Und da sind wir wieder - mit 1155 Wörtern für euch.


Lovely little tongue

Am nächsten Morgen in der Schule ging er wieder zu der Klasse, in der Sara war. Als er vor der Tür stand, begann sein Herz zu klopfen. Er sagte sich, das läge sicher daran, dass er neuer Lehrer in der Klasse ist. Als er die Tür öffnete, sah er, dass alle rumschrieen und mit Papier warfen. Nach ein paar Sekunden sah er, wen sie mit dem Papier bewarfen. Alle bewarfen Sara, ihr war es egal. Sie störte sich nicht daran. Grissom ging wütend zu seinem Pult und schmiss hart seine Bücher auf dem Tisch. Alle erschraken und setzten sich an ihre Tische.

„So, jetzt schreibt ihr alle über die Kalium-Argon-Methode einen Aufsatz, den ich nachher einsammeln werde und benoten werde."

Nach einigem Murren machten sich alle an ihre Aufsätze. Nur Sara sah ihn noch eine Weile an, wandte sich dann jedoch ebenfalls ihrer Arbeit zu. Er beobachtete sie, wie ihr die Haare ins Gesicht fielen und sie vor Konzentration die Stirn leicht in Falten legte. Sie hatte die Zunge zwischen die Lippen geklemmt. Ihm fiel auf, dass sie wieder einen Pullover anhatte, in dem es ihr viel zu heiß sein musste, es war heute schließlich noch wärmer als gestern noch.

Sie wurde als Erste fertig, machte jedoch keine Anstalten, ihren Aufsatz abzugeben und saß stattdessen nur da. Ihr Blick fiel auf Grissom und sie lächelte leicht.

Als es klingelte gaben alle ihre Sachen bei ihm ab. Sara ließ sich Zeit, sie hatte es nicht eilig. So kam es, dass sie die Letzte war, die noch mit Grissom im Raum war.

„Sara, könntest du mir bitte die Cafeteria zeigen?", fragte er sie ganz freundlich. Sie nickte nur und ging vor. Ohne zu zögern, folge er ihr langsam in die Cafeteria.

Sie führte ihn rum und zeigte ihm alles, ihm fiel direkt auf, dass es wie auf jeder Schule verschiedene Gruppen gab. Die Streber, die Beliebten, die Musiker, die Skater und so weiter.

Sara schien aber zu keiner Gruppe richtig zu gehören.

Grissom setze sich zu den anderen Lehrern und holte sich nur etwas Obst aus seiner Tasche, dabei beobachtete er aber immer noch Sara, die sich gerade eine Milch und ein Sandwich kaufte.

Sara machte sich gerade mit ihrer offenen Packung Milch auf den Weg in eine hintere Ecke, doch ein Junge aus dem Football Team stellte ihr ein Bein, sodass sie stolperte und sich mit der Milch bekleckerte.

Grissom machte Anstalten, aufzustehen und ihr zu helfen, sowie den Typen zurechtzuweisen, doch da sprach ihn eine Lehrerin an und er musste den Blick abwenden. "Hm.", erwiderte er bloß, auf was auch immer sie gesagt hatte. Als er wieder zu der Stelle, an der Sara gestürzt war, hinsah, war sie verschwunden. Dafür ging die Lehrerin, die anscheinend Gefallen an seiner schweigsamen Gesellschaft gefunden hatte, gar nicht mehr weg. Stattdessen fragte sie ihn über seine neusten Erfahrungen an der Schule aus.

Doch Grissom antwortete nur: „Ich muss mich um eine Schülerin kümmern." und verließ die Cafeteria. Er fragte sich, wo Sara wohl war und ob wie sich wehgetan hatte.

Nach einigen Minuten fand er sie endlich, Sara sah gegen einen Spinnt gelehnt auf dem Boden und hatte ihren wunderschönen Kopf in die Hände gelegt. Dieser Anblick tat Grissom in der Seele weh, er ging zu ihr und legte seine Hand auf ihre Schulter. Vor Schmerzen stöhnend zuckte sie zusammen. Grissom nahm sofort seine Hand von ihrer Schulter. Er konnte ja nicht wissen, dass das eine der Stellen war, wo Saras Vater sie heftig erwischt hatte.

