Danke für die review! Ich freue mich über so etwas immer sehr :).
Lupin hatte die Arme vor sich verschränkt und seufzte ergeben. Während er gelassen in einem dunklen Hauseingang lehnte, von dem er das Haus des Premierministers gut sehen konnte, lief Tonks unruhig auf und ab. Manchmal gab sie ihrem Gesicht und ihren Haaren ein anderes Aussehen.
"Das ist nicht unser erster Auftrag," sagte er schließlich ruhig. "Wir haben Harry letztes Jahr aus dem Ligusterweg abgeholt."
Tonks blieb stehen. "Aber da waren wir nicht allein!"
Wieder erklang ein leises Seufzen.
"Hör auf damit!" beschwerte sie sich. "Du kannst vergessen, dass ich das je aufgeben werde - egal was du noch für Ausreden bringst! Und ich weiß ganz genau, warum du deine Arme verschränkt hast, Remus John Lupin!"
Er musste grinsen. Der Klang seines vollen Namens versetzte ihn in seine Kinder- und Jugendzeit zurück. Niemand nannte ihn so. Außer vielleicht Ministeriumsbeamte. Deren Ton war jedoch gelangweilt, während Tonks Stimme eindeutig vorwurfsvoll war.
"Weißt du?" Lupin wurde sich erst jetzt, wo sie es ansprach, über seine unbewusste Abwehrhaltung klar.
"Du willst nicht, dass ich wieder eine deiner Hände anfasse. Du hast Angst! Ich bin zwar nicht besonders geschickt, aber keinesfalls dumm." Ein Rot zierte ihr Haar und wieder begann sich ihr Gesicht zu verwandeln.
"Ich habe dich nie für dumm gehalten, To-" Ihr Name blieb ihm im Halse stecken. "Tue das weg!" forderte er scharf.
"Wieso?" Severus Snapes Gesicht, allerdings mit kurzem, roten Haar, grinste ihm unschuldig entgegen.
"Du weißt, was er tut. Wenn ihn hier jemand sehen sollte, ist alles umsonst!" Lupin hatte sich aufgerichtet und sprach hektisch auf die verspielte Metamorphin ein.
"Du hast recht. Tut mir leid," gab sie kleinlaut zu, änderte Snapes Gesicht wieder in ihr eigenes und stolperte unversehens.
"Silencio!" Lupins, im wahrsten Sinne des Wortes, leiser Fluch war schneller, als Tonks Ungeschick.
Eine Mülltonne fiel, ohne ein Geräusch zu machen, um und Tonks gluckste, nach einer Schrecksekunde amüsiert. "Entschuldigung." Und nach seinem bösen Blick fügte sie schelmisch an: "Wenn du in allem so schnell bist, sollte ich es mir vielleicht doch anders überlegen."
Sie sahen sich an, dann lachten sie gedämpft. "Nicht so vorlaut, junge Dame," war alles was ihm als Antwort einfiel.
"Das war schwarze Magie," flüsterte sie ihm ernst zu und blieb stehen. Auf Remus Stirn erschienen verwirrte Falten. Die Mülltonne? fragte sein Blick stumm. "Dumbledores Hand."
Er nickte. "Ja, es sieht ganz danach aus." Ein kurzes grünes Flackern ließ ihn den Hals höher recken und zu einem Fenster schauen. "Und sie sind im Haus," brummte er. "Ich stehe hier als Hilfe für zwei Werwolfhasser, die das nicht einmal wissen. Prächtig!"
Eine dunkle Gestalt bog in die Downing Street und kam in ihre Richtung.
Tonks torkelte sofort schauspielreif näher an Lupin heran, griff an seine Robe und lallte: "Koomm, lassss uns noooch wasss trinken, Schatz!"
Remus musste sich ein Lachen verkneifen, beugte sich herunter und fragte leise: "Das hast du mit undercover gemeint?"
"Nein, das!" erwiderte sie grinsend, schlang ihre Hände um seinen Nacken und ging auf die Zehenspitzen, um ihn zu küssen.
Lupin hatte die Hände an Tonks Hüften gelegt, um die eingebildete Betrunkene festzuhalten. Der Kuss überraschte ihn und er riss die Augen auf.
Die unbekannte dunkle Gestalt hastete an ihnen vorbei und Lupin schloss seine Augen ein wenig.
Der forcierte Kuss eines angetrunkenen Pärchens wurde persönlicher. Remus sah sich außerstande sich den Gefühlen zu erwehren, die der Kuss in ihm hervorrief. Tonks hing wie geschmolzenes Eis in seinen Armen, küsste ihn verliebt und erhielt von ihm die von ihr so sehr ersehnte zärtliche Erwiderung. Es schien eine Ewigkeit und doch auch viel zu kurz zu sein, in der sich ihre Lippen brennend berührten.
In seinen Augenwinkeln bemerkte Lupin erneut ein grünes Licht und er schob Tonks atemlos von sich fort, um zum Haus des Ministers zu sehen.
