Endlich geht es hier auch mal wieder weiter… hat ja lange genug gedauert. Dafür möchte ich mich in aller Form entschuldigen. Ich habe im Moment zum Glück Semesterferien und arbeite deshalb auch schon fleißig an den nächsten Kapiteln, damit ihr hier endlich mal erfahrt, wie es weitergeh.
Ich möchte mich in hier auch bei all den lieben Kommi-Schreibern bedanken, ihr seid wirklich klasse.
Und natürlich auch bei meinen Beta-Readern, ohne die ihr das hier wohl nicht fehlerfrei zu lesen bekommen würdet.
In diesem Sinne nun viel Spaß beim Lesen. Eure Kael
Chapter five
Wenn die Nacht den Tag ablöst
Wütend standen sie sich gegenüber, zwei wilden Raubtieren gleich, jederzeit bereit zum Angriff. Graue Augen musterten ihr gegenüber genau, ebenso die Augen seines Gegenspielers. Kein Schüler um sie herum sprach auch nur ein Wort, es schien so, als wäre die Zeit förmlich stehen geblieben. Es herrschte vollkommene Stille, man hätte vermutlich eine Stecknadel fallen hören können. Niemand wagte es, diese Ruhe zu durchbrechen, bis der blonder Slytherin erneut die Stimme erhob. „Zum Glück habe ich keine Freundin, die nur mit mir angeben möchte!" knurrte Draco, wohl wissend, dass er Harrys wunden Punkt getroffen hatte. Nämlich diese blöde Ravenclaw. Vielleicht erkannte er jetzt, wie falsch seine Wahl gewesen war.
Harry hingegen sog scharf die Luft ein. Wie konnte es dieser verdammte Bastard nur wagen? Das würde er zurückbekommen! „Na wenigstens habe ich eine Freundin im Gegensatz zu dir, Malfoy. Kein Wunder, wer kann so etwas wie dich schon lieben!"
Das saß. Draco zuckte kaum merklich zusammen, versuchte etwas zu erwidern, doch es gelang ihm nicht. Sein Mund war ausgetrocknet und seine Gedanken starr.
Er hätte nichts zu erwidern gewusst, selbst wenn er gewollt hätte. Harry hingegen schien nun richtig in Rage zu sein, wollte gerade noch etwas sagen, als die schnarrende Stimme des Zaubertranklehrers ihm Einhalt gebot: „Zehn Punkte Abzug für Gryffindor wegen Beleidigung eines Mitschülers, Mister Potter. Und wenn sie es wagen, mir jetzt zu widersprechen, oder sonst jemand, werden es noch mehr!"
Harry, als auch Ron, die gerade zu einem Protest ansetzen wollten, verstummten schlagartig wieder und schlossen ihre Münder. Man sollte sein Glück doch nicht unnötig herausfordern... denn noch hatten sie kein Nachsitzen. Und es war sicher besser, wenn sie es dabei belassen würden.
Ein letzter wütender Blick in Richtung Draco, der noch immer starr gerade aussah, dann drehte Harry sich um und schritt den Flur entlang, in Gedanken haltlos über den jungen Malfoy schimpfend. Wie hatte es dieser verdammte Idiot auch wagen können... Cho war doch sicher nicht nur mit ihm zusammen um mit ihm angeben zu können. Nein, sicherlich nicht, oder?
Die Schritte, die ihm eilig folgten, hörte Harry nicht, auch nicht die Rufe seiner Freunde. Er ging weiter ohne auf sie zu warten.
Auch hatte er nicht die wütenden Blicke registriert, die ihm die umstehenden Slytherin zuwarfen und stille Rache versprachen. Niemand durfte ihnen ungekrönten Prinzen so zur Schau stellen. Niemand, vor allem nicht Harry Potter!
Doch dieser bemerkte nichts von alle dem… zu sehr war er mit seinen Gedanken beschäftigt.
Nein, Cho war nicht nur aus diesem Grund mit ihm zusammen. Sie war nicht so... so oberflächlich. Es war ja nicht so, als hätte sie ihn erst bemerkt, nachdem der für sie interessantere Junge von Hogwarts verschwunden...
Harry stockte. Na ja... eigentlich war sie ja erst mit ihm zusammengekommen, nachdem Cedric gestorben war und er nach einige Begegnungen mit Voldemort wieder in aller Munde war. Ohne es zu bemerken wurden Harrys Schritte langsamer, bis er letzten Endes vollkommen stehen blieb.
