11
Drei Wochen waren seit jener Nacht, in der Voldemort starb, vergangen. Miranda hatte diese Zeit wie auf Wolken verbracht.
Einerseits hatte sie ein Gefühl als wären sie und Severus wieder 17 und frisch verliebt, andererseits waren es gerade die Erfahrungen, die sie getrennt von einander die letzten 16 Jahre gesammelt hatten, die ihre neu gefundene Liebe so aufregend machte.
Versonnen saß sie auf einem Baumstumpf in der Nähe der Sphinxen. Es war ein klarer, sonniger Vormittag. Severus gab noch Unterricht und würde erst am Nachmittag für sie Zeit finden.
Sie hatten in den letzten Tagen ausführlich über vieles gesprochen, so offen waren sie früher nie zu einander gewesen. Vielleicht war das der Fehler, der sie auseinander gebracht hatte? Miranda seufzte.
Manches was ihr Severus über sein Leben erzählt hatte, war sehr traurig, andererseits gab es schreckliche Dinge die er getan hatte, die sie Schwierigkeiten hatte zu verstehen und zu verarbeiten.
Ihr schwarzer Prinz, wie sie ihn als Teenager oft in ihren Gedanken genannt hatte, hatte viele dunkle Flecken auf seiner Seele. Ihr war klar, dass es mehr gab als nur schwarz und weiß, aber damit konfrontiert zu werden, von dem Mann den man liebte, war härter als sie geglaubt hätte.
Oft dachte sie, es war mehr als sie ertragen konnte, aber dann siegten ihre Gefühle für ihn und sie beschloss es als das zu sehen was es war, seine Vergangenheit. Aber dennoch er war so anders als sie. Am meisten litt sie unter seinen Erzählungen aus seiner Kindheit.
Meine Mutter war eine Hexe und mein Vater ein Muggle, das weißt du bereits. Mir ist immer noch ein Rätsel wie zwei so grundverschiedene Menschen, wie meine Eltern zueinander finden konnten. Er hasste alles was mit Magie zusammenhing und ich denke ich war für ihn eine herbe Enttäuschung. Verstehst du, äußerlich gleiche ich ihm sehr, aber im Herzen bin ich ein Magier, immer gewesen. Er verstand das nicht, verstand mich nicht. Oft verlor er die Geduld mit mir und ich bekam das mit voller Härte zu spüren. Ich…er schlug mich, einfach so. Sein Jähzorn flammte bei den geringsten Vergehen auf und wurde mit vielfältigen fantasievollen Strafen geahndet. Oh ja, der Bastard verstand sich aufs Foltern.
Bitter brach er ab. Zu schwer lastete die Vergangenheit an ihm. Miranda fühlte er wollte darüber sprechen, aber jedes Wort verlangte viel von ihm ab.
„Zeig es mir!" bat sie ihn.
Verständnislos blickte er sie an.
„Weißt du nicht mehr? Du hast mir beigebracht in deinen Geist einzudringen. Ich bin lange nicht so gut wie du, aber es wird reichen." aufmunternd lächelte sie ihn an.
Sie nahm seine Hand in ihre Hände und konzentrierte sich. Am Anfang geschah nichts, sie war zu sehr aus der Übung. Aber dann flüsterte ihr Severus leise Anweisungen zu und mit seiner Hilfe gelang es ihr. Sie spürte wie er für sie seinen Geist öffnete und sie spürte wie er zitterte. Die Bilder die sie zu sehen bekam, erschreckten sie, es war grausam, welches Leid er als kleiner Junge ertragen musste.
Verträumt stapfte ein zarter Junge ins Haus. Er hatte den ganzen Nachmittag lesend unter seinem Lieblingsbaum, einer uralten Weide, verbracht. Das Buch hatte er sich unter seinen Arm geschoben, eine Ausgabe von den berühmtesten Zauberern, und in Gedanken malte er sich bereits aus einmal zu ihnen zu gehören, als ihn ein Schlag von hinten in den Rücken auf den Boden warf.
„Wo zum Teufel hast du dich wieder rumgetrieben?" brüllte sein Vater ihn an. Severus drehte sich auf den Rücken, stützte die Arme auf, die Augen vor Angst geweitet versuchte er nach hinten weg zu kriechen.
