5

„Da bist du ja wieder." begrüßte sie ihn mit einem Lächeln auf den Lippen, das verblasste sobald ihr Blick auf ihn fiel. Irgendwas hatte sich verändert. Er war wieder der Severus, der hier auf der Insel angekommen war, den sie auf der Wiese vor der Schule getroffen hatte.

„Was ist los?" fragte sie vorsichtig.

Severus wich ihrem Blick aus. Am Besten tat er, was getan werden musste und ging.

„Das gestern, das war ein Fehler. Ich habe mich von Gefühlen, die eigentlich nicht mehr sind, hinreißen lassen. Ich werde die Insel unverzüglich verlassen. Es tut mir leid."

Sie sah ihn mit großen Augen verständnislos an.

Ein Fehler? Er liebt mich nicht mehr?

Tiefe Furcht breitete sich in ihr aus und ohne dass sie es verhindern konnte, spürte er sie auch.

„Ein Fehler?" zittrig kamen diese Worte über ihre Lippen.

Severus fühlte wie sich ein großer Klumpen an der Stelle wo sein Herz sein sollte bildete.

Er räusperte sich und verschränkte die Arme vor der Brust, nur so konnte er den Wunsch sie in seine Arme zu ziehen unterdrücken. Was er jetzt gleich sagen würde, würde er vermutlich auch den Rest seines Lebens bereuen.

„Die Nacht mit dir war ganz nett und es hatte durchaus seinen Reiz in der Vergangenheit zu schwelgen, aber seien wir uns ehrlich es wird bereits langweilig." Den Mund abschätzend verzogen, sah er gelangweilt auf sie herab. Der Versuch keine Miene zu verziehen gelang ihm fast, aber nur fast.

In dem Moment in dem sie ihren Blick auf ihre Füße senkte, spiegelten sich alle Gefühle für sie in seinen Augen wider. Die letzte Nacht war das Paradies für ihn gewesen, aus dem er gerechterweise vertrieben wurde. Er würde diese Augenblicke, diese Stunden der Nähe und der Zärtlichkeit für immer in seinem Herzen bewahren.

Zaghaft hob er die Hand, wollte ihr über den Kopf streichen, doch dann ließ er sie schnell sinken. „Leb wohl!" Snape wandte sich von ihr ab und verließ, ohne einen Blick zurück zu werfen, mit großen Schritten die Hütte. Hinter sich konnte er ein leises Aufschluchzen hören.

„Severus." flüsterte sie kaum hörbar flehentlich.

Ihre Stimme schnitt ihm ins Herz, er wünschte er könnte bleiben, aber sie konnten die Vergangenheit nicht zurückholen, es war vorbei.

Er hatte den Punkt erreicht, von wo aus er aperieren konnte. Ein letztes Mal, nur einmal noch wollte er sie sehen. Sein Blick glitt zurück zu ihr, sah sie in der Tür stehen. Kreidebleich und unendlich traurig. Severus schloss die Augen und verschwand.

Er war am Fluss, seinem Fluss, unmittelbar vor seinem Haus. Er stieg den Abhang hinauf und zwischen den schäbigen Fabriken entlang, bis ans Ende der Strasse, dort öffnete sich nach einem leichten Wink mit seinem Zauberstab die Sicht auf ein ebenso schäbiges Haus. Müde ging er darauf zu und trat ein. Er war Zuhause. Severus blickte um sich und fühlte die Leere hier, umso mehr als er die Nähe und Lebendigkeit von Miranda nach so langer Zeit gespürt hatte.

Sie fehlte ihm. Er durchschritt das Wohnzimmer mit der schäbigen Couch und den alten Büchern an den Wänden und öffnete eine weitere Tür, wo ihn eine Treppe nach oben in sein Schlafzimmer brachte. Auch hier war das Mobiliar nur spartanisch vorhanden und schäbig, es bestand nur aus einem Bett, einem Schrank und einer Kommode. Diese war sein Ziel.

Er zog die letzte Schublade heraus und kramte dort solange bis er gefunden hatte was er suchte. Einen kleinen unscheinbaren Gegenstand. Eine kleine Dose an den Ecken abgenutzt, der Deckel ausgebleicht, wirkte sie wie das Haus, wie das Mobiliar, schäbig. Er klappte den Deckel auf und spöttisch funkelte ihn ein bleicher Mondstein an, gefasst in einem schmalen Silberreif. Der Ring den er Miranda an jenem Morgen geben wollte, begleitet mit der Bitte ihn, Severus, zu heiraten.

