zu und widerstand nur mit Ach und Krach der Versuchung, es einfach gegen die Wand oder das nächstbeste Bücherregal zu werfen. Hermine, Ron und er gingen mittlerweile seit über drei Wochen die Bücher von Lesespaß für Zauberer durch, hatten aber bisher noch nicht einmal den kleinsten Hinweis auf die Möglichkeit einer Vernichtung Voldemorts gefunden – was den Jungen, der lebte, langsam aber sicher auf die Palme brachte.

Neben ihm klappte Ron das eigene Buch zu und seufzte tief. „Auch hier ist nichts Brauchbares drin", erklärte er missmutig, legte den Schinken auf den „Gelesen"-Stapel und griff sich einen weiteren, alten Wälzer (der schon fast auseinander fiel) von der anderen Seite. An seinem Gesicht konnte Harry ablesen, wie viel der Junge davon hielt, schon vor dem Frühstück in die Bibliothek zu gehen um zu lesen, aber er hatte sich – ebenso wie Hermine – ohne zu zögern zu seiner Mithilfe bereit erklärt, als Harry die beiden vor Monaten darum gebeten hatte.

„Nur nicht aufgeben", ermunterte die junge, braunhaarige Hexe ihre beiden Schulkameraden nun und ließ ihren Wuschelkopf kurz hinter einem Regal hervorblitzen, bevor sie ihn wieder einzog; sie verglich gerade zwei Ausgaben ein und desselben alten Buches, eines aus der Bibliothek Hogwarts', das andere von Lesespaß für Zauberer.

In der Hogwarts-Ausgabe schien aus irgendeinem Grund eine Seite zu fehlen, offensichtlich herausgerissen – wobei sich Harry flüchtig fragte, wieso zum Henker jemand eine Seite aus einem Buch herausreißen sollte, und wieso Madam Pince das nicht aufgefallen war. Kurz darauf entschloss er sich jedoch, dass ihn das nicht sonderlich interessierte, und er blickte missmutig aus dem Fenster in den hellen Schein der aufgehenden Sonne und knurrte, als ob sie ihn verspotten wollte; ihm war momentan nicht nach Sonnenschein und Fröhlichkeit, dazu lag seine Stimmung viel zu weit im Keller.

Beinahe schon in Snapes Kerkern, dachte er und schnitt eine Grimasse, griff gähnend und sauer (Sirius hatte ihn gestern wieder ganz schön rangenommen) nach einem weiteren Buch und ächzte, weil es so schwer war, schlug es ganz vorne auf und brummte, wütend dass er sich schon bei der zweiten Formel verlesen hatte.

Würde er sich doch nur besser konzentrieren können, wären sie sicherlich schneller fertig!

„Seht euch das mal an!" riss Rons Stimme ihn irgendwann aus seinen Gedanken; Harry stöhnte, er hatte es endlich geschafft, sich in den Text zu vertiefen und verdrehte die Augen, weil er nun wieder zwei Wörter verwechselt und dadurch den ganzen Sinn durcheinander gebracht hatte. Schnaubend drehte er sich auf dem Stuhl in Richtung Ron, neben den bereits Hermine getreten war, die dem Jungen interessiert über die Schulter blickte und dabei nur kurz einen Blick auf den Einband – Alte, magische Objekte mit Edgar Bones – warf. Der Rothaarige unterdessen las bereits vor:

„Bleu-Rose-Kugeln.
sind Perlen variabler Größe, denen nachgesagt wird, von den vier Gründern in Auftrag gegeben und anschließend gut versteckt worden zu sein, sodass niemand sie zu benutzen in der Lage war, bis Professor Phineas Nigellus Black sie entdeckte. Einige in unnatürlichem, tiefen Dunkelblau, klar genug um sofort den Wunsch zu wecken, in diesen Ozean einzutauchen, genauso viele in zartem, fast weißem Rosé kurz vor der Explosion, bewahrt sie der Zaubereiminister persönlich in seinem mehrfach verhexten und aus diesem Grund nie geknackten Privatsafe in seinen Zimmern im Ministerium auf, deren Position außer dem Minister selbst nur dem Leiter der Abteilung für Magische Strafverfolgung und dem Vorsitzenden des Zaubergamots bekannt sein soll.

Die blauen und rosefarbenen Kugeln stellen Gegenpole dar – in Kontakt mit dem Target würde die Bleukugel kontinuierlich verschwinden lassen, während die Rosékugel konstant vervielfältigen würde. Das Gleichgewicht bliebe erhalten. Durch den Missbrauch der Objekte wurden sie strenger Beobachtung unterlegt und seit nunmehr einhundertfünfzig Jahren nicht mehr herausgeholt, um benutzt zu werden."

Eine kurze Verschnaufpause, dann schlug Ron das Buch zu und wandte sich an Hermine: „Meinst du, man könnte Voldemort mit den blauen Perlen verschwinden lassen?"

Harry hob überrascht die Brauen; der Gedanke war ihm noch gar nicht gekommen – kein Wunder, so müde wie er war! –, und auch er blickte seine Freundin hoffnungsvoll an, für einen Augenblick hatte er selbst seine permanente Gereiztheit vergessen. Die jedoch sofort wieder zurückkehrte, als er Hermines Gesichtsausdruck bemerkte: Sie schien nicht zu wissen, ob sie lachen oder die Augen verdrehen sollte, und seufzte nur tief.

„Wenn Voldemort aus einer Flüssigkeit oder einem Gas bestehen würde, dann sicher", erwiderte sie in einem Ton, der Harry – er verdrehte genervt die Augen – an McGonagall im Unterricht erinnerte, und kratzte sich mit der Hand an der Stirn, „Ich hab von diesen Perlen schon gehört – sie werden übrigens im Vakuum aufbewahrt, weil sie in Kontakt mit dem ‚Target' oder einer anderen Kugel nach zwei Stunden ihre Wirkung verlieren. Da stand, dass sie bei lebenden Objekten oder Festkörpern nicht wirken."