Sein Vater war betrunken und in übelster Laune. Egal was er jetzt sagte oder auch nicht, er würde ihn verprügeln. Schon packte ihn sein Vater beim Fuß und zog ihn grob zu sich heran. „Ich werde dich lehren was es für dich heißt, wenn du dich mit sinnlosem Kram beschäftigst." Sein Buch stieß er angewidert mit dem Fuß fort. Er griff nach Severus Hemd und zog ihn auf die Beine.
„Nicht Dad!" flehte der kleine Junge, bevor ihm die erste Ohrfeige ins Gesicht knallte.
Severus glaubte sein Schädel müsste explodieren. Seine Wange verfärbte sich dunkelrot, dort wo ihn die Hand des Vaters getroffen hatte. Erneut stürzte Severus zu Boden und blieb reglos liegen, in der Hoffnung er würde von ihm ablassen, aber er war noch nicht fertig mit ihm. Grob zerrte er ihn mit sich in den Schuppen nebenan.
Dort warf er ihn über eine alte Holzbank. Dann nahm er eine dünne Gerte in die Hand und ließ sie probeweise durch die Luft sausen. Das Geräusch das sie dabei verursachte ließ Severus vor Angst zusammenzucken. Sie war nicht dick, aber sehr geschmeidig und würde dadurch umso mehr Schmerzen verursachen.
Schon sauste der erste Schlag auf seinen Rücken nieder. Der erste Hieb ließ ihn qualvoll aufschreien und heulend flehte er ihn an damit auf zu hören. Doch wie von Sinnen schlug sein Vater immer und immer wieder damit auf ihn ein. Sein Weinen ging in Wimmern über und verstummte dann zur Gänze. Teilnahmslos ließ er die Schläge über sich ergehen.
Bald schon war sein Rücken mit blutigen Striemen überzogen und brannte wie Feuer.
Keuchend ließ Miranda Severus Hand los. Sie kannte seine Narben auf dem Rücken, doch bis jetzt hatte sie keine Ahnung gehabt, woher sie kamen. Nun wusste sie es. Tränen vor Wut und Schmerz und Trauer kullerten ihr über die Wangen.
Severus blickte sie völlig teilnahmslos an, das war seine Art sich vor der Vergangenheit zu schützen, indem er jede Gefühlsregung, so weit es ging, unterdrückte.
„Wie alt warst du?" fragte sie ihn mit bebender Stimme. Irritiert ob dieser Frage blickte Severus sie einen Augenblick verständnislos an.
„Ich weiß es nicht mehr. Neun, vielleicht zehn Jahre.", erwiderte er ruhig und zuckte mit den Schultern, um seiner Gleichgültigkeit Ausdruck zu verleihen.
Nein ist es nicht! Dachte Miranda und nun wo sie alleine auf diesem Baumstumpf saß, kam ihr noch ein weiterer erschreckender Gedanke.
Wie ähnlich Severus seinem Vater doch geworden war. Er hatte dessen Jähzorn und Ungerechtigkeit geerbt, sowie auch das Unverständnis für Schwächen und Fehler, wie hatte er das in all den Jahren nie selbst erkennen können?
Severus blickte zum wiederholten Mal auf die Uhr. Bald war der Unterricht zu Ende und es war Freitag. Er hatte ein freies Wochenende vor sich, das er für einen besonderen Ausflug nutzten wollte, diesmal nicht mit Miranda sondern ganz alleine.
Schon seit ein paar Tagen reifte in ihm ein Gedanke und er wollte sich alleine Klarheit darüber verschaffen, ob es der richtige Schritt war, ob er es noch einmal wagen konnte. Alleine wenn er nur an die vergangenen Wochen dachte, brauchte er keine Bedenkzeit mehr, aber in ihm nagte das alte Misstrauen und eine tiefe Furcht.
Was wenn er sich zum kompletten Narren machte, oder noch viel schlimmer, sie wieder vor ihm davonlief? Unwahrscheinlich war das nicht, nach allem was er ihr über sich erzählt und ihr zum Teil von sich gezeigt hatte und doch hatte sie sich tapfer alles angehört, ihn nicht für seine Taten verurteilt oder verachtet.
Selbst dafür hätte er Verständnis. Es gab sehr viele unschöne Dinge in seinem Leben. Er hatte getötet. Er hatte dem dunklen Lord gedient. Er hatte Angst und Schrecken in dessen Namen verbreitet.
