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Snape taumelte auf der anderen Seite ebenso aus einem Bild. Er befand sich in einer großartig bestückten Bibliothek. Zu einer anderen Zeit hätte ihn dieser Raum fasziniert, doch jetzt konnte er sich es nicht leisten ein Auge darauf zu werfen.

Hastig sah er um sich, den Zauberstab erhoben, doch außer ihm war keiner hier. Mit großen Schritten durchmaß er den Raum und öffnete die Tür. Ein Blick nach draußen zeigte ihm eine breite Wendeltreppe, die steil nach oben und unten führte.

Er befand sich allem Anschein nach in einem Turm. In welche Richtung sollte er sich bewegen? Nach oben? Unwahrscheinlich. Wenn Miranda als Gefangene hier war, dann würde er sie tief unten finden.

Er lauschte kurz, aber alles war ruhig. Severus folgte den Stufen nach unten, bei jeder Öffnung sah er sich vorsichtig um, doch er war alleine. Als er im Keller angelangt war, stand er vor einer einzigen Tür.

Zögernd drückte er die Klinke nach unten und ohne Widerstand gab sie nach. Die Tür war offen. Leise stieß er sie auf und sah hinein. Er war im Kerker. „Fast wie Zuhause!", dachte er ironisch, doch dann ließ ihn der Anblick vor ihm das Blut in den Adern gefrieren.

Miranda lag in einer Gefängniszelle am Boden und bewegte sich nicht. Ohne weiter darauf zu achten nicht entdeckt zu werden stürzte er nach vorne und kniete vor den Gitterstäben nieder.

„Miranda!" flüsterte er eindringlich. Nichts geschah. Furcht umklammerte sein Herz. Sie rührte sich nicht. Kein Atemzug hob und senkte ihren Brustkorb.

„Miranda, bitte wach auf!" probierte er es erneut. Ohnmächtig rüttelte er an den Gitterstäben, versuchte die Gittertür mit einem Zauberspruch aufzubrechen, aber es tat sich nichts, er konnte nicht zu ihr.

Sie lag da drinnen ganz alleine und er wusste nicht was ihr fehlte. Er wollte sie beschützen und in die Arme schließen. In seiner blinden Wut fiel ihm zuerst die kleine Flasche an ihrer Seite kaum auf, doch als er beinahe schon aufgeben wollte, sah er sie.

Mit einem Zauber brachte er sie in seine Reichweite. Was er schon geahnt hatte, wurde zur grauenhaften Gewissheit. Das Gift, das ihm fehlte, das hatte sie genommen.

„Warum? Warum macht du das?" Nun liefen die Tränen, die den ganzen Tag in ihm gebrannt hatten, die er nicht weinen wollte, seine Wangen hinunter.

Müde lehnte er den Kopf gegen das Gitter. Vielleicht war noch Zeit, flüsterte eine hoffnungsvolle Stimme in ihm. Er musste los und das Gegenmittel herschaffen. Vielleicht konnte er sie noch retten.

„Halte durch, Liebste! Ich komme so schnell ich kann zurück. Ich liebe dich, bleib bei mir!" flehte er sie noch leise an und rannte den Gang nach oben.

Er musste zurück. In seinen Vorräten besaß er das Gegengift, nichts war dringender für ihn, so sah er nicht die grünen Augen die ihm folgen. Die ihn ohne ihn aufzuhalten gehen ließen, aber nicht vergaßen. Sie hatte so ein sicheres Gefühl, er würde wiederkommen und dann würde sie ihn erwarten.

Wo war sie? Es war so dunkel, sie konnte nichts sehen. Sie konnte nichts fühlen. Auch schien es keinen Ton, keinen Laut hier zu geben. Alles war ruhig und still um sie. War das der Himmel?

Sie dachte immer er wäre hell erleuchtet. Komisch. Schwerelos ließ sie sich treiben. Sie schwamm in einem Meer aus Luft. Angenehm glitt sie dahin. Irgendetwas begann diese Ruhe zu stören. Ein Laut, der nicht hier her gehörte.

