Kapitel 27
Überraschung!
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krokomaus: Du hast Recht, es ist schon sehr an den Haaren herbeigezogen… und ich muss dich enttäuschen, es geht kitschig weiter Aber dafür hab ich Mainewriter mit diesem Kapitel endlich eingeholt… jetzt muss ich erst warten, bis sie weiter geschrieben hat.
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Die Party begann um zwei Uhr und etwa gegen drei Uhr war sie in vollem Gange. Die Gäste waren auf dem Rasen verteilt, unterhielten sich in Gruppen oder hingen mit den Chili-Köchen herum, die schon mitten in der Arbeit steckten. Jack, der zwar vergessen hatte, ein Zelt zu bestellen, hatte dafür Tische und Stühle gemietet, sowie Schirme, die kleine Schattenoasen in der heißen Texassonne schufen. Der Regen der vergangenen Nacht schien jedoch einen reinigenden Einfluss gehabt zu haben, sodass die Luft nun, abgesehen von der Hitze, angenehm frisch war.
Jack war früh ans Werk gegangen. Sein Rezept, das Chili im Cincinnati Style, welches sich über die Jahre hinweg aus seinem alten Rezept aus „Freude am Kochen" gemausert hatte, köchelte auf dem Gaskocher. Er wanderte zwischen den anderen Tischen hindurch und traf zu seiner Überraschung auf seine Enkel Chrissie und Luke, die geschäftig braunes Rindfleisch in einer großen Pfanne brieten.
„Ich wusste gar nicht, dass ihr auch am Wettbewerb teilnehmen wolltet.", sagte Jack.
„Mama hat beschlossen, dass sie nicht kochen will.", sagte Chrissie. „Und Daddy sagt, er hat keinen blassen Schimmer von Chili."
Jack lachte. „So viel gibt's dazu nicht zu wissen, es ist recht einfach. Nach Bohnen war es eines der ersten Dinge, die ich kochen konnte."
Luke nickte. „Ich weiß, Opa. Chrissie und ich kochen abends, wenn sie auf mich und Joe aufpasst. Deswegen dachte ich, dass wir mitmachen sollten."
„Aber wir schummeln ein wenig.", erklärte Chrissie und hielt mit unschuldigem Grinsen eine Packung McCormick's Chili-O Mix hoch.
„Das würde ich nicht schummeln nennen.", erwiderte Jack. „Ich benutze das Zeug auch, wenn mir mal nicht danach ist, selber Chili zu kochen." Er beugte sich zu ihnen hinab und flüsterte ihnen zu: „Aber sagt das nicht eurem Großvater Ennis. Das bleibt unser Geheimnis."
Chrissie grinste ihn breit an und Luke gab ihm fünf. Jack ging weiter zum nächsten Chilikoch (Cecilia, die eifrig in einem großen Topf ihr „Scharfes aus Wyoming" kochte), als Ennis neben ihn trat. „Na, schaust du dir die Konkurrenz an, Cowboy?", fragte er sanft.
„Ach, nein.", erwiderte Jack unschuldig. „Ich unterhalte mich nur mit meinen Gästen."
Ennis lachte. „Sieht aus, als wärst du aber nicht der einzige Teilnehmer, der die Juroren beschwatzt." Er nickte zu der großen Eiche hinüber, in deren Schatten KE saß. Sie sahen zu, wie Lureen zu ihm trat, auf den leeren Stuhl neben ihm wies und sich dann setzte.
„KE und Lureen?", fragte Jack. „Also bei diesem Gespräch würde ich gern mal Mäuschen spielen."
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Als KE aufsah, bemerkte er eine attraktive Frau, die ihr dunkles Haar zu einem Zopf gebunden hatte und neben ihm stand. „Ist da frei?", fragte sie und zeigte auf den leeren Plastikstuhl.
„Äh ja.", stammelte er. „Setzten Sie sich."
"Danke.", sagte sie. "Ich hab angefangen, Chili zu machen, aber jetzt kocht es, da kann ich mich kurz setzen."
„Welche Art Chili machen Sie denn?"
„Mein besonderes Rezept: „Lureens' Chili mit Huhn" Schmeckt wirklich gut."
