Von Talismänern…
Am nächsten Tag wurde Themis von heftigen Kopfschmerzen geplagt. Ein betäubendes Pochen in ihrem Kopf ließ sie schon um fünf Uhr aufstehen. Ihr Mund war ausgetrocknet und ihr Rücken schmerzte. Schnell und möglichst leise stand sie auf und machte sich fertig. Elda, Ruth und Lindsey, die Mädchen mit denen sie sich den Schlafraum teilte schliefen noch tief und fest, obwohl von den Fenstern her schon ein grelles Licht ins Zimmer fiel.
Über Nacht hatte es endlich richtig geschneit, und an dem Thermometer neben ihrem Bett konnte Themis erkennen, dass es minus 4°C war. Die Landschaft um Hogwarts herum erstrahlte in grellem weiß. Nachdenklich packte Themis ihre Sachen zusammen. Dabei fiel ihr ein Buch auf, das halb unter ihren Nachtisch gerutscht war. Neugierig hob sie es auf und verzog sofort genervt das Gesicht. Schon um halb sechs Uhr morgens musste ihr diese Misere von einer Beziehung entgegen springen. Seufzend steckte die das Buch, welches sich als Reliece Bones´ Wahrsagebuch herausgestellt hatte, in ihre Tasche und verließ leise den Schlafsaal.
Verdammt, dachte Themis. Ihr Kopf dröhnte. Einen Moment lang blieb sie unschlüssig auf dem Rundgang vor der Tür zu den Mädchenschlafsälen stehen. Themis sah sich im Gemeinschaftsraum unter sich um und lächelte.
Acyn saß auf demselben Sessel wie am Abend zuvor und las. Naja, er versuchte es zumindest. Denn immer wieder sank sein Kopf etwas nach vorne und er gähnte herzhaft. Seine Haare fielen ihm ins Gesicht und versteckten seine vor Müdigkeit fast geschlossenen Augen. Der Drang ihm nahe zu sein, machte sich wieder in ihr bemerkbar. Themis´ Magen zog sich krampfhaft zusammen, als sie versuchte, den Drang zu unterdrücken. Sie sollte endlich aufhören, sich etwas vorzumachen. Oder sie würde wieder enttäuscht werden.
Möglichst unbemerkt schlich Themis die Treppe hinunter und stellte sich hinter Acyn. Sie stemmte die Hände auf die Rückenlehnelehne links und recht von ihm und beugte sich über seinen Kopf.
„Wie lange ließt du schon an dieser Seite, mein lieber Acyn?", fragte sie leise und überflog die Zeilen der wohl langweiligsten Lektüre über die Geschichte der Verwandlungen überhaupt.
„Wie lange beobachtest du mich schon, liebste Themis?", fragte Acyn, lehnte seinen Kopf nach hinten und sah sie von unten verschmitzt an. Themis fühlte sich ertappt. Ihr Blick wanderte von dem Buch zu Acyns Augen, wo sie hängen blieb und nicht in der Lage war, sich wieder los zu reißen. Für einen Moment vergaß sie alles um sich herum; Sie schien zu fallen, vornüber durch Acyn hindurch, ein freier Fall durch die Dunkelheit, von Anfang an mit der Gewissheit, nie am Boden aufzukommen. (²)
Hypothalamus an Hirnhaut: Starr ihn nicht so an!
„Ich habe Kopfschmerzen", sagte sie leise, wandte den Blick aber nicht ab.
„Soll ich mal pusten?", sagte Acyn leise, mit einer übertrieben besorgten Mine, zwinkerte ihr dann aber zu und grinste aufmunternd.
Themis lächelte und wandte sich ab.
Mach dir nichts vor.
Sei zufrieden mit dem jetzigen Zustand.
Versuch nicht etwas daran zu ändern.
Sei zufrieden.
Wie er.
„Ich geh zum Krankenflügel. Wir sehen uns beim Essen!"
