Das nächste Kapitel ist endlich fertig! Gut, ich wollte es nämlich noch unbedingt vor "Harry Potter and the Deathly Hallows" hochladen. Hier bedanke ich mich wieder ganz herzlich für die Reviews, die ich bekommen habe (hat mich sehr gefreut)!
Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass es - leider - wieder ein paar Wochen dauern kann, bis das nächste Kapitel kommt. Ich hab viel Stress mit Klausuren, danach lese ich HP, und dann bin ich in Urlaub. Ich beeile mich aber nach HP mit dem schreiben. Reviews motivieren natürlich immer!
Bisweilen wünsche ich viel Spaß!

Ein Hinweis noch: Die Botschaft im verschlüsselten Brief an Hermine wird in diesem Kapitel enträtselt. Für alle, die sich erst den Kopf zerbrechen wollen!


Wer Wind säht ...


Überall waren dunkle, kalte Wände, die sich drehten und auf ihn zustürzten. Im einen Moment darum bemüht, ihn zu zerquetschen, im nächsten wieder meilenweit entfernt, als hätte er eine ansteckende Krankheit – er fühlte sich krank an.

Schlafen!

Ein schauriges Lachen, das von diesen Wänden widerhallte, irgendwo in seinem Kopf entstand – so grausam vertraut – ihn mit zittrigen Fingern verzweifelt nach einem Kissen greifen und sein Gesicht darunter begraben ließ; eingefallene Augen verdeckte. Muss kämpfen! Doch auch das brachte das Lachen nicht zum Schweigen.

Schlafen!

Das Kissen flog in einem Anflug von Wut in eine Ecke, verfehlte nur knapp die eisige Kälte, die, gehüllt in einen schwarzen, langen Umhang, soeben in das Zimmer glitt – Askaban, war wieder in Askaban –, das Ausbleiben einer Gänsehaut unmöglich machte. Dürre, klebrige Finger, bisher von seidig leichtem Stoff verhüllt, die sich ihm langsam näherten, nach seinem Gesicht tasteten. Kann nicht! Eis, welches ihn von Innen heraus gefrieren ließ – viel zu vertraut.

Er war zu erschöpft, um dagegen anzukämpfen, viel zu müde ... Schlafen!

Stimmen in seinem Hinterkopf wurden unaufhaltsam lauter, Lachen, dazu das Bild eines jungen Mannes mit schwarzem, in alle Richtungen davon statzendem Haar. Er schüttelte den Kopf, außerstande einen klaren Gedanken zu fassen, er wollte schla-

Bilder explodierten, als kalte Finger sich sanft auf sein Gesicht legten, dabei ein Feuerwerk verursachten, als hätten sie sich hineingekrallt.

Harry schreckte hoch.


Nächtliche Stille hatte sich über Schloss Hogwarts gesenkt, und die anderen Schüler waren längst zu Bett gegangen. Hoch oben flackerten Sterne, und schwarze, von silbrigrem Mondlicht geworfene Schatten tanzten schemenhaft über die dunkle Wand in Sirius' Schlafzimmer; ein Blick auf die Uhr teilte Harry mit, dass vor etwa anderthalb Stunden der Samstag angebrochen war, doch obwohl es mitten in der Nacht und dies nicht die erste schlaflose Nacht in der letzten Woche war – und gewiss würde es nicht die letzte bleiben –, hatte es der junge Zauberer einfach nicht über sich gebracht, rechtzeitig vor dem Einschluss in seinen Turm zurückzukehren, im gemütlichen Himmelbett die Augen zu schließen und ins Traumland abzudriften.

Er seufzte und ließ einen weiteren seiner besorgten Blicke durch das Zimmer seines Paten schweifen, der sicherlich nichts dagegen hätte, wenn sie hier übernachteten – aber ebenso sicher würden er und deshalb auch Hermine wieder nicht schlafen können.

So wie Sirius, und Harry seufzte nochmal. Sirius lag nun seit fast zehn Tagen wach, und in sein ausgemergeltes Gesicht zu blicken, zu sehen, wie tief die Augen in den dunkel umrandeten Höhlen lagen, würde ihn selbst dann noch verfolgen, wenn Voldemort längst für diese Nacht davon abgesehen hatte, ihn über ihre geistige Verbindung mit den viel zu wirren Gedanken seines Paten zu quälen – ein Grund, warum Harry genaugenommen auch gar nicht schlafen wollte. Effektive Methode, die Voldemort da entdeckt hatte, wenn auch lange kein Insomnis. Verfluchter Schlafloszauber!

Dass man nicht einschlafen kann, heißt nicht, dass man nicht müde wird. Harry erinnerte sich an diese Passage aus Flüche von Alpha bis Zentauri, hatte den Fehler gemacht, erst kürzlich wieder hineinzuschauen, zu lesen, wie oft Insomnis – nicht umsonst – als Folterfluch missbraucht worden war – irgendein Vizeminister im vorletzten Jahrhundert hatte ihn sogar als vierten Unverzeihlichen deklarieren wollen.

Du hast tagelang nicht geschlafen und bist hundemüde, wälzt dich im Bett herum und willst endlich einschlafen, aber du kannst es nicht! Du hast höllische Kopfschmerzen wegen der Müdigkeit, frierst. Das war die Stelle, bei der Harry meist nicht mehr weiterlas, nicht mehr weiterlesen konnte, denn er wusste, was dann kam.

Irgendwann kann man nicht mehr klar denken, und noch später gar nicht mehr; es sind schon Leute verrückt geworden unter diesem Fluch – wenn sie lange genug durchgehalten haben – ja, dieser Fluch kann tödlich enden. Ein Muggelexperiment, wie lang Menschen höchstens ohne Schlaf auskommen können, wurde nach zehn Tagen abgebrochen; es haben schwere, gesundheitliche Schäden gedroht, da die Testpersonen zu lange nicht mehr geträumt haben.

Die zehn Tage waren fast um – er hatte sich eben selbst wieder davon überzeugen können –, und dazu kam noch diese Nebelwolke, die an Sirius' Stirn kollabiert war; die Voldemort dort hatte kollabieren lassen, und von der Harry immer noch keine Ahnung hatte, was sie bewirken sollte. Die aber definitiv nichts gutes sein konnte, und ihn überkam das Gefühl, dass er dies eben beinahe erfahren hätte – wenn sein Geist nicht wieder eine okklumentische Mauer errichtet hätte, über die er andererseits doch froh war.


Das leere, alt anmutende Pergament, auf dem sich kurz zuvor schwarze, schlanke Linien ausgebreitet hatten und zu einem wahren Kunstwerk an Mustern und Punkten verschmolzen waren, das Harry immer wieder faszinierte, lag vergessen in seiner Hand. Er hatte nachsehen wollen, ob Remus in der Zwischenzeit ins Schloss zurückgekehrt war – Hagrid hatte ihnen erzählt, dass er mit Tonks den Spion enttarnt hatte, ihn hatte verhaften wollen. Aber von dem Werwolf fehlte immer noch jede Spur; auch Remus' Patronus, was sollte es anderes sein als ein großer, silberner Wolf, glänzte allenfalls durch seine Abwesenheit, und von Tonks' Chamäleon hatte sich nicht einmal die Schnauze gezeigt.

Zuerst hatte Harry angenommen, dass die beiden Ordensmitglieder den Spion gefasst hatten und nun einem strengen Verhör unterzogen; aber hätten sie dann nicht Dumbledore dazugerufen? Der immerhin der beste Legilimens des Ordens genannt werden konnte und sich zweifelsohne an seinem Schreibtisch befand.

Nun aber war die Karte des Rumtreibers nicht mehr wichtig, war nicht mehr wichtig seit Hermine behauptete, sie hätte die geheime Botschaft in Argentée Écu... in diesem Brief über Schnuffel entschlüsseln können; behauptet hatte, sie wisse wo Fred und Sirius festgehalten wurden. Zuerst hatte Harry nur leere Taubheit gefühlt, die schnell von Euphorie abgelöst wurde; nun kehrte die besorgte Beklommenheit der letzten Tage zurück, und Harry weigerte sich, seine Hoffnungen zu hoch zu schrauben. Er war nicht bereit für eine weitere Enttäuschung.

