17
Stürmische Winde begleiteten sie auf ihrer Reise. Es war als würde selbst das Wetter ihren Aufruhr fühlen. Sie hielt sich dicht am Hals der Sphinx.
Von der Sphinx hatte sie erfahren wohin ihre Reise ging. Nach Bulgarien.
Girisha lebte dort in einem dunklen, mächtigen Turm. Kein Mensch und auch kein Magier konnten ihn sehen. Sie hatte ihn gut verborgen, aber nicht gut genug, für einen Sphinx blieb er sichtbar.
Viele Stunden waren sie unterwegs. Viele Stunden wo sie mit ihren Gedanken alleine war. Ihre größte Sorge war, dass sie zu spät kam oder das sie es nicht schaffte, dass der Wille Severus zu befreien nicht reichte.
Ihr Herz pochte heftig. Sie würde alles tun um ihn zu befreien, sie würde für ihn alles tun. Nie wieder würde sie ihn im Stich lassen, egal wie hoch der Preis für sie war.
Durch Feigheit hatte sie ihn damals verloren und mit viel Glück und Liebe hatte sie von ihm eine zweite Chance bekommen und von keiner Hexe der Welt ließ sie sich die nehmen, ihn wegnehmen.
Sie würde für Severus sterben. Krampfhaft versuchte sie sich an alles was mit Verteidigung zu tun hatte zu erinnern. Das meiste hatte ihr Severus beigebracht. Er lachte sie oft aus, wenn er sie mit dem Zauberstab hantieren sah. „Du mit deinem albernen Zauberstabgefuchtel!" neckte er sie oft.
Wenn sie wüsste, dass er einen ähnlichen Spruch für seine Schüler auf Lager hatte.
„Ach Severus!" seufzte sie. Von ihm getrennt zu sein, tat ihr furchtbar weh. Immer noch verstand sie sich selbst nicht, wie konnte sie ohne ihn 16 Jahre leben? Jetzt glaubte sie ohne ihn sterben zu müssen.
Miranda hielt sich selber für ein albernes Ding. Endlich neigte sich die Sphinx nach unten. Sie waren an ihrem Ziel angelangt. Girishas schwarzer Turm!
Die Sphinx landete auf einer weiten offenen Wiese. Nichts schien es hier zu geben, nur unendliche Weite. Mit dem Kopf wies sie sie geradeaus.
„Dort?" fragte Miranda nach.
Sie konnte nichts sehen. Zustimmend nickte die Sphinx mit seinem Haupt. Unschlüssig stand Miranda da. Was sollte sie jetzt tun? Mutlos betrachtete sie die leere Ebene vor sich.
Wie klein sie sich plötzlich fühlte. Sie war nicht wie Severus oder Dumbledore die hatten für solche Fälle einen geeigneten Plan, aber sie. Ein böses Lachen hallte durch das Nichts.
Sie war da. Die Sphinx hatte Recht. Miranda spürte die Wut in sich aufsteigen.
„Girisha!" rief sie laut in die Richtung wo sie den Turm vermutete.
Wie aus dem nichts nahm er Form und Gestalt an. Der schwarze Turm offenbarte sich ihren Augen. Auf den Zinnen ganz oben stand Girisha und sah ungläubig herab.
„Was willst du hier? Sei froh das ich dir dein Leben gelassen habe und verschwinde!" rief sie herablassend zu ihr.
Miranda lag schon einen Antwort auf der Zunge, da trat Severus neben Girisha. Scharf sog sie die Luft ein. Gott sei dank er war am Leben und unversehrt. Verzweifelt suchte sie seine Augen, wünschte er würde sie ansehen, doch er würdigte sie keines Blickes.
Tränen glitzerten an ihren Wimpern, mühsam hielt sie sie zurück. Es tat so weh, so unendlich weh Severus vertraut an ihrer Seite zu sehen. Er gehörte doch zu ihr! Aber er sah sie nicht an.
Müde senkte sie ihr Haupt. Was tat sie hier? Ihr Verstand schrie ihr zu ihren Augen nicht zu trauen und doch hob sie erneut den Kopf, ließ den Schmerz der sie bis in die letzte Faser ihres Körpers traf zu.
