Danke für die Reviews, auch wenn es im Vergleich zu den Hits wenige waren.
+Thira: Das ist eine interessante Parallele mit den fünfzehn Schlägen. Aber es wahr ehrlich gesagt purer Zufall.
+reina: Ja. Effektiv ist Zandros und er will nicht übermäßig grausam sein, was er natürlich dennoch ist...
Kapitel 9 – Brief an einen Sklaven
Sechs Jahre waren vergangen und aus einem aufgeweckten, fast immer strahlenden kleinen Jungen war ein stiller, in sich gekehrter und gut erzogener Sklave geworden.
Es war Hochsommer. Und so trug Severus seine Tunika und dazu sehr dünne Sandalen, deren Riemen durchsichtig und somit kaum zu sehen waren. Seine schwarzen Haare waren so lang, dass sie ihm in seidigen Wellen über die Schultern und den Rücken flossen.
Gerade hatte er seinen Meister beim Frühstück bedient, ihm Brötchen gereicht und den Tee eingegossen.
Nun kniete er mit demütig gesenktem Kopf neben dessen Stuhl und wartete, dass er durch ein Wort oder eine Geste einen weiteren Auftrag erhielt. Wenn es sein musste, konnte er stundenlang so knien, ohne ein Wort oder ein Ton der Klage. Seine Glieder waren daran gewöhnt und verkrampften sich nicht mehr, wie früher manchmal.
Ein leichtes Pochen an der Fensterscheibe erregte seine Aufmerksamkeit, ohne dass es ihn verleitete, sich zu rühren.
Erst ein leichter Wink seines Meisters ließ ihn sofort aufstehen und hinüber gehen, um die Eule einzulassen, den Brief entgegenzunehmen und zum Tisch zu bringen.
Doch auf halbem Weg blieb er verdutzt stehen und starrte auf die verschlungene Schrift auf dem Umschlag. Dort stand nicht der Name seines Meisters.
"Severus Snape.", wisperte der Sklave leise und erst als er es vorlas, wusste er, woher ihm der Name bekannt vorkam. So hatte er früher geheißen, in einem anderen Leben. Langsam drehte er den Brief um und sah ein Siegel und den Namen Hogwarts.
Erneut blinzelte er und machte sich dann daran, den Brief einfach zu öffnen.
Zandros sah erst von seiner nun zweiten Tasse Tee auf, als nicht wie erwartet die gebrachte Eulenpost zu ihm an den Tisch gelegt wurde, sondern - nichts weiter geschah und der Junge auch nicht wieder neben ihm zu knien kam.
Was er dann jedoch sah, damit hatte er nicht gerechnet und mit sichtlich ungläubiger Stimme fragte er scharf: "Was glaubst du, was du da tust, Junge?"
Erschrocken zuckte Severus zusammen und erstarrte mitten in der Bewegung. "Er.. er ist an mich adressiert, Meister.", antwortete er leise. "Mein... Mein Name steht darauf."
Nun wirklich verärgert schnippte Zandros harsch mit den Fingern, dabei auf die Stelle am Tisch deutend, wo normalerweise die eingetroffene Post liegen sollte: "Ich glaube nicht, dass irgend jemand einen Brief mit dem Adressat Junge versieht."
"Mein... Mein früherer.. Name.", wagte Severus noch zu wispern. Mit schnellen Schritten kam er dann heran und legte den halb geöffneten Brief auf den Tisch, ehe er mit demütig gesenktem Kopf auf die Knie sank.
"Du hast keinen Namen, außer dem, den ich dir gebe - Junge!", schnappte Zandros nun mehr als ärgerlich, griff sich den Brief, riss den Umschlag regelrecht von diesem und überflog das Einladungsschreiben an die Schule für Hexerei und Zauberei, doch spätestens, als er an die Liste der benötigten Dinge geriet, zerknüllte er den Brief einfach und ließ ihn vor seinem Sklaven auf den Boden fallen: "Verbrennen", befahl er nur knapp. "Und dann kommst du in mein Arbeitszimmer, deine Strafe abholen."
"Ja, Meister.", wisperte der Schwarzhaarige nur, konnte aber nicht verhindern, dass eine einzelne Träne seine bleiche Wange herunterlief. Das zerknüllte Pergament aufhebend, erhob er sich und wandte sich dem Kamin zu, während er hörte, wie sein Meister den Raum verließ.
