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„Du hast dich verändert." sagte er. Sie hatten gemeinsam den Tisch gedeckt und nun saßen sie bei einem einfachen, aber für sie beide köstlichen Frühstück. Miranda nahm von ihrem Brot einen Bissen und starrte ihn an.
„Ich bin erwachsen geworden. Ich bin nicht mehr das kleine dumme Mädchen, dass den Rebellen der Schule liebt, ohne zu wissen, was in ihm vorgeht." Überrascht hörte er ihr zu.
„Mit dieser Antwort hast du nicht gerechnet, nehme ich an? Ich habe über unser Gespräch von gestern nachgedacht und was ich getan habe. Ich bin nicht stolz auf mich." fuhr sie zerknirscht fort.
Er hörte ihr zu. Sein Gesicht wurde ausdruckslos, doch Miranda wusste, dass es das immer war, wenn ihn etwas sehr berührte und so konnte er verhindern, dass es jemand merkte. Kurz überschattete Traurigkeit ihr Gemüt, wie schlimm musste sein Leben verlaufen sein, dass er einen solchen Schutz nötig hatte?
Schnell schob sie den Gedanken zur Seite, versuchte an schöne Dinge zu denken, immer wenn ihre Emotionen am stärksten waren, senkten sie sich wie ein Tuch über ihre Umgebung, dass war der Grund, warum sie in der Schule so wenige Freunde fand, die meisten litten unter ihrer Gabe und nannten sie einen Fluch. Severus fand ihre Fähigkeit toll, er war ganz fasziniert davon.
„Warum bist du eigentlich jetzt zurückgekommen?"
Sie lehnte sich zurück und sah ihn nicht an. Die Antwort würde ihm wahrscheinlich nicht gefallen. Hatte sie sowenig, eigentlich gar nichts mit ihm zu tun.
„Dumbeldore verlangte nach Sphinxen. Sie werden für das Trimagische Turnier gebraucht. Ich habe sie aus Afrika hergebracht."
Severus sah sie nicht an, sondern fuhr mit der Handfläche die Tischkante entlang.
„Du wolltest mich nicht sehen." stellte er trocken fest.
„Nein."
„Und auf der Wiese?"
„Ich habe dich gesehen………..ich …..auf einmal war alles wieder da. Die Gefühle…ich musste dich sehen, deine Stimme hören. Ich war bereits auf dem Rückweg und ich weiß eigentlich gar nicht warum ich noch einmal über die Schule flog. Und dann standst plötzlich du da." Hier unterbrach sie sich.
„Was hattest du da eigentlich vor? Wolltest du dich mit Harry duellieren?" fragend sah sie ihn an.
Severus sah kurz auf und dann gleich wieder auf seine Hand.
„Das war nichts, nur ein Missverständnis." wiegelte er ab. Er wollte nicht zugeben, dass Harry ihn bis zur Weißglut gereizt hatte und er, ausgerechnet er beinahe die Beherrschung verloren hätte.
Sollte sie nachfragen, die Sache auf sich beruhen lassen, obwohl sie genau wusste, dass er ihr auswich! Vorerst wollte sie ihn damit so durch kommen lassen.
„Was unterrichtest du eigentlich?" fragte sie unbefangen.
„Zaubertränke" erwiderte er kurz angebunden.
Miranda runzelte die Stirn. Sie hätte gedacht, dass Verteidigung gegen die dunklen Künste eher sein Fach war.
„Und wie lange machst du das schon?"
„13 Jahre" Severus lehnte sich zurück, verschränkte die Arme vor der Brust und sah sie aufmerksam an.
„Macht es Spaß?"
Severus verdrehte die Augen.
Wie konnte es Spaß machen lauter unfähige, unaufmerksame, neunmalkluge Kinder zu unterrichten? Selten war ein Schüler mit wirklichem Talent dabei.
„Nein!"
Miranda fing zu kichern an, jede andere Antwort hätte sie überrascht, so gut kannte sie ihn.
„Warum machst du dann nichts anderes?"
„Ich habe meine Gründe." antwortete er verschlossen und wich ihrem Blick aus.
Nun verdrehte sie die Augen.
„Was kann das sein? Du magst deinen Job nicht, such dir was anderes. Ganz einfach." erwiderte sie und zuckte mit den Schultern.
„Das verstehst du nicht, wie denn auch du warst die letzten - wie viele waren es noch mal - ah ja, 16 Jahre, nicht hier!" sagte er bissig und erhob sich.
