Riven by Grief Part One – Kapitel 3
Nur sehr langsam kroch das Bewusstsein wieder in Kais Körper. In seinem Kopf drehte sich alles leicht, sein Magen rebellierte. Benommen öffnete er langsam seine Augen, doch es war alles genau so dunkel wie vorher. Was war hier los? Mit einem Ruck versuchte er sich auf zu setzten, doch das einzige was passierte, war der spürbar starke schmerz an seinen Handgelenken. „Scheiße…", fluchte er leise. Seine Hände waren mit einem leicht scharfen Gegenstand zusammengebunden und an einen, wie Kai fühlte, Eisenstab fixiert. Leichte Wärme, in einem dünnen Rinnsal aus Blut, floss an seinen durchkühlten Handgelenkten entlang. Nochmals zerrte er daran, doch außer erneutem Schmerz, passierte nichts. Er atmete tief ein und aus, versuchte sein rasendes Herz zu beruhigen. /Wo bin ich hier verdammt?/ Dachte der Blonde leicht panisch und versuchte etwas zu erkennen. Doch so sehr er sich auch anstrengte, es blieb um ihn herum alles Finster. Nicht ein kleiner Lichtstrahl war irgendwo zu erkennen.
Ein stark modriger Geruch lag in der Luft und sorgte dafür, dass Kais Magen noch mehr anfing zu rebellieren. Was verdammt noch mal war passiert und wo war er hier? Fragen über Fragen schossen dem blonden Mann durch den Kopf und die antworten folgten langsam. Der Nebel in seinem Gedächtnis fing an sich zu legen und er erinnerte sich an dieses Video, an den Eintrag in seinem Tagebuch von diesem Mann. Das letzte an was er sich noch entsinnen konnte war dieser feste griff, diese Geruch und wie ihm langsam die Sinne schwanden.
Träge und langsam öffnete der Blonde seine Augen, doch trotzdem blieb alles um ihn herum dunkel. Sein Kopf schmerzte und sein Körper zitterte vor Kälte. Er versuchte aufzustehen, aber seine Hände waren über den Kopf an etwas gefesselt. Er lag auf einer einigermaßen weichen Unterlage, ein stark modriger Geruch stieg ihm in die Nase. Wo war er und was war passiert?
Nervös zerrte er an den Fesseln welche ihn zum liegen zwangen, aber er bekam sie nicht los. Auch seine Füße, wie er einen kurzen Moment später feststellte, waren gefesselt.
So sehr sich auch der Blonde anstrengte, ihm kam nicht in den Sinn, was passiert war, wo er war? Das er wieder mal entführt wurde, war ihm schon klar, aber von wem. Warum in aller Welt konnte er sich denn an nichts erinnern. Einen Moment überlegte er laut zu schreien, in der Hoffnung, dass er schneller aus seiner Lage befreit werden konnte. Doch hielt er sich zurück. Denn das könnte, wie Kai schon mehr als einmal die Erfahrung gemacht hat, auch böse für ihn ende.
Ein leises poltern drang in Kais Ohren. Er hielt die Luft an, um das Geräusch Identifizieren zu können. Es schienen Schritte zu sein, über ihm. /Also ein Keller…oder so was, beschloss er wegen der Dunkelheit und den Schritten über sich mürrisch. Auch wenn er in einem Keller war, half ihm das auch nicht weiter, im Gegenteil.
Die Schritte kamen immer näher. Nervosität kroch in dem jüngen Körper hoch. Als er hörte wie die Tür aufgeschlossen wurde, schloss er seine Augen aus Reflex wieder.
Kai hörte wie jemand den Lichtschalter betätigte und merkt zugleich durch seine geschlossenen Augenlider die Helligkeit. Die Person kam langsam näher. Neugier packte Kai, er wollte wissen wer ihn gefangen genommen hatte, aber der Mut die Augen zu öffnen fehlte dem Blonden.
Als sich jemand neben ihn auf die Matratze setzte, zog er scharf die Luft ein und verfluchte sich im gleichen Moment dafür. „Du bist also wach, dass freut mich, wie fühlst du dich?" Es war ein Mann der zu ihm sprach, er klang nicht wirklich böse. Vorsichtig, da er sich nun eh verraten hatte, öffnete Kai die Augen. Er musste einige male blinzeln, bis er sich an den hellen Scheinwerfer an der Decke gewöhnt hatte.
Neben ihm saß ein Mann, mitte dreißig, wie Kai schätze. Er war schlank, unrasiert und roch nach Alkohol. „Was wollen sie von mir?" Fragte Kai leicht eingeschüchtert und zerrte erneut an den Fesseln. Wieder ohne erfolg.
„Du wirst mich doch nicht vergessen haben…mein Geliebter". Der Mann strich Kai sanft über die Wange. Sofort drehte der Blonde seinen Kopf weg. Immer wieder hallten die Worte ‚mein Geliebter' in seinem Kopf, bis ihn die Realität schlagartig einholte.
