Altersfreigabe: ab 12
Setting: lange nach dem Krieg
Inhalt: Severus hat die Wahl: Entweder Babysitting oder Kosmetika in Muggellondon kaufen. Er überlegt nicht lange, doch schon bald beschleicht ihn die Befürchtung, dass er es doch hätte tun sollen.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Hermine Granger/Severus Snape
Disclaimer: Nichts gehört mir, alles ist Eigentum von J. K. Rowling
Kommentar: Vor laaaanger Zeit habe ich Anja mal versprochen, ihr einen Oneshot nach ihren Wünschen zu schreiben. Sie wollte Snape, der Kosmetika kaufen geht. Und da ich nicht nein sagen kann...
Warnings: none


Ihn weckte ein Quaken auf, das bis vor wenigen Wochen noch nicht existiert hatte – zumindest nicht so. Es hatte ihn hin und wieder in den Rücken getreten, wahlweise auch in den Bauch, je nachdem, wo die Frau im Bett neben ihm gerade gelegen hatte. Damals hatte Severus sich noch gewünscht, dass sich endlich etwas an dieser Situation änderte. Jetzt war sie anders und das war auch nicht besser.

Eine Hand traf ihn an der Schulter. „Dubis' dran", hörte er Hermines erschöpfte Stimme. Seine Antwort bestand zunächst aus einem Knurren, dann aus vielen kleinen Flüchen, die alles andere als salonfähig waren.

Da diskutieren mit ihr schon immer mehr Arbeit als Vergnügen gewesen war, noch dazu eine, die wenig Aussicht auf Erfolg hatte, fügte er sich seinem Schicksal und stieß erst ihre Hand zurück, ehe er aufstand und zum Stubenwagen ging.

Der Haufen Mensch darin quakte inzwischen nicht mehr, er schrie aus vollem Hals. Severus sah ihn finster an, aber das wirkte noch nicht. Also rümpfte er die Nase und hob das zappelnde Bündel hoch, schlurfte gähnend zum Doppelbett zurück und legte das, was Hermine immer so optimistisch als ‚deine Tochter' bezeichnete, neben sie.

Nicht, dass er seine Tochter – die sie ja nun einmal zweifellos war – nicht lieben würde. Er würde ohne zu zögern sein Leben für dieses Kind geben – vor allem weil er es dann nicht mehr würde verkorksen können. Aber er wusste einfach nicht, wie er mit Kindern umgehen sollte. Bereits mit der elf Jahre älteren Version hatte er Probleme und die gingen wenigstens selbständig auf die Toilette und konnten sich halbwegs verständlich artikulieren. Dieses Baby … es trieb ihn über Grenzen und er war froh, dass Hermine sich hauptsächlich um sie kümmerte.

Eben diese drehte sich jetzt um, als seine Tochter wieder zu schreien begann. „Du sollst sie füttern und nicht herbringen, Severus!"

Er zog eine Augenbraue hoch. „Meine Brust ist dafür leider nicht ausgestattet."

Sie stöhnte, öffnete ihr Nachthemd und gab dem Kind, was es vorläufig zum Schweigen brachte. Sie atmete auf. Er atmete auf. „In der Küche steht eine Flasche Muttermilch, ich hab sie vorhin abgepumpt. Und das hab ich dir auch gesagt!", zischte Hermine dann.

„Das Bett ist dichter als die Küche", gähnte er ohne die Spur eines schlechten Gewissens.

„Du bist und bleibst ein Mistkerl, Severus Snape!"

Ein Grinsen schlich über seine müden Gesichtszüge. „Erwartest du, dass ich darauf etwas erwidere?"

„Nein."

Danach wurde es ruhig im Schlafzimmer, abgesehen von dem leisen Saugen und Schmatzen eines Babys an Stellen des Körpers dieser Frau, die er bis vor kurzem sehr gerne selbst einer ähnlichen Behandlung unterzogen hatte. Seitdem sich allerdings ein Leck in die ganze Angelegenheit geschummelt hatte, verzichtete er darauf. Muttermilch war nichts für seine Geschmacksknospen. Mal ganz abgesehen davon, dass Hermine neuerdings nicht mehr viel von diesem Zeitvertreib hielt. Und sollte sie sich doch einmal geneigt zeigen, war davon auszugehen, dass diesem Kind irgendein Grund einfiel, die Lust bereits im Keim zu ersticken.

