19

Was habe ich getan? Wie konnte ich nur? Er ist alles für mich und noch mehr! Warum bin ich gegangen, wenn ich ihn doch liebe?

Miranda sah sich um. Sie war in ihren Zimmern, ihr Zuhause und doch sie gehörte nicht mehr hierher. Ihr Platz war woanders. Schwer fiel sie auf das Bett und stützte das Gesicht in die Hände.

All die Verzweiflung die sie auf der Insel gefühlt hatte, die sie so erdrückt hatte, war hier fort. Sie konnte wieder viel klarer sehen. Sein Leben war nicht einfach, dass wusste sie und es würde bestimmt nie einfach sein. Er war außergewöhnlich und zog außergewöhnliches an.

Aber sie beide waren so weit zusammen gegangen, hatten gemeinsam dem Tod getrotzt und wofür? Für nichts! Das sie hier saß und der Mann den sie liebte weit fort war. Nein das konnte, das durfte nicht sein! Entschlossen raffte Miranda sich auf. Sie musste zurück. Auf der Stelle. Sie hatte schon zuviel Zeit vertrödelt.

Bitte Severus, mein Herz, sei nicht wach, schlafe und lies den Brief nicht! flehte sie innerlich, wohl wissend, dass es mehr als unwahrscheinlich war, dass er den Brief und den Ring, das Symbol seiner Liebe zu ihr, noch nicht entdeckt hatte.

Hektisch strich sie sich durch ihr zerrauftes Haar und versuchte es so wieder glatt zu bekommen. Vor zwei Stunden war sie hier eingetroffen und seit dem haderte sie mit sich. Sie hatte einen riesengroßen Fehler begangen und der Preis war sehr hoch, denn er könnte sie alles kosten.

Ihre Welt war nichts ohne ihn, nicht mehr. Sie sah sich ein letztes Mal in ihrer Wohnung um und verließ sie für immer. Egal was passierte, zurückkommen würde sie nicht mehr, konnte sie nicht mehr. Ihre Rückkehr auf die Insel verlief unspektakulär und ohne aufsehen.

Die Hütte war nicht verborgen, etwas, das sie zunächst als gutes Zeichen wertete, sich beim Betreten aber als Fehler herausstellte, denn Severus war fort. Ein Blick auf dem Tisch zeigte ihr, dass alles Hoffen umsonst gewesen war, obwohl weder der Brief noch der Ring da lagen, zeugten die zerbrochenen Gegenstände am Tisch von Severus Schmerz.

Er hatte ihn gelesen. Sie konnte ihm nie wieder unter die Augen treten. Er würde sie verjagen wie einen räudigen Hund und sie hätte nichts Besseres verdient. Trostlos saß sie da, sie wusste nicht was sie tun sollte. Ihre innere Stimme riet ihr nach Hogwarts zu gehen und mit Severus zu reden. Mutlos wankte sie zur Tür und sah in die Ferne.

Der Schmerz in ihrer Brust zerriss sie fast und sie verbat sich ihm nach zu geben, denn sie hatte kein Recht darauf. Sie hatte leichtfertig ihr Glück zerstört und nun musste sie damit leben.

Ein letztes Mal werde ich zu ihm gehen und ihn um Vergebung bitten. Vielleicht…sie dachte den Gedanken nicht zu Ende.

Stumm sah sie zu wie die Sonne am Horizont verschwand und den Sternen Platz machte. Abermillionen erleuchteten in dieser Nacht den Himmel. Sie blieb die ganze Nacht draußen, denn sie wusste, dass sie keinen Schlaf finden würde.

Ein Satz, den Severus vor langer Zeit gesagt hatte, ging ihr dabei die ganze Zeit durch den Kopf: Es gibt verzeihliche und unverzeihliche Fehler! Welchen hatte sie in seinen Augen begangen?

„Professor Snape?" rief Harry erstaunt aus.

Er entdeckte bei seinen abendlichen Streifzügen eine Gestalt am Boden und als er näher kam erkannte er Professor Snape. Er kniete sich neben ihm nieder und besah sich ihn genauer. Er war schwer verwundet, aber lebte noch.

Eilig richtete er sich auf und rannte als wäre der Teufel hinter ihm her zurück zum Schloss. Schon von weitem rief er um Hilfe. Als er die schweren Türen aufstieß kam ihm schon Professor McGonagall entgegen, aufgescheucht durch Harrys Geschrei.

„Was haben sie Mr. Potter?"

„Professor Snape liegt da draußen und ist schwer verletzt!" rief er atemlos.

Kreidebleich stand er vor Professor McGonagall, ihm stand der Schock noch ins Gesicht geschrieben.

