Danke an die beiden Reviewer. Schön, dass zumindest zwei von über hundert Lesern das Kapitel gefallen hat.
- kalisti: Du hast recht. Es fehlt noch ein sehr wichtiger Teil, der aber auch bald kommt. Sevy war nur noch ein wenig zu klein.
Und nun weiter mit dem nächsten Kapitel.
Kapitel 11 - Erste Ferien
Die Sonne war bereits aufgegangen und warf ihre rotgoldenen Strahlen über die Schlossmauern und Zinnen von Hogwarts, als Zandros Aydin Gallagher das Schlossgelände betrat und sich auf den Weg ins Schlossinnere machte, wo ihn auch schon eine ältere Hexe aufhielt und ihn fragte, wohin er denn wollte.
„Jemanden abholen", beschied er die Hexe kurz und war auch schon an ihr vorbei, als ihn Kinderlachen und Geschirrgeklapper in Richtung einer großen Flügeltür zog und er kurzerhand einfach eintrat.
Severus saß, wie eigentlich immer, ganz außen am Tisch, so dicht wie möglich am Lehrertisch. Dadurch war die Chance am niedrigsten, dass ihm jemand hier einen Streich spielte. Mit tief gesenktem Kopf, sich hinter den fettigen langen Haaren verbergend, saß er da und aß sein Frühstück. Noch immer fiel es ihm schwer, sich auf eine Bank zu setzen, was die wenigen Eingeweihten auch an seiner Haltung erkennen konnten.
Seinen Blick durch die Große Halle schweifen lassend, fand Zandros schließlich den gesuchten schwarzen Haarschopf und ging zielstrebig auf den mit grünen und silbernen Fahnen und sonstigen Tüchern geschmückten, langen Tisch zu.
Am Lehrertisch stand der Direktor, der sich zuvor mit seinem Stellvertreter unterhalten hatte, langsam auf, als er den Gast aus dem Augenwinkel bemerkte. Da er keine Szene wollte, ging er um den Tisch herum und stieg von dem Podium, auf dem der Lehrertisch etwas erhöht stand, herab. „Mister Gallagher."
Erst als der Name genannt wurde, bemerkte auch Severus, dass er reagieren musste. Hastig stand er auf, während Panik durch seinen Geist jagte und sein Herz fast schon schmerzhaft gegen seine Rippen pochte. Wieso war sein Meister hier? Es waren keine Ferien, nur Halloween. Würde er jetzt fortgebracht und durfte nicht zurück?
Er hatte tatsächlich recht gehabt mit seiner Vermutung über den Eigentümer des deutlich ungepflegten Haarschopfes, doch wurde Zandros' Aufmerksamkeit nun ganz von dem Schulleiter in Anspruch genommen und so beachtete er sein Eigentum vorerst nicht wirklich, als er dem Schulleiter schließlich sein Hiersein erklärte: „Mister Dumbledore … ich möchte nicht lange stören und nur etwas abholen."
„Ich hoffe doch sehr nur vorübergehend.", murmelte der Direktor leise und legte kurz eine Hand auf die Schulter des Elfjährigen, der wohl mit dem Gegenstand gemeint gewesen war.
Severus biss sich auf die Unterlippe und trat dann einen Schritt auf seinen Meister zu, sodass die Hand des Schulleiters von seiner Schulter glitt. Dabei konnte er die Blicke aller Schüler spüren, die sich regelrecht in seinen Rücken bohrten.
„Das bleibt abzuwarten …", meinte Zandros daraufhin nur, die beschützende Geste des weißhaarigen Zauberers alles andere als angenehm auffassend, „… pack deine Sachen. Ich erwarte dich draußen bei den Kutschen." Damit drehte er sich um und verließ ohne noch einen Blick zurück die Speisehalle.
Severus blieb noch einen Moment verloren stehen, die Blicke auf sich spürend. Doch dann riss er sich zusammen. Sein Meister hatte ihm einen Befehl gegeben und den musste er ausführen, wie ihn der Bund gerade deutlich durch einen leichten Schmerz wissen ließ. Aufrecht und mit dem kalten nichtssagenden Gesichtsausdruck, den er sich in den letzten zwei Monaten angewöhnt hatte, verließ er die Halle und ging hinunter in die Kerker. Innerhalb weniger Minuten hatte er alle Sachen in die beiden Koffer gepackt und verließ sein Zimmer.