Einfach nicht anders könnend glättete er den Brief, um ihn selbst zu lesen, was ihn aber nur noch mehr schmerzte. All die Jahre hatte er darauf gewartet, zur Schule gehen zu dürfen. Hatte gehofft, dass er genug Magie besaß, damit sein Meister stolz auf ihn sein konnte. Und nun hatte er mit einer unbedachten Handlung alles zerstört.
Als der Brief in den Flammen verschwand, wischte Severus sich über die Augen, um die verräterischen Spuren zu entfernen. Er durfte nicht weinen!
Mit gesenktem Kopf und furchtsam in seine Tunika verkrallten Händen begab sich der elfjährige Sklave in das Arbeitszimmer seines Meisters, wo er sofort niederkniete und den Kopf bis fast auf den Boden senkte. "Ich bitte um Verzeihung, Meister.", wisperte er heiser.
An seinem Schreibtisch gelehnt hatte Zandros auf das Erscheinen seines Eigentums gewartet und als dieser nun schließlich vor ihm kniete, klopften seine Finger im Ausdruck seiner immer noch vorhandenen Verärgerung hart auf die schwere Holztischkante.
"Ich frage mich, ob du alles vergessen hast, was ich dir so mühsam beigebracht habe … ich bin wirklich sehr enttäuscht von dir, Junge."
Der schlanke, in diesem Moment fast schon zerbrechlich wirkende Körper zitterte sichtlich. "Ich habe nichts vergessen, Meister.", brachte Severus mühsam hervor. "Ich war nur so überrascht, mei... diesen Namen auf dem Brief zu lesen und... und ich habe nicht nachgedacht, Meister. Es tut mir leid."
"Und damit, glaubst du, ist es getan? Mit einem einfachen: Es tut mir leid? Glaub mir, Junge, es wird dir ganz bestimmt noch weit mehr leid tun, vergessen zu haben, wo dein Platz ist!" Damit griff Zandros hinter sich und zog einen langen Rohrstock hervor, den er einmal klatschend in seine linke Handfläche sausen ließ.
Bei dem eindeutigen Geräusch zuckte der Junge zurück, ehe er sich zusammenriss und wenn auch leicht schwankend aufstand. Ohne aufzusehen zog er sich seine Tunika aus, faltete sie zusammen und legte sie auf einen Stuhl, ehe er zu seinem Meister trat und sich neben diesem über den Rand des Schreibtischs beugte. Sein Arm reichte noch nicht an die gegenüberliegende Kante und so hielt er sich stattdessen seitlich fest.
Ohne nun noch weiter zu zögern, oder vorzuwarnen, trat Zandros zwei Schritte zurück, holte aus und ließ den Rohrstock pfeifend und präzise, einmal auf den entblößten Hintern niedersausen.
"Eins, Meister. Danke, Meister.", kam sofort ohne Pause von dem Schwarzhaarigen, auch wenn man deutlich den Schmerz in der Stimme hören konnte.
Sich dadurch ein wenig besänftigter fühlend, hatte sein Eigentum wohl doch nicht alles wieder verlernt, schlug Zandros ein zweites, drittes und viertes Mal zu, danach immer auf die entsprechende Antwort wartend und so traf sein Stock schließlich zum fünften Schlag auf die nackte, von vier präzisen Striemen geröteten Pobacken.
"Fünf, Meister... Danke, Meister", jappste Severus, da es mittlerweile doch sehr stark schmerzte. Doch hatte noch nicht eine Träne seine Augen verlassen. Dafür war die Strafe noch bei weitem nicht hart genug. Irritiert merkte er dann, dass kein erneuter Schlag folgte, rührte sich jedoch noch nicht.
Den Stock vor seinem Sklaven auf den Tisch legend, griff Zandros nach einem weiteren Gegenstand, den er zuvor in seine Robentasche gesteckt hatte: "Schau mich an.", befahl er schließlich, hoffend, dass sein Eigentum nun nicht gleich den nächsten Fehler beging und dabei stehen blieb.
