Chapter 8 –Töte mich, denn ich wollte dich retten, doch du verstehst mich nicht...

Legolas packte seine Sachen. Er hatte erfahren, dass Haldir fort war, auf dem Weg nach Lothlorien und er hielt es für die einzige Möglichkeit, seinen Schmerz zu überwinden, noch einmal mit Haldir zu sprechen. Zwar hatte er Rache geschworen, doch war ihm klar geworden, dass diese ihm auch nicht weiterhelfen konnte und dass er Haldir nicht hasste, sondern liebte und ihn auf keinen Fall verletzen wollte, auch wenn er dies vielleicht schon mit seinem Erscheinen täte. Aragorn war etwas verwundert, dass alle es plötzlich so eilig hatten aus Minas Tirith raus zu kommen, wo er doch grade zum König gekrönt worden war. Doch verabschiedeten sie sich in Freundschaft und Legolas versprach ihm, ihn bald wieder zu besuchen. Dann machte er sich auf den Weg. Jedoch nicht direkt, er hatte beschlossen einen kleinen Umweg nach Edoras zu machen, wo er mit Éomer, der schon vor einigen Tagen dorthin zurückgekehrt war, um Rat bitten wollte. Schließlich wusste Éomer von der Beziehung zwischen Haldir und Legolas aus früheren Erzählungen Legolas', wieso sollte er sich mit diesem privaten Problem also noch mehr Leuten anvertrauen.

Legolas blieb länger in Edoras als geplant und zwischen ihm und Éomer kam es zu einer starken Freundschaft. Legolas wunderte sich manchmal, woher Éomer diese guten Beziehungsratschläge hatte, war er doch selber, jedenfalls offiziell, noch nicht vergeben. Doch schenkte ihm Éomer Hoffnung und sein Herz wurde von Freude erfüllt, die er seit dem Brief von Haldir nicht mehr hatte verspüren können. Ewig konnte er in Edoras nicht bleiben, schließlich hatte er vor seine Beziehung, die es ja eigentlich nicht mehr gab, zu retten. Also ritt er nach Lothlorien, wo er Haldir nach kurzer Zeit ausfindig machte.

Doch ein tiefer Schmerz traf Legolas direkt ins Herz, als er Haldir mit einer Frau sah. Sehr innig unterhielten sich die beiden, lachten, legten ihre Hände ineinander. Jetzt glaubte Legolas, den Grund für ihre Trennung gefunden zu haben. Dunkelheit und Kälte legte sich um sein Herz wie er sie noch nie zuvor verspürt hatte. Hatte ihn Haldir etwa nur ausgenutzt, für die Zeit in der er nicht mit ihr zusammen sein konnte? Liebte er sie, genauso sehr wie er vorgab, ihn zu lieben? Wie konnte er nur mit ihr umgehen, wie er mit ihm umgegangen war, ohne das Anzeichen eines schlechten Gewissens? Also hast du nie wirklich etwas für mich empfunden? Du hast mich nur ausgenutzt! Auch wenn es ihm nicht gefiel, musste Legolas erneut ein paar Tränen aus seinem Gesicht wischen. Dann sprang er wütend zu den Beiden hervor, einen Pfeil auf Haldir richtend:

‚Das ist es also?' schrie er und mit leicht gehauchter Stimme ergänzte er: ‚Wie konntest du mir das nur antun?'

Haldir erschrak, als er seinen Geliebten nun so verzweifelt neben ihm stehen sah und nun wurde ihm zum ersten Mal bewusst, wie sehr er ihn verletzt hatte, wie sehr er sich selbst verletzt hatte. Er sagte dem Mädchen, es solle sie allein lassen, da es eine Sache zwischen ihnen Beiden war und sie davon kein Leid tragen sollte, wusste er doch, dass niemals etwas ernsthaftes aus ihr und ihm hätte werden können, denn zu sehr hing er noch an Legolas den er jetzt in seine hasserfüllten Augen sah.

‚Legolas, beruhige dich! Mach keinen Fehler, den du später bereust.'

‚Reue? Mich wunderts', dass du dieses Wort überhaupt kennst, denn du scheinst derartiges nicht zu verspüren, so wie du dich verhältst!'

‚Das stimmt nicht Legolas. Bitte! Leg' deinen Bogen weg, dann können wir darüber reden. Ich kann es dir nichts erklären, wenn ich tot bin.'

‚Mit dem Tod wärst du gerecht bestraft, für das, was du mir angetan hast! Du hast mir nur benutzt, mich nie geliebt, mir nur 'was vorgemacht!'

‚Das stimmt nicht, ich...'

‚Leugne es nicht!' sagte Legolas mit zorniger Stimme und das Unglück wollte es, dass Legolas' Hand, durch den Zorn erzittert, den Pfeil auf der gespannten Sehne nicht mehr halten konnte. Und der Pfeil traf Haldir...