Anscheinend hat sie sich wirklich sehr wehgetan gerade, dachte Grissom, sprach es jedoch nicht aus. Stattdessen fragte er: "Ist alles in Ordnung?" "Ja.", antwortete Sara knapp. Aber Grissom glaubte ihr natürlich nicht. "Komm schon, das stimmt doch nicht." "Wieso fragen Sie, wenn Sie's doch besser wissen?", wollte Sara wissen. Darauf wusste Grissom keine Antwort und so schweig er. Er hielt ihr stattdessen seine Hand hin, damit sie aufstand.

Doch sie war zu stolz, um seine Hand zu nehmen, also stand sie von alleine auf.

Ich brauche keine Hilfe, ich bin doch keine 5 mehr, dachte sie sich aber sagte nicht.

Ohne ein Wort zu sagen, drehte sie sich um und machte den Spinnt, vor dem sie gerade noch saß, auf. Das ist wohl ihr Spinnt, dachte sich Grissom. Sara nahm sich einen neuen Pulli heraus, ging an Grissom vorbei, den Gang entlang in die Mädchentoilette. Seufzend machte sich Grissom schon mal auf den Weg zurück in die Klasse, er hatte nämlich noch eine Stunde Biologie mit ihnen.


Die Schüler kamen langsam in das Klassenzimmer. Fünf Minuten nach Unterrichtsbeginn waren dann alle eingetroffen. Alle bis auf Sara.

Grissom dachte sich, sie würde sich noch umziehen und begann schon mal mit dem Unterricht. Doch Sara tauchte die ganze Stunde lang nicht auf. Nach dem Klingeln verließ er als Erster die Klasse, um nach ihr zu suchen.

Doch er fand Sara nirgends; er wusste nicht, wo wie seien könnte. Er dachte aber auch nicht, dass sie jemand war, der einfach so schwänzen würde. Langsam machte sich ein mulmiges Gefühl in seinem Magen bemerkbar. Er kam zu dem Entschluss bei Sara anzurufen. Also ging er ins Sekretariat, suchte sich ihre Nummer raus und wähle diese.

Es tutete, doch niemand ging dran. Was sollte er jetzt tun? Hat sie sich vielleicht so verletzt, dass sie irgendwo liegt und nicht mehr aufstehen kann?

Er beschloss, noch einmal in den Klassenraum zurückzugehen, vielleicht war sie ja dort mittlerweile aufgetaucht. Ansonsten würde er es immer wieder bei ihr zu Hause versuchen, bis endlich jemand ranging.

Als er die Tür zum Klassenraum leise öffnete, sah er Sara mit dem Rücken zu ihm am Fenster sitzen. Er atmete auf. Gott sei Dank. Aber dann wurde er wütend. Wo war sie gewesen?

Er ging auf sie zu und blieb einen Meter hinter ihr stehen. "Wo warst du?", fragte er ärgerlich. Sie drehte sich erschrocken um und sah ihm ins Gesicht. Sie hatte geweint, doch sie strich sich rasch die Tränen weg. Sofort verschwand seine Wut.

Es tat ihm weh, sie so zu sehen. Er wusste selber nicht, was mit ihm los war, er schob es auf das Mitleid und die Fragen, die er sich über sie stellte. Sara war wie ein verschlossenes Buch, was er unbedingt lesen und analysieren wollte. Er wollte sie besser kennen lernen und all ihre Geheimnisse in sich aufsaugen. Aber vor allem wollte er ihr helfen.

Er ging noch einen Meter auf sie zu und wollte sie in seinen Arm nehmen und trösten, doch sie ließ es nicht zu. Sie nahm ihre Sachen und sagte: „Ich brauche Ihr verfluchtes Mitleid nicht." Dann ging sie.

Er sah ihr einen Augenblick verwirrt hinterher. Er wollte ihr doch nur helfen! Hielt sie sich denn selbst für so stark, dass sie alles alleine konnte? Dann würde sie doch nicht weinen. Verdammt, warum weinte sie? Doch wohl nicht nur wegen diesem Vorfall in der Cafeteria. Vielleicht hatte sie ja noch ein anderes Problem? Aber was?

TBC...


Revs?