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Miranda verstand die Welt nicht mehr. Severus diente nach wie vor dem dunklen Lord? Aber er arbeitet doch als Lehrer für Dumbledore. Was war er Lehrer, Todesser, beides?

Verwirrt streifte sie sich ihre Kleider über und ging statt zurück zum Schloss in den Wald zu den Sphinxen. Sie brauchte den freien Himmel über sich, sonst konnte sie nicht klar denken. Alles was sie über Severus in den letzten Stunden, Tagen erfahren hatte war so widersprüchlich, so kompliziert.

Einerseits bereute er so vieles, er trug soviel Schmerz in sich, das konnte sie sehen und spüren. Kaum aber leuchtete sein Mal am Arm, eilte er zu Lord Voldemort. Sie verstand es nicht. Sie erreichte den Waldrand und im Dunkel vermochte sie gerade noch die Sphinxen auszumachen.

Mit ihrer sanften Stimme rief sie sie zu sich. Vertrauensvoll kamen sie näher und Miranda strich dem ersten über das Fell, bevor sie sich auf seinen Rücken schwang. Auf ein Zeichen von ihr erhob sich der Sphinx in die Lüfte und sie spürte den Wind im Gesicht und fühlte sich frei.

Sie schloss die Augen und genoss die kühle Luft um sich. Sie wollte keine voreiligen Schlüsse ziehen, diesmal nicht. Zuerst würde sie sich Severus Geschichte anhören und dann entscheiden.

Kaum in Hogwarts zurück eilte er zu den Gemächern von Dumbledore. Er musste ihn sprechen, ihm vom Treffen mit Voldemort erzählen und in welcher Gefahr Miranda schwebte.

Zielstrebig durchschritt er die Halle und rannte fast die Treppe nach oben. Bei Dumbledors Büro angelangt, nannte er das Passwort, aber die Tür öffnete sich nicht. Verwirrt stieg er hinab in den Kerker, in sein Büro.

An Schlaf war jetzt nicht mehr zu denken. Warum hatte er seine Finger nicht von ihr lassen können? Keine 24 Stunden vorher hatte er sich von ihr getrennt und dann stand sie nackt vor ihm.

Er setzte sich an seinen Schreibtisch und stützte das Gesicht in seine Hände. Weil er sich nicht beherrschen konnte, brachte er sie in Gefahr. Der dunkle Lord wäre niemals auf sie aufmerksam geworden, wenn er, anstatt sie zu küssen, einfach gegangen wäre.

Severus fasst hinter sich ins Regal und zog eine Flasche heraus. Aus der Schreibtischlade zauberte er ein Glas.Großzügig goss er die bernsteinfärbige Flüssigkeit in das Glas, ein alter schottischer Whiskey den ihm Dumbledore geschenkt hatte. Severus prostete sich selber zu, ehe er das Glas in einem Zug leerte.

Severus blieb den Rest der Nacht wach, an Schlaf war sowieso nicht zu denken. Beim ersten Grau des Tages machte er sich erneut auf den Weg zu Dumbledores Büro. Dieses Mal hatte er Glück, Dumbeldore war da.

„Guten Morgen Severus. Was führt dich zu mir?" fragte Dumbledore und sah ihn an. Ihm fiel die unnatürliche Blässe und der gehetzte Blick Snapes auf.

„Setzt dich! Was ist passiert?"

Snape ließ sich dankbar in den Stuhl vor Dumbledores Schreibtisch fallen.

„Er fordert Miranda!" stieß er gepresst hervor.

„Verdammt! Er hat es also auch gefühlt?"

„Wieso „auch"?" fragte Snape. Er konnte Dumbledore nicht ganz folgen.

„Das tut nichts zur Sache.", wischte dieser Snapes Einwurf zur Seite.

„Was genau hat er gesagt?" verlangte Albus zu wissen.

„Er weiß nicht, noch nicht, dass es Miranda war die er fühlen, oder besser gesagt, deren Gefühle er fühlen konnte." erläuterte Snape mit knappen Worten.

„Dann ist sie noch nicht in Gefahr." Erleichterung durchströmte Dumbledore.

Snape sah dem Schulleiter ernst in die Augen, den Mund zusammen gepresst.

