So, das ist ein Kapitel, welches sich wieder leichter schreiben ließ.
Vielen Dank weiterhin fürs Mitlesen und Kommentieren :)!
Die Schlacht
Sein warmer Atem produzierte kleine, weiße Wölkchen vor seinem Mund. Die Hände hatte er in den Manteltaschen vergraben und er zitterte vor Kälte, die durch seine löchrige Kleidung kroch. Aber Lupin war zufrieden mit sich und der Welt. In der Ferne begann der zweite Weihnachtsmorgen zu dämmern und er hatte das Haus gefunden. Aus sehr sicherer Entfernung sah er darauf und ließ seinen Gedanken und seiner Fantasie freien Lauf. Bald würde sie aufwachen. Was sie wohl zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte? Womöglich strahlten ihre Haare wieder in ihrer bonbonrosanen Lieblingsfarbe. Er lächelte und ihm wurde einen Augenblick lang warm.
Die Tage im Untergrund waren so gut wie vorbei. Er hatte alles versucht. Dumbledore musste endlich einsehen, dass es keinen Sinn mehr machen würde, Lupin noch länger dort zu lassen.
Doch anstatt sich endlich ein neues Zimmer zu suchen, welches er gegen den zugegebenermaßen inzwischen recht bequemen Unterstand tauschen konnte, stand er hier und .. Lupin schüttelte den Kopf. Es wurde Zeit wieder an andere Dinge zu denken. Die ersten Sonnenstrahlen trafen auf den Schnee und ließen ihn glitzern. Die Tür des Gartenhäuschen öffnete sich und prompt erklang ein Knall und Lupin war verschwunden.
Es sollte noch einige weitere Monate dauern, die Lupin im Untergrund verbringen musste. Er war missmutig darauf bedacht immer die Augen und Ohren offen zu halten. Auch dieses Mal war es William, der ihm mitteilte, was Greyback diese Vollmondnacht gerüchteweiser geplant hatte.
"Was?" hatte Remus noch entsetzt ausrufen können. Dann war es jedoch schon zu spät. Mit vielleicht hundert anderen Werwölfen begann sich sein Körper zu verformen. Knochen knackten und brachen, Muskeln veränderten sich und die Schmerzen ließ die Menschen aufschreien. Es ging schnell, auch wenn die Schmerzen wie eine Ewigkeit anzudauern schienen. Lupins Verstand, der dem Orden Bescheid geben wollte, verschwand und zum Vorschein kam die Bestie. Im Unterschlupf der Gestrandeten erscholl ein Angst einflößendes Wolfsgeheul. Die ersten Werwölfe fielen übereinander her und verbissen sich im Fell des anderen. Andere liefen geifernd noch tiefer in den Wald hinein. Auf der Suche nach etwas zum Beißen, auf der Suche nach einem Opfer.
Irgendwo in England hatte der Werwolf Fenrir Greyback sein Opfer bereits ausgesucht und sich in Position gebracht. Kaum stand der Vollmond am Nachthimmel, verbiss er sich in einen fünfjährigen Jungen. Dessen Bisswunde war dabei so schwer, dass er später an ihr verstarb ...
Am Morgen nach diesem Mord erreichte die vier in Hogsmeade stationierten Auroren eine Nachricht per Eule aus dem Ministerium.
Dawlish überflog die neuesten Berichte und gab sie dann an Proudfoot weiter. "Fünf Jahre erst. Der soll mir vor den Zauberstab kommen!" grummelte dieser und trank von seinem Frühstückstee.
Savage rieb sich die rote Nase und auch sein Gesicht verdüsterte sich. "Verdammte Biester! Die hätte man schon vor Jahren ausrotten sollen!"
Tonks ließ ihren Toast fallen und überflog die Berichte. Schockiert las sie immer wieder diesen einen:
"Werwolf (Fenrir Greyback) biss fünfjährigen Timothy Montgomery tot. Er starb heute Nacht im St. Mungo. Die Ermittlungen laufen."
Ihre Kollegen beobachteten sie ganz genau. Sie war nun einmal die Jüngste. "Alles in Ordnung?" fragte Proudfoot.
Tonks, deren Nasenspitze immer blasser wurde, nickte langsam. "Ja, sicher. Ich .. äh .. würd' gern heute Morgen die Bewachung des Bahnhofs übernehmen."
