So, erst Mal muss ich mich dafür entschuldigen, dass dieses Kapitel so ewig auf sich warten ließ. Ich war aber nicht wirklich in der Stimmung, um daran weiter zu schreiben. Die Muse hat mich zwar noch immer nicht getroffen, aber ich musste doch mal wieder mit dieser Story vorankommen. Ich hoffe, dass das Niveau nicht vollkommen abgerutscht und die Story noch immer einiger Maßen annehmbar ist.

Zu den Kommis:

Amunet: Ja, für mich war es auch schwer, meinen kleinen Dray so leiden zu sehen, aber wer weiß vielleicht wird das sich ja bald wieder ändern. Und wenn nicht, darfsu Harry eine kleben... g

LuckyShadow: Tja... die Frage, ob er sich etwas antut, wird sich in diesem Kapi klären. Aber bitte nicht hauen wegduck Freut mich, dass dir die Story so gut gefällt y

SammyBN: Na ja, bei mir is das so. Um so lieber ich einen Chara hab, umso mehr leidet er. Aber das wird sich sicher früher oder später ändern.

KimAlexandra: Danke, schön, dass es dir gefallen hat!

Blaise-Zabini: rotwerd... danke. Ich weiß, dass das dritte Kap lange auf sich hat warten lassen, wobei die Leutz von ff.de noch länger warten mussten räusper. Tja... wer weiß. Vielleicht kommt alles ins Lot, dauert noch einige Chapis. Bis jetzt sind acht geplant... mal schauen, wie viele es werden °

So, danke an alle Kommischreiber. Ich hoffe, dass ich euch mit diesem Chap nicht allzu sehr enttäusche. Dann mal viel Spaß beim Lesen:

Chapter three

Langsam stirbt die Seele

Worte, laute Geräusche, unzählige Stimmen. Alles versuchte zu ihm durchzudringen. Unbeschreiblicher Lärm schien ihn zu umgeben und dennoch hörte er es nicht, blieb es still um ihn herum. Es schien fast so, als würde eine unsichtbare Mauer ihn von der Außenwelt abkapseln und nichts und niemand vermochte es, sie zu durchbrechen.

Auch nicht Blaise, welcher neben ihm her schritt und irgend etwas erzählte. Die Worte, die er sprach, konnte Draco nicht hören, konnte sie nicht verstehen. Dennoch wusste er, dass sein bester Freund mit ihm sprach, denn er konnte sehen, wie sich lautlos seine Lippen bewegten. So als würden unzählige Worte sie verlassen und trotzdem blieb Blaise stumm. Stumm, wie all die anderen Schüler, die um ihn herum zu ihren Klassensälen eilten.

Er –Draco- war einer unter vielen und trotz des ganzen Gedränges fühlte er sich einsam und verlassen, als wäre sonst niemand mehr hier. Und teilweise stimmte es sogar, denn es war niemand hier, niemand, der ihn retten konnte.

Nur eine einzige Person würde seine Seele - und somit ihn – vor der vollkommenen Dunkelheit retten können, doch eben diese Person war auch der Grund für sein Leid und Draco konnte kaum glauben, dass der junge Gryffindor ihm helfen würde. Sein Verhalten dem Slytherin gegenüber zumindest erweckte nicht den Anschein, dass er sich allzu große Sorgen und Gedanken um den jungen Malfoy zu machen schien.

Aber... was hatte er überhaupt erwartet? Etwa, das Harry James Potter ihm überglücklich um den Hals fallen und alles, was gewesen war, einfach so vergessen würde? Wie naiv war er eigentlich?

Blaue Augen betrachteten schon seit einiger Zeit aufmerksam den blondhaarigen Slytherin, der mit seinen Gedanken schon wieder in seiner eigenen Welt verschwunden zu sein schien. Die Sorgen, die Blaise sich um Draco machte, wuchsen mit jeder Sekunde und er verspürte immer, wenn er die leeren Augen des Jüngeren sah, das unbändige Verlangen, denjenigen, der für diesen Zustand verantwortlich war, auf der Stelle in das nächste Leben zu hexen! Auch jetzt machte sich wieder diese Wut in ihm breit, doch verflog sie genauso schnell, wie sie gekommen war, als ihm bewusst wurde, dass es das auch nicht besser machte. Statt dessen machte sie einer schmerzlichen Hilflosigkeit Platz. Er wusste schon seit einiger Zeit einfach nicht mehr, wie er dem jungen Malfoy noch helfen sollte. Seine bisherigen Versuche Draco zu helfen und ihn aus seiner Einsamkeit zu befreien, ihn in Gespräche zu verwickeln, waren gescheitert. Und noch nicht einmal ein Scherz der Weasley-Zwillinge, den diese zuvor einem Zweitklässler gespielt hatten, hatte dem Slytherin ein Lächeln abgerungen. Sein Blick hatte das ganze Szenario nur einmal teilnahmslos gestreift und dann war er weitergegangen. Einfach so, als wäre nichts geschehen.

Er war zwar ein Malfoy und gab sich selten einem Gefühlsausbruch in der Öffentlichkeit hin, aber wenigstens ein Lachen, ein kleines Lächeln... irgend etwas, das Blaise zeigte, dass Draco's Seele noch in seinem Körper war, dass sie noch lebte. Doch nichts, nicht die kleinste Reaktion.

Schweigend liefen die beiden Slytherin neben einander her, gesellten sich zu einer schwatzenden, vor dem Klassenzimmer wartenden Gruppe von Schülern – Slytherin sowie auch Gryffindor – standen schweigend nebeneinander und warteten stumm.