Spöttisch glänzte er in seiner ganzen Pracht. Energisch klappte er den Deckel zu und schleuderte den Ring zurück in die Schublade, mit einem Fußtritt schloss er sie. Dann warf er sich aufs Bett und starrte unzufrieden an die Decke. Er hatte richtig gehandelt, sagte er sich zum wiederholten Male. Warum fühlte er sich dann so mies, so schäbig? Schon gestern war ihm klar gewesen, dass er sie verlassen musste.

Warum bin ich geblieben? Um den Schmerz für sie und für mich größer zu machen?

Nein!

Weil sein Verlangen nach ihr so groß und mächtig war. Selbst als er hier auf seinem Bett lag, verlangte er nach ihr. Alleine der Gedanke an ihre kleinen Brüste, an die sanften Rundungen ihres Körpers, ihren flachen Bauch und den weichen Flaum der ihre Scham bedeckte brachten sein Blut in Wallung. Hitzig legte er einen Arm über seine Augen, um so die Bilder aus seinem Kopf zu vertreiben. Vor allem der letzte Blick auf sie, als sie ihm so verletzt hinterher geblickt hatte. Er fühlte sich wie ein Schuft.

Miranda ging, nachdem Severus verschwunden war, in die Knie und begann hemmungslos zu weinen. Es war vorbei. War es wirklich so dumm von ihr gewesen an eine neue Chance für sie beide zu glauben? Warum verschloss er sich nur so vor ihr? Sie machte ihm keine Vorwürfe, nur sich selbst. Warum hatte sie nur so lange gezögert? Wer weiß, vielleicht wenn sie schon viel früher gekommen wäre, wäre alles anders gewesen.

Heulend auf dem Fußboden liegend gab sie sich ihrem Leid hin, bis sie keine Tränen mehr zum Weinen hatte. Dann rollte sie auf den Rücken und blickte zur Decke empor.

Was sollte sie tun? Aufgeben und nach Hause zurückkehren? Das wäre das Vernünftigste. Vergiss ihn! Ihre Augen wanderten zum Bett. Vergiss die Nacht!

Langsam raffte sie sich auf. Energisch strich sie sich das weiße Haar aus dem Gesicht und schritt hinab zum Meer. Die Gischt peitschte gnadenlos an den Strand. Sie trat so weit nach vorne, dass das kalte Wasser ihre Knöchel umspülte. Miranda genoss die Kühle. Sie schloss die Augen und sah vor ihrem Geiste Severus. Schnell öffnete sie sie wieder. Was sollte sie tun?

Ich werde nach Hogwarts gehen und ich werde ihn suchen, dann werden ich ihm solange erklären, dass ich mich geändert habe und dass ich ihn liebe, dass alles wieder gut wird, bis er mir glaubt und mir noch eine Chance gibt.

Entschlossen streckte sie sich und ging zur Hütte. Energisch schloss sie die Tür, damit sie nicht mehr ihr gemeinsames Lager sehen musste. Sie berührte mit ihrem Zauberstab den vorstehenden Stein und die Hütte verschwand, zurück blieb eine steile Felswand. Miranda stieg hinab zur selben Stelle, von der aus Severus verschwunden war und aperierte nach Hogsmaed einem kleinen Dorf nahe bei Hogwarts. In das Schloss und heraus war das Aperieren unmöglich.

Eine magische Sperre zum Schutze der Schüler verhinderte das Eindringen oder das Verlassen des Schlosses. Von dort aus wanderte sie barfuss zum Schloss hoch. Sie trug nie Schuhe. Sie liebte es mit bloßen Füßen den Boden unter sich zu spüren. Sie genoss es den vertrauten Pfad zum Schloss zu gehen, weckte er doch alte Erinnerungen in ihr.

Vor dem Portal zum Schloss blieb sie stehen. Hier musste sie warten, bis jemand kam und sie abholte. Ihre Ankunft war sicher im Schloss längst bemerkt worden. Sie rechnete damit von Filch dem Hausmeister, einem alter Nörgler und todunglücklich darüber, dass das Foltern von Schülern abgeschafft worden war, abgeholt zu werden.

Doch Dumbledore selber kam ans Tor.

