Kapitel 2 – Ein neues Leben

Die Sonne war schon längst untergegangen und es war kaum etwas zu sehen, als zwei Gestalten eine große und eine fast winzig zu nennende aus einer engen Gasse traten. Es war so spät, dass der Junge schon beinahe im Gehen einschlief, war er es doch nicht gewohnt abends so lange aufzubleiben.

Außerdem war er so verwirrt über das, was in den letzten Minuten, die er bei seinen Großeltern verbracht hatte, geschehen war. "Gehen wir zu Mama?", bettelte er weinerlich und sah mit großen Kinderaugen zu dem Mann auf, der seine Hand so fest hielt, als wolle er ihn nie wieder loslassen.

Severus Snape verstand einfach nicht, was los war. Wieso sein Großvater ihm in die Hand geschnitten hatte und dann einem fremden Mann erlaubte, ihn mitzunehmen.

Und außerdem fror das Kind, weil es nur seine einfachen, billigen Sachen trug, die noch von seinen Eltern stammten. Die Hose war zu dünn, die Schuhe zu leicht und auch das Hemd war viel zu weit für ihn. Einen Umhang trug er nicht, besaß er doch keinen.

„Ich gehe nach Hause … und du bleibst bei mir …", beschied der ältere, fast weißhaarige Mann den gerade einmal fünfjährigen Jungen, den er soeben erworben hatte. Er konnte sein Glück immer noch kaum fassen. Besonders da das Angebot doch recht günstig gewesen war. Günstig in dem Sinne, dass es ihn nicht sein ganzes Vermögen gekostet hatte, sondern nur etwa die Hälfte davon. Aber einen eigenen magisch gebundenen Sklaven … einen echten, möglicherweise magiekundigen Sklaven … dafür hätte er auch einen Gutteil der anderen Hälfte ausgegeben. Denn mit den zu erwartenden Diensten des Jungen, wenn dieser einmal richtig ausgebildet und unterwiesen worden war, hätte er das Geld gewiss in den nächsten Jahren wieder drin. Von dem Prestige einmal ganz abgesehen, welches ihm ein solch überaus lebendiges Objekt einbrachte.

Der Junge fing an zu weinen und versuchte sich von der Hand loszumachen, die ihn eisern festhielt. „Ich will meine Mama!", schluchzte er. Doch fing er nicht an herumzuschreien und einen großen Aufstand zu machen. Solches Verhalten war ihm schon im Kleinkindalter von seinem Vater ausgetrieben worden.

Ohne auch nur zu zögern, entließ der frisch gebackene Besitzer die Hand des Jungen aus seinem zuvor festen Griff, drehte sich zu diesem um und verpasste ihm mit den Worten: „Ich dulde solches Verhalten nicht!", eine klatschende Ohrfeige, die den Jungen leicht taumeln ließ.

Keinerlei Zorn klang in der leicht rauen Stimme des älteren Mannes mit, war es doch nur eine schlichte Feststellung. Eine Tatsache, die sich der Bursche lieber gleich einprägen sollte. Und ohne auf eine weitere Reaktion zu warten, griff er erneut die Hand des Kindes und setzte seinen zuvor unterbrochenen Weg weiter fort.

Der Junge war derart verdutzt gewesen, dass er gar keine Möglichkeit hatte, auch nur an Flucht zu denken. Natürlich war er auch früher schon geschlagen worden, aber nie ins Gesicht. Nun nur noch verzweifelter schluchzend ging der Junge widerstandslos mit dem Mann mit.

Zandros Aydin Galagher presste kurz seine Lippen zusammen. Wenn er etwas überhaupt nicht mochte, dann waren das plärrende Bälger. Schon gar nicht, wenn diese ihm gehörten. „Wenn du dir nicht noch eine Ohrfeige einfangen willst, dann hör mit dem Geheule auf!", fuhr er den Jungen scharf an. Diesmal den Unmut, den er empfand, nicht aus seiner Stimme heraushaltend.

