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Liebeskummer


An diesem Abend verlief das Abendessen bei den Weasleys nicht so unbeschwert wie sonst. Mrs. Weasley kümmerte sich liebevoll um Tonks, die deprimiert am großen Esstisch saß. Lupin war nicht zum Essen erschienen. Außerdem herrschte immer noch eine gewisse Eiszeit zwischen Molly und Fleur. Ginny vermisste Tonks Fröhlichkeit, aber das einzige, was sie von ihrer Mutter zu hören bekam, war, dass Tonks Probleme mit ihren Metamorphosen habe und sie solle jetzt essen und Tonks in Ruhe lassen.

Nach dem Essen klopfte es immer wieder an der Tür. Ordensmitglieder trafen ein und die Kinder wurden auf ihre Zimmer geschickt.

Irgendwann humpelte Alastor Moody durch die Küche und setzte sich zu der ruhigen, Trübsal blasenden Metamorphin. "Hab gehört, es gab heute Ärger mit Robards?"

Sie nickte abwesend.

"Bist im Schuljahr in Hogsmeade stationiert?" fragte Mad-Eye weiter.

Tonks nickte erneut.

Moodys Auge surrte ungeduldig. "Hat es was mit deinen Metamorphproblemen zu tun?"

"Vielleicht," murmelte Tonks leise.

Er senkte die Stimme. "Kingsley sagte was von einem neuen Patronus, den du hast."

"Ein neuer Patronus?" schnarrte eine Stimme hinter ihnen. Snape war vorbei geschlichen. "Kein lustiges kleines Chamäleon mehr? Oder war es ein tollpatschiges Bärenjunges?" Seine Lippen kräuselten sich gehässig.

Moody wandte den Kopf zum Spion und dieser ging nach dem Austausch stummer, böser Blicke wieder.

Tonks schien nichts von Snapes Stichelei mitbekommen zu haben, denn in diesem Augenblick betrat Lupin den Fuchsbau. Erwartungsvoll richtete sie sich auf. Moody erfasste die Situation noch bevor sein Kopf sich herumgedreht hatte. Denn er hatte Snape lediglich mit einem Auge nieder gestarrt, während das andere Tonks im magische Blickfeld behielt.

Der alte pensionierte Auror seufzte. "Lupin." Nur ein Wort, aber Tonks senkte den Blick wie zur Bestätigung. Remus hatte sie nur kurz betroffen angesehen, bevor ihn Mrs. Weasley wieder in den Hof drängte.

Moody runzelte die Stirn. "Schlag ihn dir aus dem Kopf. Das ist alles, was du dazu von mir zu hören kriegst. Dann wirst du dich auch wieder verwandeln können." Damit stand er auf und humpelte davon. Tonks sah ihm hinterher, um dann wieder auf die Tür zu starren.

Remus holte tief Luft. Er war der Meinung, er brauche genügend Sauerstoff, bevor sie ihn erwürgen würde. "Molly," begann er sogleich, um einer ihrer Schimpftiraden zuvor zu kommen. "Ich ändere meine Meinung nicht, egal was du jetzt sagst. Meine Worte, zu Arthur gestern, stehen auch heute noch."

Sie bedachte Lupin mit einem vorwurfsvollen Blick, stemmte die Hände kampfbereit in die Seiten und erwiderte erstaunlich leise: "Du hast sie tief verletzt, Remus." Er zuckte zusammen. "Sie hat Probleme damit sich zu verwandeln und hat ihre ganze Fröhlichkeit verloren."

Es dauerte eine stille Weile bis Lupin ihre Worte verarbeitet hatte. "Sie wird darüber hinwegkommen. Sie ist jung."

"Sie hat sich in dich verliebt, Remus." Molly packte Lupin an den Ellenbogen, die sie bei ihrem Größenunterschied am besten erreichen konnte. "Sei doch nicht so ein Dummkopf! Sie will dich so wie du bist." Anstandslos ließ er sich von ihr rütteln, blieb jedoch stumm. "Herjee, verflucht sei deine Sturheit, Remus Lupin!" Fast flehend sah sie Remus an, aber er schüttelte eisern den Kopf.

"Es hat keinen Sinn."

