Chapter 6 – Dunkle Gedanken
‚Legolas, wach auf!' Aragorn war besorgt. Er brachte Legolas etwas Wasser. ‚Geht es dir besser?'
‚Was ist passiert, wo bin ich?' fragte Legolas verwirrt.
‚Du bist in Minas Tirith. Erinnerst du dich nicht? Bis vor 1 Stunde hast du noch mit voller Kraft gegen Orks gekämpft, aber dann bist du einfach zusammengebrochen. Ich habe dich auf meinem Pferd nach Minas Tirith gebracht. Hast du Schmerzen? Was ist los mit dir?'
Legolas gab keine Antwort. Oh ja, er wusste genau was los war. Er hatte auch schon Tage bevor sie in die Schlacht gezogen waren nicht mehr in Ruhe Schlafen können und konnte es bis jetzt nicht, jedenfalls bis vor etwa einer Stunde, wie es schien. Er hatte sich zu große Sorgen gemacht, um schlafen zu können, aber jetzt war er mit den Kräften endgültig am Ende. Es schien ihm auch, als brauche er sie nicht mehr, jetzt da Sauron vernichtet war. Doch dann erinnerte er sich an Haldir. Er wollte am liebsten sofort zu ihm gehen, aber er war körperlich nicht dazu im Stande.
Umso größer war seine Freude, als er nach paar Tagen aufwachte und seinem geliebten Elben in die Augen blickte, der neben ihm auf einen Bett saß und ihn beobachtet hatte.
Haldir lächelte: ‚Na, hast du gut geschlafen? Ich hab mir Sorgen gemacht, du würdest gar nicht mehr aufwachen.'
Legolas sah ihn wütend an: ‚Du hast die Sorgen gemacht. Du meinst, du hättest dir Sorgen gemacht? Wenn du wüsstest, was für Sorgen ich mir um dich gemacht habe, dann würdest du nicht so leichtfertig darüber reden!' Legolas stand auf und verließ das Zimmer, aber schon nach ein paar Sekunden war er wieder da und überwältigte seinen süßen Elben mit einem innigen Kuss. ‚Oh Valar! Haldir, ich hatte solche Angst um dich, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Ich bin so froh, dass du hier bist. Wie geht es dir, hast du schmerzen?'
‚Ja, es tut sehr weh. Die Wunden werden vermutlich sehr lange brauchen, um zu verheilen, wenn sie es überhaupt tun. Ich hoffe, du magst meinen Körper auch so noch.'
Legolas lachte. ‚Natürlich.'
Haldir nahm seinen Liebsten auf den Schoß und in den Arm. Endlich sind wir wieder vereint, du schönster und kühnster Elb der Erde. Und für keine Frau der Welt würde ich dich eintauschen. Aber ich habe Sorge um dich. Ich habe furchtbare Angst dich zu verlieren, denn ich weiß, irgendwann wird der Tag kommen, an dem du dir nicht mehr sicher bist, ob du mich liebst und du wirst mich verlassen, in aller Freundschaft, um doch lieber ein normales Leben mit Frau und Kindern zu führen. Und dann werde ich wieder alleine sein und niemals wieder, werde ich so für jemanden empfinden wie für dich und mein Herz wird kalt werden und alle Sterne werden für mich verblassen. Nichts Schönes wird es mehr für mich geben auf dieser Welt und nichts was mich nicht mit an dich erinnert. Und die Erinnerungen werden schmerzhaft sein, da ich weiß, dass es nie wieder so sein wird wie früher. Oh Legolas, bitte verlass mich nicht.
Legolas war etwas verwundert über die plötzlich Stille, aber er genoss es so mit Haldir zu verharren und ahnte nicht, an welche furchtbaren Dinge er grade dachte. Er stricht seinem Liebsten über die Haare. Dieser seufzte leicht und versank dann wieder in Gedanken.
Ja, wir sind wieder vereint und ich weiß du liebst mich, denn du warst in großer Sorge um mich, wohl wahr und doch fühle ich tiefen Schmerz, wenn ich an das denke, was kommen mag, denn dieser Schmerz ist mir für wahr nicht Fremd. Hatte sich Glorfindel, mit dem ich lange Zeit zusammen war doch auch in eine Frau verliebt und mich für sie verlassen. Ich dachte es wäre für immer. Aber er dachte es nicht. Was denkt Legolas? Selbst wenn ich ihn fragen würde, er würde mir vermutlich sagen, was ich hoffe zu hören und nicht was er denkt. Ich habe ihn mit meiner Liebe plötzlich überrascht und er hatte in seiner Not in dieser furchtbaren Stunden kaum eine andere Wahl, als mit mir wenigstens einen kurzen Moment des Glücks zu erleben, dass er so dringend brauchte, um sein Herz zu erwärmen. Doch wer wird mein Herz erwärmen, wenn er von mir geht? Noch einmal werde ich diese Schmerzen nicht ertragen. Ich kann es einfach nicht. Es gibt nur einen Weg, um dies zu verhindert. Schmerzen wachsen mit der Liebe und wenn die Liebe nicht mehr wächst, werden auch die Schmerzen nicht mehr wachsen. Oh Legolas ich liebe dich so sehr und es fällt mir schwer dir jetzt dein Herz zu brechen, aber später wirst du es mir danken, glaub mir...
