Fred Weasley - Reloaded
1. Girls, Girls, Girls
Sommerferien. Für jeden Schüler ein Segen. (Lasst mich gar nicht erst wieder damit anfangen, dass ich ja eigentlich gar kein Schüler mehr bin ich aber von meinen grausamen Eltern dazu gezwungen wurde, wieder nach Hogwarts zu gehen, OBWOHL ich meinen Kindheitstraum bereits erfüllt und eine blendende Zukunft vor mir hatte.)
Wie. Auch. Immer.
Jedenfalls, der Tag, an dem mein Schicksal eine dramatische Wendung nahm, (sofern überhaupt irgendetwas dramatischer sein kann, als die Schicksalswendung, die meine Mutter und meinen Vater involviert, wie sie meinen Traum mit Füßen treten, nur weil... Ihr wisst schon.) lag in den Sommerferien. Es blieb noch eine Woche, bis die Schule wieder los ging und meine Eltern hatten George und mich gerade vor zwei Tagen mit der freudigen Nachricht überrascht, dass wir wieder in Hogwarts aufgenommen worden waren (nein, ich fange jetzt nicht wieder an, mich darüber zu beklagen, was für herzlose Kaltblüter meine Eltern sind). Es war ebenfalls zwei Tage her, dass Angelina mich verlassen hatte. Als ob diese ganze Hogwarts-Sache nicht schon schlimm genug gewesen wäre.
Das heißt, es war genau einen Tag her, dass Angeline mit Victor „Senkfuß", wie ich ihn liebevoll nenne, Krum durchgebrannt war. Damit war es auch einen Tag her, dass ich den Entschluss gefasst hatte, meiner Mutter und Angelina eine Lektion zu erteilen, die sie nicht so schnell wieder vergessen würden. Nachdem also bereits die letzten zwei Tage für mich voller spannender Überraschungen gewesen waren, muss ich wohl gar nicht erst erwähnen, dass ich bester Laune war, als ich an diesem Morgen in die Küche stapfte, um meinen Frust in Toastbrot zu ersticken.
„Zieh nicht so ein Gesicht." Flötete meine Mutter, als sie an mir vorbei in Richtung Wohnzimmer ging. Wahrscheinlich hatte sie beschlossen, auch noch schnell die Eule umzubringen, die ich mir gekauft hatte, wo sie schon so in Fahrt war, was das Fred-Zerstören anging.
Während ich nach etwas Essbaren suchte, kam auch Ron die Treppe zu den Schlafzimmern herunter.
Als er mich sah, lachte er leise. Das hatte er in den letzten zwei Tagen ständig getan, sobald er mich oder Goerge sah. Ich hätte mich natürlich darüber aufregen können, wenn ich nicht schon gewusst hätte, dass Ron an seinem ersten Tag in Hogwarts einen tragischen Unfall erleiden würde. Wirklich traurig.
„Wo ist der andere?"
Ich verdrehte die Augen. Er würde wohl nie lernen, mich und George auseinander zu halten, dabei war es so leicht. Aber was erwartete ich schon? Wenn nicht mal meine Mutter es schafft, auf Anhieb zu wissen, wer ich war...
„Der 'Andere' schläft."
„Freust du dich schon auf die Schule?" Fragte das kleine Monster, als er sich am Küchentisch niederließ.
„Klappe," brummte ich zurück, während ich mir ein Brot schmierte. „Was machst du überhaupt hier unten? Solltest du nicht in deinem Zimmer sein und deine kostbare Anstecknadel polieren? Wäre doch furchtbar, wenn du nicht rechtzeitig zu Schulbeginn fertig wirst."