„Dieser seltsame Brief, angeblich von einer Bekannten von Fleur, der stammt von Natasha Toleen?" wiederholte er also langsam und starrte die ihm gegenübersitzende junge Hexe aus weit geöffneten Augen an, brach damit die betretene Stille, die sich über den Raum gesenkt hatte. „Wie kommst du darauf, dass Natasha den Brief geschickt hat?" wollte er wissen; Harry hätte Hermine am liebsten umarmt dafür, dass sie ihn aufgeweckt, ihn davon befreit hatte, Voldemort weiter zusehen zu müssen. Hätte sie am liebsten schon wieder umarmt als sie erklärte, diesen seltsamen Brief entschlüsselt zu haben. Doch seine regelrecht euphorische Aufregung ebbte schon wieder ab, denn Hermines eben vorgetragene Schlussfolgerungen schienen zu absurd, ließen ihn verwirrt zurück.

Auf einmal wünschte er sich Ron ins Zimmer, der sicher längst in seinem Bett lag und es nicht schaffte, einzuschlafen. Der sich nicht verzeihen konnte, selbst abwarten zu müssen, während Hermine und sein bester Freund alles taten, um Harrys Legilimentik zu verbessern, ihre Freizeit dafür opferten, dass Harry in Voldemorts Kopf eindringen konnte. Harry wusste wie grausam der Gedanke war, hilf- und nutzlos zu sein. Natürlich kam Ron nicht auf die Idee, dass sich zwischen seinen beiden Freunden etwas entwickeln könnte, darum ging es nicht. Wenn er nur wieder mit ihnen reden würde, wenn alles vorbei war; wenn alles nur endlich gut ausgehen würde.

Hermine erhob sich aufgeregt und lehnte sich vor Harry an den Tisch, zog ein säuberlich gefaltetes Blatt Pergament aus den Robentaschen und ließ den freien Fuß mit dem Teppichboden spielen.

„Fleur hat geschrieben, dass sie keine Argentée Écureuil kennt", erklärte sie dann und fingerte eine ihrer buschigen Haarsträhnen aus dem Gesicht, klemmte sie unbewusst hinters Ohr und zuckte mit den Schultern. „Sie findet es aber witzig, dass jemand so heißt, denn un écureuil argenté ist französisch und beschreibt ein silbernes Eichhörnchen. Wobei silbern in Bezug auf Eichhörnchen männlich ist, der Name aber in der weiblichen Form niedergeschrieben wurde!"

Auf Harrys Stirnrunzeln hin rollte Hermine nur mit den Augen über seinen Mangel an Kombinationsfähigkeit und stemmte eine Hand in die Hüfte, schlug das knisternde Pergament, das der Junge der lebte erst jetzt als den Brief von Natasha erkannte, mit der anderen gegen seine Brust. „Harry! Wie viele Frauen kennst du, die als Patronus ein Eichhörnchen haben? ... Der Brief ist außerdem ein Hilferuf an den Phönixorden", fuhr sie nach einer kurzen Pause fort – Harry kam sich vor als solle er die Gelegenheit erhalten, sich über seine Begriffsstutzigkeit zu ärgern – und zuckte ein zweites Mal mit den Achseln, „Es wird um Unterstützung aus der Hauptstadt Arizonas gebeten – und die Hauptstadt Arizonas, das hab ich vor einigen Stunden nachgeschlagen, ist Phoenix!"

Ron hätte sicher einen beeindruckten Pfiff ausgestoßen, und der junge Zauberer gab dem Freund recht; wirklich gerissen, diese Botschaft, und Harry lauschte wieder Hermine, dankbar, dass sie ein so fesselndes Thema gefunden hatte, um ihn von seinen unruhigen Gedanken bezüglich Nellie Volgonttomb und ihrer nachmittäglichen, besorgniserregend selbstverständlichen Formidilo-Attacke im Gang fernzuhalten; die eigentlich auch nur eine Ablenkung hatten darstellen sollen. Sirius war viel zu lange ein Gefangener des Schwarzen Lords, und Harry schnitt der Dunkelheit eine Grimasse – er begann schon regelrecht die Unterrichtsstunden zu vermissen, in denen Bellatrix Lestranges tägliche Angriffe seinen Paten vom Lehrerpult heruntergeholt hatten, als die Schüler eigentlich einen neuen Zauber lernen sollten.

Nicht, dass sie jede der Stunden von Harrys UTZ-Klasse frühzeitig beendet hätte – genaugenommen geschah dies sogar recht selten –, aber auch bei den Unterbrechungen beim Essen in der Großen Halle, wann immer Bellatrix ihren Cousin zum Kampf herausforderte, hatte Harry Sirius zumindest im Auge behalten können; wenn er nun daran dachte, dass der Pate sich nicht mehr nur einem Todesser gegenüber sah, sondern einer ganzen Horde, und diesmal auch keinen Zauberstab hatte, um sich zu verteidigen ... Vielleicht hatte Molly Weasley doch recht mit dem, was sie ihm über Ungewissheit schrieb.

Mit einer weiteren Grimasse zwang Harry seine Gedanken zurück zu der brünetten Gryffindor, die sich vor ihm aufgebaut hatte – derartige Überlegungen mussten ebenso wie die Frage, ob er nun einen Lehrer einschalten oder lieber selbst noch einmal sein Glück versuchen sollte, um Volgonttomb vor den Dunklen Künsten zu schützen, verdrängt werden. Im Moment war der Hilferuf wichtig, von dem Hermine erzählte – umso mehr als sie denn behauptete, dass er sie zu Fred und Sirius führen würde – und Harry stutzte, überlegte, wie sich einige der Fragen beantworten ließen, die der Brief aufwarf.

Mit Natasha hatte er im Moment wirklich nicht gerechnet. Wie denn auch, immerhin saß sie in Askaban ein, sogar im Hochsicherheitstrakt – wie sollte sie von Sirius' und Freds Entführung wissen? Und für den Fall, dass sie das wirklich hatte aufschnappen können, woher auch immer – wie sollte sie wissen, wohin die Todesser die beiden verschleppt hatten?

„Harry, ich bin mir absolut sicher, dass die Eule von ihr war. Diese Botschaft – die ist viel zu gut durchdacht!" Hermine musste bemerkt haben, wie ihn ihre Aussage verunsichert hatte, versuchte wohl, ihn zu überzeugen und warf damit gleich zwei weitere Fragen in den Raum – woher sollte Natasha in Askaban eine Eule bekommen, und dann noch eine, die so osteuropäisch wirkte? Wie könnte überhaupt ein Askabaninsasse, umgeben von Dementoren, einen solch bemerkenswerten Scharfsinn aufbringen? Harry schüttelte nur den Kopf, wollte Hermines Worte als die einzige Möglichkeit akzeptieren und grübelte doch immer noch; Hermine seufzte, verstand aber auch seine Skepsis.

„Hör mal, Natasha schreibt doch, sie ist unterwegs zu Schnuffel und seinem Zwilling – zu Sirius und Fred", begann sie auf ihn einzureden, und Harry beugte sich vor, folgte aufmerksam jeder ihrer Schlussfolgerungen, während er unbewusst an seinen wie ein weicher Stoffberg auf seinen Knien gelagerten Roben herumfingerte; irgendwann spät abends hatte er dem Drang, die versengt riechenden Stofffetzen herunterzunehmen, nicht mehr widerstehen können.

„Daraus schließe ich, dass Voldemort sie nicht länger in Askaban lassen wollte und sie zu den beiden bringt. Wir waren uns doch schon einig, dass sie nur wegen ihm dort sitzt."

Das würde das Problem lösen, wie sie Natasha aus Askaban holen könnten; sie würden sie mit seinem Paten und Rons Bruder befreien. Was sie zu dem Problem des Aufenthaltsorts der beiden zurückbrachte. „Wo sind also Sirius und Fred?" verlangte Harry zu wissen und wollte seine Finger in etwas Weiches hineinkrallen, sie irgendwie am Zittern hindern, gegen die Aufregung ankämpfen, die mit einem Mal von ihm Besitz ergriff. Auch wenn der Brief viel zu schön anmutete, um wahr zu sein, so wollte er doch hoffen, endlich auf der richtigen Spur zu sein; vielleicht würde er seinen Paten bald wiedersehen.

