Inspirierende Musik beim Schreiben waren die Lilyjets mit „Going blind"... dabei lies sich alles sehr schön verfassen... Ich nutze den Titel einfach mal, um an dieser Stelle eine Kollegin, bzw. auch eine Autorin zu grüßen. Ithiliana Deine Story ist wirklich sehr süß und ich freue mich schon, wenn's weiter geht.
Pech im Spiel... Pech in der Liebe?
Der junge Mann erstarrt mitten in seiner Bewegung, als wäre er schlagartig in eine Schaufensterpuppe verwandelt worden, nur seine tiefen, violetten Augen reißen sich ungläubig auf.
Erst scheint er einige Sekunden zu brauchen, um die Situation zu erfassen und sich wohl selbst davon zu überzeugen, dass er tatsächlich völlig wach ist.
Nein Yami... Es ist die Realität. Ich bin tatsächlich zu dir geflüchtet.
Was ich hätte bloß lassen sollen. Oh man, ist mir das unangenehm... dieser völlig fassungslose Blick nun... was er bloß denken muss...
Mein Puls beschleunigt sich, mir wird richtig flau im Magen. Am liebsten würde ich nun meine Beine in die Hand nehmen und davon stürmen! Einfach alles rückgängig machen!
Warum kann sich nicht jetzt einfach ein Loch im Erdboden auftun...? Die ganze Zeit habe ich mich zwar zu ihm gewünscht, wollte nichts mehr als seine Nähe und seinen Schutz!
Doch jetzt... Ich muss ihm alles erklären!
„Oh Gott, Yugi!", entkommt es nach schier einer halben Ewigkeit seiner Lippen. Schon haben sich seine Beine in Bewegung gesetzt und er eilt die letzten Meter zu mir herüber. Ich schlucke, aber es ist unmöglich, dadurch den immer heftiger anschwellenden Kloß in meiner Kehle zu vertreiben.
„Ja aber..? Wie bist du herein gekommen? Und –",Und schon werde ich aus nächster Nähe von oben bis unten von seinen wachsamen Amethysten durchgemustert.
„Was ist denn mit dir geschehen"
Seine Hände legen sich auf meine Schultern, drücken leicht zu.
Sorge sticht aus seinen Augen hervor, nageln mich wie Pfeile an die nächst beste Wand – lassen mir keinen anderen Ausweg als sagen zu müssen, was mir widerfahren sei.
Ich schlucke noch einmal trocken, sehe ihm scheu in die Augen. Ein Bitten liegt darin, das Flehen nach Zuneigung und Verständnis.
Was.. was mache ich jetzt bloß? Es ist seine Wohnung – ich schulde ihm verdammt noch mal eine Erklärung!
Das wäre nur höflich! Nachdem ich mich in der letzten Zeit so daneben benommen habe!
Immerhin... war er sonst auch immer freundlich zu mir gewesen... verständnisvoll, hatte mir immer alles geglaubt... mir zugehört, hatte mir geholfen – und das nicht nur im blöden Fach Physik!
Und ich... ich bin dabei den einzigen Menschen, welcher mir wirklich alles bedeutet von mir zu weisen!
Jaa... tatsächlich... alles. Yami ist meine Welt.
„Ich... ich.. Mirai hat mich hinein gelassen! Ich stand vor der Haustür!
Ich bin noch völlig verwirrt... ich..."
Und das ist nicht einmal gelogen. Wo soll ich bitte anfangen, ihm irgendetwas zu erzählen?
Soll ich mit der Tür ins Haus fallen und über Anzu berichten...? Oder doch lieber zuerst klarstellen, dass dieser brennende Schmerz an meiner Schläfe – ich habe bisher nicht einmal in den Spiegel gesehen und kann gar nicht beurteilen, welches Ausmaß diese Wunde haben muss – nicht von einer Schlägerei rührt, um ihn erstmal zu beruhigen?
„So? Mirai ist hier?", wiederholt er verwundert, lässt daraufhin meine Schultern los. „Ich dachte, sie wäre auf einer Party und wieso –", er lässt den Satz unvollendet in der Luft schweben, da ihm offenbar jetzt erst klar wird, dass er da von mir erst gar keine Antwort zu erwarten braucht. Ein tiefes Seufzen und ein kritischer, noch immer von Ungläubigkeit getränkter Blick folgen.
„Ich suche dir trockene Sachen heraus. Du weißt ja, wo du das Bad findest?"
Badezimmer?
Mein Gegenüber muss auf der Uni ebenfalls sein Diplom im Gedankenlesen abgelegt haben, denn ein zartes Lächeln erscheint auf seinen Lippen. Dann hebt er seine linke Hand, welche ich im nächsten Augenblick auf meiner nasskalten Wange spüren kann.
