Erst einmal großes Sorry von mir, das es so unendlich (drei Monate was für eine Schande) lange mit dem Update gedauert hat. Aber mein lieber Computer wollte nicht mehr. Durfte meine Festplatte formatieren und alles neu machen. Eine schöne Freizeitbeschäftigung das muss ich schon sagen. Aber nun genug mit dem Gejammer. Danke an meine beiden Reviewer. Hoffe das Kapitel gefällt euch auch. Nun aber los:

Verlassen

Wenige Meilen hinter den Schwertelfeldern:

Dunkel und sternenlos erhob sich der Himmel über den Wipfeln der Bäume. Die Luft war so eisig, das ihr Atem dünne Wölkchen bildete.

Aber ihre Seele war so leer und von Trauer zerfressen, das sie nicht einmal die Kälte spürte die sich wie ein Mantel um sie legte. Und selbst das entfachte Lagerfeuer spendete ihr keine große Wärme.

Ihrer Familie und den anderen Ermordeten wurde, wie er es ihr versprochen hatte, die letzte Ehre erwiesen. Er legte, einige Meilen von dem ausgebrannten Dorf und auch auf die Gefahr hin das die Drachen Mordors zurück kehrten, einen Scheiterhaufen zusammen. Darauf bettete er die Verstorbenen. Awarî hatte stumm zugesehen, zu keiner Regung mehr fähig. Die Flammen loderten hoch, der Wind wehte, wie durch Zauberhand, plötzlich stärker und trug die Rauchwolke davon. So blieb ihnen wenigstens der Geruch von verbranntem Menschenfleisch erspart.

Trevedi, túv sîdh. Elme ammen oi enyalie. (Geht, findet Frieden. Wir werden uns immer (an euch) erinnern.)

Awarî vertraute ihm zwar nicht sonderlich, dennoch war sie ihm dafür dankbar. Die Worte, die er sprach, verstand sie. Denn es war ihre Mutter gewesen, die großen Wert darauf gelegen hatte das sie Elbisch lernte. Der Gedanke an die Frau die ihr alles, was es zu wissen gab, beigebracht hatte, die sie geliebt hatte, wie eine Mutter ihr Kind nur lieben konnte, ließen sie beinahe zusammenbrechen. Zu wissen das sie nun mit ihrem Vater und ihren Geschwistern, dort oben zu Asche verbrannte, zerfetzte ihr Herz schier.

Kaum war das Feuer heruntergebrannt, hatten sie sich aufgemacht.

Sie waren den ganzen Nachmittag durchgeritten, unter normalen Umständen hätte Awarî sich gefreut endlich mal wieder aus ihrem Dorf herauszukommen.

Aber das werde ich nie wieder sein. Dachte sie sich.

Es war unerträglich gewesen mit ihm ihre Heimat, die nun völlig vernichtet worden war, zu verlassen. Ein paar Mal flog ihr durch den Kopf sich einfach von seinem Pferd zu stürzen und ihrer Familie zu folgen. Aber wenn sie nur daran dachte sich zu bewegen, umklammerte er sie fester, als ob er ihre Absicht erraten hatte.

Nun saß sie hier. Der Elb, sie wusste noch immer nicht seinen Namen denn sie hatte bisher kaum ein Wort gesprochen, war damit beschäftigt ein erlegtes Kaninchen über dem Feuer zu rösten. Als er fertig war, kam er auf sie zu, kniete sich vor sie und bot ihr ein Stück davon an.

Der Duft des heißen Fleisches ließ die Übelkeit in Awarî aufsteigen. Sie schüttelte kaum merklich den Kopf.

„Versuch doch wenigstens ein bisschen zu essen!" Sagte er. Wieder schüttelte sie den Kopf. Er seufzte, legte aber den Braten dennoch vor ihr ins Gras, er bedachte sie noch einmal mit einer auffordernden Geste doch etwas zu sich zu nehmen, dann erhob er sich und lief auf sein Pferd zu.

Jetzt konnte es Awarî nun wirklich nicht mehr aushalten, ihre aufkommende Übelkeit entwickelte sich langsam zum Brechreiz. Sie konnte schon deutlich fühlen wie sich ihre Magensäure den Weg durch die Speiseröhre bahnte.

Da sie nicht gerade besondere Lust hatte sich vor den Augen des Elben zu erbrechen, beschloss sie ihre Last am nahgelegenen Fluss, der nicht einmal zehn Meter von ihrer Lagerstätte entfernt floss, loszuwerden. Woher hätte sie auch wissen sollen, das der für sie fremde Elb schon schlimmeres gesehen hatte.