Dieser Mann war derjenige, der ihm die letzten zwei Wochen zur Hölle gemacht hatte. Ihn auf Schritt und tritt verfolgt hatte, bis ins Schlafzimmer. Der ihn nachts nicht hat schlafen lassen. Der Mann welche ihm immer wieder diese Briefe schrieb, worin stand, dass er sein Eigen sei, dass er ihn liebte.
„Geliebter, ICH…vergiss es…so was wie dich würde ich nicht mal als geliebten ansehen, wenn wir die letzten beiden Menschen auf der Welt wären…". Kai schrie ihn an. Schrie aus Angst davor, was dieser Mann vorhatte. „Shhht, wer wird denn gleich so aufbrausend sein, ich mag so was aber gar nicht, du solltest lieb zu mir sein, mir sagen das du mich auch liebst, denn dann werde ich nett zu dir sein…sehr nett…".
Der blonde Mann lachte höhnisch. „Dich Lieben?? Tickst du noch ganz richtig…hast du schon mal in den Spiegel gesehen?" Eine kräftige Ohrfeige ließ Kai verstummen. „Sag, dass du mich liebst", der Mann klang nun leicht nervös. „NIEMALS" schrie Kai laut und bekam sofort die nächste Ohrfeige. Seine Lippe, auf welche er sich eben drauf gebissen hatte blutete sogleich ein wenig. /Verfluchter Dreckskerl, schimpfte er in Gedanken und sah nun wieder diesen Abschaum an, der ihn fest hielt. Innerlich zuckte er zusammen, nach außen hin schaffte es Kai jedoch Haltung zu bewahren. Boshafte, Vernarrte Augen starrten ihn an. Sie machten dem Blonden Angst. „SAG DAS DU MICH LIEBST", schrie der Mann nun zornig, legte beide Hände um den schmalen Hals des Blonden und drückte zu. Kai zappelte sogleich, riss an den fesseln. Er schrie, dass er ihn loslassen solle. „LOS SAG ES…", forderte der Mann ihn auf.
Der jüngere, brachte nicht einen Ton über die Lippen. Niemals würde er so etwas sagen. Niemals zu so einem Menschen und auch niemals würde er die Worte ‚Ich Liebe Dich' so leichtfertig gebrauchen. Er schnappte nach Luft, Luft welche er nicht bekam. Riss und zerrte erneut an den Fesseln. Tränen stiegen ihm in die Augen, der Mann ließ nicht ab von ihm. Seine Sinne begannen zu schwinden. Das eben noch helle gelbe Licht wurde langsam orange, dann braun und kurz darauf, war alles schwarz und Kai verlor das Bewusstsein.
„Du wirst es schon noch sagen mein Geliebter, ich weiß, dass du es mir sagen wirst, ich weiß es…", der Mann ließ von ihm ab. Löste die Fesseln an Armen und Beinen, stand auf und ging zu einer Kommode, welche auf der anderen Seite des Zimmers stand. In einer Schublade, griff er nach einem Lederband mit einer Öse sowie einem kleinen Eisenschloss.
Schnellen Schrittes, aus Angst Kai könnte zu sich kommen und weglaufen ging er wieder zu dem Blonden zurück.
Er legte ihm das Lederband um den Hals, verriegelte es mit dem Schloss und steckte gleich den Schlüssel in seine Hosentasche. Eine Stahlkette hing an der Wand hinab, er griff danach und verband, dass Lederband mit der Kette. /Schließlich musst du bei mir bleiben, mein Schatz, dachte er zufrieden. Mit dem Zeigefinger strich er die Konturen von Kais Lippen und stahl sich einen Kuss. Danach stand dann auf ging zur Tür. Ein letztes mal blickte er zu Kai, bevor er das Licht löschte und den Raum verließ.
Die ersten Sonnenstrahlen trafen auf die kühle Erde, als Masa durchgefroren das Büro betrat. Die ganze Nacht hatte er zusammen mit Kyosuke und einigen anderen Leute des Clans die Gegend abgesucht. Ohne Erfolg.
„Hey, wir werden ihn finden", Kyosuke legte seinem Freund eine Hand auf die Schulter und versuchte ihn ein wenig zu beruhigen. „Lass mich…", Masa löste sich aus dem gut gemeinten griff und verschwand schnell in seinem Arbeitszimmer.
Kyosuke sah ihm nach und seufzte schwer. Ihm war schon lange klar, dass Masa mehr für den Jungen Herrn empfand und dies mit allen Mitteln versuchte zu unterdrücken. Aber irgendwann, Kyosuke war sich da mehr als sicher, würde es hervortreten. /Und das wird bald sein…egal wer den jungen Herrn entführt hat, in dessen Haut möchte ich nicht stecken/.