Hatte Draco Malfoy vielleicht doch recht gehabt, mit dem was er sagte?
Die Gruppe, die sich um Harry und Draco gebildet hatte, löste sich langsam ebenfalls auf. Die Schüler strömten in alle Richtungen davon, bis letztlich nur noch Blaise, Draco und Severus Snape auf dem Flur standen.
Unsicher musterte Blaise Zabini seinen besten Freund, der noch immer wie angewurzelt an Ort und Stelle stand und starr gerade ausblickte.
Der Schwarzhaarige konnte sehen, wie sehr den anderen Harrys Worte getroffen hatten und wäre Potter in diesem Moment anwesend gewesen, hätte Blaise ihm sicher einen Unverzeihlichen auf den Hals gehetzt, denn niemand wagte es, seinen Draco so zu verletzen. Wen sollte Blaise denn dann ärgern, wenn Draco nur noch ein Schatten seiner Selbst war?
Dabei hatte man den jungen Malfoy vor noch nicht allzu langer Zeit immer so schön mit seiner heimlichen Verliebtheit triezen können.
Doch nun… nun wagte Blaise es nicht einmal mehr, ihn wegen etwas anderem ein wenig zu sticheln, aus Angst Draco vollkommen zu verlieren. Wer hätte je geahnt, dass ein Malfoy so verletzlich sein konnte?
Und nicht nur Blaise musterte den blonden Slytherin auch Severus Snape nahm seinen Patensohn in Augenschein, mit dem merklich etwas nicht stimmte. Draco sah wirklich kränklich aus und in dem gerade geendeten Streit hatte der Malfoyspross eine sehr miserable Figur gemacht. Seit wann verlor ein Malfoy gegen einen Potter in einem Wortgefecht?
Das war schier unbegreiflich und der Meister der Tränke fühlte seine Ahnung nur noch bestärkt, dass hier irgendetwas absolut faul war. Jetzt musste er nur noch herausfinden, was es war und bei Salazar Slytherin, das würde er.
Vermutlich hatte es mit diesem nichtsnutzigen Potter zu tun. Severus wusste ja, wieso er diesen Jungen nicht leiden mochte. Am Besten war es, wenn er ab jetzt noch besser auf seinen Patensohn Acht gab und dafür sorgte, dass dieser dumme Goldjunge nicht mehr in seine Nähe kam.
Doch jetzt musste er erst einmal dafür sorgen, dass wieder Leben
in den jungen Malfoy kam und auch Blaise schien dasselbe zu denken.
Vorsichtig hatte er sich seinem besten Freund genähert und legte
ihm sanft die Hand auf die Schulter.
"Draco?" fragte er leise,
aus Angst mit nur einem zu laut gesprochenen Wort den anderen noch
mehr zu verletzen. Denn im Moment konnte Blaise Zabini den blonden
Zauberer vor sich nicht im Geringsten mehr einschätzen.
„Draco? Nun komm schon Draco, ist alles in Ordnung?" versuchte er es erneut, als sich der andere nicht regte und rüttelte leicht an dessen Schulter. Sorge machte sich in der Stimme des schwarzhaarigen Slytherin breit.
Was sollte er denn machen?
Während seine Gedanken rasten und Blaise verzweifelt überlegte, was er noch tun konnte, blinzelte der blonde Zauberer einige Male und drehte sich langsam zu dem schwarzhaarigen Slytherin um.
„Was ist denn Blaise?" fragte er mit brüchiger Stimme und sofort schoss Blaises Kopf in die Höhe. Erleichtert atmete er auf und umarmte den Jüngeren erst einmal fest, ehe er ihn etwas von sich drückte und genau musterte. „Ist alles okay? Geht es dir gut? Fehlt dir etwas?" wiederholte er seine Fragen noch einmal und es schien, als wolle er sich nicht mit einer einfachen Antwort zufrieden geben.
Doch Draco hatte für mehr einfach keine Nerven übrig. Seufzend schloss er für einen Augenblick die Augen und versuchte jeden Funken Schmerz aus ihnen zu verbannen. Erst als er sich sicher war, das er nicht mehr so leicht zu durchschauen war, schaute er in die blauen Augen seines Gegenübers.