Unauffällig blickten silbergraue Augen die Reihe von wartenden Schülern ab und blieb an einem jungen Gryffindor hängen der gerade, glücklich mit seinen beiden besten Freunden redend, vor dem Klassenzimmer ankam. Wie gerne würde er auch bei ihnen stehen und mit ihm reden, aber ihm war es verwehrt geblieben, die Freundschaft und Zuneigung des jungen Gryffindor zu erlangen. Kurz zuckte der junge Malfoy zusammen, als ihm dies, wie schon unzählige Male zuvor, bewusst wurde. Eisige Kälte erfasste seinen Körper und ließ den jungen Slytherin kurz erzittern. Die schmalen Hände zogen seine Robe ein wenig enger, versuchten die Kälte so zu vertreiben doch vergebens. Anstatt zu verschwinden wurde sie immer stärker.

Blaise, dem dies keines Wegs verborgen blieb, zog die Augenbrauen zusammen und knurrte leise. Er brauchte gar nicht erst nach zu sehen um zu wissen, wer angekommen war. Es konnte nur einer sein und dieser Zauberer sollte dem jungen Slytherin heute wohl lieber aus dem Weg gehen. Denn Blaise konnte für heute nichts garantieren!

Doch noch bevor Blaise den jungen Gryffindor angreifen konnte, wurde die Tür des Klassensaals geöffnet und die Schüler strömten, leise seufzend, hinein. Niemand von ihnen hatte auch nur die geringste Lust nun Geschichte der Zauberei über sich ergehen zu lassen. Doch es würde sicher für niemanden eine solche Qual werden, wie für einen gewissen blonden Slytherin, der gerade, dicht gefolgt von seinem besten Freund den Saal betrat. Er bemerkte, wie ihm unzählige Blicke folgten, schmachtende, sowie hasserfüllte, doch ignorierte er dies heute. Er wünschte sich nur die Augen eines einzigen Schülers auf sich ruhen zu wissen, dafür würde er alles geben. Dafür, dass der junge Gryffindor sich nach ihm umdrehte und ihn nicht wütend ansah, sondern freundlich, liebevoll. Doch er wusste gleich, wie unwahrscheinlich dies war. Es würde wohl nie geschehen, dass Harry Potter sich für ihn interessierte. Er hatte immerhin heute morgen in der großen Hallen sehr deutlich gezeigt, für wen er sich interessierte. Mit diesem Gedanken schlich Draco – mehr als das er ging – zu seinem Platz, bemerkte nicht, dass der schwarzhaarige Slytherin, der zuvor noch hinter ihm gewesen war, nun fehlte. Auch bemerkte er dieses Fehlen nicht, als er sich kraftlos auf seinen Stuhl sinken ließ. Erst als aufgeregte Stimmen zu ihm drangen, die Mauer der Stille, die sich um ihn herum aufgebaut hatte, durchbrachen, bemerkte er den Verlust seines besten Freundes. Und er musste nicht lange suchen, um Blaise Zabini wieder zu finden.

Selbiger Slytherin stand nun mit glitzernden Augen einem schwarzhaarigen Gryffindor gegenüber und beide waren bereit zum Angriff, auch wenn einer von beiden überhaupt keine Ahnung hatte, was mit dem Anderen los war. Aber Blaise hingegen wusste, weswegen er Harry Potter heute nicht ausstehen konnte, ja schon fast hasste. Immerhin war er der Grund für Dracos schlechte Verfassung und wenn das keine ausreichende Begründung war, um Harry jeglichen Fluch, den Blaise kannte, auf den Hals zu hetzen, dann wusste er auch nicht. Er hatte das dringende Bedürfnis, Harry auch leiden zu lassen, ebenso, wie dieser Draco leiden ließ. Auch wenn Zabini wusste, dass dies im Vergleich zu Dracos Leid wohl nichts war. Aber er musste etwas tun und er würde etwas tun.

„Verdammt Zabini, was soll der Mist!" knurrte Harry und rieb sich die Schulter, mit der er gegen die dicke Holztür geknallt war, als Blaise sich zusammen mit Harry durch die Tür gequetscht und den Gryffindor wohlwissend gestoßen hatte. Einen Streit provozierend, hatte der Slytherin damit begonnen Harry zu triezen, worauf dieser natürlich sofort angesprungen war. Und nun standen sie sich gegenüber, bereit, jeden Moment loszulegen. „Mist? Wieso Mist? Ich kann nix dafür, wenn du nicht laufen kannst, Potter!" konterte Blaise und lächelte kalt. Harry würde ihm nicht davon kommen, er würde ihn hier und jetzt in das nächste Jahrtausend hexen oder am Besten gleich ganz von der Erde ins Jenseits oder sonst wo hin. Egal, nur weit weg von ihm und Draco.

„Sag mal, bist du heute mit dem falschen Fuß aufgestanden oder was? Wieso drehst du heute so ab, das ist normalerweise doch Malfoys Aufgabe!" begann Harry, wurde jedoch schlagartig von Blaise unterbrochen, der einen Schritt auf Harry zumachte und in warnend anfunkelte. „Ich habe dir heute schon einmal gesagt, dass du Draco gefälligst in Ruhe lassen sollst. Und ich rate dir, das auch zu tun, sonst kann ich für nichts garantieren. Und glaub mir, Draco ist nicht der einzige Slytherin, der allerlei Flüche beherrscht. Also, wenn dir deine Körperteile und dein Leben lieb sind, dann..." Blaise beendete den Satz nicht, sondern blickte sich verwirrt um, als er eine leise Stimme vernahm, die seinen Namen rief. Er erblickte Draco, der vollkommen verloren auf seinem Stuhl saß und leicht den Kopf schüttelte. „Lass das!" flüsterte er und blickte seinen besten Freund aus leblosen grauen Augen an.