Auch wenn Zandros hierher appariert war, so hatte ihn der Anblick in der Großen Halle doch in seiner zuvor im Zaubererdorf gemachten Überlegung bestärkt, sein Eigentum gleich von Anfang an auf die Probe zu stellen und außerdem gab es Pflichten, die dieser zu erfüllen hatte. Pflichten, die Zandros gerade in den letzten Jahren lieb und teuer geworden waren und die er in den vergangenen beinahe zwei Monaten arg vermisst hatte.
Sich draußen zu der von ihm zuvor in Hogsmeade - wo er noch etwas einkaufen gewesen war - hierher georderten Kutsche begebend, wartete er nun auf seinen Sklaven.
Auf dem Weg nach oben war Severus zu der Überzeugung gelangt, dass sein Meister ihn sicherlich wieder zurückkehren lassen würde, wenn er ihm bewies, dass er noch immer ein guter Sklave war. Also stellte er die Koffer in die Ablage hinten auf der Kutsche und ging dann zur Kutschentür. Er musste sich ziemlich strecken, um an die Klinke zu kommen, doch schaffte er es und hielt seinem Meister die Tür auf.
Zandros ließ sich nicht anmerken, was er von dieser ersten durchaus richtigen Handlungsweise hielt und stieg einfach ein, um sich auf die mehr oder weniger bequem gepolsterte Sitzbank zu setzen.
Nachdem Severus hereingeklettert und die Tür hinter sich zugezogen hatte, setzte er sich auf den nicht gerade sauberen Boden. Dabei huschte ein Lächeln über sein Gesicht. Es tat wirklich gut, sich wieder richtig verhalten zu können, ohne immer nachdenken zu müssen.
Mit einem kurzen, aber kräftigen Klopfen gegen die Kutschendecke signalisierte Zandros, dass sie bereit waren, und mit einem leichten Ruck setzten sich die alles andere als unsichtbaren Rösser in Bewegung und verließen erst langsam und dann immer schneller das Schlossgelände.
Einige Minuten verstrichen, ehe der weißhaarige Zauberer seine ganze Aufmerksamkeit nun auf den am Boden sitzenden Jungen richtete, wobei ihn dessen Lächeln nun doch leicht seine Stirn runzeln ließ: „In der Halle wirktest du nicht wirklich glücklich mich zu sehen", ließ er schließlich das verlauten, was ihm dort unter anderem missfallen hatte.
„Doch, Meister... ich habe Euch vermisst", antwortete Severus ehrlich und hob leicht den Kopf. „Ich... war nur sehr traurig, dass... dass Ihr mich nicht bleiben lasst."
Zandros zuckte nur leicht mit seinen Schultern und meinte schließlich, auf die indirekt gestellte Frage nicht weiter eingehend: „Da gab es etwas, worauf ich nicht noch weitere sechs Wochen warten wollte."
„Ja, Meister... Wie kann ich Euch dienen?", fragte der Kleine demütig und neigte den Kopf dabei wieder tiefer.
„Zuerst … mach deinen Hals frei, ich denke, den Dornenreif hast du – vorerst zumindest – lange genug getragen", kommentierte der ältere Zauberer die Frage.
Überrascht hob Severus den Kopf, ehe er hastig gehorchte. Dabei versuchte er seine Robe so schnell zu öffnen, dass die Knöpfe beinahe abgerissen wurden. Als er den Kragen endlich entfernt hatte, kam ein blutigrotes Tuch zum Vorschein, das er sich um den Hals gewickelt hatte, damit die Robe nicht zu sehr beschmutzt wurde.
Mit spitzen Fingern das Tuch entfernend, nahm sich Zandros vor, diesen Reif nicht wieder derart lange zu verwenden und er hoffte inständig, dass ihm sein Sklave keinen Grund gab, seine Meinung wieder zu ändern: „Was hast du daraus gelernt?", fragte er, schließlich auch den Dornenreif öffnend und ihn vorsichtig entfernend.
Den angehaltenen Atem langsam ausstoßend schloss Severus einen Moment lang die Augen und genoss das Gefühl, nur sehr wenige Schmerzen zu haben. „Ich werde meinen Platz nicht wieder vergessen, Meister. Ich werde immer tun, was Ihr wollt. Egal was es ist", antwortete er dann und wartete, ob es genügte, oder er schon wieder etwas außer acht gelassen hatte.
