In dir verlaufen
Disclaimer: Alle Personen und Orte des Harry Potter – Universums gehören J.K. Rowling. Ich verfolge keine kommerziellen Absichten mit dieser Fanfiction.
Summary: Drei Jahre nach Voldemorts Ende geschehen immer noch Angriffe und die Zaubererwelt wird von Zeit zu Zeit nur allzu schmerzhaft daran erinnert, dass der Kampf gegen die dunklen Mächte nie enden wird. Als Hermine bei einem Angriff zu schaden kommt, gibt es nur einen, der ihr vielleicht noch helfen kann.
Kapitel 3: Schicht über Schicht
Zerbeult und verbogen
und vielleicht nicht ganz
dicht
Aber irgendwo darunter bist du seltsam o.k
Beinah
unversehrt unter allem, was weh tut
Als Professor Snape, Meister der Zaubertränke, ehemaliger Todesser und Doppelspion von zwei Ministeriumsbeamten durch verschiedene inoffizielle Gänge zum Zimmer der im Koma liegenden Hermine Granger gebracht wurde, fragte er sich, ob Potter wirklich bereit war die volle Verantwortung dafür zu übernehmen was auch immer aus Hermine werden würde. Er hob den Kopf, als einer der Beamten die Tür zum Krankenzimmer aufstieß und den Blick auf die kleine Versammlung darin freigab. Am Bett der regungslosen Hermine Granger standen Potter und eine hochschwangere Ginny Weasly. Ein wenig abseits hielt sich eine junge Medihexe auf, die als Erste auf die Hereinkommenden blickte und Snape kurz musterte.
„Hobbes, Bernstein, vielen Danke, ab hier übernehme ich", sagte sie rasch, aber mit etwas dünner Stimme zu den beiden Beamten, die daraufhin das Zimmer verließen. „Guten Tag, Professor Snape." Jetzt blickten sich auch Ginny und Harry um und Snape konnte aus ihren Gesichtern lesen, dass ihnen ein ausgewachsener Knallrümpfiger-Kröter lieber gewesen wäre.
„Miss Weasly, Mr. Potter, ich muss Sie nun bitten das Krankenzimmer zu verlassen. Da Professor Snape immer noch ein Häftling des Ministeriums ist, ist ihm jeglicher Kontakt zu außenstehenden Personen untersagt. Ich werde Sie selbstverständlich über den Zustand von Miss Granger auf dem Laufenden halten." Es klang sehr einstudiert und nicht so, als ob sie es mit voller Überzeugung sagte, aber ihre Haltung machte klar, dass sie nicht diskutieren würde. Ginny und Harry nickten stumm und verließen, nach einem letzten Blick auf Hermine, das Krankenzimmer.
„Verzeihung, Miss, aber mir ist Ihr Name entfallen", versuchte Snape es mit öliger Stimme.
„Ich habe Ihnen meinen Namen nicht genannt, Professor. Aber es war unhöflich von mir, mich nicht vorzustellen. Martha Cole."
„Dann sind Sie also mein Anstandswauwau?"
„Könnte man so sagen, wir wollen ja nicht, dass Sie irgendetwas mit Miss Granger anstellen, dass nicht in ihrem Interesse ist."
„Glauben Sie irgendetwas hier liegt in Ihrem Interesse, Miss Cole?"
„Es steht mir nicht zu darüber zu urteilen." Die Stimme der jungen Hexe klang fast brüchig.
„Hat mir Potter Sie auf den Hals gehetzt?"
„Nein, ich bin im Auftrag des Ministeriums hier."
„Sie tragen eine St. Mungos-Tracht."
„Gerade Sie müssten doch wissen, dass ein Mensch mehr als eine Position inne haben kann." Sie war wieder etwas gefasster und plötzlich kam sie Snape seltsam bekannt vor. Sie musste eine Schülerin gewesen sein. Aber der Name Cole passte nicht, er hatte keine Erinnerung an eine Matha Cole.
„Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass Ihnen für die Zeit der ... Behandlung ein Zimmer nebenan zu Verfügung steht, auch Ihre eigene Kleidung liegt für Sie bereit. Sie dürfen jedoch weder dieses noch Ihr Zimmer ohne meine Erlaubnis verlassen. Sollten Anzeichen auftreten, dass sich Miss Grangers Zustand durch Ihr Handeln verschlechtert, wird die Behandlung sofort abgebrochen und Sie werden zurück in Ihre Zelle gebracht." Sie versuchte so ernst wie möglich zu klingen, was ihr jedoch nicht ganz gelang.
„Sie waren in Ravenclaw, stimmts?"
„Ja, aber ich weiß nicht, was das mit Miss Granger zu tun hat. Wollen Sie sich nicht über Ihren Zustand informieren?"
„Wenn Sie das glücklich macht."
„Nun, sie ist körperlich in einem hervorragenden Zustand, wir konnten keine Verletzungen ausmachen, es sind keine Nachwirkungen von Flüchen nachweisbar, in ihrem Körper wirkt keine dunkle Magie. Ihr Geist hat sich abgeschottet, wir können jedoch nicht genau sagen wie."
