Fred Weasley - Reloaded
3. Der verlorene Humor
Als Ginny und ich in Rons Zimmer stürzten, um dem Aufschrei und dem Knall auf den Grund zu gehen, hätten wir wohl einiges erwartet. Wirklich. Einiges. Aber nicht das:
Ron lag, alle viere von sich gestreckt, auf dem Boden und seine Stirn war sogar noch roter als der Rest seines Gesichts. Und... auf seiner Brust stand ein Gnom. Ein tanzender Gnom... Cool, bis dahin hatte ich gar nicht gewusst, dass Gnome auch den Macarena tanzen können. Hermine hielt nicht wie erwartet ein Messer oder ein anderes Mordinstrument in den Händen, sondern stand am offenen Fenster, hielt sich den Bauch und ... lachte. Ja: Hermine Granger, Streberin des Jahrhunderts und trockene Regelfanatikerin lachte und ich meine nicht nur ein leises Lachen oder gar kichern. Eher als hätte der Geist einer Hyäne von ihr Besitz ergriffen. Im nächsten Moment erschien das Gesicht von George neben ihr; anscheinend hatte er sich seinen Besen geschnappt und war zum Fenster hochgeflogen, um sich das Fiasko ansehen zu können, das ohne Zweifel er verursacht hatte. Auch er gackerte wie ein Besessener und fiel fast rückwärts von seinem Cleanswip herunter, als er Ron und den Gnom entdeckte, der nun vom Macarena zu einer sehr interessanten Interpretation des Ententanzes übergegangen war.
„Was ist passiert?" Fragte Ginny, die neben mir im Türrahmen stand, unsicher. „Wir haben Ron schreien gehört..."
„Haben sich angeschrien... genervt... Gnom... geworfen... durchs Fenster..." Stieß George lachend hervor und hielt sich am Fensterrahmen fest.
„Ron... Stirn..." Fügte Hermine atemlos hinzu und zeigte mit ausgestrecktem Zeigefinger auf das schwer verwundete Opfer.
Jetzt schien auch wieder Leben in Ron zu kommen: Er setztes ich wütend auf und der Gnom landete mit einer gekonnten Pirouette auf dem Boden neben ihm.
„Das ist NICHT lustig!" Schrie er und funkelte Hermine und George an. „Du hättest mich WIRKLICH verletzten können!"
George verdrehte die Augen. „Weil ja so oft Leute von einem fliegenden Gnom erschlagen werden. Liegt in der Liste der häufigsten Todesarten bei Zauberern gleich hinter 'Von einem Niffler angesprungen und zu Tode geschnüffelt', was?"
Nun brach auch Ginny in Gelächter aus.
George lachte. Hermine Lachte. Ginny lachte. Ron versuchte, Todesstrahlen aus seinen Augen abzufeuern.
Na, fällt schon wem was auf? Irgendwas?
Richtig: Ich lachte nicht. Nicht mal einer der nervösen oder traurigen Lacher, die ich in den letzten Tagen immer wieder gezwungenermaßen ausgestoßen hatte. Auch kein MUAHAHAHAHA. Gar. Nichts.
Ich meine, hallo! Das hier war ja wohl zum Schreien komisch! Ron wird von Gartegnom zu Boden gerissen und danach von selbigem als Tanzfläche missbraucht. Ich wusste, dass das jetzt eine der Situationen war, die geradezu nach einem kräftigen Fred-Weasley-Lachen schrien, aber es kam nichts raus.
Ich drehte mich um und verließ das Zimmer. Die Anderen waren immer noch zu sehr damit beschäftigt, sich totzulachen, oder beleidigt zu sein, als zu merken, dass ich ging.
Das war furchtbar. Das war... schrecklich.
In der Geschichte der Menschheit gibt es so viele Tragödien, die einem einen Schauer über den Rücken laufen lassen.
Wir Zauberer hatten Voldemort... und Voldemort... die Weird Sisters, die musikalisch nun wirklich eine Tragödie sind... die Chudley Cannons, die seit 1892 nicht mehr in der Liga gewonnen hatten... und Voldemort... Todesser... hatte ich Voldemort schon erwähnt?
Auch bei den Muggeln spielen sich regelmäßig Tragödien ab, von denen sogar wir Zauberer mal mehr und mal weniger erfuhren.
Die Hindenburg. Die Titanic. Der erste Weltkrieg. Der zweite Weltkrieg. Holocaust. Pearl Harbour. Celine Dion. Die World Trade Center. Bush wird zum zweiten Mal Präsident der Vereinigten Staaten.
Aber das alles ist nur Fliegenscheiße auf dem großen Teller des Lebens unter Anbetracht der jüngsten Ereignisse:
Fred Weasley hatte seinen Humor verloren.
Etwas traumatisiert aufgrund meiner neuesten Entdeckung, stolperte ich die Treppe runter und betrat die Küche. Prompt wurde ich praktisch von Harry umgerannt, dessen Sucher-Reflexe wohl während der letzten zehn Minuten geschlafen hatten.
„Was ist passiert?" Fragte er fast schon panisch. „Ron hat geschrien, ist er..."