Hermine lächelte zufrieden, während sie den Brief sorgsam in ihren Robentaschen verstaute, und antwortete mit einer Gegenfrage: „Was für Blumen stellt Rons Mutter immer ins Hauptquartier, Harry?" Dieser stutzte, blinzelte verwirrt in Hermines lauernden Blick. Wieso sollte das von Bedeutung sein? „Narzissen, glaube ich", mutmaßte er und hob die Brauen; Hermine indessen nickte anerkennend und stellte fest: „Schnuffel ist da, wo sich schwarze Narzissen im Büro des Bosses finden! Wo müssen wir Natasha, Sirius und Fred somit suchen?"

– „Hab noch nie gehört, dass es schwarze Narzissen geben soll", murmelte Harry dunkel in seinen nicht vorhandenen Bart und ließ kapitulierend die Schultern sinken; nun jedoch erstarrte er, blinzelte und fuhr dann wie elektrisiert auf, als ihn ein Geistesblitz überrollte: „Narzissa Black!"

– „Richtig", lobte ihn Hermine, gestikulierte aufgeregt und bohrte weiter, „Und wo finden wir Narzissa Malfoy im Schulleiterbüro?"

– „Schloss Durmstrang!" kam die mindestens ebenso aufgeregte Antwort wie aus dem Zauberstab geschossen, und Harry war auf den Beinen, bevor die Worte in seinen Ohren verklungen waren.


Harry hatte keine Ahnung, wo Dumbledore den jungen Mann so schnell aufgetrieben hatte, und es war ihm auch egal. Keine Stunde nachdem Hermine und er den Direktor aufgesucht hatten, mitten in der Nacht, um ihn von seinem Schreibtisch wegzuzerren, stand er neben Kingsley Shacklebolt und beobachtete, wie der suspendierte Auror in einem Berg von schwarzen Roben wühlte, um eine herauszusuchen, die er Harry geben konnte; der junge Zauberer dankte Viktor Krum in Gedanken. Harris Schilderunge zufolge müsse die Gefangene in die Gästequartiere sein. Schloss Durmstrang hat keine Kerker. Hinein kommt nur Direktor mit Passwort und solche, die er autorisiert. Sonst gibt Nebeneingang. Tor öffnet nur für Parselmünde und Schulleiter.

Was ein glücklicher Zufall, dass selbst Dumbledore keinen anderen Parselmund kannte als Harry; Lord Voldemort ausgenommen, und allein der Gedanke war absurd. Gut, dass der Bulgare sich so gut mit seiner ehemaligen Schule auskannte, dass Karkaroff dem jungen Mann so viel anvertraut hatte. Fast als hätte er gehofft, dass Krum einmal die Leitung des Internats übernehmen würde.

„Hier, der dürfte dir passen."Shacklebolt warf ihm endlich eine Robe zu; dem Auroren war überdeutlich anzusehen, wie sehr ihm der Gedanke missfiel, dass Harry das Team begleiten würde, als er ihm eines dieser Visiere reichte, die Harry schon beim Kampf in einem Park Londons zur Weihnachtszeit gesehen hatte, und von denen er immer noch nicht wusste, wieso die Ordensmitglieder sie bei ihren Einsätzen trugen. Er erinnerte sich, wie er sich das gefragt hatte, als er eigentlich versuchte, Nellie Volgonttomb und seine Kameraden aus der Schussbahn dieser Dementoren zu halten.

„Huch", entfuhr es ihm kurz darauf, als Shacklebolts schwarze Roben mit einemmal golden aufleuchteten, und „genial" als er begriff. „Damit unterscheidet ihr unsere Leute von den Todessern!"

– „Während diese erst überlegen müssen, ob unter dem nächsten schwarzen Umhang ein Phönix oder einer ihrer Männer steckt", bestätigte Shacklebolt und rückte sein eigenes Visier zurecht, „Moodys Idee. Mitkommen!"


„Weasley, du passt auf Potter auf!" Shacklebolt instruierte sein Team erst, seit Harry im Krankenzelt verschwunden war um sich die schwarzen Ordensroben überzustreifen, die der Auror ihm gegeben hatte – wie merkwürdig es sich anfühlte, nun endlich zum ersten Mal selbst in diesen Roben zu stecken, die bisher den Erwachsenen vorbehalten waren –, doch er schien schon beinahe fertig zu sein. „Weich ihm nicht von der Seite!"

George nickte grimmig, die Zähne fest zusammengebissen, und Harry musste den Zwilling nicht ansehen um zu wissen, wie sehr ihm die Anweisung missfiel, sich im Hintergrund zu halten. Er hatte von Ron gehört, wie der junge Zauberer ausgerastet war, als man ihn endlich über den Ausgang des Ordenseinsatzes in Kenntnis gesetzt hatte – als seine Mutter seine Gesundheit nicht mehr als Vorwand vorschieben konnte –, wie zorngeschürte Magie ein ganzes Zelt zum Einsturz gebracht und George anschließend Moody angeschrieen hatte, was zum Henker ihn geritten hatte zu glauben, dass die beiden nicht mit ihnen zurückkehren konnten; verständlich, ging es doch um seinen Zwilling. Mitfühlend, verstehend klopfte er dem Rotschopf mit einer Hand auf den Rücken, seufzte.

Keine Frage, dass diese Geste George nicht würde aufmuntern können. Harry selbst missfiel der Gedanke, dass Shacklebolt in ihm einen Jugendlichen mit mangelnder Kampferfahrung sah, der er nicht war, und den George nicht aus den Augen lassen durfte, um einen Babysitter zu spielen, den Harry nicht brauchte! Auch er wollte aktiv werden, mithelfen, die beiden vermissten Ordensmitglieder sicher zurückzubringen.

Was vermutlich der Grund war, weswegen Shacklebolt George zu Harrys Schutz abgestellt hatte – dass der Weasley nichts unüberlegtes unternehmen, so die ganze Operation durcheinanderbringen würde. Dass Harry nichts derartiges unternehmen konnte.

„Mach dir kein Sorge', Schorsch!" Die melodische Stimme Fleur Delacours unterbrach Kingsleys Einweisungen, ließ alle Anwesenden, ausschließlich männlichen Ordenskämpfer aufsehen – Molly Weasley hatte sich nervös in ihr Zelt zurückgezogen, und Andromeda Tonks half Heiler Smethwyck mit Remus; Harry hatte sich regelrecht der Magen umgedreht, als Diggory und Arthur Weasley den stöhnenden Duellierlehrer ein paar Minuten zuvor in die Höhle und ins Krankenzelt levitiert hatten. Smethwyck hätte eigentlich das Team nach Durmstrang begleiten sollen – wie auch immer, Sirius würde auf jeden Fall einen Heiler brauchen –, doch als Andromeda die Planen zum Krankenzelt aufgerissen und um Hilfe geschrieen hatte, da Remus ins Koma gefallen war, wurde spontan umdisponiert; Smethwyck würde hier gebraucht werden, und – im Orden oder nicht – Dumbledore brach auf, um Madam Pomfrey zu rekrutieren.

Harry unterdrückte den Wunsch zu fluchen, wollte sich nicht um einen weiteren Freund sorgen müssen.

Wieder wurde Harry aus seinen Gedanken gerissen, doch dieses Mal von einer weit unmelodischeren Stimme – die er zudem weit weniger rau in Erinnerung hatte.

„Ist Dumbledore noch nicht wieder da?" schimpfte ein blasser Alastor Moody vor sich hin, während er aus dem Krankenzelt taumelte, neben Fleur Delacour zum Stehen kam und sich schwer auf einen der Stühle am Tisch sinken ließ. Trotz seiner offensichtlichen Schwäche, die Harry sofort an den Abend denken ließ, an dem Snape Moody aus seinem eigenen Koffer gerettet hatte – Schande, war das lange her –, nahm er das Team so scharf ins Visier, dass Harry schauderte; er schien keine Absichten zu hegen, sich wieder in das Bett zu legen, aus dem er kam. „Ha, ihr solltet schon lang unterwegs sein!"