„Das war noch nicht alles, nehme ich an."

Verneinend schüttelte Severus seinen Kopf.

„Ich soll sie ihm bringen!" seine Stimme klang gefasst als er das sagte, aber der Sturm der in seinen Augen tobte sprach eine ganz andere Sprache.

„Severus beruhige dich. Du wirst sie nicht ausliefern, niemand wird sie ausliefern! Von nun an wird keiner mehr ihre Gefühle zu spüren bekommen, dafür habe ich noch letzte Nacht gesorgt." beschwichtige ihn Dumbledore.

„Ich werde nach ihr schicken. Sie muss wissen, dass sie eventuell in Gefahr schwebt." Dumbledore schickte einen Hauselfen los um Miranda zu holen.

„Hast du schon gefrühstückt? Ich lasse uns Tee kommen." Severus sagte nichts dazu, innerlich lechzte er nach Kaffee. Er war übermüdet und das letzte was er jetzt wollte war Tee.

Wie von Zauberhand erschien vor ihm eine Tasse mit starkem Kaffee. Verblüfft sah er Dumbledore an.

„Hast du geglaubt ich wüsste nichts von deiner Schwäche für Kaffee?" Dumbledore hätte der Gesichtausdruck von Severus zu einer anderen Zeit sicher amüsiert, nur heute war die Lage zu ernst dafür.

Ein leises Klopfen an der Tür, ließ beide den Blick zu dieser schweifen. Zaghaft trat Miranda ein.

„Guten Morgen Miranda! Komm herein und nimm Platz!" forderte Dumbledore sie freundlich auf.

Misstrauisch kam sie näher und setzte sich neben Severus. Fragend sah sie ihn an, aber er hatte sein Gesicht verschlossen und sagte kein Wort, also richtete sie ihren Blick wieder auf Dumbledore.

„Warum wolltest du mich sprechen?" fragte sie Albus gerade heraus.

„Severus war letzte Nacht bei Voldemort." Erstaunt sah sie Dumbledore an. Er wusste es und sprach ganz selbstverständlich darüber. Hier war einiges merkwürdig. Dumbledore konnte in ihrem Minenspiel lesen was sie dachte.

„Es ist nicht so wie du denkst." setzte Dumbledore an.

„Sowas ähnliches hat er…" damit deutete sie neben sich. „…gestern auch schon angedeutet. Erfahre ich jetzt wie es wirklich ist?" fragte sie leicht sarkastisch. Diese ewigen Andeutungen gingen ihr auf die Nerven.

„Severus arbeitet als Spion gegen Voldemort. Gestern rief er ihn zu sich, weil er dich spüren konnte. Er will dich und deine Fähigkeit." erklärte ihr Dumbledore rundheraus.

„Oh!" war alles was sie über ihre Lippen brachte.

Eine sanfte Röte überzog ihr Gesicht, als sie daran dachte, wodurch sie sich verraten hatte. Sie warf aus dem Augenwinkel einen Blick auf Severus, doch dieser saß nur mit versteinerter Miene da.

„Du solltest zurückgehen nach Afrika. Dort bist du in Sicherheit." presste Severus zwischen zusammengepressten Lippen hervor. Schmerzhaft krampfte sich ihr Herz zusammen. Er schickte sie wieder weg.

Kurz schloss sie ihre Augen, kämpfte mit sich. „Er wird mir nie vergeben.", schoss es ihr durch den Kopf.

Das habe ich bereits. Hallte es nach.

Warum schickst mich dann fort?

Damit du in Sicherheit bist. Hier kann ich dich nicht beschützen. Er will dass ich dich zu ihm bringe, aber das werde ich nicht tun. Vertrau mir!

Das tue ich!

Selbst in ihrem Kopf klang er bitter.

Laut sagte sie. „Er verlangt, dass du mich ihm übergibst?" hakte sie nach.

„Ja" sagte er nur knapp.

„Was passiert eigentlich wenn du es nicht tust?" Die Sache hatte einen Haken, so einfach war das nicht, wie er tat. Er sagte zwar er würde sie nicht ausliefern, aber was hatte das für einen Preis? Vor allem für ihn?

Severus und Dumbledore tauschten einen Blick, ehe sich Dumbledore an Miranda wandte.