„Hermine und Harry kommen heute." Antwortete er prompt und ich musste mich nicht mal umdrehen und ihn ansehen, um zu wissen, dass ein dusseliges Grinsen sein Gesicht zierte. Dieses Grinsen trat seit etwa zwei Monaten immer dann in Erscheinung, wenn Hermine Granger erwähnt wurde. Es war ja kein Geheimnis, dass Ron seit seinem ersten Jahr in Hogwarts in seine beste Freundin verknallt war, allerdings sah es inzwischen so aus, als würde Hermine diese Gefühle erwidern. Das hofften jedenfalls Ron und meine Mutter, seit sie das erste Mal mit ihm ausgegangen war. Ich und George waren allerdings inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass Hermine nur mit ihm ausging, weil sie dachte, es wäre richtig so. Kein Wunder. Immerhin wartete seit über fünf Jahren praktisch jeder darauf, dass irgendwas zwischen den Beiden passierte. Aber, mal im Ernst, welches Mädchen, welches verliebte Mädchen, ging zwei Monate lang mit dem Objekt ihrer Begierde aus und hielt sich dann immer noch zurück, wenn es um das Thema Beziehung ging? Ich bezweifelte stark, dass bei diesen Dates etwas anderes passierte als Händchenhalten. Hermine hatte einfach ein zu starkes Verantwortungsgefühl, wenn ihr mich fragt. Alle dachten, es sei richtig, also tat sie es, auch wenn nicht viel dabei rum kam. Entweder das, oder sie war ohne einem von uns was zu sagen einem Nonnenorden beigetreten.
Wäre mein eigenes Traumschloss nicht vor zwei Tagen abgerissen worden, hätte ich Ron das vielleicht auch aufgetischt. Aber ich hielt es für brüderlicher und gesünder, ihn weiterhin in seiner Seifenblase dahinblubbern zu lassen.
Ich verließ also die Küche und ging in den Garten hinaus, ohne ihm auf meine bekannt freundliche Art zu erklären, dass Hermine wahrscheinlich eher mit Snape und Voldemort zusammen Polka tanzen würde, als mit ihm etwas anzufangen. Konnte mir ja auch egal sein. Ich hatte mein eigenes kleines Drama, um das ich mich kümmern musste. Um meiner Mutter zu zeigen, wie verdammt falsch sie immer gelegen hatte, musste ich gut in der Schule sein. Damit musste ich also wohl noch eine Woche warten. Was Angelina anging, konnte ich aber jetzt schon planen. Die Nacht zuvor hatte ich zumindest schon mal die wichtigsten Schritte abgesteckt:
- Heißes Mädchen finden.
- Heißes Mädchen in Hogwarts finden, damit Angelina sich auch darüber im Klaren ist, dass ich praktisch jede Minute des Tages mit besagtem heißen Mädchen den Astronomieturm entweihen könnte.
- Am besten Fotos von besagter Entweihung schießen und ihr zuschicken, dann hat sie mehr davon.
- Mehrere Abzüge von Fotos machen. Man weiss nie, wann man mal knapp bei Kasse ist und spontane Eröffnung von Porno-Schwarzmarkt in Hogwarts nützlich kommt.
- Auf Angelinas Grab tanzen.
Um nochmal auf das heiße Mädchen zurückzukommen: Sie musste wirklich heiß sein. Heißer als Angelina, damit es ihr auch richtig weh tat und am meisten würde es ihr wohl weh tun, wenn dieses heiße Mädchen in den Kategorien punktete, die sie selbst immer als ihre Schwachstellen angesehen hatte. Und da ich mir über ein Jahr stundenlange Vorträge von Angelina über ihre körperlichen Schwachstellen anhören durfte, wusste ich bestens Bescheid, nach was für einem Mädchen ich suchen musste:
Groß. Lange Beine. Wohlgeformter Hintern. Schmale Schultern.
Oh ja, ich konnte sie schon direkt vor mir sehen... ha... ha... ha. Na ja, um Details konnte ich mich auch später noch kümmern. Erstmal musste ich überlegen, wo ich meine Fangnetze auswerfen sollte. Hogwarts ist immerhin groß und beherbergt viele Mädchen. Ich bin zwar schon immer ein Genießer gewesen, aber ich befürchtete, ein Jahr konnte etwas knapp werden, um jedes anzutesten. Außerdem war ich inzwischen volljährig und somit leider an die Gesetze zum Schutz der Jugend gebunden. Ich war zwar bereit, weit zu gehen, aber eine Klage wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger hätte meinen Plan, meiner Mutter zu zeigen, was für ein toller Junge ich bin, wohl etwas Abbruch getan. Das schränkte mich schon mal verdammt ein. Also kein Mädchen unterhalb des sechsten Jahrgangs. Wenn es nach Häusern ging, war ich Patriot: Gryffindor hatte bei weitem die hübschesten Mädchen und das in Massen. Nun gut, auch in den anderen Häusern hatte es immer einige Perlen unter den Säuen gegeben, aber an Slytherins z.B. war ich nicht wirklich interessiert. Die konnten zwar gut aussehen, waren allerdings abgrundtief böse. Ich konnte niemanden gebrauchen, der mehr Hass auf die Welt und die Menschen um sich verspürte, als ich ohnehin schon. Das wär eine explosive Mischung gewesen. Mal davon abgesehen, dass meine Mutter wahrscheinlich einen Herzinfarkt erlitten hätte, wenn ich mit einer Slytherin auflief und das konnte ich nicht zulassen. Meine Mutter durfte nicht sterben. Ich brauchte sie. Zumindest noch so lange, bis ich ihr eine Lektion erteilt hatte. Was die Zeit danach betraf: Waldmannsheil, freie Schussbahn!