– „Mist!" fluchte Harry lauthals (was ihm einen mahnenden Blick Madame Pinces einbrachte) und schlug wütend mit der Faust auf den Tisch – oder besser gesagt sein offenes Buch, dessen oberste Seite sogleich eine hässliche Falte vorzeigen konnte; der Junge wandte sich an Ron und schnaubte: „Danke, aber wir müssen wohl weitersuchen ..."

Während dieser aufstöhnte und wieder verdrossen nach seinem eigenen Buch griff, versuchte Harry, das zerknitterte Pergament notdürftig zu glätten und sich anschließend in dessen Text zu vertiefen, doch es wollte ihm einfach nicht gelingen!

Der Akada Ve–, nein, Avava –, nein VERDAMMT!

Harry schloss die Augen und legte resigniert den Kopf auf seine Fäuste – konnte er denn nicht einmal einen schon so oft durchgekauten Fluch richtig lesen?

Gähnend lehnte er sich in seinem Stuhl zurück und rieb sich den Sand aus den Augen, seufzte tief und winkte flüchtig ab, als er bemerkte, dass Hermine ihn mitleidig beobachtete.

Es ist alles in Ordnung!" presste er scharf zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, kaum dass sie den Mund für eine entsprechende Frage geöffnet hatte, und Harry ballte zornig die rechte, auf dem Tisch liegende Hand zur Faust, streckte die Finger dann wieder, als er sich dessen bewusst wurde. Er ignorierte erneut den schiefen Seitenblick der Bibliothekarin und versuchte – wie schon so oft vergeblich – sich wieder auf die Lektüre über den Todesfluch zu konzentrieren.

Der Avada Kederv–

„Mir reicht's!" fauchte Harry, als auch der dritte Versuch, den Fluch richtig zu lesen, fehlschlug, er sprang auf und knallte sein Buch zu, „Gehen wir erst frühstücken, vielleicht funktioniert es danach besser." Auch wenn er daran nicht so recht glauben wollte ...

Ron und Hermine wechselten nur einen flüchtigen Blick, offenbar keineswegs überrascht über Harrys Verhalten, dann zuckte Ron mit den Schultern und Hermine packte schon die Bücher in einen Rucksack, den sie vor sich her in Richtung Eingangshalle schweben ließ, diese Aufgabe aber irgendwann Ron übertrug, weil eine Eule ihr ihren Tagespropheten brachte.

„Ach du Schande!" entfuhr es ihr auf halbem Weg in die Große Halle, und sie blieb von einer Sekunde auf die andere stehen und starrte nur ungläubig die zweite Seite der Zeitung an.

„Was ist denn los?" murrte Harry genervt, und auch Ron stöhnte auf: „Mensch Hermine, lass uns gehen! Ich hab Hunger."

– „Dann solltest du das hier besser nicht lesen, denn dann könnte dir noch der Appetit vergehen", gab das Mädchen trocken zurück, als sie ihre Sprache wieder gefunden hatte, und schüttelte den Kopf. Ron – nun doch neugierig geworden – und Harry – den zwar nicht unbedingt interessierte, was für einen Mist Kimmkorn schon wieder fabriziert hatte, aber der sich so vielleicht von seiner schlechten Laune ablenken konnte – traten neben sie und blickten über ihre Schulter auf den Text, der unübersehbar oben auf der Seite prangte:

MINISTERIUM WIEDER SICHER
-unglaubliche Neuigkeiten aufgedeckt von Arsenie Madlack-

Askaban kann sich über einen neuen Gefangenen freuen!
Bei einem Überfall auf eine am gestrigen Tag stattfindende Todesserversammlung, von der das Ministerium dank der neuen Überwachungsmethoden des Zaubereiministers Lockhart Stunden zuvor erfahren hatte und die Gunst der Stunde zu einer Razzia nutzte, war die Überraschung der Auroren groß, auch auf ein ihnen nur zu bekanntes Gesicht zu stoßen, nämlich eine Ministeriumsangestellte aus der eigenen Abteilung, die an diesem Tag einen freien Abend – im Nachhinein keine Überraschung – beantragt hatte!

Offenbar hatte Natasha Toleen (29) sich entschlossen, die Seiten zu wechseln und für den Dunklen Lord das Ministerium zu bespitzeln – für sie als Vizeleiterin der Spionageabteilung ein Metier, das sie nur zu gut beherrschte, mit einem Posten, der dem Dunklen Lord sicher viele zusätzliche Informationen einbrachte.

Direkt nach der Gefangennahme Toleens kam es zu einer nicht-öffentlichen Verhandlung des Zaubergamots – die Angeklagte plädierte für nicht schuldig und zeigte sich ratlos, wie es zu einer derartigen Situation kommen konnte, suchte verzweifelt nach fadenscheinigen Ausreden und gestand nicht, als Spion für Ihn, dessen Name nicht genannt werden dürfe, zu arbeiten. Doch die erdrückende Beweislast führte schließlich zu ihrer Verurteilung, und sie wurde direkt nach der Verhandlung nach Askaban verlegt, wo sie eine lebenslange Haftstrafe absitzen wird.

Atmen wir auf und bedanken uns bei Zaubereiminister Gilderoy Lockhart dafür, dass er unsere Sicherheit einmal mehr mit seinen zielstrebigen, geradlinigen und längst überfälligen Maßnahmen verteidigen konnte.

„Natasha war der Spion im Orden?" entfuhr es Ron entsetzt, als er zu Ende gelesen und aufgesehen hatte, und er kratzte sich am Kopf, „Donnerwetter, das hätte ich nie vermutet!"

– „Ich auch nicht. Vor allem nach ihrem Streit mit Snape war sie mir fast sympathisch", stimmte Harry ihm langsam zu und erinnerte sich verschwommen daran, wie er nach der Flucht aus dem Grimmauldplatz automatisch dazu übergegangen war, die Frau zu duzen. Er versuchte, das unangenehme Pochen hinter seiner Stirn zu verdrängen; mit diesen Nachrichten hätte er an diesem Morgen bestimmt nicht gerechnet. Irgendetwas an der ganzen Geschichte kam ihm merkwürdig vor, doch er war viel zu müde um zu erkennen, was; also gähnte er nur herzhaft und blinzelte.