Dawlish musterte die junge Aurorin und nahm von ihr wieder die Pergamente entgegen. "In Ordnung," stimmte der ranghöchste Auror hier in Hogsmeade zu.
Tonks hielt es später nicht lange beim Bahnhof. Sie verließ ihren Posten, um Dumbledore aufzusuchen. Sie konnte nicht wissen, dass er jetzt gerade nicht in Hogwarts weilte. Und ebenso konnte sie nicht ahnen, dass ihr Harry über den Weg laufen würde, welcher ihr leider auch keine große Hilfe war. Sie war besorgt, nach all diesen Monaten, nach all dieser Sehnsucht und auch nachdem sie ihn eigentlich aufgegeben hatte. Eigentlich. Denn nichts schien die klitzekleine Hoffnung tief in ihr begraben zu wollen. Nichts mochte sie aufmuntern und nichts stellte ihre Metamorphosen wieder her.
Betrübt stapfte sie von Hogwarts zum Bahnhof zurück.
Es wurde wärmer. Die Sommermonate rückten näher und Dumbledore erlöste Lupin endlich von dessen Spionagetätigkeit. Nach kurzem Betteln war seine ältliche Vermieterin auch wieder bereit ihm das Zimmer über ihrem Laden in der Nokturngasse zur Verfügung zu stellen. Außerdem hätte er fast, leider nur fast, Arbeit bekommen.
Nun war er wieder hier. Verträumt blickte er nach oben, suchte und fand das alte Gemäuer, welches sich von der nächtlichen Umgebung noch etwas dunkler abhob. Jedoch leuchteten hier und da einige Fackeln daraus hervor. In Gedanken versunken bemerkte er nicht wie sich ihm jemand näherte.
"Da wären wir wieder," murmelte Bill und folgte Lupins Beispiel. Remus warf ihm einen kurzen Seitenblick zu und schmunzelte.
"Es sieht in der Nacht immer besonders schön aus," meinte Lupin. "All die Lichter, das Geheimnisvolle."
Bill nickte, was Remus nicht sehen konnte. "Ist nicht die schlechteste Aufgabe durch Hogwarts zu patrouillieren, während der Professor nicht da ist." Ein schelmisches Grinsen umspielte die Lippen des Ältesten der Weasley-Kinder.
"Du meinst, die Geheimgänge, Abkürzungen, genervte Bilder und Peeves?" fragte Lupin und sah wieder an seine Seite zu Bill.
Dieser nickte, als er ihm ebenso den Kopf zudrehte und sie grinsten sich an. "Genau das meine ich. Und dieses Mal bekommen wir keinen Punktabzug oder Strafarbeiten dafür." Beide betrachteten sie erneut den Hügel vor ihnen.
Eine längere Pause entstand. Und dann, wie ein Seufzen aus einem Mund: "Ich liebe dieses Schloss!" Sie lachten über diese Gleichzeitigkeit, über ihre Einigkeit, obwohl sie nicht einmal dem gleichen Jahrgang angehörten.
"Hab ich dich eigentlich schon zur Hochzeit eingeladen, Remus?" fragte Bill und strich sich seine langen roten Haare aus den Augen.
"Das war eben das zehnte Mal," nickte Lupin mit einem leichten gutmütigen Lächeln.
"Oh." Bill wirkte verlegen. "Ich will eben niemanden vergessen. Man heiratet schließlich nur ein Mal die Frau seines Lebens."
"Welche Frau?" fragte Tonks, die gerade neben Bill getreten war. Ihre Haare waren immer noch mausbraun, so wie Lupin sie das letzte Mal gesehen hatte.
"Fleur," antwortete Bill. Der Name klang wie samtene Rosenblätter aus seinem Mund.
"Genau, Fleur." Lupin nickte Tonks zu.
"Dass du mich nicht meinst, ist mir schon klar," gab Tonks schroff zurück und ein böser Blick schlängelte sich um Bill herum auf Remus zu. Es war das erste Mal seit jener Nacht, dass sie wieder gemeinsam für den Orden tätig waren und Tonks hatte sich dafür eine Schutzwand aus Trotz und Wut geschaffen. Aber bei Lupins Anblick waren die ersten geistigen Steine davon schon gebröckelt.