Ravenclaw beherbergte auch einige sehr hübsche Exemplare, wenn ich mich richtig erinnerte. Cho Chang war jetzt im gleichen Jahrgang wie ich und sicherlich einen Versuch wert gewesen, allerdings hatte Harry mir erzählt, dass sie etwas psychopatisch veranlagt war nach Diggorys Tod und, wie gesagt, brauchte ich niemanden, der meine Rolle in der Beziehung ausfüllte.
Hufflepuff ... Ich konnte mich an keine Hufflepuff erinnern. Warum zum Teufel hatte ich nie richtig auf die Mädchen in Hogwarts, vor allem die Jüngeren, geachtet? Ach ja. Richtig. Da hatte ich ja noch Angelina. Eine Runde Mitleid bitte.
Ich würde mich also etwas bei den Hufflepuffs und Ravenclaws umsehen. Wenn ich dort nichts fand, saß ich im Gryffindorturm ja praktisch in der Goldgrube. OK. Das war also meine Jagdstrategie. Perfekt. Allerdings hätte ich es nicht schlecht gefunden, wenn ich schon vorher etwas nachforschen hätte können. Ich meine, was, wenn ich ein heißes Mädchen fand, sie mit meinem Charme eingesprüht und für mich gewonnen hatte, dann aber feststellen musste, dass sei einen Defekt hatte? Was sollte ich dann machen? Umtauschen? Nein. Ohne vorher Informationen über in Frage kommende Objekte einzuziehen, war es zu gefährlich, blind drauf los zu jagen. Ich hatte keine Zeit zu verlieren und konnte mir keine Fehlschläge leisten. Aber wie sollte ich von hier aus etwas über einige Schülerinnen erfahren?
Plötzlich riss mich ein Krachen im Haus aus den Gedanken und ich hörte meine Mutter erfreut aufschreien. Hermine und Harry waren also da. Sehr schön. Aufregend. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja. Informationen sammeln.
Moment mal...
Ich sprang auf und hüpfte, um einiges freudiger als ich es in den letzten zwei Tagen gewesen war, wieder auf das Haus zu.
„Oh, Hermiiiiiineeeeeeee..."
Zu sagen, meine Mutter, Ron, Ginny, Harry und Hermine waren geschockt, als ich strahlend wie die Sonne an ihrem ersten Tag ins Wohnzimmer tänzelte, wäre eine Untertreibung. Ihren Gesichtern nach zu urteilen, hätte in diesem Moment auch Snape für eine Gymnastikstunde mit anschließendem Teekränzchen hereinplatzen können. Wie immer begrüßte ich Harry mit einem männlichen Schlag auf den Rücken und wandte mich dann Hermine zu, die zwischen Ginny und Ron stand. Ich ergriff ihre Hand und schüttelte sie, als gäbe es kein Morgen.