„Du musst aber zugeben, dass du sie am Anfang der Ferien nicht besonders gut leiden konntest", erinnerte ihn Hermine und spielte nervös mit der Zeitung herum; auch der Freundin schien die Neuigkeit auf den Magen zu schlagen, denn sie zuckte nur betreten mit den Schultern, als Harry sie musterte und nickte. „Stimmt schon. Ich war sauer, dass sie Sirius fast aufgeschlitzt hatte!"

– „Bist du im Moment nicht auch sauer auf Sirius?" warf Ron stirnrunzelnd ein und blickte Harry mit gehobenen Brauen an.

Dieser zögerte einen Moment, bevor er – beinahe schon grimmig – darauf einging: „Naja, eigentlich bin ich ... sauer auf meinen Lehrer, sein Verhalten im Training und seine Trainingsmethoden ... und nicht direkt auf meinen Paten – verflucht, ich muss mich besser konzentrieren, sonst verwechsle ich noch irgendwann die Wörter", fügte Harry dann bissig hinzu, und seine Freunde wussten genau, dass der abrupte Themenwechsel nur von einer gewissen Verlegenheit ablenken wollte – Harry sprach nicht gern über solche Dinge, und das Thema war sowieso unsicher genug. Doch andererseits könnte er damit gar nicht so unrecht haben ...

Ein Aufschrei von Hermine durchbrach die Stille, die sich nach Harrys Worten über den Korridor gelegt hatte, und der Junge wirbelte gemeinsam mit Ron nach rechts, nur um das Mädchen dabei zu beobachten, wie sie sich ärgerlich einen Haufen Tinte von den Augen wischte, dann mit funkelndem Blick herumfuhr und rief: „Peeves! Du gemeiner Quälgeist –"

Weiter kam sie nicht, denn der Poltergeist schoss mit einer solchen Geschwindigkeit auf sie zu, sodass Hermine überrascht einen Schritt nach hinten auswich, dann noch einen und einen weiteren ... und bemerkte, dass da nichts mehr unter ihr war außer einer Fallhöhe von mehreren Metern.

Entsetzt schrie sie auf, riss somit Harry und Ron aus ihrer Schreckensstarre und die beiden sprinteten der Freundin entgegen, griffen je nach einer Hand und wollten Hermine auf den Marmorboden zurückziehen; doch sie merkten zu spät, dass sie ihren Schwung nicht mehr rechtzeitig abbremsen konnten, und zu dritt kippten sie schließlich von der Kante ...


... und wirbelten wild durch die Luft, drehten sich viel zu schnell im Kreis und landeten irgendwann weich in einer über eine Matratze gespannten Bettdecke.

Verwirrt blinzelte Harry und überprüfte automatisch, ob er seinen Zauberstab verloren hatte, während er sich umsah – es war stockfinster. Verdammt, wenn er Peeves erwischte ... Wütend, und doch auch erleichtert über den fehlenden Sturz, holte er das glatte, längliche Stück Holz aus dem Gürtel, als seine Finger es endlich fanden, und zischte „Lumos!", zusammen mit Hermine.

Praktisch sofort fiel sein Blick auf Ron; der Junge, dessen Sommersprossen im Moment besonders deutlich aus seinem ungewöhnlich bleichen Gesicht hervorstachen, lag auf der Seite neben ihm und japste immer noch nach Luft. Über Ron – erstaunt hob Harry die Brauen – war etwas in eine alte Steinwand eingraviert, das ihn auf der Stelle an chinesische Schriftzeichen oder altägyptische Hyroglyphen denken ließ; der Junge stutzte, wo waren sie hier überhaupt gelandet? Und was hatten diese Zeichen zu bedeuten?

„Das sind alte Runen", hauchte Hermine erstaunt, als hätte sie seine Gedanken gelesen, und fuhr fasziniert mit den Fingern darüber, konnte dies alles offenbar kaum fassen.

– „Wunderbar", knurrte Harry, der sich schnell von der Überraschung erholt hatte und zu seiner üblen Laune zurückgekehrt war, er verschränkte genervt die Arme – verdammt, war es hier kalt! – und wandte sich ironisch an seine Freundin: „Steht da vielleicht, wie wir hier wieder raus kommen?"

– „Nein", erwiderte diese langsam, runzelte die Stirn und strich sich eine Reihe von Strähnen aus dem Gesicht, verstaute den Zauberstab im Gürtel ihrer Roben und fuhr die Zeichen erneut vorsichtig mit den Fingern nach, „Hier steht ... Moment, das ist schwierig zu übersetzen, die Zeichen sind sehr alt ...

Ich darf meine ... meine Schadenfreude kund tun, Mr. Direktor Phineas Nigellus, dass ich ... mit diesem Geheimgang eine Ermöglichung aufgetan habe, ihre ... ihre unmoralischen Machenschaften aufzudecken durch Beobachtung. Jeder, der seinen Zauberstab auf diese Wand lenkt und die Zauberformel ... Fenestra! benutzt, sich dabei deutlich die Örtlichkeiten hinter dieser Mauer, welche aus Ihrem ... verstaubenden Büro, nicht einmal geputzt werden wollend durch die bedauernswerten Hauselfen, bestehen, vor Augen führet, solle diese und ... seine Schauspiele mitbekommen dürfen. Gezeichnet, Ihr Leiter des ehrenwürdigen Hauses ... Gryffindor und stellvertretender Leiter dieser ... schulischen Einrichtung, ... Fydorgat ... Huraggly ...

Was für ein Name!" beendete Hermine ihre Ausführungen und strich sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn, blickte dann Ron und Harry gespannt an, und die beiden Jungen tauschten einen eindeutigen Blick.

„Ich kann euch nicht davon abhalten, oder?" seufzte die junge Hexe resignierend, und nach einem entschlossenen, simultanen Kopfschütteln ihrer beiden Schulkameraden zückte auch sie wieder den Zauberstab und richtete ihn auf die gekennzeichnete Stelle in der Wand, während Harry sich schon möglichst jede Einzelheit im Büro des Schulleiters ins Gedächtnis rief.