„Nein, das ist wohl meine Aufgabe." Snape wandte sich nun endlich der regungslosen Hermine zu. Sie hatte noch unheimlich viel von dem Mädchen, dass er sechs Jahre lang unterrichtet hatte, aber ihre Züge waren nun klarer und einprägsamer. Ihre geschlossenen Augen wurden von dunklen, langen Wimpern eingerahmt. Ihre einst buschigen Augenbrauen, waren in Form gebracht und elegant. Ihre Nase und ihr Mund waren beide klein, aber rund. Ihre Gesicht hatte weiche Formen und ließ sie sehr friedlich wirken. Es war eingebettet in einen Schwall brauner Locken, die das Kopfkissen fluteten.
„Ich werde einen Zauberstab benötigen." Stellte Snape gleichgültig fest, war dann jedoch überrascht, als ihm sein Zauberstab wortlos gereicht wurde.
„Haben Sie keine Angst, dass ich Sie damit angreifen könnte, Miss Cole?"
„Wie ich bereits sagte, ich bin im Auftrag des Ministeriums hier und mir der Verantwortung bewusst."
Snape beschloss, es damit gut sein zu lassen, jedenfalls für den Moment. Nocheinmal betrachtete er Hermines Gesicht. Es war vollkommen ausdruckslos.
„Legilimens!"
War da was? Nein, da kann nichts sein. Hier kann mich keiner finden, hier bin ich sicher. Ja, hier kann keiner mir wehtun. Da war nichts.
Ein gesunder Geist ist ein sehr agiles Ding. Er ist ständig in Bewegung und kann viele Dinge gleichzeitig bearbeiten. Jemand der in ihn eindringt wird mit einer Flut von Bildern, Emotionen, Gedanken und Erinnerungen konfrontiert. Er kann sehen, was auch immer demjenigen buchstäblich durch den Kopf geht. Ein fortgeschrittener Legilimentiker kann den Geist dazu bringen sich in eine bestimmte Richtung zu bewegen und damit ganz bestimmte Gefühle, Erinnerungen oder Gedanken freizugeben. Ein Meister der Legilimentik kann dem Geist vormachen Dinge als wahr anzusehen, die nicht existierten. Er kann einen gesunden Geist nach seinem Belieben manipulieren. Hermines Geist, war nicht gesund. Snape sah sich einer Wand aus tausenden von Gedanken und Erinnerungen gegenüber. Schicht für Schicht hatten sie sich um das gelegt, was man als Hermines Selbst bezeichnen könnte. Wenn der Geist beginnt sich abzuschotten, dann fängt er an alles chronologisch zu ordnen. Snape wurde klar, dass er sich womöglich durch all diese Erinnerungen kämpfen musste, um vielleicht an den Kern zu kommen.
„Professor? Geht es Ihnen gut, fühlen Sie sich nicht wohl?" Matha Cole hatte gemerkt, dass ihr ehemaliger Lehrer sich aus dem Geist der jungen Frau zurückgezogen hatte, aber er blickte noch immer seltsam in die Leere.
„Es...es geht mir gut."
„Was haben Sie gesehen?"
„Eine Wand."
„Ich...glaube ich verstehe."
„Wie ist ihr richtiger Name, Miss Cole?"
„Was?"
„Sie waren in Hogwarts, Sie waren meine Schülerin, aber dort gab es nie eine Matha Cole, also."
„Vielleicht ist Ihr Gedächtnis einfach nicht mehr intakt."
Snape lachte beinahe.
„Ich kann Ihnen versichern, mit meinem Gedächtnis ist alles in bester Ordnung."
„Martha Chambers."
„Warum lügen Sie, Miss Chambers, hatten Sie Angst, ich würde Ihnen Hauspunkte abziehen."
„Ich lüge nicht, mein Name ist Cole, viele Frauen ändern im Laufe ihres Lebens den Nachnamen."
„Ach Gott, wie rührend, ich nehme an eine wahre Liebe in Zeiten des Krieges?"
„Ich bin nicht hier um mit Ihnen über mich zu plaudern. Wenn Sie nichts für Miss Granger tun können, dann..."
„Ich weiß noch nicht, ob ich ihr helfen kann, das liegt nicht allein bei mir."
Für einen kurzen Moment trat Stille ein. Snape betrachtete die junge Medihexe, die offenbar darüber nachdachte, was sie als nächstes zu tun hatte. Dann blickte er zurück auf Hermine.
„Haben Sie Hunger, Professor Snape? Soweit ich weiß, ist die Legilimentik sehr anstrengend und sie werden viel Kraft brauchen." Sie hatte sich bereits erhoben, als Snape den Blick von Hermine löste. Ihre Stimme hatte sich ein weiteres Mal geändert. Sie klang jetzt fast fürsorglich, aber immer noch ein wenig reserviert. „Wir haben eine sehr gute Küche hier."