– „Unterwegs?" erkundigte sich George mit zusammengekniffener Miene, immer noch sauer auf den alten Mann; auch wenn ihm wohl mittlerweile klar sein musste, dass Moody eigentlich gar keine Wahl gehabt hatte, ergänzte er provozierend, „Wollen Sie uns keinen Ratschlag geben, um Fred und Sirius diesmal aus der Klemme zu helfen?"

– „Nicht so vorlaut, Bengel!" polterte Moody los, kaum dass George zu Ende gespottet hatte, fuchtelte drohend mit dem Finger einer schwarzen, geschrumpelten rechten Hand vor der Nase des Zwillings herum – mit einer Kraft, die Harry dem Ex-Auroren gerade jetzt nicht zugetraut hätte – und bekam prompt einen weit weniger überraschenden Hustenanfall. „Du hast keine Ahnung, wovon du redest!" fuhr er fort, kaum dass er sich beruhigt hatte, und mit einem letzten Schnauben wandte sich der Alte Shacklebolt zu, ohne sich noch einmal nach dem Rotschopf umzudrehen.

Dieser nickte und ging weiter im Text, während Harry sich noch wunderte, was mit den Fingern des berüchtigten Auroren passiert war, die – vermutlich bedingt durch seinen letzten Ordenseinsatz – so abgestorben wirkten. Todesser! Erst Doges Arm, nun Moodys Hand – und Sirius unter dem Insomnis! Kalte Wut breitete sich in ihm aus, schnürte ihm langsam den Hals zu – es wurde Zeit, dass dem ein Riegel vorgeschoben wurde, und es fühlte sich so gut an, dabei zu helfen.

„Noch irgendetwas zu klären?" fragte Shacklebolt grimmig, während Fleur nachdenklich davonschwebte, „Wir warten noch zehn Minuten, vielleicht weniger, wenn Pepples sich früher aus dem Ministerium losreißen kann, dann brechen wir auf!"


Schnee knirschte unter seinen Schuhen, doch Harry verdrängte jeden Gedanken an die plötzliche Kälte. Mit einem Blick grimmiger Entschlossenheit musterte er das große, schwere Tor, das vor ihm und seinen Begleitern aufragte, ließ Georges Arm los und verfluchte die Tatsache, dass er noch immer nicht zu seiner Apparierprüfung gekommen war, denn noch unangenehmer als Apparieren war, dies Seite an Seite tun zu müssen. Krum hatte ihnen erzählt – Harry hatte dies bereits angenommen –, dass Schloss Durmstrang, ähnlich wie Hogwarts, durch allerhand Zauber geschützt wurde, und so trat er vorsichtig einen Schritt auf das vornehme, alte Gemäuer zu, ignorierte den Wind, der ihm kalt um die Ohren pfiff und konzentrierte sich auf die Schlangensprache, die er dank Voldemort ungewollt beherrschte.

Öffnen! zischte es zwischen seinen Schläfen, doch er wusste genau dass er dies laut ausgesprochen hatte. Lees Blick war zu erschrocken, als dass es anders sein könnte.

Nichts regte sich. Keiner der Anwesenden und erst recht nicht das schwere Steintor, das sich gänzlich unbeeindruckt von dem Befehl des jungen Zauberers zeigte. Die Sekunden verstrichen, und Harry befürchtete schon, dass Krum sich geirrt hätte, spürte Wut in sich aufkeimen, die der stürmische Wind nur weiter aufpeitschte. Er wollte hinein, wollte Sirius, Fred und Natasha da raus holen. Allein der Gedanke, dass ein simples Tor ihm den Weg versperren sollte ...

Endlich knarrte etwas, als Stein an Stein rieb, und langsam öffneten sich die schweren Flügel; Harry ließ erleichtert den Atem entweichen, den er angehalten hatte ohne es wahrzunehmen, und seufzte, hob dann den Zauberstab höher, bereit für einen Angriff, der nicht kam. Der schwarze Eingang gähnte ihnen leer entgegen, und als Shacklebolt sich achtsam in Bewegung setzte, folgte Harry dem Leiter des Einsatzes hinein. Hinter ihnen schloss sich das Tor sanft.


So hatte er sich die Aktion eigentlich nicht vorgestellt, und außerdem blieb ihnen nicht viel Zeit! Durch die seltenen Fenster, die sie passierten, erkannte Harry deutlich, dass der Sonnenaufgang vielleicht noch eine halbe Stunde entfernt war, und er verwünschte die Zeitverschiebung, verwünschte das verdammte Labyrinth, in dass sie sich verirrt hatten.

Wenn das so weitergeht, finden wir die drei nie, und er wollte seufzen.Natürlich wurde der Eingang zu den Gemächern der Gäste nicht nur durch ein Tor geschützt, das Parselmünder leicht öffnen konnten, auch wenn diese noch so selten waren – aber eben nicht immer erwünscht.

Ein weiteres Mal schloss er entmutigt die Augen, so wie es aussah würde es noch dauern, bis Shacklebolt den richtigen Weg hindurch gefunden hatte; dieser Irrgarten wurde von mächtigen Zaubern geschützt, die kaum Magie erlaubten, die den Weg weisen sollte – oder diese zumindest erheblich erschwerten –, und neben Harry wurde George langsam ungeduldig, verlagerte sein Gewicht entnervt von einem Bein auf das andere. Immerhin warteten sie bereits seit über fünf Minuten an dieser Weggabelung, und auch Harry wollte am liebsten im Boden versinken. Hätten sie mehr Ordensmitglieder entbehren können, wäre es möglich, das Team zu teilen, aber so ... Wie er es hasste, zu warten.


Schneller, verdammt nochmal!" donnerte es von vorne, und Harry wäre Shacklebolts Anweisung gern nachgekommen, doch es ging einfach nicht. Er keuchte, zwang sich eisern, auf den Beinen zu bleiben – wie dankbar er plötzlich für Sirius' Training war, während er den langen, schwarzen Gang hinaufsprintete – wieso in aller Welt war hier keine Abbiegung? Seine Seite stach, als hätte Pepples oder sonst jemand ein heißes Messer hineingerammt, doch die Lianen der Teufelsschlinge, die sie verfolgte – das Rascheln ihrer sich nähernden Todesfallen – motivierten enorm, die Schmerzen zu ignorieren. Verdammt; mit Flammenzaubern könnten wir die einfach wegpusten!
Schmerz schoss durch seinen Oberarm, holte ihn abrupt aus seinen Gedanken – die Teufelsschlinge lag weit genug hinter ihnen zurück, so dass er sich wieder über die Verzögerungen ärgern konnte (nur leises Seitenstechen erinnerte noch an den unangenehmen Zusammenstoß), und Harry keuchte auf, schüttelte den Kopf und öffnete die Augen. Direkt neben ihm schlug eine Mauer mit ohrenbetäubendem Lärm gegen eine Wand des Labyrinths – eben dort, wo er selbst bis vor einem Moment noch gestanden hatte, und der junge Mann atmete tief durch, zwang seinen Blick nach rechts.

Altair Pepples lockerte den eisernen Griff um Harrys Arm, zuckte mit den Achseln, und Harry nickte dankend, rieb sich die schmerzende Schulter und folgte Pepples dann um die nächste Ecke, wo Shacklebolt und die anderen schon warteten. „Aufpassen, Bengel!" knurrte Diggory nur, während Kingsley sich bereits wieder in Bewegung setzte, endlich wusste, ob er nach links oder nach rechts musste.


„Pass auf, Harry!"

In seiner Konzentration hätte Harry nicht einmal sagen können, ob der erschrockene Ausruf von Lee oder George gekommen war; er war zu beschäftigt, balancierte vorsichtig sein Gewicht aus. Dann, endlich, fühlte er sich bereit, wieder Anlauf zu nehmen, sprang – und landete auf einer weiteren Plattform, versuchte, seinen Schwung abzufangen – und scheiterte, ruderte verzweifelt mit den Armen in der Luft und stürzte in die Tiefe. Das war's.

„WAH!"

