Keine Spannung. Tut mir leid ;). Ich habe einfach dort aufgehört, wo es sich mit Buch 6 zu schneiden beginnt. Und ich freue mich, dass man annehmen könnte, die Charaktere handeln genau so wie ich es schreibe. Es ist schwierig, aber ich gebe mir genau deswegen so große Mühe.

Vielen Dank Euch fleißigen Mitlesern!

Sehnsucht


"Nymphadora," erklang Dumbledores weiche Stimme hinter Tonks.

War er ihr etwa gefolgt? In Gedanken stampfte sie kindisch mit dem Fuß auf, blieb aber in der Nähe ihres Elternhauses stehen. Sie war fast froh, als er Harry zu früh in den Fuchsbau gebracht hatte und sie ihm zeigen konnte wie böse sie auf ihn war. Seufzend verschränkte sie die Arme vor der Brust und drehte sich zu Dumbledore um. "Professor?"

"Du bist wütend auf mich," stellte er gleichmütig fest. "Warum?"

Tonks biss sich auf die Unterlippe. Eigentlich schätzte sie Dumbledores Offenheit, denn auch sie redete nicht gern um den heißen Brei herum. Doch jetzt, bei diesem Thema, war sie sensibel.

"Ohne Grund," murmelte Tonks. Da er sie daraufhin ungläubig ansah, fügte sie an: "Sie Sie können nichts dafür, Professor, es ist .. ich bin wütend, weil weil .. Es ist unlogisch, verstehen Sie?"

Dumbledore lächelte und nickte dann. "Wenn du Fragen hast, kannst du jederzeit zu mir kommen. Hogsmeade ist schließlich nur einen Katzensprung entfernt."

Sie nahm die Arme herunter und erwiderte matt: "Das werde ich. Danke." Ein Zunicken und sie drehte sich zum Haus herum. Da rief er sie noch ein Mal kurz beim Namen. "Ja?"

"Es geht ihm den Umständen entsprechend. Er ist wohlauf und wird sicher kein Risiko eingehen." Dumbledores blaue Augen blickten der Metamorphin ernst, aber auch aufmunternd entgegen.

Tonks holte tief Luft, nickte erneut und wandte sich wieder um. Es schmerzte noch immer und sie wollte jetzt alleine sein. Schon bald hatte sie das Haus betreten und der Schulleiter von Hogwarts verschwand.


Es war ein kleiner Unterstand im Wald. Etwas abseits von den anderen Werwölfen, die in ihm doch noch den Mann sahen, der versuchte, in der Welt der Zauberer zu leben. Aus Zweigen und Decken, Moos und Planen hatte er sich ein provisorisches Zelt gebaut. Die Nachrichten wurden immer beunruhigender. Fortescue und Ollivander. Lupin lag auf einer Decke, die Arme unter dem Kopf verschränkt, und starrte an die Plane über ihm. Er steckte hier fest, gerade hier, während er woanders sehr viel mehr bewegen könnte. Doch er hatte sich vorgenommen, morgen zum Fuchsbau zu gehen. Morgen, an Harrys Geburtstag. Das war etwas, was ihn auch diese Nacht überstehen lassen würde. Oder vielleicht waren es auch seine Gedanken an diesen einen wundervollen Kuss. Eine Erinnerung, die ihm die Strapazen ein wenig erleichterte. Die ihm allerdings auch aufzeigte, was er sich vorenthielt und wogegen er sich mit aller Macht sträubte.

"He, Lupin," raunte ein Mann vor dem Zelt. "Hee, Lupin!"

"Was gibt es?" fragte Remus und hob den Oberkörper an.

Jemand steckte den Kopf hinein und lächelte kurz. Es war William Timber, den er ein Jahr zuvor im Krankenzimmer von Arthur Weasley im St. Mungos kennengelernt hatte. "Du wolltest doch Bescheid wissen, wenn ich Greyback sehe. Er steht gerade an einem der hinteren Feuer. Ist mit einer Gruppe Todesser gekommen."

