Kapitel 31

Noch mehr Erinnerungen

"Und der letzte Preis, der über den die Gäste abgestimmt haben, dessen Gewinner diese wunderschöne goldene Plastik erhält...", KE wandte sich an Ennis und fragte: „Wie nennst du ihn, En? Pokal?"

Ennis nickte. „Ja, ich denke schon."

"Gut, also dann geht dieser Pokal an unseren Gastgeber und meinen...", KE hielt inne und schluckte, dann holte er tief Luft, „meinen Schwager, Jack Twist."

Die versammelte Menschenmenge klatschte und applaudierte, während Jack herüber kam, um seine Trophäe entgegenzunehmen. „Danke, KE.", sagte er, lächelte ihm belustigt zu und nickte in stiller Anerkennung für den Namen, den er ihm gegeben hatte. Jack schüttelte KEs Hand, dann beugte er sich vor und umarmte ihn kurz. Er wandte sich an Ennis, gab diesem eine etwas intensivere Umarmung und sagte dann in einem lauten Wispern, das von jedem aber leicht gehört werden konnte: „Ich hab's dir ja gesagt."

„Hast du, aber du hast fair und ehrlich gewonnen. Die Leute haben abgestimmt, keiner kann dir vorwerfen, du hättest die Jury bestochen."

„Oder eher mit ihr geschlafen.", sagte Jack, diesmal aber in einem leisen Flüsterton direkt in Ennis' Ohr. Dieser wurde feuerrot bis an die Haarwurzeln, als er dies hörte.

„Ich hab gedacht, dass die Sonne und das Bier mein Hirn aufweichen aber vielleicht bist du ja derjenige, der verdorben ist, Jack Mistkerl Twist.", gab Ennis, ebenfalls flüsternd zurück. Dennoch schien es, als habe Bad-ass Bruce, der ganz vorne stand, das leise Gespräch mit angehört, denn er zwinkerte ihnen beiden verschmitzt zu. Diesmal errötete Jack.

„Ja, nun.", sagte er. „Also… dann fang ich mal so an, ich werde diese Trophäe auf einen Ehrenplatz im Haus stellen..."

„Ich dachte vielleicht an euren Kaminsims…", sagte KE.

„Ja vielleicht.", erwiderte Jack und wandte sich ihm zu. „Oder irgendwo in der Küche. Ich hab noch nie einen Kochpreis gewonnen."

„Und Sie haben auf Kosten des Chili Kings gewonnen!", rief Bruce aus. „Da können Sie echt stolz auf sich sein, gleich beim ersten Versuch!"

„Das bin ich auch.", grinste Jack und lachte Bruce und den anderen Gästen zu. Er hielt inne, dann räusperte er sich. „Ich möchte nur kurz noch etwas sagen… ich will euch allen für euer Kommen danken. Das ist ein wirklich besonderer Tag für Ennis und mich und es bedeutet uns viel, dass unsere Freunde und unsere Familie diesen Tag mit uns teilen möchten." Er hielt inne. „Zur Ehre unseres Jahrestages wollten wir eine gemeinnützige Veranstaltung geben für den Hospizservice… wir wollten es gerne freiwillig halten, sodass jeder spenden kann, der will… aber ich muss sagen, dass ihr alle sehr großzügig ward. Und Morgen werden wir einen Scheck über 4000$ an den Hospizservice von Hardman County übergeben. Also danke euch allen, dass ihr eure Herzen geöffnet habt, das ist wirklich, etwas ganz, ganz Besonderes."

Ennis lehnte sich hinüber und legte Jack einen Arm um die Schulter. Er umarmte ihn kurz und schenkte ihm ein warmes Lächeln, welches Jack auch erwiderte. Die gesamten Gäste applaudierten wieder.

„Die Party ist noch nicht vorbei.", fuhr Jack fort. „Wir haben Kekse und Kuchen und Eis im Esszimmer und eine große Kanne Kaffee in der Küche…"

„Mehr als nur eine Kanne.", kicherte Ennis. „Eher ne riesige Bütte."

Jack lachte. „Okay, dann haben wir eine Bütte Kaffee. Und gleich", er sah auf seine Uhr, "kommen ein paar Leute aus der Stadt und machen Musik. Ein Geigenspieler, einer mit einem Banjo und noch andere Instrumente… ihr könnt es euch einfach anhören oder wenn ihr tanzen wollt… wir haben genug Platz. Und dann, heute Abend um 9.30 Uhr, wenn jemand noch Energie hat, wird es in der Stadt ein Feuerwerk geben. In der Zwischenzeit könnt ihr euch alle bei einem Haufen Bier und anderen Getränken wie zu Hause fühlen."

Damit begannen die Leute, sich zu verteilen, gingen zum Haus oder den Tischen mit Sonnenschirmen hinüber. Ennis wandte sich an Jack. „Ich hol mal einen Müllsack, dann fang ich schon mal mit dem Aufräumen an."

"Das wirst du nicht, Babe.", erwiderte Jack. „Es ist auch deine Party."