Durch mehr stolpernde als gehende Schritte, gelangte sie zu ihrem Ziel. Die Schwertel war ein Nebenfluss des Anduin, und Awarî nicht unbekannt. Als sie sich entleert hatte, hörte sie die Schreie und ihr Herzschlag setzte für einen Moment aus, ihr wurde heiß und kalt zugleich.

Sie waren zurückgekehrt.

Imladris

Die Dunkelheit hielt sie noch fest umklammert. Sollte sie nicht schon längst bei ihren Eltern sein? Irritiert öffnete Marlá die Augen, sie lag in einem großen weißem Bett. Die Sonne schien hell in ihr Zimmer, in der Ferne hörte sie leise das Rauschen eines Wasserfalls.

Wo war sie hier gelandet?

Es dauerte nicht lange, und die Erkenntnis traf sie wie ein Blitzschlag. Höchstwahrscheinlich war sie von diesen seltsamen Männern entführt worden. Sie konnte sich nur wage an das Geschehene erinnern. Dieser riesige Adler hatte sie verraten, das wusste sie immer noch mit Sicherheit. Und außerdem glaubte sie sich zu entsinnen, das einer der Männer gemeint hatte sie könne ihnen vertrauen.

Pah! Wieso sollte sie das tun, was fiel ihnen und dem Adler eigentlich ein sich in ihre Angelegenheiten einzumischen, und sie hier festzuhalten.

Aber hatten sie Marlá nicht davon abgehalten eine große Dummheit zu tun? Sie hätte diesen Sturz unter normalen Umständen niemals überleben können, hatte da eine höhere Macht ihre Hände im Spiel, wurde ihr hiermit eine zweite Chance gegeben? Hatte sie überhaupt den Willen dazu sie anzunehmen?

Bevor sie noch länger darüber nachdenken konnte, öffnete sich die Tür zu ihrem Zimmer. Hindurch traten ihre angeblichen „Entführer". Erst jetzt fiel Marlá auf das sie Zwillinge waren. Außer der Kleidung sahen sie total gleich aus. Sie kamen auf sie zu und lächelten dabei. Beide zogen sich einen Stuhl heran, und setzen sich an ihr Bett. Erwartungsvoll schauten sie Marlá an. Schon nach wenigen Sekunden schaffte sie es nicht mehr ihren Blicken standzuhalten. Ängstlich starrte sie auf einen imaginären Punkt der sich an einem ihrer Bettpfosten befand.

„Du hast uns also immer noch nicht dein Vertrauen geschenkt!" stellte einer der beiden fest. Marlá beschloss einfach nichts zu sagen.

Vielleicht sind sie ja von meiner Großmutter geschickt worden und halten mich hier fest solange bis sie kommt und mich abholt. Sagte sie in Gedanken zu sich selbst.

„Da irrst du Mädchen, wir halten dich hier weder fest, noch wird deine Großmutter kommen und dich von hier wegholen. Warum fürchtest du sie so sehr?" Fragte nun der andere.

Woher wusste er von ihren Gedankengängen? Schnüffelten sie etwa in ihren Gedanken herum, dazu hatten sie kein Recht!

„Es tut uns leid wenn dir zu nah gekommen sind Mädchen, wir versuchen nur herauszufinden wie und warum du in unseren Fluss gefallen bist." Sagten beide abwechselnd. Marlá seufzte.

„Bitte nennt mich nicht immer Mädchen, ich heiße Marlá....." wieder lächelten beide.

„....wer seid ihr überhaupt, und woher glaubt ihr zu wissen das ich in euren Fluss, oder wie auch immer ihr ihn nennt gefallen bin?" fragte sie nun genervt.

„Wir waren unhöflich, entschuldige Marlá. Mein Name ist Elladan und das ist Elrohir mein Bruder...."

Du befindest dich in Rivendell, einem versteckten Tal an den Ausläufern des Nebelgebirges. Wir waren gerade auf unserer täglichen Patrouille, als Gwaihir uns gemeldet hat er habe ein junges Mädchen aus den Wassern des Bruinen, unseren Fluss, gezogen." Setzte Elrohir fort.

„Und wer ist Gwaihir?"

„Das ist der Adler der dich gerettet hat, ein Freund von uns, er wird auch als der Herr der Lüfte bezeichnet."