Lupin erhob sich vollends und nickte. "Danke, Will!" Er zog sich seinen Reiseumhang über und versteckte seinen Kopf unter der großen, dunklen Kapuze.

"Sei vorsichtig," gab ihm der andere Werwolf noch mit auf den Weg, bevor dieser wieder in den Büschen verschwandt.

Lupin vergewisserte sich, dass er seinen Zauberstab griffbereit hatte und schritt dann auf die Lichter der Feuer zu. Als er näher kam, wurde offensichtlich wo sich Greyback befand. Um sein Feuer befand sich der größte Menschenauflauf und seine Stimme tönte laut genug.

" ... nicht Todesser werden. Dafür werden wir vollwertige Mitglieder der Gesellschaft, wenn Er-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf die Kontrolle über alles hat. Wir müssen uns ihm nur anschließen. Es ist alles hier niedergeschrieben." Greyback hob ein Stück Pergament in die Höhe und nicht wenige Köpfe sahen zu diesem Papier.

Lupin schüttelte den Kopf. Er hatte es aufgeschrieben? Unter seinem Umhang geschützt vor anderen Blicken schob er sich näher heran und mehr in die murmelnde Menge hinein. "Woher sollen wir wissen, dass Er-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf seine Versprechen einhalten wird?" rief er mutig über die Köpfe der anderen hinweg Greyback zu und tauchte dann unerkannt unter.

Der alte, grausame Werwolf versuchte vergeblich den Rufer ausfindig zu machen. Normalerweise würde er so einen dreisten Zwischenrufer sofort einschüchtern, doch ohne eine feste Person würden Drohungen wie ein schlechter Zauber verpuffen.

Greyback bleckte die Zähne und zeigte ein gemeines, wölfisches Lächeln. "Sieh dich um, Feigling," rief er. "Alles, alles ist besser, als weiter hier hausen zu müssen, oder etwa nicht?" Die Werwölfe raunten zustimmend, als er diese Frage an sie richtete. "Wir sollten jede Chance nutzen, um den jetzigen Zustand zu ändern! Und was schulden wir dem Ministerium? Nichts! Was schulden wir der Zauberergesellschaft? Nichts! Sie schulden uns etwas! Es wird Zeit, dass sich die Dinge ändern und sie sind dabei sich zu ändern. Glaubt mir, Er-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf wird dankbar sein. Er wird uns etwas schulden und er wird es uns gewähren!" Das Murmeln wurde lauter und Lupin fluchte innerlich. Er hatte die falsche Taktik gewählt.

"Für reinblütige Todesser sind wir doch nur Tiere! Gerade gut genug, um unsere Köpfe für sie hinzuhalten." Wieder bewegte sich Lupin nach seinen Worten in der Menge. Zufrieden hörte er auch nach seiner Antwort vereinzelt Zustimmung unter den Werwölfen.

Greybacks Gesicht verzerrte sich wutentbrannt und nach einem befehlenden Blick zu seiner Linken und seiner Rechten begannen zwei Todesser die Menge zu umrunden, die Augen fest und suchend auf die Männer und wenigen Frauen gerichtet.

"Ihr seid Werwölfe, Ausgestoßene wie ich. Würde ich euch etwas anbieten, wenn ich selbst nicht von einem gerechten Lohn ausgehen würde? Die Hälfte von euch gehört mir, mir allein. Ich habe euch zu eurer Stärke verholfen!" Fenrir Greybacks stechende Augen musterten die Meute, während er mit dem Arm die Hälfte von ihnen gestenreich anzeigte.

Lupin wusste, dass er jetzt besser nichts mehr darauf antworten und sich auch lieber nicht sofort entfernen sollte. Stumm wie eine Salzsäule stand er in der Menge und hörte sich die Parolen an, mit denen Greyback allen aus dem Herzen sprach. Er konnte sie verstehen, er fühlte genau so. Aber ihm war auch klar, dass Voldemort, trotz aller Versprechen, keine Verbesserung ihrer Situation herbei führen würde. Seinen Eltern, Freunden und Dumbledore hatte er es zu verdanken, dass er nicht einer von diesen Dieben, Bettlern und Mördern geworden ist. Er wurde nicht müde, gab nie auf, seinen Platz in der Zauberergesellschaft zu suchen und nicht zu resignieren und, wie sie, hier zu landen.