„Ja, richtig … nichts Anderes erwarte ich von dir", murmelte Zandros und entfernte nun auch den Glamour. Zufrieden streichelte er kurz durch die nun wieder seidigen Haare, ehe er in seine Robentasche griff und einen weiteren, einfachen Silberreif hervorzog und diesen umlegte. Zuhause würde er sich um die Wunden kümmern.
Zwar hätte Severus einen weicheren Reif an seinem verletzten Hals vorgezogen, doch war alles besser als der Dornenbesetzte. Schweigend und mit gesenktem Kopf saß er dann auf dem Boden und wartete darauf, dass die Fahrt zu ende war. Dabei genoss er tatsächlich die Gewissheit, jetzt wieder auf seinem Platz und so dicht bei seinem Meister zu sein. Er hatte ihn wirklich vermisst, mehr als ihm in der Schule klar gewesen war.
Den Rest der doch recht langen Fahrt schweigend verbringend, döste Zandros sogar ein Weilchen ein, sich vollkommen sicher, dass sein Sklave wach blieb und auch jetzt noch darauf wartete, dass er ihm befehlen könnte.
Das war es, was er vermisst hatte, und wenn er ehrlich sich selbst gegenüber war, so war es auch die bloße Anwesenheit des Jungen, die ihm gut tat und das war es auch, was er ihm schließlich leise sagte, während seine rechte Hand sacht durch die seidig schwarzen Haare streichelte: „Mein Haus war viel zu leer ohne dich, Junge."
Severus schmiegte sich der Hand sacht entgegen, auch wenn sich seine Augen mit Tränen füllten. Würde er nicht wieder nach Hogwarts zurückdürfen, weil sein Meister ihn so sehr vermisste?
So verflogen die Minuten und die auf magischen Wegen reisende und weit größere Entfernungen zurücklegen könnende Kutsche erreichte schließlich ihr Ziel: „Endlich …", seufzte Zandros, der Kutschfahrten eigentlich nicht mochte, aber es einfach als Test hatte benutzen wollen. Einen, den sein Junge erfreulicherweise bestanden hatte. „Bring das Gepäck rein, bereite mir ein Bad und hilf dann der Hauselfe. Wir sehen uns dann zu Mittag."
„Ja, Meister.", antwortete Severus nur, ehe er aus der Kutsche kletterte und seinem Meister die Tür aufhielt. Als auch dieser ausgestiegen war, holte der Kleine die Koffer wieder von der Ablage und trug sie nach oben in das kleine Zimmer. Dort zog er sich dann auch erst einmal schnell um. Da der Sommer längst vorüber war, wählte er die dickeren Sachen und zog sich auch Hausschuhe an, ehe er ins Badezimmer ging und das Wasser herrichtete.
Einige Minuten später klopfte er kurz an das Büro seines Meister und meldete ihm, dass das Bad fertig war. Dann ging er schnell in die Küche. „Pinky?", rief er nach der Hauselfe.
Aus dem Nichts erscheinend rief die Elfe überschwänglich: „Du wieder zurück sein! Pinky so glücklich!"
Unterdessen begab sich Zandros in das vorbereitete Bad und entspannte sich erst einmal von der doch recht unbequemen Kutschfahrt. Schließlich war auch er nicht mehr der Jüngste.
Severus lächelte in einer Mischung aus echter Freude und Trauer. So sehr er die Elfe, das Haus und auch seinen Meister vermisste, wollte er doch weiter lernen. Die vergangenen Wochen waren wie ein Tropfen auf dem heißen Stein, den sein Wissensdurst darstellte. Natürlich hatte er auch bei seinem Meister manchmal lesen dürfen. Aber nie so viel, wie er gerne gewollt hätte. Sein Innerstes lechzte geradezu nach Wissen. Danach ausgefüllt zu werden, sein Verstand brauchte Nahrung, die er nur in Hogwarts bekommen konnte.
Pinky, die sehr wohl bemerkte, dass etwas nicht stimmte, fragte auch sogleich: „Du nicht glücklich sein Pinky zu sehen?"
„Doch, Pinky. Ich habe dich sehr vermisst.", antwortete Severus sofort und kniete sich vor das kleine Wesen, um es zu umarmen. „Ich freue mich sehr, dich wiederzusehen..."
Glücklich die Umarmung erwidernd drückte sich die Hauselfe kurz an den Menschen, ehe sie sich erkundigte: „Du Pinky wieder helfen wollen?"
„Ja. Wir sollen zusammen Mittagessen machen. Wie kann ich dir dabei helfen?", erkundigte sich der Schwarzhaarige und stand wieder auf, um sich in der Küche umzusehen.