Erschrocken blickte der Kleine auf und hörte tatsächlich auf zu weinen, auch wenn die Tränen weiter ungehindert liefen. Doch im selben Moment fing ein Schluckauf an ihn zu quälen, der ihn immer wieder zwischen unregelmäßigen Atemzügen hicksen ließ.

Ohne ein Wort des Lobes ging der ältere Mann weiter. Wozu auch, tat der Bursche doch nur das, was er von ihm verlangte, was nicht weniger war, was er von ihm erwartet hatte. Zwar nicht perfekt, aber immerhin annehmbar.

Die kleinen Beine trabten fast schon neben dem Erwachsenen her, der keinerlei Rücksicht zu kennen schien. Ein großes Haus tauchte vor ihnen auf, was Severus mit fast ebenso großen Augen betrachtete. „Fast so groß wie das von Großvater.", hauchte er leise, ehe ein neuerlicher Hick ihn unterbrach.

Zandros lächelte, war sein Heim doch sein ganzer Stolz. Sein Heim … und sein Besitz. „Das ist es … und du gehörst von nun an dazu."

„Warum?", fragte Severus, der nicht wirklich begriff, was mit ihm geschehen war und weiter geschehen würde. Staunend sah er sich in dem großen Vorgarten um, durch den sie nun auf das Haupthaus zugingen.

Mit einer weit ausschweifenden Handbewegung, welche sowohl das Haus, als auch das Grundstück und zuletzt auch den Jungen selbst umfasste, erklärte der Käufer überraschend geduldig: „Weil das alles hier, was du siehst – dich selbst eingeschlossen – mir gehört."

Sie standen mittlerweile auf der Treppe und Severus sah zu dem weißhaarigen Mann auf. „Ich gehöre... d... di..." Er wollte ‚dir' sagen, doch irgendetwas hinderte ihn daran, es auszusprechen. Vollkommen verblüfft blinzelte der Junge einige Male.

„Du gehörst mir – ja", bestätigte Zandros ungerührt, während das Eingangsportal vor ihm aufschwang und den Blick auf einen fast schon freundlich eingerichteten Eingangsbereich freimachte, „… und die richtige Anrede mir gegenüber ist Meister und Euch."

„Was ist ein... Meister? Wie... wie ein Großvater?", fragte Severus nach, als sie eintraten. Doch diesmal lenkte ihn die Einrichtung nicht ab. Fragend sah er zu dem Alten auf. Sollte das wirklich ein neuer Großvater sein, wo er den anderen doch eben erst gefunden hatte?

Der alte Mann lachte tatsächlich kurz auf. Diese kindliche Naivität war … erfrischend.

„Nein … siehst du die Vase dort?", er deutete auf eine kunstvoll blau weiß bemalte Vase, in welcher jedoch keine Blumen steckten, war sie dafür doch viel zu wertvoll und als der Fünfjährige genickt hatte, erklärte Zandros weiter, „… du bist ebenso mein Besitz wie sie."

Eigentlich hatte er noch etwas hinzufügen wollen, nämlich dass er mit ihm ebenso alles tun konnte, was er mit der Vase tat – und noch weit mehr, da er ja lebendig war, doch sparte er sich das fürs Erste auf.

„Das... das geht?", fragte der Junge nur, auch wenn er die Tragweite der Aussage natürlich noch nicht nachvollziehen konnte. Plötzlich gähnte er laut und blinzelte dann wieder.

„Nun … es ist äußerst selten … Du bist äußerst selten und es war nicht einfach dich zu bekommen, das kannst du mir glauben. Aber jetzt zeige ich dir dein Zimmer und morgen das Anwesen. Schließlich sollst du wissen, wohin du gehörst.", erklärte der ältere Zauberer, der selbst auch durch das dem Kauf und der Bindung zu Grunde liegende Ritual ein wenig müde war, und führte den Jungen die Treppe hinauf in den ersten Stock, wo er ihm die kleine Kammer zeigte, in welcher er von nun an schlafen sollte. Bis auf eine einsame Wolldecke, die in einer Ecke des Raumes lag, war das Zimmer kahl und leer.

