Jemand klopfte an die Tür vom Schlafsaal. Gleich darauf hörte Harry Hermines Stimme.

Eigentlich wollte ich nur meine Ruhe, die Lästereien über Draco gingen mir einfach auf die Nerven, nur warum das so war wusste ich nicht, oder versuchte ich es einfach zu verdrängen?

Tock Tock

„Hey Harry! Lass mich doch rein!" Hermine klopfte nun etwas energischer an die Tür, um Harry's Aufmerksamkeit zu gewinnen. Wenn Sie etwas wollte bekam Sie es auch und gerade eben machte Sie sich Sorgen um ihren besten Freund und wollte wissen warum er einfach so aus dem Gemeinschaftsrau gestürzt ist.

Harry, Der auf seinem Bett lag seufzte resigniert und nahm seinen Zauberstab vom Nachttisch und öffnete die Tür. Es war besser so. Nicht mehr wiederstand als nötig. Mine konnte nämlich sehr stur und hartnäckig sein, wenn sie etwas wollte.

Sie betritt den Jungenschlafsaal und sah sich erst mal um, denn hier gewesen war sie noch nicht. Es war ja auch verboten in die Schlafsäle der Jungen zu geh, ebenso wie es für sie verboten war in jene der Mädchen zu schleichen.

Eigentlich unterschieden sich die Schlafsäle nicht. Wie in ihrem standen mehrere himmelbetten an der Wand und die dazugehörigen Schreibtische und Kästen, sowie bei jedem Bett ein Nachtkästchen. Der größte Unterschied war wohl, dass hier das Chaos regierte.

Am Boden türmten sich T-Shirts, Hosen und andere Kleidungsstücke zu Bergen auf, auf den Tischen lagen Bücher und lose Pergamente herum, einige Tintenfässchen lagen offen auf Pergamenten, die schon ganz schwarz gefärbt waren von der Tinte. Um die Betten selbst lagen vereinzelt verschiedene Magazine, die meisten über Quidditch.

Ein Räuspern schreckte sie aus ihren Gedanken auf. Harry hatte sich mittlerweile aufgerichtet und sah sie erwartungsvoll an.

„ Was ist los Hermine? Warum willst du mit mir reden?"

Hermine ging auf Harry zu und sah ihn mit einem zum Teil ratlosen aber auch leicht hilflos wirkenden Blick an. Ie sah Harry fragend an und er verstand und bedeutete ihr mit einem Kopfnicken, dass sie sich zu ihm aufs Bett setzten konnte. Als sie sich gesetzt hatte, sah er ihr fragend ins Gesicht. Es dauerte einen kleinen Augenblick, in dem sich Hermine zu sammeln schien, bevor sie zu sprechen begann.

„Naja ich hab mir halt irgendwie Sorgen gemacht, weil du eben so plötzlich abgehauen bist. Ich hab so das Gefühl, dass dich das mit Malfoy ziemlich mitnimmt, warum auch immer, also wenn du jemanden brauchst mit dem du reden kannst will ich das du weißt, dass ich immer für dich da bin! Ok!"

Harry hörte diesem Schwall Worte geduldig zu und musste lächeln. Das war wider mal typisch für Hermine.

„Danke Hermine, Auf dich kann man sich immer verlassen. Das ist richtig beruhigend weißt du. Ich bin grade selbst ziemlich verwirrt. Ich hab keine Ahnung warum mich die Sache mit Malfoy so trifft."

„Ich kann dir da leider nicht helfen Harry. Aber das beste ist einfach, wenn du dir alles mal durch den Kopf gehen lässt. Denk einfach über alles nach, vielicht kommst du ja dahinter was dich so verwirrt. Wenn du mich brauchst bin ich für dich da. Soll ich so lange wider gehen?"

Statt eier Antwort, schüttelte Harry nur den Kopf, er war insgeheim froh das Hermine da war und ihm so viel Verständnis entgegenbrachte, dafür war er ihr mehr als Dankbar und er nahm sich jetzt erst mal vor ihren Rat zu beherzigen und über alles gründlich nachzudenken.

Man könnte Harry die Erleichterung direkt ansehen, er wirkte erleichtert. Schon im Zug hatte er so ein merkwürdiges Gefühl gehabt. Die Tatsache das Malfoy von seinen Hauskammeraden verprügelt worden ist und auch die Verfassung in der er heute am Bahnhof erschienen ist, war seltsam. Seine Welt war dadurch ziemlich durcheinander geweibelt worden.



Früher war alles so klar geregelt gewesen: Malfoy, der Slytherin, der Todesser in spe, er war einfach Harry' ewiger Kontrapart, und was war jetzt?

Jetzt lag Malfoy auf der Krankenstation mehr Tod als lebendig.