So schön warm... geschmeidig... Automatisch knickt mein Hals ein wenig ein und meine Wange schmiegt sich nähebedürftig an seine Innenflächen.
„Du sollst dich natürlich duschen, Yugi. So durchnässt und unterkühlt erlaube ich dir nicht eine Minute länger, dich in meiner Wohnung aufzuhalten! Außerdem muss die Wunde so schnell wie möglich gereinigt werden." Er gibt mir einen leichten Schubs, so dass ich zwei Schritte nach hinten in den Türrahmen taumele.
Irritiert und sprachlos, als hätte ich soeben einen Frosch verschluckt, starre ich Yami an.
Er will, dass ich bei ihm dusche? Er leiht mir trockene Sachen..?
Ja aber... auch wenn ich mir von ihm Hilfe erhofft habe... ich will nicht so tief in seiner Schuld stehen!
Vorsichtig und unsicher setze ich ein paar Schritte vorwärts, tapse Richtung Badezimmer.
„Frische Handtücher findest du übrigens in der unteren Schranktür ganz links – Such dir einfach eins aus"
Er nickt mir noch einmal auffordernd zu, ehe er an mir vorbeihuscht und auch bereits die Klinke der Küchentür in der Hand hält, hinter welcher schon die ganze Zeit gedämpfte, aber aufgebrachte Frauenstimmen hervorquellen.
Und schon ist Herr Athem zu seiner Schwester und deren Freundin in die Küche verschwunden – hinter sich die Tür fest ins Schloss gezogen.
Als hätte ich soeben einen Schlag vor den Kopf erhalten stehe ich überrumpelt im Flur herum. Irgendwie ging das gerade alles... verdammt schnell. Er hat sich tatsächlich richtige Sorgen um mich gemacht... das war ihm deutlich anzusehen! Er war sofort bereit mir zu helfen... kein Zeichen von Wut oder Ärger. Tief atme ich durch, mache mich dann auf den Weg in besagten Raum und entledige mich langsam der eklig nassen und am Körper klebenden Klamotten. Die gute Wäsche... extra für Jous Geburtstag habe ich meine schönsten Sachen aus dem Kleiderschrank gesucht... Nein Yugi! Bloß nicht mehr dran denken! Lieber warm duschen... das beruhigt die Nerven... und wärmt mich hoffentlich nicht nur äußerlich wieder auf...
Allerdings erinnert mich eine brennende Wunde an der Stirn noch immer hervorragend an die letzten Ereignisse dieses Abends.
Wie sieht diese überhaupt aus? – Wie sehe ich aus?
Ein Blick in den großen Wandspiegel folgt.
Oh man... Hätte ich wohl doch besser lassen sollen. Ich sehe wirklich beschissen aus. Mein Gesicht total verdreckt, meine blonden Strähnen matschig – ich hätte mir hier unten vor der Haustür wohl nicht ständig durch die Haare fahren sollen – und dem ganzen setzt noch diese Schürfwunde da oben die Krone auf. Sie ist doch deutlich größer und blutiger, als ich geschätzt hatte.
Als ich anschließend mit einem Handtuch umwickelt zögerlich die Badezimmertür wieder öffne, um Yami nach der angekündigten Kleidung zu fragen, entdecke ich auch bereits den kleinen Wäschehaufen auf dem Gang. Ein Glück bleibt mir die peinliche Nachfrage im halbnackten Zustand vor ihm erspart... Schnell greife ich zu und schließe auch direkt die Tür wieder ab – man weiß ja nie und ausgerechnet heute will ich mir irgendeinen unangenehmen Zwischenfall ersparen!
Eine graue, für mich etwas längere Shorts, welche zum Glück Schnüre am Bund besitzt, so dass ich sie mir genau passend binden kann. Dazu ein bordeauxrotes T-Shirt, ebenfalls ein wenig zu breit. Prüfend betrachte ich mich im Spiegel, ehe ich noch schnell zum Föhn greife, welcher gut sichtbar in einer Ablage im Regal liegt und mir die Haare ein wenig antrockne um mir nicht doch noch eine Erkältung zu holen. Einigermaßen zufrieden verlasse ich das Bad wieder und schleiche auf leisen Sohlen zurück ins Wohnzimmer. Mir ist alles noch so verdammt unangenehm... Yami weiß nicht einmal, was überhaupt mit mir los ist – muss mich aber sozusagen bei sich aufnehmen und auch bewirten! Das schlechte Gewissen und das Gefühl, ein eingeschlichener Parasit zu sein, lassen sich einfach nicht verdrängen.