Als Greyback fertig war und viele seiner Zuhörer bereit waren Voldemort ihre Unterstützung zu versichern und dies durch eine Unterschrift ihres eigenen Blutes zu garantieren, wandte sich Lupin ab. Ganz ruhig wollte er wieder gehen. Doch er musste sich einen Schubs von einem Todesser gefallen lassen, so wie einige andere der nicht interessierten Werwölfe. "Feiglinge!" befanden die Maskierten abfällig.

"Wartet!" knurrte Greyback und überließ das Rekrutieren einem anderen, um zu den Geschubsten zu gelangen. Lupins Kapuze war etwas hochgerutscht. "Wen haben wir denn da?" Der alte Werwolf kam näher und riß Lupin die Kapuze herunter. Wild standen diesem die grau-braunen Haare auf dem Kopf. "Remus Lupin." Er kicherte amüsiert. "Hast du dich verlaufen, du Schoßhündchen der Normalen?"

Lupin hob das Kinn an und erwiderte gelassen: "Ich bin dort, wo ich gebraucht werde. Ich bin dort, wo ich hingehöre."

"Ach?" Greyback kniff seine stechenden Augen zusammen. "Wann habe ich dich das letzte Mal hier gesehen, hmmm, vor sechzehn, siebzehn Jahren? Du versteckst dich wohl gern hier, wenn draußen alles kämpft. Ein Feigling wie dein Vater!" Er drehte sich wieder herum und Lupin versuchte sich vergeblich zurück zu halten. Es war, als müsse er hier doppelt so stark gegen den unkontrollierbaren Werwolf in ihm ankämpfen.

"Mein Vater war kein Feigling! Du bist nur verärgert, weil du mich nach deinem Biss nicht kriegen konntest! Nein, mich konntest du nicht mit deinem Hass großziehen. Ich wurde geliebt, auch oder gerade als ich nicht mehr normal war!" Lupins Worte wurden mit einem Knurren begleitet, welches die Wildheit seiner Haare und seiner böse funkelnden Augen unterstrich.

Greyback nickte anerkennend, nachdem er sich ihm wieder zugewandt hatte. "Wirklich schade, dass du so eine Verschwendung und Enttäuschung geworden bist. Du wärst ein großartiger Werwolf, wenn du nicht von Normalen erzogen worden wärst."

"Ich bin ein Werwolf! Und ich habe den Stolz eines Werwolfs mich nicht in vorderster Front für ein paar Versprechen töten zu lassen," gab Lupin beherrschter zurück.

"Bist du der dreiste Zwischenrufer?" fragte Fenrir Greyback nun lauernd.

Remus lächelte ein Lächeln wie viele Werwölfe hier. Man konnte kaum unterscheiden, ob es drohend oder freundlich gemeint war. "Das war ich nicht. Aber ich habe demjenigen gut zugehört."

"Wehe du mischst dich in meine Angelegenheiten, Lupin," flüsterte der alte Werwolf. "Das könnte sich schlecht auf deine feige Gesundheit auswirken!" Er lachte und einige Todesser mit ihm.

Lupin knirschte mit den Zähnen, drehte sich um und ging zielstrebig zu seinem Unterstand zurück. Er konnte von Glück sagen, dass ihn dabei niemand behelligte.

Am nächsten Tag machte er sich schon früh auf, um den Wald zu verlassen. In einem Muggeldorf traf er kurz auf Shacklebolt und sie tauschten Neuigkeiten aus. Später erreichte er, hungrig und zerrissen wie er war, den Fuchsbau an Harrys Geburtstag.