„Du jetzt in der Schule richtig wün … zaubern lernen?", erkundigte sich Pinky, während sie einen großen Topf mit noch ungeschälten Kartoffeln aus dem Lager heraufbeschwor und auf dem Tisch erscheinen ließ.
„Ja. Aber ich darf außerhalb der Schule noch nicht zaubern.", murmelte Severus leise und stellte sich an den Tisch. Dann streckte er sich und nahm fünf Kartoffeln aus dem Topf, um sie von Hand zu schälen. Die anderen würde Pinky magisch von der Schale befreien.
So dauerte es nicht lange und schon köchelte ein mit allerlei Gemüse gefüllter Eintopf vor sich hin, während die Hauselfe schließlich ein großes Stück Fleisch und eine Kiste mit allerlei Gewürzen vor dem Jungen erscheinen ließ: „Wenn du mögen, du selbst würzen kannst.", bot sie mit ihren großen Augen zwinkernd an. Auch wenn sie es lieber selbst getan hätte, so hatte Pinky doch schnell gelernt, dass es für ihren Menschenfreund besser war, wenn er später erzählen konnte, was er alles geholfen hatte, wurde er danach gefragt.
„Wie viel?", fragte Severus sofort erfreut nach und betrachtete die einzelnen Gewürze. „Wozu ist das alles?" Er hatte schon sehr früh bemerkt, dass Kochen fast so etwas wie Brauen war. Eine vorgegebene Liste von Zutaten und Zubereitungsmethoden. Da sein Meister ihm nie die Möglichkeit gegeben hatte, einen der Tränke auszuprobieren, über die er manchmal lesen durfte, hatte Severus sich beim Essen kochen vorgestellt, er würde einen Trank brauen.
„Probiere einfach von jedem etwas und dann versuche sie zu kombinieren", erklärte Pinky mit glänzenden Augen, merkte sie doch wie interessiert der Menschenjunge auf einmal war.
Salz und Pfeffer kannte Severus schon und wusste, dass zu viel davon nicht gut war. Deswegen nutzte er es erst einmal nur wenig. Dann nahm er noch einige der anderen Gefäße... Paprika und Curry, klang doch recht gut. Etwas davon nehmend, verrieb er dann alles über dem Fleisch. „Ist es so richtig?"
Kurz einen Finger auf das Fleisch stippend und ihn dann dicht vor ihre große Nase haltend, strahlte Pinky regelrecht auf: „Du das sehr gut machen."
„Danke.", strahlte Severus und seine Augen leuchteten. „Was passiert jetzt weiter damit?"
Wie von selbst schwebte eine große Pfanne auf den Ofen, in dem plötzlich Flammen aufloderten und ein großes Stück Butter erschien in der sich schnell erhitzenden Pfanne: „Das Fleisch ganz vorsichtig anbraten müssen und immer wieder umdrehen. Es so nicht verbrennen können."
Nickend kam Severus näher und betrachtete die Pfanne und das Fleisch, was hinein schwebte, mit Interesse. „Wie lange muss es braten? Und wann merkt man, dass es fertig ist?"
„Wenn es stinken, dann es zu lange drin", erklärte Pinky bereitwillig, während sie sich daran machte, die Nachspeise, eine Caramelsahnecreme, vorzubereiten.
Nervös betrachtete Severus die Pfanne, die etwas zu hoch für ihn stand. Also holte er sich eine kleine Treppe und stieg hinauf, um in die Pfanne sehen zu können. Um das Fleisch nur ja nicht anbrennen zu lassen, nahm er eine Gabel und drehte es mühsam immer wieder um, eigentlich viel zu oft, aber sicher war sicher.
„Schaust du mal, Pinky?", rief er nach geraumer Zeit, als das Fleisch schon sehr lecker roch.
Auch Pinkys Kopf lugte kurz über den Pfannenrand, als die Hauselfe kurzerhand ein wenig nach oben schwebte: „Es nun fertig sen.", verkündete sie, was auch für den von ihr zubereiteten Nachtisch galt und nur wenige Elfenzauber später war die Küche wieder sauber und das Essen stand oben auf dem Tisch, an welchen sich der Hausherr soeben niederließ.
Sofort rannte Severus nach oben und betrat das Speisezimmer, um seinen Meister bei Tisch zu bedienen, wie er es gelernt hatte. Anschließend kniete er sich neben seinen Meister auf den Boden und wartete einfach.