„Hallo Miranda, schön dich zu sehen." begrüßte er sie freundlich.

„Professor Dumbledore!" höflich neigte sie leicht ihren Kopf.

„Albus genügt." Er öffnete das Tor und ließ sie ein.

„Was führt dich zu uns? Ich hätte eigentlich gedacht du wärst woanders." fragte er vorsichtig.

Sein Zaubertrankmeister war noch nicht zurückgekehrt und er hätte es sehr gerne gesehen, wenn die zwei zusammen gewesen wären.

„Ich bin auf der Suche nach Severus!" sagte Miranda gerade heraus.

Überrascht sah Dumbledore sie an, ehe er das Tor schloss und magisch versiegelte.

„Severus ist nicht hier. Ich habe ihm frei gegeben. Um ehrlich zu sein, dachte ich er sei bei dir."

Mirandas Augen fühlten sich erneut mit Tränen, energisch drängte sie diese zurück.

„War er auch, aber dann….. Wo ist er?" flehend sah sie Dumbledore an.

„Ich muss ihn finden! Es ist wichtig."

„Komm erstmal mit. Ich kann mir schon denken wo er steckt." Behütend fasste er sie beim Arm und führte sie mit sich. Widerstandslos ging sie mit. Vor ihr erstreckten sich die Türme von Hogwarts die das Gebäude überragten. Sie schritten über den Weg auf das Tor zum Schloss zu. Keine Menschenseele war zu sehen. Alles war ruhig.

Die Schüler hatten noch Unterricht. Mirandas Blick fiel auf die peitschende Weide, wo Severus beinahe sein Leben verloren hätte. Mit Schaudern dachte sie daran. Severus hatte ihr nicht alles erzählt, was sich in jener Nacht zugetragen hatte, aber sie konnte es sich auch so denken.

James und Sirius hatten wie immer dahinter gesteckt, nur diesmal waren sie zu weit gegangen. Severus kehrte in jener Nacht kreidebleich und mit einer tödlichen Wut zurück. Sie wusste, dass er den anderen gefolgt war, er hatte es ihr gesagt und so hatte sie auf ihn gewartet. Sie konnte ihm nur ein paar Einzelheiten entlocken, doch das meiste verschwieg er.

Er war so stur, so bockig. Früher hatte sie das nicht gestört, doch jetzt trieb sie so ein Verhalten zur Weißglut. Sie spürte bereits wie die Wut in ihr hochstieg. Das was er auf der Insel gesagt hatte war lächerlich!

Dumbledore betrachtete die junge Frau an seiner Seite. Miranda war eine außergewöhnliche Frau und wunderschön. Er konnte Severus gut verstehen, dass er sie liebte. Von Alastoria mit der er regelmäßigen Briefkontakt pflegte, erfuhr er viel über Miranda. An einen Brief erinnerte er sich besonders.

Lieber Albus!

Wie geht es Dir, mein Freund? Bei uns entwickeln sich die Dinge gut, nein hervorragend ist das bessere Wort. Afrika ist herrlich um diese Jahreszeit und Miranda ist ein richtiger Glücksgriff. Sie liebt ihre Arbeit und die Sphinx und mit ihrer außergewöhnlichen Begabung passt sie gut hierher. Sie hat schnell gelernt und sie legt einen Eifer an den Tag, der schon fast erschreckend ist. Die Sphinxe beginnen sich endlich zu vermehren, was uns hier natürlich sehr freut. Doch eine Sache macht mir Sorgen.

Manchmal, wenn sie glaubt niemand bemerkt oder sieht es, fällt ein Schatten tiefer Traurigkeit über sie. Einmal habe ich versucht sie darauf anzusprechen, doch sie wich mir aus und ich bekam keine Antwort. Viele Verehrer buhlen um ihre Gunst, doch sie alle wurden von ihr abgewiesen, sofern sie ihr Werben überhaupt bemerkte. Ich kenne dich, du weißt bestimmt was in ihr vorgeht, wem ihr Herz gehört. Vielleicht kannst du ihr helfen. Ich kann sie nicht so traurig sehen, da muss man doch etwas tun können? Ich weiß nicht ob es richtig ist, dich darauf anzusprechen, da Miranda davon nichts weiß, aber ich bitte dich als mein Freund, mir zu helfen. Es wäre schön sie glücklich zu sehen. Sie ist so ein herzensgutes Ding. Ach du weißt doch sonst immer alles, kann man da gar nichts tun? …

Was hätte er ihr zurück schreiben sollen? Das Severus und Miranda in der Schule und eine zeitlang danach ein Paar gewesen waren und dann plötzlich nicht mehr, wahrscheinlich deshalb, weil Severus ein Anhänger Voldemorts war? Dazu fühlte er sich nicht berechtigt. Miranda und Severus hatten sich entschieden und diese Entscheidung musste man eben respektieren.

