Kapitel 18

Frühstück auf der Lazy L

Eine Stunde später sahen Jack und Ennis Juniors blauen Minivan in die lange Einfahrt zur Lazy L einbiegen. Sie parkte neben dem Haus und schon ehe sie ganz stand, gingen die Seitentüren auf und ihre zwei Söhne sprangen heraus. Eine junge Frau folgte den beiden. Sie trug eine Plastiktüte aus dem nächstgelegenen Supermarkt.

„Joe! Luke! Beruhigt euch!", rief Junior, zog die Handbremse und stieg aus. Sie schaute über das Dach ihres Wagens hinweg und winkte Jack und Ennis zu, die auf der Veranda saßen.

Die Jungs hielten auf die Treppen zu und rannten zu Ennis und Jack. „Großvater! Opa!", riefen sie.

"Welcher bin ich denn?", wisperte Jack und beugte sich zu Ennis hinüber.

„Du bist Opa. Ich bin Großvater. Bei Bobbys Kindern ist es anders rum."

„Ach ja." Jack nickte. "Deswegen bin ich immer so verwirrt." Er stand auf, als die Jungs auf ihn zustürmten. „Joe! Sieh dich an! Wie alt bist du denn?"

"Ich bin acht, Opa.", erwiderte Joe. „Das weißt du doch."

Jack lachte. „Klar weiß ich das. Ich wollte dich nur ärgern. Und du Luke?", er umarmte den anderen Jungen. „Wie geht's dir?"

„Super, Opa.", sagte er.

Beide umarmten Ennis, der ihnen durchs Haar wuschelte. „Schön euch zu sehen, Jungs."

Junior umrundete das Auto und nahm ihrer Tochter die Tüte ab. „Los komm, Chrissie.", forderte sie sie auf. „Sag hallo."

Sie sah zu Boden, dann wieder auf. „Hallo Großvater… Opa… ", sagte sie. Sie grinste zaghaft und umarmte die beiden leicht.

„Schatz, nun sieh dich mal an." sagte Jack. „Mensch, bist du gewachsen!"

„Ich bin 1,76 m groß.", antwortete sie. „Aber ich wachse wohl nicht mehr… ich bin fünfzehn, das weißt du ja."

Junior betrat als Letzte die Treppe. „Ach Daddy.", sagte sie und umarmte Ennis fest. „Es ist so schön, dich zu sehen. Ich hab dich ja so vermisst."

"Ich dich auch, Schatz.", erwiderte Ennis und küsste sie auf die Wange.

„Und dich auch, Onkel Jack.", sagte sie und umarmte ihn ebenso liebevoll. „Ich sollte nicht so viel Zeit zwischen meinen Besuchen verstreichen lassen."

„Ach denk nicht daran, jetzt bist du ja hier, nur das zählt."

Sie nickte und ging zur Vordertür, um ihre Kinder hineinzulassen. „Kommt Jungs, lasst uns gehen, ihr habt gesagt, dass ihr verhungert, also lasst uns frühstücken."

Alle gingen ins Haus und Jack und Ennis holten ihr Geschirr. Junior überwachte die Vorbereitungen fürs Frühstück, sie legte Gebäck auf einen Teller und füllte Obstsalat in eine Schüssel, dann stellte sie alles auf den Frühstückstisch. Die drei Kinder setzten sich hin. Joe griff nach einem Muffin mit Schokostreuseln. Jack und Ennis sahen vom Türrahmen aus zu. „Ich kann nicht fassen, wie groß sie geworden sind.", sagte Jack. „Wir haben sie im November das letzte Mal gesehen, das ist nicht mal ein Jahr her."

„Ja, die Jungs haben einen ordentlichen Schuss gemacht.", sagte Junior." Und Chrissie…"

Als ihre Mutter sprach, wandte sich Chrissie um und warf ihrer Mutter einen Blick zu, der irgendwo zwischen einer Grimasse und einem zornigen Starren anzusiedeln war. Also ließ Junior den Satz unvollendet.