Eine Stimme, die sie kannte, der sie vertraute. Was wollte sie bloß von ihr? Miranda versuchte genauer hinzuhören. Sie versuchte, sich zu konzentrieren, aber das fiel ihr so schwer, so unendlich schwer.

Da war sie wieder, die Stimme. Sie wurde deutlicher, sie konnte verstehen was sie sagte.

„Halte durch, Liebste! Ich komme so schnell ich kann zurück. Ich liebe dich, bleib bei mir!"

Das war Severus, ihr Severus rief nach ihr.

Ja Liebster, ich halte durch! Ich warte auf dich!

„Was sagst du da?" Dumbledore fasste Harry beim Arm und hielt ihn fest. „Severus ist alleine durchgegangen?" Er ließ ihn wieder los und lief unruhig hin und her.

„Dieser gottverdammte, sture Narr!" rief er beunruhigt aus.

Harry, Ron und Hermine waren zu ihm gekommen und hatten ihm von Severus überstürztem Handeln erzählt. Das einzige was er für ihn tun konnte, war auf dieser Seite des Bildes auf ihn zu warten und ihm sollte er zurückkommen den Kopf abzureißen.

Hastig verließ er seine Räume, dicht gefolgt von den dreien. Vor dem Abstellraum hielt er kurz inne und drehte sich um.

„Ihr geht in euren Gemeinschaftsraum. Was immer heute hier noch passiert, ist sicher zu gefährlich für euch." bestimmte er und schickte die drei weg. Er selbst betrat den Raum und wartete auf Severus.

Harry, Ron und Hermine bogen um die erste Ecke und bremsten gleichzeitig ab. Sie würden ganz bestimmt nicht in ihren Gemeinschaftsraum zurückkehren.

Im Gegenteil sie würden hier Wache halten und falls sich etwas tat, sofort zur Stelle sein. Abwechselnd schauten sie um die Ecke um nichts zu versäumen.

Severus trat aus dem Bild und blickte direkt in die sonst so gütigen, aber jetzt eindeutig wütenden Augen von Dumbledore.

„Was hast du dir dabei gedacht, ohne auf Hilfe zu warten einfach blind loszustürmen!" tobte dieser los. Severus ließ alles ungehört über sich ergehen.

„Sie stirbt, wenn ich nicht gleich wieder zurück gehe und ihr das Gegengift verabreiche.", sagte er ruhig, ohne den Hauch eines Gefühls.

Dumbledore vergaß augenblicklich seine Wut und starrte Severus ungläubig an. Doch Severus würdigte Dumbledore keines weiteren Kommentars, stürmte an diesem vorbei und rannte hinab in seinen Kerker.

Er brauchte das Gegenmittel und zwar rasch. Ohne sich darum zu kümmern, dass all seine Flaschen durcheinander purzelten, wühlte er, der sonst so penibel auf Ordnung achtete, in seinem Schrank.

Er konnte es nicht sehen, er fand es nicht. Immer fieberhafter suchte er danach. Dumbledore war ihm gefolgt und sah schweigend eine Weile seinem hektischen Treiben zu.

„Sag mir was du suchst und ich finde es für dich. Du bist nicht in der Lage es zu sehen." sprach er beruhigend auf Severus ein.

Verzweifelt ließ dieser die Arme sinken. Dumbledore trat an ihn heran und legte ihm einen Arm um die Schultern.

„Ich finde es! Versprochen!"

Severus nickte zustimmend mit dem Kopf und trat zur Seite.

„Calendula-Trunk" flüstere Severus.

Ruhig suchte Albus danach und schon bald hielt er ihn in den Händen. Gerade noch rechtzeitig, wie ihm ein Blick in Severus Gesicht zeigte, dieser stand kurz davor ihn grob zur Seite zu drängen und selber wieder danach zu suchen.

Ungeduldig umschloss er ihn mit der Faust und rannte los. Dumbledore versuchte ihn einzuholen, doch Severus war bereits verschwunden.

