Epilog
„Lily! Komm sofort zurück!" rief Miranda wütend hinter ihrer fünfjährigen Tochter hinter her.
Sie stand im Türrahmen. Sie heckte immer irgendetwas aus und sie war jetzt schon genauso schwer zu durchschauen wie ihr Vater. Sie hatte dasselbe schwarze Haar und die dunklen Augen ihres Vaters geerbt und wie es aussah, auch seinen Dickkopf.
Severus legte von hinten die Arme um Mirandas stark gerundete Taille und schmiegte sich an sie.
„Severus tu was!"
Severus löste sich widerstrebend von seiner Frau und trat nach draußen.
„Lily!" rief er seine Tochter.
Diese machte auf dem Absatz kehrt und kam zurück. Lily liebte ihren Vater abgöttisch und dieser hatte einen Narren an seiner Tochter gefressen. Überhaupt verwöhnte er sie hoffnungslos. Wo war der Tyrann, der unschuldige Kinder bei jeder sich bietenden Gelegenheit terrorisierte, geblieben?
Severus unterrichtete immer noch in Hogwarts, doch mittlerweile hatte sich Dumbledore erbarmt und ließ ihn das Fach für die dunklen Künste unterrichten. Miranda unterrichtete ebenfalls in Hogwarts, aber nur stundenweise.
Sie teilte sich mit Hagrid das Fach Magische Geschöpfe. Sie lebten in Severus Haus, aber es hatte sich stark verändert. Hatte es früher düster und verwahrlost gewirkt, so hatten Miranda und Lily ihre Spuren hinterlassen.
Statt des alten zerfransten Sofas stand jetzt eine bequeme Couch inmitten des geräumigen Wohnzimmers. Ein Bild hier, ein Deckchen da und verspielte Zierkissen gaben dem ganzen etwas Gemütliches.
Es war ein Zuhause geworden. Nichts erinnerte mehr an das einsame Leben, das Severus hier früher geführt hatte. Severus selbst hatte sich wohl am meisten verändert. Er war offener für seine Mitmenschen geworden und er lächelte viel, was vor allem Miranda immer wieder erfreut auffiel.
Sie war so glücklich und noch immer dankte sie dem Schicksal, dass sie noch eine Chance bekommen hatte. Severus Liebe war alles was sie brauchte.
Ein plötzlicher Schmerz durchfuhr ihren Bauch.
„Severus!" rief sie kläglich aus.
Bleich und erschrocken wandte er sich mit Lily auf den Armen ihr zu. Fragend waren seine Augen auf sie gerichtet.
„Ich glaube es ist so weit!" Sie erwartete ihr zweites Kind.
„Du, du hast Wehen? Du meinst es kommt jetzt?" Panik flackerte in seinen unergründlich tiefen schwarzen Augen auf.
Wie diesen starken, unerschütterlichen Mann das wohl größte Wunder der Natur so erschüttern konnte.
„Ja!" stieß Miranda gepresst hervor.
Eine neue Schmerzwelle ließ sie sich zusammen krümmen. Severus war sofort an ihrer Seite und stützte sie.
„Du musst nach der Hebamme schicken!" befahl sie ihm, sie konnte sich kaum noch aufrecht halten.
Die Wehen waren plötzlich und mit einer Heftigkeit gekommen, die Geburt würde sicher nicht lange auf sich warten lassen. Severus schickte Lily ins Haus und hob Miranda auf seine Arme.
Schwach protestierte sie, sie war viel zu schwer, doch er ignorierte ihren Widerspruch und brachte sie zielstrebig ins Schlafzimmer. Dort betete er sie sanft in den Kissen. Zärtlich küsste er ihre Lippen.
„Warte ich bin gleich zurück und bringe die Hebamme mit!" versprach er und war schon zur Tür hinaus, ehe sie etwas erwidern konnte.
Ihr geliebter Mann.
Trotz der Schmerzen dachte sie an die Hochzeit, die, konnte es möglich sein, schon fünf überaus glückliche Jahre zurück lag. Es war ein strahlend schöner Maitag gewesen. Die Trauung fand in Hogwarts statt.