Die Gestalt konnte er nicht mehr ausmachen, als er in die Dunkelheit blickte. Vermutlich nur ein Muggel.
"Undercover, also," murmelte er und vermied es Tonks anzusehen. Statt dessen gab er vor, wieder nach dem Premierminister und dem Fremden zu sehen.
„Sieh mich an!" forderte Tonks ihn auf und ihre Blicke trafen sich. „Das war Flohpulver. Unser Auftrag ist zu Ende." Sie konnte nicht wissen, dass jetzt erst Scrimgeour angekommen und nicht selbiger mit Fudge wieder abgereist war. „Und jetzt sag mir, dass du eben nichts gefühlt hast, Remus!"
„Ich habe eben .. nichts gefühlt," murmelte er heiser.
„Lügner!" Tonks Haare färbten sich wieder von bonbonrosa in zornesrot. „Du hast den Kuss erwidert! Du hast mich in deinen Armen gehalten, du verdammter Lügner!"
„Das war .. ein Fehler. Es war nichts."
Mit einem dumpfen, schmerzhaften Aufprall traf ihn Tonks kleine Faust auf den Oberkörper. Lupin griff nach ihren Handgelenken, versuchte die Faustschläge aufzuhalten, die nun auf ihn niederprasselten, und sich zu schützen. „Hör zu, hör mir zu," mahnte er sie und kämpfte gegen die wütende Metamorphin an, die sich beherrschen musste, um nicht vor Wut laut aufzuschreien. "Mistkerl! Du dummer Eisblock! Nichts? Für dich war das einfach nur nichts?" schimpfte sie leise.
Mit sanfter Gewalt drückte Lupin die sich kräftig wehrende Tonks an die Wand. "Hör auf damit oder ich werde dich lähmen!" drohte er im Flüsterton, um dem Gerangel ein Ende zu setzen.
Ihre Augen loderten vor Zorn und Empörung, aber sie stellte den Kampf ein. Daraufhin gab er ihre Handgelenke frei und wurde augenblicklich von einem Fluch aus Tonks Zauberstab rücklings auf die Straße geschleudert.
Doch viel härter traf ihn ihr anklagender, enttäuschter Blick. Lupin schluckte und rappelte sich vom Boden auf. Alles was ihm blieb war ihr nachzusehen. Tonks schluchzte und rannte die Straße entlang, verschwand in der Dunkelheit wie zuvor schon der Unbekannte.
Wind wehte Lupin ein paar seiner grauen Haare ins Gesicht, als er sich mitten auf der leeren Straße die Stelle seines Magens hielt, an der ihn Tonks Fluch getroffen hatte. "Au."
Noch einmal sah er zum Fenster des Muggelpremierministers hinüber. Die Vorhänge waren jetzt geschlossen, doch alles sah ruhig aus.
Also setzte auch er sich in Bewegung und rechtfertigte sich in Gedanken für seine Worte und sein Benehmen. Es ist besser so, dachte er. Besser für sie. Und je öfter er dies dachte, umso leichter konnte er mit seiner Entscheidung leben.
Es ging auf ein Uhr zu, als Lupin in der Nähe des Fuchsbaus apparierte. Es brannte noch Licht und er nahm an, dass mindestens einer der Weasleys auf Tonks und ihn wartete, um von der Versammlung zu berichten.
Nun, Tonks vermutete er bei ihren Eltern, die, wie er von ihr selber wusste, hier in der Nähe wohnten.
Leise, damit er die anderen Bewohner nicht weckte, schritt er zur Haustür und klopfte. Jemand kam an die Tür. "Wer ist da?"
"Ich bin es, Arthur. Remus John Lupin, ein Wer-"
Sein Vers war noch nicht zu Ende, da öffnete Mr. Weasley die Tür. Er sah nicht besonders freundlich aus und als Lupin im Hintergrund ein Weinen und Schluchzen und Mollys beruhigende Stimme hörte, wusste er auch warum.
Kurz erhaschte er, an Mr. Weasley vorbei, einen Blick auf die beiden Frauen. Extraportionen hatte er von Molly wohl nicht mehr zu erwarten, wie ihr mörderischer Gesichtsausdruck ihm verriet. Er konnte froh sein, wenn sie ihn noch ins Haus ließ. Tonks hatte ihr Gesicht an Mollys Schulter vergraben.
Arthur verstellte Lupin den Blick hinein, drehte sich kurz zu seiner Frau um und drängte seinen späten Gast dann hinaus. "Da hast du was angerichtet," flüsterte er vorwurfsvoll, trat ebenfalls vor die Tür und schloss sie hinter sich. "Tonks ist ganz außer sich. Wir konnten sie noch nicht beruhigen. So geht man doch nicht mit einer Frau um, Remus!" Er schlug den Weg in den Garten ein und Lupin folgte ihm.
