Herein stürmte, völlig außer Atem, Professor Snape. „Was haben Sie mit Mr. Malfoy angestellt, Potter? Dafür werden Sie nun endgültig von der Schule fliegen. Dafür werde ich sorgen!"

„Severus, hier in meiner Krankenstation wird nicht herum geschrien. Hast du verstanden?" schrie Poppy ihm entgegen und baute sich währenddessen vor ihm auf.

Der einzige Kommentar von Snapes Seite war ein leises Knurren, welches von Poppy einfach überhört wurde.

„Also was ist hier passier und wie geht es Mr. Malfoy?"

„Oh, weißt du also doch, wie man sich zu verhalten hat. Was, Severus?" auf Poppys verbalen Seitenschlag war wieder nur ein Knurren zu hören , nur diesmal etwas lauter.

„ Würden Sie solche Bemerkungen vor einem Schüler unterlassen!"

Harry, der die ganze Zeit über neben Dracos Bett gestanden hatte, grinste leicht und musste sich zusammenreißen, um nicht laut loszulachen. Doch das Grinsen verging ihm wieder, als Snape ihm einen finsteren Blick schickte.

„Na, na, na, Severus, du musst den Jungen ja nicht gleich fressen! Harry, mein Junge, geh bitte zurück in die große Halle."

Harry sah noch einmal von Poppy zu Snape. Oho, ich glaub ich verschwinde besser, Snape zieht ja ein Gesicht

„Na gut, ich komme aber später nochmal, wenn das in Ordnung ist?"

Snape funkelte Harry wieder böse an, doch Poppy war schneller als er. „Natürlich kannst du wieder kommen, Harry, dagegen ist ja nicht einzuwenden, oder?"

Harry sah noch ein letztes Mal zu Draco und verließ die Krankenstation. Nachdem sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, entspannte Severus sich sichtlich. Seine angespannte Haltung verschwand und aus seinem Geseich konnte man die Sorge praktisch ablesen, kein Vergleich zu dem griesgrämigen Zaubertrank Professor.

Severus ging zu dem Bett in dem Draco lag und setzte sich auf den daneben stehenden Stuhl und streichelte ihm sanft über den Kopf.

„Wie geht's ihm? Was hat er Poppy?" seine Stimme klang richtig bedrückt und war leicht belegt.

„Naja, es geht ihm den Umständen entsprechend. Er hat mehrere Prellungen, Abschürfungen und auch einige gebrochenen Knochen. Die meisten der Verletzungen sind älter und haben bereits zu heilen begonnen, einige wiederum sind frisch. Nach dem was Harry mir erzählt hat, haben einige deiner Slytherins Mr. Malfoy im Zug verprügelt. Das erklärt die frischen Verletzungen, aber woher die anderen kommen kann ich dir nicht sagen."

Severus hatte Poppy die ganze Zeit über still zugehört und ein leises Seufzen war nun von ihm zu hören.

„Aber die Verletzungen werden alle heilen, oder Poppy?"

Die rüstige Krankenschwester mußte bei Severus Anblick schlucken. Der sonst so kühle Lehrer sah aus wie ein Häufchen Elend und sein hilfesuchender Blick verstärkte diesen Eindruck umso mehr.

Poppy holte noch einmal tief Luft, ging auf Severus zu und legte ihm ihre Hand auf die Schulter.

„Es wird alles wieder gut, Severus. Seine Wunden werden alle ohne Probleme heilen und ich bin mir sicher, dass er bald aufwachen wird."

Er drehte sich zu Poppy und sah ihr direkt in die Augen. Poppy hatte noch nie so viel Dankbarkeit und Erleichterung in seinen Augen gesehen.

„Danke Poppy!"

„Severus, wenn ich fragen darf-" Sie wartete auf eine Reaktion von seiner Seite ob sie ihre Frage stellen durfte und erhielt ein Nicken.

„In welcher Beziehung stehst du zu dem Jungen! Ich habe dich noch nie so gesehen. Du machst dir richtig Sorgen um ihn."

Severus atmete schwer ein und aus und begann von neuem Draco über den Kopf zu streicheln und beobachtete das blasse Gesicht und das leichte Heben und Senken der Brust beim Atmen.

Es verging einige Zeit und Poppy erwartete schon keine Antwort mehr.

„Er ist mein Patensohn!"

Poppy, die gerade in ihr Büro gehen wollte, blieb stehen und sah Severus überrascht an. Damit hatte sie nicht gerechnet.

„Ich werde alles in meiner Macht Stehende für ihn tun, Severus, darauf kannst du dich verlassen."

Harry war währenddessen in die große Halle gegangen, und ging jetzt direkt zu seinen beiden besten Freunden.

„Hey, Harry, da bist du ja. Und was hat Poppy gesagt? Wie geht's Malfoy denn?"