„Hi, ich bin's, Fred. Fabelhaft dich zu sehen, siehst gut aus. Deine Haare sind gewachsen, was? Klasse, einfach klasse. Könntest du mal bitte mitkommen?" Ich zog sie an der Hand, die ich immer noch festhielt, von den anderen weg, als mir etwas einfiel. Ginny konnte wohl auch nicht schaden, was die Beratung anging. Ich drehte wieder um und ging schnell zurück zu den anderen. Dass ich Hermine fast auf dem Boden hinter mir herschleifte, bekam ich nur am Rande mit. Es gab jetzt wichtigere Dinge, als darauf zu achten, ihr nicht die Schulter auszukugeln. Bevor jemand etwas sagen konnte, packte ich Ginny mit meiner freien Hand bei der Schulter und schob sie vor mir her. Ich drehte mich noch ein letztes Mal um und sah meine Mutter, die uns mit offenem Mund hinterher starrte und Ron, der aussah, als hätte ich ihm gerade den besten Moment seines Lebens verhagelt, entschuldigend an.
„Wir Mädels müssen uns mal unterhalten."
Während ich Ginny vor mir herschob und Hermine weiterhin zog, ignorierte ich ihre Proteste einfach. Erst, als wir in Ginnys Zimmer waren und ich die beiden losgelassen hatte, fiel mir ein, dass ich mir eine Taktik überlegen musste. Ihnen zu sagen, dass ich williges, heißes Fleisch brauchte, um Angelina eins reinzuwürgen wäre wohl nicht die beste Art, sie dazu zu bringen, mir die schnittigsten Schnitten Hogwarts' aufzutischen. Da ich schon immer ein schneller Denker gewesen bin, fiel mir auch sofort die beste Vorgehensweise ein.
Ich seufzte theatralisch und schloss die Tür hinter uns. Als ich mich wieder Ginny und Hermine zuwandte, standen sie immer noch mitten im Zimmer und hatten wütend die Arme vor der Brust verschränkt. Ich tat mein Bestes, ein trauriges Gesicht zu ziehen und dem Blick nach zu schließen, den Ginny mir zuwarf, hatte ich es geschafft, wenigstens sie davon zu überzeugen, dass ich am Boden zerstört und nicht etwa von blinder Wut zerfressen und zu allem bereit war.
„Ist es wegen Angelina?" Fragte meine Schwester und trat zu mir. „Willst du darüber mit uns reden?"
Hermine, immer noch hart wie Stein und nicht im Geringsten von meinem Seelenschmerz beeindruckt, hob fragend eine Augenbraue. „Angelina? Was ist mit ihr?"
Ginny schüttelte traurig den Kopf. „Sie hat ihn vor zwei Tagen verlassen und ist..." Sie hielt inne und legte sich erschrocken eine Hand auf den Mund.
Ich runzelte die Stirn und überlegte, was den plötzlichen Stimmungsumschwung verursacht hatte. War sie nicht eben noch dabei gewesen, ihren zerbrochenen, großen Bruder zu bemitleiden?
„Und dann was?" Fragte Hermine neugierig.
Natürlich. Jetzt traf mich auch die Erleuchtung. Hermine war doch in ihrem vierten Jahr mit Senkfuss zum Schulball gegangen. Waren sie danach aber richtig zusammen gewesen? Ginnys Verhalten nach zu urteilen, hätte man meinen können, er und Hermine seien seit zwanzig Jahren verheiratet.
„Sie... sie ist mit Viktor durchgebrannt." Flüsterte Ginny.
Hermine sah Ginny überrascht an. „Ach? Das ist jetzt wirklich eine Überraschung." Sie ließ ihren Blick zwischen mir und Ginny hin und her schweifen und schien zu begreifen, dass wir eine etwas andere Reaktion erwartet hatten. Sie lachte und zuckte die Schultern. „Was? Wir sind nur Brieffreunde und ich hab seit zwei Monaten nichts mehr von ihm gehört. Was habt ihr gedacht? Dass ich mich weinend auf den Boden werfe?" Ihr Blick blieb an mir hängen und sie schenkte mir ein mitleidiges Lächeln - ein absolut falsches, wenn ich das mal anmerken darf.
„Tut mir leid für dich, Fred."
Ich kämpfte den Drang nieder, ihr einen tödlichen Blick zu zuwerfen und jaulte statt dessen schmerzlich auf. „Es ist einfach... Ich habe nachgedacht und ich... Ich kann nicht alleine sein." Ich ging zu Ginnys Bett und ließ mich mit hängendem Kopf darauf nieder. Sofort war Ginny an meiner Seite und legte mir einen Arm um die Schultern. Mann, sie hatte meine Fred-am-Boden-zerstört-Masche echt gefressen. Jeder gute Mensch hätte jetzt wohl ein schlechtes Gewissen gehabt. Aber ich war kein guter Mensch mehr. Das hatte ich hinter mir gelassen. Ab jetzt war ich born to kill.