Und dennoch …

Durch die Dunkelheit beobachtete er die beiden Menschen, die ihm so viel bedeuteten, dass er es manchmal nicht ertragen konnte. Ohne ein Wort zu sagen, wirkte er einen Zauber, der das Bett in einen sehr sanften Lichtschimmer hüllte, ohne dass Hermine aufwachte; denn sie war eingeschlafen, wie er nun bemerkte.

Sie sah müde aus, aber entspannt. Er konnte ihr die Müdigkeit nachfühlen, viel Schlaf hatten sie beide seit der Geburt nicht bekommen. Und zum ersten Mal war das irgendwie okay. Er bekam etwas dafür. Er bekam Momente wie diesen, in dem seine Frau ruhig schlief und seine Tochter ihr allmählich in dieses Reich jenseits der Realität folgte.

Seine Tochter.

Seine Frau.

Severus schnaubte leise.

Er streckte seinen Zeigefinger aus und berührte Hermines Gesicht. Dass er sie in seinem Leben haben durfte, war mehr, als er jemals zu träumen gewagt hatte. Zärtlich strich er an ihrer Wange entlang und wiederholte diese Geste danach bei dem Haufen Mensch zwischen ihnen.

Nach ein paar weiteren Minuten stand er erneut auf und trug seine Tochter zurück in ihr Bett. Dieses nötige Detail mit dem Bäuerchen, mit dem Hermine ihm schon mehr als einmal die Hölle heiß gemacht hatte, brachte er inzwischen routiniert hinter sich – zumindest tat er so.

Nichtsdestotrotz war er erleichtert, als das Baby schlafend und gut zugedeckt wieder in seinem eigenen Bett lag, auch wenn er die Wärme an seiner Schulter vermisste. Es war besser so; es gab nicht viel Wärme in ihm, die er seiner Tochter geben konnte. Doch er würde sein Leben für sie geben.

„Schlaf gut, Hannah", sagte er leise und zog sich in sein Bett zurück. Bevor er das Licht löschte, schloss er Hermines Nachthemd und breitete die Arme aus, als sie sich im Halbschlaf an ihn schmiegte. Mit einem gehauchten „Nox!" wurde es dunkel.


Am nächsten Nachmittag fand er sich plötzlich mit seiner Tochter im Arm mitten im Wohnzimmer wieder und beobachtete, wie Hermine um ihn herumlief und hektisch irgendetwas suchte.

„Du musst für ein paar Stunden auf Hannah aufpassen. Ich hab was in London zu erledigen", informierte sie ihn nebenbei.

„Dürfte ich auch erfahren, was das ist?" Hannah stotterte und er rümpfte die Nase. Hoffentlich hatte sie keine ihrer übel riechenden Unternehmungen für diesen Augenblick geplant.

„Ich muss einkaufen."

„In London?" Er legte Hannah auf den Schreibtisch, nur für den Fall. Sie strampelte mit den Füßen.

Hermine drehte sich zu ihm um und stemmte die Hände in die Hüfte. „Severus, der Schreibtisch ist kein angemessener Ort, um ein Baby abzulegen."

Er warf ihr einen flüchtigen Blick zu. „Ihr geht es gut." Hermine verdrehte die Augen. „Und außerdem hat das überhaupt nichts mit unserem Thema zu tun."

Ihre Gesichtszüge wurden sanft und sie kam langsam auf ihn zu. Das war übel, wirklich ganz übel. Sie hatte diesen Blick. Er schluckte.

„Severus, ich bitte dich! Ich möchte mir in London einige Kosmetika kaufen, weil meine schon seit geraumer Zeit alle sind. Pass auf deine Tochter auf, sie wird ohnehin die meiste Zeit schlafen. Ich bin bald wieder zurück, ja?"

Nein! Aber das konnte er so nicht sagen. Missmutig sah er auf seine Frau hinab und beschloss, diesen Blick zu übersehen. „In drei Tagen kommt das Kindermädchen an, kann das nicht bis dahin warten?" Hermine wollte wieder arbeiten. Natürlich konnte er das verstehen – was allerdings nicht bedeutete, dass es ihm gefiel. Hannah war gerade mal drei Monate alt; sie sollte nicht so lange von ihrer Mutter getrennt sein und sein Gehalt reichte doch locker.

„Nein, kann es nicht. Ich muss morgen das erste Mal wieder in den Verlag. Mein Chef will meine neuen Arbeitszeiten mit mir besprechen." Seine Gesichtszüge waren offensichtlich entglitten, denn sie fügte hinzu: „Minerva passt währenddessen auf Hannah auf, du kannst dein Weltuntergangsgesicht wieder einpacken!"