„Schnell Mr. Potter laufen sie nach oben zum Krankenflügel und holen sie Madam Pomfrey!" Harry eilte schon an ihr vorbei, als sie ihn noch einmal zurück rief.

„Wo Mr. Potter?" auch sie klang eine Spur hektisch.

„Draußen in der Nähe der Stelle von wo aus man aperieren kann!" erwiderte Harry und rannte weiter.

McGonagall lief nach draußen und hätte Severus beinahe übersehen, da er leicht verborgen in einer Mulde lag und im Dämmerlicht durch seine dunkle Bekleidung kaum zu sehen war.

Sie zückte ihren Zauberstab und nach einem gemurmelten „Lumos" erhellte die Spitze dieses die Szenerie zu ihren Füßen. Schockiert über den Anblick ihres Kollegen sank sie in die Knie.

An seinen Lippen klebte Blut, das ihm scheinbar aus dem Mund geflossen war. Ein Blick auf seine Brust zeigte ihr eine große klaffende Wunde. Er war offensichtlich mit einem unverzeihlichen Fluch belegt worden, wer auch immer ihn ausgesprochen hatte, hatte seinen Tod im Sinn. Jemand wollte Severus töten, sein Leben hing an einem seidenen Faden.

Das Portal zum Schloss erhellt sich und Poppy kam mit Dumbledore und Harry im Schlepptau herausgelaufen. Nachdem sich Poppy selbst ein Bild verschafft hatte, wurde Severus so schnell wie möglich auf die Krankenstation gebracht und eiligst seine Wunden versorgt, er schien friedlich zu schlafen.

Sein Atem ging flach aber beständig und auch seine fahlen Wangen hatten wieder etwas Farbe gewonnen. Albus saß neben ihm und ohne seinen Blick von ihm abzuwenden fragte er Poppy die hinter ihm stand.

„Warum wacht er nicht auf?"

Seufzend zuckte sie mit den Schultern. Sie hatte alles getan was in ihrer Macht stand.

„Ich weiß es nicht, aber wenn ich raten soll, so glaube ich dass er seinen Lebenswillen verloren hat. Er will nicht mehr leben." meinte sie leise.

„Ob er nun wieder gesund wird, hängt nun von ihm ab." Fügte sie noch hinzu.

Sie konnte Albus Kummer spüren, aus für sie unerfindlichen Gründen hatte er eine besondere Schwäche für Snape, als wäre er der Sohn den er nie hatte. Poppy reichte ihm die persönlichen Sachen aus Snapes Taschen und ließ ihn damit alleine.

Ihm fiel als erstes der Ring in die Hände, eine dunkle Vorahnung machte sich in ihm breit und als er das zerknitterte Stück Pergament sah wurde es zur traurigen Gewissheit. Miranda hatte Severus verlassen.

Er wusste es war falsch, aber um ihn zu retten zu können, musste er die Wahrheit wissen. Kurz zögerte er noch bevor er das Pergament auseinander faltete und den Inhalt las. Er konnte in den Zeilen ihre Verzweiflung erkennen, er hätte sie nicht alleine lassen dürfen.

Warum hatte er, der so viel sah, nicht erkannt, dass ihr alles zuviel geworden war. Die Angst, der Kummer und die Sorge um Severus und der Einsatz ihres eigenen Lebens, um den Mann, den sie liebte, zu retten.

Auf der Insel hatte sie Zeit gefunden, darüber nach zu denken und sie hatte Angst bekommen. Angst davor, einem Leben an Severus Seite nicht gewachsen zu sein. Er konnte nur hoffen, dass es ihr gut ging und sie zur Besinnung kommen würde, denn sie und Severus waren füreinander bestimmt, das wusste er.

Behutsam faltete er das Pergament wieder zusammen und legte es mit dem Ring auf Severus Nachttischchen.

„Severus hör mir gut zu." flüsterte er mit leiser Stimme. „Miranda hat dich verlassen, weil sie dich viel zu sehr liebt. Du bedeutest ihr alles, das weiß ich ganz genau."

Albus sank in sich zusammen und senkte den Kopf. Es würde eine lange Nacht werden. Er hatte nicht vor von Severus Seite zu weichen.

Kaum zeigten sich die ersten Strahlen der Sonne am Horizont, stand Miranda vom Boden der Holzveranda vor der Hütte auf. Es war Zeit. Sie wollte nicht länger warten. Sie musste Severus sehen und versuchen ihm zu erklären was in ihr vorging.