„Du willst dich nach einem neuen Mädchen umsehen, um den Schmerz besser verarbeiten zu können," erklärte Ginny weise.
„Und was haben wir damit zu tun?" Erklang Hermines ungeduldige Stimme. Anscheinend hielt sie es nicht für nötig, sich auf mich schmeißen und mich zu trösten und stand immer noch mitten im Zimmer. War sie schon immer so herzlos gewesen? Hatte wohl zu viel Zeit mit meiner Mutter verbracht.
Ich hob meinen Kopf und sah sie traurig an. Jedenfalls hoffte ich, dass ich traurig aussah und nicht wie ein Raubtier bereit zum Sprung. Ich bade mich ja wirklich nicht gerne im Mitleid anderer, besonders, wenn es eigentlich keinen wirklichen Grund dafür gibt, aber Hermines Verhalten war ja schon fast beleidigend.
„Ich dachte, ihr könntet mir helfen, ein Mädchen zu finden. Du weisst schon, mir ein Bisschen was von den Mädchen in deinem Jahrgang, oder im siebten erzählen... Ich hätte vielleicht schon selbst über eins nachgedacht, aber... Ich... Ich... Ich bin in meinem sechsten Jahr mit Angelina zusammengekommen und... dann waren mir alle anderen... Ich wollte doch immer nur... immer nur Angie..." Stieß ich mit brüchiger Stimme hervor.
Hermine grinste schief und kniff die Augen etwas zusammen. Hatte ich es jetzt übertrieben? Den Plan, als Zugabe noch ein paar Tränen rauszuquetschen, ließ ich wohl lieber gleich fallen.
Ginny, die mich die ganze Zeit über unentwegt aus traurigen Augen anstarrte, strich mir über den Rücken. „Ist schon gut... Wir können dir da bestimmt helfen... Ich finde es gut, dass du dich so schnell dazu entschlossen hast, wieder neu anzufangen und..." Sie sprang auf und klatschte freudig in die Hände. „Ich glaube, ich hab da schon eine im Auge!"
Sie strahlte mich an. „Da ist dieses Mädchen und, oh, sie wäre genau die Richtige für dich!"
Hermine, die hinter Ginny stand, verzog das Gesicht und ich musste mich beherrschen, nicht loszulachen. Ja, jetzt war Ginny total in ihrem Element.
„Millicent Bulstrode?" Schlug Hermine mit unschuldiger Stimme vor. Ich warf ihr einen entsetzten Blick zu. Millicent Bulstrode war so ziemlich das Letzte, was ich brauchen konnte. Ich wollte immerhin ein Mädchen und keine... Naturkatastrophe.
„Schön, dass wenigstens du deinen Spaß hast," rief ich wütend aus und stand auf. „Falls du es noch nicht bemerkt hast..." Ich schob Ginny, die zwischen uns stand, zur Seite und trat direkt vor Hermine und sah auf sie runter. „Ich bin im Moment sehr sensibel, verwundbar und mein Herz ist gebrochen, du herzlose Kuh!!"
Das hätte jetzt ein Treffer sein können. Wenn ich die Worte nicht mit aller Wut, die ich seit Tagen so gut es ging, versteckte, herausgeschrien hätte. Ob es schon zu spät für die Tränen war?
Hermine sah einfach mit emotionsloser Miene zu mir auf. Da fiel mir auf, dass sie ziemlich gewachsen war, seit ich sie das Letzte mal gesehen hatte. Oder es lag daran, dass ich sie so selten ohne Ron im Schlepptau sah, der in den letzten Jahren unerhört in die Höhe geschossen und inzwischen größer als ich war. Dagegen sah wohl jeder zwangsläufig klein aus. Inzwischen war sie bestimmt 1.75 m groß und damit nur fünf Zentimeter kleiner als ich. Da fiel mir wieder ein, dass Angelina sich immer darüber beschwert hatte, dass sie so klein gegen mich aussah... Aber was dachte ich da. Hermine war wie meine Schwester... eine sehr nervige Schwester... nerviger als Ginny... Sie war praktisch... wie Ron mit Titten. Also wie ein Zwidderbruder für mich.