Er verschränkte die Arme vor der Brust. „Das ist kein Weltuntergangsgesicht."

„Doch, ist es." Sie legte ihre Hände an sein Gesicht und zog es zu einem Kuss zu sich – noch so eine Masche, um das zu bekommen, was sie wollte. „Also, passt du auf Hannah auf?", kehrte sie dann auch abrupt zum Thema zurück.

„Nein."

Sie stöhnte. „Severus, sie ist auch dein Kind! Du kannst nicht von mir verlangen, dass ich sie immer von dir fernhalte."

„Das verlange ich auch nicht. Ich werde mich um sie kümmern – sobald ich eine vernünftige Bedienungsanleitung gefunden habe. Und bis das soweit ist, kannst du mir eine Liste schreiben. Ich werde dir die Sachen besorgen." Bei Salazar, was tat er da? Sie hatte von Kosmetika gesprochen! Kosmetika!

Du willst Kosmetika in Muggel-London kaufen?" Hermine sah ihn ungläubig an, während sie zum Schreibtisch hinüber ging und das Baby auf den Arm nahm.

„Warum nicht?" Er reckte das Kinn vor.

Sie biss sich auf die Unterlippe. „Also gut. Ich werde dir eine Liste schreiben. Am besten, du ziehst dir derweil Muggelkleidung an und steckst dir Muggelgeld ein."

Severus kniff die Augen zusammen. Dass sie sich so schnell fügte, war ein wirklich böses Zeichen. Irgendeinen Haken hatte er übersehen. Aber er kannte Hermine; sie würde sich lieber die Zunge abbeißen, als jetzt noch etwas dazu zu sagen. Er steckte bis zum Hals in dieser Sache drin und würde selbst herausfinden, was genau der Haken war. Und das gefiel ihm spätestens seit Voldemort überhaupt nicht mehr.


Eine Stunde später stand er vor einem Laden, der mitten in einer der Einkaufsmeilen Londons lag. Es war laut, überfüllt und es regnete. Deswegen hielt er sich nicht lange mit den blinkenden Reklamen auf, die ihn wie Doxys umschwirrten, sondern klappte den Regenschirm zu (sie hatte ihm tatsächlich einen Regenschirm angedreht!). Er flüchtete in die Parfümerie.

Und wäre beinahe rückwärts wieder rausgestolpert. Was bei Slytherin war das für ein Gestank? Sollte Parfum nicht gut riechen? Severus rümpfte die Nase und blinzelte gegen die aufsteigenden Tränen an. Merlin, selbst der Inhalt von Hannahs Windel roch besser.

Nach ein paar Atemzügen blendete seine Nase glücklicherweise den Gestank aus und er zog den Zettel aus der Tasche, den Hermine ihm mitgegeben hatte. Er überflog die Liste, aber sie hätte ihm genauso gut eine arithmantische Berechnung aufschreiben können.

Make up, Schattierung 02

Lidschatten, 004 oder 006

Mascara (Extra Volume, wasserfest!), Darkbrown

Loose Powder, Schattierung 02

Long last Lippenstift, nicht zu auffällig, irgendwas zwischen hautfarben und rosa

Er blinzelte. Dann las er alles noch mal. 004? Oder 006. Sagte ihm beides nichts. Wasserfest, unbedingt! Das Ausrufezeichen sprang ihn beinahe an. Er wusste bloß nicht, was Mascara war und wozu das wasserfest sein sollte. Musste sie das nicht abends wieder abwaschen? Und dann der Lippenstift. Wenigstens mit der Bezeichnung konnte er etwas anfangen. Irgendwas zwischen hautfarben und rosa? Sah er so aus, als würde er Lippenstiftfarben vergleichen? Er mochte ihre Lippen am liebsten ohne irgendeinen Stift!

Er wollte schon den Zettel zerknüllen, nach Hause apparieren und ihr ein paar Takte erzählen, als ihm eine weitere Notiz auffiel.

Frag nach Pascal, er weiß, welche Marken ich benutze und was ich bevorzuge.

Pascal? Wer zum Teufel war Pascal?

Severus sah sich um. Die Parfümerie war voll, zu seiner Überraschung nicht nur mit Frauen. Er sah ein paar Männer, die im Gegensatz zu ihm jedoch das Glück hatten, nur Taschen tragen und still sein zu müssen.

Und dann sah er den Verkäufer.