Was ein Glück, dachte Harry und seufzte – dankbar, dass er die Kante der Steinsäule noch zu fassen bekommen hatte. Er spannte die Muskeln, wuchtete sich ein wenig nach oben – gut, jetzt konnte er sich mit beiden Händen festhalten. Harry fand mit den Schuhen Halt und stemmte sich zurück auf die Plattform. Irgendwie wunderte es ihn bemerkt zu haben, dass der zweite Schrei diesmal eindeutig von Lee gekommen sein musste.

Ein flüchtiger Blick auf Shacklebolt – hatte er es sich doch gedacht, der Auror sah aus, als würde er lieber Voldemort gegenüberstehen anstatt noch einmal zu erlauben, dass Harry über die Felssäulen auf die andere Seite des Weges springen würde, um einen Schalter zu betätigen, der eine Brücke für seine Kameraden herunterlassen musste. Harry hatte sowieso all seine Überredungskünste gebraucht, um die erste Erlaubnis zu bekommen – und er war fest entschlossen, nicht zu versagen, fest entschlossen, seinen Teil beizutragen, um Sirius und die anderen zu retten. Fühlte er sich doch immer noch schuldig ob ihrer Gefangennahme, und deswegen würde er nicht abstürzen. Er durfte einfach nicht!

Natürlich hätte Shacklebolt ihm die Erlaubnis verweigert, hätte er dem Teamführer nicht versichert – versprochen –, in Sirius' Training jeden Tag über vergleichbare Abgründe zu springen ohne hinab zu fallen – auch wenn er im Raum der Wünsche sehen konnte, wohin er fiel, den Boden erkennen konnte. Und natürlich hätte Kingsley nicht zugesagt, hätte Harry nicht verschwiegen, dass die Entfernungen der Plattformen in seinem Training geringer ausfielen – nun, er hatte wohl doch gewisse Ähnlichkeiten zu seinem Vater, oder vielleicht war das auch einfach nur Sirius' Einfluss. Harry schnaubte, dieses Labyrinth, mit all seinen Fallen, erinnerte ihn immer stärker an das Trimagische Turnier.

Wieder konzentrierte Harry sich, atmete tief durch und nahm Anlauf. Muskeln spannten sich an, als er sprang, all seine Kraft in den Absprung legte.


Das war's. Eine Mauer. Grau, hoch und undurchdringlich, und sie wussten genau, dass sie da durch mussten. Shacklebolt hatte es endlich geschafft, den Vier-Punkte-Zauber durchzuführen. Zumindest gut genug für eine kurze Ortung der Gefangenen.

„Wie soll es jetzt weitergehen?" fragte Lee hohl, unsicher, und Harry warf dem Freund einen Blick zu, „Sollen wir einen anderen Weg suchen?"

– „Negativ, das ist der Ausgang", erklärte Kingsley, schien sich seiner Sache sehr sicher, und er wandte sich Harry zu, hob eine Braue, „Würdest du?"

Einen Moment lang wusste der junge Mann nicht, was der Auror ihm sagen wollte, und verwirrt zog er die Stirn kraus. Dann dämmerte es ihm, und ein freudloses Grinsen erhellte sein Gesicht, während er sich wieder auf die Sprache der Schlangen konzentrierte, der Wand ein möglichst gebieterisches „Öffnen!" entgegenzischte. Lautlos erschien ein Durchgang, gab den Blick auf einen Korridor mit alten, blank polierten Rüstungen frei.


Die Todesser waren direkt in sie hinein gerannt, Jugson und Goyle, und bevor sie sich versahen, lagen sie auch schon bewusstlos an der Wand. Harry knurrte zufrieden, wandte sich der Tür zu, durch die die beiden eben den angrenzenden Raum verlassen hatten, doch Kingsley bedeutete ihm, im Hintergrund zu bleiben, bedeutete George, bei Harry zu bleiben und auf ihn aufzupassen, während er mit Pepples, Diggory und Lee den Sturm auf den Raum vorbereitete, in dem Sirius und Fred gefangen gehalten wurden.

„Damit das klar ist", wisperte Harry dem Zwilling entschlossen zu, verärgert, dass Shacklebolt ihn wieder und wieder wie ein kleines Kind behandelte, „Ich werde auf keinen Fall hier warten und die anderen das allein machen lassen. Wenn du auf mich aufpassen willst, dann musst du mich wohl begleiten!" und er zückte hinter dem Rücken seinen Zauberstab, wandte den Blick von George ab, der aussah, als hätte man Weihnachten nun doch nicht abgesagt, und wartete ungeduldig, bis Shacklebolt das Startzeichen gab. Der dunkelhäutige Auror ging neben Pepples in Stellung, signalisierte Jordan und Diggory, die die beiden flankierten, dass es jetzt schnell gehen musste.

Immerhin hatten sie keine Ahnung, wie viele Todesser sie gleich überraschen würden.

Mauer dematerialisierte, Harry hatte den Gedanken kaum zu Ende gedacht, und Kingsley ließ das Zimmer stürmen. Ein flüchtiges Nicken in Richtung George, dann setzte auch er sich in Bewegung, hechtete in den Raum. Flüche surrten über seinem Kopf, verfehlten nur knapp. Jetzt hatte Harry den ersten Todesser entdeckt, „Lacanum Inflamare!", einer der Carrows legte auf Lee an, „Animo Relictus!"

Allmählich verzog sich der Dunst, den der Sturm der drei ehemaligen Ministeriumsangestellten verursacht hatte, und Harry stellte mit grimmiger Erleichterung fest, dass keiner der Todesser mehr auf den Beinen war. Langsam erhob er sich aus seiner Hocke, übersah die Vorhänge, die er in Brand gesteckt hatte, erblickte Fred, den Diggory gerade von einem der Betten hochzog; George und Lee hatten sie schon fast erreicht – aber wo war Sirius?

„Wenn Sie die Freundlichkeit hätten, Ihre Zauberstäbe wegzulegen, meine Herren?" erklang eine kalte Stimme vom Ende des Zimmers, und Harry fuhr mit gehobenem Zauberstab herum, sah Narzissa Malfoy und ihren Mann Lucius, die gerade die angrenzende Toilette verließen, gefolgt von einem Dementor; Lucius schleifte Sirius vor sich in den Raum – und Narzissa hielt seinem Paten ihren biegsamen Birkenstab an die Kehle!

Harry schnappte nach Luft, trat unwillkürlich einen Schritt vor – fegte Shacklebolts Hand beiseite, die ihn aufhalten wollte – übersah seine Kameraden, die sich anschickten, Malfoys Aufforderung nachzukommen – „Lass ihn los!"

Die blonde Schulleiterin hob teils überrascht, teils amüsiert eine Braue – arrogantes Miststück! – und Harry platzte der Kragen.

Die sollte ihre dreckigen Finger von Sirius lassen! Sein Pate sah noch schlimmer aus, als Harry befürchtet hatte – hager und erschöpft und einfach nur krank – der Dementor tat sein Übriges; oh, und wie er wütend wurde. Es war wie ein Gewitter, in dem sich seine in der letzten Zeit angestaute Wut auf einmal entlud. Bevor Harry auch nur einen klaren Gedanken fassen konnte – Folter – Zorn schnürte ihm die Kehle zu.

Ohrenbetäubender Donner hallte durch das Zimmer, die beiden Malfoys riss es von den Füßen, und während Narzissa rücklings gegen die tapezierte Wand schlug, fiel Lucius hintenüber auf den Teppich und blieb dort liegen.

Shacklebolt schaltete als erster und schloss den Dementor in die Toilette ein, in die er zurückgewichen war, dann entwaffnete er die beiden Todesser, während Harry auch schon an Sirius' Seite war, den Blick entsetzt über weiße, eingefallene Wangen und dunkle Augenringe wandern ließ. „Sirius", flüsterte er sanft, strich dem Paten behutsam eine Strähne aus der Stirn und schüttelte ihn vorsichtig, atmete schließlich auf, als Sirius' Lider flackerten; zwar müde, doch er reagierte, öffnete die Augen. Dann aber gefror dem jungen Zauberer das Blut in den Adern.

„James?" fragte Sirius, die Stimme so schwach und heiser, dass Harry erst glaubte, sich verhört zu haben. Natürlich hatte er sich verhört, immerhin war sein Vater tot – Harry schluckte den Kloß runter, der sich in seinem Hals gebildet hatte – wieso dachte Sirius ... ?