So verging der Tag des Halloweenfestes nach und nach angefüllt mit Arbeit und dem Warten auf weitere Anweisungen. Am Abend fragte Severus sich, wie wohl das Festessen verlief, von dem er einige der älteren Schüler hatte schwärmen hören. Als er dann in dem kleinen Zimmer auf dem Boden lag und sich in seine Decke wickelte, wisperte er immer wieder vor sich hin, dass sein Meister ihn sicher am Morgen zurückbringen würde. Immerhin war doch Freitag und am Tag nach Halloween fand ganz normal der Unterricht statt. Müde schlief er schließlich ein.
Doch nachdem er am Morgen gebadet hatte und auch das Frühstück vorbereitet und serviert war, kniete Severus traurig neben seinem Meister und wartete vergeblich darauf, dass dieser ihm sagte, dass er gehen durfte.
Eine stumme Träne lief über seine Wange, die er mit einer langsamen Bewegung wegwischte. Er würde wohl doch dumm bleiben, stellte er fest und die Verzweiflung, die er noch am Abend bei diesem Gedanken empfunden hatte, setzte sich als pure Trauer fest. Er konnte immerhin nicht ändern, dass sein Meister ihn so sehr vermisste.
Schweigend und schleichend langsam vergingen die folgenden Tage. Der junge Sklave ließ sich in Demut fallen und gehorchte jedem Wink, jedem Wort sofort. Zeit hatte keine Bedeutung mehr für ihn, als er schweigend neben seinem Meister im Kaminzimmer kniete und zu Boden sah.
Das Buch, in dem er die letzte Stunde über gelesen hatte, langsam wieder schließend, senkte sich Zandros Hand auf den Scheitel des neben ihm knienden Jungen: „Ich habe Durst, Junge … lauf in die Küche und mach mir dort einen Früchtetee."
Sicher hätte er auch die Hauselfe damit beauftragen können und es wäre wesentlich schneller gegangen, doch wollte er dem selbst für ihn zu still gewordenen Kind eine Aufgabe geben.
"Sofort, Meister", antwortete der Junge nur leise, erhob sich aber erst, als sich die Hand wieder von ihm löste, und lief aus dem Raum. In der Küche konzentrierte er sich darauf, Wasser zu erhitzen und auf die getrockneten Fruchtreste zu gießen, die er in einem Netzbeutel in die Teekanne geworfen hatte. Die Kanne und eine Tasse auf das kleine Tablett stellend, was er benutzte, seit er denken konnte, verließ Severus die Küche und ging zu seinem Meister zurück.
Nachdem er den Tee serviert und die Tasse gefüllt hatte, kniete er sich wieder hin und versank erneut in sich selbst.
Den Tee kommentarlos genießend, verging erneut eine gute halbe Stunde, ehe der Zauberer schließlich die nächste Anweisung gab, fiel ihm die fast schon bedrückende Stille doch unerwartet unangenehm auf: „Erzähl mir von Hogwarts, Junge … was hast du gelernt?"
Severus blinzelte einmal, ein zweites Mal und hob dann langsam ungläubig den Kopf, hielt aber sofort wieder inne. Mit leiser Stimme begann er dann zu berichten und jedes Wort tat dem kleinen Herzen weh: "Ich habe gelernt, Dinge schweben zu lassen und zu verwandeln, verschiedene leichte Tränke zu brauen..."
„Tatsächlich…", murmelte Zandros leise, das Buch, in dem er wieder zu lesen begonnen hatte, langsam auf die Sesselkante legend, „… zeig es mir." Vielleicht hatte der Bursche ja doch etwas Nützliches gelernt und die Zeit, die er von ihm fort gewesen war, war nicht ganz so verschwendet gewesen, wie er es sich ausgemalt hatte und außerdem … da war es wieder, das Strahlen in den Augen, wenn auch immer noch getrübt. Besonders als die Sprache auf das Brauen von Tränken kam.
"Ich.. hole nur schnell Euren Zauberstab, Meister", erwiderte Severus und stand schnell auf, um aus dem Zimmer zu laufen und nach oben zu gehen. Dass er außerhalb der Schule eigentlich nicht zaubern durfte, war angesichts eines Befehls seines Meisters unwichtig. Kaum zwei Minuten später war er auch schon wieder zurück und stand mit leicht geröteten Wangen vor dem Sessel seines Meisters. "Was darf ich schweben lassen, Meister?"
