Na toll!
So wie es aussah würde sie mal wieder zu spät zum Unterricht kommen.
Aufgewühlt stürmte Themis durch die überfüllten Gänge Hogwarts. Überall standen Schüler wartend vor den Klassenräumen. Eigentlich hätte sie auch einer dieser braven Schüler sein sollen.
Bin ich aber nicht, dachte sie zornig und versuchte noch etwas schneller zu gehen, was sich aber als schier unmöglicher herausstellte, da sie ihre Umhängetasche und einen Stapel Bücher fest umklammert um sinnlos in der Gegend rumstehende Schüler balancieren musste.
Und das ist alles seine Schuld, fügte sie hinzu.
Um genau zu sein war es, ausnahmsweise, nicht SEINE Schuld, sonder ihre eigene, da sie zu lange in der Bibliothek getrödelt hatte. Aber aufgrund ihrer schlechten Laune fand sie in ihm aber einen sich anbietenden Sündenbock.
Woran er auch Schuld ist, dachte sie erneut, raunzte einen wild gestikulierenden Jungen an, der wohl grade seine neusten sexuellen Erfahrungen mit der halben Welt teilte, ungehalten an und stürmte die Treppen zum Wahrsageraum hoch.
„Entschuldigen Sie, Professor", seufzte Themis schon fast, als sie nach ihrem Klopfen die Tür öffnete und sich an ihre schusselige Lehrerin wandte. Insgeheim war sie fest davon überzeugt, dass es Pr Trelawney noch nicht mal aufgefallen war, dass sie nicht anwesend war, doch trotzdem nuschelte sie vorbildlich eine Entschuldigung, in der die Wörter „Bücher ausleihen", „Madam Pince" und „leider schwer beschäftigt" eine große Rolle spielten.
Die Lehrerin nickte nur abwesend und deutete ihr, dass sie sich setzten sollte.
Themis lächelte nur kurz um sich dann um die vielen kleinen Tische herum und die Stufen empor zum letzten freien Tisch zu schlängeln.
Die Stunde war, wie jede andere auch, furchtbar langweilig. Das Kapitel zum Thema im Buch, welches diesmal vorkam, „Spontane Voraussicht von maximal ein paar Stunden", hatte sie schon in der letzten Stunde zur Beschäftigung gelesen.
Nachdem also ihre werte Professorin Trelawney fast eine halbe Stunde erzählt und erklärt hatte, ging es an die praktische Übung.
Die Aufgabe war, sicht mit geschlossenen Augen zurückzulehnen, zu entspannen und die Geschehnisse der letzten Stunden erneut passieren zu lassen. Den Worten der Lehrerin zufolge „würde das innere Augen die nächsten Geschehnisse daraus berechnen" und man hätte eine Vision.
Themis lehnte sich zufrieden zurück. Entspannen hörte sich doch schon mal nicht schlecht an. Mit geschlossenen Augen lauschte sie eine Weile den Geräuschen ihrer Mitschüler, die einmählich abnahmen.
Bald schon hörte sie jemanden schnarchen, sie hatte da auch schon eine Wage Vermutung, aber dann konzentrierte sie sich auf die Geschehnisse des Vormittages.
Frühstück und Unterricht war eigentlich fast völlig normal gewesen.
Elda, ein Mädchen aus ihrem Schlafsaal, war heute Morgen unter ihrem Bett aufgewacht,
Darcy, die Schlampe schlechthin, hatte zwischen zwei Toast ohne alles von ihrer aufregenden Nacht mit Mad erzählt, welcher sich kurzfristig auf das Pult von Pr. Snape übergeben hatte, als er ihm Zaubertränkeunterricht von den Gerüchten erfahren hatte.
In der zweiten Stunde an diesem Vormittag hatte Themis dann Verteidigung gegen die dunklen Künste gehabt, zusammen mit den heldenhaften Gryffindors.
Eigentlich hatte sie ja garnichts gegen die Löwen. Sie waren freundlich, aufgeweckt, frech und treue Freunde. Aber auch teilweise übermütig, unüberlegt und kindisch.