Gemeinsam intonierten sie laut und deutlich die Formel, „Fenestra!", und angenehme Kühle tastete nach ihren Beinen, hüllte sie mehr und mehr ein, während die drei sich schlagartig federleicht und unbekümmert fühlten.

Alles rückte in den Hintergrund, die Lehrer, die sicher sauer würden, wenn sie zu spät kamen, die Todesser, der böse schwarze Lord und sein neuer Zauberstab, die andauernde, bleierne Müdigkeit, Natasha Toleens Verrat, der Ärger über die Trainingsstunden bei Sirius ... alles verschwamm zu einem hintergründigen Rauschen in Harrys Kopf, und erst wie durch einen Schleier, dann durch etwas klar wie Quellwasser in einem Gebirge tauchten sie wirbelnd in Dumbledores Büro ein ...


Albus Dumbledore saß mit einer prachtvollen Phönixfeder in der Hand am Schreibtisch und schrieb einen langen Brief an einen guten Bekannten im Ministerium. Dabei führte er leise Selbstgespräche – oder besser Gespräche mit seinem Phönix Fawkes, von dem die goldene Feder stammen musste –, die jedoch im leisen Sirren der silbernen Instrumente, die Harry bei seinem anderthalb Jahre alten Wutanfall übriggelassen hatte, und dem gelegentlichen, leisen Schnarchen eines der Schulleiterportäts untergingen. Langsam streckte Dumbledore die Hand aus, griff gedankenverloren nach dem letzten Biskuitkeks mit großen Schokostückchen in einer einladenden Kristallschüssel und wurde dabei von Ron sehr genau beobachtet, dessen sehnsüchtiger Blick auf die Nascherei Harry daran erinnerte, dass sie heute noch kein Frühstück zu sich genommen hatten.

Die schwere Eichentür in Albus Dumbledores' Büro flog mit einem lauten Knall gegen die Wand und ließ das gemütliche Hintergrundsummen abrupt verstummen; der Direktor hatte noch nicht einmal richtig aufgesehen – Harry registrierte nebenbei, dass der geierförmige Bronzetürgriff gefährlich hin und her baumelte –, als auch schon Sirius hereinstürmte und mit schwungvoll wehenden Roben direkt durch Harry hindurchmarschierte, bevor er vor Dumbledore zum Stehen kam und sich vor dem Schreibtisch aufbaute. Offensichtlich regte er sich gerade über irgendetwas auf, das ließ sich sowohl an seinen festen und langgezogenen, schnellen Schritten als auch an seiner aufgewühlten Aura erkennen, und da sowohl Harry als auch der Direktor an diesem Tag bereits den Tagespropheten gelesen hatten, konnten sich beide genau vorstellen, was dieses Etwas war.

„Ist es wahr?" fing Sirius auf der Stelle an, ohne sich auch nur die Mühe einer Begrüßung oder einer Einleitung zu machen, ignorierte die sich über das stürmische Wachrütteln beschwerenden Porträts und stemmte die Hände auf den Schreibtisch, musterte den alten Mann ihm gegenüber im Sessel mit funkelndem Blick und atmete tief durch: „Sag schon, Dumbledore, du musst das wissen, schließlich bist du im Zaubergamot!"

Der Leiter der Zaubererschule Hogwarts saß einen Augenblick lang nur stumm in seinem bequemen alten Sessel, dann legte er den Keks zurück in die schwere Schüssel und rückte langsam die halbmondförmige Brille zurecht, bevor er widerwillig auf die Frage einging: „Ja, Sirius. Es tut mir wirklich aufrichtig leid, aber Mrs. Toleen wurde als Todesserin überführt und zu lebenslanger Haft in Askaban verurteilt –"

– „Und was sind das für eindeutige Beweise, von denen der Tagesprophet berichtet?" fiel Sirius seinem Vorgesetzten barsch ins Wort und kümmerte sich nicht einmal darum, wie unhöflich er sich zur Zeit verhielt, sondern hob die Stimme noch etwas mehr, als er weiter sprach: „Verdammt Dumbledore, Natasha kann unmöglich der Spion sein!"

Silbergraue, wild blitzende Augen trafen auf ruhiges Blau, und nur das fehlende Funkeln in Dumbledores Augenwinkeln verliehen diesem einen traurigen Ausdruck, als er leise und sanft erwiderte: „Die Auroren haben sie im Urlaub im Todesserumhang auf einer Todesserversammlung angetrof–"

– „Das steht in der Zeitung!" donnerte Sirius und stieß wütend die Hände von der Tischplatte ab, ballte sie zu Fäusten und stemmte diese in die Hüften. „Das ist aber kein eindeutiger Beweis!" ergänzte er und begann mit einer unruhigen Wanderung durch das Zimmer, wohl um sich abzureagieren und wieder unter Kontrolle zu bringen; außer einem tadelnden „Tsk!" von Phineas Nigellus Black herrschte für einige Sekunden absolute Stille.

„Nein?" hakte der Direktor dann fragend nach und lehnte sich in seinem Stuhl nach vorne, legte die Fingerspitzen aneinander und seufzte tief, als ob er diese Konfrontation schon im Ministerium bei der Verhandlung in der vergangenen Nach hatte kommen sehen. „Doch, Sirius; das zählt als eindeutiger Beweis! Welche andere Begründung sollte es für ihre dortige Anwesenheit geben?"

– „In der Zeitung stand, sie hätte sich rechtfertigen wollen!" fauchte Sirius aufgebracht und blieb abrupt vor Dumbledores Schreibtisch stehen, zog verärgert die Brauen zusammen, als er den großväterlichen, mitleidigen Blick des Schulleiters bemerkte.