In diesem Moment, bei diesem Anblick, als er in diese leeren grauen Augen blickte, hätte Blaise sich am liebsten umgedreht und Harry einen der drei Unverzeihlichen aufgehalst, doch er konnte nicht. Seine Hand, mit der er den Zauberstab fest umschlossen hielt, sank langsam hinab. Er konnte einfach nicht, nicht wenn Draco ihn so ansah. Es war so... so verdammt unfair. Unfair, dass der blonde Zauberer nun so litt. Und eigentlich sollte der Grund für dieses Leid ebenfalls leiden, doch im Moment... im Moment, war Draco viel wichtiger. Mit einem letzten wütenden Blick auf Harry stapfte Blaise Zabini an ihm vorbei und ließ sich neben Draco auf einen Stuhl sinken. Erst jetzt bemerkte er die herrschende Stille und erkannte, dass aller Augen auf ihm ruhten, doch das interessierte ihn nicht. Seine Aufmerksamkeit galt dem Slytherin an seiner Seite, der leicht zu lächeln versuchte und ein leises „Danke" flüsterte ehe er nach vorne blickte und darauf zu warten schien, dass der Lehrer endlich kam. Blaise tat es ihm gleich, doch anstatt nach dem Lehrer zu sehen, blickte er zum goldenen Trio und versuchte Harry mit seinen Blicken zu töten. Vielleicht schaffte er es ja.

Selbiger saß zwischen Ron und Hermine, die sich aufgeregt über das Verhalten des schwarzhaarigen Slytherin ausließen und allerlei mögliche Spekulationen anstellten, welche dieses zu erklären versuchten. Doch er hörte gar nicht wirklich zu, statt dessen blickte er zu den Slytherin hinüber. Er verstand nicht, wieso sich Blaise urplötzlich so komisch verhielt. Er hatte dem Slytherin doch nichts getan. Und Malfoy? Malfoys Verhalten war noch verwirrender. Er stritt sich nicht mit Harry und schwieg eigentlich die ganze Zeit über. Er hatte den ganzen Morgen noch keinen bissigen Kommentar aus dem Mund des jungen Malfoy gehört. Aus irgendeinem Grund gefiel Harry das überhaupt nicht. Er mochte es nicht, dass Malfoy ihn nicht beachtete.

Der blondhaarige Slytherin versuchte seinerseits jedoch verzweifelt seine Maske aufrecht zu halten, was ihm keinesfalls leicht gelang. Am Liebsten wäre er schon längst aus dem Klassenzimmer verschwunden und hätte sich in seinem Zimmer verkrochen, auch wenn das nicht die Art eines Malfoys war. Aber war es denn eigentlich die Art eines Malfoys, solche Schmerzen erdulden zu müssen. Er glaubte kaum. Vollkommen in Gedanken versunken bekam Draco nicht mit, dass Professor Binns in den Saal schwebte und damit begann mit monotoner Stimme sämtliche Geschichtsdaten herunter zu rattern. Das nur wenige Schüler mitschrieben störte ihn kaum, der Geist bemerkte es noch nicht einmal. Vermutlich, weil dies in den meisten Stunden so war, also etwas wie Normalität. Doch heute war der Unterricht alles andere als normal. Halb Gryffindor diskutierte über das seltsame Verhalten von Blaise Zabini und Slytherin... Nun ja, auch Slytherin schien sich seine Gedanken darüber zu machen. Aller Augen ruhten auf Blaise und Draco und nach und nach fiel immer mehr Schlangen der weniger gute Zustand des jungen Malfoy auf. Das zumindest erklärte die Angriffslust Zabinis...

Blaise der noch immer unentwegt sein Augenmerk auf den jungen Potter richtete und ihm alles mögliche an den Hals wünschte, bekam nur am Rande mit, wie leise getuschelt wurde. Und dennoch wusste er, dass den meisten Slytherin Dracos Zustand aufgefallen sei dürfte. Er fluchte lautlos. Er hatte es ja gewusst. Er hatte gewusst, dass ihnen früher oder später auffallen würde, wie schlecht es dem blonden Zauberer ging.. jedoch hatte er gehofft, dass dem nicht so schnell der Fall sein würde. Aber nun... nun konnte er es auch nicht mehr ändern. Er Konnte nur hoffen, dass sich nicht alles noch verschlimmern würde. /Daran ist nur Potter schuld/ Wieder ein hasserfüllter Blick in Richtung des schwarzhaarigen Gryffindor. Harry Potter würde so lange keine ruhige Minute mehr haben, bis es Draco wieder besser ging, dafür würde Blaise höchst persönlich Sorge tragen. Das dem schwarzhaarigen Slytherin bei diesem Gedanken ein leises Knurren entwich, bemerkte dieser kaum. Sein Banknachbar jedoch sehr wohl.