„Pass auf dich auf!", rief Acyn ihr hinterher, als sie schon fast durch den Eingang gestiegen war.
Ihr Herz machte einen Hüpfer und zerriss im selben Moment. Für einen Moment stockte sie in ihren Bewegungen.
Ein verheißungsvolles Bersten spaltete die Stille…doch blieb es ungehört…
„Auf wen sonst?", antwortete Themis tonlos und verließ leise den Raum.
Acyn sah ihr eine Weile hinterher. Was war bloß los mit ihr? Irgendetwas konnte da nicht stimmen…
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Unruhig sah sie auf die Uhr. Madam Pomfrey war jetzt schon über fünf Minuten mit einer kleinen Huffelpuff aus der zweiten Klasse Beschäftigt, die wohl ein paar Unstimmigkeiten mit ihrem Haustier hatte, einem tasmanischen Beuteltier. Das zugegebenermaßen richtig hässlich war.
Themis pustete gegen ihr Pony und ließ ihre Beine baumeln. Sie saß auf einem der Betten und starrte auf den Vorhang, der ihr Bett von den anderen abtrennte. Zur Raummitte hin war dieser Bereich offen.
In diesem Moment kam die Krankenschwester rein. Schnell und geübt stellte sie ein paar Geräte neben Themis aufs Bett und murmelte dabei gedankenverloren.
„Könnte ich bitte einfach etwas gegen Kopfschmerzen kriegen?", presste Themis genervt zwischen ihren Zähnen hervor. Der Tag fing an sie zu nerven.
„Nun, Mrs Brocklehurst", fing ‚Poppy' ungerührt an und betrachtete eingehend ein kleines Metallgebilde mit einer Art Antenne, welche sie auf Themis gerichtet hatte, „Kopfschmerzen können verschienender Herkunft sein. Mit dem falschen Trank kann es sein, dass sie zusammenbrechen oder die Schmerzen sich verstärken oder wer weiß was sonst noch passiert! Deswegen können sie doch die fünf Minuten still sitzen und warten", endete sie und nahm das zweite Gerät in die Hand, ein kleines Glasröhrchen mit einer pinken Flüssigkeit darin in der eine kleine bronzene Kugel, die leicht auf und ab schwebte.
„Naja, daran scheint es also auch nicht zu liegen…", nuschelte sie, nahm beide Geräte und verschwant wieder.
Themis Kopf dröhnte. Ihr war inzwischen alles egal. Ihre Hände krallten sich um das Seitliche Bettgestell und sie biss sich auf die Lippen, als ihr Körper anfing sich unkontrolliert zusammen zu ziehen. Immer heftiger wurden diese Krämpfe, doch dann plötzlich, mit einem Gefühl als würde etwas in ihr zerreißen, hörte alles auf.
„Scheiße", keuchte sie und ließ sich hintenüber auf den Rücken fallen. Schwer atmend sah sie an die Decke. Langsam beruhigte sie sich.
Was hatte das zu bedeuten?
War sie ernsthaft krank?
Jemand stampfte wütend mit dem Fuß auf den Boden auf und Themis war sofort hellwach.
„Das können sie nicht machen! Das ist eindringen in die Privatsphäre der Patienten. Was sollen diese Kinder mit diesen Vorfällen zu tun haben!"
Eine wesentlich sanftere Stimme antwortete ihr.
„Beruhige dich doch, Poppy. Ich weiß, es ist unwahrscheinlich, aber auch nicht auszuschließen. Es ist nur zu Sicherheit aller. Ich bitte dich, nicht als Vorgesetzter sondern als Vertrauter, es zu probieren und mir Meldung zu erstatten, falls etwas Ungewöhnliches passieren sollte. Wir sehen uns dann heute Abend."
Schritte entfernten sich, kurz darauf schien sich eine weitere Person zu entfernen, die aber noch mit schnarrender Stimme etwas hinzufügte.
„Zu meiner Zeit wurde einfach jeder Schüler solange gefoltert, bis er gestand! Was ist nur aus den alten Methoden geworden?"