Im Wohnzimmer treffe ich allerdings nur auf die beiden Frauen, die sich gerade ihr heutiges Schlaflager – die Couch – mit Kissen und Decken einrichten. „Mein Bruder wartet in der Küche!", informiert man mich schnell. Ich nicke nur dankbar und wechsele unschlüssig, ob ich nicht doch lieber die Flucht ergreifen soll, den Raum.
Yami steht am Fensterbrett, die Hände auf dieses gestützt und schaut hinaus – scheinbar mit den Gedanken nicht in diesem Zimmer, denn offenbar hört er meine Schritte nicht. Erst das klickende Geräusch, welches die Tür beim Schließen im Rahmen verursacht, lässt ihn aufschrecken. Doch er bleibt an Ort und Stelle stehen, hat den Oberkörper lediglich zu mir gewand und betrachtet mich mit stechendem Blick. Das einfallende, helle Mondlicht betont die Konturen seiner Silhouette und verteilt ansonsten nur wenig Licht im nicht gerade kleinen Raum. Jetzt im Fastdunkeln erscheinen mir die Wände sogar noch größer und vor allem höher als sonst bei Tageslicht. Was ebenfalls dazu führt, dass ich mich noch eine Spur kleiner und verlorener fühle.
Ich richte meinen Blick zu Boden, traue mich nicht, auch nur einen Ton von mir zu geben. Die Schuld ist zu erdrückend – die Stimmung zu bedrückend. Doch ich muss etwas sagen... Es liegt schließlich an mir, mit Yami zu reden! Schließlich... will ich doch auch Yami mein Herz ausschütten. Dazu... bin ich doch gekommen. Weil ich jemanden zum Reden brauche! Oder besser vorerst zum Zuhören. Ich habe den Gedanken nicht ertragen können, allein in meinem Zimmer zu hocken! Möglichst unbemerkt von Großvater, um irgendwelchen dummen Fragen aus dem Weg zu gehen...
„Ich...wollte mich entschuldigen." Höre ich mich irgendwann, nachdem wir uns eine ganze Weile bloß still angesehen hatten, selbst sagen. „Es tut mir aufrichtig Leid, dass ich hier so einfach auftauche... Sie so überfalle. Ich weiß, Sie müssen mich nun sicher für verrückt halten...Ich weiß selbst nicht, was in mich gefahren ist...", mache ich den Anfang. Ich konnte nicht länger schweigen. Und noch immer habe ich Angst vor seiner Reaktion. Ich komme mir so wahnsinnig dumm und fehl am Platze vor. Yami sieht mich nur weiterhin an – seine Augen sanft und klar. Er scheint auf Fortsetzung meiner Rede zu warten. Na toll, da habe ich mir ja was eingebrockt...
Unsicher und auf der Suche nach einem mentalen sowie körperlichen Halt, stolpere ich unbeholfen ein paar Schritte in seine Richtung. Ohne zu wissen, worauf ich warte und welche Reaktion ich überhaupt von ihm erhoffe, hebe ich meine Augen wieder schüchtern von den Fliesen auf. „Uhm... Ich... weiß selbst überhaupt gar nicht, was ich denn hier will... Ich..." Wirre Gedanken schweben mir durch den Kopf, sämtliche Möglichkeiten in Form von Wahrheit, Ausrede oder einem Gemisch aus beidem ringen miteinander um die Vorherrschaft. Was sage ich bloß als nächstes...? Inwiefern kann ich etwas falsch machen...? Genau genommen könnte sogar jedes Wort zuviel oder zu wenig ein Fehler sein.
„... musste einfach flüchten. Vor einem Ereignis flüchten... dem ich mich nicht gewachsen fühlte. Vielleicht kennen Sie das ja auch... irgendwie... Ach, was rede ich hier überhaupt! Ich will Sie damit doch gar nicht belasten! Es ist nur... Ach... verdammte Scheiße!" Die letzten Worte rutschen nur so heraus, ich achte gar nicht mehr darauf, was ich überhaupt vor mich her rede. Unsichtbare Hände liegen um meinem Hals, drücken ihn von Sekunde zu Sekunde fester zu, rauben mir Freiheit und die Möglichkeit zu atmen. Umso mehr ich versuche, über das Ereignis vorhin zu sprechen, umso präsenter wird es mir wieder vor meinem inneren Auge! Ich hatte diese Gefühle sofort von mir gewiesen! Sie weit weg geschickt, zum Teufel verbannt! Doch alles holt mich wie eine anrollende Flutwelle wieder ein – groß, schaurig, unbezwingbar und unaufhaltsam. Noch einmal wird mir in voller Deutlichkeit bewusst, dass diese Szene tatsächlich passiert ist... Genau genommen kann ich schon wieder Anzus Haut unter meinen Fingerkuppen spüren! Meine Augen quellen hervor, mir wird wahnsinnig schwindelig.