Kraftlos hob Draco seinen Kopf hoch, blickte erschöpft zu seinem besten Freund, wollte wissen, was los war? Leere graue Augen musterten den Schwarzhaarigen an seiner Seite. Was mit Blaise wohl los war? Vielleicht war er ja sauer auf Draco? Für einen winzigen Moment verzog sich das Gesicht des jungen Slytherin schmerzhaft. Er dachte daran, was wäre, wenn er nun auch noch Blaise verlieren würde. Immerhin hatte er sehr viel von dem anderen verlangt. Er hatte ihm immer die Ohren wegen... wegen dem Gryffindor vollgejammert und auch jetzt war er alles andere als leicht zu ertragen. /Wie Blaise es überhaupt mit mir aushält/ Gewissensbisse begannen den jungen Zauberer zu plagen, während er daran dachte, was er seinem besten Freund in der letzten Zeit abverlangte und er wurde sich von Sekunde zu Sekunde sicherer, dass der schwarzhaarige Slytherin ihn früher oder später auch nicht mehr leiden konnte. Draco konnte spüren, wie sich auch diese Erkenntnis tief in seine Seele fraß und Spuren hinterließ, die wohl nie verblassen würden. Er konnte den Anblick seines besten Freundes nicht mehr ertragen und wand sich ab. /Ich bin allen nur eine Last/ Er spürte nicht, wie seine Schultern zu zittern begannen, jedoch vernahm er sehr wohl diese leisen Stimmen, die sich wieder aus der Dunkelheit an ihn heranschlichen. „allein. So allein" „Keiner der dich mag..." „alle verlassen dich" „armes Kind"

Weghören... er musste weghören, er durfte ihnen nicht zu hören. Fest schloss er die Augen und versuchte die Stimmen zu vertreiben, wollte sie los werden, jedoch verschwanden sie nicht.

Erst, als sich eine Hand auf seine Schulter legte, verstummten sie, hinterließen jedoch ein lautloses Versprechen, dass sie wiederkommen würden.

Blaise hatte nicht registriert, dass Draco ihn ansah, wissen wollte, was den schwarzhaarigen Slytherin so ärgerte. Jedoch hatte er es sehr wohl bemerkt, als der andere sich urplötzlich weggedreht und unkontrolliert zu zittern begonnen hatte. Sofort hatte der blonde Zauberer wieder die ungeteilte Aufmerksamkeit seines besten Freundes. Potter war für's Erste vergessen. Eilig versuchte Blaise die Situation zu überblicken, wollte wissen, was den anderen so verwirrt oder aufgeregt hatte. Doch der Blonde reagierte nicht, weder auf seine Fragen noch auf sein Flehen, ihm doch endlich z sagen, was los sei. Draco schien nicht hier zu sein, nicht in dieser Welt und das bereitete dem anderen Sorgen. Kurz sah er sich um, ehe er die Hand hob und mit Professor Binns sprach. „Professor. Draco geht es nicht gut... kann ich bitte mit ihm zur Krankenstation gehen!"

Der Geist unterbrach das Aufzählen von Daten für einen kurzen Moment und betrachtete den jungen Schüler neben Blaise. Dann nickte er und wand sich mit monotoner Stimme wieder der Klasse zu. Für einen Geist schien Draco vermutlich noch nicht wirklich krank auszusehen... zumindest nicht allzu Besorgnis erregend. Für Blaise hingegen schon. Er stand auf und fasste Draco an die Schulter, als dieser keine Anstalten machte, ihm zu folgen. Um so erleichterter war Blaise, als der blonde Zauberer den Kopf anhob und grauen Augen ihn fragend ansahen.

„Komm Dray. Wir gehen!" flüsterte er, so leise, dass nur Draco es verstehen konnte. Dieser blickte verwirrt zu Blaise auf. Was war denn nun los? Wieso sollten sie gehen? Unentwegt blickte er in die blauen Augen des Älteren, versuchte eine Antwort darauf zu finden, doch spiegelten sich in ihnen nur Sorge und Angst wider. Was war los? Kurz blickte Draco sich um, bemerkte, dass die Augen aller Schüler auf ihn gerichtet waren. Doch warum? Er verstand nicht so ganz... War irgendetwas mit ihm? Oder... sah man ihm seinen Zustand etwa an?

Ein leichtes Drücken an seiner Schulter ließ ihn wieder zu Blaise schauen. „Na los, komm. Gehen wir Draco." Mit diesen Worten zog er den blonden Slytherin sanft vom Stuhl und verließ mit ihm den Klassensaal, immer darauf bedacht, dass Draco nicht stolperte. Denn Dracos Schritte wirkten äußerst kraftlos und es schien fast so, als könnte der junge Zauberer jeden Moment zusammenklappen.

Um so erleichterter war Blaise dann, als er die Tür hinter sich ins Schloss fallen hörte. Er entließ Dracos eisige Hand aus seiner eigenen und drehte sich zu dem anderen um, betrachtete ihn genaustens. Der Jüngere schien wieder in seinen Gedanken verschwunden zu sein. Blaise seufzte. Das konnte wirklich noch heiter werden.

„Draco, ist alles in Ordnung mit dir? Du siehst wirklich nicht gut aus... vielleicht solltest du dich wirklich untersuchen lassen. Gehen wir in den Krankenflügel!" Die Besorgnis, die in Blaise Stimme lag, war kaum zu überhören und auch Draco vernahm sie, ließ ihn aus seinen Gedanken aufschrecken. Es dauerte kurz, bis die Worte zu ihm durchdrangen, doch als er sie endlich vernahm, schüttelte er eilig den Kopf – unterließ es jedoch wieder, als ihm schwindelig wurde. Kurz lehnte er sich gegen die Wand, versuchte seinen rasselnden Atem zu beruhigen und seine Gedanken zu ordnen. Er wollte nicht in den Krankenflügel. Er hasste diesen Ort. Außerdem wusste er, was mit ihm los war und Madam Pomfrey würde ihm mit keinem ihrer Tränke oder Heilmittelchen helfen können. Niemand würde ihm helfen können. Auch Blaise nicht... So lächelte er den anderen nur entschuldigend und schüttelte leicht den Kopf. Unterließ es jedoch sogleich wieder, als ihm erneut leicht schwindelig wurde. „Nein... nein, Blaise. Lass nur. Ich... ich werde mich ein wenig hinlegen und dann wird es mir heute mittag schon wieder besser gehen. Also, mach dir keine Sorgen!" Mit diesen Worten drehte er sich um, macht sich langsam auf den Weg in Richtung Kerker. Seine Schritte wirkten unsicher und seine Haltung war kraftlos. Blaise betrachtete den junge Malfoy besorgt. Ihm gefiel es nicht, Draco allein zu lassen... aber wenn er ihm jetzt folgte. /Dray würde sicher sauer werden, denken dass ich ihm nicht vertraue... dann wird er mich meiden und ich kann gar nicht mehr auf ihn achten. Aber... ich... ich kann ihn doch nicht allein.../