Severus' Kopf schnellte herum und er blickte seinen Meister an. Da dieser den Stock weggelegt hatte, stand der Sklave auf und sank auf die Knie. Dabei fiel sein Blick auch kurz auf das, was sein Meister in der Hand hielt und die schwarzen Augen weiteten sich entsetzt. "Bitte, Meister.", wisperte er mit vor Angst rauer, brüchiger Stimme. "Bitte, nicht das... bitte." Flehend hob er den Blick wieder, um seinem Meister in die Augen zu blicken.
"Oh doch … genau das … hast du dir mit deiner Eigenmächtigkeit verdient.", beschied Zandros harsch, den alten Reif entfernend, ehe er den anderen öffnete und ohne Vorwarnung das mit feinen Dornen versehene Eisenband um den Hals seines Eigentums legte. "Das hier wird dir hoffentlich eine Lehre sein, deine Pflichten und deinen Platz in diesem Haushalt nicht erneut zu vergessen, Junge."
Nun konnte alle Erziehung nicht verhindern, dass sich Tränen in Severus' Augen sammelten und schließlich über seine Wangen liefen. Der Schmerz bei jeder Bewegung und schlimmer noch beim Schlucken war fast unerträglich. Dennoch senkte er demütig den Kopf.
Nachdem sich der Halsreif sicher und fest geschlossen hatte, wandte sich Zandros ab und griff erneut nach dem Stock, um diesen wieder an seinen üblichen Platz seitlich seines Schreibtisches an die Wand zu hängen.
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Als am nächsten Morgen erneut ein Brief mit einer weiteren Einladung bezüglich des Schulbesuches seines Sklaven kam, ließ Zandros diesen erneut verbrennen, ehe er seinem Sklaven befahl ihm Pergament, Feder und Tinte an den Frühstückstisch zu bringen.
Sofort verließ der Schwarzhaarige den Raum und ging ins Büro, wo das geforderte lag, und brachte es seinem Meiser. Erneut neben diesem kniend überreichte er die drei Gegenstände.
Seinen Zauberstab ziehend, ignorierte Zandros das ihm Hingehaltene und beschwor stattdessen ein kleines Tischchen, das vor dem Jungen erschien: "Du wirst eine Absage an die Schule schreiben und ich erwarte, dass sie fehlerfrei und formvollendet ist."
So heftig schluckend, dass ein dünnes Blutrinnsal unter dem Halsreif hervorlief, senkte Severus die Arme und wandte sich dem Tisch zu. "Ja, Meister.", hauchte er nur sehr leise. Einen Augenblick raschelte das Pergament noch, während der Junge es vor sich ausbreitete.
Sehr geehrter Professor Dorwitsen,
ich bedaure sehr Ihnen mitteilen zu müssen, dass es mir nicht gestattet ist, die Hogwartsschule für Zauberei und Hexerei zu besuchen. Mein Meister benötigt meine Dienste dringender.
Hochachtungsvoll
Mit
zusammengepressten Lippen starrte er auf die wenigen Zeilen.
"Welchen.. Namen soll ich darunter schreiben, Meister?", wagte er
dann zu fragen.
Zandros schnaubte nur kurz. "Gar keinen …" Damit entzog er den Brief den Fingern seines Sklaven, unterschrieb schwungvoll mit seinem eigenen Namen, versiegelte den Brief und reichte ihn schließlich nach unten hin zurück: "Jetzt geh zum Eulenverschlag und schick ihn nach Hogwarts."
"Ja, Meister.", wisperte der Sklave nur leise, konnte aber die Enttäuschung nicht aus seiner Stimme heraushalten. Den Brief an die Brust gedrückt stand er da und zögerte noch. "Ich dachte immer, dass Ihr, seit ich klein war, darauf hofft, dass ich magiebegabt bin.", hauchte er nur leise, ehe er sich umdrehte und aus dem Raum lief, um den Befehl auszuführen.
Nur leicht seinen Kopf schüttelnd blickte Zandros seinem Jungen hinterher. Natürlich hatte er darauf gehofft und es irgendwie auch schon geahnt, vor allem aber da dies den Wert seines Sklaven erheblich steigerte und nicht, weil er diesen von seiner Seite fortzuschicken gedacht hatte. Dazu war ihm das Leben mit den vielen Aufmerksamkeiten seines Sklaven schlichtweg viel zu … angenehm.