All diese Dinge hatte er Miranda zum Teil erzählt, aber ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Sie war so sanft und gut. Wenn er daran dachte, dass Voldemort sie für sich gefordert hatte, überlief ihn immer noch ein kalter Schauder.
Er hätte dieses reine Wesen zerstört, da er sie nicht verstanden hätte. Wie sollte dieser auch? Er, der nur vom Bösen umgeben war. Zutiefst beschämt erinnerte er sich an ein Ereignis, als er noch nicht lange ein Anhänger Lord Voldemorts gewesen war.
Er kam zu einer Versammlung. In mitten des Kreises hockte ein junge hübsche zarte Frau. Weinend blickte sie um sich und sah nur die augenlosen Höhlen in den Gesichtern der in schwarze Umhänge gehüllten Gestalten. Sie hatten sich Kapuzen über ihr Gesicht gezogen, so war es ihr unmöglich irgendjemanden dahinter zu erkennen.
Aber er kannte sie, sie war mit ihm zur Schule gegangen. Elvira Jones eine Gryffindor. Selbst wenn er sich die Kapuze vom Kopf riss, würde sie ihn trotzdem nicht erkennen, sie war zu starr vor lauter Angast. Sie war jünger als er, beinahe noch ein Kind und doch hatte sie es geschafft den Zorn und Unwillen von Voldemort auf sich zu ziehen.
Selbstbewusst schritt Voldemort in den Kreis, er fühlte sich mächtig und überlegen und das vor einem Mädchen. Elvira sah ihn aus großen Augen an. Sie hatte Angst, große Angst und das aus gutem Grund, sie würde diesen Platz nicht mehr lebend verlassen.
„Du hast es gewagt dich gegen mich aufzulehnen! Mich herauszufordern, dafür wirst du sterben." Schrie er und an seinem Gesicht konnte man erkennen, dass er Gefallen daran fand die Macht über Leben und Tod zu haben.
„Snape!" rief er und suchte unter den Reihen nach ihm. Er trat einen Schritt hervor und wartete ab.
„Töte sie!" bellte Voldemort. Das war alles. Nur diese zwei kleinen Wörter besiegelten ihr Schicksal. Ohne Zögern trat Severus an sie heran, hob seinen Zauberstab und sprach den todbringenden Fluch.
„Avada Kedavra!"
Girisha hatte nun schon seit Wochen ihre alten Magiebücher durchforstet. Es musste doch eine Möglichkeit geben nach Hogwarts zu aperieren, ohne dass es jemanden auffiel und genauso wieder zu verschwinden.
Wütend hatte sie schon ein paar Mal Peter mit irgendwelchen Gegenständen beworfen, wenn sie mal wieder nichts gefunden hatte. Meistens gelang es diesem Wurm sich rechtzeitig zu ducken, doch manchmal bekam sie die Genugtuung ihn zu treffen und ihn vor Schmerz aufheulen zu hören.
Musik in ihren Ohren. Beschwingt ging sie dann wieder an die Arbeit. Sie hatte alles vorbereitet. Sie brauchte nur mehr Miranda zu fangen und zu töten. Sie schritt hinab in den Kerker. Sie hatte ihn extra nach ihren Bedürfnissen eingerichtet.
Gleich wenn man den großen Raum betrat befand sich gegenüber eine abgetrennte Zelle. Links von ihr waren an der Wand zwei schwere Eisenringe befestigt. Sie beschäftigte sich noch gerne mit ihren Gefangenen ehe sie sie tötete.
Rechts gab es eine alte Truhe in der sie ihr "Spielzeug" aufbewahrte, vieles darin hatte ihr so manch eine glückliche Stunde beschert. Nur nicht in den letzten Jahren, Voldemort hatte ihr alle Magie abgesaugt und sie mehr tot als lebendig zurückgelassen.
Er war wohl in der Annahme gegangen, sie wäre tatsächlich tot. Sie brauchte viele Jahre um wieder zu Kräften zu kommen und noch viel länger um einen Funken Magie zurück zu gewinnen. Doch ihr Hass und dieser Funke hätten niemals gereicht ihn zu besiegen, wenn ihr nicht das Schicksal zu Hilfe geeilt wäre.
Voldemort hatte sich vor 13 Jahren beinahe selbst vernichtet. Daraufhin kehrte ihre Magie zu ihr zurück. Sie hatte wie alle anderen auch angenommen, er sei tot, aber als in den letzten Monaten die Gerüchte immer lauter wurden, dass er tatsächlich noch lebte, hatte sie sich auf die Suche nach ihm gemacht und ihn getötet.