Liebvoll neigte er sich zu Girisha. Nun rollte doch eine Träne, die sie so mühsam zu unterdrücken versuchte, über ihre Wange. Wütend wischte sie sie weg. Sie wollte nicht weinen, wollte keine Schwäche zeigen.
Hochmütig sah Girisha von ihrem Turm herab. Ihr höhnischer Blick schien ihr zuzurufen. Was tust du jetzt? Du bist nichts und du kannst mir nichts tun!
Sie hatte Recht! Sie war nicht so stark wie sie. Wie absurd erschienen ihr die Worte von Dumbledore, die er ihr noch vor ihrer Abreise zu ihr sagte.
„Die Liebe verleiht dir die höchste Macht. Kein Zauber ist mächtiger, als die Liebe!"
Nun stand sie hier gedemütigt, mutlos. Wie sollte sie alleine den Turm überwinden und Severus den Fängen Girishas entreißen? Unheilvoll kreiste eine Elster über ihrem Kopf und krächzte zornig auf sie herab.
Bösartiges Lachen schallte vom Turm zu ihr. Girisha lachte sie aus. Sie hatte längst erkannt, dass ihr Miranda nicht gefährlich werden konnte. Wie auch? Miranda lehnte sich an die Sphinx um ihre tröstende Nähe zu spüren.
Alle Kraft war aus ihr gewichen. Alle ihre Gefühle erloschen ins nichts. Sie fühlte gar nichts, nur Leere in sich. Sie wünschte sich stark zu sein, mächtig zu sein um ihm helfen zu können. Und da war es.
Der Hauch eines Gedanken manifestierte sich in ihren Kopf und wurde klar fassbar. Miranda richtete sich zur vollen Größe auf. Ernst und entschlossen sah sie hoch in das Gesicht Girishas.
Severus ignorierte sie, sie wollte ihn nicht sehen, verbat sich jeden Gedanken an ihn. Sie brauchte einen klaren Kopf. Sie wusste was sie tun konnte.
„Ich rate dir gut Severus frei zu lassen, ansonsten wirst du es bereuen!" Stieß sie zornig über die Lippen und hoffte insgeheim, dass sie keine leere Drohung ausstieß.
Das was sie vorhatte, hatte sie noch nie getan. Noch nie bewusst getan. Spöttisch betrachtet Girisha sie und ihre Stimme troff vor Hohn.
„Was, du willst mir drohen!? Verschwinde ehe ich dich zerquetsche wie eine lästige Fliege!"
Das gab für Miranda den Ausschlag. Sie schloss die Augen sammelte sich, aber vor allem ihre Gefühle. Holte sie alle aus den verborgenen Verstecken ihres Geistes, ließ sie in sich wachsen.
Dachte an all ihre Wut, den Schmerz, die Trauer um Lily und James. Dachte an die Vergangenheit und Gegenwart, an ihre Eltern und an den Tag an dem sie Severus verließ und das Wiedersehen.
Sie spürte wie es in ihr tobte und brodelte. Erst dann öffnete sie die Augen, sah mitten in das Gesicht von Severus und entflammte somit das stärkste aller Gefühle zu dem sie fähig war.
Noch hielt sie sie fest, doch ein Lächeln, eine Hand die sich vertraut über Severus Arm schob, gaben ihr den Rest. Ohne sie steuern zu können, ließ sie sie los.
Selbst das Gras unter ihren Füßen neigte sich dem Ansturm ihrer Gefühle. Diese brannten sich gleich einer Welle fort zum Turm und schwemmte über ihn hinweg. Mit voller Wucht trafen sie Girisha.
Völlig unvorbereitete wäre sie beinahe zu Boden gestürzt und nur dadurch dass sie sich an Severus Arm festkrallte, konnte sie es verhindern.
„Was?" hauchte sie verblüfft.
Sie konnte sich nicht vorstellen, dass dieser Sturm an Gefühlen von der kleinen unscheinbaren Person, die sich so dreist und doch so nichts sagend vor ihrem Turm aufgebaut hatte, kommen könnte.
Selbst die Sphinx wich zurück und erhob sich in die Lüfte, so als könnte auch sie dieser Wucht an Emotionen nicht standhalten. Ihre Elster hatte sich Schutz suchend im Turm verborgen.