Mit einem gemurmelten: „Ich brauche frische Luft." rauschte er davon.
Doch ehe er die Tür hinter sich zuschlagen konnte, verirrte sich ein kleiner Falter in den Raum und löste bei ihr eine Erinnerung aus.
Die Stunde war gerade zu Ende und aus allen Klassen stürmten die Schüler. Miranda bog gerade um die Ecke, als sie jemand plötzlich bei der Hand schnappte und mit sich zog. Severus schleifte sie die Stufen hinauf in den siebten Stock neben dem Wandbehang mit den tanzenden Trollen.
„Ich muss dir etwas zeigen!" rief er ganz aufgeregt.
Obwohl Miranda kaum noch Luft bekam und ihr die Seiten stachen, musste sie dennoch schmunzeln. So begeistert erlebte sie ihn selten. Aufgeregt lief er davor auf und ab und murmelte unverständliches vor sich hin. Und plötzlich war aus dem nichts eine Tür da.
Erfreut lächelte er. „Komm mit!" forderte er sie auf und streckte seine Hand nach ihr aus. Vertrauensvoll legte sie die ihre in die seine. Er öffnete die Tür und sie traten ein.
Der Raum dahinter war sehr dunkel, düster, nur von einzelnen Kerzen erhellt. Am Rand waren einzelne Statuen von Hexen und Zauberern zu erkennen, ansonsten war der Raum leer.
„Was ist das?" fragte sie erstaunt, löste sich von ihm und trat in die Mitte des großen Raums.
„Das ist der Raum der Wünsche! Ich habe ihn zufällig entdeckt."
„Als ich wieder einmal vor James und Sirius geflohen bin." , dachte er verbittert, ließ sich davon aber nichts anmerken.
„Hier findet uns niemand. Es können nur ganz wenige sein, die davon wissen!" erzählte er triumphierend. Miranda wirbelte im Kreis und lachte. Seit jenem Tag auf der Wiese war Severus sehr vorsichtig geworden.
Er wollte verhindern, wie er sagte, dass auch sie zum Gespött von James und Sirius wurde. Außer ein paar heimlichen Küssen in verborgenen Nischen, in die er sie manchmal gezerrt hatte, sahen sie sich nur mehr im Unterricht.
Sie fand zwar, dass er es mit seiner Vorsicht ein bisschen übertrieb, aber er war in mancher Hinsicht schon fast zwanghaft zu nennen.
„Und diesen Raum kennt niemand? Hier kann man alles Mögliche tun und keiner würde es merken!"
„Genau!" nickte er eifrig.
Severus lief durch den Raum und war hocherfreut über seinen Fund. Nicht einmal Potter und Black kannten den und die steckten unnötigerweise ihre Nase überall rein.
„Sieh nur! Das sind berühmte Magier!" und zeigte auf die Statuen. „Und hier…." er zog aus einer Ecke eine alte Truhe hervor und öffnete sie. „Das sind alles alte Bücher von ehemaligen Schülern die sie hier versteckt haben."
„Warum versteckt hier jemand Bücher?"
Severus warf ihr einen seltsamen Blick zu.
„Weil sie verboten sind!"
Er schloss die Truhe und setzte sich darauf. Er neigte den Kopf leicht auf die Seite und betrachtete sie, sah sie einfach nur an. In der Unterrichtsstunde wagte er es nicht sie zulange anzusehen, außerhalb des Unterrichts vermied er es sich mit ihr zu treffen und da sie aus verschiedenen Häusern kamen, er Slytherin und sie Ravenclaw, sahen sie sich kaum mehr.
Nur ganz wenige Augenblicke gehörten ihnen, wenn es ihm unbemerkt von allen anderen gelang, sie in eine dunkle Nische zu ziehen und zu küssen. Seit er sie zum ersten Mal geküsst hatte, konnte er gar nicht mehr genug davon bekommen.
Unwillkürlich starrte er ihr auf den Mund und räusperte sich.
Miranda wurde unter seinem Blick zunehmend nervöser. Sie waren ganz alleine. Keine anderen Schüler und keine Lehrer.
Langsam stand er auf und ging auf sie zu.
Nervös fuhr sie sich mit den Fingern durchs Haar und spielte mit einer Strähne. Als er schon ganz nah war, hielt sie unbewusst die Luft an.