„Du übertreibst, Zabini! Was soll schon sein? Das war ein ganz normaler Streit mit Potter… du tust gerade so, als hätten wir uns geprügelt. Natürlich geht es mir gut und mir fehlt auch nichts. Ich… ich bin einfach müde, okay?!" schnarrte er und drehte sich ohne ein weiteres Wort zu sagen um.
Was hätte er denn sonst auch sagen sollen? Das Blaise im nicht glaubte, hatte er im Gesicht das anderen lesen können. Aber was anderes konnte er weder sagen noch tun?
Er war müde und das stimmte ja auch. Viel zu müde, sein ganzer Körper fühlte sich so unglaublich schwer an und seine Gedanken waren zäh. Leider war diese Müdigkeit keineswegs mit einer angemessen Portion Schlaf zu vertreiben, selbst wenn er vier Tage am Stück schlafen würde, würde er sich keineswegs anders fühlen. Es war ihm einfach alles überdrüssig geworden…
Aber vielleicht konnte genau dies die Ausrede sein, die ihn vor der Halle und dem Frühstück rettete.
„Ich geh in mein Zimmer und lege mich noch ein wenig hin!" Kaum hatte er zu Ende gesprochen schritt Draco auch schon los, nur um keine zwei Schritte später aufgehalten zu werden. Dieses Mal jedoch nicht von Blaise Zabini.
Severus Snape hatte das Schauspiel, das sich ihm geboten hatte stumm beobachtet und war nun endgültig davon überzeugt, dass mit seinem Patensohn ganz und gar etwas nicht stimmte. Wenn Draco vielleicht seinen Freunden etwas vormachen konnte, ihm mit Sicherheit nicht. Immerhin kannte der Tränkemeister den Malfoyspross seit seiner Kindheit. Ihm konnte er nichts vorspielen und so war es auch ihm keineswegs entgangen, wie mies es seinem Schützling ging.
„Mister Malfoy. Ich möchte Sie nach dem Unterricht in meinem Büro sehen und wagen Sie es nicht, mich zu versetzen!" Die Augen des Meisters der Zaubertränke blitzten düster auf und auch seiner Stimme war zu entnehmen, dass er keinerlei Widerspruch duldete.
Dies schien auch Draco klar zu sein und er seufzte tief. Womit hatte er das verdient? Nicht nur, das Blaise sich aufführte wie eine überbesorgte Glucke, jetzt musste Severus auch noch damit anfangen. Konnten die sich denn nicht alle einfach um sich selbst kümmern? Hatten die denn keine eigenen Probleme! Anscheinend nicht…
Stumm nickte er erneut, wohl wissend das alles andere eine nur noch längere Diskussion nach sich ziehen würde. Doch das konnte Draco jetzt nicht ertragen, er wollte allein sein…
„Draco!" Die warnende Stimme Blaise Zabinis durchschnitt die Luft, als sich besagter Slytherin weiter in Richtung Treppe bewegen wollte. Er hatte den Plan des Malfoysprösslings sehr wohl durchschaut und er konnte es nicht zulassen. Zu lange hatte Draco schon nicht mehr richtig gegessen, natürlich war ihm das aufgefallen. Heute würde er ihm deswegen mit Sicherheit nicht so einfach davon kommen. Wie sollte Draco denn um seine Liebe kämpfen können, wenn er vollkommen entkräftet war? Das ging doch nicht und das sollte der andere gefälligst langsam einmal einsehen. Sonst würde Blaise ihn noch zu seinem Glück zwingen müssen, was der Schwarzhaarige auch mit Sicherheit tun würde. Immerhin war dieser Zustand nicht mehr mit anzusehen!
Und noch ehe besagter Zauberer etwas erwidern oder sich gar umdrehen konnte spürte er einen eisernen Griff um sein Handgelenk.
Schmerzerfüllt hisste Draco auf und riss sich sofort los, presste seine Hand fest an seine Brust. Gemeine Beschimpfungen lagen auf seiner Zunge und drohten hervorzubrechen, jedoch würde ihn dies nur in noch größere Schwierigkeiten bringen, denn dann würde Blaise nicht mehr locker lassen.
Schon jetzt sah der beste Freund Draco Malfoys diesen mit hochgezogener Augenbraue an. Und auch den stechenden Blick seines Patenonkels konnte Draco auf sich spüren, bis er schließlich entnervt aufknurrte.