Girisha brach auf den Zinnen zusammen. Was war das? Sie fühlte so viele Gefühle auf einmal. Sie liebte plötzlich ihren Sklaven und sie war wütend auf sich selbst, weil sie soviel Leid über ihn und Miranda gebracht hatte.
Sie empfand Trauer für Menschen die sie nicht gekannt hatte und Schmerz krampfte ihr schwarzes Herz zusammen.
Mühsam kroch sie auf allen vieren zu ihrem Zauberstab, der auf den Boden gerollt war und hielt ihn mit beiden Händen vor sich ausgestreckt, so als versuchte sie damit den unsichtbaren Feind in ihrem Körper zu bekämpfen.
Aber der Zauberstab würde ihr nichts nützen. Der Kampf fand in ihrem inneren statt und dagegen würde sie sich nicht verteidigen können.
Miranda schritt auf den Turm zu. Entschlossen suchte sie den Eingang, aber er war an allen Seiten gleichmäßig glatt. Es gab keine Tür. Verzweifelt sucht sie nach einem besonderen Stein, eine Vertiefung, irgendetwas, dass ihr zeigte wo sie hineinkam.
Sie klopfte mit ihrem Zauberstab auf jeden Stein, den sie erreichen konnte und das Glück war auf ihrer Seite. Sie traf den richtigen. Die Steine vor ihr schwangen nach innen und gaben den Blick auf einen hohen großen Raum frei.
Einen Moment zögerte sie, sah sich vorsichtig um und trat dann ein. Den Zauberstab hielt sie vor sich, auch wenn er ihr kaum von nutzen war, so wusste das außer ihr nur Severus und sie bezweifelte das er sich in seinem Momentanen Zustand daran erinnerte. Im inneren wand sich eine Treppe nach oben. Ohne Zögern folgte sie dieser.
Ungehindert stieg Miranda Stufe für Stufe nach oben und erreichte die erste Ebene. Peter hatte sich in der Küche verschanzt. Zusammengekauert lag er am Boden. Umklammerte mit den Händen seine Beine und wiegte sich hin und her.
Leise wimmerte er: „Ich fühle nichts! Ich fühle nichts!" und doch er fühlte, wie schon seit Jahren nicht mehr. Auch er hatte diese grässlichen Gefühle gespürt. Er hatte Severus geliebt!
All dieses Leid und die Wut die in ihm nach wie vor tobten, machten ihn ganz schwindelig. Doch am meisten traf ihn die Schuld. Damit wurde er nicht fertig und drohte den Verstand zu verlieren. Verächtlich blickte sie ihn an.
„Das geschieht dir Recht!" flüsterte sie und überlies ihn seinem Schicksal, vorher belegte sie ihn noch mit einem Zauber, der ihn bewegungsunfähig machte.
Sie kehrte zurück zu den Stufen und setzte ihren Weg nach oben fort. Die nächste Ebene brachte sie in eine sehr gut ausgestattete Bibliothek. Das würde Severus gut gefallen. Dachte sie. Eine kurze Durchsuchung des Raumes zeigte ihr, auch dieser war leer.
„Severus ich komme zu dir!" flüsterte sie.
Sie wandte sich ab und stieg noch weiter nach oben auch der nächste Raum wäre nach Severus Geschmack, ein riesiges Labor mit unzählig exotischen Tränken und Kräutern und was da sonst noch in den Gläsern schwamm, worüber Miranda lieber nicht nachdenken wollte.
Auch hier war niemand. Sie stieg die restlichen Stufen nach oben und war in Girishas Schlafkammer. Von dort führte eine Tür hinaus auf die Zinnen. Entschlossen folgte sie dieser. Draußen bot sich für sie ein schmerzhafter Anblick.
Severus kniete neben Girisha und strich ihr fürsorglich über ihr Gesicht, dabei hielt er ihre Hand fest in seiner. Girisha wimmerte lautlos vor sich hin.
Alles, jeder klare Gedanke war wie weggefegt aus ihrem Hirn, sie nahm nur mehr Mirandas Emotionen wahr, war erfüllt von diesen und die drohten sie zu ersticken. Miranda trat auf die beiden zu und entwand Girisha den Zauberstab aus den verkrampften Händen.