Snape eilte durch die Flure hinab in seine Kammer. Rasch zog er sich um und machte sich auf den Weg. Er hatte niemanden gesagt, dass er fort ging, auch Miranda nicht, es sollte eine Überraschung werden.
Nur Dumbledore wusste Bescheid. Mit großen Schritten verließ er das Schloss, es konnte ihm nicht schnell genug gehen. Kaum draußen lief er fast zu der Stelle außerhalb des Geländes von wo er aperieren konnte und verschwand.
Wieder stand er unten beim Fluss unweit seines Hauses. Wieder ging er die schäbige und doch so vertraute Strasse entlang. Nur achtete er diesmal kein bisschen auf seine Umgebung, in Gedanken war er bei Miranda.
Endlich stand er vor seinem Haus. Mit einem Murmeln löste er den Zauber, den sein Haus umgab und betrat es. Wie von selbst fanden seine Füße den Weg nach oben in sein Schlafzimmer.
Automatisch bückte er sich vor seiner Kommode und zog die unterste Lade heraus. Ein kurzes Wühlen und schon hielt er das Gesuchte in den Händen. Den Ring. Leicht zitterten seine Hände. Sollte er sie fragen?
Nichts stand ihnen mehr im Wege. Voldemort war vernichtete und er war frei zu tun was er wollte. Aber war es das auch was sie wollte. Er erinnerte sich an die vergangenen Tage, die nicht nur mit seiner und ihrer Vergangenheit ausgefüllt waren, sondern auch mit viel Nähe und Zärtlichkeit.
Wenn er nur alleine an die letzten Nächte dachte, wurde ihm ganz heiß. Miranda war praktisch bei ihm eingezogen. Praktisch, weil sie beide für sich beschlossen hatten, keine Nacht mehr ohne den anderen zu verbringen.
Mit Freude hatte er festgestellt wie das eine oder andere persönliche Stück von ihr den Weg in sein Zimmer gefunden hatte. Zuerst eine Zahnbürste, dann vereinzelte Kleidungsstücke, ein Buch, ihre ganzen Kosmetika.
Aufgeregt wie ein kleiner Junge räumte er eine Seite des Badezimmerschrankes für sie aus, damit sie ihre Sachen dort hineinstellen konnte. Immer wieder ertappte er sich dabei, dass er, wenn sie es nicht sah, ihre Sachen in seinem Schrank betrachtete.
Sie war hier, in seinem Leben, in seiner Wohnung auf Schloss Hogwarts, in seinem Herzen und sie sollte daraus nie mehr verschwinden. Darum war er heute hier. Er wollte sie bitten, ihn zu heiraten. Vielleicht war es überstürzt, vielleicht handelte er zu schnell, aber er liebte sie und sie ihn.
Beinahe trotzig umschloss er den Ring, hielt ihn fest in seiner Faust. Er würde sie fragen und diesmal würde sie nicht fortlaufen, sie würde ja sagen, er wusste es einfach. Eigentlich hatte er vor gehabt über Nacht hier zu bleiben und seine Entscheidung zu überdenken, aber nun wollte er nur mehr sehnlichst zurück zu ihr, und sie auf der Stelle fragen.
Vorsichtig öffnete er die Schatulle da lag er der Ring, den er damals für sie ausgesucht hatte, von dem er sich all die Jahre nicht trennen konnte, weil er ein alter sentimentaler Trottel war. Aber nun verband er mit diesem Ring eine blühende Hoffnung. Er würde einmal in seinem Leben Glück haben und die Frau seines Herzens für sich gewinnen.
Ein kleines unauffälliges Büchlein glitt ihr zufällig in die Hände. Wo hatte sie es nur her? Egal. Sie warf einen Blick hinein und lachte böse auf. Endlich! Sie hatte gefunden wonach sie solange gesucht hatte.
Wer hätte geahnt, dass ein kleiner Taschenspielertrick die Lösung war? Sie musste nur einen Gegenstand verändern, etwas, was ein Portal sein konnte aber nicht von Dumbeldore und seinem Zauber erkannt wurde.