„… James ..."

Zitternd sog Harry die Luft ein, schloss für einen Moment die Augen, konnte, wollte nicht begreifen was hier vor sich ging – doch eigentlich war dies offensichtlich. Er schüttelte den Kopf, um die aufkeimenden Befürchtungen zu vertreiben, schüttelte seinen Paten, dass er endlich aufhörte. „Ich bin Harry, Sirius!"

Bilder explodierten, als kalte Finger sich schwach um seine Unterarme schlossen, dabei ein Feuerwerk verursachten, als hätten sie sich hineingekrallt, und Harry musste mit ansehen, wie Peter vor ihm kniete, unterwürfig, und seine Eltern an Voldemort verriet! Dann wurde sein Vater von einem grünen Lichtblitz niedergestreckt, sank reglos zu Boden, der verzweifelte Ausdruck, die Sorge um seine kleine Familie auf dem Gesicht erstarrt. Lily, der stumme Tränen über die Wangen liefen, während sie ihn panisch mit sich überschlagender Stimme anflehte, doch ihren Sohn zu verschonen. Ein grünes Leuchten – er selbst ...


Verflucht sei die geistige Verbindung zu Lord Voldemort, der ihm immer wieder die wirren Gedanken seines Paten gezeigt hatte, verdammt sei Sirius' Trank, seinen Geist zu öffnen sowieso Dumbledores Legilimentikunterricht. Verdammt sei der Dementor im WC.

Das also hatte diese weiße Wolke zu bedeuten, die Voldemort an Sirius' Stirn hatte kollabieren lassen!

Erinnerungen, Erinnerungen an seinen Vater und seine Mutter, an Harry selbst – Erinnerungen die nicht die seines Paten waren, doch die ihn mehr folterten als es seine eigenen je gekonnt hätten. Insomnis, keine Möglichkeit, in den rettenden Schlaf zu fliehen!

Diese Bestie, die sich Voldemort schimpfte – Harry fehlten die Worte, fehlte die Kraft, sich aus dem Strudel aus Zorn und Hass und Sprachlosigkeit zu befreien, in dem er plötzlich gefangen war.


Narzissa Malfoy kämpfte sich auf die Beine, röchelte nach Luft, doch Harry bemerkte sie nicht. George und Diggory hoben einen mit blauen Flecken übersäten, humpelnden Fred vom Bett, doch er sah sie nicht. Selbst als die Direktorin der fremden Zauberschule nach einem Kelch auf einem nahen Tisch langte, ihn zitternd, gierig leerte, stierte Harry noch immer Sirius an, dessen Kopf auf seinen Knien lagerte – fassungslos, reglos, er musste hier weg. Nur weg, zurück ins Hauptquartier, fort von diesem widerlichen Ort.

„Wir verschwinden!" herrschte er Kingsley an ohne sich umzusehen, zückte den Zauberstab und richtete ihn auf Sirius. Merkwürdig distanziert erhob Harry sich aus seiner Hocke, so als würde er sich selbst dabei zusehen, wie er Sirius levitieren wollte. Damit wäre Shacklebolt zufrieden – immerhin konnte Harry so nicht kämpfen – und Dumbledore musste endlich den Insomnis brechen; undenkbar, dass ein weniger mächtiger Mann Voldemorts Schlafloszauber würde aufheben können.

„Moment noch, Harry!" Beschwichtigend legte Kingsley ihm eine Hand auf die Schulter, drückte kurz zu, bevor er auf Lucius Malfoy zuhielt, der noch bewusstlos am Boden lag, sich dann im Schneidersitz neben den Todesser setzte und dessen Gattin musterte. Blass lehnte sie an einer Wand und starrte so teilnahmslos wie kalt zurück.

Harry wusste, dass er sich über die Verzögerung ärgern sollte, dass ihn Malfoys eisiger Blick ärgern sollte, doch es schien, als hätte er selbst dafür keine Kraft mehr, und so hielt er nur seinen Zauberstab auf Sirius gerichtet, hielt seinen Paten in der Luft.

„Wir suchen Natasha Toleen", fing Shacklebolt höflich an, an Narzissa Malfoy gewandt, und hob eine Braue, „Wenn Sie uns bitte sagen könnten, wo sie sich befindet?"

Natasha! Verflucht, die hatte Harry total vergessen, hatte seit sie diesen Raum betreten hatten keinen Gedanken mehr an die braunhaarige Frau verschwendet. Dabei hatten sie es vor allem ihr zu verdanken, dass sie Sirius und Fred hatten finden können – dass sein Pate bald, endlich, von diesen Erinnerungen befreit werden würde (vielleicht könnte Dumbledore auch ihm selbst helfen, diese Erinnerungen wieder zu vergessen, wenn Harry das überhaupt wollte) –, doch selbst wenn nicht, verdiente sie es nicht, Voldemorts Launen ausgesetzt zu werden; Harry erwachte aus seiner Trance, Sirius würde nicht wollen, dass sie seine Freundin im Stich ließen.

„Wo ist Natasha?" fuhr er Malfoys Mutter also an, als diese keine Anstalten machte, Shacklebolt zu antworten, und es kümmerte ihn kein bisschen, dass nun endlich einmal einer der Todesser unter dem Blick eines Gegners – seinem Blick – erzitterte; wurde auch Zeit!

Als dann Shacklebolt der Schulleiterin letztendlich drohte, sie würden ihren Gatten gefangen nehmen, wenn sie sich weiterhin so unkooperativ verhielt, zeigten die Bemühungen der beiden Teammitglieder endlich Wirkung.

„Toleen ist nicht hier. Der Dunkle Lord hat von Ihrem Übergriff erfahren und befohlen, sie nicht hierher, sondern an einen anderen Ort zu bringen", erwiderte Malfoy wütend, zwang sich auf die Beine – darum bemüht, ihre Würde zu wahren – und verzog verächtlich die Mundwinkel.

– „Tatsächlich?" entgegnete Harry angriffslustig, mindestens genauso verärgert, und hakte nach, „Und deswegen hat er wohl auch keine Unterstützung geschickt?"

– „Oh warte nur, Bursche! Euer wird sich der Dunkle Lord selber annehmen!" Jetzt erschrak die blonde Frau über ihre eigenen Worte und hielt sich eine Hand vor den Mund; dann, als der blanke Hass in ihren Augen aufblitzte, schien sie etwas zu begreifen, holte aus und spuckte Shacklebolt ins Gesicht. „Ihr habt meine Verbrennungen ausgenutzt, mir Veritaserum unterzujubeln!"

– „Und es hat funktioniert. Schau nicht so verdattert, Harry. Weg hier, bevor Voldemort auftaucht!"


Wieder Seitenstechen, als die Ritterrüstungen an ihnen vorbei flogen, und Harry wäre erleichtert gewesen, dass es diesmal nach draußen ging – wenn ihnen die größte Gefahr nicht noch bevorstünde.

Was vermutlich der Grund für das beachtliche Tempo war, das Shacklebolt vorlegte, zusammen mit Jordan, dem Harry nie zugetraut hätte, so ausgezeichnet konditioniert zu sein. Diggory folgte mit Fred, und Harry musste dauernd aufpassen, Cedrics Vater nicht auf die Fersen zu treten. Ein Umstand, der George und Pepples hinter ihm bestimmt ähnlich ging.

Eine Präsenz kratzte am Rand seines Bewusstseins, brachte Kälte mit sich, und Harry fröstelte, musste nicht erst nachdenken, wen er da getroffen hatte. Automatisch schirmte er sich gegen den Eindringling ab – er würde Voldemort nicht die Arbeit abnehmen, sie zu lokalisieren –, fuhr seine okklumentischen Schilde hoch und korrigierte die Zauberstabhand; Sirius schwebte viel zu nahe an eine der Ritterrüstungen heran.

„Wir müssen uns beeilen!" teilte Harry Shacklebolt zwischen zwei Atemzügen mit, bereit, das Tempo zu erhöhen wenn der Einsatzleiter das Zeichen dazu gab. Ein Glück, dass sie die Malfoys in diesem Raum eingeschlossen hatten – bewusstlos. Die beiden würden sie zu gerne ausliefern, wenn sie könnten.