"Alles hat einen Sinn, man muss ihn nur finden," ertönte eine fröhliche Stimme hinter ihnen. Die beiden letzten des Ordens, Dumbledore und Shacklebolt kamen gerade an.

Mrs. Weasley beließ es gezwungenermaßen nun frustriert dabei und gemeinsam gingen sie ins Haus.

Am Anfang der Versammlung hörten die vielen Anwesenden Snapes knappem Bericht zu, der unter anderem einige Orte enthielt, an die Voldemort Dementoren schicken wollte sowie Personen, die in potentieller Imperiusfluchgefahr waren.

"Die Gestrandeten haben sich teilweise dem Dunklen Lord angeschlossen," sprach Snape leise und warf über den Tisch hinweg einen höhnischen Blick zu Lupin, der diesem jedoch gelassen begegnete und nur etwas an Farbe im Gesicht verlor. "Fenrir Greyback ist dabei noch weitere auf ihre Seite zu ziehen. Der Dunkle Lord hat ihm und den anderen alle möglichen Versprechungen gemacht, wenn sie sich ihm anschließen."

Remus wusste genau was das bedeutete. Alles nur das nicht, dachte er. Er wollte nicht zu ihnen. Er wollte nicht in den Norden, in den Wald zu den Ausgestoßenen, den Gestrandeten, den Seinen. Er hasste und verabscheute dieses Nest der Bettler, Diebe und Mörder.

"Remus," begann Dumbledore zu sprechen. Nur widerstrebend sah er den Schulleiter an, der so viel für ihn getan hatte. "Bitte geh in den Untergrund zu den Gestrandeten und .."

"Nein!" Das war Tonks. Trotzdem sie es nicht einmal laut sagte, wandten sich einige Köpfe in ihre Richtung. Sie wurde unsicher und bereute ihren Ausbruch sofort bei der ihr nun entgegen gebrachten Aufmerksamkeit. "Ich ich will sagen, warum? Es .. es ist gefährlich und und sie mögen Fremde nicht .. besonders."

Dumbledore nickte ernst. "Das ist mir bewusst, Nymphadora. Aber Remus ist kein Fremder, er ist wie sie und eine vernünftige Stimme mag gegen Greyback etwas ausrichten, wenn sie stark genug ist. Zudem hat es im ersten Krieg durchaus etwas genutzt und einige Gestrandete hatten sich sogar der unsrigen Seite angeschlossen."

Lupin, der einzige, der nicht Tonks angesehen hatte, murmelte: "Zwei." Kurz darauf biss er sich auf die Unterlippe. Das war nicht fair von ihm, obwohl diese Zahl frustrierend genug war im Hinblick auf seine ständigen Bemühungen. "Ich werde es tun," schob er deshalb schnell hinterher und nickte Dumbledore zu.

Tonks Lippen bildeten einen dünnen Strich und sie senkte den Kopf. Er würde fortgehen. Er würde sich in eine unbekannte Gefahr begeben und sie hatte dann so gut wie keine Chance mehr ihm zu begegnen, mit ihm zu reden, ihn zu überzeugen. Das tust du absichtlich, du willst dich vor mir und deinen Gefühlen drücken, dachte sie bitter und sah zu Lupin. Doch er vermied es, wie die ganze Zeit über, Tonks anzusehen.

Ein missbilligender Zug lag um Remus Mundwinkel und er hörte dem Rest der Versammlung nur noch mit halbem Ohr zu. Vielleicht musste er nicht die ganze Zeit dort sein. Nur so viel, dass sie keinen Verdacht schöpfen würden. Hoffentlich fielen ihm bessere Argumente ein als beim letzten Mal, überzeugendere Argumente.

Auch auf dieser Versammlung war Dumbledore nicht bereit Näheres über seine schwärzliche Hand zu erzählen.

Und nach einiger Zeit und Diskussionen und Anweisungen über die nächsten Vorgehensweisen des Ordens im Kampf gegen Voldemort und seine Gefolgsleute löste sich die Gruppe auf und verließ einer nach dem anderen den Fuchsbau.