Seinem Blick nach zu schließen schien er anzunehmen, dass Voldemort und seine Todesser soeben in Rons Zimmer geklettert waren und ihn an Ort und Stelle gefoltert hatten.
„George hat ihm einen Gnom an den Kopf geworfen." Murmelte ich und ließ mich am Küchentisch nieder.
Harry blieb wie am Boden festgeklebt stehen und... lachte. Wunderbar.
Mein Blick fiel auf das Buch, das Harry kurz zuvor noch gelesen und wahrscheinlich achtlos auf den Tisch geworfen hatte, um seine Hände frei zu haben, wenn er mal wieder die Welt rettete.
Quidditch through the ages.
Hm. Gutes Buch.
Sekunde.
Quidditch ...
„Was meinst du, wer wird dieses Jahr Teamcaptain?" Unterbrach ich seinen Lachanfall. Das ich daran noch nicht früher gedacht hatte... Verdammt!
Harry sah mich überrascht an. „Na ja... Keine Ahnung. Katie vielleicht? Sie ist jetzt diejenige die am längsten im Team ist..."
Ich nickte nachdenklich.
„Willst du wieder Treiber werden?" Fragte Harry und ich hätte schwören können, einen hoffnungsvollen Schimmer in seinen Augen zu entdecken.
Na ja. Wer konnte es dem Jungen schon verübeln? George und ich sind einfach gut in allem was wir tun und Quidditchspielen ist da keine Ausnahme. Wie gesagt: Moi ist eine megamäßige Sportskanone. Quidditch, Quodpot, mit 5 Brüdern um Essen kämpfen, vor Filch weglaufen... ich kann einfach alles.
„Ich denke darüber nach..." Antwortete ich und mein Hirn lief bereits auf Hochtouren. Die Positionen waren wieder neu besetzt worden, nachdem George, Harry und ich den Quidditchbann von Umbridge bekommen hatten, das wusste ich. Aber ich wusste auch, dass die neuen Treiber des Gryffindor-Teams mehr Angst vor den Klatschern hatten als jeder andere. Nicht gerade eine gute Voraussetzung für eine gelungene Performance mit Keule und Besen.
Und wenn ich wieder im Team wäre, könnte ich Ron nicht nur bei den Spielen sondern auch bei jedem Training zusehen und wenn ich da nicht in Gelächter ausbrechen würde, wusste ich auch nicht.
„Was gibt es da noch nachzudenken!" Harry setzte sich eilig auf den Stuhl neben meinem und sah mich flehentlich an. „Bitte, versuch es und George auch. Es wird so viel einfacher sein, zu spielen, wenn wir nicht mehr aufpassen müssen, dass unsere eigenen Treiber uns auf der Flucht vor den Klatschern vom Besen reißen."
Ich wollte ihm sagen, dass George bestimmt nicht zwei mal darüber nachdenken würde, wenn sich die Chance ergab, wieder ins Team zu kommen und ich sicher nicht einmal vor Mord zurückschrecken würde, um die jetzigen Treiber aus dem Weg zu schaffen - doch mal wieder wurde ich von Rons Geschrei unterbrochen.
„WEIßT DU WAS? DU KANNST MICH MAL... Ach nein, warte! DAS WILLST DU JA NICHT!"
Im nächsten Moment kam eine nicht mehr ganz so amüsiert aussehende Hermine die Treppe herunter gepoltert, stampfte durch die Küche und flüchtete in den Garten.
Harry räusperte sich. „Hat er das gerade so gemeint, wie ich denke, dass er es meinte?"
Ich konnte Harry seine Unsicherheit nicht verübeln. Immerhin reden wir hier von Ron. Der selbe Ron, der vor zwei Jahren noch das Wort 'Lebedame' benutzt hatte, wenn alle anderen von 'Schlampe' sprachen.
Und ich konnte Hermine auch nicht verübeln, dass sie ihn nicht 'mal können' wollte. Immerhin reden wir hier immer noch von Ron. Urgh.
Ginny, die nun ebenfalls in die Küche trat und Hermine allem Anschein nach auf den Fersen war, nahm Harry die Entscheidung ab, nach welchem seiner Freunde er zuerst sehen sollte.
„Ich red mal mit Ron," murmelte er und hetzte die Treppe - die seit Monaten nicht mehr so viel Betrieb erfahren hatte - hoch.
Nun gut, Ron und Hermine stritten also und ich hatte mal wieder keine Ahnung, worum es ging. Außerdem ging es mich ja sowieso nichts an. Da blieb mir nur noch eines übrig:
Mich einmischen.
Ich hängte mich an Ginny, die gerade in den Garten raus verschwand. „Was ist los?"
Ginny warf die Arme in die Luft. „Wenn ich das mal wüsste... Halt. Was ist das?" Sie war so abrupt stehen geblieben, dass ich in sie reinlief und ihr Kopf gegen meine Brust stieß. Ich rieb mit einer Hand über meinen Brustkorb und mit der anderen über ihren Hinterkopf (hey, großer Bruder bleibt großer Bruder, auch wenn er zum Racheengel im Namen der Liebe mutiert ist).