Die Ironie eines Mannes, der mit einer Horde Frauen im Schlepptau und großen Gesten von einem Regal zum nächsten stolzierte. Er erinnerte Severus an Gilderoy Lockhart. Das musste Pascal sein.

In diesem Moment rempelte ihn jemand von hinten an, so dass er ein paar Schritte nach vorne stolperte. Mehr Gestank erreichte ihn von links, ein entzücktes Quietschen von rechts und die Empörung der beleibten Frau, die sich gerade ihren Weg mit Ellenbogen und Handtaschenschleudern bahnte, direkt in den Nacken. Mit einem finsteren Blick drehte er sich um, suchte dabei vergeblich nach seinem Zauberstab (Hermine hatte ihn ihm abgenommen), blickte jedoch ins Leere. Zu seinem Erstaunen war das kleine dicke Wesen flink genug, um bereits jetzt der Herde anzugehören, die dem Nicht-Mann durch den Laden folgte.

Severus knurrte leise, dann steuerte er die Kasse an. Bevor er den Rudelführer aus seinem Element riss, fragte er lieber, ob das tatsächlich Pascal war. Vielleicht bestand ja doch noch die Möglichkeit, dass er halbwegs unbeschadet wieder auf die nasse Straße zurückkehren konnte.

Die junge Frau hinter der Kasse kämpfte gerade mit einer Rolle Geschenkband, was er mit einer hochgezogenen Augenbraue beobachtete. Vor allem, als er einen Blick auf die Spitze eines hölzernen Stabes erhaschen konnte und die Verknotungen plötzlich verschwanden. Severus konnte seine Augenbrauen gar nicht hoch genug ziehen. Dafür konnte sein Herz umso tiefer sinken, denn als die junge Frau sich umdrehte, sah er direkt in ein Gesicht, das er nie wieder hatte sehen wollen. Der Haken stand leibhaftig vor ihm.

„Miss Brown", rutschte es ihm heraus, denn wann immer er dieses Gesicht vor Augen gehabt hatte, hatte es auch etwas zu kritisieren gegeben.

„Professor Snape!", kiekste sie mit großen Augen, während sie ihren Zauberstab im Ärmel ihres engen Pullovers verschwinden ließ. Er zeichnete sich deutlich unter dem Stoff ab. „Was wollen Sie hier?"

Er schnalzte zweimal mit der Zunge. „Nennen Sie das einen kundenfreundlichen Umgangston?"

„K-Kunde?"

„Natürlich. Oder glauben Sie, ich hätte Sie dermaßen vermisst, dass ich Sie an einem Ort wie diesem aufsuchen würde?" Die Tatsache, dass er ein Opfer für seine schlechte Laune gefunden hatte, machte es irgendwie erträglicher.

„I-Ich weiß nicht", stotterte sie mit einer tiefen Röte im Gesicht.

Er rümpfte die Nase. „Ich sehe schon, Ihre Antworten sind noch immer genauso eloquent wie früher. Können Sie mir wenigstens sagen, wo ich Pascal finde?"

„Er arbeitet heute nicht." Dabei reckte sie ihr Kinn ein wenig nach vorne.

Severus stöhnte. „Schön", knurrte er und einmal mehr kam ihm der Gedanke, dass Hannah möglicherweise doch die bessere Alternative gewesen wäre. „Dann werden Sie mir jetzt diese Dinge suchen." Er drückte ihr Hermines Zettel in die Hand und verschränkte die Arme vor der Brust.

Brown überflog die Liste und gab ein leises Hüsteln von sich. „Ist das für Sie, Sir?"

„Sehe ich so aus?" Er betonte jedes Wort. Und als sie den Kopf zur Seite neigte und tatsächlich darüber nachdachte, fügte er ein Knurren hinzu.

„Dann sagen Sie bloß, Sie haben eine Frau!", platzte es aus ihr heraus.

Severus runzelte die Stirn. Solange es sich nicht um Trankrezepte handelte, schien Lavender Brown tatsächlich außerordentlich gut dazu in der Lage zu sein, Zusammenhänge zu sehen. „In der Tat", grollte er. „Und nun machen Sie Ihren Job, Miss Brown. Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit."

„Kenn ich sie?", fragte sie unbeeindruckt und ihre Augenbrauen hüpften.

„Das geht Sie nichts an."

Sie kniff die Augen zusammen. In ihrem Gehirn arbeitete es. Und dann reckte sie das Kinn vor und sagte: „Sie finden alles, was Sie suchen, dort drüben in den Regalen, Sir." Und hielt ihm die Liste hin.

