23.
„Morgen", muffelte Lisa, als sie am nächsten Tag die Küche betrat. „Ich hole mir nur eine Tasse Kaffee und bin schon wieder weg", meinte sie beim Anblick des gedeckten Frühstückstisches. „Du gibst mir einen Korb für ein gemeinsames Frühstück?", fragte Rokko grinsend. „Du, ich und dein Übernachtungsgast? Nee, lass mal, das ist doch schon die letzten Male nicht gut gegangen…" – „Nur du und ich. Es hat niemand bei mir übernachtet. Ich hatte gestern Abend Migräne", witzelte Rokko und fasste sich gespielt theatralisch an die Stirn. „Och, du Ärmster", bemitleidete Lisa ihn ironisch. „Was gibt es denn zum Frühstück?" – „Ich habe frische Brötchen, Rührei, ich habe Fruchtquark gemacht und Orangensaft gepresst. Dazu den obligatorischen Morgenkaffee." – „Und wer macht die Schweinerei nachher weg?", fragte Lisa und deutete auf das Chaos auf der Anrichte. „Immer der, der fragt. Ich würde sehr gerne mit dir frühstücken. Komm schon, es ist Samstag, wir müssen nicht in die Firma. Wir könnten mal in Ruhe reden – das haben wir schon lange nicht mehr gemacht." Seufzend ließ Lisa sich auf das Sofa fallen. „Na gut, wann kriegt man schon mal so etwas geboten?"

„Sag mal, glaubst du eigentlich, dass Männer und Frauen nur befreundet sein können?", fragte Rokko beim gemeinsamen Abwasch einige Zeit später. „Ja, natürlich geht das. Ich meine, ich bin schon ewig mit Jürgen befreundet und mit David doch auch." – „Ja, aber mit beiden lief doch zwischenzeitlich etwas", erwiderte Rokko. „Die paar harmlosen Knutschereien mit Jürgen zählen nicht wirklich." – „Und das mit David?" – „Naja, das hat vorher freundschaftstechnisch vorher wunderbar funktioniert, jetzt ist es eher krampfig, aber das wird vielleicht auch wieder, wenn David kapiert, dass sich das mit uns nicht wieder einrenkt." – „Wieso eigentlich nicht? Wenn man den Kollegen und der Presse Glauben schenkt, dann seid ihr das absolute Traumpaar." – „Gewesen. Wir sind es gewesen. Ich meine, eigentlich hätte ich es wissen müssen – David war ja nicht einmal Mariella treu und die war hübsch und kultiviert und die Fettnäpfchen sind aus ihrer Bahn gesprungen. Naja, Jammern hilft nichts. David wird sich nie ändern und ich schütze mich einfach vor einer neuen Enttäuschung, indem ich ihm keine zweite Chance gebe. Das kann ich ja auch gar nicht, ich liebe ihn einfach nicht mehr." – „Und wen liebst du dann?", ergriff Rokko die Chance, Lisa die Wahrheit zu entlocken. „Churchill", lachte Lisa. „Und meinen Stoff-Erni. Was willst du denn jetzt hören?" – „Ich wollte wissen, ob deiner Ansicht nach, Männer und Frauen einfach nur Freunde sein können. Und du hast auch ein paar Beispiele genannt – außer dich und mich. Wir sind eine Wohngemeinschaft, oder?" – „Ja-a", entgegnete Lisa unsicher. „Was willst du denn jetzt hören?" – „Ich will wissen, ob du dich in mich verliebt hast." Lisa nahm ein Brettchen in die Hand und wischte es ganz gewissenhaft trocken. „Hast du noch vor, mir zu antworten?", brachte Rokko seine Ungeduld zum Ausdruck. „Lisa?!", ermahnte er sie, als sie beharrlich schwieg. Die Angesprochene reckte sich ein bisschen, um Geschirr im Hängeschrank zu verstauen, als sie spürte, wie Rokko seine Arme rechts und links von ihr auf der Anrichte abstützte, so dass sie nicht weg konnte. „Rokko, was soll denn das?", fragte sie erschrocken, als sie sich in seiner Umklammerung drehte und merkte, dass sie sich nicht daraus befreien konnte. „Ja oder nein?" – „Was ja oder nein?" – „Hast du dich in mich verliebt?" – „Das ist doch albern, Rokko. Lass mich los." – „Erst, wenn du mir ehrlich geantwortet hast." – „Du bist viel zu egozentrisch. Glaubst du wirklich, ich lege Wert darauf, dein Betthäschen zu werden?" – „Das war nicht meine Frage. Meine Frage war, ob du dich in mich verliebt hast." Rokkos Gesicht näherte sich Lisas und sein durchdringender Blick ließen sie erschaudern. „Wow, mir ist nie aufgefallen, wie blau deine Augen sind", gestand er ehrfürchtig. „Da-danke", flüsterte Lisa. „Sind deine Lippen eigentlich so weich, wie sie aussehen?", fragte Rokko weiter. Lisa fuhr kurz mit der Zunge darüber. „Ich glaube schon." – „Darf ich mal probieren?" Ohne eine Antwort abzuwarten, legte Rokko seine Lippen auf Lisas. Rokko konnte das Gefühl nur einen Augenblick lang genießen, als er auch schon Lisas Zunge spürte, die um Einlass bat. Während er ihr diesen gewährte, hob er sie auf die Anrichte und begann hektisch an ihrer Bluse zu reißen. Lisa hingegen spreizte die Beine, um Rokkos näher an sich heran zu lassen. Rokkos Lippen liebkosten Lisas Dekolleté, als diese seinen Pullover aus seiner Hose zog. Widerwillig unterbrach er die Berührungen, um ihn sich über den Kopf ziehen zu lassen. Achtlos warf Lisas das Kleidungsstück auf den Fußboden und zog Rokko wider näher an sich heran. Durch ihre Hose konnte Lisa einen Druck spüren, der ihr zeigte, wie erregt Rokko bereits war. Sie wusste, dass es noch nicht zu spät war, ihn zu stoppen, aber stattdessen wanderte ihre Hand nach unten und berührte genau diese Ausbeulung. „Ohhhh", entfuhr es Rokko genüsslich. Zufrieden mit dieser Reaktion unterstützte Lisa ihn dabei, ihre Hose loszuwerden.