Naja, eigentlich war das ja nur der Nebengrund.
In Verteidigung hatte Themis sich mal wieder gegen den Hauptgrund ihrer Abneigung den Gryffindors gegenüber treten müssen.
„Dieser bescheuerte Potter", grummelte sie, schlug erschrocken die Augen auf und sah sich um. Niemand schien ihre geflüsterten Worte gehört zu haben. Als ihre Augen weiterwanderten sah sie in das listig grinsende Gesicht ihres Hauptgrundes.
Das grade zu provokativ zerstrubbelte Haar hing ihm tief ins Gesicht und bis knapp über die Augen. Seine rechte Augenbraue zuckte leicht, als er schelmisch bemerkte, dass sie seinen Blick erwiderte und seine haselnussbraunen Augen funkelten angriffslustig.
Phil Potter, der Hauptgrund.
Themis verzog ihr Gesicht zu einem grotesken Lächeln und drehte sich demonstrativ die Augen schließend weg.
Wenn ich ihm doch nur einmal sein blödes Grinsen aus dem Gesicht vertrieben könnte…, dachte Themis und beruhigte sich bei der Vorstellung von Potters Gesicht im Picasso-Stil.
Ach ja, der Vormittag…
Wie schon erwähnt hatte sich Themis in Verteidigung gegen die dunklen Künste mal wieder mit ihm angelegt.
Eigentlich hatte es ziemlich harmlos angefangen.
Der neue Lehrer, Remus Lupin, hatte die Schüler des 5. Jahrganges als Art Wiederholung einem Irrwisch gegenübergestellt.
Daraufhin hatte Potter in die Klasse gerufen, dass Themis doch als erstes Vorführen sollte, da sie in der dritten Klasse als eine der ersten mit dem Irrwisch fertig geworden wäre.
Sie hatte daraufhin nur genervt die Augen verdreht, doch als Pr Lupin sich damit einverstanden erklärt und jegliche Prostete ihrerseits einfach überspielte, kochte sie mal wieder vor Wut.
Als Themis dann dem Schrank gegenüberstand, öffnete sich eine der Türen und ein Unheil verkündender Nebel, der alles in eine dämmrige Dunkelheit tauchte, erschien.
Themis hatte keine Angst vor der Dunkelheit, wenn sie undurchdringbar war.
Was sie fürchtete, mehr als alles, war diese Art von Dunkelheit, in der man die Hand vor Augen grade noch erkennen konnte, jemanden der auf einem zukam aber nicht als Freund oder Feind.
Naja, auf jeden Fall machte sie sich grade dazu bereit, dem Irrwisch ein gepfeffertes „Reddiculus" entgegenzuschleudern, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte und eine Stimme nahe, viel zu nahe, an ihrem Ohr sprach.
„Na Kleine, immer noch Angst im Dunklen?"
Ein kalter Schauer lief Themis den Rücken hinunter, und für einen Moment hielt sie dem Atem an, doch dann zwang sie sich, ruhig zu bleiben, und nicht auf Potters blöde Sticheleien einzugehen, die seit der dritten Klasse auch nicht wirklich kreativer geworden waren. Dann wandte sie sich dem Irrwisch zu.
Kurz bevor Themis Hand samt Zauberstab hob, fiel ihr ein, dass sie ja an etwas Amüsantes denken musste, und während sie versuchte, sich krampfhaft an das letzte Mal zu erinnern, als sie richtig heftig gelacht hatte, kam schon die Zauberformel über ihre Lippen.
Kurz darauf stand ihr das Ebenbild eines total geschocktem Phil Potter aus ihrem letzten Tagtraum gegenüber, mit nicht an außer einem rosa Korsett samt dazu passender Boxershorts.
Phil schmunzelte bei dem Anblick nur, und gut verständlich rief er über das Gelächter seiner Klassenkameraden hinweg: „Aber, aber Themis! Das du solche Neigungen hast hätte nicht mal ich vermutet!"