Wie als hätte Draco die Gedanken seines besten Freundes gelesen, drehte er sich noch ein letztes Mal um, lächelte leicht – oder er versuchte es zumindest. Leise Worte durchstreiften den Flur. „Wir sehen uns später!" Dann war Draco um die Ecke verschwunden.

Blaise stand noch einige Minuten reglos dar, starrte Draco nach, der schon verschwunden war. Noch immer rang der Schwarzhaarige mit sich selbst, mit dem Drang dem anderen zu folgen oder vielleicht doch besser zurück in die Klasse zu gehen. Auf der einen Seite war da seine grenzenlose Sorge um den blonden Zauberer. Er fürchtete sich davor, dass Draco etwas zustieß, dass er sich etwas antat. Zurzeit traute er dem jungen Malfoy fast alles zu. Immerhin war er wirklich tief verletzt worden und Blaise wusste nicht, wie Draco damit umgehen würde. Aber das, was er bis jetzt gesehen hatte, ließ ihn böses vermuten.

Aber... auf der anderen war da diese kleine Stimme, die ihm sagte, er solle Draco doch vertrauen. Draco würde schon zur Vernunft kommen und wissen was er tat. Er war vermutlich nur fertig, kein Wunder nach dieser langen Nacht. Wer konnte es ihm nach dem gestrigen Erlebnis verübeln, dass er heute nicht ganz auf dem Besen flog? Aber, das hieß ja noch lange nicht, dass sich das nicht bald wieder ändern würde. Vielleicht nicht in einer Stunde, aber heute Mittag oder Morgen konnte die Welt doch wirklich schon wieder ganz anders aussehen, auch für Draco. Und dieser war bis heute auch wirklich kein Kind von Traurigkeit gewesen, er hatte sich immer zu helfen und wehren gewusst.

Der schwarzhaarige Slytherin nickte zustimmend. Ja bis jetzt hatte Draco vieles überstanden, wieso nicht auch das. Es könnte einige Zeit dauern, aber diese Zeit sollte man dem Jungen doch auch zugestehen, oder?

Schließlich entschied sich Blaise dafür, Draco erst einmal ein wenig Ruhe zu gönnen. Vielleicht war dies wirklich alles, was der junge Malfoy benötigte. Einfach ein wenig Zeit, um sich Gedanken zu machen und sich darüber klar zu werden, was er nun machen würde.

Noch ein letzter hoffnungsvoller Blick in die Richtung, in die Draco verschwunden war, dann wand Blaise sich zum Gehen. Er hoffte bei Merlin das sich seine schlimmsten Befürchtungen als totaler Schwachsinn herausstellen sollte und die Stimme, die an sein Vertrauen zu Draco appellierte, Recht behielt. Denn er wüsste nicht, was er tun sollte, wenn dem nicht so war...

Die Klassenzimmertür fiel lautlos hinter ihm ins Schloss. Die fragenden Blicke der anwesenden Schüler ignorierte, er. Statt dessen starrte er aus dem Fenster, betrachtete die tiefschwarzen Wolken, die langsam am horizont aufzogen und unheilverkündend näherrückten. Ansonsten war es ruhig, selbst die geschwätzigsten Schüler waren still und auch auf den Fluren herrschte eine bedrückende Stille. Nur das Heulen des Windes war noch auf den Gängen zu hören und es schien fast so, als würde selbst der Wind die Zukunft erahnen, als würde er um all das Weinen was geschehen war und noch geschehen würde. Und vielleicht wusste er wirklich, was die Zukunft an Schmerz und Leid noch zu bringen vermochte...

Draco schritt langsam die Flure Hogwarts entlang, wobei... schreiten wohl eher das falsche Wort war. Der junge Malfoy schwankte mehr als das er ging und musste sich immer wieder an der Wand abstützen um nicht gänzlich umzukippen. Er hatte überhaupt nicht gemerkt, dass er so ausgelaugt war... dabei hatte er heute doch noch gar nichts anstrengendes gemacht. An die Nacht, die er hinter sich hatte, wollte er nicht denken, versuchte eine andere Erklärung zu finden. Wobei... eigentlich war das jetzt ja auch egal. Er war sowieso gleich in seinem Zimmer, dann konnte er sich ausruhen. Nur noch ein paar Schritte...

Kraftlos sank Draco auf sein Bett, kippte auch sogleich zur Seite, blieb reglos auf der weichen Matratze liegen. Einzig seine Brust hob und senkte sich in raschem Tempo, zeigte, dass der junge Malfoy noch lebte.