Einige Male blinzelte Severus verwirrt. „Da ist kein Bett.", murmelte er müde und sah wieder zu dem Mann auf, den er Meister nennen sollte. „Und mein Spielzeug ist auch nicht da.", setzte er hinzu, als ihm einfiel, dass das wohl noch alles bei seinen Großeltern war. „Mein Doro..." Tränchen stiegen wieder in die Augen des Jungen, als er an seinen Bären dachte.

Die Hand des Jungen nun zum zweiten Mal, seit er ihn an sich gebunden hatte, loslassend, kniff Zandros seine Augen zu einem ungehaltenen Funkeln zusammen: „Damit das ein für alle mal geklärt ist, Junge! Weder gehört dir etwas, noch wirst du jemals etwas besitzen, denn du gehörst mir. Oder glaubst du, nur weil ich einen Blumenstrauß in die Vase stecke, wenn ich das denn jemals tun würde, würde dieser ihr gehören? Nein .. .denn sie ist ebenso ein Besitz wie die Blumen selbst und du Junge bist nichts anderes. Du solltest dich besser sofort daran gewöhnen, denn ich bin kein sehr geduldiger Mensch."

Derart angefahren und auch vollkommen übermüdet brach Severus erneut in Tränen aus und schluchzte laut und herzzerreißend. Er wollte seine Mama und seinen Kuschelbären, den er seit frühester Kindheit immer bei sich gehabt hatte.

„Dir gehört rein gar nichts. Weder der Boden auf dem du schläfst, noch die Decke, die ich dir zugestehe. Alles weitere musst du dir erst verdienen." Kurz hielt der frisch gebackene Meister inne und fügte dann noch wieder in seinem üblicheren, gleichgültigen Tonfall seinen ersten Befehl hinzu: „Du wirst das Zimmer nicht verlassen, bis ich dich rufe."

Damit wandte sich Zandros Aydin Galagher abrupt um, nachdem er den weinenden Jungen in das Zimmer geschoben hatte, schloss die Türe und ging den Flur hinunter in sein eigenes, verschwenderisch eingerichtetes Schlafgemach.

In völliger Dunkelheit allein gelassen, weinte Severus nur noch lauter und stolperte sofort zur Tür. Doch obwohl er sie öffnen konnte, sodass Licht in das kleine Zimmer fiel, schaffte er es nicht hinauszutreten. Irgendetwas hielt ihn zurück.

Schließlich zog er sich in eine Ecke zurück, rollte sich in der Decke zusammen und weinte sich trotz des ungewohnt harten Untergrundes in den Schlaf.

Doch einige Stunden später erwachte er schon wieder, weil er dringend auf die Toilette musste. Sofort krabbelte er aus der Decke und ging verschlafen auf die noch offene Tür zu. Aber auch jetzt schaffte er es nicht, hindurchzugehen. Nach einigen Minuten, die er versuchte hinauszukommen, um eine Toilette zu suchen, trat er verzweifelt von einem Fuß auf den anderen und presste eine kleine Hand in den Schritt.

Wieder fing er an zu weinen, weil er es nicht mehr lange würde halten können. Doch niemand reagierte auf sein leises Rufen. Schließlich fing sein Bauch an weh zu tun, sodass er sich setzen musste und einige Augenblicke später wurde das Schluchzen lauter, als sich Feuchtigkeit zwischen seinen Beinen ausbreitete und unangenehm roch.

Der Junge war so beschämt, dass ihm das noch in seinem Alter passiert war, dass er sich unter die Decke verkroch und sich schließlich auch erneut in den Schlaf weinte.