Girisah ging nach unten in den Kerker. Sie wusste was dieser Fremde bei ihr suchte, ihre Gefangene. Als sie den Kerker betrat und sie leblos am Boden liegen sah, war sie doch etwas erstaunt.

„Du dummes Ding, hast dir selber das Leben genommen. Auch gut. Nur Schade, so kannst du mir nicht sagen, wer dieses interessante, finster dreinblickende Mann war. Aber ich habe das sichere Gefühl, ich werde ihn bald wieder sehen."

Girisha schloss die Zelle auf und öffnete die Gittertür einen Spalt. Sie wollte ihn in eine Falle locken. Peter kam angewackelt und folgte interessiert ihrem Tun.

„Peter, heute war ein Fremder hier. Ganz in schwarz gekleidet, seine Haar länger als üblich und auch schwarz. Er blickte wild und finster drein. Er kam wie ich durch das Bild, also muss er jemand von Hogwarts sein. Hast du eine Ahnung wer das ist?" fragte sie ihn neugierig.

Er wusste sofort wenn sie meinte, seinen alten und neuen Feind.

„Severus Snape!" kam es wie aus der Pistole geschossen. Überrascht blickte Girisha ihn an.

„Ein Anhänger Lord Voldemorts! Das ist im höchsten Maße interessant." Sie verließ mit Peter den Kerker und wanderte wieder nach oben in ihre Gemächer.

Sie wollte sich schön machen für ihren Gast. Ein Blick in ihren Spiegel zeigte ihr, dass sie schön war. Sie hatte dank Magie einige Veränderungen an sich vorgenommen.

Früher besaß sie dunkle, fast schwarze Augen, doch sie hatte sie in grüne verwandelt. Auch den dunklen Teint hatte sie verändert und aufgehellt. So wirkte sie weniger indisch. Sie mochte ihre Wurzeln nicht und verleugnete sie.

Severus trat erneut durch das Bild und spürte augenblicklich, dass sich etwas verändert hatte. Es roch hier verdächtig nach Falle. Unschlüssig stand er eine Sekunde da, aber er hatte keine andere Möglichkeit, entweder tappte er in die Falle und rettete so Miranda, oder sie starb.

Ohne weiter darüber nachzudenken, lief er durch den Raum nach unten. Auch dort zögerte er für den Bruchteil einer Sekunde. Die Zellentür stand einladend für ihn offen. Hier gestattete er sich einen Blick zu beiden Seiten, aber außer ihm und Miranda war keine Seele zu sehen.

Er trat in die Zelle und kniete vor Miranda nieder. Dabei rollte ihm, ohne dass er es merkte, der Zauberstab aus der Tasche. Hinter ihm schloss sich die Tür und das Einschnappen des Schlosses verriet ihm, dass auch er nun ein Gefangener war, aber das kümmerte ihn herzlich wenig.

Er zog Miranda in seine Arme und blickte in ihr totenbleiches Gesicht. Zärtlich strich er darüber. Schnell öffnete er die mitgebrachte Flasche und flößte ihr von dem Trank ein. Einige Tropfen liefen wieder heraus und tropften ungetrunken auf den Boden, aber genug Flüssigkeit rann ihre Kehle hinab.

Severus wiegte sie in seinen Armen und strich mit den Lippen über ihre Stirn. Er musste warten bis der Trank seine Wirkung zeigte, oder auch nicht. Die längsten Minuten seines Lebens. War er schnell genug gewesen? Hatte die Zeit gereicht?

Innerlich flehte er sie an sich Mühe zu geben, und um ihr Leben zu kämpfen. Er hob ihren Kopf und sah sie an. Nichts hatte sich verändert. Sie lag immer noch leblos in seinen Armen.

Er war zu spät. Schmerzhaft schloss er die Augen und presste sie an sich. Dann ließ er sie sanft zurück auf den Boden gleiten. Es hatte alles nichts genutzt, sie war tot, unwiederbringlich tot.

Ein Schrei entrang sich seiner Kehle, gleich einem verwundeten Tier und hallte im Raum wider. Er beugte sich über sie und bedeckte sie mit seinem Körper. So dauerte es eine Weile bis er das sanfte Heben und Senken ihrer Brust spürte.