Der Stress, die Panik, der Ekel, das Unverständnis... und das nicht zu erklärende Schuldgefühl, ich hätte Yami betrogen! Wie sehr hatte ich mir in diesem Moment seine Hilfe ersehnt – mir bis ins tiefste Innere gewünscht, er wäre bei mir! Er wäre für mich da! Hätte mich von ihr gezogen...
Der Kloß in meiner Kehle schwillt an, so dick, dass mir mein gesamter Hals anfängt unheimlich zu schmerzen. Genauso wie mein Herz... Schwer schluchze ich auf, kann mich nicht länger zusammenreißen.
„Yugi... Komm her..."
Ich zucke unmerklich zusammen. Er ruft mich zu sich.
Meine Hände zucken leicht, meine Finger wissen nicht, wohin und womit sie sich beschäftigen sollen.
Nach einer kurzen Bedenkzeit komme ich schließlich unsicher seiner Aufforderung nach und schleppe mich auf ihn zu.
Ich komme mir so verloren hier vor... Ich ziehe Yami gerade mit in eine Sache hinein, die ihn überhaupt gar nichts angeht!
Ich raube ihm seinen Schlaf und veranstalte einen solchen Wirbel um meine Person... stifte nur Sorge, Verwirrung und Aufwand!
Ich belaste ihn einfach, obwohl er sicher selbst genügend eigene Probleme und Hindernisse im Leben zu bewältigen hat!
Doch ich... aber ich brauchte ihn nun einfach! Es ging nicht ohne ihn! Ich brauche ihn!
Ich bleibe in etwa anderthalb Meter Entfernung von ihm stehen, presse mir die Hand gegen die Lippen, um mich irgendwie gewaltsam unter Kontrolle halten zu können!
Ein leises, zurückgedrängtes Schluchzen entkommt meinen Lippen.
Alles wird zu viel für mich, einfach zu viel – ich möchte umkehren und wegrennen, ganz weit weg.
Tränen kullern aus meinen Augenwinkeln hervor – wie schon so oft an diesem Abend.
Aber doch nicht vor ihm! Nein, das möchte ich nicht! Diese Blöße will ich mir nicht vor ihm geben! Als würde es mich schützen, verberge ich mein Gesicht in beiden Händen.
Doch es ist zu spät, schon rinnt die heiße, salzige Flüssigkeit in Bächen über meine Wangen. Bäche? Flüsse... oder eher ein breiter Strom. Laut schluchze und schniefe ich, kann einfach nur noch den wahnsinnigen, beißenden Schmerz in meinem Innersten fühlen. Den ganzen Abend über habe ich nicht so sehr die Kontrolle über mich verloren, wie jetzt. Oh Gott, ich will hier weg! Weg von ihm!
Ehe ich diesen einzigen Gedanken in die Tat umsetzen kann, spüre ich auch schon einen Widerstand an meinem Rücken. Mechanisch zucke ich auf, befehle mir selbst, mich doch bloß wieder zu beruhigen, da werde ich auch schon sanft nach vorne gezogen. Für den Bruchteil einer Sekunde setzt mein Herz aus, denn ich stolpere nach vorne und glaube, ich würde stürzen. Schnell reiße ich meine Hände aus dem Gesicht, um mich abzufangen.
Jedoch ist dies nicht nötig – denn meine Stirn landet unerwartet weich auf Yamis Brust.
Sämtliche Vernunft oder Hemmungen in den letzten Winkel meines Kopfes verbannend, grabe ich mein Gesicht tief in den Stoff seines Shirts und beginne dort unaufhaltsam große, dicke Tränen zu weinen.
Tränen des Schmerzes, welcher aus den Tiefen meiner Seele rührt.
Eine seiner Hände ruht an meinem Hinterkopf und drückt mich bestimmend an sich. Er ist zu mir gekommen – nimmt mich in den Arm! Ist für mich da... hält mich... lässt mich nicht allein. Ich fühle mich wie ein Staudamm, dem man plötzlich die Sperrung genommen hat. Der Druck weicht nach außen, ich heule die ganze Verzweiflung in sein T-Shirt hinein. Ich brauche nun seine Nähe! Seine Wärme und Geborgenheit! Ich drücke mich noch näher an ihn, suche wie verrückt nach Schutz und Geborgenheit. Ich fühle mich wie ein neugeborenes Baby – völlig hilflos, verwundbar und überfordert! Die Tränen rinnen nur so.