Ihre Eltern waren da und alle Lehrer von Hogwarts. Minerva hatte von Anfang bis zum Schluss geweint. Trauungen, meinte sie, gingen ihr immer so nahe. Gerührt legte Dumbledore seiner Liebsten einen Arm um die Schultern und versuchte so den Tränenfluss zum versiegen zu bringen.
Sie schritt in einem schlichten weißen Kleid an der Seite ihres Vaters auf den Altar zu. Ihr langes weißes Haar wehte sanft im Wind. Sie hatte es offen gelassen und es war ohne jeden Schmuck.
Genau so gefiel es Severus und nur für ihn wollte sie schön sein. Ihr Vater übergab sie am Altar Severus, an dessen Seite Dumbledore stand. Wie verändert er aussah. Um Jahre jünger wirkte er ohne die steile Falte auf der Stirn, die wundersamer weise verschwunden war.
Er wirkte befreit und gelöst. Die Worte des Priesters hatte sie schon längst vergessen, aber das glückliche Gesicht von Severus als sie „Ja" sagte würde sie ewig in ihrem Herzen tragen.
Ihre Hochzeitsreise verbrachten sie in Afrika, er wollte all die Orte sehen an denen sie so glücklich gewesen war. Er liebte die Wüste und die Nächte im Freien unter sternenklarem Himmel. Übermütig versuchte er einen Stern für sie zu fangen.
Sie waren wie zwei Kinder die miteinander die Welt neu entdeckten. Für Severus waren diese Eindrücke wirklich ganz neu. Oft hielt er ihre Hand fest in seiner und drückte sie um ihr zu zeigen, er immer für sie da war. Er würde nie wieder von ihrer Seite weichen.
Eine neue Wehe ließ sie sich schmerzhaft zusammen krümmen. Wo blieb er nur mit der Hebamme? Tief atmete sie durch die Nase ein und versuchte ruhig zu bleiben. Sie fühlte die Nässe ihre Beine hinab laufen, die Fruchtblase war geplatzt.
Die Wehen kamen jetzt ohne Unterbrechung. Ihr Kind würde schon bald das Licht dieser Welt erblicken. Severus! Beeil dich! Dachte sie inbrünstig. Wie als hätte er sie gehört erschien er auf der Türschwelle.
An seiner Seite war die Hebamme. Mit einem Blick erfasste diese die Situation und schob sich schnell an Snape vorbei.
„In welchen Abständen kommen die Wehen?"
„Welche Abstände?" stöhnte Miranda.
Die Hebamme schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln.
„Ich denke es ist bald geschafft." versuchte sie auf Miranda beruhigend einzuwirken, stattdessen regte sich Severus neben ihr immer mehr auf. Nervös knetete er Mirandas Hand und strich fahrig darüber.
„Schatz es wird alles gut!" sprach sie ihm Trost zu, aber er hörte gar nicht richtig zu.
„Pressen!" rief die Hebamme von unten und dann ging alles ganz schnell.
Miranda presste noch zweimal und ihr Kind tat seinen ersten Schrei. Die Hebamme durchschnitt die Nabelschnur, schlug das kleine Wesen in ein warmes Tuch ein und legte es der Mutter in die Arme.
„Sie haben einen prächtigen Sohn!" meinte sie gerührt.
Die Hebamme hatte schon so vielen Kindern auf die Welt geholfen, aber immer noch rührte sie das Wunder des Lebens. Leise zog sie sich zurück um dem Paar einige Minuten mit ihrem Kind zu gönnen.
Lily schob sich durch die Tür und sah neugierig hoch zu ihrem Vater und ihrer Mutter. Severus hob sie schließlich hoch und zeigte ihr ihren Bruder.
„Sieh mal Lily, das ist dein Bruder!" meinte er stolz und strich ihm mit einem Finger über den schwarzen Flaum den sein Kopf bedeckte.
„Severus Albus Snape!" sagte Miranda bestimmt. Zärtlich lächelte sie ihren Mann an, sie liebte ihn so sehr.
„Und du meinst das ist ein guter Name für ihn?" erwiderte er trocken, ehe er sie sanft küsste.
„Der beste der Welt!" strahlte sie und schlang die Arme um ihre Familie.
