Chapter 5 - Schmerz

‚Legolas, da bist du ja. Ich habe dich schon überall gesucht.' Anscheinend hatte Aragorn zu ihrem Glück nichts von ihrem ‚Kussversuch' mitbekommen. Jedenfalls verhielt er sich recht normal. ‚Komm. Ich brauche deinen Rat, zur besseren Verteidigung der Mauern und der Tore. Sehr Kampfbereit siehst du ja nicht aus! Wo sind Pfeil und Bogen? Hast du vor mit Fäusten zu kämpfen? Komm!'

Legolas sah etwas beschämt zu Boden und folgte Aragorn. Dann blickte er noch einmal lächelnd auf Haldir zurück.

Die beiden standen sehr nahe beieinander. Auch wenn sie sich bemühten auf die immer näher kommenden Uruk-Hais zu achten fielen ihre Blicke immer wieder aufeinander. Sie hatten so furchtbare Angst sich zu verlieren. Keiner wollte mehr allein sein, nachdem sie nun entdeckt hatten, was sie wirklich füreinander empfanden. Und immer wieder, wenn sie daran dachten, wie viel schöne Stunden sie schon miteinander hätten verbringen können, wenn Legolas sich über seine Gefühle klar gewesen und Haldir schon früher über seinen Schatten gesprungen wäre, wurden sie wütend auf sich selbst.

Es begann also, der erste Feil war gefallen, versehentlich zwar, aber so war es und die grausamen Geschöpfe des Bösen hätten mit den dunklen Plänen ihres Meisters fast alles kaputt gemacht. Denn Haldir wurde schwer verletzt und wäre Legolas nicht gewesen, der die Hoffnung nicht aufgab, wäre er vermutlich zurückgelassen worden und an Ort und Stelle gestorben. Er war es, der zusammen mit einem der übrig gebliebenen Elben den Hauptmann in die Burg trug und ihn dort versorgte, während die anderen weiterhin versuchten die Tore zu schützen. Erst die Ankunft Gandalfs und der Rohirrim brachte die Wende in diesem Krieg.

Zurück in Edoras wurde der Sieg gefeiert. Legolas war nicht nach Feiern zu mute. In einem Nebenzimmer lag sein geliebter Haldir, der wahrscheinlich immer noch in Lebensgefahr schwebte, dem man aber im Moment nicht mehr Helfen konnte, als man es getan hatte. Legolas hatte vorgeschlagen, ihn nach Imladris zu bringen, damit Elrond ihn heilen konnte, so weit es ihm möglich war. Aber Aragorn hatte diese Idee abgelehnt, da der Weg zu lang und zu gefährlich wäre, vor allem bei den starken Verletzungen.

Legolas wusste, dass er wenigstens so tun musste, als ob er Spaß hätte, denn er wollte um jeden Preis verhindern, dass ihr Verhältnis, wegen übertriebener Fürsorge, aufflog. Also ein Trinkspiel. Vielleicht würden „ein paar Liter Bier in seinem Blut" sich etwas erheiternd auf ihn auswirken und ihm die Schmerzen und die Angst nehmen. Leider erwies sich dies als ein Irrglaube. Nachdem er Gimli im wahrsten Sinne des Wortes unter den Tisch getrunken und danach noch ein paar Bier getrunken hatte, spürte er nun doch mehr, als nur ein leichtes Kribbeln in seinen Fingern.

Seine Betrunkenheit führte zu einer Situation, die ihm im nachhenein sehr unangenehm war, denn er vertraute sich mit seinem Problem Éomer an. Dieser war zunächst etwas verwundert, doch da er schon immer von der Schönheit und Weisheit der Elben beeindruckt gewesen war, sowohl bei den Frauen, als auch bei den Männern, schien es ihm durchaus möglich und nicht einmal abartig, dass zwei Elbenmänner sich verlieben könnten. Auch wenn sich seine Gedanken eher auf die verbale und weniger auf die körperliche Beziehung bezogen, weiter wollte er auch gar nicht denken, denn er war durch und durch ein Typ, der Frauen zugeneigt war. Er riet Legolas, zu Haldir zu gehen, aber so zu tun, als wäre seine Sorge um ihn rein freundschaftlich.

Legolas befolgte den Rat. Er ging zu Haldir ins Zimmer und schloss die Tür. Dann setzte er sich auf die Bettkante und strich mit seiner Hand über Haldirs seidige Haare. Ein sanfter Seufzer entglitt den Lippen des Hauptmannes. Eine Reaktion auf seine Berührung oder eher auf einen Traum? Legolas wusste es nicht. Aber es war ihm auch relativ egal. Immerhin ein Zeichen für Lebendigkeit und davon sah man bei ihm zu jener Zeit nicht viele. Seine Haut, vorher schon blass, war nun fast weiß. Außerdem nicht mehr glänzend und seidig, sondern matt und rau. Seine Lippen ganz trocken. Legolas wollte sie am liebsten anfeuchten, aber das lies er doch lieber bleiben. Er sah sich Haldirs Wunden an. Der Verband an seinem Arm war durchgeblutet. Legolas nahm einen neuen Verband aus einem Schrank und wechselte ihn gegen den alten aus. Schon besser, dachte er. Ein seichtes Lächeln zeichnete sich auf seinen Lippen. Er kümmerte sich gern um ihn. Was mache ich mit seinem Rücken? Den Valar sei dank, dass der Uruk-Hai, der ihn angriff mit einer Stumpfen Axt kämpfte. Sonst wäre Haldir vermutlich sofort gestorben. Legolas zog Haldirs Decke runter und drehte ihn zur Seite. Präzise betrachtete er den Verband auf seinen Rücken. Er schien noch gut zu sein. Es war kein Blut zu sehenLegolas legte seinen Liebsten wieder auf den Rücken, als dieser ein schmerzhaftes Stöhnen hervorbrachte. Es tut mir Leid, Liebster, ich wollte dir nicht wehtun! Er tat noch etwas Salbe auf die kleineren Wunden, die Haldir sich zugezogen hatte, was ihn immer wieder leicht zusammenzucken lies. Dann setzte er sich neben ihn und beobachtete jede Regung seines Körpers auf der Suche nach weiteren Lebenszeichen. Dies tat er die ganze Nacht hindurch und fortan auch jede Nacht und jede Tagesstunde, die er entbehren konnte. Doch dann musste er wieder fort, nach Gondor, mit dem Heer Rohans. Es fiel ihm wirklich schwer seinen Liebsten hier alleine zu lassen. Doch seine Hoffnung und sein Wille, diesen Krieg zu gewinnen waren nun größer denn je.

P.S.: Sorry, dass bei manchen (vielleicht auch allen) chapters manchmal komische bzw. unlogische absetzte stehen. Ich weiß auch nicht, wie das passiert ist, ist mir gerade erst aufgefallen! Sorry nochmal!