Kapitel 3: Erinnerung

Sabrina wachte langsam auf. Sie umgab eine glühende Hitze und die Luft war stickig. Als sie die Augen öffnete, sah sie, wie sich etwas Rötliches am Vorhang hoch fraß. Schlagartig saß sie im Bett und sah, wie das ganze Zimmer in Flammen stand. Rauchschwaden hingen tief und machten ihr das Atmen schwer, denn mit jedem Atemzug inhalierte sie die sengende Hitze. Ihre Decke hatte inzwischen Feuer gefangen und Sabrina klopfte hysterisch auf sie um die Flammen wieder zu ersticken. Doch ihre Sinne schienen ihr nicht mehr zu gehorchen, alles begann zu verschwimmen und sie hörte leise und hasserfüllte Schreie bevor alles vor ihr schwarz wurde.

Ruckartig fuhr sie aus dem Bett hoch. Es war dunkel, kein Feuer, keine Stimmen. Alles war nur ein Traum, doch ihr Herz raste und sie war jetzt viel zu aufgewühlt um wieder einschlafen zu können.

Sabrina ging leise an ihren Koffer und holte eine kleine, golden verzierte Holzschatulle heraus. Auf der Fensterbank lag ein bequemes Kissen auf das sie sich setzte und öffnete vorsichtig die Schnalle. In der Schatulle befand sich eine schwach leuchtende Flüssigkeit, in der ein silbriger Faden schwamm.

Vorsichtig griff sie mit ihrem Finger in die Flüssigkeit und schloss die Augen. Alles um sie herum begann zu wirbeln und als sie die Augen wieder öffnete, stand sie in einem schlichten Kinderzimmer, in dem ein Junge im Bett lag und seine Mutter ansah. Sie setzte sich zu den beiden, als die Mutter zu singen begann:

Deep in my heart I do believe

someday we'll all be free

I may not know how long to leave

someday we'll all be free

hold on my brother, give me your hand

someday we'll all be free

learning to love we find our way

someday we'll all be free

We shall overcome

We shall overcome some day

oh deep in my heart I do believe

We shall overcome some day

(Diana Ross - Someday we'll all be free)

Die Frau sang zwar nicht besonders gut, aber Sabrina spürte die Fürsorge und tiefe Liebe der Frau, die sie ihrem Sohn zeigte.

Als das Lied geendet hatte, küsste die Frau ihren Sohn auf die Stirn und stand auf. Beim Hinausgehen machte sie das Licht aus und schloss leise die Türe. Wieder Dunkelheit. Sabrina schloss noch ein mal die Augen und wurde durch einen Sog gezogen. Sie spürte wieder das weiche Kissen und die kalte Fensterscheibe bevor sie langsam die Augen öffnete.

Lange starrte sie noch aus dem Fenster nach draußen. Der Mond stand inzwischen hoch oben, was bedeutete, dass es schon früher Morgen war. Einige Sterne waren zu erkennen, doch sonst sah sie nur die Schwärze der Nacht. Den Kopf an die Fensterscheibe gelehnt glitt Sabrina langsam in einen ruhigen Schlaf über.

"Hey, wach auf! Warum bist du denn nicht in deinem Bett?" Nur langsam kam Sabrina zu sich und versuchte sich zu erinnern, wo sie war. Sie saß auf einer Fensterbank und hatte ihre Schatulle in der Hand, neben ihr stand ein großes, schlankes Mädchen mit langen, blonden Haaren und hohen Wangenknochen. Erst jetzt kam es Sabrina, dass sie in Hogwarts war und dass das Mädchen neben ihr Tracy war.

"Entschuldige, ich konnte nicht schlafen." antwortete sie leise und einige Mädchen hinter ihr kicherten. "Komm, wir müssen uns richten. Sonst verpassen wir das Frühstück." Sabrina nickte und stand auf. Erst jetzt bemerkte sie, dass drei weitere Mädchen bereits fertig angezogen in ihren Koffern herum wühlte.

"Millicent, bist du fertig?" Pansy, die gerade gefragt hatte, schnappte sich ihre Tasche und gleich darauf stand auch Millicent neben ihr. Daphne wühlte noch immer in ihrem Koffer und meinte: "Geht ruhig, ich bin in zwei Minuten hinter euch." Und das war sie dann auch, es blieben nur noch Tracy und Sabrina im Raum übrig. Tracy suchte noch ein Buch, während Sabrina sich im Eiltempo anzog. "Fertig?" "Fertig!" und beide stürmten ebenfalls in Richtung Große Halle.