„Lass ihn gehen!" knurrte sie.
„Was?" fragte diese nach, sie verstand nicht.
„Gib ihn frei, auf dich wird er hören!" erwiderte Miranda verbittert und begann ihre Gefühle unter Kontrolle zu bringen.
Girisha merkte das der Ansturm auf ihre Sinne abnahm. Schwach richtete sie sich auf, den Kopf auf die Brust gesenkt.
„Sag es!" wiederholte Miranda. Kraftlos nickte Girisha.
„Severus!" krächzte sie geschwächt. Miranda wartete, aber sie sagte nicht mehr.
„Tu es!" befahl sie herrisch.
„Severus!" sagte Girisha erneut. „Du bist frei! Geh mit ihr!" befahl sie ihm.
Aufgeregt richtete Miranda sich auf. Girisha sank erschöpft zu Boden, in ihrem Kopf herrschte wüstes durcheinander. Erneut versuchte sie einen klaren Gedanken zu fassen.
„Was hast du mit mir gemacht?" fragte sie leise.
Auf sie wurden schon alle erdenklichen Flüche ausgesprochen und mit den meisten war sie auch persönlich in Berührung gekommen, aber so etwas hatte sie noch nie erlebt. Es war das pure Grauen soviel auf einmal fühlen zu müssen.
Severus erhob sich und stand einfach da. Miranda konnte den Impuls sich in seine Arme zu stürzen gerade noch verhindern, seine kalten Augen hielten sie zurück. Er war ihr Severus und doch nicht. Vor ihr stand nur Severus Hülle, sein Geist seine Seele waren tief unter dem Gift verborgen.
Tränen rannen ihr über diesen Anblick über ihr Gesicht, dass Schmerzte sie am meisten. Sie hatte sich geschworen ihm nie wieder weh zu tun und nun wurde sie dazu gezwungen.
„Es tut mir leid, mein Liebster, aber glaube mir es ist nur zu deinem Besten." wisperte sie. Sie trat noch einmal dicht an Girisha heran und beugte sich hinab zu ihr.
„Ich sollte dich für das was du Severus und mir angetan hast töten, aber ich bin keine Mörderin. Ich werde dich dem Gesetzt übergeben. Vielleicht schadet dir ein Aufenthalt in Askaban nicht." damit erhob sie sich, schwenkte ihren Zauberstab und Girisha war am ganzen Körper gefesselt.
Sie sah aus verschnürt wie eine Mumie. Severus führte sie vor sich her nach unten. Solange das Gift wirkte konnte sie ihm nicht trauen. Bei der Küche angelangt, sah sie nach Peter. Er lag noch genauso da wie sie ihn verlassen hatte.
Dieser schleimige Käfer hatte sicher auch ein Verbrechen begangen, für das er Strafe verdiente. Erst dann verließ sie mit Severus den Turm. Draußen wartete die Sphinx bereits auf sie. Überrascht beäugte er Severus.
„Wir müssen ihn so schnell wie möglich nach Hogwarts zurück bringen!" befahl sie der Sphinx.
Leise murmelte sie ein paar Worte und in wenigen Sekunden war Severus sorgfältig in Tücher eingewickelt. Sanft strich sie über sein Gesicht.
„Verzeih mir, aber es muss sein!" flüsterte sie zärtlich.
Der hasserfüllte Blick den ihr Severus darauf hin zu warf, traf sie bis ins Mark. Auch wenn sie sich zum hundertsten Mal sagte, dass er nicht er selbst war und unter dem Bann eines Giftes stand, so tat es doch unheimlich weh.
Die Sphinx packte mit ihren Klauen die Enden der Tücher und kaum war Miranda auf seinen Rücken geklettert, erhob sie sich in die Lüfte. Der Flug zurück nach Hogwarts kam ihr noch viel länger vor, als die Reise hierher. Nach vielen Stunden landeten sie direkt vor den Toren des Schlosses.
Miranda hatte Severus noch nicht ganz aus den Tüchern befreit, da eilten schon Albus und Minerva herbei, dicht gefolgt von Harry, Ron und Hermine.
„Gott sei dank, seid ihr unbeschadet zurück!" rief Albus aus. Severus lag am Boden und konnte sich nicht bewegen. Misstrauisch beäugte Albus ihn.