Harry mußte lächeln. Das war typisch Hermine, ein Schwall an Fragen, obwohl er noch nicht mal dazu gekommen war sich zu setzen.

„Hey, Mine, lass ihn sich doch erst mal hinsetzen, und überhaupt was interessiert dich Malfoy?"

„Ach jetzt ist er wohl wieder der böse, böse Malfoy, oder was, Ron? Also, Harry, erzähl schon!"

Hermine sah ihn erwartungsvoll an, doch das störte Harry nicht im geringsten. Er setzte sich hin und lud sich erst mal seinen Teller voll, erst danach richtete er seine volle Aufmerksamkeit Hermine zu.

„Also, Poppy hat ihn verarztet und ihm einige Stärkungstränke verabreicht, auch einen Traumlostrank, dann ist plötzlich Snape in die Krankenstation gestürmt, hat ein Theater veranstaltet, sich einen kleinen Verbal Krieg mit Poppy geleistet und hätte mich mit Blicken am liebsten getötet. Reicht das oder sonst noch Fragen?"

Ron und auch Hermine starrten Harry verblüfft an.

„Snape hat was?"

„Sich mit Poppy gestritten. Ganz einfach"

„Worum ging's, sag schon, Kumpel!"

„Mensch, Ron, so interessant ist das auch wieder nicht." Wies Hermine ihn sogleich zurecht.

„Nana, Mine, du kennst doch unseren Ron. Also, Snape ist in die Krankenstation gestürmt und hat gleich darauf rumgeschrieen und Poppy hat ihm den Mund verboten, darauf hin gab es einen kleinen Streit, den Poppy gewonnen hat."

„Und wie ging's weiter, Mensch, Harry, lass dir nicht alles aus der Nase ziehen!"

„Was weiter war weiß ich nicht, Ron. Poppy hat mich rausgeschmissen und was danach war weiß ich nicht."

Ron konnte es immer noch nicht glauben und brabbelte irgendetwas vor sich hin. Hermine hatte ihre anfängliche Verwunderung schon wieder überwunden und widmete sich wieder voll Harry.

„Also für den Moment ist alles wieder soweit in Ordnung, oder?"

„Naja, kommt drauf an wie du in Ordnung definierst, aber im Vergleich zu vorher geht's ihm jetzt besser. Was war denn hier bisher so los?"

„Nichts Besonderes. Die Einteilung der neuen Schüler, die übliche Ansprache von Dumbledore."

Damit war das Gespräch vorerst beendet und beide widmeten sich wieder ihrem Essen und Hermine sich auch noch dem immer noch leicht geschockten Ron, der es einfach nicht so ganz verarbeitet hatte, dass Snape und Madam Pomfrey gestritten hatten und Poppy gewonnen hatte.

Nach dem Essen gingen alle geschlossen in die Gemeinschaftsräume oder in die Schlafräume.

Harry, Hermine, Ron, Seamus Dean, Neville und einige andere aus ihrem Jahrgang sicherten sich die Plätze direkt am Feuer.

„Also, Harry, wo warst du denn als das Essen angefangen hat?" stellte Seam die Frage die ihn und die anderen brennend interessierte.

„Ja, Harry, wo warst du?" meldete sich jetzt auch Parvati zu Wort.

„Also, ich war auf der Krankenstation und mehr sag ich dazu auch nicht. Ok?"

„Ja aber, Harry, komm schon, wir sind deine Freunde. Also, sag schon warum du in der Krankenstation warst. Früher oder später erfahren wir es doch!" versuchte es Seamus noch einmal.

Doch Harry blieb hart und nach einiger Zeit widmeten sie sich anderen Themen zu, doch eines gefiel ihm nicht so ganz. Nämlich Draco Malfoy:

„Also Malfoy sah ja heute echt Scheiße aus. Weiß einer von euch was da los war?"

„Nein. Ich glaub da weiß niemand wirklich was drüber, Nev, aber wen interessiert denn schon Malfoy. Was der bekommen hat, hat er sowieso verdient."

„Stimmt, Dean, der hat es sicher verdient! Allein hier in Hogwarts hätte jeder zweite gute Gründe.."

„Wißt ihr, das ist schon unter aller letzter Sau! Was Malfoy passiert ist hat niemand verdient!"

Mit diesen Worten sprang Harry auf und rannte in seinen Schlafsaal.

„Was ist denn mit dem los?"

„Keine Ahnung. Wer weiß das schon, Seam."

Hermione, die bisher gelesen hatte, stand auf und ging in Richtung der Treppe, die zu den Jungenschlafsälen führte.

„Wisst ihr was, ihr seid echt nicht besser als die Slyths wenn ihr so eine Einstellung habt!"

Hermine stand vor der Tür zu dem Schlafsaal des siebten Jahrganges und klopfte an die Tür.

„Harry! Darf ich rein kommen?"