Die vergangene Nacht hatte Zandros seit langem wieder sehr gut geschlafen, war doch das Bewusstsein, seinen Besitz um einen solchen Schatz erweitert zu haben, etwas, das ihm ausschließlich nur angenehme Träume bescherte.

Mit sich selbst und der Welt, in der er lebte, mehr als zufrieden, erhob sich Zandros und ging zuerst einmal ins neben seinem Schlafgemach liegende Bad und nachdem er dort fertig war und er sich angekleidet hatte, machte er sich auf, seinen neuesten Besitz abzuholen.

Doch der Geruch, der ihm, kaum dass er die offene Türe erreichte, ereilte, ließ jedwede Zufriedenheit ins Nichts verpuffen und eine Mischung aus Wut und Abscheu in ihm zurück. Das war doch nicht zu fassen!

Severus war bereits seit einiger Zeit wach, schämte sich aber zu sehr, um aus seiner Decke herauszukommen. Außerdem war ihm durch die noch immer nasse Hose sehr kalt.

Auf die deutlich dunklere Stelle auf den Boden blickend zwang sich Zandros rein äußerlich zumindest zur Ruhe, als er zu wissen verlangte: „Hat dir dein Großvater rein gar nichts beigebracht? Nicht einmal ein Tier beschmutzt seinen eigenen Schlafplatz!"

Langsam und mit deutlich vom Weinen und vor Scham geröteten Wangen setzte Severus sich auf. "Ich.. ich konnte nicht hinaus.", wisperte er leise und hob dabei den Kopf an. "Und niemand kam, als ich gerufen habe."

Die Augenbrauen zu einem unwilligen Stirnrunzeln zusammengezogen, musterte Zandros das Kind vor sich und schüttelte nur den Kopf, als ihm bewusst wurde, dass er selbst nicht ganz unschuldig an der Misere war. Hatte er doch nicht daran gedacht, dass der Bursche auch auf die Toilette musste. Nun … noch einmal würde ihm das nicht passieren.

Mit einem Schwenk seines Zauberstabs war der Junge von Decke und Kleidung befreit nackt, die Bescherung auf dem Boden beseitigt und die verunreinigte Kleidung von einem durch ein Fingerschnippen herbeigerufenen Hauselfen fortgebracht. „Komm mit … du wirst jetzt erst einmal ordentlich baden."

"Baden?", fragte Severus nach und seine Augen leuchteten auf. Dass er nackt war, störte das Kind überhaupt nicht, und so sprang er auf und lief zu dem Mann hin, um dessen Hand zu ergreifen. "Ist es viel Wasser? Ein See? Kann ich ein Boot haben?", fragte er aufgeregt weiter.

Zandros schüttelte nur seinen Kopf, während seine zuvor noch verärgert zusammengepressten Lippen fast schon gegen seinen Willen verräterisch zu zucken begannen. "Das ist kein See, Junge, sondern eine Badewanne!"

"Ein kleines ... Badewannenboot?", fragte der Kleine hoffnungsvoll. Er spielte wirklich gerne in der Wanne. Das war das beste am ganzen Baden. "Bitte, Meister."

Tatsächlich für einen Moment stehen bleibend, blickte der weißhaarige Mann auf den Jungen herab und kämpfte nun nicht mehr gegen sein Schmunzeln an: „Immerhin scheinst du nicht auf den Kopf gefallen zu sein … sehr gut. Also gut … ein kleines Boot. Aber benimm dich und mach hinterher wieder alles sauber, verstanden?"

"Ja.", versicherte Severus sofort, auch wenn er natürlich noch nicht wusste, was 'alles saubermachen' bedeutete. Strahlend ging er neben dem Mann weiter und war schon gespannt darauf, wie die Badewanne und sein Boot aussehen würden.