„Ihr seid doch unbeschadet?" fragte er nach.
„Doch, aber bei ihm wirkt immer noch das Gift!"
„Bringen wir ihn ins Schloss hinein und auf die Krankenstation! Vielleicht kann Poppy ihm helfen, wir werden sehen." bestimmte Albus und zückte seinen Zauberstab.
Wie von Geisterhand schwebte Severus ins Schloss und hoch in die Krankenstation, doch Poppy konnte ihm nicht helfen. Da das Gift unbekannt war, wusste sie nicht was sie ihm als Gegengift verabreichen sollte.
„Nun gut dann müssen wir warten, bis der Trank bereit ist oder das Gift von selbst seine Wirkung verliert!" beschloss Dumbledore.
Miranda stand nachdenklich daneben. In ihrem Kopf begann eine Idee zu reifen, die umso länger sie darüber nach dachte, umso vernünftiger schien ihr der Gedanke. Sie atmete tief durch und teilte ihn Albus mit.
„Ich würde ihn gerne fortbringen vom Schloss. Ich kenne einen Ort wo ich mich ganz auf ihn konzentrieren kann und er seine Ruhe hat. Wenn der Trank bereit ist, könntest du ihn mir dorthin schicken. Ich denke nicht, dass Severus möchte, dass ihn allzu viele so sehen." schloss sie ihren Gedankengang.
Albus hörte ihr aufmerksam zu und schwieg. Eine Weile schritt er nachdenklich vor dem Krankenbett von Severus auf und ab. Mit seiner Hand zupfte er dabei in seinem Bart, dann blieb er stehen.
„Du willst ihn nach Avalon bringen?" fragte er sie unvermittelt. Verblüfft sah Miranda ihn an.
„Woher…? Egal! Ja, ich….wir waren uns dort immer sehr nahe und meist auch glücklich." erwiderte sie. Zustimmend nickte Albus mit dem Kopf.
„Gut! Ich denke auch dass es das Beste für ihn wäre, aber versprich mir vorsichtig zu sein. Dieses Gift in seinem Körper macht ihn zu einem anderen, er könnte dich verletzten, oder sich selbst." beschwor er sie.
„Ich werde auf ihn und mich gut acht geben!" versprach sie und eilte davon um ihre und Severus Sachen, die sie benötigen würden, zu packen.
Dabei wurde ihr bewusst, dass sie noch nie in seinem Kleiderschrank herumgewühlt hatte. Eine irgendwie aufregende Erfahrung. Das war etwas sehr persönliches, fand sie. Auch wenn Severus Schrank ausschließlich schwarze Kleidung enthielt.
Sorgfältig und liebevoll packte sie seine Sachen ein, bei seinem Umhang hielt sie kurz inne und vergrub ihr Gesicht darin.
Auch wenn ihr klar war, dass das albern war, so übte sein Geruch auf sie eine beruhigende Wirkung aus und machte ihr Mut. Bei ihren Sachen war sie weniger genau und so stand sie kaum eine Stunde fertig gepackt auf der Krankenstation.
„Ich werde mit ihm auf die Insel aperieren. Eines noch bevor wir gehen. Girisha und Peter habe ich gefesselt in ihrem Turm zurück gelassen." erzählte sie Dumbledore und nannte ihm den Ort wo sie zu finden waren. Albus packte sie sanft an ihrem Arm.
„Warte, wie ist es dir gelungen sie zu überwinden?" fragte er.
„Ich habe meinen Gefühlen freien lauf gelassen." antwortete sie ihm matt.
„Und du hast geglaubt deine Fähigkeit sei dein Fluch! Ich habe dich immer davon zu überzeugen versucht, dass es eine Gabe, ein Geschenk ist." meinte er.
„Für alles gibt es einen Sinn auch wenn es im ersten Moment anders scheint. Deine Gabe hat euch das Leben gerettet." Mit diesen Worten versuchte er sie erneut dazu zu bringen ihre Fähigkeit als etwas Gutes anzunehmen.
Wortlos nickte Miranda, sie hatte ihren Kopf gesenkt. Die Gespräche von früher mit Dumbledore fielen ihr ein. Er hatte beständig versucht sie davon zu überzeugen, ihre Gabe anzunehmen. Damals konnte und wollte sie es nicht.