Es vergeht scheinbar eine halbe Ewigkeit, in welcher wir nur beieinander stehen und er mich einfach an sich drückt. Es fällt kein Wort... keine Trost spendenden Sätze. Und dafür bin ich dankbar. Ich hätte sowieso kein Gehör für ihn gehabt. Außerdem – was hätte er sagen sollen? Er weiß von nichts! Ich bin wirklich froh, kein allbekanntes „Alles wird gut" gesagt zu bekommen. Er ist taktvoll und sensibel genug, hat genau die richtige Auffassungsgabe um die Situation richtig einzuschätzen – und zu schweigen. Seine pure Anwesenheit genügt mir, um allmählich ruhiger zu werden. Seine haltende Geste ist es, welche mich beruhigt.
Irgendwann registriere ich sogar auch den Arm, welcher sich um meinen Rücken gelegt hat und mich wie der andere fest an ihn drücken.
Halte mich, Yami! Lass mich bloß bitte nicht los! Nie mehr wieder...
Bei dir fühle ich mich so geborgen... So verstanden... Du lässt mich bei dir. Stößt mich nicht weg.
Es ist so erleichternd.
Die schwarze Trauer weicht, es wirkt, es hätte ich sie hinaus gespült. Ich kann wieder freier atmen. Mein Herz tut nicht mehr so weh..
Yami... Wie gerne würde ich es dir jetzt sagen...
Ich... ich weiß nicht, wie ich darauf komme... Es ist völlig absurd! Aber... ich könnte es mir jetzt durchaus vorstellen, es loszuwerden.
Ich weiß nicht wieso... Vielleicht, weil ich keine Angst mehr habe, noch tiefer zu fallen?
Schüchtern schaue ich auf, werde schrecklich verlegen, als ich ihm nach diesem Anfall in die Augen sehen muss.
Ich wische mir die Tränen von den Wangen und versuche, ein dankbares Lächeln hinzubekommen, welches aber nicht wirklich gelingen will.
„Wir sollten jetzt deine Wunde versorgen." Höre ich seine klare, ruhige Stimme erneut nach langer Pause. Wieder ein Nicken von mir – zu mehr bin ich nicht fähig. Höflicherweise löse ich mich wieder von ihm, betrachte beschämt die nassgeheulten Flecken und Falten im Shirt. „Ich habe uns übrigens Tee gemacht, wenn du möchtest, kannst du dir gerne etwas eingießen. Er steht auf dem Tisch. Ich hole gerade den erste Hilfe Kasten aus dem Bad." „Vielen Dank", flüstere ich zurück.
Ein Tee wäre nun genau das, was ich gut gebrauchen könnte! So wende ich mich zu der Kanne mit den zwei bereitstehenden Tassen. Kurz schnüffele ich daran. Schwarzer Tee – aber anders, als ich ihn kenne. Und ein merkwürdiger, dünner Holzstab lugt hinaus. Etwa ein Löffel zum umrühren? Nein... bloß ein langes, dünnes Stäbchen... merkwürdig. Ich lege es auf den Tisch und setze die Tasse nach dem Eingießen an die Lippen.
Wuuuääärgh – süüüß!
Scheußlich...
Hätte ich das nicht bei ihm erwarten können...? Aber der Geschmack, den ich außer dem Zucker noch identifizieren kann, ist gar nicht übel! Ich habe sowieso gerade wahnsinnigen Durst... All diese Alkopops haben trotz ihrer großen Flüssigkeitsmenge nicht die Eigenschaft, den Durst zu löschen. Immerhin ist es auch schon wieder einige Zeit her, dass ich auf der Party war...
Die Feier, welche so unverhofft plötzlich endete. Anzu...
Nein! Ich will nichts mehr davon wissen! Es wird Zeit, mir dieses Erlebnis aus dem Kopf zu spülen! Ich bin hier bei Yami... um auf Hilfe und Ablenkung zu hoffen!
Gierig schlucke ich den Tee in einem Zug hinunter.
Gerade dann kommt der angehende Lehrer auch bereits zurück und stellt eine Sprühflasche und Salbe auf den Tisch.
„Oh nein! Das war doch nicht etwa der Kandisstick?"
Verwirrt beobachte ich ihn, wie er das dünne Holzstäbchen, welches ich gerade aus dem Tee gefischt hatte, in die Hand nimmt.
„Verflucht. Das war ein ganz Neues – es ist einfach abgebrochen! Es sollte bloß kurz hineingetaucht werden... Ist der Tee überhaupt noch genießbar"
„Ähm.. na ja... irgendwie... schon..", stammele ich vor mich hin und deute dabei auf meine leere Tasse. Immerhin muss ich ja eine Ausrede haben, wieso ich das Zeug trotz allem in mich hineingeschüttet habe. Doch ich bin sehr froh, dass diese extreme Süße wohl doch keine Absicht war!