Dumbledore öffnete den Eingang und Miranda betrat zum ersten Mal, seit sie die Schule abgeschlossen hatte, Hogwarts wieder. Ein vertrautes Gefühl bemächtigte sich ihrer. Das Gebäude hatte sich kaum verändert und jeder Winkel, vor allem die dunklen Ecken waren mit schönen und weniger schönen Erinnerungen behaftet.

Dumbledore führte sie in sein Büro und deutete ihr sich zu setzten. Wie aus dem Nichts tauchte vor ihr eine Tasse Tee auf.

„Ich würde dich gerne um etwas bitten." begann er vorsichtig.

„Würdest du bis zum Ende des Turniers auf die Sphinxe achten?"

Miranda blickte auf ihre zitternden Hände. Was sollte sie antworten? Wäre es gut hier zu bleiben? Mit all den Erinnerungen und Snape in ihrer unmittelbaren Nähe, der beschlossen hatte, dass es keine zweite Chance für sie gab. Doch, die gab es! Verflucht sollte sie sein, wenn sie diese Chance nicht mit beiden Händen ergriff.

„Ja ich bleibe sehr gerne hier." antwortete sie mit einer Zuversicht die sie nicht fühlte.

Freudig nippte Dumbledore an seinem Tee und dachte daran, dass er noch eine Eule losschicken musste.

Was tat er noch hier? In seinem eigenen Haus fiel ihm die Decke auf den Kopf. Genauso gut konnte er arbeiten gehen. Er begann auf unerklärliche Weise geradezu schmerzhaft seinen Kerker zu vermissen. Das Labor mit all den vertrauten Gläsern, Fläschchen und diversen Phiolen waren ihm noch nie so verlockend erschienen.

Das plötzliche Flügelschlagen an seinem Fenster ließ ihn aufhorchen. Eine Eule schlug an sein Fenster. Schnell öffnete er es und nahm ihr den Brief ab. Hastig brach er das Siegel, er befürchtete Schlimmes. Unwillkürlich dachte er an Lord Voldemort.

Doch die Nachricht kam von Dumbledore, der ihn bat auf der Stelle zurück zu kommen. Snape zerknüllte die Nachricht in der Hand.

Mit Vergnügen!

Schon eilte er nach unten und verließ das Haus. Draußen versiegelte er das Haus und machte sich auf den Weg zum Fluss. Kaum dort aperierte er nach Hogsmead.

Er kam genau richtig zum Abendessen, doch als er die große Halle betrat wäre er beinahe zurück gewichen.

Ganz vorne, neben Dumbledore, saß Miranda und schwatzte mit dem Direktor. Seine Mine verfinsterte sich, wenn das nicht ein ausgemachtes Komplott war ihn zurück zu locken. Vergessen war, wie sehr er sich auf die Arbeit gefreut hatte, ja selbst auf den dümmsten Schüler.

Seine Miene verfinsterte sich. Düster wie ein Todesengel schritt er nach vorne, sein schwarzer Umhang wehte wie zwei Flügel um ihn. Ängstlich senkten die Kinder zu beiden Seiten den Blick, keiner wollte die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Snape war in seiner Wut unberechenbar. Endlich erreichte er den Lehrertisch und nahm nach einem kurzen Nicken zu Dumbledore und den anderen Platz. Miranda schenkte er keinerlei Beachtung. Unbekümmert begann er zu essen.

Mirandas Kopf war hochgeschnellt als er die Halle betreten hatte und nur mit eiserner Willenskraft gelang es ihr, den Blick von ihm abzuwenden und sich auf das Gespräch mit Dumbledore zu konzentrieren. Ihr war sehr wohl aufgefallen wie wütend er über ihre Anwesenheit war und sie bekam es zu spüren. Nervös rutschte sie auf ihrem Stuhl hin und her.