Da plötzlich, ein Schauer rann Harrys Rücken hinunter, so kalt wie der Schnee, auf dem sie vorhin appariert waren. Ein Blick, so glühend intensiv, dass er sich direkt in ihn hineinbohrte – er keuchte, warf sich herum; beinahe wäre George in ihn hineingerannt – doch da war nichts, kein Schatten und erst recht keine Augen, und Harry fröstelte.

„Schneller!" rief er, die Stimme reine Angst, und hatte bereits wieder die Formation geschlossen, als er wagte, seine Gedanken laut auszusprechen: „Wir werden verfolgt."

Wenn sie nur Elphias Doge und Madam Pomfrey erreichten, die schon mit einem Portschlüssel vor dem Schloss auf sie warteten – und das am besten, bevor sie Voldemort begegneten, überlegte Harry, während er über schwarzen Teppich rannte, hoffte, dass der Heilerin genügend Zeit blieb, Sirius bereit für einen Portschlüsselsprung zu machen – an die Alternative wollte er keinen Gedanken verschwenden.

Zum Glück musste Madam Pomfrey sich nicht auch um Fred kümmern, der zwar geführt werden musste, sich mit ein wenig Unterstützung aber auf den Beinen halten konnte. Eine Tatsache, die ihn vermutlich am Leben gehalten hatte, brachte er doch immerhin den Nutzen einer lebendigen Zielscheibe mit, mit der die Todesser üben konnten; ein Glück, dass der nächste Vollmond und somit Greyback noch nicht über dem Rotschopf hereingebrochen waren.

Harry bog um eine Ecke in einen breiten, langen geraden Korridor, hob skeptisch die Brauen, stand bereits, als Shacklebolt das Zeichen zum Anhalten gab. Eigentlich sollten sie gerade den Irrgarten betreten haben, durch den sie sich so mühsam einen Weg gesucht hatten; der junge Zauberer hatte schon erleichtert daran gedacht, wie Pepples ihren Rückzug mit hartnäckigen Markierungen beschleunigt hatte – Standardverfahren für Auroren, darin bestand für ihn kein Zweifel. Doch da waren keine Kreuzungen und Irrwege, nur alter Teppichboden und düstere Wandgehänge; ein Weg, der so sehr nach einer Falle stank, dass einem übel werden konnte.

„Hier können wir nicht durch!" Shacklebolt, eisern beherrscht, und Harry wollte fluchen, warf ihrem Anführer hilflose Blicke zu. Ihr Verfolger hatte sie beinahe erreicht!


Es gab nichts schlimmeres, als zu warten. Auf den Kampf, von dem man wusste, dass er unausweichlich sein würde.

Langsam sog Harry die Luft ein, öffnete die Augen. Er fühlte sich bereit, hob den Zauberstab, erwartete was kommen musste. Nur Sekunden noch, lange Sekunden, in denen Shacklebolt letzte Anweisungen gab, Harry ermahnte, ruhig zu bleiben – doch er fühlte sich bereits ruhig, angespannt zwar, fast schon überspannt, aber entschlossen, dem zu trotzen, was gleich über sie hereinbrechen würde.

Für Sirius, Fred und die Gruppe; Jordan machte den Eindruck, als würde er gleich in Ohnmacht fallen, so blass war er. Andererseits biss er die Zähne fest zusammen, wirkte so entschlossen wie sie alle, und Harry fasste wieder den vor ihnen liegenden Gang ins Auge, versuchte, in der Dunkelheit den Feind zu entdecken, bevor er auf Zauberstabreichweite heran war.

Zischen und Fauchen, dann schoss er um die Ecke, richtete sich drohend vor ihnen auf. Vier Meter majestätischer Schlangenkörper, so schön wie gefährlich, mit Augen, dunkel funkelnd wie der Diamant an seinem Schwanz, die sich erbarmungslos in die Ordenskämpfer hineinbohrten; Nagini.

Voldemorts Haustier hatte sie entdeckt – die Schlange würde es sicher kaum erwarten können, die langen Fangzähne in sie hineinzujagen, ihn und seine Gefährten Stück um Stück zu zerreißen.

Eigentlich hatte Harry angenommen, zwei Auroren und vier weitere Zauberer würden es schaffen, dieses Vorhaben zu vereiteln. Als schwarze Augen rot aufleuchteten, die silbernen Ritterrüstungen links und rechts zum Angriff übergingen, wusste er, dass er sich irrte, und es kam noch schlimmer. Voldemort hatte sie gefunden, wieso sonst hätten Naginis Schlangenaugen so kurz so rot aufleuchten sollen? Sie musste sich beeilen.

Impedimenta!"

Während Diggory neben ihm mit einer der Rüstungen beschäftigt war, hatte Harry also seinen Zauberstab auf Nagini gerichtet und einen Volltreffer gelandet; von dem sich die riesige Schlange leider vollkommen unbeeindruckt zeigte. Auch Pepples' Ganzkörperklammer (mit der der Auror ohne Probleme jeden Riesen auf die Matte geschickt hätte) prallte einfach an der Schlange ab, und Shacklebolt war so sehr durch seine beiden Ritter abgelenkt, dass er ihnen und Lee mit Nagini nicht wirklich helfen, allenfalls den einen oder anderen flüchtigen Zauber auf sie werfen konnte – Harry wollte fluchen, laut und farbenfroh, doch gerade eben hatte er dafür wirklich keine Zeit, denn da war eine Schlange, die erneut zum Angriff überging.

Laceratus!" donnerte er dem massigen Körper entgegen, der sich so elegant um seinen Fluch herumwand, dass Harry vor Wut aufschrie. „Alles ok mit dir?"

Lee war an seiner Seite erschienen, einer der wenigen Anwesenden, die nicht damit beschäftigt waren, Fred und Sirius vor den mit dicken Schwertern bewaffneten Rüstungen zu schützen. Allein Shacklebolt, der seine beiden Ritter in der Zwischenzeit an Pepples übergeben hatte, half ihnen bei Nagini, und würde der dicke Schlangenleib Lee und ihn nicht von dem suspendierten Auror trennen, hätten sie sogar eine Strategie entwerfen können – die bitter nötig war, soviel schien sicher.

Stupor!" Lee, und gleichzeitig Harry: „Immobilito!"

Zwei kraftvolle Zauber, die nun doch immerhin ausreichten, um bemerkt zu werden; Nagini fauchte laut auf, warf ihren Schlangenkopf wild herum und schnappte zornig nach den beiden Zauberern. Die bereits damit gerechnet hatten, und sie tauchten in unterschiedliche Richtungen ab. Harry rollte sich ab, kam in der Hocke hoch – gerade als irgendwo rechts ein leises ‚Plopp' erklang, zwischen all dem Schwertklappern und Zischen und Fauchen beinahe unterging –, und er warf den Kopf herum, sprang auf die Beine.

Da stand Lee, mitten in dem Gang, den sie eigentlich hatten meiden wollen – der Schwung seines Ausweichmanövers musste ihn hineingetragen haben –, und schrie. Wie am Spies, und Harry keuchte entsetzt auf, als sich tatsächlich ein Spies durch den Unterarm des Freundes bohrte, einfach darin stecken blieb.

Mühsam schwankte Jordan näher, hinaus aus der Falle des Ganges, der einst ein Irrgarten gewesen war, und sank kraftlos auf die Knie, gerade als Harry den jungen Mann erreichte, nach dem Pfeil greifen und ihn herausziehen wollte. „Nein!" raunte Lee, hielt Harry mit der freien Hand auf und schüttelte müde den Kopf, „... Gift!"

Dann sank er endgültig in sich zusammen.

Wie von Sinnen riss Harry an den Ärmeln seiner Roben, schlang sich die verschwitzten Stofffetzen um die Hände und zerbrach das Holz in Lees rechtem Arm in zwei Teile, befreite den Freund dann so schnell wie möglich von den Stücken des vergifteten Pfeils. Hinter sich hörte er Nagini raunen; die Schlange machte sich bereit für einen neuen Angriff, und bevor Harry begriff, was er da zu tun gedachte, hatte er die beiden Pfeilstücke bereits tief in den majestätischen Schlangenkörper gestoßen.