„Setz dich mal da hin...", fordert er mich auf und zieht sich selbst einen Stuhl vom Tisch ab, welchen er genau neben den stellt, auf welchem ich Platz genommen habe.
„Vorsicht, wird nun ein bisschen brennen", lächelt er und greift mit links zur Flasche mit dem Desinfektionsmittel.
Seine rechte Hand legt sich als Schutz über mein linkes Auge, um mir das Mittel nicht versehentlich in dieses hinein zu sprühen.
Während seiner Behandlung halte ich ganz still, wage es sogar kaum zu atmen. Auch wenn es ziemlich schmerzt und zieht, aber vor ihm reiße ich mich zusammen.
Dabei beobachte ich ihn allerdings ganz genau, genieße jedes Detail von seinen fließenden Bewegungen, über seinen warmen Atem auf meinem Gesicht, bis hin zu seinem Geruch.
Mein Herz klopft doppelt so schnell und so laut, nur selten ist er mir so nahe.
„Okay... fertig!", verkündet er schließlich und wischt sich die überschüssige Salbe vom linken Daumen, während er meinem Gesicht noch immer so nahe ist, um sich sein Werk zu betrachten. „Dankeschön...", bringe ich ihm leise entgegen und meine Wangen glühen auf. „Gern geschehen", kommt es von ihm zurück, während er sich erhebt und dabei seine Brille von der Nase zieht, welche er auf den weißen Holztisch ablegt. Anschließend fährt er sich mit beiden Händen durchs Gesicht, rubbelt sich dieses leicht. Er macht insgesamt einen ziemlich geschafften und ermüdeten Eindruck.
Ich stehe ebenfalls auf, wohl ein wenig zu ruckartig, denn mir wird sogleich wieder etwas schwindelig. Schnell taumele ich einen Schritt vor, um mich mit dem rechten Arm schnell an einem der oberen Schränke abzustützen.
„Vorsichtig! Nicht so hektisch handeln – dein Kreislauf befindet sich allen Anzeichen nach ziemlich im Keller"
Und schon steht er wieder vor mir, zwar einen Kopf größer als ich, doch hält er diesen bewusst ein wenig gesenkt, um mir genau in die Augen sehen zu können.
Wie süß er doch ist... ich merke deutlich, dass er sich Sorgen macht. Wie er sich um mich kümmert... Ich muss ihm ziemlich am Herzen liegen.
„Das stimmt wohl... Ich bin vorhin... unterwegs... zusammengeklappt. Daher auch diese Platzwunde. Ich war in keiner Schlägerei verwickelt... Aber es geht schon alles wieder, wirklich!"
„Den Eindruck habe ich nicht... Aber du brauchst mir nichts zu erzählen, ehrlich nicht. Tu' einfach das, womit es dir am besten geht." Seine Stimme ist ruhig und leise. Es schwingt kein anklagender oder gar auffordernder Unterton mit. Aber trotzdem plagt mich mein schrecklich schlechtes Gewissen – und wenn ich ihm nicht mein Herz ausschütten kann, wem dann?
Ich atme tief durch. Schweigen hat sich zwischen uns breit gemacht. Noch immer trommelt der Regen gegen das Küchenfenster, sorgt für ein gleichmäßiges Rauschen im Hintergrund.
Sogar an Intensität hat er zugenommen. Ab und zu grollt es auch leise aus der Ferne, ein Gewitter zieht auf.
Ich bin mehr als nur froh, jetzt nicht irgendwo dort draußen hocken zu müssen. Hier ist es so angenehm trocken und warm. Und ich könnte es sogar noch wärmer haben.
Alles in mir bettelt nur so nach Körpernähe, engem Kontakt und ja... ein klein wenig Kuscheln. Nur mal kurz...
Bedrückt senke ich meinen Blick, trete dann einen Schritt auf Yami zu.
Noch einmal ringe ich mit mir selbst, ob ich es wirklich wagen soll, dann schlucke ich meine Ängste herunter.
Es wäre immerhin nicht das erste Mal... auch wenn ich es neulich kopflos und eher versehentlich getan hatte.
Dann schmiege ich mich an den Größeren, schlinge meine Arme und seine schlanke Taille. Wie Kacy zuvor kuschele ich meinen Kopf auf seine warme, glatte Brust. „Ich fühle mich so verlassen...", hauche ich ihm mit trauriger Stimme entgegen. Aber es tut gut... es fühlt sich wahnsinnig schön an. Es hat mir vorhin schon so geholfen, als ich mich bei ihm ausweinen durfte. Meine Tränen von zuvor sind beinahe wieder völlig getrocknet.