„Was, hast du etwa eine Dienstmagd engagiert? Es wird sich sicher nich von selbst aufräumen, Jack… es dauert ja nicht lange."

„Naja, ich bring meine Trophäe ins Haus und seh nach, ob ich den Leuten Kaffee und Kuchen servieren kann."

„Mach das, Cowboy. Wir sehn uns gleich."

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Zwanzig Minuten später kam Ennis in die Küche, um seine Hände zu waschen, und war überrascht, Jack an der Spüle stehen zu sehen, wo er Geschirr abwusch und in die Spülmaschine stellte. „Du hast mir doch gesagt, ich soll nich aufräumen!", rief er aus.

„Du weißt, wie sehr ich eine Spüle voll dreckigem Geschirr hasse.", antwortete Jack. „Und wie gesagt, ich hab nun mal keine Dienstmagd."

Ennis lachte und schaute ins Esszimmer, wo Jacks Trophäe auf dem Tisch ausgestellt war. Die Kuchenreste lagen davor. „Der Kuchen war wohl ein Renner, was?"

"Aber klar, genau wie die Kekse." Er wischte sich die Hände an einem Handtuch an, dann packte er Ennis bei der Gürtelschnalle, als dieser in die Küche zurückkam. „Komm her, Cowboy.", sagte er sanft.

„Was denn?", fragte Ennis und ließ sich näher ziehen.

„Ich will nur eine Umarmung von meinem Mann.", erwiderte Jack. „All diese Aufregung… dich den ganzen Tag ansehen zu müssen…"

„Im Truck geil zu werden…", zwinkerte Ennis.

„Das auch…"

Ennis beugte sich zu ihm und küsste Jack sanft auf die Stelle unter seinem Ohr. „Ich liebe dich, Cowboy.", sagte er leise.

„Ich liebe dich auch.", sagte Jack. Seine Arme legten sich um Ennis' Hüfte, als er ihn erneut küsste.

Einen liebevollen Moment lang standen sie so da, genossen diese Zeit für sich nach der anstrengenden Party, dann lehnte Ennis sich zurück und sah Jack in die Augen. „Jetzt versuch hier nich, mich mit Umarmungen und Küssen weich zu kochen.", sagte er. „Ich werd nich mit dir tanzen, wenn die Band da ist."

„Ach, En…", seufzte Jack.

„Ich wusste doch, dass du das vorhattest."

„Nur ein kleiner Tanz?"

„Ich bin ein lausiger Tänzer, Jack, ich mag es nicht und außerdem… wenn ich dich in meinen Armen halte, dann will ich das hier tun." Er beugte sich zu einem weiteren Kuss nach vorne, seine Zunge zwängte sich zwischen Jacks Lippen, seine Hände legten sich beidseitig auf Jacks Gesicht und zogen es an sich. Einen langen Moment lang küssten sie sich, dann lösten sie sich voneinander. Ennis stand noch immer dicht an ihm und atmete schwer. „Willst du etwa, dass ich das vor all den Gästen mache?"

„Vielleicht wäre das etwas zu leidenschaftlich für die Welt da draußen.", erwiderte Jack sanft und küsste ihn erneut.

Als sie sich diesmal voneinander lösten, hörte Ennis ein leises Husten. Er sah auf und bemerkte, dass sein Bruder im Türrahmen stand. Er nahm die Hände von Jacks Gesicht aber Jack hielt ihn noch immer an der Hüfte. Ennis machte keine Anstalten, sich ihm zu entziehen.

„Ähm…ja.", sagte KE, sah auf und nieder, nach rechts und links, überall dahin, wo er den Augenkontakt mit Ennis und Jack vermeiden konnte. „Sorry, dass ich störe.", sagte KE. „Ich wollte mir nur eine Tasse Kaffee holen."

"Wir teilen nur einen kleinen, ruhigen Moment.", sagte Jack und lächelte KE zu. Er lockerte seinen Griff um Ennis' Hüfte, der im Gegenzug zurücktrat, zum Regal herüber langte und dieses öffnete.

„Ich geb dir eine richtige Tasse.", sagte er. „Ich hasse diese Styropor Dinger." Er füllte die Tasse auf und ging zum Türrahmen, um sie seinem Bruder zu geben.

KE hielt inne, sah sie eine Weile unsicher an und sagte dann: „Jack, ich hab's Ennis eben schon gesagt, das war wirklich ein schöner Besuch. Danke, dass ich hier sein darf."

„Gern geschehen.", sagte Jack. „Ich bin froh, dass ich die Chance habe, dich nach all den Jahren endlich kennen zu lernen."

„Ja.", erwiderte KE leicht lächelnd. „Die erste haben wir ziemlich versaut, nicht?" Er hielt inne und sah seinen Bruder an. „En, Cecilia will ein Bild von uns Dreien… sie hat keins, nicht mal aus alten Zeiten."

„Klar.", sagte Ennis. „Aber nur wir drei? Ohne Ehemänner?"

Jack lächelte in sich hinein. „Zuerst bin ich der Schwager, dann der Ehemann.", dachte er. „Heut hält sich wohl keiner zurück."