Unbeholfen streckte er die Hand nach ihr aus, umfasste ihre Schulter beinahe grob und zog sie an seine Brust. Sie stand da und blickte stur auf seinen Hals, auf das kleine Grübchen, wagte kaum zu Atmen und wusste nicht was sie tun sollte. Severus zog sich ein Stück zurück, beugte sich herab und presste wild seinen Mund auf ihren.
Miranda erschrak über diesen Angriff und wollte ihn von sich stoßen, doch auf einmal wurde sein Kuss sanft, seine Lippen weich und erforschten zärtlich ihren Mund, baten um Einlass, der ihm nur zu willig gewährt wurde. Seufzend schlang sie die Arme um ihn und zog ihn fest an sich.
Miranda schloss die Augen und ließ sich von ihren Gefühlen tragen. Immer und immer wieder presste er seinen Mund auf den ihren und küsste sie als könnte er nie genug davon bekommen und so war es auch. Unvermittelt ließ er sie los. Schelmisch lächelte er sie an und gab ihr einen Schubs.
Die Augen vor Entsetzten aufgerissen und einen stummen Schrei auf den Lippen stürzte sie nach hinten, ins Bodenlose. Gleich würde sie auf dem harten Steinboden aufschlagen und sich was brechen oder noch schlimmer.
Doch weiche Kissen fingen sie auf und schlossen sie in eine schützende Umarmung. Lachend ließ er sich neben sie in die Kissen fallen. Sie schlug wütend mit beiden Fäusten auf ihn ein. Er hatte ihr Angst gemacht und nun lachte er sie auch noch aus. Wie konnte er das nur wagen!
„Genug!" rief er immer noch lachend. Er fasste nach ihren Händen und zog sie an seine Lippen. „Es tut mir leid." murmelte er und warf ihr einen geknickten Blick zu, dabei blitzte es amüsiert aus seinen schwarzen Augen.
„Du bist ein Blödmann und das ist nicht lustig! Lass mich los, ich gehe!"
Nun wurde er wieder ernst.
„Es tut mir leid, ganz ehrlich. Ich hab doch nur Spaß gemacht." Nun war er wirklich geknickt.
Etwas beruhigt setzte sie sich auf und sah die vielen großen weichen Kissen um sich an.
„Woher sind die auf einmal gekommen?" fragte sie erstaunt.
„Du bist im Raum der Wünsche. Wünsch die was und es wird wirklich." Er lehnte sich zurück und verschränkte die Arme im Nacken.
„Sieh!" sagte er und deutete mit einem leichten Wink seiner Hand nach oben.
Sie ließ sich zurück sinken und sah hoch. Die vorher leere Decke war mit Abermillionen Schmetterlingen übersäht. Es war als würden sie die Decke in einer Farbenpracht explodieren.
„Wunderschön." hauchte Miranda. Um Severus Lippen spielte ein Lächeln, er hat gewusst, dass ihr das gefallen würde. Seine Hand suchte die ihrige und ihre Finger flochten sich ineinander. Mit der anderen deutete er nach oben.
„Sieh!"
Einer der Schmetterlinge löste sich von den anderen und schwebte schwerelos nach unten. Sanft setzte er sich auf ihre ausgestreckte Hand.
„Das ist zauberhaft!" rief sie verzückt.
Ein leichter Wink seiner Hand genügte und aus dem Schmetterling wurde einer duftenden Blume. Gerührt sog sie ihren Duft ein.
„Du kannst so tolle Sachen zaubern und doch vergeudest du dein Talent um dir immer neue gemeine Flüche auszudenken." tadelte sie ihn unbewusst.
Alle Schmetterlinge verschwanden, zurück blieb eine leere Decke und die Blume in ihrer Hand.
„Du verstehst das nicht!" murmelte er ärgerlich.
„Nein das tue ich nicht! Ständig streitest du dich mit den anderen und wenn sie nicht gemein zu dir sind, bist du es zu ihnen. Und deswegen können wir uns nicht öffentlich zeigen, wie du sagst oder hat das einen anderen Grund? Ist es dir peinlich dich mit mir sehen zu lassen?"
Erschrocken setzte er sich auf und sah auf sie herab.
„Natürlich nicht! Wie kommst du nur auf so einen Blödsinn!" fragte er wütend.
„Ach vergiss es! Ich verschwinde!" grummelte er und erhob sich aus den Kissen.