Masa stand vor dem breiten Bodennahen Fenster in seinem Büro und sah hinaus. Er hoffte, dass der blonde Mann in seinem Blickwinkel auftauchen würde. Auch wenn er wusste, dass dies wohl unmöglich war, so wagte er sich nicht den Blick abzuwenden.
/Wenn du ihm was antust, dann kannst du was erleben…, dachte Masa sauer. Wütend ballte Masa seine Hände zu Fäusten. Alleine Kai entführt zu haben, es gewagt zu haben, den blonden Mann auch nur anzufassen, bedeutet dessen sicheres Ende. Vorausgesetzt sie würden ihn finden.
Die Kälte kroch in Kais Glieder und ließ ihn unsanft erwachen. Wieder war um ihn herum alles dunkel. Sein Hals schmerzte, sein Rücken schmerzte, alles tat ihm weh. Benommen wagte er es, sich aufzurichten. Im ersten Moment wunderte er sich, dass seine Hände und Füße nicht mehr gefesselt waren, aber das etwas um seinen Hals lag, um die Stelle wo dieser widerwärtige Kerl seine Hände hatte, spürte er sofort. Zittrig fuhr er mit den Fingerspitzen über das Lederband, spürte das schloss mit welchem es um seinen Hals versiegelt war und auch die Kette. /Nein…, dachte er leicht panisch, richtete sich auf und fuhr mit den Fingern die Kette entlang, in der Hoffnung das diese irgendwo lose endete. Zu seiner Enttäuschung, fühlte er die Fassung in der Wand. /Ich will hier raus…/.
Die Dunkelheit machte ihm Angst. Mit aller Kraft versuchte er etwas erkennen zu können, doch nichts, alles war schwarz. Nirgends auch nur ein kleines Loch ein kleiner Spalt wo man hätte etwas Licht entdecken können. War es Tag? War es Nacht? Kai wusste es nicht, seit er hier war hatte er jegliches Zeitgefühl dank seiner Ohnmacht verloren. Ob ihn jemand suchte? Ob Masa ihn suchte?
Tränen bildeten sich bei dem Gedanken an Masa. Warum dachte er gerade jetzt so intensiv an den Yakuza. Es war doch alles geklärt bei ihnen, zumindest in Masas Sinne. /Ich will in deine Sicheren Arme…., bettelte der Blondschopf in Gedanken und ließ seinen Tränen freien lauf. /Bitte Masa…hol mich hier raus…bitte…lass mich in deine Arme…lass mich wissen das alles gut ist…./.
Die Tür wurde aufgerissen und knallte Laut gegen die Wand. Kai zuckte erschrocken zusammen und blickte in diese Richtung. Das Licht ging an, sodass der Blonde einen Moment die Hände vor die Augen schlug. „Oh schön du bist wach, hast du gut geschlafen mein Engel…".
Kai widerten diese Worte an, er rieb sich die Tränen aus den Augen und blickte den Mann, welcher immer noch in der Tür stand zornig an! „Was denn was denn….keinen schönen Traum gehabt mein Schatz…" der Mann grinste frech und drehte sich um. Er griff nach einem Tablett und stellte es nun zwei Meter vor Kais Bett. „Du hast sicher Hunger, habe ich Recht?" Der blonde Mann antwortete nicht, sondern blickte zu Boden. „Du hast sicher Hunger, HAB ICH RECHT?" Boshaft erklang die Stimme des Fremden mit den gleichen Worten und Kai schüttelte schnell den Kopf. Natürlich hatte er Hunger, aber DAS würde er nicht anrühren. Erstens sah es abartig aus und zweitens konnte der Kerl ihm wer weiß was da untergemischt haben.
Das Kai ihm immer noch keine Antwort gab, machte ihn sauer, stinksauer. Er trat auf den Blonden zu, packte ihm fest mit einer Hand in den Haaren und zwang ihn somit ihm in die Augen zu blicken. „Hat es dir die Stimme verschlagen?" Schrie er sauer. /Nein du Arschloch…, dachte Kai ebenso sauer und ängstlich zugleich. „Red schon…" befahl der Mann, ohne Erfolg. „Gut…dann eben nicht…", grob stieß er Kai in die Ecke des Bettes, stand auf und trat kräftig gegen das Tablett auf dem Boden. Das essen, sowie das große Glas mit dem Trinken, verteilte sich quer über dem Boden. „Viel Spaß beim ablecken…", mit diesem Worten verschwand der Mann, aber nicht ohne wieder das Licht auszuschalten.
Einen Moment lang herrschte Totenstille in dem dunklen Raum. Bis Kai leise anfing zu wimmern. Wieder diese Dunkelheit. Immer mehr bekam er davor Angst. Er zog die Beine eng an seinen Körper und ließ den Kopf auf seine Knie sinken. „Masa…hol mich hier raus…bittee…", wimmerte er leise vor sich her.