Schwermütig stieg sie die zwei Stufen der Veranda hinab und ging auf den Platz zum Aperieren zu. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. Ob er ihr noch eine Chance geben würde? Sie hatte sie nicht verdient, weiß Gott nicht, aber sie musste es zumindest probieren. Sie schloss die Augen und aperierte nach Hogwarts.

Ihre Gedanken waren von Severus erfüllt und als sie dort ankam, nahmen sie ein beunruhigendes Ausmaß an. In ihr keimte eine böse Vorahnung.

Severus!

Sie raffte ihr Kleid zusammen und rannte so schnell sie konnte auf das Schloss zu. Es war noch niemand unterwegs. Das Schloss selbst lag ruhig und still da. Das beklemmende Gefühl verstärkte sich in ihrem Herzen. Sie hastete auf den Kerker zu und suchte seine Kammer auf.

Zuerst klopfte sie leise an, aber als sich nichts regte schlug heftig mit der Faust dagegen. Nichts geschah, er öffnete nicht. Kalte Furcht bemächtigte sich ihrer. Was war passiert? Sie lief zu Dumbledores Büro, aber auch dort stand sie vor verschlossener Tür.

Völlig verzweifelt sank sie auf die Stufen und schlug die Hände vors Gesicht. Wo waren nur alle? Hier muss etwas Furchtbares geschehen sein.

So fand sie Minerva McGonagall.

„Miranda!" rief sie überrascht aus. „Was machst du hier?"

„Ich….suche Severus.", stotterte sie und sprang auf die Beine. Das plötzliche Auftauchen von Minerva hatte sie erschreckt.

„Weißt du es noch nicht?" fragte McGonagall erstaunt „Severus wurde angegriffen und ringt auf der Krankenstation um sein Leben!"

Miranda schwankte und ihr verschwamm die Sicht. „Nein!" hauchte sie.

Schwer stützte sie sich gegen die Wand. Nahm denn dieser Alptraum nie ein Ende? McGonagall eilte auf sie zu um ihr Halt zu geben.

„Miranda?"

„Bring mich zu ihm, bitte!" flehte sie.

Sie war kreidebleich und in ihren Augen standen die Tränen. Zustimmend nickte Minerva und geleitete Miranda zur Krankenstation. Albus saß immer noch neben Severus und war eingeschlafen.

Das Auftauchen von Minerva und Miranda riss ihn aus seinem unruhigen Schlaf. Er sah Miranda an, seine Augen bohrten sich in ihre und schienen sie stumm nur eines zu fragen.

Warum?

Stumm schüttelte sie ihren Kopf und senkte den Blick.

Ich weiß es nicht! schien sie ihm damit sagen zu wollen.

„Ich liebe ihn und ich hoffe dass er mir vergeben kann, für etwas, was ich mir selbst kaum vergeben kann." meinte sie resigniert und hatte nur Augen für Severus, der sehr blass und geschwächt in den Kissen lag.

Albus erhob sich schwer aus seinem Stuhl, ihm taten sämtliche Knochen weh.

„Er hat seinen Lebensfunken verloren, dass ist deine Schuld. Ich erwarte von dir, dass du ihm hilfst, zurückzukommen!" meinte er ernst und streng. Gemeinsam mit Minerva verließ er die Krankenstation und ließ Miranda mit Severus alleine.

Zaghaft kauerte sie sich in den Stuhl auf dem Albus gesessen hatte. Mit zitternden Fingern ergriff sie seine Hand.

„Liebster hörst du mich? Komm zurück! Ich liebe dich und ich brauche dich." flüsterte sie mit tränenerstickter Stimme. „Es tut mir so Leid was ich dir angetan habe. Ich würde alles dafür tun um es wieder gut zu machen. Ach könnte ich es nur ungeschehen machen."

Still weinte sie vor sich hin.

Zwei Tage wachte sie ohne Unterbrechung an seiner Seite. Zwei Tage an denen er nicht einmal die Augen aufschlug. Poppy hatte ihr erklärt wie schlimm verletzt er gewesen war, aber eigentlich müsste er schon längst wach sein.

Miranda gab sich daran die Schuld. Von Albus erfuhr sie das Barty Crouch Severus angegriffen hatte und das dieser schon in Askaban war, wo er hingehörte. Er war ihr gegenüber wieder eine Spur milder gestimmt. Sie hatten sich lange an Severus Bett unterhalten und umso mehr verstand er sie und ihre Ängste.

Der Tag neigte sich bereits seinem Ende zu als Severus das erste Mal seine Augen aufschlug. Orientierungslos sah er um sich. Schön langsam kehrten die Erinnerungen zurück und er wusste wo er sich befand. Er sah auf seine Hand die von einer anderen gehalten wurde.