– „Ihre Argumentation war überaus fadenscheinig und klang mehr als nur an den Haaren herbeigezogen!" erläuterte der Direktor gelassen aber bestimmt und blickte seinem Gegenüber eindringlich in die noch immer aufgewühlten Augen: „Sie hätte eine Notiz erhalten mit der Aufforderung, einen beigelegten Portschlüssel zum Erscheinen an diesem Ort um Punkt 22.57 Uhr zu verwenden; kurz vor dem Überfall, angeblich ein Befehl des Leiters der Abteilung für magische Strafverfolgung – der sich selbst unter Veritaserum an keine derartige Anweisung erinnern kann. Zudem wurde – nach ausführlicher Suche – kein Portschlüssel an diesem Ort gefunden, der nicht von den Auroren stammte –"

– „Und wer sagt, dass das nicht der Wahrheit entspricht?" kam fauchend die Antwort zurück, deren Absender sich offensichtlich kaum beherrschen konnte, und eine Strähne seines sich elegant legenden, schwarzen Haares fiel ihm in die Stirn. Unwirsch warf er sie mit der linken Hand zurück und schnaubte; es schien ihm gegenwärtig beinahe gut zu tun, Dumbledore anzuschreien.

– „Sirius," begann dieser freundlich, zeichnete mit dem Zauberstab eine Schüssel in die Luft und bot seinem Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste einen der erscheinenden Zitronenbrausebonbons an, den dieser mit einer harschen Geste ablehnte. „Wie du möchtest", sagte er mit einer Spur der Resignation in der Stimme, stellte die Süßigkeit beiseite und lehnte sich in seinem Sessel zurück; er verhakte die Finger vor dem Bauch und musterte seinen Lehrer lange und eindringlich, bevor er schließlich den Mund öffnete: „Es gibt im Nachhinein Hinweise, die darauf hindeuten. Erinnerst du dich, dass Peter Pettigrew bei seiner Befragung betäubt wurde? Natasha hätte dazu die beste Gelegenheit gehabt –"

– „Das beweist doch nichts!" unterbrach Harrys Pate den Schulleiter ebenso laut wie schroff, und der alte Mann hob die Brauen, bedauerte stumm die Uneinsichtigkeit und Sturheit seines Gesprächspartners.

„Sirius –"

– „NEIN, DUMBLEDORE!" schrie dieser und stemmte wieder die Fäuste auf die Schreibtischplatte, blitzte den Direktor wütend an und ließ ihn – wie schon so oft an diesem Morgen – nicht ausreden, „Das ergibt verdammt nochmal KEINEN SINN!"

Wild atmend ließ er den Kopf sinken und bemühte sich, die Fassung zu wahren, dann sah Sirius wieder auf und fuhr um einiges ruhiger, doch immer noch aufgewühlt, fort: „Ich habe Natasha kurz vorher getroffen, und sie wusste von der Information bezüglich des Todessertreffens, die das Ministerium hatte! Und wenn sie eine Todesserin wäre, gäbe es für sie nur einen Grund, die Todesser nicht vor diesem Übergriff der Auroren zu warnen, nämlich wenn Voldemort ihre Tarnung nicht auffliegen lassen wollte – aber dann wäre sie doch dort verdammt nochmal nicht hingegangen! Denn dadurch würde sie ja IHRE VERDAMMTE TARNUNG AUFGEBEN!"

– „Woher weißt du, dass Mrs. Toleen von dem geplanten Überfall wusste?" erwiderte Dumbledore ruhig, obwohl ihn die Argumentation Sirius' sichtlich nachdenklich gestimmt hatte, und beugte sich interessiert nach vorne.

Harrys Pate blickte kurz aus dem Fenster, bevor er die Brauen hob und seufzte. „Remus, Tonks, Natasha und ich hatten gestern Abend eine Verabredung", gestand er, fast ein bisschen verlegen, und zuckte mit den Achseln, „Sonst bekommen die beiden das doch nie hin – und da hat sie erwähnt, wie schwer es für sie war, an diesem Abend ihren Urlaub durchzusetzen, weil der Minister jeden Mann für den Übergriff zur Verfügung haben wollte."

Die beiden Männer musterten sich eine zeitlang eingehend, starrten sich gegenseitig in die Augen; Sirius entschlossen und verärgert, Dumbledore zu einer längst überfälligen Antwort herausfordernd, und der Schulleiter mitleidig, wie ein Arzt, der nicht weiß, wie er einem Patienten die unangenehme Diagnose überbringen soll, von der dieser nichts hören wollte. Harry stutzte, doch das merkwürdige Funkeln in den Augen des Ordensleiters war schon wieder verschwunden, als er sich schließlich räusperte und sein Gegenüber eindringlich ansah.

„Lord Voldemort könnte Gründe dafür haben, Natashas Tarnung auffliegen zu lassen", gab er langsam zu Bedenken und hob gebieterisch die Hand, um die auf der Stelle aufkommenden Proteste von Seiten Sirius' zu unterbinden, „und er ist in der Lage, seine Anhänger schneller als uns lieb sein kann aus Askaban zu befreien – wie wir in letzter Zeit viel zu häufig erlebt haben. Auch wenn ihm ein Teil der Dementoren davongelaufen ist, die wieder – unterstützt und kontrolliert von Ministeriumswächtern – in Askaban Wache halten ... Sirius, ich glaube du willst das einfach noch nicht wahrhaben, weil du persönlich involviert bist, sowohl durch deine Beziehung zu Natasha als auch durch deinen eigenen Askabanaufenthalt –"

– „Das hier hat nichts mit meiner Zeit in Askaban zu tun, Dumbledore!" unterbrach der Verteidigungslehrer seinen Vorgesetzten schroff – zu schroff, sodass Harry sofort klar wurde, dass der Schulleiter einen wunden Punkt getroffen hatte; niemand konnte sich besser vorstellen als Sirius selbst, wie es Natasha in Askaban gehen mochte, und auch nur daran denken zu müssen schien Harrys Pate einfach nicht ertragen zu können.