Als er sich einigermaßen beruhigt hatte, zog Rokko sich von Lisa zurück und begann, seine Sachen zusammen zu sammeln. „Wow, das war nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte", meinte er, während er in seine Hose stieg. Wortlos zog Lisa ihr Höschen, das noch an einem ihrer Knöchel hing, wieder hoch. „Alles in Ordnung mit dir?", fragte Rokko. Lisas Blick wanderte zum Sofa und Tränen stiegen ihr in die Augen. „Das war nicht so, wie du dir das vorgestellt hast?!", fuhr sie ihn an. „Frag mich mal! Ich bin dir nicht einmal die drei Schritte zur Couch wert gewesen. Was meinst du, wie sich das anfühlt?" – „Hey, was ist denn los? Wir können es uns doch jetzt auch noch schön machen, nur weil…" – „Weil du mich gerade im Stehen gevögelt hast, heißt das noch lange nicht, dass du jetzt nicht vielleicht doch ein paar Kerzen anzünden und nette Musik anmachen willst?", keifte Lisa unter Tränen. „Du tust ja gerade so, als hätte ich dich vergewaltigt. Du hast doch mitgemacht." – „Das gibt dir aber noch lange nicht das Recht, mich so zu behandeln. Es tut mir ja leid, dass ich deinen hochgeschraubten Ansprüchen nicht entsprochen habe und es nicht so war, wie du das gerne gehabt hättest." – „Lisa, das ist doch Unsinn. Ich wollte doch nur…" – „Du Mistkerl hast einfach meine Gefühle für dich ausgenutzt!", warf Lisa Rokko aufgebracht vor. „Das habe ich nicht. Lisa!", rief Rokko ihr hilflos hinterher, als sie aus der Küche stürmte.

„Lass uns reden, bitte. Wo willst du denn hin?" Lisa hatte Churchill aus ihrem Zimmer geholt und legte ihm hektisch die Leine um. „Ich brauche frische Luft. Ich gehe mit Churchill in den Park. Lass mich einfach in Ruhe, ja?" – „Aber ich… liebe dich doch", versuchte Rokko es erneut, doch nur die Tür vernahm seine Worte.