Sie hob unter enormer Anstrengung ihre Hand und legte sie ihm zart auf den Kopf. Severus sah sie erstaunt an und sah in ihre blauen Augen.

„Du lebst!" flüsterte er.

Sachte lächelte sie hoch zu ihm. War sie doch im Himmel gelandet? Wenn der Himmel so aussah, dann war sie richtig hier.

„Severus!" hauchte sie mit tonloser Stimme.

Bewegt schluckte er einen Kloß im Hals hinunter. Er hatte es geschafft, sie war gerettet und alles andere würde sich finden. Ihm war zwar selbst in diesem Moment die Gefahr in der sie schwebten bewusst, aber egal.

Severus hob Miranda hoch und legte sie auf das schmale Bett. Vorsichtig, so als wäre sie zerbrechlich strich er ihr das weiße Haar aus dem Gesicht.

Er setzte sich zu ihr auf die Kante und sah sie einfach an, zu gerührt um seine Gefühle in Worte zu fassen. Sanft nahm er ihre Hand und hauchte Küsse darauf.

„Du bist nicht tot! Du wurdest mir wieder geschenkt." flüsterte er leise.

Verständnislos blickte sie ihn an. Was sagte er da? Wie konnte das sein? Die Frau hatte doch behauptet ihn getötet zu haben. Miranda versuchte ihre Sinne zu sammeln, noch spürte sie die Wirkung des Giftes in ihr.

Eines wurde ihr bereits deutlich, sie war nicht tot und Severus war hier um sie zu retten.

Dunkel erinnerte sie sich in einer Gefängniszelle gewesen zu sein und ein Blick über Severus Schulter zeigte ihr, dass sie sie noch immer nicht verlassen hatte.

„Wurdest du auch gefangen?" Vieles, nein alles verwirrte sie. Immer noch kämpfte sie darum einen klaren Gedanken zu fassen und auch festzuhalten.

„Du wurdest entführt. Warum? Ich weiß es nicht. Noch nicht. Ein Portschlüssel führte vom Schloss hierher, wo auch immer dieses hier ist. Ich bin dir gefolgt. Du hattest Gift genommen und ich habe dir das Gegengift gegeben." erzählte ihr Severus.

Miranda dachte darüber nach. Alles was er sagte ergab irgendwie Sinn für sie, aber dann auch wieder nicht.

„Aber sie hat gesagt du bist tot!" meinte sie zusammenhangslos.

Dumbledore schritt sorgenvoll vor der Kammer auf und ab. Severus und Miranda waren schon so lange fort. Er wünschte, er könnte ihnen irgendwie helfen. Wenn er nur wüsste, woher die Gefahr kam, die sie bedrohte.

Wer war diese geheimnisvolle Frau? Minerva hatte auch keine Ahnung wer sie war. Er würde warten müssen, bis die beiden zurückkamen. Sofern sie kamen.

Umso mehr Zeit verging umso größer wurde seine Sorge. Zu gerne wäre er ihnen gefolgt und hätte geholfen, doch er durfte die Schule nicht ihrem Schicksal überlassen.

Zu viele Kinder waren auf ihn angewiesen. Seufzend strich er sich über seinen grauen Bart und nahm erneut seine Wanderung auf.

Girisha erhob sich freudig erregt von ihrem Frisiertisch. Ihre Finger tasteten nach einem kleinen Tiegel der versteckt unter ihren Kosmetika stand. Sie nahm ihn an sich, umschloss ihn mit der Faust und verließ den Raum.

Ohne Eile schritt sie nach unten. Snape saß in der Falle und mittlerweile musste auch ihm das klar sein. Sie öffnete die Tür zum Kerker und betrat den Raum. Eine Weile beobachtete sie das Szenario vor sich.

Wie vertraut die beiden miteinander waren. Die Liebe zwischen den beiden war beinahe greifbar. Neid breitete sich in Girisha aus. Was sie sich vor einer Ewigkeit gewünscht hatte und mit Füßen getreten worden war, hatten die beiden gefunden.