„Ich kann nicht erwarten, es zu probieren. Ich helfe meinem Bruder in der Jury."
„Ihrem Bruder?"
„Ja, Ennis. Ich bin KE Del Mar.", sagte er und reichte ihr die Hand.
„Oh! Schön, Sie zu treffen. Ich bin Lureen Donovan." Als KE ihre Hand schüttelte, fügte sie hinzu: "Ich wusste, dass Ennis einen Bruder hat, aber Sie waren noch nie hier, oder?"
KE schüttelte den Kopf.
"Nun, dann heiße ich Sie willkommen im sonnigen Texas, und auf der Lazy L."
KE lächelte Lureen zu. „Danke Ma'am, das ist sehr nett."
Lureen kicherte. "Sagen Sie nicht Ma'am... das hab ich auch Ennis gesagt, als ich ihn zum ersten Mal getroffen hab. Ich bin noch nicht alt genug, um eine Ma'am zu sein." Sie sah KE an. „Naja, gut, jetzt bin ich älter als damals, aber ich fühle mich noch immer nicht wie eine Ma'am. Sagen Sie Lureen."
„Geht klar.", erwiderte KE. „Woher kennen Sie Ennis denn?"
"Ach, das wissen Sie nicht? Ich bin Jacks erste Frau." Sie hielt inne und dachte über das nach, was sie soeben gesagt hatte. „Moment, das war nicht richtig, stimmt's? Ich bin Jacks einzige Frau. An Ennis ist nichts Frauliches." Sie lachte über ihren Witz und nickte in Richtung Party, wo Jack und Ennis zwischen den Gästen entlang gingen. Sein großer schlanker Körper überragte Jack um wenige Zentimeter. „Ich hab immer gesagt", sagte sie amüsiert beinahe zu sich selbst, „ich bin froh, dass mein Rivale keine größeren Titten hat als ich."
KE hustete mit vorgehaltener Hand und versuchte so zu verbergen, dass ihn Lureens derber Kommentar peinlich berührt hatte. „Sie waren mit Jack verheiratet?"
„Jap, zehn Jahre lang. Wir wurden in dem Sommer geschieden, als er und Ennis hierher auf die Lazy L zogen."
„Sie sind Freunde geblieben?"
„Nun, am Anfang war ich sauer auf ihn, klar. Aber dann dachte ich mir, was soll's? Bobby war da gerade erst neun und wir lebten in der Nähe, in Childress. Ich fand es wichtig, dass er eine Beziehung zu seinem Daddy hat und das war richtig." Sie wandte sich um und sah KE an. „Nach unserer Scheidung wurde er für Bobby ein besserer Vater und dafür danke ich vor allem Ennis."
„Er sagt, dass die Familie sehr wichtig für ihn ist."
„Nun, das stimmt, das war schon immer so. Ihr Bruder ist ein wirklich guter Mensch, KE, Sie sollten stolz auf ihn sein."
KE sah hinab auf die Bierflasche in seiner Hand und war nicht sicher, was er sagen sollte. Er hielt eine Weile inne, dann erwiderte er: „Ich glaube, er war schon immer ein guter Mensch, ich hab nur nie verstanden, warum er schwul ist…"
Lureen hob die Schultern. „Darüber denke ich nicht mehr nach. Als ich erstmal gesehen hab, wie glücklich Jack ist, hat es mich nicht mehr gestört, dass er schwul ist. Todsicher ist, dass ich ihn nie so glücklich gemacht hab."
KE hustete erneut. „Und leben Sie noch immer in Childress?"
Lureen schüttelte den Kopf. "Nein, ich wohne unten in Corpus Christi. 1995 hab ich wieder geheiratet. Ich mag es, am Wasser zu leben, aber ich vermisse Bobby und seine Familie."
„Ist Ihr Sohn hier? Welcher ist es denn?"
"Er ist noch nicht da, er hatte einen Notfall." Sie machte Gänsefüßchen mit ihren Fingern, als sie das sagte und zwinkerte KE zu.
KE sah verwirrt aus. „Einen Notfall?"
"Er ist Tierarzt und er kommt später, weil er noch nach einer kranken Kuh sehen muss. Das sagt er zumindest, aber ich hab das Gefühl, dass er irgendeine Überraschung vorbereitet hat…sagen Sie aber nichts davon, ich will nichts verderben."