Diesmal hinderte Dumbledore Sirius am Weiterreden, als er mit seinen Ausführungen fortfuhr, als wäre er nie unterbrochen worden: „Denk bitte einmal objektiv und logisch darüber nach, Sirius. Es wurden weder der Zettel mit der angeblichen Anweisung noch ein Portschlüssel bei Mrs. Toleen gefunden. Wohin sollen die verschwunden sein? Wenn die Todesser in diesem Raum von dem Überfall des Ministeriums wussten, wieso haben sie sich dann nicht in Sicherheit gebracht? Wieso sollten sie stattdessen wertvolle Zeit damit verschwenden, einen Zettel und einen Portschlüssel verschwinden zu lassen – was ja bei Nicht-Schokoriegeln nicht gerade einfach ist?" Dumbledore ließ seine Worte ein wenig wirken.

„Wir haben die gefangenen Todesser geprüft, und keiner außer Mrs. Toleen wäre in der Lage, dies zu bewerkstelligen – und Natasha wäre ja schön dumm, diese angeblichen Beweise selbst zu beseitigen!"

Langsam lehnte Dumbledore sich in seinem Sessel zurück und atmete tief durch, dann setzte er hinzu: „Du erinnerst dich an die zwei Vorfälle, die wir schon bei dem Gespräch über den Spion angesprochen haben? Die auf Spionage innerhalb des Ordens hindeuteten. Mittlerweile konnten wir den Kreis der Verdächtigen – die rein theoretisch die Möglichkeit gehabt hätten – auch stark einschränken: Andromeda Tonks, Heiler Smethwyck, Lee Jordan, Hestia Jones, Hagrid, George Weasley, Nymphadora und Natasha Toleen – die bisher nur zweimal an einer Versammlung teilgenommen hatte. Merkwürdiger Zufall, dass ausgerechnet zu diesen beiden Gelegenheiten Informationen zu Lord Voldemort gelangen."

Müde schaute der Direktor sein Gegenüber an und fuhr sich mit der Hand über den Bart: „Hälst du das nicht für eindeutig?"

– „Und wieso verdammt sollte sie einen Anschlag inszenieren, der ihr Haus in die Luft jagt?" fuhr der Verteidigungslehrer auf und hieb wütend mit der Faust auf die Tischplatte, „Und dann zwei Wochen bei uns wohnen? Sodass wir ihr auf die Finger sehen können?"

– „Oder aber sie uns!" erwiderte Dumbledore sofort, als hätte er dieses Argument erwartet, „Wäre das nicht ein perfekter Vorwand?"

– „Aber –", begann Sirius, und Harry konnte regelrecht sehen, wie er sich wand; in den grauen Augen spiegelten sich sowohl Verzweiflung als auch Resignation wider – Resignation wegen der Uneinsichtigkeit des Ordensleiters, denn Sirius' Stimme teilte Harry mit, dass er die Fakten noch immer anzweifelte und es nicht akzeptieren wollte.

Doch er sollte seinen Einwand nicht zu Ende führen können, denn hinter ihm klopfte laut und deutlich jemand an den Rahmen der noch immer offen stehenden Tür – Harrys Pate hatte sich nicht die Mühe gemacht, ja wahrscheinlich nicht einmal einen Gedanken daran verschwendet, diese zu schließen –, woraufhin Professor Snape den Raum betrat und genüsslich grinste; es war nur zu offensichtlich, dass er den letzten Teil der Unterhaltung mit angehört hatte.

Harry konnte die drohende Katastrophe bereits riechen, das konnte ja nicht gut gehen! In seiner gegenwärtigen Verfassung war Sirius eine tickende Zeitbombe; und Snape würde es sich bestimmt nicht entgehen lassen, diese auch zu zünden ...


Als hätte man einen Schalter umgelegt fand sich Harry urplötzlich wieder auf der anderen Seite der Wand, auf der Matratze, und blinzelte nur überrumpelt, weil der Zauber so schnell und ohne jede Vorwarnung geendet hatte. Er schickte sich bereits an, seinen Zauberstab erneut auf das Fenster zu richten und sich Dumbledores Büro vorzustellen – ein Ort, an dem es nach Snapes plötzlichen Auftauchen ziemlich ... turbulent zugehen musste –, als die Matratze unter ihm und seinen Freunden immer weiter nach unten sackte.

Ein orange leuchtender Schriftzug schlängelte sich aus seinem Zauberstab, ebenso wie aus denen seiner Freunde, und Hermine übersetzte ihn gerade noch mit „Eure Zeit ist um, die Beweislage müsste eindeutig sein", bevor die drei wieder wie in einer Achterbahn – Dudley hatte mal erwähnt, dass einem darin entsetzlich übel würde – aus dem geheimen Raum geschleudert wurden.

Als Harry sich seit einer ganzen Weile nicht mehr bewegt hatte und eine Wand im Rücken spürte, wagte er es endlich, die Augen zu öffnen; und erst als er nach einem weiteren Moment wieder wusste, wo oben und unten war, erkannte er, dass der Stein in seinem Rücken eigentlich gar keine Wand darstellte, sondern kalten, schmutzigen Fußboden, und er kämpfte sich hoch, bis er bequem sitzen konnte.

Der Junge fand sich an eben jener Stelle wieder, wo Peeves Hermine über das Treppengeländer gescheucht hatte. Allerdings – wieso war ihm das nicht schon längst aufgefallen? – wo befand sich das Geländer? Vor ihm gähnte nur eine breite Lücke, durch die man direkt in den Abgrund fallen konnte – jemand hatte offensichtlich ein gewaltiges Loch hinein gesprengt! Harry kam sofort ein blondes Mädchen in den Sinn, das vor gar nicht allzu langer Zeit noch begeistert Schokofroschkarten gesammelt hatte und nun griesgrämiger und gereizter war als er selbst– eigentlich unmöglich – und alle Leute angriff.

„Puh!" atmete neben ihm Ron auf – schon wieder bleich um die Nasenspitze, dabei hatte er sich doch gerade erholt – und schluckte, blieb sicherheitshalber noch liegen: „Was für ein Ritt! Dagegen ist Quidditch Balsam für den Magen!"