Eigentlich, also theoretisch, fand Themis den Anblick auch ziemlich komisch, doch irgendwie war es ihr auch ein wenig mulmig zumute, und das Gelächter und Potters Ruhe verunsicherten sie noch mehr.
Im Endeffekt schob sie die Schuld mal wieder auf selbigen und ließ ihren Frust an seinem leicht verstörten Ebenbild aus.
Und als sie dann mit dem Irrwisch fertig war, war dieser nicht mal durch heftiges Rütteln des Schrankes wieder aus selbigen hinauszukriegen.
Zwar hatte sie sich ein Woche Nachsitzen eingehandelt, doch das war es Themis wert gewesen, wie sie heute schon zum wiederholten Male feststellte.
In schnellen Schritten ging Themis den Rest des Tages bis jetzt durch.
Grade wollte sie sich eingestehen, dass sie jetzt wohl auch kein Geistesblitz mehr treffen wird, als sie eine Bewegung nah beisich wahrnahm. Sie öffnete die Augen und erblickte sofort den sich krampfhaft zusammenziehenden Körper eine Stufe unter ihr, der wohl noch niemandem aufgefallen war.
Reliece Bones, eine hübsche Gryffindor mit leicht gewellten, hellbraunen Haaren war auf ihrem Tisch zusammengesackt und zitterte heftig.
Themis sprang von ihrem Stuhl auf.
„Professor Trelawney!", rief sie, während sie die Stufe hinunter sprang und sich über die Schülerin beugte. Vorsichtig packte sie das glühend heiße Mädchen bei den Schultern und lehnte den schlaffen Körper in ihren Händen gegen ihren eigenen.
„Was ist passiert?", fragte die heraneilende Lehrerin hektisch und beugte sich zu der schwer atmenden Reliece hinunter.
„Sie ist zitternd zusammengebrochen", sagte Themis leise und versuchte sich auf den Puls des Mädchens zu konzentrieren. Erleichtert stellte sie fest, dass sie sich wieder beruhigte. Das schweißnasse, hübsche Gesicht sackte gegen ihre Halsbeuge und sie konnte den heißen Atem an ihrer Haut spüren.
„Sie hat sich nicht entspannt", stellte Professor Trelawney etwas ruhiger fest, „Es ist nichts schlimmes, aber sie sollte in den Krankenflügel gebracht werden. Wer ist Vertrauensschüler in Gryffindor?"
Erst jetzt fiel Themis auf, dass sie und Reliece von dem gesamten Kurs umringt waren. Sie hasste es in irgendeiner Weise im Mittelpunkt zu stehen, doch da die Situation ziemlich ernst war, schluckte sie nur heftig und unterdrückte den Drang, wegzulaufen und sich zu verkriechen.
„Ich mach das!"
Irritiert drehte sich Themis nach Potter um, der sich zu ihrem Erstaunen mit einem äußersten besorgtem Gesichtsausdruck durch die gaffende Masse drängte und ihr schon fast übertrieben vorsichtig Reliece aus den Händen nahm.
Perplex starrte Themis ihm noch eine Weile hinterher, während sich der Rest der Klasse unruhig flüsternd wieder zu ihren Stühlen begab.
Aufgrund des kleines Zwischenfalls und der Tatsache, dass die Stunde eh schon fast vorbei war, beendete Pr Trelawney den Unterricht und sofort begann das große Einpacken und Raustürmen.
Themis ließ sich Zeit. Sie war die einzige Ravenclaw in diesem Kurs, niemand drängte sie also zur Eile.
Leise seufzend hing Themis sich ihre Tasche um und griff nach ihren Büchern.
Als sie an Reliece Bones´ Platz vorbeikam, sah sie ein Buch unter dem Tisch liegen.
Ohne lange nachzudenken griff sie danach.
Auf der Innenseite der Klasse stand ein verhängnisvoller Name.
„Oh, wie schön dass Sie sich bereit erklären Mrs Bones ihr Buch zu bringen. Ich bin leider schwer beschäftigt und muss jetzt los. Bis zur nächsten Stunde!"