Sie sah wahre Liebe vor sich und sie würde sie mit Genuss zerstören. Leise trat sie an das Gitter, hob den Zauberstab der dahinter lag auf und steckte ihn ein.

„Ich störe nur ungern, aber im Anbetracht dessen, dass ich ihre Gastgeberin bin, wäre es doch unhöflich, wenn ich mich nicht um euch kümmern würde." sprach sie mit süßer, falscher Stimme.

Ruckartig wandte sich Severus um, darauf bedacht, dass er mit seinem Körper Miranda schützte. Finster und drohend sah er auf Girisha.

„Wer seid ihr und was wollt ihr von uns?" forderte er gebieterisch.

Erstaunt hob Girisha ihre geschwungenen Augenbrauen. Sie war es nicht gewohnt, dass irgendjemand so mit ihr sprach.

Schweigend sah sie ihn an, scheinbar wog sie ihre nächsten Worte genau ab, doch das täuschte. Girisha wusste wohl wer in welcher Position war.

„Seid ihr nicht auf der falschen Seite des Gitters um so dreist Forderungen zu stellen?" fragte sie Severus gefährlich sanft.

Er sah sie mit Verachtung an. Sie war Schuld, dass er beinahe Miranda für immer verloren hätte.

„Nun zumeist kennt man wenigstens den Namen seines Gefängniswärters." erwiderte er kalt und erhob sich.

Stolz stand er da. Er würde sich dieser Schlange nicht beugen, soviel war sicher.

Girisha neigte amüsiert lächelnd ihren Kopf.

„Ihr habt Recht, wo bleiben nur meine Manieren? Ich bin Girisha.", stellte sie sich vor und ihre grünen Augen blitzten ihn an.

Doch in Severus Gesicht regte sich kein Muskel. Teilnahmslos und desinteressiert sah er sie weiterhin an, das erregte ihren Zorn. Sie würde diesen stolzen Mann Demut lehren, schwor sie sich.

„Nun und wie kommen wir zu der ungewollten Ehre hier sein zu dürfen?" verlangte Severus zu wissen. Girisha sah ihn an, dieser Mann war unmöglich.

„Sie ist Voldemorts Liebchen, dafür darf sie ihm in den Tod folgen!" erwiderte sie schnippisch. Severus zog eine Augenbraue in die Höhe und sah sie an als hätte sie etwas unglaublich Dummes gesagt.

„Miranda hat Voldemort nicht einmal gekannt! Er forderte sie zwar für sich, aber sie war nicht sein Liebchen." stellte er klar.

Girisha wollte schon zustimmend mit dem Kopf nicken, sie hatte sich so etwas ähnliches schon gedacht, doch Severus war noch nicht fertig.

„Ihr werdet einsehen müssen, dass ihr einen Fehler gemacht habt!"

Girishas Augen verdunkelten sich vor Wut. Was erdreistete sich dieser Mann? War er so dumm, dass er nicht die Gefahr sah in der er schwebte? Girisha trat dicht an das Gitter heran.

„Da ich ja so dumm war und einen Fehler gemacht habe, sollte ich ihn doch sicher wieder gut machen, meint ihr nicht?" fragte sie spöttisch.

Severus runzelte die Stirn. War sie schon wütend genug um einen Fehler zu machen, oder hatte er sie zu weit getrieben? Bei Frauen schwer zu sagen. Männer waren da leichter zu berechnen.

„Nun ich denke, es wäre das klügste uns einfach gehen zu lassen." meinte er ihrer Logik folgend.

An ihren Augen konnte er sehen, dass er sich auf dünnem Eis befand. Miranda hinter ihm richtete sich halb auf. Ihr ging es schon viel besser. Snape signalisierte ihr sich ruhig zu verhalten, ihm alles zu überlassen.

Girisha spielte mit dem kleinen Tiegel in ihrer Hand und öffnete ihn scheinbar geistesabwesend. Sie tunkte ihren Zeigefinger in die farblose Substanz und strich damit über ihre Lippen.