„Sssch... Das bist du nicht..." Ich spüre zwei seiner Finger, welche mir beruhigend über das untere Stück Wange und den Hals streicheln. Irgendwann führen sie sogar eine dieser lästigen, langen Ponyfransen mit sich und legen sie bestimmend hinter mein Ohr ab. Ich seufze zufrieden. „Egal wie tief das Loch ist, in welches man gefallen ist... Wahre Stärke zeigt sich daran, den kompletten Weg wieder hinauf zu klettern. Umso steiler man klettern muss, umso mehr lernt man für sich daraus und kann sich vorm nächsten Sturz umso besser selbst abfedern."
Erstaunt hebe ich den Kopf an, blicke ihm so ins Gesicht. Er ist so ein selbstsicherer Charakter... er muss wissen, wovon er spricht. Seine tiefen violetten Augen glitzern mich durch das sich in ihnen spiegelnde Mondlicht an. Endlich scheint er sich einen Ausweg aus diesem Meer an Regenwolken gebahnt zu haben um sein Licht wieder freisetzen zu können. Ich könnte in diesen wunderschönen Seen versinken...
Die beiden Finger lenken meine Aufmerksamkeit auf sich zurück, als sie nun von vorn über meine Kehle streichen und dann weiter hinauf wandern, über die Haut meines Unterkiefers bis hin zum Ansatz meines Kinns. Trotz allem kann ich meinen Blick nicht von diesen Augen richten... diesen ehrlichen, und offenen Spiegeln der Seele. Und plötzlich wirkt es, als würde er seinen Kopf ein minimales Stück senken.
Ein leichter Druck an meinem Kinn folgt, mein Kopf wird sanft nach vorn gezogen. Ich halte mit pochendem Herzen die Luft an. Mir ist, als ob dessen Schlag in meinen Ohren widerhallt. Laut und rauschend – es übertönt sogar den Regen. Meine Lippen werden kalt, das Blut entweicht aus ihnen, genau wie aus meinen Händen. Im völligen Gegenteil dazu fixieren meine unruhigen Augen Yamis Lippen, welche sich nur noch wenige Zentimeter von meinen entfernt befinden.
Glänzend und völlig entspannt liegen sie unbeweglich aufeinander. So geschmeidig und verlockend. Und vor allem: So erreichbar...
Alles in mir kribbelt, ich werde immer unruhiger und zunehmend nervöser.
Sein Kopf neigt sich ein kleines Stück zu Seite, kaum merklich, aber doch so eindeutig in der Körpersprache. Seine Gesichtszüge werden mit einem Mal immer sanfter, mitfühlender und weicher.
Im nächsten Moment bleibt mir ruckartig das Herz stehen, da mir klar wird, dass es nun passieren wird.
Endlich... wie sehr habe ich mir dies gewünscht...? Träume ich auch nicht...?
Ich müsste mich nur ein kleines Stückchen...
Mein Mund wird staubtrocken – verdammt! Warum ausgerechnet jetzt?
Noch einmal zögere ich – warte darauf, dass er nun irgend etwas tut.
Irgendwie... kann ich der ganzen Situation noch nicht so richtig trauen...
Und mit einem Mal ist der Mut da, ohne dass ich wüsste, wo ich ihn hergenommen hätte. Die Begierde, es endlich mal zu tun, ist unendlich groß! Ihn zu schmecken... zu küssen.
Ein kalter Schauer rinnt mir den Nacken bis zum Steißbein hinab.
Diese Gedankenzüge sind die letzten, die mir noch durchs Hirn spuken, ehe ich meinen Verstand einfach vergesse und einfach intuitiv meinem Bauchgefühl nachgebe und meinen Kopf die letzten Zentimeter nach vorn schiebe.
Geschafft. Meine Lippen pressen sich zärtlich gegen seine.
Mein Kreislauf legt an Tempo zu, ich bin schrecklich nervös!
Unbeholfen bewege ich meine Lippen gegen seine, suche nach einem guten Ansatzpunkt, der richtigen Position.
Es fühlt sich so weich an... so warm.
Scheu und zugleich gewollt mutig beginne ich schließlich mit den typischen, rhythmischen Lippenbewegungen.
Auf dieser sensiblen, dünnen Haut kribbelt alles, sämtliche tausend Nervenfasern werden regelrecht mit Impulsen erschlagen, welche überall hin weiter geleitet werden.
Alles fühlt sich anders an , als bei Anzu – mein gesamter Körper ist wie unter Storm gesetzt.
Und zugleich verdränge ich strikt die Angst und das Unbehagen, welche von außen auf mich eindrücken – denn Yami antwortet nicht. Schon von der ersten Sekunde an hatte er nicht reagiert. Bei meinem ersten Kuss war alles wie von selbst gelaufen, unsere Lippen hatten sich gefunden, waren miteinander verschmolzen und wir lenkten uns gegenseitig! Die Bewegungsabfolge lief wie von selbst! Es gab niemanden, der sie vorgab! So wie ich gerade... Ich küsse Yami einfach, ohne dass dieser erwidert!