"Sie hätte nie aufgegeben, wenn ich nicht etwas .. deutlicher geworden wäre," erwiderte Remus. Er war überzeugt davon, dass auch Arthur und Molly ihm Recht geben würden, wenn sie seine Beweggründe kannten.
Mr. Weasley bedachte Lupin mit einem Kopfschütteln und gähnte. "Entschuldigung," murmelte er müde. "Du solltest dich auch entschuldigen, Remus. Man bezeichnet einen Kuss nicht als Fehler oder Nichts. Jedenfalls nicht gegenüber einer Frau, die einem etwas bedeutet."
"Sie bedeutet mir n-"
Mr. Weasley hob seine Hand und unterbrach Remus' Lüge. "Was ist das Problem?" fragte er geradeheraus. "Das richtige Problem."
Lupin machte einen Bogen um einen Gnom und antwortete zuerst nicht.
"Du kannst mir nicht erklären, du würdest sie nicht mögen, Remus," sprach Arthur weiter. "Es ist Krieg, falls du das noch nicht bemerkt hast. Findest du sie nicht hübsch? Ist sie zu tollpatschig oder nicht klug genug?"
"Nein, nein, nein. Ich bin ein Werwolf, Arthur," erwiderte Lupin ungeduldig. "Ich bin gefährlich, kann kaum meinen Lebensunterhalt bestreiten, weil man mich nicht arbeiten lässt und bin zwanzig Jahre älter als sie."
"Das ist das Problem?" Arthur lachte kopfschüttelnd. "Blanker Unsinn! Und es sind dreizehn Jahre. Molly hat vorhin nachgerechnet." Als würde er sich für seine Frau entschuldigen, zuckte er mit den Schultern, nachdem Lupin ihn erstaunt angesehen hatte.
Sie schwiegen eine Weile.
"Im Krieg sollte man nichts auslassen. Ihr mögt euch, also nutzt die Zeit!" riet ihm Mr. Weasley eindringlich.
Stur schüttelte Lupin den Kopf. "Es geht nicht. Sie wird darüber hinwegkommen und jemand besseren finden."
"Nun gut, ich hab's versucht. Du wirst es in der nächsten Zeit nicht leicht mit Molly und Tonks haben." Mr. Weasley seufzte und rieb sich die Nase unter seiner Brille. "Die Versammlung heute war kurz," änderte er das Thema und holte Lupin aus dessen Gedanken. "Dumbledore wird Harry Samstag morgen in den Fuchsbau bringen. Hermine wird vorher eintreffen. Das Ministerium wird bald die Schutzzauber um Hogwarts verstärken. Außerdem meinte Professor Dumbledore, er müsse dieses Jahr öfter unterwegs sein, verriet aber nicht warum und wohin. Am Freitag will er mit Harry zusammen versuchen, Horace Slughorn wieder als Lehrer zu engagieren."
Lupin zog überrascht die Augenbrauen hoch. "Aber Slughorn ist Professor für Zaubertränke gewesen, als ich auf Hogwarts war."
"Das war er auch in meiner Schulzeit," erwiderte Arthur schmunzelnd. "Für Verteidigung gegen die Dunklen Künste hat er wohl Snape vorgesehen. Morgen wird Snape auch zur Versammlung kommen, das heißt, heute."
"Ungewöhnlich," kommentierte Lupin Arthurs Bericht. Er sah zur Eingangstür der Weasleys hinüber. "Vielen Dank, Arthur. Wir sehen uns dann heute Abend." Mr. Weasley sah ihm hinterher bis er ihn apparieren hörte.
Tonks schniefte und hob hoffnungsvoll den Kopf mit den mausbraunen, kurzen Haaren, als Mr. Weasley wieder ins Haus kam. Bedauernd schüttelte dieser den Kopf. "Er hält sich für nicht gut genug für dich. Es tut mir leid."
Molly tätschelte mitfühlend Tonks Hand. "Wir finden einen Weg."
Tonks stand auf. "Danke, aber ich sollte jetzt gehen," nuschelte sie und nickte den beiden zu. Mit hängendem Kopf und ebensolchen Schultern schlich sie hinaus.
"Dem werd' ich das Fell über die Ohren ziehen," knurrte Molly ihrem Mann zu. "Was ist bloß in ihn gefahren!"
"Molly," sagte Mr. Weasley sanft. "Es ist seine Entscheidung. Sei bitte nicht so hart mit ihm." Er nahm seine Frau in die Arme. "Du weißt, dass man es nicht immer leicht hat, wenn man von der so genannten Norm abweicht. Und in den Augen der Mehrheit weicht Remus nun einmal beträchtlich davon ab."
"Er ist ein Dummkopf," erwiderte Mrs. Weasley, nur ein wenig besänftigt. "Und das werde ich ihm bei der nächsten Versammlung auch sagen!"
Damit schien das Thema erledigt und sie gingen schlafen.
Fortsetzung folgt ...