– „Nun, eigentlich sollten wir froh über diesen Ritt sein, denn die Alternative wäre ein Sturz über drei Stockwerke gewesen. Und den hätten wir wohl nicht überlebt ... Gehen wir endlich in den Unterricht? Ich hab sowieso schon die Hälfte von ‚Alte Runen' verpasst!" drängte Hermine ungeduldig nach einem flüchtigen Blick auf die Uhr und wollte den entsetzten Ron – er hatte offenbar daran gedacht, dass ihnen heute das Frühstück entgangen war – in Richtung ihres nächsten Klassenzimmers drängen; doch Harry bedeutete den beiden, einen Augenblick zu warten.

Er zückte seinen Zauberstab und begann mit einer Abfolge von Zaubern, sodass die drei den „Geheimgang" wieder finden würden, und zwar nur sie drei und kein anderer; so wie sie es in Duellieren gelernt hatten, nachdem der Zauber ihnen kurz von Sirius vorgestellt worden war. ‚Irgendwie clever', hatte Ron damals gesagt und anerkennend die Brauen gehoben; immerhin hatte das Konzept noch öfter funktioniert, dass ihr Verteidigungslehrer einen neuen Zauber und seine Anwendung anriss, wenn Remus ihn in Duellieren brauchte, und der Werwolf den Schülern dann beibrachte, diesen anzuwenden.

Kaum war er nach mehreren Minuten fertig, fing Hermine auch schon wieder an, zum Aufbruch zu drängen: „Kommt Leute, wir kommen sonst noch zu spät!"

Verdammt Sirius, du kannst trotz allem nicht einfach Snape vor Dumbledores Nase verhexen!"

Harry wollte im ersten Augenblick seinen Ohren nicht trauen, als er gemeinsam mit Ron und Hermine – alarmiert durch diesen verärgerten Ausruf – herumfuhr und die steinerne Treppe hinunterstarrte. Ein Stockwerk tiefer hatte Remus Lupin die Hände in die Hüften gestemmt und sich vor Harrys Paten aufgebaut, dessen hochrote Wangen darauf hinwiesen, dass er sich gerade furchtbar aufgeregt hatte; und es noch immer tat.

Der soll froh sein, dass Dumbledore in der Nähe war, sonst hätte ich ihn nicht nur mit einem Schweigezauber entkommen lassen!" schrie Sirius zurück, atmete ein paar Mal tief durch und öffnete die Fäuste, griff nach dem verschnörkelten Treppengeländer und senkte den Kopf.

– „Hör endlich auf, dich von ihm provozieren zu lassen!" redete der Duellierlehrer ärgerlich auf sein Gegenüber ein, achtete nun aber darauf, die Stimme zu senken; es hatten schon einige Schüler aufgesehen, „Das will er doch nur –"

– „Ach nein!" unterbrach ihn Sirius' vor Sarkasmus triefende Antwort, und Harrys Pate schloss die vor Wut noch immer zitternden Hände so fest um das Steingeländer, dass die Fingerknöchel weiß hervortraten, „Seit wann fällt ‚Mensch, Black, fang endlich an mit dem winzigen Teil deines Gehirns oberhalb der Gürtellinie zu denken!' unter ‚Provokation'?" Wütend schlug Sirius mit der Faust auf das Treppengeländer und keuchte vor Schmerz auf, während Remus nur stumm daneben stand, seinen Freund eingehend musterte und ihm ein wenig Zeit gab, sich einigermaßen zu fangen.

„Trotzdem", begann er dann in einem friedlicheren Tonfall, offensichtlich darum bemüht, den Verteidigungslehrer nicht gleich wieder an die Decke zu bringen, „Sieh doch bitte beim nächsten Mal davon ab, in Dumbledores Büro deinen Zauberstab auf Se– ihn zu richten ... was hast du eigentlich dort gemacht, bevor ich dich eingeholt hatte?" ergänzte Remus dann, um die hitzige Diskussion auf ein weniger heikles Thema zu lenken, lehnte sich rückwärts an das Treppengeländer und stützte sich mit den Armen darauf ab; er beobachtete Sirius aufmerksam und wartete ruhig auf eine Antwort.

– „Ich habe Dumbledore gefragt, was das für Beweise sind, die der Tagesprophet erwähnt", gab dieser nach einiger Zeit ruhiger, aber noch immer sichtlich aufgewühlt zu, und sah auf, „und ihm – nicht unbedingt freundlich – an den Kopf geworfen, dass Natasha unmöglich der Spion sein kann."

Skeptisch hob Remus die Brauen – er wusste genau, wie sehr sein Freund damit untertrieb – und verschränkte die Arme vor der Brust: „Und was hat Dumbledore dir darauf geantwortet?"

Ein abfälliges Schnauben, dann starrte Sirius wieder zu Boden und stöhnte, fasste die unangenehme Diskussion widerwillig für seinen Freund zusammen. „... und das ganze mit seinem widerlich mitleidigen, väterlichen Es-tut-mir-so-leid-dass-ich-recht-habe-Blick!" endete er schließlich und seufzte tief, bevor er sich müde über die Augen rieb, während Remus ihn nur eingehend beobachtete.

„Wo warst du eigentlich so lange?" fragte Sirius danach, wandte den Blick zur Seite und hob eine Braue, „Im dritten Stock warst du doch noch direkt hinter mir und hast versucht, mich von dem Besuch abzuhalten."

– „Ich hatte eine kleine Begegnung mit Peeves", gab der Duellierlehrer zurück und zuckte mit den Schultern, steckte die Hände in die Robentaschen und stieß sich vom Geländer ab, „Er hat behauptet, ein paar Schüler wären von der Treppe gefallen. Du glaubst nicht, wie er mich damit erschreckt hat, irgendwie sah er total ernst aus, und ich hab das auf der Stelle überprüft", Remus schnaubte verhalten und schüttelte den Kopf, „Hätte mir denken können, dass er sich nur einen Scherz erlaubt hat – aber was sollte ich tun ... Was wirst du jetzt eigentlich unternehmen?" wechselte er dann wieder das Thema und machte einen eindeutig besorgten Eindruck, als er Sirius nun ansah, „Hat Dumbledore dich überzeugt? ... Hätte ich mir denken können", setzte er leise seufzend hinzu, als der Verteidigungslehrer entschlossen den Kopf schüttelte, kurz überlegte und tief Luft holte.