Panik und Verzweiflung werden größer – eine wahnsinnige Enttäuschung holt mich ein.
Yami! Bitte!
Du... du hast das hier doch überhaupt erst in die Wege geleitet!
Mach etwas! Antworte mir! Erwidere!
Du warst es doch... der mich regelrecht dazu angestiftet hat!
Beinahe krampfhaft verstärke ich meine Bewegungen, intensiviere die darin liegende Aufforderung, es mir gleichzutun!
Angst breitet sich aus, mir wird langsam vor Überforderung – denn ich weiß bei Gott nicht, was ich jetzt bloß tun soll – schwindelig.
Er... er hat mir doch deutlich zu verstehen gegeben!
Yami, verdammt! Küss mich! Küss mich doch zurück!
Hörst du mich, Yami Amun Athem? ICH LIEBE DICH!
Ich liebe dich, verdammt noch mal!
Hör' mich doch! Dringt mein stummer Schrei nicht zu dir?
Ich tu alles – nur lieb' mich zurück!
Spiel' nicht mit mir... Erneute Tränen steigen auf, ich kann meinen Schmerz nicht länger verstecken. Wie panisch klebe ich an seinen Lippen, wage es nicht, sie zu verlassen. Ich habe wahnsinnige Angst davor, wie er handeln oder Antworten wird, wenn diese Szene hier endet! Habe ich ihn denn so missverstanden...?
Eine ruckartige Bewegung, Yami löst sich von mir, meine Arme fallen schwer wie Blei von seinen Hüften. Bereits in der nächsten Sekunde werde ich zur Seite geschoben.
Mit weit aufgerissenen Augen starre ich ihn an, geschockt, verängstigt und zugleich getränkt von einem Schwall an Anschuldigungen und Aufforderungen nach Erklärung.
Doch das Entsetzen in mir ist viel größer – Entsetzen über mich selbst, diese Kamikazeaktion tatsächlich gestartet zu haben.
Meine Atmung geht schnell und heftig, jeder Atemzug schmerzt zusätzlich bis ins Knochenmark.
Er erwidert meine Art von Gefühlen nicht. Alles ist aus.
Ich weiß nicht was, ich habe keine Erklärung wieso und was das soll, aber mein Mund öffnet sich und will etwas loswerden.
Ich hebe meine rechte Hand an, will in Empörung und überflutet von Verzweiflung nach ihm greifen – ihn packen – ansonsten habe ich das Gefühl, ich würde haltlos vom Boden verschluckt werden.
„Was? – "
-- Und Stopp!
Zumindest vorerst... Denn das hier ist nicht das ganze Chap... Mal wieder nur ne Hälfte ;;;
Aaahhh... Ich weeiiiß, ich habe im Vorletzten versprochen, keine unfertigen Kapitel mehr auszustellen.
Aber ich habe schon etwa zwei Drittel des Kapitels hier auf der Platte... und wollte euch nicht noch länger warten lassen. Denn ich werde die nächsten 6 Wochen absolut nicht zum Schreiben kommen... Mein blödes Praktikum hat angefangen... als Krankenschwester! uu gar nit werden will
Ich muss bereits um 6 Uhr morgens (!) auf Station sein... bis 14.30 Uhr.. Sooo viel zu tun dort... heul
Und wenn ich zu Hause bin muss ich mich trotz meiner Müdigkeit hinsetzen und fürs Vorexamen lernen...
Am liebsten würde ich, wenn ich um 3 zu Hause bin, direkt todmüde ins Bett falln XD"
Und da um halb 5 aufgestanden wird, bin ich auch immer früh im Bett... XX
Also wenn ich hier Schreiben würde, wäre das mein endgültiger Tod fürs Examen.. drop
Und damit ihr nicht bis zum 1.8. – ab da sind Feeeerriiiiiiiien! - auf dem Trockenen sitzt, bekommt ihr schon mal die erste Hälfte...
Denkt mal an mich! (Und habt Mitleid über XD) LG Polarstern
P.s.: Ich habe in diesem Kapitel mal wieder mit meinem Stil herumexperimentiert...
Bin eigentlich ziemlich zufrieden mit dem Ergebnis!
Wollte allerdings doch um eine kleine Meinungsumfrage bitten!
Liest sich dieser Teil sehr anders als die Letzten? Wenn ja – besser oder schlechter?
Oder merkt man gar nicht, dass ich etwas verändert habe...? Oo
Bitte gebt ehrlich zu, was ihr denkt XD'