„Beruhig dich, Fred, ist schon OK," schaltete sich Ginny wieder ein und legte mir eine Hand auf den Oberarm. Anscheinend hatte sie meinen Wutausbruch auf meinen 'sensiblen und herzgebrochenen' Status zurückgeführt. Hach,die Kleine ist manchmal so einfältig. Fast schon süß.
„Ich meinte nicht Bulstrode. Hermine hat nur einen Scherz gemacht. Ich dachte eher an..." Sie warf Hermine einen aufgeregten Blick zu. „... Bethany Cube!"
Cube? Sagte mir nichts. Bethany? Was war das denn für ein Name? Stephanie kannte ich ja, aber Bethany... Klang nach einer alten Matrone.
Hermine bemerkte meinen verwirrten Gesichtsausdruck und verdrehte die Augen. „Sie ist in Hufflepuff. Siebter Jahrgang. Sag bloß nicht, sie ist dir nie aufgefallen! Sie ist immerhin nur ein Jahr jünger als du und war auch in Dumbledore's Army! Oh... Entschuldige. Du hattest ja Angelina und nur Augen für sie, du Armer, das hatte ich ganz vergessen." Sie lächelte mich zuckersüß an.
Sagt mal, liegt das an mir, oder war Hermine auf eine Schlägerei aus?
„Ich müsste sogar noch ein Foto haben, auf dem sie auch drauf ist!" Rief Ginny aus und stürzte sich auf ein Regal, das mit Fotoalben vollgepackt war. Warum Mädchen glauben, von jedem Tag in ihrem Leben fünfhundert Fotos schießen zu müssen, werde ich wohl nie verstehen. Besonders, wie sie dann auch noch genau wissen können, welche Fotos in welchem Album sind.
Ziemlich genau zwei Sekunden später stand sie neben mir und blätterte in einem roten Album herum, bis sie anscheinend das Foto gefunden hatte, nach dem sie suchte.
„Da, das hab ich am ersten Ferientag am King's Cross gemacht. Ich hab einfach alle die ich kenne, gefragt, ob ich Fotos machen kann."
„Du solltest nicht so viel mit Creevy rumhängen," murmelte ich und riskierte einen Blick auf das Foto, das sie mir vor die Nase hielt.
„Die zweite von links ist Bethany." Erklärte sie.
Zweite von links... Ich betete zu Gott, dass sie nicht so schlimm aussah, wie ihr Name sich anhörte.
Okay.
Das war gut.
Das war sogar sehr gut.
Wie es aussah, versteckte sich hinter Bethany eine Stephanie... Ihr wisst schon. Sie hatte schulterlanges, glattes schwarzes Haar und stechend blaue Augen, heller Teint. Sie war auch nicht so ein Erdnuckel wie Angelina (ha-ha!). Sie trug zwar eine Jeans und einen Pullover, schien allerdings recht gut gebaut zu sein. Da hatten wir also die Glückliche. Bethany Cube würde gar nicht wissen, wie ihr geschah, wenn ich erstmal anfing, meinen Charme zu versprühen, nyahahahaha!
„Gefällt sie dir?" Fragte Ginny nervös.
Ich grinste. Das erste echte Grinsen seit zwei Tagen. „Ja."
„Klasse!" Ginny klappte das Fotoalbum zu und sprang an mir hoch, um mich zu umarmen.
„Dann kann ich jetzt ja gehen." Sagte Hermine in ihrer gewohnt schnippischen Art und verließ das Zimmer.
Ich hätte schwören können, dass sie mir die Zunge rausstreckte, bevor sie die Tür hinter sich schloss.
Wollte da etwa noch jemand auf meine Abschussliste? Oder hatte sie ihre Tage? Sollte ich sie wohl mal bei Gelegenheit fragen.
A/N: Danke für die Reviews! Freut mich, wenns gefällt. Ich hoffe, auch dieses Kapitel hat einige Lacher hervorgerufen –lol- (Für die Leser von Draco's Lament: Will be updated soon!)
Cordialmente,
Ganjazuka