Nachdem die Eule davongeflogen war, stand Severus noch eine ganze Weile in dem Verschlag und sah zum Himmel hinauf. Wie es wohl wahr, frei zu sein? Mit hängenden Schultern verließ er den kleinen Raum und ging zu seinem Meister zurück.
Einige Stunden später, Severus war gerade dabei, die Regale in der Bibliothek zu entstauben, während sein Meister las, klingelte es an der Tür.
Von seinem Buch aufblickend sah Zandros gerade noch wie seine Hauselfe vor ihm erschien: "Ein Albus Dumbledore wünschen Master zu sprechen.", fiepte sie mit ihrer hellen Stimme, woraufhin der Hausherr stirnrunzelnd nickte und die Elfe wieder verschwand, um den Gast einzulassen.
Severus hatte nur verstohlen gelauscht, konzentrierte sich dann aber wieder auf seine Aufgabe, da er den Namen nicht kannte.
Albus Dumbledore war extra persönlich hierher gekommen, nachdem ihm sein Stellvertreter die Absage eines potentiellen Schülers gezeigt hatte. Er wollte selbst mit dem Mann reden und vor allem auch sehen, wie es dem Jungen ging.
Sich umsehend folgte er der Hauselfe in die Bibliothek und erblickte dort auch zum ersten Mal in seinem langen Leben einen Sklaven. Innerlich seufzend wandte er sich dem Hausherrn zu und trat näher. "Mister Galagher. Es freut mich Sie kennen zu lernen. Und entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie einfach so überfalle."
Sich von seinem Stuhl erhebend, da es die Höflichkeit einfach so verlangte, reichte Zandros dem alten Zauberer die Hand: "Ich freue mich über Besuch im Allgemeinen, Mister Dumbledore.", erwiderte er dabei ruhig. Dass dies nicht einer jener Fälle war, wussten sie sicherlich beide.
"Ich war, um ehrlich zu sein, etwas neugierig.", meinte Dumbledore und setzte sich in einen der Sessel, nachdem er durch eine Geste dazu aufgefordert worden war. Zumindest deutete er das so. "Es geht, wie Sie sicher erraten haben, um Ihre Absage von heute morgen."
Severus putzte nur noch sehr langsam, weil er eher dem Gespräch lauschte als alles andere.
"Verstehe … nur wüsste ich nicht weshalb sie sich deswegen extra die Mühe machen mich aufzusuchen.", erwiderte Zandros, die langsameren Bewegungen seines Sklaven bemerkend und mit einem scharfen Fingerschnipsen, als riefe er seine Hauselfe, befahl er harsch: "Bring meinem Besucher etwas zu trinken, Junge."
Severus zuckte zusammen, ehe er mit einem schnellen "Ja, Meister" den Raum verließ. Doch kaum hatte er die Tür geschlossen, kam er auch schon mit rotem Kopf zurück. "Was kann ich Ihnen bringen, Sir?"
"Eine Tasse Tee reicht mir", antwortete der Direktor von Hogwarts, woraufhin der Junge verschwand. "Wie lange besitzen Sie ihn schon, wenn ich fragen darf?"
Zandros runzelte nur kurz missbilligend die Stirn ob der zuerst an den Tag gelegten Gedankenlosigkeit seines Sklaven, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder ganz seinem Besucher zuwandte: "Seit seinem fünften Lebensjahr."
"Das ist sehr lange... dann kennt er sicherlich kaum noch etwas anderes.", murmelte der Ältere nachdenklich. "Haben Sie deswegen für ihn abgesagt? Es wäre sicherlich schwer für ihn, sich unter den anderen Kindern zu behaupten."
"Er soll sich nicht behaupten … er ist ein Sklave, nicht mehr und nicht weniger", stellte Zandros fast schon entrüstet klar.
"Sie würden wollen, dass die anderen Kinder wissen, was er ist und ihn dadurch ausnutzen?", fragte Albus überrascht nach.
In dem Moment öffnete sich auch die Tür und Severus kam mit einem Tablett wieder herein, was er auf den kleinen Tisch stellte. Auch für seinen Meister hatte er eine Tasse dabei und bediente die beiden nun.
"Gewiss nicht..", lehnte Zandros sofort ab, "Schließlich bin ich kein Unmensch. Daher werde ich ihn auch gar nicht erst in eine solche Situation kommen lassen."