Er blickte auf, direkt in Mirandas Gesicht. Freude und Liebe zeichnete sich in seinen Augen ab, die plötzlich in Haas und Abscheu umschlug. Er entzog ihr hastig seine Hand.

„Was willst du hier?" krächzte er, sein Hals war völlig ausgedörrt und so gehorchte ihm seine Stimme noch nicht, aber auch so konnte sie die Verachtung, die sich in seinen Worten verbarg, hören.

Er wandte sich ab von ihr und drehte ihr den Rücken zu.

„Geh!"

Miranda sprang auf ihre Füße.

„Severus ich…." fing sie an, doch weiter ließ er sie nicht kommen.

„Geh!" verlangte er erneut.

Mirandas Herz krampfte sich zusammen. Es war zu spät. Es gab kein Zurück mehr. Er schickte sie fort.

„Ich liebe dich!" flüsterte sie noch und verließ leise das Zimmer.

Severus starte auf die Wand vor sich und versuchte sie zu vergessen. Er würde nicht noch einmal auf sie hereinfallen. Jetzt sagte sie ihm, dass sie ihn liebte und morgen trat sie seine Gefühle wieder mit Füßen. Er konnte und wollte das nicht noch einmal mitmachen.

Die Tür öffnete und schloss sich leise. Er dachte sie wäre wieder zurückgekommen, sein Herz machte einen freudigen Sprung, den er geflissentlich ignorierte.

„Du sollst verschwinden!" fauchte er ohne sich umzublicken.

„Sie ist fort!" erwiderte Albus ruhig. Erschrocken wandte sich Severus um.

„Wie geht es dir?" fragte Albus und nahm auf dem Stuhl vor dem Bett platz.

„Gut!" erwiderte er knapp und trank von dem Glas Wasser das neben seinem Bett stand.

Er wollte nicht reden. Er wollte in Ruhe gelassen werden.

„Das war Barty Crouch Junior der dir das angetan hat." erzählte ihm Albus. „Er sitzt bereits seine verdiente Strafe in Askaban ab. Er hat Mad-Eye-Moody gefangen genommen und sich statt seiner hier eingeschlichen." fuhr er fort.

Er beobachtete Severus genau und es war mehr als offensichtlich, dass dieser in los werden wollte. Er wollte alleine sein. Schon bald würde er ihm seine Ruhe gönnen, aber erst würde er sich alles anhören müssen was er ihm zu sagen hatte, ob er wollte oder nicht.

„Du hast Miranda weggeschickt?" fragte er vorsichtig.

Severus verschränkte die Arme vor der Brust. Er würde sich nicht mit Albus über Miranda unterhalten, was ihn betraf war dieses leidige Thema erledigt, nicht jedoch für Albus.

„Sie kam vor zwei Tagen hier an und seit dem wich sie nicht eine Sekunde von deiner Seite. Sie würde alles für dich tun, aber sie ist kein Mensch ohne Fehler. Sie hat mir erzählt was sie bewogen hat davon zu laufen." erzählte er ungefragt.

„Ich will das nicht hören!" presste Severus zwischen den Zähnen hervor und starrte stur an die Decke.

Ein Wort noch und er würde aufstehen und das Bett verlassen. In seiner Kammer hätte er wenigstens Ruhe.

„Sie war verzweifelt und mit ihren Ängsten alleine. Sie wurde mit dem was passiert war nicht fertig und so tat sie das einzige was ihr in diesem Augenblick richtig erschien, sie lief davon. Kaum in Afrika empfand sie tiefe Reue. Sie kam zurück auf die Insel, doch du warst fort. Sie beschloss sich und dir einen Tag Zeit zu geben um zur Ruhe zu kommen. Als sie in Hogwarts eintraf lagst du hier schwer verwundet. Severus, wir alle machen Fehler und manche mehr. Sie liebt dich und sie braucht dich! Wirf das nicht weg!" mahnte er.

Albus erhob sich, warf noch einen gütigen Blick auf Severus und ließ ihn mit seinen Gedanken alleine.

Miranda war hinab zum See gelaufen und ließ dort ihren Tränen freien Lauf. Es war wie sie geahnt hatte, es gab kein Zurück mehr. Sie hatte alles kaputt gemacht. Severus konnte ihr nicht mehr verzeihen.

Leichtfertig hatte sie ihr Glück vergeudet und nun musste sie dafür den Preis zahlen. Bitter presste sie die Lippen aufeinander. Sie würde fortgehen, wohin wusste sie noch nicht. Nach Afrika konnte sie nicht mehr zurück.