Kurz darauf öffnete und schloss sich die Tür und Stille kehrte ein.
„Seniler alter Knacker!", murmelte die erste Stimme.
Themis setzte sich aufrecht hin und richtete ihre Schuluniform. Dass ihre Kopfschmerzen verschwunden waren, merkte sie nicht. Konzentriert beobachtete sie die Krankenschwester, die jetzt mit einer kleinen hellen Holzkiste wieder zu ihr trat.
„Madam Pomfrey?", fragte Themis leise und berechnend. Die Angesprochene zuckte leicht zusammen, reagierte sonst aber nicht. Langsam öffnete sie die Kiste und holte etwas daraus hervor.
„Ja?", antwortete sie dann zögernd, den Gegenstand verborgen haltend.
„Wofür ist diese Untersuchung?", fragte Themis weiter, kalt, und musterte die Frau vor ihr.
„Kopfschmerzen können persönliche Gründe haben", antwortete Madam Pomfrey knapp und hielt Themis jetzt den Gegenstand hin. Er sah aus sie eine Wünschelrute, schlichtes dunkles Holz und um den griff waren Lederstreifen gewickelt.
„Damit kann man sozusagen den inneren Stress einer Person messen. Nehmen sie es jetzt bitte in die rechte Hand", forderte die Krankenschwester Themis auf, wich dabei aber ihrem Blick aus.
„Was hat der Schulleiter damit zu tun? Und warum waren sie dagegen?", hakte die Ravenclaw weiter und ignorierte das Holzgerät einfach. Unnatürlich starr saß sie dort und blinzelte nicht mal.
„Darüber müssen sie sich keine Sorgen machen. Nehmen sie jetzt", winkte Poppy ab und wurde sichtlich nervös.
Themis nahm das Gerät vorsichtig in die rechte Hand. Das Holz fühle sich kalt an, wie Stein.
„Emota!", wisperte die Krankenschwester, den Zauberstab auf den Gegenstand in Themis' Hand gerichtet. Zwischen den beiden Zweigen, nahe der Stelle wo sich der Griff teilte, glimmte ein violetter Strang auf, der den einen Zweig mit dem andern verband. Es flackerte und knisterte, als stände es unter Spannung.
Gebannt starrte Poppy in das Violett. Sie hatte dieses Gerät zum letzten Mal während ihrer Ausbildung benutzt und fand es nicht grade sympathisch.
„In ein paar Sekunden müsste es ausschlagen", erklärte sie leise, mehr zu sich selbst.
Themis erwiderte nichts. Weder gebannt noch interessiert beobachtete sie den Strang aus Licht, der einen Blitz nicht ganz unähnlich war.
Plötzlich und mit einem lauten Knall raste der Strang an beiden Zweigen hoch und explodierte.
Ausdruckslos wandte Themis den Kopf und betrachtete die Krankenschwester, die erst angespannt verharrt hatte, jetzt aber erleichtert ausatmete.
„Das Ding wa wohl kaputt. Naja, kann man nichts machen. Ich gebe dir einen leichtes Schmerzmittel, dass müsste reichen", sagte sie, drückte Themis ein kleines Fläschchen in die Hand, dass sie aus ihrer Tasche hervorgeholt hatte und deutete ihr freundlich, aber bestimmt, zu gehen.
Ohne ein weiteres Wort sprang Themis vom Bett und verließ den Krankenflügel.
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Als sie mit einem Mal die Augen auftat sah sie dich erstaunt um.
Themis blinzelte einige Male und fragte sich wie sie hierher gekommen war. Und vor allem, wo war sie gewesen…?
Verwirrt blickte die Ravenclaw an der Tür zum Klassenraum für Verwandlung hoch. Darüber hin eine Uhr. In zehn Minuten würde der Unterricht anfangen.
Themis sah sich im Gang um.
Wo war sie gewesen?