Ich bin mir da nicht so sicher, ob das eine Rettung war!" Die Geschwister schauten sich irritiert an, was war diesem Mädchen so schlimmes wiederfahren das es keine andere Lösung, als den Sprung in den Tod, gefunden hatte. Sie sandten ihren Dank zu Eru, das Gwaihir zu rechten Zeit am rechten Ort gewesen war.

„Und ihr zwei seid die Herren dieses Tals?" Glücklicherweise, hatte sie den wissenden Blick in den Augen der Zwillinge nicht bemerkt.

Elladan schüttelte fast schon zu schnell den Kopf.

„Nein Marlá. Unser Vater ist der rechtmäßige Herr von Rivendell. Elrond, das ist sein Name. Er ist vor drei Wochen zu einem dringenden Rat zu unseren Verwandten nach Lothlórien gereist. Er müsste aber in vier oder fünf Tagen wieder Zuhause sein." Marlá nickte im Verstehen. Sonst schwieg sie. Die Zwillinge entschieden sich, sie nicht weiter zu bedrängen. Sie würden die Heimkehr ihres Vaters abwarten, und ihn von Marlá berichten, er wusste mit Sicherheit Rat. Und bis dahin würden sie wohl gut auf sie Acht geben müssen, denn wer versicherte ihnen das sie nicht noch einmal eine solche Dummheit begehen würde?

Der Lagerplatz an den Ufern der Schwertel

Er hatte schon ihre Anwesenheit gespürt, bevor sie überhaupt nah genug heran waren. Elrond brauchte nicht lange um zu finden was er suchte. Eigentlich hatte er vorgehabt dem immer noch unter Schock stehendem Mädchen ein Stück von seinem Lembasbrot geben so dass es wenigstens etwas im Magen hatte, aber jetzt würde er das Abschiedsgeschenk von Galadriel wohl dringender brauchen.

Aber als er sich umwandte, war sie verschwunden. Gerade eben noch hatte sie dagesessen und in die Flammen gestarrt. Seine Gedanken schossen wirr durcheinander, wo konnte sie hingelaufen sein? Er zwang sich zur Ruhe. Es gab nur eine Richtung in die sie gelaufen sein konnte, ohne das es ihm aufgefallen war.

Ohne viel nachzudenken, eilte er zu den Ufern der Schwertel. Ein Stein fiel ihm vom Herzen als er sie dort unversehrt vorfand.

Awarî konnte sich nicht mehr rühren, ihr Körper schien wie gelähmt zu sein. Sie hatten ihre Aufgabe wohl nicht zur Zufriedenheit ihres Herrn erfüllt. Nun war sie an der Reihe. Zitternd schloss sie die Augen, in der Hoffnung das es schnell vorbei sein würde.

Aber Hitze und Schmerz setzen nicht ein. Stattdessen wurde Awarî der Mund zugehalten. Jemand zwang sie in die Knie. Panik stieg in ihr auf, nein das konnte sie beim besten willen nicht ertragen, dann würde sie doch lieber verbrennen. Sie öffnete die Augen, der Fremde hatte einen Mantel um sie beide geschlungen, eng aneinander gedrückt verbargen sie sich darunter. Sie wollte schreien, die Drachen auf sie aufmerksam machen, damit sie die Sache beendeten. Der Schrei blieb ihr im Halse stecken als sie realisierte wer da mit ihr unter dem Mantel saß.

Der Elb bedeutete ihr sich ruhig zu verhalten, dennoch flüsterte sie: „Was nützt dieser Mantel schon, dieser dünne Stoff wird uns auch nicht vor ihnen schützen."

Bevor er antworten konnte, ertönte von draußen ein erneuter Schrei. Vor Awarís Augen spielte sich die grausame Szene in ihrem Dorf erneut ab. Wieder schallte ein Schrei durch die Nacht, sie hielt sich in Todesangst die Ohren zu. Tränen liefen ihr die Wangen herunter.

„Geht weg! Geht doch endlich weg, lasst uns in Frieden." Flüsterte sie erneut. Sie begann vor und zurück zu schaukeln. Warum befreite sie niemand aus diesem Alptraum.

Starke Arme umfassten sie und wischten ihr die Tränen fort. Der Elb drückte sie tröstend an sich.

„Ich lasse es nicht zu das sie dir etwas zuleide tun." Er strich ihr über die Haare.

„Aber sie werden uns doch sehen!" Erwiderte sie. Jetzt konnte sie, trotz der Dunkelheit, ein kleines Lächeln auf seinen Zügen erkennen.

„Hab keine Angst, der Elbenmantel wird uns schützen." Entgegnete erSie verstand zwar immer noch nicht so ganz was er meinte, vertraute ihm aber.