Hermine sah Harry an und beobachtete seine Mimik. Instinktiv schien sie zu ahnen, was Harry so bewegte. Darum war sie jetzt einfach für ihn da, dafür waren Freunde schließlich auch Freunde. Sie unterstützten sich untereinander wenn es einem schlecht ging. Nach einigen Minuten sah Harry Hermine an, die die ganze Zeit über ruhig neben ihm gesessen hatte.

„Weißt du meine ganze Welt steht irgendwie gerade Kopf. Als ich heute zum Bahnhof gekommen bin war alles perfekt. Meine Ferien waren nicht schlecht, weil ich meinen Verwandten die Meinung gesagt habe und sie mich so weit in Ruhe gelassen haben. Ich hab mich schon richtig auf diese Jahr gefreut. In diesem Sommer hab ich ein Selbstbewusstsein entwickelt, dass ich bis jetzt nicht wo wirklich hatte. Ich bin praktisch erwachsener geworden, habe mir vorgenommen mich von niemand mehr unterkriegen zu lassen, egal wer es ist. Verstehst du?"

Harry sah Hermine nicht an, er blickte einfach nur gerade aus und fixierte einen Punkt an der gegenüberliegenden Wand. Hermine hatte ihm, wie immer ruhig zugehört, eine ihrer großen Stärken. Sie hatte jedem Wort genau gelauscht und versuchte sich in ihn hineinzuversetzen.

„Ich kann dich verstehen Harry. Du hast viel erreicht in den Ferien und du hast recht du wirkst erwachsener auf mich. Gehe ich Recht in der Annahme, dass du eigentlich davon ausgegangen bist dich dieses Jahr vermehrt verbal, nicht mit Fäusten, mit Malfoy auseinanderzusetzten?"

Sie machte eine Pause um Harry anzusehen, der hatte damit aufgehört die Wand an zu starren und sah Hermine an. Nachdem er kurz ihre Worte zu verarbeiten schien, nickte er.

„Hab ich mir gedacht. Jetzt ist es aber anders gekommen. Malfoy ist nun nicht wirklich in der Verfassung sich mit dir zu streiten. Er ist plötzlich vom Ekelpacket zu jemanden mutiert mit dem man Mitleid hat und mit dem man sich nicht streitet."



„Du hast recht Mine. Streiten kommt nicht mehr in Frage, währe auch jetzt irgendwie lächerlich meinst du nicht auch?"

Diesmal war Hermine es die nur einfach nickte und dabei lächelte. Harrys Stimme hatte den ernsten, etwas deprimierten Ton verloren und wirkte jetzt wider so wie sie sie kannte.

„Weißt du als ich Malfoy heute am Bahnhof gesehen habe, da fühlte ich mich an mich selbst erinnert. Du weißt ja wie mein Onkel und Dudley mich behandelt haben. Ich glaube, dass das auch der Grund ist, warum ich mir dieses Gelaber im Gemeinschaftsraum nicht länger anhören konnte. Es ist etwas bei Malfoy zu Hause passiert, das steht fest. Stellt sich nur die Frage was. „

„Du hast Recht und ich kann dich verstehen, dass du dich betroffen fühlst. Im Gegensatz zu uns kannst du dich in so eine Situation hineindenken, du hast sie ja schon erlebt. Ich kann verstehen dass du mit ihm Mitleid hast, ich selbst habe ja selbst etwas Mitleid mit ihm sogar Ron. Mir fällt es nur schwer alles was in den letzten Jahren passiert ist zu vergessen. Darum verstehe ich nicht ganz warum du herausfinden willst, was ihm passiert ist! Sollten wir nicht Froh sein, dass wir diese Jahr keine Probleme mit ihm haben werden?"

Sie seufzte und blickte zum Boden, Harry tat es ihr gleich. Er ließ sich ihre Worte noch einmal durch den Kopf gehen. Sie hatte ja auch Recht. Warum interessierte er sich für Malfoys Probleme. Eigentlich konnte ihm das doch alles egal sein oder nicht? Er sollte sich darüber freuen ein Schuljahr ohne Ärger zu haben, doch es gelang ihm nicht wirklich.

Er war noch immer in seinen Gedanken versunken und bemerkte darum nicht, wie Hermine den Schlafsaal verließ. Erst als er laute Stimmen von der Treppe hören konnte, erwachte er aus seiner Starre. Er zog sich schnell um und legte sich ins Bett. Bevor er jedoch in Morpheus Arme glitt, schloss er noch die Vorhänge seines Himmelbettes. Er wollte seine Ruhe haben, zumindest bis morgen früh.

Bis er endgültig eingeschlafen war, verging jedoch noch einige Zeit. Seine Gedanken schweiften immer wider zu dem blonden Jungen ab, der jetzt wohl friedlich auf der Krankenstation schlief. Vielleicht sollte er ihm morgen einen Besuch abstatten.