"Aber wäre es nicht sinnvoll, wenn er ausgebildet wäre? Abgesehen davon, dass er viel effizienter arbeiten könnte, bestünde nicht mehr die Gefahr, dass er ohne es zu wollen zaubert.", meinte Dumbledore, während sein Blick dem nur mit der dünnen Tunika bekleideten Jungen verfolgte, der sich nach dem Eingießen des Tees neben seinen Meister kniete.
"Und eben weil er auch so effizient bleiben soll, werde ich nicht zulassen, dass er durch eine derartige… Umgebung vollkommen verzogen wird und meine Arbeit der letzten sechs Jahre umsonst ist", wehrte Zandros unwillig ab.
"Ich bin mir sicher, er würde nicht vergessen, was er ist.", widersprach Dumbledore ruhig. "Und immerhin wüsste außer mir und meinem Stellvertreter niemand von seinem Status."
Severus' Hand hatte sich in seine Tunika verkrallt, während er innerlich fast schon flehte, dass sein Meister zustimmte.
Langsam schüttelte Zandros seinen Kopf: "Ich werde nicht auch noch einen Knut dafür ausgeben, dass ihm all die Erziehung wieder genommen wird, ganz gleich wessen Sie sich sicher sind, Mister Dumbledore."
Der Ältere sah auf den Jungen, der resigniert den Kopf noch mehr senkte. "Nun... für solche Fälle gibt es einen Fond. Natürlich könnte er sich dann nicht die neuesten Sachen kaufen. Aber gebrauchte Bücher und Ausrüstung sind ja auch nicht schlechter als neue."
Sich zurücklehnend zögerte Zandros nun doch etwas, war die Aussicht, dass er nicht einmal etwas für eine etwaige Ausbildung würde zahlen müssen, doch recht reizvoll für ihn. Doch dann lehnte er erneut ab: "Das ist eine durchaus .. interessante Option, jedoch glaube ich nicht, dass er für eine öffentliche Einrichtung … geeignet ist und selbst wenn, was ich bedauerlich fände, stünde dem immer noch entgegen, dass meine ganze Arbeit der letzten Jahre dahin wäre. Er würde vergessen, was er ist - und wo er hingehört."
Seufzend nahm Dumbledore seine Tasse und trank einen Schluck Tee. Er wusste einfach nicht, was er noch sagen sollte.
"Darf... ich etwas sagen, Meister?", wisperte Severus leise und nahm dabei eine vollkommen demütige Pose ein.
Seine Augenbrauen kurz missbilligend zusammenziehend, nickte Zandros schließlich: "Also gut … aber darüber unterhalten wir uns nachher noch."
"Ja, Meister.", wisperte Severus mit leicht erstickter Stimme, da er ahnte, dass ‚unterhalten' eine Strafe bedeutete. Dennoch sprach er weiter und seine Stimme war voller Demut: "Ich werde niemals vergessen, was Ihr mich gelehrt habt, Meister. Ich weiß, was ich bin. Ich kenne meinen Platz. Aber ich könnte Euch noch viel besser dienen, wenn ich lernen würde, wie ich meine Zauberkraft einsetze... und ich könnte lernen, die Tränke zu brauen, die Ihr mich gelehrt habt, Meister. Ich könnte ein besserer Sklave sein."
Nachdenklich mit seiner Hand durch das schwarze, seidige Haar fahrend, dachte Zandros über das Gehörte nach: "Du glaubst also tatsächlich, dich behaupten zu können? Unter all den … Freien?"
Der Junge genoss einen Moment lang die so seltene sanfte Berührung. "Ich... ich habe Angst davor, Meister.", wisperte er dann, da er ehrlich sein musste. "Aber ich würde es dennoch versuchen, Meister. Ich möchte, dass Ihr stolz auf mich sein könnt."
Zandros' Lippen verzogen sich kurz zu einem Lächeln, das er jedoch sogleich wieder einstellte, als er sich der Gegenwart seines Besuches bewusst wurde und diesen nun anblickte. Was hielt dieser von dem Ganzen?
