Chapter 9 – Du bist nicht allein...
Erschrocken ließ Legolas den Bogen fallen. Was hatte er getan. Für einen Moment beobachtete er Haldir der sich vor Schmerzen auf dem Boden wand. Dann überkam ihn die Furcht, denn Haldirs Schmerzlaute weckten die Aufmerksamkeit von anderen Elben, die schnell herbeieilten. Darunter erkannte er Haldirs Brüder Rúmil und Orophin. Er wusste was geschieht, wenn man einen der Brüder im Bunde verletzt hat, also lief er, wenn auch schweren Herzens, davon und tauchten in den Tiefen der Wälder unter, seinen Bogen zurücklassend. So kam es, dass Haldirs Brüder den Bogen fanden und sie wussten wem er gehörte und wurde begierig Legolas zu finden. In kleinen Gruppen ließen sie die Elben durch den Wald streifen, auf der Suche nach Legolas und Legolas spürte, dass man ihn verfolgte und seine Schritte wurden schneller und erst nach einigen Tagen, als er sich in sicherer Entfernung glaubte machte er Rast dicht am Waldrand.
Er war hin und her gerissen in seinen Gefühlen: Hass, Angst und Liebe vermischten sich zu einer immer stärker werdenden Verzweiflung. Dazu kamen Legolas Schuldgefühle. Am Anfang leugnete er vor sich selbst, Schuld zu sein, da er meinte, dass Haldir ihn dazu getrieben habe. Dann aber merkte er, dass er schuld war, auch wenn nicht mit Absicht, da er den Pfeil auf ihn gerichtet hatte. Er ließ sich auf den Moosigen Waldboden fallen. Er wollte nicht schuld sein, an Haldirs Tod, er wollte nicht, dass Haldir stirbt, denn er wusste, dass er ohne ihn nicht mehr leben konnte.
Auf einmal hörte er eine bekannte Stimme:
‚Legolas!'
‚Éomer? Was machst du hier im Reich der Elben? Du weißt, dass sie Fremden nicht gut gesinnt sind!'
‚Ich weiß, doch ich bin deinetwegen hier! Ich habe Gerüchte gehört und ich möchte wissen, ob sie wahr sind!'
‚Was meinst du?' fragte Legolas verschüchtert.
‚Du weißt was ich meine!' antwortete Éomer, wissend, dass Legolas es wusste, denn schließlich ging es um ihn. Weinend fiel Legolas seinem Freund in die Arme:
‚Ich wollte es nicht', schluchzte er ‚ich wollte es nicht! Ich habe ihn umgebracht...'
‚scchht Legolas, beruhige dich. Wenn er tot wäre, dann wüssten wir es. Die Klagelieder der Elben erschallen über ganz Mittelerde, doch ich habe keines gehört. Mach dir keine Sorgen..., aber sag mir, wieso hast du auf ihn geschossen, obwohl du ihn liebst...?'
Legolas erzählte Éomer, genau vorgefallen war und dieser konnte seine Gefühle sehr gut verstehen und versuchte ihn mit Worten der Hoffnung und der Freude zu trösten, doch dies gelang ihm nur sehr schleppend und sie verharrten noch viele Stunden so.
Dann stand Éomer auf, um seinen Freund zu verpflegen, denn er merkte wohl, dass dieser sehr schwach war und lange nichts mehr gegessen hatte. Èomer mochte diesen Elben, er war ihm sehr ans Herz gewachsen. Doch er liebte ihn nur als Freund nicht als Geliebten und das war auch gut so, denn das hätte weder ihm noch Legolas weitergeholfen. Doch ihre Freundschaft und Zuneigung zueinander war trotzdem groß und so bleib Éomer, ungeachtet seiner Pflichten als König von Rohan, bei ihm und sie beschlossen den Anduin zu überqueren, sich an der Waldgrenze des Düsterwaldes nieder zu lassen und so Legolas Verfolgern zu entgehen und trotzdem weiter möglichst dicht an Lothlorien zu sein, um Wandernden, die in ihre Nähe kamen, Neuigkeiten abzuverlangen. Doch viele sahen sie nicht und diese Wenigen wussten auch nicht viel und so entschloss Legolas nach etwa 8 Tagen nach Lothlorien zurückzukehren und sich seiner Verantwortung zu stellen, auch um endlich Nachricht zu erhalten. Éomer wollte ihn begleiten, doch Legolas überredete ihn nach Edoras zurück zu gehen, da er ihn nicht in diese Sache verwickeln wollte. Und so gingen Beide ihren Weg...