Nur kurz seine Stirn runzelnd, als der Junge schon weg war, glättete sie sich wieder, als Zandros ihn zurückkommen sah und dieser den für die Schule gekauften Zauberstab in Händen hielt. „Wie wäre es mit dem Buch?", meinte er, dabei auf das neben seinem Arm liegende Stück weisend.
Den Zauberstab ruhig vor sich haltend, sagte Severus deutlich "Vingardium Leviosa" und vollführte perfekt die geforderte Bewegung, woraufhin sich das Buch langsam und ruhig in die Luft erhob.
Das schwebende Buch eine Zeitlang mit undeutbarer Miene betrachtend, verlangte Zandros schließlich zu wissen: „Was hast du noch gelernt? Für einen bloßen Schwebezauber habe ich dich hoffentlich nicht so lange entbehren müssen."
Dass er durchaus überrascht war, wie lange und ruhig das Buch schwebte, zeigte Zandros jedoch nicht.
Einen Augenblick lang war die Enttäuschung in den schwarzen Augen zu sehen, während das Buch langsam und kontrolliert wieder auf die Sessellehne zurücksank. Dann führte Severus jeden einzelnen Zauber vor, den er in den zwei Monaten gelernt hatte, und so gut wie jeder gelang perfekt. Nur bei einem Verwandlungszauber, als er die Teetasse in ein Glas verwandeln wollte, ließ seine Konzentration etwas nach und so hatte das Glas eine milchige Farbe.
"Ver.. Verzeiht, Meister. Ich...", stammelte Severus bei dem Missgeschick erschrocken und senkte betreten den Kopf. Vielleicht war es doch besser, wenn er hier bleiben musste. Offensichtlich war er doch nicht klug genug.
„Nun … es ist immerhin ein Glas … oder nicht?", murmelte Zandros, sich vorbeugend und sacht das Kinn des Schwarzhaarigen anhebend. „Hast du noch mehr gelernt?" Nicht dass es ihn unbedingt interessierte, aber ihm hatte die Konzentration, die … offensichtliche Hingabe in jeder Bewegung, jedes Detail gefallen. Etwas dass sein Junge in den letzten Tagen verloren zu haben schien und das ihn für Zandros weniger … lebendig erscheinen ließ. .
"Ich habe noch.. Astronomie und Verteidigung gehabt und Kräuterkunde, Geschichte der Zauberei und Zaubertränke", antwortete Severus und bei dem letzten Wort leuchteten seine Augen wirklich auf, wenn auch nur für einen Moment.
Minutenlang musterte Zandros seinen Sklaven, wog die letzten Tage ab gegen das, was er in den letzten Minuten von ihm gesehen hatte und die Erkenntnis, dass er ihn, wenn er keinen in sich verkümmerten, geistlosen Sklaven wollte, wieder würde gehen lassen müssen, gefiel ihm nicht wirklich. Doch war er alt genug, um zu wissen, dass das Leben nicht nur aus Dingen bestand, die einem gefielen, und so sagte er schließlich ernst: „Du hast anscheinend wirklich nicht vergessen, wo dein Platz ist. Ich bin zufrieden, Junge."
Ein scheues Lächeln erschien auf Severus' Gesicht, wurde er doch von seinem Meister nicht oft gelobt. "Danke, Meister", wisperte er leise und senkte den Kopf. Die Hoffnung, die er schon für vollkommen erloschen gehalten hatte, kam für einen Moment doch in ihm auf, und so hob er langsam wieder den Kopf, wagte aber nicht zu fragen, sondern wartete einfach, was sein Meister sagen würde.
Ein Schmunzeln unterdrückend, erwärmte es ihm doch selbst das Herz, diese zögerliche Neugier in den dunklen Augen aufglimmen zu sehen, murmelte Zandros schließlich: „Worauf wartest du, räum die Schulsachen zusammen."
Es dauerte einen Moment, bis die Worte ihren Weg in Severus' Geist fanden und er sie vollkommen verstand. Dann strahlte sein Gesicht auf und seine Augen leuchteten. "Ja, Meister. Danke!" Es fehlte nicht viel und er hätte versucht den anderen zu umarmen. Doch dazu war er zu gut erzogen. Sofort lief er los und packte die beiden Koffer wieder zusammen, aus denen er zuvor in wilder Eile den Zauberstab herausgesucht hatte.
Er würde zurück nach Hogwarts gehen!
Sein Meister gestattete, dass er weiter lernte!
Nie zuvor war er so glücklich gewesen, wie in diesem Moment, da war er sich vollkommen sicher.
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TBC