Bill blickte verwirrt von Tonks zu Lupin und zurück. "Sagt mal, darf ich fragen, was -"
"Nein!" unterbrachen Tonks und Lupin ihn.
"Okay." Er hob abwehrend die Hände und trat einen Schritt zurück, um nicht weiter zwischen ihnen zu stehen.
"Lasst uns hoch gehen!" bestimmte Lupin und ging, den Weg aus Hogsmeade hinauf nach Hogwarts, voran. "Minerva wird sicher schon auf uns warten."
Zuerst folgten Tonks und Bill ihm stumm, dann brach der Weasley noch einmal das Schweigen.
"Hab ich dich eigentlich schon zur Hochzeit eingeladen, Tonks?"
"Wenn du mich das noch ein Mal fragst, hex ich dir einen Tarantallegra auf den Hals!" knurrte die Metamorphin ungnädig. "Und zwar, wenn du direkt vor dem Altar stehst."
"'tschuldige."
Da er ihre kleine Gruppe anführte, konnten sie nicht sehen wie Lupin nach diesem Wortwechsel amüsiert vor sich hin lächelte.
Ruhig und dunkel lag Hogwarts da. Die allermeisten Bewohner schliefen selig und wohl behütet in ihren Betten. Nur eine dunkle Gestalt schlich sich durch die Gänge, einem tückischen Plan folgend.
Bill gähnte, kontrollierte hier eine Tür und ärgerte dort ein schlafendes Bild. Langsam schritt er dem ihm zugeteilten Bereich ab. Dabei winkte er mit seinem leuchtenden Zauberstab Flitwick zu, dessen Bereich an seinen grenzte. Dieser erwiderte das Signal und sie begannen ihre Wanderung von neuem.
Sie patrouillierten bereits einige Zeit durch Hogwarts und Lupin sah ab und zu durch ein Fenster hinaus, während Minerva den Korridor absicherte. Plötzlich hörten sie schnelle Schritte und richteten ihre Zauberstäbe auf eine Ecke des Ganges. Die Fackeln an den Wänden beleuchteten drei Schüler aus Gryffindor. Aber Professor McGonagall schloss ihren verärgert geöffneten Mund schnell wieder, als Ginny hervor sprudelte: "Malfoy .. Raum der Wünsche .. Todesser .. Dort .."
Lupins Werwolfpatronus schoß kurz darauf durch Hogwarts und alarmierte die anderen Mitglieder des Ordens des Phönix.
Lupin, McGonagall sowie Neville, Ron und Ginny spürten die Eindringlinge bald auf, die sich auf dem Weg zum Astronomieturm befanden. Sie rannten ihnen hinterher und schossen Flüche auf sie ab.
Dann, in der Nähe der Treppe zum Turm stießen die anderen Lehrer und Ordensmitglieder dazu und ein verbissener Kampf entbrannte.
Tonks Fluch verfehlte den Todesser, Gibbon, der daraufhin für einige Zeit auf dem Turm verschwand. Danach sprang er wieder die Treppe hinunter.
Lupin kämpfte gerade mit dem riesigen, blonden Todesser, Thorfinn Rowle. Mit einem gehässigen Grinsen schoß dieser einen grünen, tödlichen Fluch auf ihn. Zum Glück verfehlte dieser Lupin um Haaresbreite und erwischte Gibbon direkt in die Brust. Wie ein gefällter Baum fiel der Todesser tot um.
Rowle heulte wütend auf und schoß einen Avada Kedavra nach dem anderen durch die Gegend.
"Filius," rief McGonagall durch das Kampfgetümmel dem kleinen Professor für Zauberkunst zu. "Geh, hol Snape!"
Flitwick nickte beflissen, hielt seinen Gegner kurz in Schach und drehte sich dann herum, um schnell in den Kerker zu laufen. Währenddessen hielten ihm die anderen den Rücken frei, bis er aus dem Korridor verschwunden war.
Yaxleys brutal aussehendes Gesicht verzerrte sich zufrieden, als er Neville mit einem Fluch gegen eine Wand und dann auf den Boden schleudern konnte. Benommen blieb Longbottom eine Weile liegen. Doch er rappelte sich blutend wieder auf und gesellte sich zu Ron.
Fast zur gleichen Zeit fiel Greyback seinen Gegner auf unkonventionelle Weise an. Wuchtig sprang der große, grauhaarige Werwolf auf Bill zu und riss ihn zu Boden.