Zu sehr war sie deswegen verletzt worden und oft hatte sie sich gewünscht einfach normal zu sein. Bei der Arbeit hatte sie gelernt ihre Fähigkeit bis zu einem gewissen Grad zu nutzen, aber in sehr eingeschränkter Form und nur in zusammen arbeit mit der Sphinx.
Noch nie hatte sie diese Fähigkeit bewusst und im vollen Ausmaß eingesetzt. Wenn sie daran dachte wie sich Girisha und Peter am Boden wanden, erschreckte sie das zutiefst.
„Das ist keine Gabe, Albus, sondern eine Waffe. Du hast nicht gesehen, was ich gesehen habe. Auch wenn die beiden es verdient hatten, ich möchte nie wieder gezwungen sein sie einsetzten zu müssen." Meinte sie tonlos, dann wandte sie sich Severus zu.
Poppy hatte ihm ein leichtes Schlafmittel gegeben. Friedlich schlafend lag er da. Liebevoll umschloss sie seine Hände.
„Liebster ich bringe dich auf unsere Insel und verspreche das alles wieder gut wird!" redete sie leise auf ihn ein.
Diesmal legten sie ihn auf eine Trage und transportierten ihn auf dieser nach unten. Über die Wiese zum Aperierplatz begleitete sie Dumbledore. Misstrauisch verfolgte Mad Eye die drei. Ihm hatte natürlich keiner etwas gesagt. Wütend schlich er ihnen nach. Er würde die Wahrheit schon herausfinden.
Bevor Miranda mit Severus verschwand, sagte sie noch zu Dumbledore.
„Sei mir bitte nicht böse, ich weiß du meinst es gut mit mir." Dann drückte sie den alten Mann kurz an sich. Gerührt betrachtete er sie.
„Du bist einer der sanftmütigsten Menschen die ich kenne und du hast Recht, bevor eine Fähigkeit als Waffe genutzt wird, sollte man sie lieber gar nicht nutzen."
„Danke!" flüstere sie noch und dann waren die beiden verschwunden.
Dumbledore kehrte zum Schloss zurück und war überrascht Mad-Eye auf dem Weg anzutreffen.
„Albus!" rief dieser erstaunt aus.
„Was machst du hier?" setzte er gleich die Frage nach.
„Ich habe mich von Severus und Miranda verabschiedet, die beiden gehen auf eine kurze Reise." Mad-Eye wuselte neben Dumbledore her zurück ins Schloss.
Wütend presste er die Lippen aufeinander. Dieser alte Fuchs würde ihm nichts verraten.
„Ich habe gesehen, dass Severus auf einer Trage lag. Ist er krank?" wagte er erneut einen Vorstoß.
„Er war krank und braucht noch Erholung, aber nichts was der Rede wert wäre." Meinte Dumbledore flüchtig.
Hasserfüllt umklammerte Barty den Zauberstab unter seinem Umhang. Wie gerne würde er den alten Trottel jetzt töten. Der dunkle Lord würde ihn mit Sicherheit reich belohnen, wenn er noch lebte.
„Entschuldige mich, Mad-Eye. Ich muss noch die Behörden verständigen, damit sie Girisha und Peter verhaften."
„Peter? Peter Pettigrew?"
„Ja, warum fragst du?"
„Ach nichts, ich dachte nur er wäre beim dunklen Lord!" erwiderte Mad-Eye scheinbar desinteressiert, doch die nächsten Worte von Dumbledore ließen ihm das Blut in den Adern gefrieren um dann kochend durch seine Eingeweide zu laufen.
„Voldemort ist tot." Sagte Dumbledore schlicht und verließ Barty, der stehen geblieben war.
Tod! Der Meister ist tot? Wer hat ihn getötet? Wer kann das getan haben?
Bartys Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen, nervös glitt seine Zunge über seine Lippen. Er wusste wer es war. Er wusste wie der Schuldige hieß.
Severus! Dafür wirst du sterben! schwor er sich.
Niemand sah seine Gesichtszüge entgleisen. Niemand sah den blanken Haas in seinen Augen. Niemand wusste was er vorhatte.