Es ist immer ein leichtes seine Sachen zu packen, wenn man nicht viel besaß. Lupin sah zu dem kleinen Rucksack mit seinen wenigen Habseligkeiten. Auf dem Tisch hatte er einen Brief an seine Vermieterin gelegt. Daneben befanden sich die letzten Sickel und Knuts, die er besaß. Man hätte sie ihm sowieso gestohlen, sobald er bei seinen Artgenossen angekommen wäre.

Viele Werwölfe und andere Wesen sahen in der Zauberergemeinschaft keinen Platz mehr für sich. Was, gelinde gesagt, genau dem Willen vom Ministerium und aller anderen Zauberer und Hexen entsprach. Man wollte sie nicht, also suchten und fanden sie ihren eigenen Platz. In einem dichten Forst wuchs über die Jahre hinweg ein Dorf aus Hütten, Zelten und dergleichen heran. Kein Gesetz der Welt herrscht dort. Jeder ist sich selbst der nächste. Sie wurden als Außenseiter zu dem gemacht, was ein Großteil von ihnen sonst nur einmal im Monat wäre - Tiere. Ein - trotz aller innerer Streitigkeiten - verschworenes Rudel. Fremde mussten sich erst beweisen, zeigen, dass sie es wert waren, dazu zu gehören.

Lupin passte in dieses raue Nest wie Voldemort in ein Kloster. Es war eine andere, eigene Welt und es war ganz einfach nicht seine.

Aber er hatte sie einmal überstanden, er würde es auch dieses Mal schaffen. So müssen sich Missionare fühlen.

Ein letzter Blick ins Zimmer, dann zog er seinen Reiseumhang an, warf sich den Rucksack über und ging hinaus.

Lupin verließ den Laden durch den Hinterausgang, ging durch den Weg zwischen den Häusern hindurch und erreichte die Nokturngasse. Es war stockdunkel, da er vor einer Stunde erst den Fuchsbau verlassen hatte. In den pechschwarzen Ecken drückten sich gefährliche Gestalten herum. Doch keine schien Lust auf eine Konfrontation mit ihm zu haben.

So erreichte er unbehelligt die Winkelgasse und blieb stehen.

Tonks wartete dort auf ihn. Ihr leuchtender Zauberstab erhellte schemenhaft ihre Gestalt, zeigte ein wenig ihr blasses Gesicht und ihr braunes Haar.

Vielleicht waren es nur Sekunden, vielleicht eine ganze Minute lang, in der sie sich aus sicherer Entfernung musterten. Lupins Gesicht zeigte keine Regung, er hatte sich im Griff.

"Vielleicht sehen wir uns jetzt das letzte Mal, du dummer Werwolf," murmelte Tonks zu sich selbst. "Willst du wirklich so gehen?"

Genau diese Gedanken beschäftigten auch Remus. Und während er dies dachte, trat er von einem Bein auf das andere und zog am Riemen seines Rucksacks. Alles Gesten, die seine Unsicherheit zeigten und ihm Zeit zum Nachdenken zur Verfügung stellte.

Dann ... wandte er sich zum Gehen in eine andere Richtung. Wenn er gehofft hatte, sie würde ihm folgen, ihn aufhalten, dann wurde er jetzt eines Besseren belehrt. Tonks schüttelte den Kopf. Ihre Enttäuschung richtete sich nun gegen sich selbst. Wie konnte sie auch annehmen, wie konnte sie denken, er würde sich wenigstens von ihr verabschieden.

Lupin schloss die Augen, dachte an den Kuss, der nicht aus seinem Kopf verschwinden wollte. Alles weitere würde nur noch mehr weh tun. Ihm genau so sehr wie ihr. Er bildete sich wirklich ein, er würde Tonks damit etwas Gutes tun, sie schützen.

Kurz darauf disapparierte er und ließ eine todunglückliche Metamorphin zurück.


"Ab ins Bett, los!" rief Mrs. Weasley ihren Jüngsten zu. "Wenn Harry morgen früh kommt, seid ihr wenigstens ausgeschlafen. Du auch, Hermine, Liebes."

"Ist dir schon mal aufgefallen, dass sie netter zu dir ist, als zu uns?" raunte Ginny Hermine zu und kichernd stürmten sie zu ihren Zimmern hinauf.