„Es wird nichts passieren.", versuchte er die Angelegenheit zu verharmlosen.

Er hatte in Snapes Augen erkannt, dass dieser nicht wollte, dass Miranda die Wahrheit erfuhr. Nur war diese nicht so leicht zu täuschen, wie die beiden gedacht hatten.

„Was wenn doch? Was wäre die Strafe?" ließ sie nicht locker.

„Schwere Folter unter den verschiedenen Flüchen, bis hin zum Tod." antwortete diesmal Severus wieder ohne jegliche Emotion zu zeigen.

„Alles Klar! Und warum wurde er erst jetzt auf mich aufmerksam? Ich bin so von Geburt an."

Der Rest ist natürlich mehr als durchschnittlich. Dachte sie für sich den Satz weiter.

Sie war keine herausragende Hogwartsschülerin gewesen. In Zaubertränke wäre sie ohne Severus durchgefallen und in Verwandlung half ihr Lily. Das Fliegen und die magischen Geschöpfe, das war ihre Welt.

„Seine Sinne sind auf Hogwarts gerichtet, wegen Harry Potter. Er wusste nicht, dass es dich gibt, also suchte er auch nicht nach dir." erläuterte ihr Dumbledore.

„Darum wärest du in Afrika in Sicherheit….." fügte Severus noch hinzu.

„Jetzt nicht mehr!" unterbrach ihn Dumbledore. „Er weiß, dass es sie gibt und wird von nun an überall nach ihr suchen."

„Das könnte stimmen." meinte Severus ärgerlich.

„Ich bin auch noch hier! Könnten wir eventuell, aber nur wenn es möglich wäre, so miteinander sprechen, als wäre ich anwesend?" erhob Miranda wütend ihre Stimme.

Eine Weile diskutierten sie noch die verschiedenen Möglichkeiten durch, was das Beste für Miranda wäre und auch für Severus. Zum Schluss einigten sie sich darauf erst einmal alles so zu lassen wie es war.

Nur widerwillig fügte sich Severus dieser Entscheidung. Einverstanden war er damit nicht. Ohne ein weiters Wort, oder sich zu verabschieden erhob er sich und rauschte hinab in seinen Kerker.

Miranda verließ nach ein paar aufmunternden Worten Dumbledores ebenfalls sein Büro. Soviel stand für sie bereits fest, eher würde sie sterben, als dass sie es zuließe, dass irgendjemand und im besonderen Voldemort ihrem Severus Leid zufügte. In ihrem Kopf begann ein Plan zu reifen, der gefährlich aber nicht unmöglich war.

Den ganzen Vormittag widmete sie den Sphinxen, obwohl diese soviel Betreuung nicht nötig hatten. So war sie im Freien und konnte sich nach Lust und Laune in die Lüfte erheben, was sie wiederum von den störenden Gedanken und Gefühlen ablenkte.

Später am Nachmittag traf sie Harry, Hermine und Ron nahe der peitschenden Weide. Sie mochte diesen Baum nicht.

„Hallo Harry!" rief sie ihm freundlich zu, was dieser winkend erwiderte.

Plötzlich warf sich ein Schatten über sie und leicht erschrocken sah sie auf. Sie erblickte den wohl hässlichsten Mann, den sie je gesehen hatte. Mad-Eye-Moody. Sie hatte ihn bereits gestern beim Abendessen gesehen, aber noch kein Wort mit ihm gewechselt.

„Ah Miranda! Wir hatten noch keine Gelegenheit uns miteinander zu unterhalten.", sprach er sie freundlich an und verzog seinen Mund zu einem netten Lächeln. Freundlich erwiderte sie es.

„Nein hatten wir noch nicht, aber das könnten wir ganz schnell nachholen." meinte sie fröhlich.

„Erzählen sie von sich. Sie kommen aus Afrika? Waren aber was ich so mitbekommen habe Schülerin von Hogwarts." fragte Mad-Eye und ging neben ihr her.

„Das ist alles richtig. Nachdem ich Hogwarts verlassen habe, führte mich meine Berufswahl nach Afrika, wo ich das Glück habe die Sphinxe betreuen zu dürfen." erwiderte sie.

