In dir verlaufen

Disclaimer: Alle Personen und Orte des Harry Potter – Universums gehören J.K. Rowling. Ich verfolge keine kommerziellen Absichten mit dieser Fanfiction.

Summary: Drei Jahre nach Voldemorts Ende geschehen immer noch Angriffe und die Zaubererwelt wird von Zeit zu Zeit nur allzu schmerzhaft daran erinnert, dass der Kampf gegen die dunklen Mächte nie enden wird. Als Hermine bei einem Angriff zu schaden kommt, gibt es nur einen, der ihr vielleicht noch helfen kann.

Kapitel 4: Du bist umstellt

Nimm dir Zeit so viel du musst
Aber wehr dich nicht mehr
Behalt den Schmerz in deiner Brust
Aber wehr dich nicht mehr

Auch wenn es Severus Snape schwer fiel, so musste er doch zugeben, dass Marhta Chambers, Verzeihung Cole, recht gehabt hatte. Die Küche im St. Mungos war wirklich hervorragend. Und sie hatte auch damit recht gehabt, dass das was er vorhatte nicht nur psychisch, sondern auch physisch anstrengend werden würde.

„Was wissen Sie über Legilimentik?", wollte Snape plötzlich wissen.

„Das was man in der Auroren-Ausbildung darüber lernt. Ich muss zugeben, dass es nicht mein Spezialgebiet ist."

„Dann sind Sie also ausgebildete Aurorin, mir wird einiges klarer."

„Ich würde mich nicht als Aurorin bezeichnen, aber ja, ich habe die Ausbildung abgeschlossen."

„Was machen Sie dann hier? Mit einer Aurorenausbildung landet man normalerweise nicht in St. Mungos, na ja, jedenfalls nicht als Mitarbeiter."

„Ich habe festgestellt, dass es befriedigender ist Menschen zu helfen, als sie einzusperren." Sie erhob sich und ging zum Bett von Hermine um unnötigerweise ihren Puls zu kontrollieren.

„Vielleicht hätten Sie doch besser nach Gryffindor gepasst."

„Was haben Sie vor zu tun, um Miss Granger zu helfen, Professor?"

Er antwortete nicht sofort, sondern schien sich die Worte ganz genau zurecht zu legen.

„Stellen Sie sich vor sie müssten einen Ring finden, der in einem Schmuckkästchen liegt. Das Schmuckkästchen liegt in einer großen Truhe auf einem Dachboden. Sie befinden sich, wenn sie Glück haben in der Straße, in der das Haus steht, auf dessen Dachboden sich die Truhe befindet. Was würden Sie tun?"

Martha überlegte einen Augenblick, sie machte es sich nicht einfach.

„Ich schätze, ich würde systematisch alle Häuser durchsuchen."

„Das ist eine Möglichkeit, bei der mit wenig Schäden zu rechnen ist. Aber auch eine sehr Zeit raubende."

„Manche Dinge brauchen Zeit, um gut zu werden."

„Wie alt sind Sie Miss Cole? Ich meine Sie waren zwei Jahre über Miss Granger."

„Ja, das stimmt. Sie wissen sicher, dass es unhöflich ist, eine Frau nach ihrem Alter zu fragen."

„Dann müssten Sie Dreiundzwanzig sein."

„Vierundzwanzig. Und eine Miss bin ich auch nicht mehr."

„Sei's drum. Sie sind sehr jung."

„Worauf wollen Sie hinaus?"

„Sie sagen, dass manche Dinge Zeit brauchen, um gut zu werden. Sie haben innerhalb von fünf Jahren nicht nur ihren Beruf gelernt und aufgegeben, sondern auch noch eine sicherlich nette kleine Familie gegründet. Sie nehmen sich offenbar weniger Zeit, als sie vorgeben."

„Es geht hier nicht um mich, Professor. Was versuchen Sie mir zu sagen?"

„Sie würden sich Zeit lassen, um diesen Ring zu kriegen, Sie würden alle Möglichkeiten ausprobieren, um zu einem eindeutigen Ergebnisse zu kommen. Das ist theoretisch ganz nett, aber ich glaube nicht, dass Miss Granger diese Zeit hat. Überlegen Sie, was würden Sie tun, um den Ring zu finden, ohne alle Häuser zu durchsuchen. Was haben Sie in Ihrem Leben getan, um eine Entscheidung zu treffen?"

„Ich bin meiner Intuition gefolgt."

„Haben Sie den Ring gefunden?"

Snape sah, wie die junge Hexe zu zittern begann. Das war nicht die Reaktion, die beabsichtigt oder erwartet hatte.

„Kommen Sie zum Punkt, Professor Snape!"

„Der Punkt ist, dass ich nicht glaube, dass wir die Zeit haben alle Häuser zu durchsuchen, oder um es ein wenig klarer auszudrücken jede Erinnerungskette nach dem zu durchstöbern, was Miss Granger in diese missliche Lage gebracht hat."