„Hört endlich auf mich anzustarren. Mir geht es super, blendend! Hab mich noch nie besser gefühlt. Und jetzt lasst mich in Ruhe!"
Wütend auf sich selbst und alle anderen stob Draco davon, hörte weder auf das Rufen Blaise Zabinis noch achtete er darauf wohin er lief. War doch sowieso alles egal…
Kopfschüttelnd schaute Blaise dem blonden Zauberer hinterher. Wieso nur machte es Draco sich selbst so schwer? Und wieso konnte Potter, dieser Sturkopf, nicht einsehen, wie falsch seine Entscheidung gewesen war? Diese dumme Ravenclaw-Tusse nutzte ihn doch nur von vorne bis hinten aus. Wie blind ein einzelner Gryffindor doch nur sein konnte…
Erschöpft rieb Blaise sich über die Augen, ehe er sich umdrehte um in die große Halle zu gehen. Wenn Draco jetzt nichts frühstücken wollte, würde er ihm eben irgendetwas mitbringen, denn der Blonde musste endlich mal etwas essen, sonst war er schneller auf der Krankenstation als ihm lieb war.
Dabei hasste Draco die Krankenstation doch so sehr. Wenn man auch nur einmal nicht auf den Malfoyerben aufpasste.
Auch Severus Snape war keineswegs angetan von dem Verhalten seines Patenkindes. Er würde ein ernstes Wort mit ihm reden müssen, heute Nachmittag wenn sie alleine waren und Draco sich vielleicht ein wenig beruhigt hatte. Denn in diesem Zustand würde der Junge ihm wohl kaum zuhören, da war er seiner Mutter viel zu ähnlich.
Nun, heute Mittag würde er ihm ins Gewissen reden, doch jetzt musste er sich erst einmal um die Vorbereitung des Unterrichts kümmern. Mit wehendem Umhang verschwand er in Richtung der Kerker.
Mit zitternden Fingern strich sich Draco durch die Haare und atmete tief ein und aus. Was war denn nur mit ihm los gewesen? Wieso hatte er Blaise und seinen Patenonkel nur so angefahren… Natürlich hatten ihn die besorgten Blicke aufgeregt… wobei… eigentlich hatten sie ihn eher verunsichert. Sah man es ihm denn schon so deutlich an, wie kraftlos und erschöpft er war?
Und dennoch war er gerade so aufbrausend und wütend gewesen, fast so als wäre er nicht mehr er selbst, oder wieder wie früher? Er konnte es nicht beantworten, seine Gedanken waren so wirr und durcheinander, Draco hatte keinerlei Chance sie in irgendeiner Art und Weise zu ordnen.
Resignierend schloss er die Augen, bemerkte erst jetzt, als seine Finger ein wenig feucht wurden, dass er noch immer sein Handgelenk fest umklammert hielt. Nur ein kurzer Blick reichte um ihm zu sagen, dass einige Schnitte aufgegangen waren. Seine Fingerspitzen waren mit dem roten Lebenssaft bedeckt, doch das störte ihn im Moment nicht. Auch nicht der dumpfe Schmerz, der von den Wunden erneut ausging, immerhin lenkte er ihn ab.
Als er jedoch herannahende Schritte vernahm erwachte Draco aus seiner Starre und schaute gehetzt den Gang entlang. Wenn ihn so jemand sah, würde man ihn sicher zur Krankenstation bringen, doch da wollte er nicht hin. All die Fragen, die Tränke… das brauchte er nicht. Nicht jetzt…
Eilig zog er den Umhang über das Handgelenk bis zu den Fingerspitzen und hielt den Ärmel krampfhaft fest während er versuchte so schnell wie es ihm möglich war von hier zu verschwinden.
Auf Fragen und Vorwürfe jeglicher Art konnte er im Moment wirklich verzichten, dafür hatte er keine Kraft mehr. Und wer auch immer gerade auf dem Weg durch das Schloss war, Draco hatte keiner Lust diesem jemand zu begegnen oder gar mit ihm reden zu müssen.
Er war so unendlich müde geworden, in den letzten Wochen, dass er eigentlich einfach nur noch schlafen wollte. Vielleicht sollte er wieder zurück in sein Zimmer gehen und sich einfach noch einmal hinlegen, solange bis der Unterricht begann… das klang verlockend und sogleich schlug er den Weg Richtung Kerker ein.