Langsam wurden die Schreie leiser, und verklangen schließlich ganz. Sie verharrten noch einige Minuten in ihrem Versteck, bis der Elb vorsichtig den Mantel hob. Die Drachen waren tatsächlich verschwunden.

Die Sterne waren schon am verblassen, im Osten dämmerte es bereits. Gemeinsam kehrten sie zum Lager zurück. Das Feuer war entzwischen bis zur Glut heruntergebrannt.

„Ich glaube jetzt wird wohl keiner von uns beiden Schlaf finden." Sagte er. Es war mehr eine Feststellung als eine Annahme. Awarî nickte zustimmend.

„Ich schlage die vor Mädchen...."

„Awarî! Ich heiße Awarî." Unterbrach sie ihn. Er nickte und lächelte.

„Also Awarî. Bist du damit einverstanden. Wenn wir bei einem alten Freund von mir Schutz suchen. Ein richtiges Bett würde uns beiden nach diesem Schrecken gut tun." Awarî schluckte. Er bemerkte das er etwas falsches gesagt hatte.

„Entschuldige Awarî, du hast natürlich..." Sie hob abwehrend die Hand.

„Ist schon in Ordnung Herr...."

„Elrond! Und das „Herr" kannst du weglassen." Awarîs Augen wurden groß, vor ihr stand Elrond der Herr Rivendells.

„Herr Elrond. Es tut mir leid das ich euch so behandelt habe. Ich war....ich meine..." Ihr fehlten die Worte. Nun war es an Elrond die Hand zu heben. Die andere legte er ihr auf die Schulter.

„Ich stehe tief in deiner Schuld Awarî. Schließlich waren wir es die euch nicht zu Hilfe gekommen sind. Elrond, so möchte ich von dir genannt werden. Und nicht anders, in Ordnung?" Sie stimmte zu. Das soeben, gemeinsame durchgestandene Erlebnis, hatte in Awarî das verloren geglaubte Vertrauen geweckt,

Und so brachen sie das Lager ab, und machten sich erneut auf die Reise.

Imladris

Marlá fühlte sich soweit wieder körperlich gut das sie es riskierte aufzustehen. Die Sonne neigte sich schon stark dem Horizont entgegen, nicht mehr lange und es würde dunkel sein und nur die Kerzen an den Wänden würden den Raum ein wenig Licht gewähren.

Sie atmete auf als ihr auffiel das die Zwillinge ihr Zimmer nun verlassen hatten. Komische Gestalten waren das! Was hatten sie gesagt?

Dieser seltsame Adler Gwaihir habe ihnen gemeldet, das er sie aus dem Fluss gerettet habe. Was für ein Blödsinn war denn das nun wieder. Klar sie wusste noch mit Sicherheit, wie der Raubvogel sie aus dem eiskalten Wasser gezogen hatte, aber seit wann konnte ein Vogel „Meldung" erstatten?

Und wie hieß dieser Ort oder besser gesagt dieses Tal noch mal. Ach ja, Bruchtal, aber was sollte sie hier? Warum nahm sich irgendjemand das Recht heraus sie einfach hier her zuschicken. Ein zweites Mal fragte sie sich ob sie denn eigentlich überhaupt den Willen und den Mut hatte die offensichtlich zweite Chance anzunehmen?

Ihr Blick fiel auf den Kamin der gegenüber ihrem Bett stand. In ihm knackte ein munteres Feuer vor sich hin. Neben der wärmenden Brandstätte, lag auf einem Stuhl ein Kleid, das hellblau im schwindendem Sonnenlicht schimmerte. In ihrem bisherigem Leben, hatte Marlá nur ein einziges Kleid getragen und das hatte die Farbe Schwarz gehabt. Sie nahm das Kleid in beide Hände. Dann klammerte sie es fest an sich und sank vor dem Kamin auf die Knie. Ohne das sie es wollte, flossen Tränen ihre Wangen hinunter. Hellblau war die Lieblingsfarbe ihrer Mutter gewesen.

Und während draußen sich die Nacht über Rivendell senkte, saß sie in sich zusammengesunken da, und weinte einfach nur.

Sie fragte sich warum ihre Mama nicht kam, so wie sie es immer getan hatte, sie in die Arme schloss und sagte das alles wieder in Ordnung käme.

Aber in diesem Moment wurde Marlá zum ersten Mal richtig bewusst das sie das nie wieder tun würde. Denn ihre Mama und ihr Papa hatten sie für immer verlassen.