Klirr! Splitter schossen durch die Gegend, als der Diamant, der Naginis Schwanz schmückte, in Dutzend Teile zerbrach; ein letztes Mal bäumte sich die riesenhafte Schlange auf, zuckte im Todeskampf, dann brach sie ähnlich wie Lee zusammen, rührte sich nicht mehr, und Harry wusste, dass Nagini tot war, noch bevor er seine Narbe schmerzen, die beispiellose Wut Voldemorts durch seine Adern strömen fühlte.


Adrenalin hatte ihn die halbe Nacht lang wachgehalten, Zeitmangel hatte ihn daran gehindert, großartig über das Geschehen nachzudenken; jetzt wollte er nur noch ins Bett, wollte dass die Kopfschmerzen endlich aufhörten. Wünschte sich, vor seinen Grübeleien in den Schlaf fliehen zu können, und wirklich, es gab viel zu grübeln. Viel, vor dem man fliehen konnte.

Dass Fred und Sirius sich auf dem Weg der Besserung befanden, stellte zur Zeit eigentlich den einzigen tröstlichen Gedanken dar, und Harry war noch immer in Sorge. Gut, Dumbledore hatte den Insomnis Voldemorts brechen können, und Sirius schlief längst tief und fest, und – dank Trank – traumlos, und er würde sich erholen; die Erinnerungen an die letzten Sekunden von James und Lily Potter (Voldemorts Foltermittel) würden Sirius jedoch erhalten bleiben, und das machte Harry rasend vor Wut. Irgendwie dankte er dem Schulleiter, dass er die geistige Gesundheit seines Paten nicht bei dem Versuch riskierte, die unerwünschten Erinnerungen wieder zu entfernen. Andererseits würden sie Sirius sicherlich noch eine Weile belasten; schwer zu glauben, dass er sie alsbald ignorieren konnte – und selbst wenn, eigentlich lag diese Entscheidung bei Sirius, und sie mussten warten, bis er aufwachte. Ohnehin würde dies nicht die einzige Narbe sein, die sein Pate zurückbehielt.

Resigniert seufzte Harry, ihm setzten diese Erinnerungen ebenfalls zu – auch wenn er irgendwie begrüßte, seine Eltern gewissermaßen wiederzusehen; wie wenig sich doch seit seiner dritten Klasse verändert hatte, diesbezüglich, seit er den Patronus gelehrt bekam und doch nicht überzeugt war, ob er ihn wirklich lernen wollte, anstatt weiterhin den Stimmen seiner Eltern zu lauschen. Außerdem stand ihm die Möglichkeit offen, in einen Schlaf zu fliehen, der ihn vor dem Wahnsinn bewahren würde.

Wirklich, da war viel, was einem Bauchschmerzen bereiten konnte; Remus zum Beispiel, im Koma – Smethwyck hatte ihn mittlerweile stabilisieren können, doch er weigerte sich strikt, Aussagen darüber zu machen, ob der Duellierlehrer je wieder erwachen würde – und Tonks vermisst; Andromeda tat ihm leid, die sich viel zu sehr hatte beherrschen müssen, um bei dieser Nachricht nicht einfach zusammenzubrechen.

Voldemort würde Nagini rächen. Harry wollte gar nicht daran denken, was der Schwarze Lord sich dafür ausdenken würde – nicht, dass Nagini nicht endlich dort war, wo sie hingehörte. Er hoffte, dass Natasha das nicht ausbaden durfte – die leider noch immer in Voldemorts Gewalt war.

Sein Blick glitt nach rechts, zum riesigen Eingangstor in die Große Halle, wo Dumbledore und Moody in ein angeregtes Gespräch vertieft waren, von dem er kein Wort verstehen konnte; die beiden ungleichen Männer – der eine viel zu gutgläubig, der andere ein paranoider, brillanter Taktiker, der immer noch recht angeschlagen wirkte und nun in den Krankenflügel von Hogwarts verlegt wurde, weil Smethwyck mehr als genug zu tun hatte – hatten sich an den Gryffindor-Tisch gesetzt und stellten die einzigen Anwesenden über zwanzig dar.

So früh befand sich noch niemand in der Großen Halle außer ihm selbst, Hermine, Viktor und George. Und natürlich Fabienne, die Dumbledore persönlich geweckt hatte, sobald die Gemeinschaftsräume wieder betretbar wurden. Wie jeden Morgen. Harry beneidete den Zwilling nicht um seine Aufgabe.

Resigniert wandte er sich ab, als Fabienne aufheulte und sich in Georges Arme warf; auch Hermine und Viktor zogen sich zurück, schenkten den beiden die Privatsphäre, die Momente wie dieser verdienten. Immerhin war Fabienne Lees Schwester.

Die Minuten vergingen, keiner wagte die niederdrückende Stille zu brechen; nur Fabienne heulte hemmungslos, beachtete sie überhaupt nicht, und Harry konnte es ihr nicht verdenken. Wäre Remus' Einsatz zur Enttarnung des Spions nicht so katastrophal verlaufen, hätten sie Smethwyck entbehren können, wäre vielleicht alles anders verlaufen. Auch wenn dieser der Spion war, er hätte alles tun müssen, um Lee zu retten, für seine Tarnung, und der Gedanke an den Freund schmerzte.

Einerseits hätte ihre Flucht aus Durmstrang nicht knapper ausgehen können – noch immer konnte Harry Voldemorts finsteren Blick im Rücken spüren, als sie mit dem vorbereiteten Portschlüssel verschwanden, kaum dass er freies Schussfeld hatte, schaffte es nur mit Mühe, die okklumentische Mauer aufrecht, blanken Hass von sich fern zu halten –, aber dennoch ... Vielleicht hätten sie Smethwyck die Zeit beschaffen können die er gebraucht hätte, um Lee zu behandeln.

„Harry, bitte!" Hermine, und der junge Mann war für ihre mitfühlenden Worte dankbar, als sie schluckte, ihm sanft eine Hand auf den Arm legte. „Ein Gift, das stark genug ist, Nagini nur in Sekunden zu töten ... Lee hätte keine Chance gehabt!" Tief in seinem Inneren gab Harry ihr sogar recht. Aber andererseits hätte es doch etwas geben müssen, irgendetwas! Er weigerte sich, den Gedanken zu akzeptieren, dass Freunde starben und er selbst daneben stand, ohne etwas tun zu können.

Ein Blick zu George, der Fabienne nach wie vor im Arm hielt, so bedrückt aussah, wie sie alle sich fühlten. Traurig schloss Harry die Augen; George hätte Lee nie zurückgelassen, hatte so viel riskiert, den so lebhaften Jungen mit den Rastalocken mitzubringen, der Jordan in Harrys Erinnerung immer bleiben würde.


„Sag mir, was du siehst, Alastor!" Zauber schirmten ihre Stimmen vor den Kindern ab, die eigentlich noch viel zu jung waren, sich so gar nicht hier befinden sollten – Krieg war nichts für Kinder, doch leider ließ Tom ihnen keine Wahl; hatte es wieder einmal geschafft. Naginis Ableben wäre früher oder später notwendig geworden – doch der Preis war zu hoch; im Krieg war der Preis immer zu hoch.

Natürlich wusste Alastor, wen er meinte, wusste es nur zu gut, und es wurde langsam Zeit, dass der ehemalige Auror in ein Krankenbett unter Poppys scharfe Augen kam; Severus hatte sich längst in seinen Kerkern verbarrikadiert, um ein Mittel gegen den Rückfall zu brauen, der Alastor bald heimsuchen würde. Er wünschte, er könnte seinem alten Freund diese Bürde abnehmen – doch er wurde anderswo dringender gebraucht.

„Einen wütenden Schüler", beantwortete Alastor knurrend seine Frage, musste nicht mehr sagen. Wütend über Toms Dreistigkeit – Albus war nicht überrascht, dass Tom Sirius ausgerechnet mit diesen Erinnerungen gefoltert hatte. Doch damit war er über das Ziel hinausgeschossen – Harry würde das nicht vergessen. Nie. Wer Wind säht, wird Sturm ernten.

„Tom ahnt gar nicht, was er heute geweckt hat!"