Dann konnte es durchaus funktionieren. Sie glaubte nicht, dass Dumbledore damit rechnete von einem Bild angegriffen zu werden. Es würde so sein wie bei dem Trojanischen Pferd. Sie würde ihm ein Bild schicken, dieser alte Trottel würde es bestimmt irgendwo aufhängen und durch das konnte sie ungehindert ins Schloss gelangen und wieder verschwinden.
So simpel das es fast schon wieder genial war. Girisha sah sich um, sie besaß eine kleine Zeichnung von Gellert Grindelwald, und soweit sie wusste war dieser mit Dumbledore gut befreundet gewesen. Unter einen Stapel alter Bücher und Zeitschriften fand sie es schließlich und hielt es triumphierend in die Höhe.
Ihr Schlüssel nach Hogwarts. Sie belegt das Bild mit einem Bann und dann noch mit einem zweiten Zauber der ihre Spuren verwischen sollte. Eilig rief sie eine Eule zu sich, packte das Bild ordentlich in Packpapier ein, schrie hastig ein paar Zeilen dazu und schickte den Vogel los. Kanjri beobachtete sie dabei die ganze Zeit und auch auf sie übertrug sich die freudige Erregung von ihr. Aufgeregt flatterte ihr der Vogel auf die Schultern. Zärtlich strich sie ihr über ihr Federkleid.
„Schon bald ist Voldemorts kleine Schlampe in meiner Gewalt!"
Dumbledore war noch dabei seine Bücher durchzusehen. Noch immer war er nicht hundertprozentig davon überzeugt, dass Voldemort tatsächlich tot war. Obwohl wie er zugeben musste, alle Indizien dafür sprachen und die Tatsache, dass schon ein paar Wochen keine unerklärlichen Vorfälle mehr gemeldet worden waren.
Die Vorbereitungen für das Turnier waren im vollem Gange, bereits nächste Woche sollte die Entscheidung fallen, wer daran teilnahm. Die Prüfungen waren hart und so war es gut, wenn er nicht auch noch an einen halbtoten, finsteren Magier denken musste. Genug für heute!
Energisch schloss er das Buch vor sich, setzte seine Brille ab und massierte seinen Nasenrücken. Er wurde alt, all das Lesen strengte ihn sehr an. Ein leises Klopfen an seinem Fenster riss ihn aus seinen Gedanken.
Schnell setzte er seine Brille wieder auf und blickte auf die Stelle woher das Geräusch kam. Eine Eule flatterte aufgeregt vor seinem Fenster. Dumbledore öffnete dem Vogel das Fenster und ließ ihn ein. Dieser trug ein braunes Päckchen an seinen Füßen und wartete Geduldig darauf, dass es Dumbledore ihm abnahm.
Dumbledore gab ihm dann noch eine Belohnung und schon war das Tier wieder verschwunden. Stirnrunzelnd betrachtete er das flache kleine Paket. Von wem war es und was enthielt es? Misstrauisch drehte er es in seinen Händen. Erst dann sah er den Brief neben dem Päckchen. Vorsichtig öffnete er den Umschlag und lass den Brief.
Lieber Professor Dumbledore!
Ich erlaube mir ihnen dieses Bild zu schicken, da mir zu Ohren gekommen ist, dass sie mit dem werten Herren Gellert Grindelwald befreundet waren. Für mich hat dieses Bild keine Bedeutung und ich hätte es eigentlich weggeworfen, bis mir einfiel, dass sie es vielleicht gerne haben möchten. Ich möchte es ihnen schenken, verfahren sie damit wie sie es für richtig halten.
In aufrichtiger Bewunderung
eine alte Freundin
Der Brief war äußerst merkwürdig und rief sein Misstrauen auf den Plan. Er öffnete die Verpackung um das Bild und hielt seinen Zauberstab daran, doch es verbarg keinen Zauber, er konnte nichts entdecken.
Nun erst gestattete er sich das Bild zu betrachten. Wahrlich eine gelungene Zeichnung von seinem alten Freund. Er würde ihm einen angemessenen Platz im Schloss suchen, nur diese Nacht würde er das Bild vorsorglich einsperren. Er wollte sicher sein, dass davon keine Gefahr drohte.
Severus durchmaß hastigen Schrittes die Halle von Hogwarts. In Gedanken bei dem bevorstehenden Ereignis übersah er einen Schüler, der sich unerlaubt von seinem Turm entfernt hatte.