„Ich werde euch frei lassen, alle beide und ihr könnt hingehen wohin ihr wollt. Aber!" hier machte sie eine bedeutungsvolle Pause und wartete bis Severus ihr die volle Aufmerksamkeit schenkte.

„Aber als Gegenleistung fordere ich von euch einen einzigen Kuss!"

Severus sah sie ungläubig an. Er würde sie ganz bestimmt nicht Küssen. Miranda hinter ihm taste nach seiner Hand und umschloss sie fest.

Tu es nicht!, flüsterte sie in seinem Kopf.

Das habe ich auch nicht vor. Noch sind unsere Möglichkeiten nicht ausgeschöpft!, erwiderte er.

Was hast du vor,? fragte sie.

Ich möchte sie so wütend machen, dass sie in die Zelle kommt. Dann wäre es für mich ein leichtes sie zu überwältigen.

„Nun? Ich werde nicht ewig auf eure Entscheidung warten. Tut es oder lasst es!" fauchte Girisha.

Dumbeldore stand kurz davor ebenfalls durch den Portschlüssel zu gehen, nur einzig Minerva hielt ihn zurück davon. Sie überzeugte ihn auch davon seinen Wachposten aufzugeben und ihn Mad-Eye zu überlassen.

Er brauchte Ruhe und er hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen. Minerva zog den Schulleiter mit sich und brachte ihn in seine privaten Räume.

„Minerva, Liebes, ich mach mir große Sorgen!" sprach er müde zu ihr.

„Ich weiß, aber du musst dich trotzdem ausruhen. Außerdem reden wir hier von Severus, wenn er nicht auf sich aufpassen kann, wer dann? Hab vertrauen zu ihm und in seine Fähigkeiten!" versuchte sie ihn zu beruhigen.

Zustimmend nickte er mit dem Kopf. Sie hatte wie immer Recht. Severus Snape war, auch wenn es nur sehr wenigen bekannt war, einer der größten und begabtesten Magier die er kannte.

Sanft lehnte er den Kopf an ihre Brust und schmiegte sich an sie.

„Du kennst mich, ich mache mir ständig Sorgen." Minerva schloss ihn in ihre Arme und küsste seinen Scheitel.

„Es wird alles gut, du wirst es sehen." meinte sei bestimmt und hoffte innerlich, Recht zu behalten.

Severus trat dich an das Gitter, so nahe, dass seine Nase fast einen der Gitterstäbe berührte.

„Ich denke nicht, dass ich euch küssen möchte. Ich hab es nicht so gerne, wenn man mich anfasst, und schon gar nicht von meinen Feinden." Severus erkannte seinen Fehler sobald die Worte heraus waren.

Girishas Gesicht verhärtete sich. Sie würde ihn töten sobald sie mit ihm fertig war.

„Oh doch ihr werdet oder sie stirbt!" keifte Girisha und wie zu ihrer Bestätigung, begann sich Miranda unter starken Schmerzen zu winden.

Unbemerkt hatte sie ihren Zauberstab gezückt und Miranda mit dem Crutio-Fluch belegt. Severus tastete nach seinem eigenen Zauberstab und merkte erst jetzt dessen Verlust.

„Wenn ihr den hier sucht…..", damit hielt sie seinen in die Luft,

„Den habe ich." Ein böses Lächeln umspielte ihren rot geschminkten Mund.

Severus schloss kurz die Augen. Er hatte verloren.

„Gut ich beuge mich euch und ich werde euch küssen, nur tut ihr nichts." bat er. Kaum waren seine Worte heraus, als sich Miranda beruhigte und wieder still lag.

„Gebt mir euer Wort!" forderte Girisha.

„Auf mein Wort ich werde euch küssen!" versprach Severus widerwillig.

Girisha öffnete die Zellentür, den Zauberstab fest in der Hand. Sollte Severus irgendetwas versuchen, würde sie ihn auf der Stelle töten.

Sie trat dicht an ihn heran und hob ihm ihr Gesicht entgegen. Severus beugte sich herab und bevor der Widerwille in ihm siegen konnte, presste er schnell seine Lippen auf ihre.