Noch nie war der Weg zu den Räumen der Slytherin so anstrengend gewesen aber er hatte es ja jetzt geschafft, jetzt konnte er sich ein wenig entspannen, neue Kräfte sammeln und sich beruhigen. Immerhin musste er bald wieder fit sein... denn wenn er wieder in den Unterricht ging, war es unvermeidlich, dass er IHN wieder sah. Er würde sich nicht immer vor ihm verstecken können. Er durfte es nicht mehr so nah an sich heranlassen... er musste die Schmerzen verbergen. Es sollte sich niemand mehr wegen ihm sorgen. Er musste Stärke zeigen. /Stärke/

Starr blickte er in die Dunkelheit, die in seinem Zimmer herrschte. All seine Vorhänge waren zugezogen, so dass kein einziger Lichtstrahl in das Innere des Raumes drang. Irgendwie konnte er das im Moment nicht ertragen. Es erinnerte ihn an Harry... an das strahlende Leuchten seiner grünen Augen, das Lächeln, das heller als jeder Sonnenaufgang zu sein schien. Scharf sog Draco die Luft ein, spürte wieder diese unsäglichen Schmerzen in seiner Brust die sich unaufhaltsam auszubreiten schienen, ebenso diese eisige Kälte, die mit dem Schmerz zusammen Einzug hielt. Er wusste, dass er ihnen nicht entfliehen konnte. Dabei hatte er es doch versucht... war jedoch gescheitert.

Und dann kamen sie wieder, durchbrachen die herrschende Stille. Wie schon einige Male zuvor, konnte er wieder diese Stimmen vernehmen. Stimmen, die aus der Dunkelheit zu kommen schienen und nach ihm riefen. „Komm, Kind... komm zu uns." „Kind mit gebrochenem Herz..." „Bist sicher bei uns.." „Werden dich beschützen, für immer..." Melodische Stimmen die ihn lockten und im Moment hatte er keine kraft ihnen zu entrinnen, er war zu müde. Er realisierte nicht mehr, wie sich seine Lider schlossen, war schon abgedriftet, seine Seele fast vollkommen in der Dunkelheit verschwunden. Noch hatte er nicht ganz aufgegeben, aber es war nur eine Frage der Zeit...

Der Unterricht schien für Blaise endlos zu sein und umso erleichterter war er letztlich, als die letzte Stunde endlich zu ende ging. Eilig räumte er seine Sachen zusammen, ignorierte die fragenden Blicken der restlichen Slytherin wie schon die Stunden zu vor, machte sich statt dessen auf den Weg zu den Schlafsälen. Er musste unbedingt nachsehen, wie es dem blonden Zauberer mittlerweile ging, ob ihm die Pause, die er sich genommen hatte, gut getan hatte.

Draco öffnete langsam seine Augen, als er ein unaufhörliches Klopfen an der Tür vernahm. Langsam löste sich seine Seele von der Dunkelheit, die ihn noch vor wenigen Sekunden sanft umschlossen und von allen Schmerzen ferngehalten hatte, die jetzt umso stärker wieder auf ihn einprasselten. Ein schmerzerfülltes Keuchen entwich den Lippen des jungen Malfoy und er ballte die Hand vor seiner Brust, krallte sie in sein Hemd. Dabei hatte er doch so gehofft, dass es nach ein wenig Ruhe besser sein würde. Wieso musste es aber immer noch so weh tun? Was hatte er denn schlimmes getan, um so bestraft zu werden? Was denn nur?

Ein erneutes Klopfen erinnerte Draco daran, was ihn aus seinem Dämmerzustand gerissen hatte und er blickte auf, registrierte nun endlich auch die Stimme, die anscheinend zu der klopfenden Person gehörte. Mühsam richtete sich der blonde Zauberer auf, versuchte aufzustehen unterließ es jedoch, als ihm seine Beine den Dienst versagten. Seufzend bat er die ‚unermüdliche' Person herein und wie erwartet trat niemand geringer als sein bester Freund durch die Tür.

Unruhig wartete Blaise vor der Tür des jungen Malfoy, klopfte immer wieder und wartete auf Antwort. Auch sein Rufen war bis jetzt unbeantwortet geblieben und so langsam begann Blaise sich wirklich Sorgen zu machen. Vielleicht hätte er Draco doch nicht allein gehen lassen sollen? Was wenn ihm etwas zugestoßen war? Die Tür war von innen verschlossen und nur draco konnte sie öffnen... was sollte er denn nur tun, wenn...

Ein leises „Herein" und das Klacken des Türschlosses, das sich öffnete rissen den schwarzhaarigen Slytherin aus den Gedanken und mit einem Schlag fühlte Blaise sich um viele Tonnen leichter. Zumindest war Draco noch bei Bewusstsein, auch wenn ein Lebenszeichen seitens des jungen Malfoy lange hat auf sich warten lassen. /Vielleicht ist er ja auch nur eingeschalfen/ versuchte Blaise die letzten Zweifel beiseite zu schieben, während er eintrat. Sofort suchten seine Augen nach dem blonden Slytherin und fanden ihn schließlich auf dem Bett sitzend. Blaise musterte seinen Freund kritisch und trotz der geschlossenen Vorhänge konnte Blaise sehr wohl erkennen, dass es Draco keinen Deut besser zu gehen schien, wie er mit Bedauern und Sorge feststellen musste. Er schien zwar ein wenig geschlafen zu haben, aber erholt sah Draco nun wirklich nicht aus.

Seufzend ließ Blaise Dracos Tasche auf dem Schreibtisch des Malfoys nieder. „Wie geht es dir denn, Dray?" ohne sich umzusehen schritt Blaise schnurstracks auf die Fenster zu und ließ Licht in den Raum.

Draco schloss zischend die Augen und hielt sich den Arm vors Gesicht, als Blaise die Vorhänge aufzog. Licht war nun wirklich das letzte, was er sehen wollte. Es tat so sehr in den Augen weh... Draco stockte, seit wann war er darin nur so empfindlich geworden?