Als sie das Badezimmer betraten, bekam der Junge dann große Augen, kannte er doch nur ein winziges Bad mit einer kleinen, freistehenden Badewanne. Bei seinem Großvater hatte er auch einmal schwimmen dürfen, allerdings hatte seine Großmutter ihm erklärt, dass das ein Pool gewesen war. Später war er immer durch einen nicht gerade angenehmen Zauber gereinigt worden.

Hier war in den mit hell- und dunkelblauen Fliesen belegten Boden eine Wanne eingelassen, in der ohne Probleme mindestens zehn Kinder Platz haben würden. "So grooooß.", hauchte der Kleine staunend.

Zandros schnaubte amüsiert und prüfte kurz das zuvor heiß eingelassene Wasser, das nun auf eine sehr warme, aber dennoch angenehme Temperatur herabgesunken war, und mit einem kurzen Schwenk seines Zauberstabs befand sich auch ein kleines Boot in der Wanne, welches zwischen dem Badeschaumbergen erschien. „Na los rein mit dir … ab morgen wirst du dich jeden Tag in der Früh baden, hier saubermachen und dann der Hauselfe beim Frühstückmachen helfen und das alles bevor ich aufgestanden bin."

Severus war schon auf halbem Weg zur Badewanne gewesen, als er sich nochmals umdrehte. "Ich soll... kochen?", fragte er verdutzt nach. "Mama hat mir das aber immer verboten. Küche ist gefährlich."

„Die Küche …", blaffte Zandros, der eine solche Kleinkindsprache, gleich wie alt der Bursche war, hier nicht dulden würde, „… und die Hauselfe wird dir schon sagen, was du zu tun hast und was nicht." Damit drehte er sich um und verließ das Bad, nur um kurz bevor er es gänzlich verlassen hatte, noch einmal stehen zu bleiben, „… wenn du hier fertig bist, komme runter … in der Halle links ist das Frühstückszimmer."

Der Kleine war sichtlich zusammengezuckt, als er derart angefahren wurde. "Ja, Meister.", antwortete er sofort, weil er nicht wollte, dass der Mann noch saurer wurde. Dann wandte er sich schnell ab und stieg in die Badewanne. Das Wasser reichte ihm im Sitzen bis zu den Achseln, was Severus sofort freudig jauchzen ließ.

Schnell war jedwede Zeit vergessen, während Severus mit dem Boot spielte und immer wieder versuchte zu ‚schwimmen' wobei das mehr ein Tauchen und auf dem Boden des Beckens entlang Krabbeln war. Selbst als das Wasser sich langsam abkühlte, merkte der Kleine das eigentlich gar nicht.

Über eine halbe Stunde wartete Zandros nun schon und das war, wie er fand, mehr als genug Zeit gewesen. Zumal er dem Knaben zuvor schon eine knappe halbe Stunde gegeben hatte und erst danach anfing, auf diesen zu warten. Ungeduldig erhob er sich vom erkalteten Frühstückstisch und ging verärgerten Schrittes zum Bad, aus dessen Innerem er schon, als er den Flur oben am Treppenrand erreichte, das Plätschern und Planschen hören konnte. Die Badezimmertüre heftiger als notwendig aufstoßend, trat Zandros ein.

Da er gerade tauchte, hörte Severus zwar, dass jemand herein kam, merkte aber nicht, dass dieser jemand mehr als sauer war. Und so strahlte der Junge übers ganze Gesicht, als er schließlich auftauchte. „Ich kann schwimmen!"

Ohne ein Wort ließ Zandros die Temperatur des Badewasser um mehrere Grad absinken, so dass es nun regelrecht eiskalt sein musste.

Blitzschnell war Severus, der sowieso schon leicht bläulich gefärbte Lippen gehabt hatte, aus dem Wasser und stand bibbernd da.

„Dass du baden und dich reinigen sollst, hat nicht zu bedeuten, dass du meine Zeit über Gebühr zu verschwenden hast … und ganz gewiss nicht, dass ich eine Stunde am Frühstückstisch sitze und auf dich warte!", knurrte Zandros aufgebracht.