"Isch 'eelfe beim Abwasch," sagte Fleur und gab Bill einen spielerischen Klaps auf den Oberarm.

"Das schaffe ich schon allein. Tonks wird mir helfen," winkte Mrs. Weasley ab und warf ihrem Sohn einen warnenden Blick zu, bevor dieser lachen konnte.

Nur Fleur wurde dadurch nicht vorgewarnt. "Tonks? Sichär?" fragte sie irritiert. "Sie 'at sisch den gansen Abend noch nischt bewegt. Vielleischt schläft sie mit off'nen Augen."

„Na und? Ihr geht es eben nicht so gut!" gab Molly pikiert zurück. „Jedenfalls brauche ich deine Hilfe nicht."

Bill nahm Fleur bei der Hand. „Komm, lass uns auch nach oben gehen. Mom macht das schon."

„Wie du meinst," erwiderte Fleur und himmelte Bill verliebt an. Das Liebespaar verschwand aus der Küche und ließ Molly und Tonks allein zurück. Tonks schien dabei nicht anwesend zu sein. Kein noch so lautes Geräusch weckte sie aus der nachdenklichen Starre.

Als Tonks schließlich doch aus ihren Gedanken geholt wurde, hatte Molly schon den Abwasch erledigt und ihnen beiden einen kräftigen Tee gekocht. Außerdem trug sie bereits ihren alten grünen Morgenmantel, wie Tonks irritiert feststellte. Sie musste sie demnach einige Zeit allein in der Küche gelassen haben. „Entschuldige, ich war wohl nicht sehr gesprächig heute," murmelte die Aurorin peinlich berührt.

Molly legte ihre Hand auf Tonks'. „Hast du etwas von ihm gehört?" fragte sie behutsam.

Tonks schüttelte den Kopf. „Nein, kein Wort von ihm persönlich." Sie pustete in den heißen Tee und sah Mrs. Weasley an. „Kingsley hat mir erzählt, dass Mad-Eye erzählt hat, dass Dumbledore ihm erzählte, dass Remus seinen Patronus geschickt hätte. Sie würden ihn jetzt nach ein paar Tagen ganz gut akzeptieren. Na, wenigstens lebt er noch." Zur Aufzählung tippte sie sich mit dem Finger einer Hand jeweils an einen Finger der anderen und rollte mit den Augen.

Molly lächelt schwach. „Und wie geht es dir?"

Die Metamorphin zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht, auf wen ich böse sein soll. Auf Remus. Auf Dumbledore. Oder auf mich. Am liebsten würde ich dorthin gehen, zu ihm. Aber andererseits .. " Sie seufzte. " .. sollte ich wohl versuchen, ihn zu vergessen. Er will mich nicht."

Molly machte ein typisches Muttergeräusch und schüttelte den Kopf. "Er weiß gar nicht, was er da tut, was er dir damit antut. Wahrscheinlich denkt er sogar, er wäre ein Held oder so etwas, weil er meint, es für dich zu tun. Dummes Männerdenken! Pah!"

"Er ist nicht wie jeder Mann," flüsterte Tonks verlegen.

"Natürlich ist er das nicht," beeilte sich Molly ihr zu versichern und lächelte innerlich.

Schweigen breitete sich aus. Mrs. Weasley gab Tonks die Gelegenheit von selbst wieder zu reden anzufangen. Doch erst einmal tranken sie nebeneinander sitzend ihren Tee.

"Warum muss er auch gerade jetzt in den Untergrund," nuschelte Tonks betrübt. "Warum denke ich überhaupt noch an ihn? Er tut's doch auch nicht! Gefühlloser Werwolf!" Sie war hin und her gerissen. Einerseits wollte sie nicht aufgeben, andererseits wollte sie sich von dem Liebeskummer befreien, der ihr so unendlich zu schaffen machte.

Während sie da saßen und Molly wie eine gute Freundin einfach für Tonks da war, wurde es später und später.

Bis ein Geräusch vor der Tür erklang und plötzlich klopfte es dreimal. Die beiden Frauen sahen erschrocken hoch und Molly stand furchtsam auf, trat an das Küchenfenster heran ...


Fortsetzung folgt ...