Mad-Eye beobachtete sie aufmerksam und so entging ihm nicht wie sich auf einmal ein Schatten über ihr Gesicht legte. Er folgte ihren Augen und sah nur noch wie Snape im Eingang zum Schloss verschwand.

Das ist interessant! Mad-Eyes Auge fixierte sie.

Neugierig geworden fragte er weiter nach.

„Sie scheinen fast so alt wie Snape zu sein, waren sie zur selben Zeit wie er an der Schule?"

Milde lächelte sie, sie wollte verhindern, dass er den Schmerz sah. Sie hatten zwar wieder mit einander geschlafen, aber näher gekommen waren sie sich deswegen nicht. Er hielt sie nach wie vor auf Distanz.

„Hm, ja. Das ist schon so lange her, das erscheint mir wie in einem anderen Leben." lachte sie gekünstelt.

Sie wollte nicht an die Schulzeit erinnert werden. Es reichte schon so, dass die meisten Orte hier mit Erinnerungen behaftet waren, denen sie nicht entfliehen konnte. Automatisch schweiften ihre Gedanken in die Ferne.

„Miranda, Miranda!" rief Severus laut hinter ihr her. Sie war gerade auf dem Weg zum See gewesen. Sie hatten ihre Abschlussprüfungen. Ihr war klar, dass sie gerade mal mit „Annehmbar" bestehen würde, aber Severus gab sich mit nichts weniger als mit einem „Ohnegleichen" zufrieden. Endlich hatte er sie eingeholt.

„Ich hab's geschafft, ich habe mein Ohnegleichen!" Mit stolz geschwellter Brust stand er vor ihr und zeigte sein so wunderbares, aber seltenes Lächeln. Sanft strich sie ihm mit der Hand übers Gesicht. Sie liebte ihn so sehr.

„Nichts anderes habe ich erwartet!" Sie freute sich mit ihm von ganzem Herzen. Zärtlich zog er sie an sich und küsste sie.

„Lass uns feiern! Der Unterricht ist vorbei und schon bald sind wir aus der Schule."

Sehnsüchtig sah er auf sie herab. Sie ahnte woran er dachte. Sie waren in ihrer Beziehung noch nicht den letzten Schritt gegangen.

„Miranda?" fragend sah Mad-Eye sie an. Sie hatte keine Ahnung wovon er gerade gesprochen hatte.

„Bitte entschuldigen sie mich. Ich …hab noch was zu erledigen." Mit diesen Worten drehte sie sich um und lief weg.

Ihr war die Lust an der Unterhaltung vergangen. Sie wollte nur ihre Ruhe haben, außerdem wollte sie noch vor dem Abendessen in den Kerker zu Severus gehen. Ihr Plan nahm immer mehr Gestalt an und dazu brauchte sie etwas von ihm.

Vorher machte sie noch einen Abstecher in die Bibliothek, sie brauchte ein paar Informationen. Als sie die hatte ging sie in ihre Kammer und machte sich ein bisschen zurecht, nur weil ihr der Wind die langen Haare verstrubbelt hatte und nicht weil sie für Severus hübsch aussehen wollte.

Gemächlich stieg sie hinab und je weiter sie nach unten kam um so heftiger begann ihr Herz zu schlagen. Sie war nervös. Unglaublich, nun kannte sie diesen Kerl schon so viele Jahre, zwar mit Unterbrechung, aber nichts desto Trotz eine halbe Ewigkeit und sie wurde immer noch wegen ihm nervös.

Als sie endlich vor seiner Tür stand, fühlte sie sich leicht atemlos. Zaghaft pochte sie an seine Tür. Wie gebannt starrte sie die Maserung des Holzes an, während sie darauf wartete, dass er zur Tür kam um diese zu öffnen, doch nichts geschah.

Leicht frustriert wollte sie schon gehen, da riss Severus schwungvoll die Tür auf. Sie sah ihn an und brachte kein Wort heraus.

Er stand da wie immer ganz in Schwarz, nur seine Haare waren leicht feucht. Er schien geradewegs aus dem Badezimmer gekommen zu sein. Fragend sah er auf sie herab, sagte kein Wort, verschränkte lediglich seine Arme und lehnte sich gegen den Türrahmen. Severus würde es ihr nicht leicht machen, sie war gekommen, darum sollte auch sie das erste Wort sagen.