Und warum konnte sie sich nicht mehr daran erinnern?
Die Kopfschmerzen…!
Sie wollte zum Krankenflügel. Aber war sie dort gewesen?
War sie etwa halb betäubt wegen ihrem dröhnenden Kopf blindlings durch das Schlossgelaufen?
Themis streckte eine Hand aus uns tastete nach der Wand, um sich dagegen zu lehnen.
Das war alles sehr verwirrend. Vielleicht sollte sie in der Mittagspause mal entspannen und ihr Versteck aufsuchen.
Seufzend rutschte sie an der Wand hinab und umklammerte ihre Beine. Ihren Kopf bettete sie auf ihre Knie.
Gleich würde der Unterricht anfangen. Nachdem sie jetzt Verwandlungen von Tieren in andere Tiere durchgenommen hatten, würden sie heute mit dem Verwandeln von Menschen in Tiere beginnen. Das hieß wieder Partnerarbeit.
Themis schloss die Augen. Sie hatte eh nur eine Person, die sie ansprechen konnte; Acyn.
Themis seufzte wieder.
„Was ist denn so schwer dass du schon am Boden liegst!"
Eine arrogante Stimme aus einem Mund, verzerrt zu einem selbstgefälligen Grinsen ließ sie in die Höhe fahren. Schnell stand sie auf, richtete ihren Schulrock und betrachtete die Person, die nur wenige Meter von ihr entfernt lässig an der Wand lehnte.
„Was machst du denn hier, Darcy?"
Ihr Blick verfinsterte sich und sie trat näher.
„Wir müssen uns unterhalten", zischte sie bedrohlich und Themis zuckte zusammen.
Der Talisman!
„Ich wüsste nicht worüber", antwortete sie spitz, doch ihr wurde warm und Darcys stechender Blick war alles andere als angenehm.
„Vielleicht sollte ich dir und dem Rest der Schule auf die Sprünge helfen? Du schluckst? Warte, keine Angst, dein kleines Geheimnis ist bei mir in besten Händen!", flüsterte Darcy und kam noch einen Schritt näher. Themis unterdrückte das Gefühl weglaufen zu müssen und trat unruhig von einem Bein aufs andere. Darcy war wesentlich größer als sie, und sie musste hochsehen.
„Natürlich nur solange, wie du dich an die Regeln hälst", fügte sie hinzu und lachte gekünstelt. Themis wurde panisch, und ihre Stimme klang nicht halb so sicher wie sie sollte, als sie sprach.
„Was willst du von mir?"
Darcys Gesichtsausdruck wurde ernst. Sie beugte sich leicht nach vorne und war nun nur noch ein paar Zentimeter von Themis' Gesicht entfernt.
„Halte dich von Acyn fern!"
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(²) das ist das Intro-Bild meiner Hp. Unbedingt draufgehen und Bild kucken! (Link is unter meinem Profil, da ich den hier nicht reinstellen kann!)
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erbsenpuerre: also das mit dem kronleuchter das ist…. Genau so wie mit der Treppe #eg#
Wolf-human-hunter: ich find deine story toll! Und ich hoffe, dir gefällt das cap mit dem satansbraten auch… das wird noch mehr satan als braten… #nochma eg#
DarkPrincess of Slytherin: SOO geht's weiter #hihi# schön dass dir das cap gefallen hat
Soo, ich hoffe, das hat euch jetzt gefallen und ich habe nach mehr Verwirrung gestiftet #undnochmal eg#
In diesem Cap wird ein bisschen mehr auf den „seelisch Stress" in Themis eingegangen. Acyn und Phil kommen ein bisschen zu kurz, aber im nächsten Cap sieht das anders aus. Hier möchte ich dann noch mal Werbung für meine neue Seite machen! (link im profil zu finden)
Da sind Bilder und Hintergrund Info´s zu dieser FF, aber auch zu anderen. Ach was, seht's euch einfach an. Bis denne!
Eure LadyEvelyn