Was einst ihre Zuflucht gewesen war, war ihr jetzt fremd. Irgendwo neu Anfangen, das würde sie tun. Sie konnte praktisch überall arbeiten. Sie war an nichts und niemanden gebunden. Dieser Gedanke ließ sie erneut in Tränen ausbrechen. Alles verloren! Alles war sinnlos geworden!

Hier stand sie mit bebenden Schultern. Er wusste wo er sie finden würde. Tief atmete er ein und aus. Seine Kräfte verließen ihn beinahe. Er war viel zu früh aufgestanden, doch die Worte von Albus trieben ihn aus seinem Bett.

Was, wenn alles stimmte was der alte Mann erzählt hatte. War er wirklich dazu bereit alles zu verlieren, ohne sich anzuhören was sie dazu zu sagen hatte? Schwer stützte er sich auf einen Stock, er hatte in sich ungefragt aus der Krankenstation entliehen.

Sie sah so zerbrechlich aus. Albus hatte Recht, all die Geschehnisse waren viel zu viel für sie gewesen und dann war sie alleine auf einer Insel mit ihm, der nicht er selbst war, festgesessen.

Im wurde kurz Schwarz vor Augen und seinen Lippen entrang sich ein angestrengtes Stöhnen. Erschrocken wandte sich Miranda zu ihm um. Da war er. Er war zu ihr gekommen. Ihr Herz begann freudig zu schlagen und unerwartet keimte eine leise Hoffnung in ihr auf.

Leicht schwankte er, er hielt sich nur mehr mühsam auf den Beinen. Schnell lief sie zu ihm.

„Bist du verrückt geworden? Du hättest nicht aufstehen dürfen!" schimpfte sie ihn.

Tiefe Sorge stand ihr ins Gesicht geschrieben. Vorsichtig brachte sie ihn zu dem großen Felsen. Dankbar setzte sich Severus.

„Ich muss die Wahrheit wissen!" presste er schwer atmend hervor und sah sie erwartungsvoll an. „Sag mir, warum bist du gegangen? Warum hast du mich erneut verlassen?"

Er sah ihr fest ins Gesicht. Er würde ihr zuhören. Alles sprudelte aus ihr heraus, was sie gefühlt hatte als sie ihn an der Seite Girishas sah und wie unerträglich es für sie gewesen war, danach seinen ständigen hasserfüllten Blicken ausgesetzt zu sein.

Sie erzählte ihm von den Alpträumen die sie seitdem Nacht für Nacht quälten. Er hörte zu und schwieg, bis sie geendet hatte. Besorgt griff er nach ihrer Hand und schloss sie fest in seine. Da wusste sie, dass er verstand.

„Das einzige was ich mir wünsche ist hier zu bleiben, bei dir. Ich werde nicht mehr weglaufen, dass verspreche ich dir." sagte sie ernst und hoffte er würde ihr glauben.

„Du wirst schon 20 Jahre mit mir verheiratet sein müssen, ehe ich dir das glaube. Ich hoffe, das ist dir klar!" erwiderte Severus trocken.

Er fasste in seine Tasche und zog den Ring heraus.

„Den hier hast du verloren. Versprich mir, dass dir das nicht noch einmal passiert." meinte er zärtlich und streifte in ihr über den Finger. Aufschluchzend warf sie sich ihm an den Hals.

„Langsam! Du wirfst mich ja um!" empörte er sich gespielt und schlang seine Arme um sie.

„Danke!" wisperte sie und verteilte stürmisch unzählige Küsse auf seinem Gesicht.

Glücklich kehrten sie Hand in Hand zum Schloss zurück, wo sie schon erwartet wurden. Madam Pomfrey rang schon von weitem mit den Händen, wenn sie Snape in die Finger bekam würde sie ihn ans Bett fesseln, soviel stand für sie fest.

Noch niemals in ihrer ganzen Laufbahn auf der Krankenstation in Hogwarts war ihr ein Patient abhanden gekommen. Auch Dumbledore stand da und betrachtete wohlwollend die beiden.

Ihm entging nicht das sie sich an den Händen hielten. Gerührt wandte er sich zu Minerva um, die an seiner Seite stand, sie verstand ihn und auch sie freute sich aufrichtig für die Beiden.

Mit Wehmut dachte Albus daran, dass Severus noch erfahren musste, dass Harry ihm das Leben gerettet hatte. Schon jetzt konnte er sich seine Reaktion darauf ausmalen.

Aber das hatte noch Zeit. Vielleicht morgen oder übermorgen. Jetzt erfreute er sich erstmal an dem schönen Paar. Alles war gut geworden.

Ende