Fast einen Monat später am Bahnhof von Hogsmeade lagen zwei Gestalten auf der Lauer.

"Da stimmt etwas nicht, ich konnte ihn nicht sehen. Du etwa?" Tonks blickte neben sich und ihr Kollege Dawlish schüttelte den Kopf.

"Durchsuche du die Abteile, ich folge den Kutschen! Wir treffen uns dann wieder in Hogsmeade!" Dawlish hatte sich schon aus dem Dreck erhoben und lief den Kutschen hinterher. Tonks hingegen sprang auf den Zug. Zuerst durchsuchte sie systematisch die Abteile, dann fiel ihr schnell eine Merkwürdigkeit auf ...


Als Tonks den Eberkopf betrat, fand sie die anderen Auroren bereits Bier trinkend in der Schankstube vor. "Und?" fragte Dawlish sie ernst.

Sie nickte. "Hab ihn nach Hogwarts gebracht. Hat ihn jemand in einem Abteil einen Stupor auf den Hals gehetzt."

Savage grinste schelmisch. "Die Streiche sind doch immer wieder die selben."

Auch Proudfoot lachte amüsiert. "Und der Auserwählte fällt darauf herein. Das hat sehr viel Ironie, findet ihr nicht?"

"Heeee! Wo willst du hin? Trink etwas mit uns!" rief Dawlish Tonks hinterher.

Aber sie war schon die Holztreppe hinauf verschwunden. Sie hatte keine Lust auf Gesellschaft. Snapes Bemerkung zu ihrem Patronus hatte ihr gereicht.

Als sie allein in dem kleinen Zimmer lag, produzierte sie mit dem Gedanken an den einen, wundervollen Kuss ihren Wolfspatronus und ließ ihn durch das Zimmer jagen. "Dummer Wolf!" murrte Tonks und der Patronus zerfaserte. Sie legte sich auf die Seite, schlief allerdings nicht sofort ein.

So bekam sie noch mit, wie Savage nach ihr das Zimmer betrat und sich auf das zweite leere Bett warf. "Was ist? Wirst du irgendwann wieder normal, Tonks?"

"Nein." kam es prompt von ihr.

"Ich wollt' nur fragen. Nicht, dass es später heißt, Aaron Savage kümmert sich nicht um seine Kollegen," sprach er mit bierschwerer Zunge.

"Halt die Klappe, Savage," erwiderte Tonks genervt. "Und trink das nächste Mal nicht so viel, wenn du schneller als ein Todesser sein willst!"

Tonks gut gemeinter Rat wurde bereits von leisem Schnarchen begleitet. Wie immer galten Tonks letzte Gedanken vor dem Schlafen dem dummen, sturen Mann, den sie liebte und nicht vergessen konnte.


Nach dem arbeitsreichen Sommer, kam der trostlose Herbst, welcher in einen noch trostlosereren und eiskalten Winter überging. Tonks Gefühle waren ebenso eingefroren worden. Keine zehn Thestrale hätten sie in den Fuchsbau gebracht. Sie wusste, dass er jetzt wieder öfter dort vorbei schaute. Sie wusste, dass die fröhliche Stimmung und sein Anblick sie einen Rückschritt erleiden lassen würde. Und so verbrachte sie den Weihnachtsabend in dem kleinen Gartenhäuschen ihrer Eltern, in dem sie wohnte.

Lupin starrte in den Schnee hinaus. Tonks Partronus hatte sich geändert. Niemand hatte ihm das bisher erzählt. Kurzentschlossen nahm er seinen dünnen Mantel und verließ den Fuchsbau, als es noch tief in der Nacht war. Ein Spaziergang war jetzt genau das richtige. Ein Spaziergang in einer Winterweihnachtsnacht in die nähere Umgebung. Was konnte er dafür, dass sich Tonks Elternhaus hier irgendwo befinden musste? Der Zufall würde ihn daran vorbei führen und keine verbissene, ungewisse Suche. So musste es sein.


Fortsetzung folgt ..