Wütend funkelte Themis Pr Trelawney nach, die doch tatsächlich aus dem Raum stürmte.
Na toll, dachte sie sich, Jetzt muss ich auch noch nen Umweg machen!
Genervt und ihrer Meinung nach viel zu beladen und überhaupt belastet trabte Themis dann doch die Treppen hinunter und wandte sich nach links, und nicht nach recht Richtung Heimat-Gemeinschaftsraum.
Natürlich war auch dass seine Schuld.
Auch wenn es kindisch und überhaupt unangebracht war, war es beruhigend einen Sündenbock für die schlechte Laune zu haben.
Immer wieder herzzerreißend aufseufzend schlenderte Themis durch die ruhigen Gänge.
Kurzfristig entschloss sie sich, einen Umweg zu machen und über den offenen Hof zu gehen.
Die warmen Strahlen der Herbstsonne empfingen sie freundlich und genießend blieb sie einfach stehen. Eine leichte Brise ließ die farbigen Blätter um sie herum tanzen und während sie lächelnd das Schauspiel beobachtete, entspannte sie sich.
„Du scheinst das Gegenteil von einem Reptil zu sein; Du wirst mit zunehmender Wärme langsamer!"
Erschöpf, genervt und irgendwie auch belustigt drehte sie sich zu dem Besitzer der scharrenden Stimme um.
„Ich bin müde", erklärt sie dem amüsiert grinsendem blonden Jungen, der ihr gegenüber in der Sonne an einer der Säule lehnte, die den offenen Hof säumten, „Und ich habe unheimliche Lasten zu tragen, wie du siehst", wobei sie die Bücher in ihren Händen demonstrativ anhob, „Und da ich wohl offensichtlich nicht eins deiner bevorzugtenFahrgestelle bin, wäre ich dir sehr verbunden, wenn du mich nicht in meinen wenigen freien Minuten stören würdest!"
Acyn, der jüngste Malfoy- Sprössling, schenkte ihr sein sagenhaftes, atemberaubendes Lächeln, die dem sie wahrscheinlich wie alle anderen Mädchen auch dahin geflossen wäre, wenn sie nicht wirklich so gestresst und müde gewesen wäre.
Eigentlich hatte sie ja nicht viel mit ihm zu tun, aber ab und zu war er eine angenehme und unterhaltsame Gesellschaft.
„Wo soll´s denn noch hingehen?", fragte Acyn dann scheinbar interessiert.
Wenn ich nicht so schlecht gelaunt wäre, würde ich mir Zeit geben, um mich in seinen Augen zu verlieren…, gestand sie sich selbst zu. Im Gegensatz zu dem, was sie über den Rest der Malfoysippschaft gehört hatte, war Acyn nicht nur fast höflich und im Hause Ravenclaw, er hatte auch warme, fast einladende dunkelblaue Augen.
Themis holte theatralisch Luft und sagte dann scheinbar beiläufig: „Muss noch was zum Krankenflügel bringen."
Ohne ein weiteres Wort, dafür aber mit einem unverschämten Lächeln kam der Ravenclaw auf sie zu, und noch bevor sie den Mund aufmachte um ihrer Verwirrung kund zu tun, hatte er ihr schon den Stapel Bücher aus der Hand genommen und drehte sich Richtung Krankenflügel.
„Was ein Zufall, genau meine Richtung!"
Ein paar Sekunden stand Themis sprachlos da, bevor sie sich zusammenriss und ihm endlich folgte.
„Hey- was… ich meine-", fing Themis an, als sie neben Acyn angekommen war und sich seiner Geschwindigkeit anpasste, doch er sah sie nur fröhlich lächelnd an und fuhr munter fort, sie mit seinem Verhalten zu verwirren.
Na, war das nicht viel? stolz auf sich ist
Endlich was Neues von mir!
Und für alle, die jetzt nach dem ersten Kapitel verwirrt sind:
DAS WAR DER SINN DER ÜBUNG! #muahahahahahahahaha#
Eure
#Gut gelaunte#
LadyEvelyn