„Nein, warte! Es tut mir leid. Lass uns nicht streiten. Bitte." , flehte sie, und versuchte ihn am Handgelenk zu sich zu ziehen.
„Gut und was tun wir stattdessen." knurrte er. Er war immer noch sauer auf sie. Sie konnte auch nie zufrieden sein!
Plötzlich verlor er das Gleichgewicht und fiel auf sie.
Sie sah ihn eine Sekunde verdutzt an und brach dann in schallendes Gelächter aus. Ohne es zu wollen fing auch er an zu lachen. Sie lachte bis ihr die Tränen über das Gesicht liefen und sie keine Luft mehr bekam. Mit einem schelmischen Lächeln sah sie zu ihm auf und sah in seine schwarzen Augen.
Konnte es sein das sie noch dunkler waren als sonst? Dachte sie noch, doch dann war ihr Gehirn auf einmal wie leergefegt. Severus sah sie intensiv an.
War sie immer schon so schön gewesen oder wurde sie in seinen Augen immer schöner?
Fast wie unter einem Zwang neigte er den Kopf und verschloss ihren Mund mit einem nicht enden wollenden Kuss. Wie sehr er sie liebte.
Sie schlang die Arme um seinen Nacken und zog ihn an sich. Vergessen war der dumme Streit. Severus rollte sich zur Seite und zog sie mit sich. Zärtlich strich er ihr das Haar aus dem Gesicht.
„Du bist so schön." flüsterte er ehrfürchtig.
„Bin ich gar nicht." murmelte sie ungläubig und sah verlegen zur Seite.
„Bist du wohl und wer etwas anderes sagt, der lügt!" erwiderte er leidenschaftlich.
Miranda erhob sich und öffnete für den kleinen Falter die Tür einen Spalt. Sie sah ihm zu wie er hinaus in die Freiheit entschwand. Anschließend widmete sie sich dem Frühstückstisch, mit einem Schwenk ihres Zauberstabes verschwanden Teller und Tassen, wuschen sich im kleinen Becken von selbst ab und stellten sich zum Trocknen zur Seite.
Jetzt blieb nur mehr das Bett, das in Ordnung gebracht werden musste, doch das wollte sie nicht mit Magie tun, sondern mit ihren Händen. Sie schüttelte die Decke auf und strich sie glatt, dann nahm sie eins der Kissen in die Hand und drückte ihre Nase darauf, es roch nach ihm, unverkennbar.
Nach so vielen Jahren waren sie wieder zusammen, irgendwie. Nur diesmal wollte sie ihr Glück festhalten und nicht mehr aus einer Laune heraus verlieren.
Ich wünsche mir, dass alles wieder so wie früher und besser wird.
Sie legte das Kissen zurück und strich es auch glatt, mit dem anderen tat sie dasselbe.
Severus tigerte ruhelos auf der Insel herum. Viele Gedanken schossen ihm durch den Kopf.
„Kann ich sie sprechen, Professor Dumbledore?" fragte Snape vorsichtig. Er war hierher gekommen, um seinen Herrn zu verraten. Er wollte mit einem Mörder nichts zu tun haben. Ihm graute vor sich selbst und vor dem was er getan hatte.
„Warum sollte ich dich anhören? Du dienst Lord Voldemort. Was hättest du mir schon zu sagen?"
Snape atmete tief durch. Hier stand er nun in Dumbledores Büro in Hogwarts, bereit Verrat zu begehen. War es falsch? War es richtig? In ihm rasten die Gedanken. Er brauchte Hilfe. Er musste es riskieren, es ging um Lily, sie würde sterben und nur wegen dieser verwünschten Prophezeiung, die er das Unglück mitanzuhören gehabt hatte.
„Es geht um die Potters! Sie sind in großer Gefahr. Der dunkle Lord will sie töten und auch das Kind! Es gibt nur einen der ihn aufhalten kann!"
Überrascht blickte Dumbledore ihn an. Snape verriet Voldemort und bat ihn um Hilfe.
„Warum sollte ich dir glauben? Vielleicht ist das ein Trick?" Dumbledore war nicht breit blind in Tom Riddels Falle zu tappen, nur weil er einen seiner Schergen ausgeschickt hatte, der sich als Verräter ausgab.
„Bitte, es ist wahr. Er wird sie töten!" vor Verzweiflung liefen ihm Tränen über das Gesicht.