Blaise, der Dracos Reaktion sehr wohl bemerkt hatte, zog verwundert eine Augenbraue nach oben, sagte jedoch nichts. Statt dessen wiederholte er seine Frage von eben. „Wie es dir geht, will ich wissen, Draco? Geht es dir wieder ein wenig besser?" Nur ein Blick genügte, damit Blaise wusste, dass es Draco nicht besser ging. Die Haut des blonden Zauberers war noch immer viel zu blass, die Haltung war kraftlos und die Augen strahlten ein Leere aus, die Blaise eisige Schauer über den Rücken jagte. Und dennoch...

„Mir geht es besser, danke Blaise!" antwortete Draco lächelnd, auch wenn sein Lächeln er gezwungen wirkte. Der Schwarzhaarige hingegen schnaubte missbilligend. Er mochte es nicht, wenn er angelogen wurde, und es war offensichtlich, dass Draco ihn gerade anlog. Immerhin zeigte seine Erscheinung, dass es ihm wirklich alles andere als besser ging. „Dray, bitte... sag mir die Wahrheit!" bat Blaise, doch auch dieses Mal lächelte Draco nur. „Glaube mir, Blaise. Es geht mir wirklich gut. Gehst du jetzt essen?" Blaise bemerkte natürlich sofort den Themenwechsel, den Draco durchführte. Seufzend gab er sich geschlagen, heute würde er es Draco noch einmal durchgehen lassen. Aber wenn sich sein Zustand nicht bald änderte...

„Ja, ich wollte in die große Halle gehen. Kommst du mit?" Draco schien kurz zu überlegen, ehe er den Kopf schüttelte. „Nein, ich... ich habe mir heute Mittag etwas aus der Küche geholt. Hab keine Hunger, aber danke. Kannst mir ja morgen erzählen, ob irgendetwas vorgefallen ist. Ich werde mich wohl gleich hinlegen. Also dann, guten Appetit!" Die Bitte zu gehen war kaum zu überhören, auch wenn sie nicht direkt ausgesprochen worden war. Doch Blaise verstand Draco, immerhin kannte er den Blonden schon lange genug um sein Art genaustens zu kennen. Wieder entwich ein Seufzen seinen Lippen. Er ahnte, dass es gelogen war, dass Draco sich nichts zu essen besorgt hatte, doch hoffte, nein flehte er, dass es anders war. Er betete dafür, dass Draco in der Küche gewesen war. Er war sowieso schon so kraftlos, da musste er sich nicht noch auf die Knochen runterhungern. Noch ein letztes Mal nahm er den Jüngeren in Augenschein. Es tat ihm weh, Draco so zu sehen, so verletzt und kränklich... auch wenn Draco es zu kaschieren versuchte.

Hoffentlich war das bald wieder vorbei und Draco konnte wieder Draco sein, so fröhlich und gemein wie früher. So zumindest gefiel er Blaise überhaupt nicht. Langsam wand sich Blaise zum gehen, drehte sich jedoch noch einmal um, als er schon das kühle Metall der Klinke unter seiner Haut fühlen konnte.

„Ich komme dann später noch vorbei und bring dir einen Apfel oder so mit, okay?" Er wusste, dass es ein verzweifelter Versuch war, Draco zu helfen. Aber im Moment fiel ihm nichts anderes ein. Er wusste im Moment nicht, wie er dem Blonden helfen sollte... all seine Ideen waren verschwunden, als er die gebrochene Gestalt des ehemals so stolzen Zauberers auf dem Bett vorgefunden hatte. Er konnte nur noch an Draco denken, an seine Schmerzen und wollte sich noch nicht einmal vorstellen, welche Qualen der Blonde erdulden musste, wenn er sich so sehr veränderte. Aber irgendwie würde er ihm helfen und wenn es nur mit Kleinigkeiten war.

„Nein, danke Blaise. Ich werde mich jetzt wirklich hinlegen. Immerhin kann ich ja morgen nicht schon wieder fehlen, oder? Also, bis morgen früh." Damit war das Gespräch für Draco beendet und er stand auf, drehte Blaise den Rücken zu und schritt langsam und vorsichtig zum Fenster, blickte hinaus. Den Anblick des Schwarzhaarigen konnte er nicht mehr länger ertragen. Diese mitleidvollen Blicke und er wusste, dass sie auch noch gerechtfertigt waren. Er sah vermutlich wirklich alles andere als okay aus. Vermutlich sah er ungefähr so aus, wie er sich fühlte und es war klar, dass Blaise wusste, dass er ihn belogen hatte. Ein Grund mehr, weswegen er den anderen nicht mehr ansehen konnte. Blaise war sein bester Freund und es fiel ihm nicht leicht ihn zu belügen. Außerdem wusste er sehr wohl, welche Sorgen Blaise sich um ihn – Draco – machte und das sollte er nicht. Er sollte nicht auch noch sein Leben versauen, nur weil Draco sein Herz unwiederbringlich verschenkt hatte, falsch verschenkt hatte. Blaise sollte sich keine Gedanken um Dracos gebrochene Seele machen müssen, er sollte so bleiben, wie er vor dieser Nacht gewesen war. Es reichte, wenn einer an dieser Sache zugrunde ging. Und Draco würde Blaise sicher nicht mit sich ziehen. Nein, Blaise sollte aus dieser Sache rausgehalten werden... wenigstens er sollte weiterhin glücklich sein. Er hatte ihm schon oft genug geholfen... das würde er auch alleine durchstehen, mit Sicherheit.