Zitternd vor Kälte und bei der wütenden Tonlage auch vor Angst, fing Severus wieder an zu weinen. Irgendwie schwankte er ständig von überglücklich zu vollkommen verängstigt hin und her und das wühlte das Kind nur noch mehr auf.

Zandros' Miene verdüsterte sich nur noch mehr, als er dieses von ihm mehr als ungeliebte Verhalten erneut sehen musste.

Den weinenden Jungen mit einem raschen Zauber abtrocknend, befahl er ihm knapp ihm zu folgen und als sie schließlich die Treppe hinunter ins Frühstückszimmer kamen, deutete Zandros auf eine Ecke des Raumes: "Da hinüber! Und ich möchte keinen Mucks von dir hören, verstanden?"

Während noch immer Tränen über seine Wangen liefen, nickte Severus hastig, da er genau wusste, was gemeint war. Mit einem fast schon sehnsüchtigen Blick auf den Tisch, an dem merkwürdigerweise nur ein Stuhl stand, drehte er sich schließlich weg und ging in die Ecke, die ihm gezeigt worden war. Dort blieb er mit dem Gesicht zur Wand stehen und wartete. Der Duft des Essens ließ dabei seinen Magen laut knurren und erschrocken legte er eine Hand darauf, während er immer wieder schniefte, um endlich zu weinen aufzuhören.

Sich wieder an den Tisch setzend, orderte sich der Hausherr von der herbei geschnipsten Hauselfe ein neues, frisches und vor allem warmes Frühstück, das aus Rühreiern, Speck, Toast und Tomaten und einer Tasse heißen Tees mit Milch und Zitrone bestand und begann, den Jungen nicht weiter beachtend, zu essen.

Trotz des Trockenzaubers war Severus kalt, da er ja noch immer vollkommen nackt war. Deswegen strich er sich auch immer wieder über die Arme. Aber sonst rührte er sich nicht weiter, wollte er doch nicht noch mehr ausgeschimpft oder gar verhauen werden. Doch immer wieder drehte er den Kopf, um zum Tisch und dem so lecker duftenden Essen hinüber zu schauen.

Bei einem dieser Blicke legte Zandros langsam sein Besteck beiseite: "Ungehorsam", belehrte er seinen Sklaven fast schon mit gleichmütiger Stimme, "... wird bestraft. Alles was ich dir geben kann, musst du dir verdienen ... und das hast du bis jetzt nicht getan."

Dann aß er weiter.

Severus hätte gern geantwortet, dass er die Zeit nicht wusste. Aber er durfte nicht sprechen, weil er ja keinen Mucks machen sollte. Somit stand er einfach nur mit hängendem Kopf und knurrendem Magen da und wartete, dass sein Meister ihn von der Strafe erlöste.

Nachdem er zu Ende gegessen hatte, ließ der Hausherr das Essen von seiner Hauselfe entfernen, welche nur kurz einen Blick auf den in der Ecke stehenden, nackten Jungen warf. Doch ehe sie verschwinden konnte, hielt ihr Master sie auf: "Das hier", Zandros deutete auf das Kind, "... gehört ebenso zu meinem Besitz wie auch du, Pinky ... er ist niemand, dem du einen Wunsch erfüllen, oder dessen Ruf du folgen musst."

Verstohlen blickte Severus nach hinten und erblickte die Hauselfe. Diese Wesen hatte er erst bei seinem Großvater kennen gelernt und dort hatten sie ihm zumindest immer etwas zu essen gegeben, wenn er hungrig war.

Erneut stiegen ihm Tränen in die Augen, die er aber hastig und mit fest zusammengepressten Lippen wegwischte. Er wollte brav sein und nicht weinen, weil das seinem Meister nicht gefiel. Und wenn er lang genug still war, würde er sicherlich auch etwas zu essen bekommen.

Oder nicht?

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tbc