"Nein!" schallte es erschrocken aus mehreren Kehlen, aber es war schon geschehen.
Eine entsetzte halbe Sekunde lang begriff Bill, was passieren würde, dann schrie er vor Schmerzen. Greybacks Zähne schufen tiefe Wunden in seinem Gesicht und er wehrte sich verzweifelt, trat und schlug nach dem Werwolf. Doch Greyback verbiss sich nur noch fester. Bis er, von gezielten Flüchen in seine Richtung gezwungen, endlich von Bill abließ und diesen eine gnädige Ohnmacht vor weiteren höllischen Schmerzen bewahrte. Blut troff aus seinem Gesicht auf Kleidung und Boden, schuf eine immer größer werdende Lache.
Niemand konnte ihm helfen, alle mussten sich auf die wild umher fliegenden Flüche konzentrieren. Doch jeder fragte sich, warum es gerade den frisch verlobten, immer freundlichen Weasley treffen musste.
Tonks stellte fest, dass Malfoy verschwunden war. "Wo ist die kleine Ratte?" zischte sie wütend.
Fenrir Greyback wiederum leckte sich Blut von den Lippen und während grüne und rote Flüche die Dunkelheit erhellten, lächelte er Lupin einen Sekundenbruchteil widerwärtig zu.
"Deine Angelegenheiten sind schon lange meine," keuchte Remus vor Entsetzen und er konzentrierte seine Flüche auf den alten Werwolf.
Aber Greyback lief schnell die Turmtreppe hinauf, dicht gefolgt von den Carrows und Yaxley. Letzterer hexte eine unsichtbare Barriere hinter ihnen.
Neville und Ron stürmten aus ihrer Deckung auf die Treppe zu, viele andere machten es ihnen gleich. Nur die gefährlichen Flüche des großen, blonden Todessers hielten sie auf. Dann prallte Longbottom wie eine Kugel von der Barriere ab und blieb reglos unweit vom blutenden Bill auf dem Boden liegen. Neben diesem hatten sich inzwischen auf jeder Seite Tonks und Lupin hingekniet, um seinen Puls zu ertasten und ihn vor den Querschlägern der umherfliegenden Flüche zu schützen.
Andere Versuche die Treppe hinauf zu kommen scheiterten.
Dann kam er. Wie eine übergroße Fledermaus rannte Snape den Korridor entlang, wich geschickt Flüchen von Freund und Feind aus. Sein schwarzer Umhang bauschte sich hinter ihm, als er mühelos die Treppe zum Astronomieturm hinauf lief und durch die Barriere gelangte.
Sofort war Lupin wieder auf den Beinen und rannte ihm hinterher. Allerdings war er weniger erfolgreich und fand sich, wie zuvor schon Neville, nach einem kurzen Durch-die-Luft-wirbeln auf dem harten Boden wieder.
"Remus!" Tonks kroch von Bill zu Lupin hinüber.
"Mir geht's gut," presste er zwischen zusammen gebissenen Zähnen hervor und stemmte sich hoch.
Die wilden Flüche von Rowle sausten gefährlich umher und rissen einen Verteidiger nach dem anderen von den Beinen. Ginny wachte nun an der Seite ihres ohnmächtigen, stark blutenden Bruders und schützte ihn.
Bald darauf traf ein mächtiger Fluch Rowles die Decke und brachte nahezu die Hälfte davon zum Einsturz.
Die Ordensleute liefen erneut auf die Turmtreppe zu, die von Bruchstücken aus der Decke getroffen worden war. Plötzlich brachen zwei Personen durch Schutt und Staub - Snape und Malfoy. Tonks trat zur Seite und auch McGonagall machte Platz, aber da waren auch schon wieder die anderen Todesser.
Yaxley, die Carrow-Geschwister und Fenrir Greyback kamen Rowle erneut zu Hilfe und gemeinsam trieben sie die Verteidiger vor sich her. Dann tauchte Harry auf und alles wurde noch ein wenig komplizierter.
Snape rief etwas und die Todesser traten den Rückzug an. Nach letzten kleinen Gefechten liefen sie Snape oder auch dem davonstürzenden Potter hinterher. Die Unverletzten vom Orden und auch seine Freunde schrieen Harry hinterher.
Dann war alles vorbei.
Fortsetzung folgt ...