„Wo ist denn Wayne?", fragte Jack, als bemerke er zum ersten Mal, dass Juniors Mann nicht da war.

„Er ist eingeschlafen.", sagte sie lächelnd. „Nach der langen Fahrt gestern dachte ich, dass er etwas Zeit für sich haben wollte…obwohl… so wie ich ihn kenne, ist er schon wieder aufgestanden und sitzt am Computer."

„Um zu arbeiten? Wolltet ihr hier nicht Urlaub machen?"

Junior lachte. "Nein, mein Mann gönnt sich keine Pause, er lässt nicht locker. Letztens gab es einen großen Laptop Crash, das hat ihn wochenlang beschäftigt."

Ennis und Jack schauten beide verwirrt drein, natürlich hatten sie keine Ahnung, was ein „Laptop Crash" war." Junior bemerkte ihre Mienen. „Ist unwichtig… Fachsprache."

Sie ging ins Esszimmer zurück und räumte die leeren Teller und Gläser weg." „Jungs, wollt ihr was spielen? Eure Lacrosse Schläger sind im Auto."

"Jaaa.", riefen beide im Chor und rannten aus dem Zimmer.

„Chrissie, was willst du denn tun?"

„Vielleicht geh ich mal in den Stall und schau mir die Pferde an.", erwiderte sie.

„Soll ich mitkommen?", fragte Jack.

„Nein Opa, ist schon gut."

Ennis ging in die Küche und kam mit einem Sack Karotten zurück. „Damit kannst du sie füttern.", sagte er. „Du musst sie in kleine Stücke brechen."

Chrissie nickte und nahm den Sack. „Danke.", sagte sie leise und verließ das Haus.

Die Erwachsenen setzten sich an den Tisch und Jack goss ihnen allen Kaffee ein. Junior nahm sich etwas Obst und Ennis, der ihr gegenüber saß, griff nach einem Zuckerdonut. Junior grinste ihn an. „Die mit Zuckerglasur hast du schon immer geliebt, Daddy.", sagte sie.

Er zwinkerte ihr zu. „Mein kleines Mädchen kennt mich eben gut.", sagte er mit einem verlegenen Lachen.

„Chrissie ist wohl etwas schüchtern.", warf Jack ein. „Nicht so, wie sie sonst war."

„Sie ist nicht schüchtern, sie ist eher böse auf mich, weil ich sie dazu zwinge, hier zu bleiben."

„Du meinst euren Besuch hier? Die zwei Wochen, über die wir gesprochen haben?"

Junior nickte.

„Liebes, wenn sie uns nicht besuchen will, solltest du sie nicht zwingen.", sagte Ennis.

„Daddy, vertrau mir, das hat sie nötig. In Laramie sitzt sie nur im Haus und quatscht über AIM."

„AIM?"

„Instant Messenger. Ein Computerchat. Es gibt ein paar gute Tagescamps und Programme für kleinere Kinder aber für Kinder über dreizehn... vergiss es. Nichts." Sie hielt inne. „Ich erinnere mich noch an die schönen Sommer hier… wir haben mit den Pferden gearbeitet, sind ausgeritten… das wird ihr gut tun."

„Aber sie ist nicht wie du, vielleicht mag sie es nicht."

„Vielleicht nicht, aber wir reden hier von zwei Wochen. Am Ende des Monats fährt sie in ein Zeltlager, das hier wird sie bis dahin beschäftigen."

Jack und Ennis sahen sie beide fragend an. Junior grinste. „Sorry, ihr denkt sicher, dass ich euch eine mürrische Halbwüchsige aufhalse."

"Naja, es ist einfach eine Weile her, seit wir hier einen Teenager hatten.", erwiderte Jack.

„Ich würde euch nicht drum bitten, wenn ich es nicht für eine gute Idee hielte.", sagte Junior.

„Naja, Liebes, das weißt du am Besten, du bist ihre Mama.", erwiderte Ennis noch immer zweifelnd.

„Ich kann mir keinen Ort vorstellen, an dem ich sie lieber wüsste, als hier bei euch beiden.", antwortete Junior.