Sag was! Sag irgendwas, steh nicht so rum! Los mach deinen Mund auf! Redete sie auf sich selbst ein.

Schließlich räusperte sie sich. „Hallo! Kann ich kurz reinkommen?" fragte sie mit leicht zitternder Stimme.

Sie fürchtete sich davor, dass er nicht reden wollte und sie einfach wegschicken würde. Sie hatte Angst vor einer weiteren Ablehnung. Severus sah sie noch einen Augenblick an, trat dann zur Seite und winkte sie herein.

Erst einmal drinnen, sah sie sich gründlich um. Sie wollte wissen, wie Severus lebte, mit was für Dingen er sich umgab. Die Einrichtung war typisch für ihn. Eher karg und praktisch.

Alle Wände, bis auf eine waren bis zur Decke mit Büchern voll gestopft. Nur die Seite mit dem Fenster hatte er freigelassen. Im Raum selber gab es nur einen Tisch und einen Stuhl. Gäste schien er nicht oft zu haben, oder auch nicht zu wollen.

Eine Tür seitlich führte in die anderen Räume. Sein Schlafzimmer. Dieser Gedanke ließ sie sanft erröten. Schnell dachte sie an etwas anderes.

Auf der anderen Seite des Zimmers entdeckte sie, was sie suchte. Einen kleinen Schrank, vollgefüllt mit den unterschiedlichsten Phiolen und Fläschchen. Alle waren sie befüllt und standen ordentlich in Reih und Glied. Was seine Arbeit betraf, so war Severus sehr penibel und achtete auf alles sehr genau, was für sie einen großen Vorteil hatte, würden doch alle Fläschchen exakt beschriftet sein. Das erleichterte ihre Suche nach dem Richtigen enorm.

„Du wolltest mit mir sprechen?" unterbrach er ihre Gedankengänge.

„Ähm ja. Hast du für mich etwas zu trinken?" fragte sie ihn und setzte sich auf den Stuhl.

„Ist Wasser in Ordnung?"

„Ja, danke!"

Severus seufzte, jetzt würde sie kommen die große Aussprache, nur hatte er so gar keine Antworten für sie. Dankbar über die kurze Gnadenfrist ging er in den Nebenraum um ihr ein Glas Wasser zu holen.

Kaum war hatte er den Raum verlassen, düste sie hinüber zum Schrank und durchwühlte ihn, äußerst vorsichtig, schließlich wollte sie verhindern, dass er gleich merkte, dass sich jemand daran zu schaffen gemacht hatte.

Endlich hielt sie in Händen, wonach sie gesucht hatte. Vor vielen Jahren hatte sie mit Severus für ihre Prüfung gelernt, unter anderem auch über Gifte und sie hatte die Zeit heute Nachmittag genutzt. Sie war in die Bibliothek gegangen und hatte verschiedene Zaubertränke-Bücher durchgesehen, bis sie das passende gefunden hatte.

Das was sie suchte war ein Trank der lähmte und wenn nicht in einem bestimmten Zeitraum das Gegengift gegeben wurde tötete- Midnight-Poison.

Nach kurzem Stöbern viel er ihr beinahe in die Hände. Schnell verbarg sie die kleine harmlos wirkende Flasche in den Falten ihres Kleides und setzte sich wieder auf den Stuhl, keine Sekunde zu spät. Severus kam mit einem Glas Wasser in der Hand zurück und stellte es vor sie hin.

Dankend nahm sie einen kleinen Schluck.

Schweigend betrachtete sie ihn

Wie wenig wir im Grund von einander wissen.

Einmal mehr drang dieser Gedanke in ihr Bewusstsein.

Wenn ich mir sein Leben, so wie es jetzt ist, betrachte, so ist er fast ein Fremder für mich. Severus hatte Recht, was auch nicht anders zu erwarten war, wie können nicht so tun, als hätte es die letzten Jahre nicht gegeben.

Traurig sah sie zu Boden.

„Vielleicht war es ein Fehler herzukommen. Ich sollte gehen." Miranda erhob sich und wandte sich zur Tür.