„Ich bin sicher, dass sie Bilder von allen machen wird, wenn sie damit fertig ist.", antwortete KE. „Aber sie sprach besonders von uns Dreien… das ist wichtig, weil… naja du weißt schon…" Er brach ab und ließ den Gedanken unvollendet zwischen ihnen in der Luft hängen.

„Ja, sicher.", sagte Ennis rasch. „Wir sind doch fertig hier, oder Jack?"

Jack schloss die Klappe der Spülmaschine. „Ja, klar. Lass uns lächeln und „Cheese" sagen gehen."

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Wie KE gesagt hatte, wurde aus der Fotosession eine Familienangelegenheit. Sie begannen mit KE, Cecilia und Ennis, dann kamen die Ehemänner dazu, dann die Kinder und schließlich auch die Enkel. Kelly hatte eine „echte" Kamera, eine mit Film, und als das ganze Fotoschießen begann, holte sie diese aus dem Kofferraum ihres Mietwagens.

„Das bringt mich auf eine Idee.", sagte sie leise zu Jenny.

„Und die wäre?"

„Vielleicht können wir schon mal für ein paar Weihnachtsgeschenke sorgen, gleich hier und jetzt. Das Bild von den Dreien zusammen können wir vergrößern und für deinen Vater einrahmen lassen." Sie sah über den Hof. „Vielleicht können alle Enkel auf Jacks neuem Truck posieren.", sponn sie den Gedanken weiter. „Das würde Jack sicher gefallen."

Jenny nickte. „Oh, eine gute Idee. Oh, und sieh mal, die Kleinen tragen rote T-Shirts... stell sie neben den grünen Truck, dann haben wir eine echte Weihnachtsatmosphäre."

Kelly brachte die Kinder schnell dazu, sich zu einer hübschen Gruppe aufzustellen. Sie mischte Große und Kleine, Blonde und Dunkelhaarige, dann trat sie zurück und schoss einige Fotos. Jack sah dem interessiert zu und kommentierte Jenny gegenüber: „Darin ist sie wirklich gut. Sieh mal, wie schön sie sie in eine Reihe gestellt hat."

Jenny lachte. „Sie stellt für ihr Leben gern Dinge auf.", sagte sie. „Da sind Kinder wohl nicht viel anders als Kekse."

Jack sah sie belustigt an. „Na, wenn du das sagst."

Eine Weile sahen sie noch zu, dann rief Jenny aus: „Oh! Ich hab da noch eine Idee, Onkel Jack, tust du mir einen Gefallen?"

„Klar, Liebes, was denn?"

„Ich will, dass du und Daddy mir für ein Foto posiert." Sie winkte ihren Vater herbei und wies auf die Verandatreppe. „Du setzt dich dahin, Daddy.", sagte sie. „Und Onkel Jack, du sitzt auf dieser Stufe…"

Jack sah sie an und es dämmerte ihm. „Ah, Liebes.", sagte er. „Das ist unser Schnappschuss. Du stellst das Foto nach, das wir oben stehen haben."

„Das stimmt." Sie lächelte. "Tut ihr das für mich?"

Sie positionierten sich auf der Treppe, Ennis legte seinen Arm um Jacks Schultern und Jack sah ihn an, wobei das offene Lächeln ganz natürlich auf sein Gesicht kam. Kelly stellte die Linse ein und drückte den Auslöser. Sie nahm eine Reihe von Bildern in rascher Abfolge auf. Dann, in einer Bewegung, die niemand erwartet hatte, beugte sich Ennis hinunter und küsste Jack sanft. Kellys Finger war bereit und als Jack den Klick hörte, sah er zu Ennis auf.

„Nun, Cowboy.", flüsterte er leise. „Ich glaube, jetzt hast du endlich das Foto, das du immer wolltest… das, auf dem wir uns küssen…"

Ennis nickte. „Deswegen hab ich es gemacht. Und um ehrlich zu sein, Jack... ich hätte nie gedacht, dass ich es vor einer Menschenmenge wie hier kriege."

Jack sah sich um und erkannte, dass niemand wirklich auf sie achtete, außer Kelly, die immer noch ihre Kamera hielt und Jenny, die neben ihr stand. Jack lachte leicht. „Schätze, wir sind nur zwei alte verheiratete Böcke… keinen juckt es, wenn wir uns küssen."

„Naja, KE sah aus, als würde er in Ohnmacht fallen, als er uns in der Küche gesehen hat, aber da ist er wohl der Einzige."

„Daddy, Onkel Jack, noch einen?", rief Jenny.

„Noch einen was?", fragte Ennis.

„Noch einen Kuss? Damit wir auch sicher sind, dass das Foto im Kasten ist?"

Ennis zwinkerte ihr zu. "Aber nur für dich, Schatz." Er wandte sich an Jack. „Ich liebe dich, Cowboy.", sagte er, während er sich nach vorne beugte und Jack diesmal näher an sich zog und ihm einen Kuss gab, der etwas länger andauerte.