Severus war für einen Moment tatsächlich perplex. Woher hatte Brown auf einmal diesen Schneid? Aber warum sollte sie ihn auch nicht haben? Er war offensichtlich unbewaffnet und auf ihre Hilfe angewiesen. Trotzdem war es überraschend, diesen syltherinschen Zug an ihr zu entdecken. Severus grollte leise. „Meine Frau … ist Ihre ehemalige Klassenkameradin. Hermine Granger."

Wie er es befürchtet hatte, quietschte sie leise und schlug die Hand vor den Mund. „Hermine?", keuchte sie nach einigen Momenten atemlos.

Er zog die Augenbrauen hoch.

Sie presste die Lippen aufeinander. „Wie … ich meine … wann … ähm…", stotterte sie.

„Ganze Sätze, Miss Brown! Wenn sie mich schon aufhalten, reden Sie wenigstens in ganzen Sätzen mit mir!"

Wieder lief sie rot an. „Wie konnte das passieren?", fragte sie mit bebender Stimme.

Severus kniff die Augen zusammen und beugte sich ein bisschen vor, ehe er sagte: „Die entscheidende Frage ist nicht, wie Hermine und ich passieren konnten, sondern warum ich es zugelassen habe, dass sie ein Kind von mir bekommt, so dass ich mich jetzt mit Ihnen und Ihrer Impertinenz auseinander setzen muss. Werden Sie nun endlich Ihren Job machen oder muss ich Ihnen erst mit einer Strafarbeit drohen, Miss Brown?"

Sie zuckte zusammen, als er ihren Namen auf dieselbe Art betonte wie damals in Hogwarts. Sie griff nach einem kleinen Korb und machte sich auf den Weg zu den Regalen, auf die sie ihn vorher verwiesen hatte, ohne ihn anzusehen. Severus schüttelte den Kopf, während er sie beobachtete.

Nach etwa fünf Minuten kehrte sie wieder zurück und zeigte ihm ihre Ausbeute. „Hermine hat leider nicht dazu geschrieben, welche Marken sie gerne hätte, deswegen habe ich die genommen, die bei unseren Kundinnen am beliebtesten ist", murmelte sie und er brummte leise. „Den Lidschatten Nummer 006 haben wir im Moment nicht da, obwohl er ihr besser stehen würde als 004. Aber sie hat die Farbe auch aufgeschrieben, also…"

„Kommen Sie zum Punkt, Miss Brown!"

„E-Es ist alles da, ich werde die Rechnung fertig machen und es Ihnen einpacken, Sir!"

„Vielen Dank", erwiderte er süßlich und zog die Geldbörse mit dem Muggelgeld hervor, während sie die Kosmetika in die Kasse eintippte. Die Summe, die sie ihm nannte, war absurd hoch. Er hätte Trankzutaten für einen ganzen Monat davon kaufen können! Widerwillig gab er ihr das Geld und nachdem sie ihm das Wechselgeld gegeben hatte, zog sie eine mit Werbung bedruckte Falttüte aus Papier unter dem Tresen hervor und packte die Sachen ein. Zum Abschluss hielt sie sie ihm vor die Nase und versuchte zumindest, höflich zu lächeln.

„Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag, Sir, und grüßen Sie Hermine von mir!"

„Danke, ich verzichte. Die Übelkeit ist gerade erst vergangen." Während sie empört den Mund aufklappte, nahm er die Tüte entgegen und drehte sich um, um den Laden zu verlassen.

An der Tür begegnete ihm die dicke Frau von vorhin und wieder versuchte sie, sich mit dem Ellbogen den Weg freizuräumen. Severus griff danach und beugte sich mit gerümpfter Nase zu ihr herunter: „In diesem Land gilt es als höflich, einen Laden in der Reihenfolge zu verlassen, in der man die Tür erreicht, und etwaige im Weg stehende Personen darum zu bitten, zur Seite zu gehen."

„Also, das ist ja wohl…", zischte sie empört, aber Severus ließ ihren Ellbogen los, griff nach seinem Umhang, den er gar nicht trug, und verließ den Laden. Die frische feuchte Luft war eine Wohltat für seine Nase. Er mischte sich unter die Menge und schlüpfte schließlich in einen Hauseingang, der es ihm erlaubte, ungesehen zu disapparieren.