„Wäre sie eine Todesserin, dann hätte sie sich von dem Treffen ferngehalten", wiederholte Sirius seine Argumentation aus Dumbledores Büro und schob entschlossen das Kinn nach vorne, „Außerdem ist das nicht der einzige Grund ... ich bin nur nicht zu mehr gekommen –" – „Weil du unbedingt Snape verhexen musstest", warf der Werwolf möglichst belanglos ein, verlieh seiner Stimme dabei einen amüsierten Klang und schaute Sirius schief an. Die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten, und als Lupin das verhaltene Grinsen auf dem Gesicht seines Freundes sah, wusste er, dass er sein Ziel erreicht hatte, die Situation zumindest ein wenig zu entspannen.

„Er hatte es verdient", rechtfertigte Sirius sich träge und setzte einen möglichst unschuldigen Gesichtsausdruck auf, zuckte nur müde mit den Schultern. Remus hob skeptisch eine Braue und verschränkte lehrermäßig die Arme vor der Brust: „Du hast nur Glück, dass Dumbledore dich nicht rausgeworfen hat! Der Angriff auf einen Lehrer ..."

– „Ich vermute mal, er war kurz davor", entgegnete Sirius, ignorierte Remus' entsetztes Kopfschütteln und straffte die Schultern, „hat es dann aber doch nicht gemacht, wegen der Aufgabe, die Merlin in seinem Brief erwähnt hat, und weil er wohl so schnell keinen Ersatz als Verteidigungslehrer findet; zumindest nicht, solange Bellatrix hier ihr Unwesen treibt – und warum lässt die sich nirgends blicken, wenn man sich abreagieren will", beschwerte sich Sirius, drehte sich um und lehnte sich mit der Kehrseite gegen das Geländer, zuckte mit den Achseln und kam wieder aufs Thema zu sprechen, „Du hast recht, das war wirklich Glück!"

– „Und aus welchem anderen Grund denkst du nun, dass Natasha keine Todesserin ist?" griff Remus den Aufhänger ihres Exkurses auf und schaute kurz auf seine Armbanduhr, registrierte, dass sie noch ein wenig Zeit hatten und schenkte seine Aufmerksamkeit wieder Sirius.

Dieser überlegte kurz, fixierte dabei einen Punkt in der Wand gegenüber, bevor er sich auf das Geländer setzte und die Beine übereinander schlug: „Als Natasha mich vor Weihnachten durch den Grimmauldplatz gejagt hat, um ihre Schwester zu rächen ... der Hass in ihren Augen, der war echt, von jemandem, der Rache will ..." Sirius hielt kurz inne, bevor er tief Luft holte und Remus' Blick einfing, „Die Todesser wussten schon, dass ich diese Muggel nicht getötet habe. Und Natasha –" Kopfschüttelnd brach Sirius den Blickkontakt ab, befeuchtete sich die Lippen und behauptete überzeugt: „– Natasha hätte diesen Hass nicht in den Augen haben können, wenn sie es gewusst hätte."

Diese Aussage ließ Remus für einige Minuten verstummen, während er darüber nachdachte; Sirius hatte da einen gewissen Punkt, das konnte er nicht abstreiten. Auch dem Werwolf war der eisige Blick in den hellblauen Augen der Spionin aufgefallen, und was sein Freund sagte, baute zwar auf Vermutung und Gefühl auf, klang jedoch logisch. Natashas Schuld schien unanfechtbar ... aber hatten sie das vor vielen Jahren nicht auch von Sirius angenommen? Und sich so sehr geirrt. Zwar hatte Natasha, anders als der Eulen-Animagus, eine Verhandlung bekommen, aber Remus bezweifelte, dass eine solche Sirius damals vor Askaban hätte retten können.

„Was willst du jetzt unternehmen?" wandte er sich endlich leise an den Eulen-Animagus und schluckte. Dieser verzog das Gesicht zu einer grimmigen Grimasse. „Den wahren Spion überführen. Nur so kann ich beweisen, dass sie es nicht war", antwortete Sirius und ein finsterer Schatten fiel auf sein Gesicht; seine Stimme wurde so leise, dass Remus Schwierigkeiten hatte, ihn zu verstehen, und dem Werwolf richteten sich die Nackenhaare auf, als er die stille Wut in der Stimme seines Freundes wahrnahm. Das war kein gutes Zeichen! „Und ich hoffe für ihn, dass er unter dem Imperius steht!"

– „Ich helfe euch dabei!" bot Remus sich nach zwei weiteren Minuten unbehaglichen Schweigens an und reichte Sirius die Hand; er hatte irgendwie das Gefühl, dass er das dem Freund schuldig war.

– „Uns?" entgegnete dieser erstaunt und hob eine Braue, wusste offensichtlich nicht, wen Lupin meinte.

– „Dir und Tonks", erläuterte Remus schlicht, als die Verwirrung nicht aus den Zügen seines Freundes wich, und räusperte sich. „ich nehme an, als Natashas beste Freundin ist sie ist dabei."

Ein schmales Lächeln umspielte Sirius' Lippen, als seine Stirn sich glättete, er die Hand hob und in Remus' einschlug. „Ok", sagte er nur, strich sich einige Strähnen aus dem Gesicht, und dem entschlossenen Funkeln in seinem Blick zufolge überlegte er bereits, wie sie nun weitermachen würden.


-Anmerkung der Autorin-


Nun, das Rätsel um Sirius' Verhalten gegenüber Harry im Training wurde hier leider noch nicht gelöst - es hat einfach nicht in dieses Kapitel gepasst. Aber in Kapitel 18 werde ich sehr ausführlich auf dieses Thema eingehen ;-D
Also bitte viele Reviews, damit ich Motivation zum schreiben bekomme -ggg-