Noch immer an der Tür stehend, betrachtete Blaise die Gestalt, die von dem blutroten Licht der untergehenden Sonne umrahmt zu werden schien, ja schon fast verschlungen wurde. Und für einen kurzen Moment schien es, dass sich das Rot verwandelte, verfestigte und etwas zeigte, das geschehen würde. Ein Meer aus Rot umschloss den blassen Körper, ein Meer aus Blut, Dracos Blut...

Eilig schüttelte Blaise den Kopf, an so etwas durfte er noch nicht einmal denken. Draco würde so etwas doch sicher nie tun. So weit würde Blaise es niemals kommen lassen und wenn er jede Sekunde bei Draco bleiben musste. Doch... vermutlich war es nur eine Sinnestäuschung gewesen. Draco war sicher der letzte Mensch, der sich selbst verletzte... physisch zumindest. Psychisch war er derzeit wirklich alles andere als gesund. Aber, das würde sich sicher bald wieder ändern, das hoffte Blaise zumindest.

Ein letzter Blick, dann ließ er den jungen Malfoy endlich allein. Die leise Stimme, die ihn zum Bleiben aufforderte, versuchte Blaise zu ignorieren und kam statt dessen Dracos Wunsch nach, alleine zu sein. Er würde auch noch morgen mit Draco reden können. Eine Nacht Schlaf würde Draco sicher gut tun und wenn nicht, würde Blaise sich etwas einfallen lassen. Und bis dahin... „Schlaf gut, Dray!"

Langsam ging die Sonne hinter dem verbotenen Wald unter, färbte den Himmel blutrot und ging langsam in die tiefschwarze Nacht über. Die dunklen Sturmwolken kamen immer näher, bargen das letzte Licht hinter sich und hinderten es daran, den Boden zu erreichen, bis letzten Endes die Nacht über den Tag siegte und sich über die Ländereien Hogwarts legte.

Draco saß allein im Dunkeln in seinem Zimmer und starrte stumm aus dem Fenster. Blaise war schon vor Ewigkeiten gegangen und er selbst hatte sich seit Stunden nicht mehr bewegt, versuchte weiterhin diesen brennenden, immerwährenden Schmerz in seinem Inneren zu überwinden. Doch egal was er tat, an was er dachte, er blieb und wurde immer schlimmer. Verzweifelt ballte der Slytherin seine Hände noch fester zu Fäusten, die Fingernägel gruben sich schon tief in die blasse Haut. /Es soll aufhören. Es tut so weh... warum kann es nicht einfach aufhören/ Suchend schaute er sich in seinem Zimmer um, versuchte in der Dunkelheit die Antwort zu finden, als sein Blick auf einen im Mondschein leuchtenden Gegenstand fiel.

Schwerfällig stand Draco auf und schleifte sich mehr als das er ging zu der Kommode, auf der besagter Gegenstand lag, der seine Neugierde erweckt hatte.

Schlanke Finger fuhren über das kalte Metall des Drachendolches, umschlossen fest den Griff und hielten ihn in die Höhe. Erneut fiel das Licht des silbrigen Mondes auf das scharfe Metall und ließ es bläulich schimmern. Diesen Dolch hatte ihm doch einmal sein Vater geschenkt. Er war scharf und schnitt nur dann, wenn sein Besitzer es wollte. Somit war gewährleistet, dass ein Fremder ihn mit seinem eigenen Dolch niemals verletzten oder man sich aus Versehen selbst schneiden könnte. Aber was, wenn er selbst... also bewusst... /Vielleicht ist das... die Lösung. Vielleicht hört der Schmerz dann auf/ Er krempelte seine Robe nach oben und setzte die geschwungene Klinge des Dolches an.

Scharf sog Draco die Luft ein, als das scharfe Metall tiefe Furchen in seine kränklich wirkende Haut ritzte. Sofort quoll rotes Blut aus den geschaffenen Wunden, benetzte die schneeweiße Haut. Und mit jedem Tropfen Blutes, den er verlor, verschwanden die Schmerzen, die sein Herz in seinem Inneren verursachten. Er fühlte sich leer und irgendwie schwerelos, frei. Er musste sich für kurze Zeit keine Gedanken um etwas machen und all seine Schmerzen schienen mit dem roten Lebenselexier seinen Körper verlassen zu haben.

Doch währte dieser Zustand nicht lange, sobald der Blutfluss versiegte, kehrten die Schmerzen und die Hoffnungslosigkeit zurück.

Erneut setzte Draco die Klinge an. Immer und immer wieder. Die Schnitte wurden tiefer, er versuchte den Schmerzen länger zu entfliehen und es klappte auch. Jedoch würde er einen hohen Preis bezahlen müssen. Früher oder später...

Am nächsten Morgen wachte er auf dem Boden liegend auf, sein Blick fiel direkt auf den Blut verschmierten Dolch, welcher direkt vor ihm auf dem Teppich lag. Der schneeweiße Drache mit den grünen Augen schien ihn fast vorwurfsvoll anzusehen, so dass Draco ihn schnappte und in irgendeine Schublade stopfte. Dann beseitigte er mit einem Wink seines Zauberstabs alle Flecken auf dem Teppich und machte sich völlig erschöpft auf den Weg ins Bad. Ohne weiter auf seine völlig aufgeschnittenen Handgelenke zu achten stieg er unter die Dusche, wusch die letzten Blutspuren von seinem Körper. Er wollte nicht, dass jemand diese Spuren sah. Niemand sollte sehen, dass seine Seele gestorben war. Niemand...

So, das war's dann mal wieder, bis zum nächsten Chap.

Bis denne

Kael-san