Hermine schaukelte gerade eine unzufrieden klingende Hannah, als Severus die Kerkerwohnung betrat. „Schon zurück?", fragte sie über das Geschrei hinweg und schüttelte dabei eine Milchflasche, damit sie die richtige Temperatur bekam.

„Hattest du etwas anderes erwartet?"

„Eigentlich schon."

„Werd nicht frech!" Er küsste sie trotzdem.

Hermine nutzte die Gelegenheit, um in die Tüte zu spähen, die er noch immer in der Hand hielt. Rasch zog er sie hinter den Rücken. „Hey, das sind meine Sachen!", sagte Hermine.

„Ach was", entgegnete Severus ölig. „Ich habe den Haken kennen gelernt."

Sie feixte, setzte jedoch rasch wieder eine Unschuldsmiene auf: „Welchen Haken?"

„Den nervtötenden, braunhaarigen Klatschhaken, der Neville Longbottom im Tränkeunterricht Konkurrenz gemacht hat."

„Oh, der Haken", sagte sie und gab dem Baby endlich die Flasche.

„Genau der", knurrte Severus und zog Hermine an sich. Hannah sah neugierig zu ihm hoch.

„Und, habt ihr euch gut verstanden?", fragte Hermine unschuldig.

„Natürlich. Aber ich finde, angesichts dieser Hinterhältigkeit müssen wir den Preis meiner Dienstleistung neu verhandeln."

„Mmmh, sehr slytherin", erwiderte Hermine mit schmalen Augen.

„Absolut. Also, was bekomme ich?"

„Deine hungrige Tochter?", bot sie freizügig an.

Er sah hinab auf das Baby, das gierig an der Flasche saugte. „Danke, ich verzichte."

„Mehr kann ich dir nicht anbieten."

„Ehrlich?", raunte er mit tiefer Stimme, legte ihr eine Hand an die Wange und küsste die andere, glitt zu ihrem Hals und grinste, als Hermine leise seufzte.

„Hannah muss gefüttert werden", murmelte sie. „Und sie … würde nicht lange genug Ruhe geben."

Er knurrte leise, während er einen Weg aus diesem Dilemma suchte. Hermines Zustimmung musste ausgenutzt werden und Hannahs Unzufriedenheit würde ihm dieses Mal keinen Strich durch die Rechnung machen. „Lass mich sie füttern und mach dich fertig. Heute wird sie uns nicht stören", entschied er schließlich, nahm Hermine das Kind samt Flasche aus dem Arm und hielt ihr etwas ungelenk die Papiertüte hin.

„Ist das dein Ernst?"

„Mein voller Ernst! Nach diesem Theater habe ich leidenschaftlichen Sex mehr als verdient! Also beweg deinen Hintern ins Bad und tu, was immer du glaubst tun zu müssen."

„Du sollst das böse S-Wert nicht vor dem Kind benutzen!"

„Ist dir das böse F-Wort lieber?"

„Keines von beidem."

„Dann tu etwas dafür, dass ich sie nicht benutzen muss!"

Zuerst sah es so aus, als ob sie noch etwas darauf antworten wollte, dann drehte sie sich jedoch um und verschwand im Bad.

Severus zog die Flasche aus dem Mund seiner Tochter. „Und wir beide werden jetzt mal sehen, was der Vorratsschrank so zu bieten hat", murmelte er und war überrascht, als Hannah tatsächlich ruhig blieb. Als ob seine Stimme diese Wirkung gehabt hätte. Er ging hinüber ins Labor, stellte die Milchflasche beiseite und durchsuchte die Phiolen, bis er fündig wurde.

Vorsichtig, damit Hannah nicht wieder zu schreien begann und Hermine auf den Plan rief, legte er sie auf dem Tisch ab und schraubte das Fläschchen auf. Zwei Tropfen Traumlosschlaftrank landeten in der Milch und versprachen ihm mindestens zwei Stunden Ruhe. Wenn Hermine wüsste, was er gerade tat, würde sie ihn in die Zukunft und wieder zurück hexen. „Aber", säuselte er leise, nachdem er die Phiole wieder an ihren Platz gestellt hatte und Hannah vom Tisch hob, „Was Mia nicht weiß, kann sie auch nicht zum Hexen veranlassen." Ein rhythmisches Schmatzen seiner Tochter war die Antwort und er lächelte zufrieden. Vielleicht sollte er die Möglichkeit in Betracht ziehen, sich seine eigene Bedienungsanleitung zu schreiben. Das lief doch ganz wunderbar.