Dieser hatte ihn wohl kommen sehen, Angst stand auf seiner Stirn und schon überlegte er sich fieberhaft eine Ausrede. Aber als Snape an ihm vorbei rannte als würde er nicht existieren, verblüffte ihn das doch, innerlich dankte er seinem Schicksal und machte sich auf dem Weg zurück zu seinem Turm.
Severus erreichte seine Räume. Vorsichtig blickte er in jedes Zimmer, doch von Miranda fand er keine Spur. Sie war nicht hier.
Gut so!
So konnte er ungehindert ein paar Vorbereitungen treffen. Er hatte auf dem Weg zurück noch Champagner besorgt und stellte diesen, wie auch zwei hochstielige Gläser, neben dem Bett kalt. Er entzündete einige Kerzen so dass der Raum sanft erhellt wurde.
Zum Schluss schob er die kleine Schatulle unter sein Kopfkissen. Zufrieden betrachtete er sein Werk. Er ging ins Bad, duschte ausgiebig und zog sich ein weißes Hemd und eine schwarze Hose über. Jetzt fehlte nur noch Miranda.
Er schickte einen Hauselfen los sie zu suchen. Kurze Zeit später klopfte es leise an seine Tür. Tief atmete er durch, dann schritt er zur Tür und öffnete diese. Da stand sie, Miranda, schöner als je zuvor.
Miranda war erstaunt gewesen als plötzlich ein Hauself auftauchte und ihr mitteilte, dass Severus sie erwartete. Ihr erster Gedanke war, dass etwas Schlimmes passiert sein musste und so beeilte sie sich zu ihm zu kommen.
Aber als er sie nun bei der Hand fasste und sie zärtlich in seine Wohnung zog, war sie beruhigt. Doch ein Blick in Severus Gesicht ließ sie aufhorchen. Er war eindeutig nervös und zwar so sehr, dass er es nicht verbergen konnte.
Er ging mit ihr bis zum Schlafzimmer und dort sah sie was er für sie vorbereitet hatte. Konnte das bedeuten, was sie ahnte? Zögerlich und nun ihrerseits nervös lächelte sie ihn an.
„Willst…möchtest du einen Schluck Champagner?" fragte er sie.
Nun bekam sie es wieder mit der Angst zu tun. Seit wann stockte Severus beim Reden. Nie! Hier stimmte etwas nicht. Unauffällig beobachtete sie ihn unter gesenkten Wimpern. Er war auch anders als sonst gekleidet.
Ein weißes Hemd und schwarze Hose, an ihm, der sonst immer ganz in Schwarz gekleidet war. Angespannt öffnete Severus die Flasche und schenkte die beiden Gläser voll. Vorsichtig reicht er ihr das eine.
„Auf uns!" rief er gespielt fröhlich aus und prostete ihr zu.
Miranda trank einen kräftigen Schluck von der kalten, prickelnden Flüssigkeit. Dabei konnte sie fühlen wie die Spannung im Raum stieg. Wenn er nicht bald sagte was hier los war, würde sie schreien.
Er nahm ihr das Glas aus den bebenden Händen und stellte beide zurück auf den Nachttisch.
„Miranda ich war heute für ein paar Stunden weg, weil ich etwas sehr wichtiges holen musste. Ich würde dich gerne etwas fragen und bevor du sagst es geht zu schnell, dann denk daran wie lange wir uns nun schon kennen, ich halte es nicht für übereilt." tief holte er Luft.
Er hielt ihre Hände in den seinen.
„Ich wollte dir diese Frage schon einmal stellen, aber es kam nicht dazu. Vielleicht habe ich heute mehr Glück." druckste er weiter herum.
Schön langsam machte er Miranda damit wahnsinnig. Er der nie um Worte verlegen war, immer gerade heraus sagte, was er sich dachte, egal wen er damit verletzte, redete sprichwörtlich um den heißen Brei herum.
„Ich liebe dich und du bist für mich das wichtigste in meiner Welt. Ich will nie wieder ohne dich sein. Ich will jeden Morgen in deinen Armen aufwachen und jeden Abend in ihnen einschlafen. Ich möchte alt werden mit dir, Kinder haben, Träume träumen."
Wieder brach er ab. Verlegen sah er zu Boden. Nun war der Zeitpunkt gekommen. Von hier an gab es kein zurück mehr. Langsam ging er vor ihr in die Knie. Ohne sie anzusehen sprach er bebend die nächsten Worte aus.
„Willst du mich heiraten?"