Was sollte er auch sonst jetzt tun? Blaise würde ihm sicher etwas zu Essen mitbringen, davon war der schwarzhaarige Slytherin ja nicht abzuhalten und nur um unter den wachsamen Blicken von Severus und Blaise zu Frühstücken… darauf hatte der Slytherin nun auch nicht wirklich Lust!
Also machte er sich wieder auf in sein Zimmer, alles andere würde ihm sowieso nichts bringen.
Leise fiel die Tür hinter dem blonden Zauberer ins Schloss und erschöpft ließ er sich in die weichen, kühlen Laken sinken. Wie beruhigend das hier doch war, so konnte er noch ein wenig entspannen, bevor es wieder in einen stressigen Schultag ging.
Müde rollte er sich auf die Seite, schloss die Augen und atmete ruhig ein und aus.
Noch nie in seinem Leben hatte er sich so ausgelaugt und erschöpft gefühlt, wie in der letzten Zeit. Vielleicht sollte er einmal so richtig lange schlafen, damit sein Körper endlich wieder Kraft schöpfen konnte.
Das war sicher eine gute Idee, auch wenn ihm jetzt nur noch eine viertel Stunde dafür blieb, aber nach dem Unterricht würde er sich ja auch wieder etwas Ruhe gönnen können und vielleicht ging es ihm dann wirklich irgendwann wieder besser. Ewig konnte das ja sicher nicht mehr so weiter gehen…
Ein leises Gähnen schlich sich über Dracos Lippen und er zog sich die Decke bis zu den Schultern. Jetzt würde er erst einmal für einen kurzen Moment die Augen schließen und an nichts mehr denken…
Nur für einen winzigen Moment…
„So ist es gut… komm zu uns… bleib hier. Wir werden uns um dich kümmern…"
„Dray… hey Draco. Wach schon auf! Draco? Hey… mach mir keine Angst…" Unsanft wurde er an der Schulter gerüttelt, während die Stimme seines besten Freundes an seine Ohren drang.
Vollkommen verschlafen öffnete Draco die Augenlider und blinzelte sein Gegenüber fragend an. „Was ist denn los? Kann ich nicht wenigstens fünf Minuten meine Ruhe haben, bevor der Unterricht anfängt?" wollte er murrig wissen und war gewillt sich wieder auf die Seite zu drehen und einfach wieder die Augen zu schließen, als Blaise ihn davon abhielt.
„Draco… wir haben Abend. Der Unterricht ist schon längst vorbei… du… du hast seit heute morgen geschlafen? Dann schläfst du seit über 12 Stunden…" Ungläubige graue Augen sahen ihn an. Blaise machte Scherze…
So lange sollte er geschlafen haben? Das konnte ja nicht sein, immerhin fühlte er sich noch genauso erschöpft wie heute Morgen, wenn nicht sogar noch erschöpfter. Blaise musste sich da irren.
Doch ein Blick auf seinen Wecker verriet ihm, das Blaise sich keineswegs irrte.
Ein wenig verstört richtete der blonde Zauberer sich auf und strich sich durch die Haare. Er fühlte sich nicht besser, eher noch schlechter und Blaises Sorge um ihn schien auch noch eher gewachsen zu sein, denn er musterte Draco äußerst besorgt.
Er zog den Jüngeren an sich und strich durch Dracos helles Haar. „Ich hab mir solche Sorgen um dich gemacht, als du nicht aufwachen wolltest. Als ich heute Mittag rein gekommen bin, habe ich gedacht, dass ich dich einfach etwas schlafen lassen sollte. Du hast so erschöpft ausgesehen… aber jetzt wurde es doch ein wenig unheimlich… warst du wirklich überhaupt nicht wach seit heute morgen?" Ein leichtes Kopfschütteln war ihm Antwort genug und Blaise seufzte erneut.
„Du solltest wirklich mit einem Lehrer darüber reden, geh zu Professor Snape, versprich es mir. Er war heute schon hier um mit dir zu reden, aber du hast ja tief und fest geschlafen… er will, dass du vorbeikommst, sobald du wach geworden bist... doch zuerst solltest du vielleicht mal etwas essen, Dray." Er zog seine Tasche auf das Bett und legte verteilte etwas Obst, einige Brötchen und ein paar Plätzchen vor sich hin.