Vielleicht war es doch nicht so klug gewesen hier zu bleiben. Unauffällig beobachtete sie ihn aus dem Augenwinkel. Seine schlanken langen Finger umfassten die Gabel so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten. Dumbledore der ihren Aufruhr bemerkte, legte seine Hand beschwichtigend auf ihre. Dankbar lächelte sie ihn an, was ihr einen weiteren finsteren Blick von Severus bescherte.

„Hogwarts ist um diese Jahreszeit besonders schön, findest du nicht auch Severus?" fragte Dumbledore.

Severus der gerade seine Gabel zum Mund führen wollte, hielt in der Bewegung inne und runzelte verständnislos die Stirn. Was für eine abstruse Frage? Er hatte sich darüber noch nie Gedanken gemacht und er würde auch heute ganz sicher nicht damit beginnen.

„Wenn du meinst, Albus, wird es so sein." erwiderte er knapp und aß weiter.

Dumbledore verkniff sich ein Grinsen und zwinkerte Miranda aufmunternd zu.

Gib ihm Zeit, schien er ihr zu sagen.

Zweifelnd blickte sie zu Severus. Was wenn Zeit nicht genügt? Was ist wenn er mir nie vergeben konnte? Wenn es dafür schon zu spät war?

Tief atmete sie ein. Klammerte sich an das bisschen Hoffnung das noch in ihr schwelgte. Dachte an die zwei Tage die sie zusammen verbracht hatten. Da war so viel Gefühl gewesen, das konnte sie sich doch nicht alles nur eingebildet haben? Die Zweifel nagten an ihr und sie fühlte sich innerlich zerrissen.

„Severus wie dir sicher schon aufgefallen ist, haben wir einen Gast. Miranda kennst du ja, sie hat sich bereit erklärt bis zum Ende des Turniers bei uns zu bleiben und die Sphinxen betreuen."

Severus hob ruckartig seinen Kopf und dann fiel sein Blick kurz auf Miranda. Was für ein Spiel wurde hier gespielt? Seine Augen zogen sich finster zu schmalen Schlitzen zusammen. Ängstlich zuckte Miranda zusammen. Es war mehr als offensichtlich, dass er sich darüber nicht freute.

Für Miranda war ab da die Stimmung endgültig kaputt und sie sehnte das Ende dieses Essens sehnsüchtig herbei. Mühevoll zwang sie sich ein paar Bissen zu essen, sie wollte ihm nicht zeigen, wie sehr es sie verletzte, dass es so abweisend ihr gegenüber war.

Endlich erhob sich Dumbledore und erklärte das Abendessen für beendet. Schnell sprang Miranda auf die Füße, murmelte noch sie müsse nach den Sphinxen sehen und verließ hastig die Halle. Erst als sie draußen an der frischen Luft stand, hatte sie das Gefühl wieder frei atmen zu können.

Das Essen war eine Tortur, eine Qual gewesen, ohne es verhindern zu können sah sie immer wieder zu ihm, doch er sah gleichmütig und stoisch geradeaus. Für ihn war die Sache erledigt – vorbei. Fahrig strich sie sich ihr weißes Haar aus dem Gesicht. Sie trug wie immer dazu ein weißes Kleid.

Vor dem Essen war sie noch schnell bei sich zu Haus gewesen und hatte sich Kleidung zum Wechseln besorgt. Sie trug fast immer nur weiß, ihr hatte die Farbe schon immer sehr gut gefallen. Gemessen schritt sie hinüber zum verbotenen Wald, erst als sie außer Sichtweite des Schlosses war, raffte sie ihr Kleid zusammen und begann so schnell sie konnte zu laufen. Sie brauchte das um sich zu beruhigen.

Völlig außer Atem erreichte sie die Sphinxen. Drei dieser herrlichen Tier hatte sie nach Hogwarts gebracht. Sie schmiegte ihr Gesicht in das Fell des ersten Tieres und klammerte sich an ihm fest. So stand sie bis es vollkommen dunkel geworden war. Dann löste sie sich, strich über das Fell jedes Tiers und sprach flüsternd beruhigend auf sie ein. Wehmütig machte sie sich auf den Rückweg.

Vor dem Portal hielt sie inne und blickte an der Fassade hoch. Irgendwo dort drinnen war er und dachte ganz bestimmt nicht an sie. Miranda seufzte müde und ging hinein.

Morgen war auch noch ein Tag, dachte sie dabei.