KE lachte. „Außer meiner Familie, sind Sie die einzige Person, die ich hier kenne. Ich könnte es gar keinem sagen."
Lureen gestikulierte in KEs Richtung. „Ihre Flasche ist ja leer, wollen Sie noch ein Bier?"
„Oh, ja. Schließlich ist das hier ja ne Party."
Als Sie aufstanden, um gemeinsam zum Buffett zu gehen, bemerkte Lureen einen großen schwarzen Cadillac, der die Einfahrt hinauf fuhr. „Boah, haben wie einen VIP zu Gast? Wer kann das sein?" Sie berührte KE am Ellenbogen. "Los, sehen wir nach, was los ist. Vielleicht kommt Willie Nelson, um einen Song zu singen…"
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Auch Jack und Ennis bemerkten den blanken, schwarzen Wagen. „Erwarten wir noch jemanden?", fragte Jack.
„Ich glaube nicht.", sagte Ennis. „Bobby ist bei diesem Notfall, aber er hat keinen Cadillac."
Sie gingen zum Auto hinüber, als ein Mann im Anzug heraussprang. Er hatte einen großen Strauß Ballons in der Hand. Aus der Beifahrerseite stieg eine ähnlich gekleidete Frau, die eine riesige Torte trug. Sie gingen zu Jack und Ennis. „Sind Sie die Gastgeber?", fragte der Fahrer.
"Äh, ja.", sagte Ennis unsicher. „Aber wir haben keine Ballons bestellt."
„Nein, aber jemand anders… Ihre Enkelkinder, glaube ich." Da bemerkten Jack und Ennis, dass sich alle ihre Enkel um sie versammelt hatten. „Ein frohes Jubiläum, Großvater, Opa.", sagte Joe, Juniors Jüngster. „Wir dachten, ihr braucht eine Torte und Ballons für eure Party."
„Danke, Joe.", sagte Jack, hockte sich hin und umarmte ihn. „Das ist süß von dir."
„Es ist von uns allen.", sagte er leise. Die meisten Gäste hatten sich um sie versammelt, sodass er schüchtern wurde.
Der Fahrer räusperte sich. „Ich werde ein Lied singen.", sagte er.
Ennis hob eine Hand. „Bitte nicht singen. Sprechen Sie es doch wie ein Gedicht."
„Aber Sir…"
Ennis schüttelte den Kopf. „Nein ehrlich, nicht singen. Lesen Sie es einfach vor."
Der Fahrer hob die Schultern. „Sie sind der Gastgeber. Was immer Sie wollen." Er reichte Ennis die Ballons, welcher erst überrascht aussah und dann den Kopf schüttelte. „Nimm du die, Jack.", sagte er und hielt sie ihm hin.
„Klar, En, kein Problem.", sagte Jack und nahm ihm die Ballons ab. Er musterte Ennis, der knallrot geworden war und versuchte, nicht böse zu gucken, schließlich war es ein Geschenk ihrer Enkel… auch wenn er sich in den Boden schämte. Jack hätte am Liebsten seine Hand gedrückt doch er erkannte, dass das alles nur noch schlimmer machen würde. Also drückte er mit seiner linken Hand nur fester die Ballonschnur und steckte die rechte Hand in die Hosentasche.
„Sind Sie bereit?", fragte der Mann im Anzug und beide nickten. Er entfaltete das Papier und begann zu lesen:
Lieber Großvater, lieber Opa,
Frohes Jubiläum,
das Beste wünschen wir,
Frohes Jubiläum,
mit diesem Lied euch hier.
Ballons sollen schweben,
und steigen hoch genug,
sich in die Lüfte heben,
wie eurer Herzen Flug.
Eine Torte aus Gold,
die wie eure Ringe schimmert,
und uns damit,
an eure Liebe erinnert.
Großvater, Opa,
heut ist euer Tag,
wir lieben euch alle
was auch kommen mag.
Der Fahrer hielt inne. „Diese Ballons und die Torte senden euch: Chrissie, Luke, Joe, Andrew, Lauren, John und Evan mit viel Liebe, Umarmungen und Küssen."