„Was meinst du?" Fragte ich verwirrt.
„Na, das. Hörst du das nicht?" Sie schüttelte meine Hand ab und drehte sich um.
„Nein, was-"
Sie verdrehte die Augen. „Pscht! Wenn du sabbelst, kannst du es ja nicht hören."
„Du hast es auch gehört, obwohl-"
„Fred!"
„Ich sag ja nur-"
„Ruhe!"
„Redet man so mit seine-AU!" Im nächsten Moment hüpfte ich auf einem Bein durch die Küche. Typisch kleine Schwestern. Müssen einem immer gegen das Schienbein treten. Jetzt, wo ich zu sehr auf meine schwere Verletzung fixiert war, als zu reden, hörte ich es auch. Ein... Da rieselte irgendwas. Ganz leise.
„Nicht schon wieder," stöhnte ich und ging zum Kamin. Tatsächlich. Das Feuer brannte und der Blumentopf auf dem Sims, in dem meine Mutter das Flohpuder aufbewahrte, war wiedermal umgekippt. Das ist in den letzten Wochen schon öfter passiert. Besonders, wenn meine Mutter den Kamin benutzt - sie ist immer so in Eile, schnell wegzukommen, weil sie denkt, je eher sie wieder da ist, umso weniger können George und ich in der Zeit in die Luft jagen.
„War Harry nicht die ganze Zeit unten? Warum hat er es nicht gehört?" Fragte Ginny genervt, als sie zu mir trat.
„Er hat über 5 Minuten gebraucht, bis Leben in ihn gekommen ist, als Ron geschrien hat, da wird ihm das hier kaum auch aufgefallen sein."
Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Wir sollten ihm verbieten, Bücher über Quidditch zu lesen, wenn er alleine ist. Das wird langsam gefährlich."
Ich nickte. „Und diesmal haben wir es zu spät bemerkt..." Ich zeigte auf eine dünne Spur aus Asche, am Boden, die sich vom Kamin entfernte und ins Wohnzimmer verschwand. „Was genau kommt noch mal aus dem Kamin raus, wenn ein magisches Feuer zu lange brennt?" Ich kratzte mich am Kopf. Das war mal wieder einer der Momente, in denen ich mir wünschte, ich hätte in Pflege magischer Geschöpfe besser aufgepasst und nicht mit Angelina-
Streicht das.
Ginny zuckte die Schultern. „Irgendwas ... aus Asche."
„Das hat jetzt sehr geholfen," gab ich trocken zurück.
„Ja, bitte. Ich geh nach Hermine sehen. Du kannst ja in der Zeit hier... irgendwas dagegen machen."
„Wogegen wär dann nur die Frage," murmelte ich, als sie in den Garten verschwand. Seufzend stellte ich den Blumentopf mit dem, was noch an Inhalt da war, wieder auf und ging ins Wohnzimmer. Während ich im Buchregel nach etwas Nützlichem suchte, überlegte ich, ob es wohl sinnvoll wäre, Mum unter die Nase zu reiben, dass sie Mist gebaut hatte... Eher nicht.
„Ha, dich hab ich gesucht." In triumphierender Geste schnappte ich mir die bereits leicht ausgefranste Ausgabe von 'Fantastic Beasts and where to find them' aus dem Regal und überflog die Seiten. Die Kapitel mit geschichtlichem Blahblah-Inhalt überspringend, fand ich, wonach ich suchte: Eine alphabetische Auflistung sämtlicher, bekannter Monster und... Dinger. Bereits bei 'A' wurde ich fündig.
Ein Ashwinder war aus dem Kamin gekommen. Laut Buch sollte ein kompetenter Zauberer mit den Dingern umgehen können... Ich frag das ja nicht gerne, aber:
Percy? Irgendwo? Nein?
Seufz. Nun gut. Eine Schlange aus Asche, die nach einiger Zeit von alleine zerfällt. Es hätte schlimmer kommen können. Ich wollte das Buch gerade zuklappen, als ich zwei interessante Informationen über diese Viecher entdeckte. Ok, die eine war interessant, die andere eher nervig.
Die nervige zuerst: Die Dinger legen Eier und die zu finden und wegzuschaffen, würde wohl an mir hängen bleiben.
Die interessante: Besagte Eier können sehr gut für Liebeszaubertränke verwendet werden.
Liegt das an mir, meine lieben Freunde, oder wurden soeben alle eventuell bestehenden Zweifel daran, dass ich Bethany erobern würde, im Wind zerstreut?
Das war das 3. Kapitel - beim nächsten Mal tritt Bethany das erste Mal auf und, nun ja, es wird etwas unfreiwilligen Slash geben -hysterisch lach-räusper- gut, ich bin etwas in Eile, weil ich hier noch einiges zu tun hab, ehe ich wieder nach Hause fahr, also diesmal leider keine Antworten auf die Reviews - ich habe sie aber alle gelesen und werde wenns Not tut, beim nächsten mal noch auf Reviews von chap 2 antworten.
Danke für alle Reviews:)) Bitte weiter fleißig reviewen (was'n krankes Wort)
Regards,
Ganjazuka