Dumbledore hatte nur schweigend beobachtet und das Mitleid für den armen Jungen versteckt. Doch konnte er ihm nicht helfen, weder jetzt noch langfristig. "Es ist natürlich allein Ihre Entscheidung, Mr. Galagher. Aber ich kann Ihnen versichern, dass ich darauf achten werde, dass niemand Ihren Jungen ausnutzt. Es wäre sogar möglich, dass niemand erfahren muss, was er ist."
"Und wie soll das gehen?", erkundigte sich Zandros, dabei auf den Halsreif weisend, welchen er seinem Sklaven erst am Vortag angelegt hatte.
"Nun... auch wenn die Schuluniform – also Hosen, Pullover und Krawatten – vorgegeben sind, ist es möglich die Robe mit einem höher geschlossenen Kragen auszustatten. Auf diese Weise muss niemand den Reif sehen.", erklärte Dumbledore, dem es eiskalt den Rücken hinab lief, als er eine Blutkruste an der Seite des Reifs bemerkte.
"Also gut … aber nur bis zu den ersten Ferien und sollte er sich nicht mehr zu benehmen wissen, oder mein Eigentum an dieser Schule beschädigt werden…", wortlos ließ Zandros die Drohung ausklingen.
"Ich werde persönlich dafür sorgen, dass ihm nichts geschieht.", erwiderte der Direktor und blickte auf den Jungen herab. Dazu würde er Hilfe benötigen. Aber das musste jetzt nicht hier diskutiert werden. Mit einem leichten Lächeln zog er einen weiteren Brief aus seiner Robentasche.
Severus konnte sein Glück noch gar nicht fassen. Er würde wirklich zur Schule gehen dürfen. Er würde lernen. Und dabei würde er seinen Meister stolz machen.
"Wenn Sie es wünschen, werde ich mit ihm in die Winkelgasse gehen und seine Kleidung und so weiter kaufen helfen."
Zandros zögerte sichtlich, stimmte dann aber doch zu: "Also gut . danach kommst du in mein Arbeitszimmer und holst dir deine Strafe für dein unangemessenes Verhalten hab."
Wenn er ihn schon mehrere Wochen fortgeben musste, dann konnte er es auch gleich jetzt ausprobieren, ihn ein paar Stunden von seiner Seite zu lassen: "In spätestens zwei Stunden bist du wieder hier, Junge."
Mit großen Augen starrte Severus auf seine Knie. Er sollte wirklich mit einem fremden Mann... Im nächsten Moment schalt er sich einen Narren. Natürlich würde er mitgehen. Immerhin wäre in der Schule auch jeder fremd für ihn. "Ja, Meister.", wisperte er deswegen nur.
"Darf ich fragen, was er in Ihren Augen falsch gemacht hat?", wollte Dumbledore neugierig wissen, als der Junge aufgestanden war, um sich umziehen zu gehen.
"Er hat etwas getan, was ich in diesem Haushalt nicht dulde - er hat von sich aus gehandelt, ohne Befehl oder eine Anweisung meinerseits.", erklärte Zandros offen.
"Was hat er denn getan?", fragte Dumbledore erneut nach. "Mir ist nichts aufgefallen."
Leicht schüttelte Zandros seinen Kopf ob der erneuten Nachfrage: "Er hätte, so lange ich mich unterhalte, schweigen sollen."
"Oh." Zum ersten Mal war zu sehen und zu hören, dass Dumbledore betroffen war. Sein Blick legte sich auf den nun normal bekleidet eintretenden Sklaven, der sofort wieder zum Sessel Galaghers ging und sich hinkniete.
Dumbledore erhob sich. "Wenn Sie gestatten, breche ich sofort auf. Es sollte nicht allzu lange dauern."
"Gut ..", stimmte Zandros zu und strich erneut durch die seidigen, schwarzen Haare, diesmal jedoch eindeutig besitzergreifend. "Mach mir keine Schande und benimm dich, Junge."
"Ja, Meister.", versicherte Severus sofort und erhob sich erst, als die Hand aus seinen Haaren verschwunden war. Mit einem letzten unsicheren Blick in Richtung seines Meisters, auch wenn er ihn dabei nicht direkt ansah, verließ Severus den Raum.
Als die Eingangstür des Manors hinter ihm ins Schloss fiel, zuckte er regelrecht zusammen und sah ängstlich zu dem großen, weißhaarigen Mann auf, der ihn gütig, aber irgendwie traurig anlächelte.
tbc