Eine Weile standen sie alle unsicher da. Jack fand, dass dieses Gedicht das Kitschigste war, was er je gehört hatte, doch gleichzeitig berührte es ihn tief. Er glaubte, dass Ennis wohl dasselbe denken musste, deshalb drehte er sich um, sah ihn von der Seite an und lächelte.
Chrissie beugte sich zu Jack hin. „Ich weiß, dass eure Ringe nicht aus Gold sind Opa, aber so hat es besser gepasst. Wie der Kuchen, weißt du…"
„Ist schon gut, Süße.", sagte Jack grinsend. „Ich versteh schon, was gemeint war. Danke, das ist ein ganz besonderes Geschenk."
Chrissie grinste ihn breit an, offensichtlich mit sich selbst zufrieden. „Ich hab das geschrieben… mit Mamas Hilfe natürlich."
„Das war eine wundervolle Überraschung.", sagte Ennis, der endlich seine Stimme wieder fand. „Jack, ich glaube, wir sollten die Torte aus der Sonne schaffen und ins Haus bringen."
Jack nickte. „Eine gute Idee."
Sie gingen auf das Haus zu. Jack bahnte sich mit den Ballons einen Weg, gefolgt von der Frau mit der Torte, Ennis und einer Traube aus Enkeln. „Können wir etwas Kuchen haben?", fragte Joe und berührte Ennis an der Hand.
„Ich finde, wir sollten bis nach dem Chili warten… man isst nicht das Dessert zuerst."
„Aber Großvater, es ist eine Party! Da kann man doch die Regeln brechen."
„Naja, vielleicht. Lass uns erstmal reingehen, damit die Leute ihn bewundern können, bevor wir ihn anschneiden, okay?"
Joe nickte. „Okay, Großvater."
Sie stellten die Torte in die Mitte des Esszimmertisches und Jack band die Ballons an die Lehne eines Stuhles. „Jetzt sieht es hier aber festlich aus, nicht wahr?", sagte er.
„Ja klar.", rief Joe und sah ebenso wie sein Bruder gierig die Torte an.
Der Fahrer reichte Jack das Gedicht. „Behalten Sie das, man muss es einrahmen."
Jack widerstand dem Drang, mit den Augen zu rollen und legte das Gedicht neben den Kuchen. „Lassen wir es hier liegen, damit die Anderen es lesen können.", sagte er. „Wir können es später einrahmen."
Als sie aus dem Haus gingen, wies Ennis auf das Buffett. „Wollen Sie noch bleiben und ein Bier trinken?"
"Nein Danke, das ist sehr nett… aber wir müssen los. Sie sind zwar die einzige Jubiläumsparty heute, aber am vierten Juli haben wir eine Menge zu tun."
Ehe sie sich umdrehten und gingen, blieb die Frau stehen und schüttelte Ennis und Jack die Hand. „Haben Sie wirklich heute geheiratet?", fragte sie. „Am vierten Juli?"
"Ja, sicher.", sagte Jack. "Vor dreißig Jahren."
„Na dann alles Gute", sagte sie. „Ich wünsche Ihnen das Beste für die nächsten dreißig Jahre."
Sie stiegen in den Wagen, wendeten langsam und fuhren dann die Einfahrt hinauf und Richtung Quanah. Jack und Ennis, die von ihren Enkeln umringt waren, sahen zu, wie das Auto verschwand, dann wandte sich Ennis an Jack. „Das ist es, Cowboy.", sagte er sanft.
Jack lächelte ihm zu, nahm nun doch noch seine Hand und drückte sie. „Stimmt, Cowboy. Das ist es."
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Ich dachte mir, falls jemand das richtige Gedicht lesen will und nicht den holprig übersetzen Käse von mir, stelle ich es hier nochmal rein :
To Grandpa and Poppa,
Happy
anniversary,
May all your dreams come true,
Happy
anniversary,
A present for you two,
Balloons
that float,
On air so light,
To remind us of,
Your hearts in
flight.
A
cake of gold,
Like the rings you share,
To remind us of,
The
love that's there.
Grandpa
and Poppa,
It's your special day,
And we all love you,
In
every way.