„Warte!" rief Severus und hielt sie am Arm fest. Fürchtete er zu Anfang die Aussprache, so bangte er jetzt mehr das sie nicht stattfand.

„Bitte bleib!"

„Nenn mir einen Grund." bat sie, den Blick nach wie vor gesenkt, sie konnte ihm nicht in die Augen sehen, wollte nicht das er den Schmerz sah.

„Wir sollten über unsere Beziehung reden…." setzte er an, doch sie fiel im schroff ins Wort.

„Welche Beziehung? Meinst du letzte Nacht? Du vermittelst mir das Gefühl, dass sich alles zwischen uns bloß auf eine Sache reduziert!" Sie hasste sich und sie hasste den verbitterten Ton in ihrer Stimme.

Sie war wie eine Furie. Krampfhaft bemühte sie sich, sich wieder zu beruhigen. Es kam bei ihr nur selten, wenn überhaupt vor das sie die Stimme hob. Sie war in ihrem Wesen sehr ausgeglichen und sanftmütig. Nur ein Mensch auf dieser Welt schaffte es sie so wütend zu machen, dass sie sich beinahe selber nicht wieder erkannte.

Ein paar Minuten lang sprach keiner von beiden ein Wort.

„Ich kann dir nichts versprechen. Ich kann dir nichts geben. Du solltest mich vergessen. Du hast heute gesehen, was ich mache. Ich bin Dumbledore und Voldemort verpflichtet. In meiner Welt ist kein Platz für dich, für uns. Ich scheine das in deinen Armen nur zu gern zu vergessen, aber ich bringe dich in große, sehr große Gefahr." Severus fuhr sich mit der Hand müde über die Stirn.

„Ich fühle so viel für dich. Nenn es Liebe, ich wage es nicht. Mein Begleiter ist der Tod und das Verderben. Sieh nur, ich habe dich bereits in Gefahr gebracht. Durch meine Schuld weiß Lord Voldemort das es dich gibt."

Schuldbewusst hielt er inne.

Verstört betrachtete Miranda ihn.

„Das ist nicht wahr! Ich habe mich selber verraten, weil meine Gefühle für dich so stark sind und ich nicht gelernt habe, sie in deiner Gegenwart zu kontrollieren." meinte sie kopfschüttelnd.

„Und was machen wir jetzt?" fragte sie.

„Ich weiß es nicht!" antwortete er.

Miranda verließ den Kerker und Severus und verfluchte einmal mehr ihre Gabe. Sie ruinierte ihr ganzes Leben. In Afrika half sie ihr bei ihrer Arbeit. Sphinxe sind sehr feinfühlige Geschöpfe und so konnte sie mit ihren Gefühlen beruhigend auf sie einwirken. Doch hier in Hogwarts war alles wieder so wie damals als sie eine Schülerin gewesen war.

Ihre Eltern hatten schwerste Bedenken sie zur Schule gehen zu lassen. Sie besaß die Fähigkeit, ihre Gefühle auf andere übertragen zu können, von Geburt an und es war zu erwarten, dass sie sich mit der Pubertät noch verstärken würde.

Nur Dumbledore war es zu verdanken, dass sie die Schule besuchen konnte. Er setzte sich für sie ein und versprach auf sie aufzupassen. Aber schon bald bemerkten die anderen Kinder, dass sie anders war, sie mussten fühlen was Miranda fühlte in einer Form die für Kinder sehr erschreckend war.

Sie fühlten Mirandas Gefühle als wären es die eigenen. Schon bald hatte sie außer Lily keine Freunde mehr, niemand wollte mit ihr zu tun haben. Sie empfanden sie als unheimlich. Nicht nur einmal fiel hinter ihrem Rücken das Wort Monster, das war aber noch das harmloseste. Manche nannten sie eine Missgeburt, oder schlimme Laune der Natur, Geburtsfehler.

Durch Lily lernte sie Severus kennen. Dumbleore sprach einen Schutzzauber über sie aus, um sie, oder besser die anderen zu schützen. So konnte sie ein fast normales Schulleben genießen, aber nur fast. Sie war anders und sie würde immer anders bleiben. Seufzend betrachtete sie die kleine Flasche in ihrer Hand.

Nur Severus sollte darunter nie wieder leiden, dass schwor sie sich.