„ Im Eberkopf habe ich die Prophezeiung gehört und sie ….."
„sie Lord Voldemort überbracht." vollendete Dumbledore den Satz.
Stumm nickte Severus. Er war von seinen inneren Qualen gezeichnet.
„Ich ahnte nicht, was ich damit angerichtet habe. Ich hätte nie…" wieder brach er ab.
„Ich tue alles, aber bitte, bitte helfen sie mir." flehte Severus.
Dumbledore begann ihm zu glauben, er kannte ihn noch als Schüler. In der Schule war er immer ein Außenseiter, die anderen Kinder mochten ihn nicht, aber er war auch ehrlich gewesen.
Er legte Severus die Hand auf die Schulter, damit sich dieser beruhigte.
„Erzähl mir alles." forderte er ihn ruhig auf.
„Nach dem ich den Eberkopf verließ, begab ich mich schnurstracks zum dunklen Lord und erzählte ihm was Trelawney gesagt hatte. Ein Junge der im Juli geboren war, würde ihn vernichten. Es gab nur zwei Jungen auf die das zutraf – Longbottom und Potter. Er hat sich für die Potters entschieden und deren Geheimniswahrer hat sie verraten. Er weiß wo er sie findet und ist auf dem Weg zu ihnen!"
Nun war es Dumbledore der entsetzt aufsprang. „Es muss sofort gehandelt werden! Holt mir Minerva!" rief er zu den Gemälden.
„Rasch, es gilt keine Zeit zu verlieren!"
Doch sie kamen zu spät. Lily war tot. Severus ballte die Hände zu Fäusten. Dumbledore kehrte in jener Nacht sehr spät zurück. Voldemorts Macht war gebrochen. Er musste Dumbledore versprechen immer über Harry zu wachen, damit ihm kein Leid geschähe. Innerlich Taub vor Schmerz gab er das Versprechen. Lily war tot. Er hatte sie verraten. Es war seine Schuld.
Severus schüttelte den Kopf und versuchte so die Erinnerungen abzuschütteln, auch wenn sie jetzt verschwanden, so würden sie bald zurückkehren und ihn erneut quälen. Das taten sie schon seit beinahe 12 Jahren und er hatte es verdient.
Unentschlossen sah er über die Schulter zurück zur Hütte. Am liebsten wäre er geflohen, es war zu spät. Miranda würde das bald erkennen. Die Euphorie von gestern, der letzten Stunden wich tiefster Niedergeschlagenheit. Auch wenn er wollte, so konnte er nicht bleiben, er hatte es versprochen und er hielt seine Versprechen. Er musste zurück nach Hogwarts.
Die Gerüchte von Voldemorts Rückkehr wollten nicht verstummen und selbst Dumbeldore rechnete damit. Er war an Hogwarts und an Dumbledore gebunden. Er konnte sich davon nicht lossagen und mitnehmen konnte er sie auch nicht. Für Miranda war kein Platz dort. Wenn eine Tätowierung ausreichte um sie in die Flucht zu schlagen, was würde geschähen, wenn sie mit den Schrecken die sich seit Harrys Schulbeginn zugetragen hatten, bei ihr auslösen. Auch wollte er sie nicht in Gefahr wissen.
Es wäre dumm zu glauben, dass alles nach einer gemeinsamen Nacht und ein paar Gesprächen wieder so wie früher sein könnte. Er hatte sich verändert, war ein anderer geworden und sie genauso. War es nicht leichtsinnig anzunehmen, dass mit einer Entschuldigung und einem aufklärenden Gespräche, wieder alles im Lot wäre und sie so tun könnten, als wäre nichts gewesen? Er konnte das nicht, ständig verfolgten ihn die Erinnerungen. Nicht nur an ihren Verrat an ihrer Liebe, sondern auch sein eigener Verrat an so viele.
Er würde zu ihr gehen, ihr sagen, dass es vorbei war und dann vielleicht ein paar Tage in seinem Haus verbringen. Es wäre das klügste so. In was für eine Idee hatten sie sich nur verrannt, dass sie annahmen es könnte aus ihnen noch einmal etwas werden? Dafür war zuviel geschehen. Sie würde ihm, auch wenn sie jetzt nicht glaubte, auch nie vergeben können, was er getan hatte. Er konnte sich selbst nicht vergeben. Entschlossen stand er auf und ging zur Hütte zurück.