„Ich fürchte das übersteigt jetzt wirklich meine Kompetenz, ich sagte ja, dass Legilimentik nicht gerade mein Spezialgebiet ist." Marthas Stimme war wieder fester und professioneller.

„Miss Grangers Geist hat begonnen sich Schicht für Schicht und in chronologischer Reihenfolge zu verfestigen. Der Zugriff auf das, was alles zusammenhält, auf ihren Kern, wird kontinuierlich gekappt. Es ist so als würden langsam alle Häuser mit einem Vorhängeschloss versehen. Aber es gibt Geheimgänge, Verbindungen. Man muss nur den richtigen Eingang wählen, damit man nicht in eine Sackgasse gerät."

„Sie wollen sozusagen die Abwasserleitung benutzen?" Martha versuchte Snapes Metapher so gut es ging zu verstehen.

„Abwasserleitung, Lüftungsschächte, verbundene Keller. Wir müssen ein Schlupfloch finden, eine Erinnerungskette, die uns zu dem Punkt führt, an dem sich Miss Granger versteckt."

Snape wartete auf eine Reaktion, aber Martha schien nicht willig ihn den Ball zurückzuwerfen.

„Hören Sie mir noch zu, Miss Cole?"

„Mhhh"

„Was für ein rhetorisches Geschick Sie doch an den Tag legen."

„Wenn ihr Geist sich in Schichten verhärtet, wie wollen Sie dann irgendeine bewegliche Erinnerungskette finden?"

„Ich weiß es noch nicht. Aber ich weiß das sie noch da sein muss, denn ansonsten können Sie nicht mehr so hübsch Miss Grangers Puls fühlen."

„Na gut, scheint so als hätten wir nicht mehr ewig Zeit, worauf warten Sie noch?"

Snape nickte nur, bevor er sich erneut bereit machte in den Geist seiner ehemaligen Schülerin einzudringen.

Da war es wieder, irgendetwas. Ganz weit weg. Oder doch nicht? Sie würde ganz ruhig bleiben, sich einfach nicht bewegen. Ja, wer sollte sie hier schon finden?

Wieder sah sich Snape einer Mauer von Gedanken und Gefühlen, Erinnerungen und Verdrängtem gegenüber. Wo sollte er nur anfangen einen Schleichweg zu suchen? Er konzentrierte sich und versuchte den Geist der jungen Frau in eine ganz bestimmte Richtung zu lenken – Schmerz. Es funktionierte nicht richtig. Es bedarf einer großen Anstrengung, bis Snape eine Reaktion bekam. Er sah das Bild eines kleinen Mädchens, vielleicht fünf Jahre, das auf einer Brücke stand und hinunter zu einem kleinen, aber schnell fließenden Bach starrte. Ihr Gesicht war verweint und Snape konnte spüren wie verzweifelt sie war. Eine Frau kam zu dem Mädchen, offensichtlich die Mutter.

„Was ist geschehen mein Liebling?"

„Mr. Bunny... ist reingefallen."

Snape glaubte zu verstehen. Hermines Geist hatte ihm die erste Erinnerung an Schmerz gezeigt. Der Verlust eines Stofftieres.

Die Szene löste sich auf und machte einer anderen Platz. Das Mädchen war ein wenig älter, vielleicht sieben und trug eine schlecht sitzende Schuluniform. Sie saß mit gesenktem Kopf auf einer Pank und schaute auf ein Heft aus dem sehr grob Seiten herausgerissen waren.

„Hey, Bibergesichte. Na hast du deine Hausaufgaben nicht gemacht?"

Ein paar Jungs, die im selben Alter sein mussten hielten ein paar Fetzen Papier in der Hand. Hermine hob den Kopf. Snape erkannte sofort das Gesicht wieder, das von ein wenig zu groß geratenen Schneidezähnen und buschigen Augenbrauen dominiert wurde. Aber die Traurigkeit, die darin lag, hatte er noch nie gesehen.

Wieder wechselte das Bild.

Er erkannte sofort das flammend rote Haar von Weasley, der sich mit Potter unterhielt. Die beiden mussten im ersten Jahr sein.

„Kein Wunder, dass niemand sie ausstehen kann, ehrlich gesagt ist sie ein Alptraum."

Hermine rannte, mit Tränen übersäten Gesicht an ihnen vorbei und Snape konnte ihre unendliche Traurigkeit in sich selbst aufsteigen fühlen.

Er verließ Hermines Geist, so würden sie nie voran kommen. Er konnte sich nicht durch jede einzelne schmerzhafte oder traurige Erinnerung von Granger quälen, das würde ewig dauern.

„Professor, ist alles in Ordnung?

Er brauchte einen Katalysator, irgendetwas um bestimmte Dinge auszufiltern. Etwas, dass ihrem Geist vorgaukeln konnte, dass bestimmte Dinge gar nicht schmerzhaft waren, vielleicht könnte er dann an das wirklich traumatische ran kommen.

„Professor?"

„Was für Aufheiterungstränke haben Sie hier?"

Martha Cole sah ihn an, als sei er verrückt geworden.