Zwar blieb ihm Dracos Missfallen über die Nahrungsmittel keinesfalls verborgen, doch darüber machte sich Blaise keine Gedanken, stattdessen sah er den jungen Malfoy tadelnd an. „Du hast heute Morgen schon nichts gegessen also zier dich jetzt gefälligst nicht so. Du bist sowieso viel zu dünn geworden, jetzt iss erst mal und dann geb ich dir noch die Hausaufgaben. Und dann solltest du zu Professor…"
„Nein, heute geh ich nicht mehr zu ihm. Ich bin zu müde… bitte Blaise. Das mache ich morgen! Heute will ich nur noch schlafen!" unterbrach er seinen besten Freund, lehnte sich gemächlich gegen Blaise und angelte nach einem Keks, den er recht lustlos verspeiste.
Wenn genau das Blaise aber ein wenig glücklich stimmte, dann war dies nur ein kleines Opfer, auch wenn sein Magen jetzt schon rebellierte.
Zwar war Blaise nicht sonderlich angetan von dem Vorschlag des blonden Zauberers, jedoch war er schon einmal froh darüber, dass der Jüngere ein wenig aß. Er wollte ja nicht zuviel von ihm verlangen, immerhin wusste Blaise wie bockig Draco sonst werden konnte.
Und ein kleiner Erfolg war ja schon einmal etwas…
„Na gut, aber morgen gehst du hin, versprich es mir. Sonst muss ich mit ihm sprechen oder ich schleppe dich gleich zur Pomfrey", mahnte er den anderen und man konnte Blaise ansehen, dass er es sehr Ernst mit seinen Worten meinte. Das war auch Draco klar, so nickte er artig und steckte sich das letzte Stück Keks in den Mund.
So gefiel ihm der Tag schon wieder besser, wenn er so mit Blaise zusammen saß. Wieso nur hatte er sich nicht in ihn verlieben können? Blaise hätte ihm sicher niemals so wehgetan…
Fast schien es, als hätte Blaise die Gedanken des Malfoysprösslings erraten, denn er strich ihm erneut durch die Haare und lächelte aufmunternd. „Das wird schon wieder alles gut, Draco. Glaub mir!"
Wie gerne würde er ihm glauben, doch im Moment konnte er es nicht. Dennoch lächelte er zurück und nickte, lehnte den Kopf wieder gegen Blaises Brust und atmete tief ein.
„Hab ich heute viel verpasst? Ich hoffe es doch nicht…" murmelte er und gähnte schon wieder.
Blaise lachte leise auf, zerstrubbelte die Haare des anderen Zauberers und grinste ihm frech entgegen, als Draco leise aufbrummelte. „Als ob du an Unterrichtsstoff etwas verpassen könntest. Du bist mit dem Stoff doch schon zwei Klassen weiter… ich weiß jetzt schon, bei wem ich dieses Jahr wieder abschreibe!"
Ein sanfter Armstupser ließ ihn nur wieder auflachen, dann drückte er Draco etwas von sich weg. „Du solltest dich umziehen oder willst du die Nacht auch noch in deinen Schulklamotten verbringen? Ich leg dir die Aufgaben schon einmal auf den Schreibtisch okay? Und dann… was hältst du von einer Partie Schach? Das bringt dich sicher auf andere Gedanken!", schlug er ihm vor und auch wenn Draco ihn mit einem Schmollmund bedachte, war er damit einverstanden.
Etwas wackelig auf den Beinen richtete er sich auf und tapste noch immer ein wenig müde ins Bad um sich erst einmal wieder zu recht zu machen und in ein paar bequemere Klamotten zu schlüpfen. Die roten Verbände an den Armen bedachte er keines Blickes, achtete aber sorgfältig darauf, dass sie von seinem neuen Hemd vollkommen verdeckt wurden. Nicht das Blaise vollkommen in seiner Sorge um Draco verging…
Sie wollten heute einen schönen Abend verbringen und auch der blonde Slytherin war froh über die willkommene Abwechslung. Vielleicht gelang es ihm tatsächlich für heute Abend jegliche Gedanken an Harry und den damit verbundenen Schmerz zu verdrängen…
„Dray… kommst du endlich?"
„Bin ja schon da!" schnarrte er in seiner üblichen Malfoymanier und ließ die Badezimmertür hinter sich ins Schloss fallen, versuchte die leisen Stimmen in seinem Inneren zu ignorieren…
„Komm zurück… komm zu uns und bleibe hier… wir werden dir helfen… Komm doch zurück!"
