In dir verlaufen
Disclaimer: Alle Personen und Orte des Harry Potter – Universums gehören J.K. Rowling. Ich verfolge keine kommerziellen Absichten mit dieser Fanfiction.
Summary: Drei Jahre nach Voldemorts Ende geschehen immer noch Angriffe und die Zaubererwelt wird von Zeit zu Zeit nur allzu schmerzhaft daran erinnert, dass der Kampf gegen die dunklen Mächte nie enden wird. Als Hermine bei einem Angriff zu schaden kommt, gibt es nur einen, der ihr vielleicht noch helfen kann.
ANMERKUNG: Vielen Dank für die ersten lieben Reviews. Ich werde mich um regelmäßige Updates bemühen. Dass man manchmal die Sprecher nicht gleich auseinander halten kann, ist Absicht, ich will ja eure Aufmerksamkeit ;-) Und ich versuche irgendwie so ein bisschen in einem Art Drehbuchstil zu schreiben. Deswegen gibt es viele Dialoge. Hab sonst mehr mit Beschreibungen gearbeitet und wollte mal was anderes versuchen. Also, ich hoffe ihr findet das nicht zu anstrengend.
Kapitel 5: In dir verlaufen
Kein unten kein oben
keine Sonne, kein Wind
Alle Wege verwoben, ich stolpere blind
Durch dein Labyrinth
„Ich darf Gefangenen keine Medikamente geben und warum sollte es uns etwas bringen, wenn sie ein bisschen fröhlicher sind?"
„Ich will nicht mich aufheitern, sondern sie."
„Oh ja, ein bisschen Fröhlichkeit wird sie sicher heilen, dass wir darauf nicht gekommen sind."
„Höre ich da Sarkasmus?"
„Sie ist in einem komatösen Zustand, ihr Geist schottet sich ab und ist ziemlich instabil und Sie wollen ihr bewusstseinsverändernde Drogen geben?"
„Ihr Geist zeigt mir ungefiltert alles was er unter einem bestimmten ... Stichwort findet. Wir müssen die Ursache für ihr Trauma finden, also müssen wir an die schmerzhaften Erinnerungen ran, an das was wirklich Spuren hinterlassen hat. Dafür müssen wir alles andere ausblenden."
„Aber wenn wir ihre Stimmung aufhellen, dann wird es für sie doch noch schwieriger an irgendwelche schmerzhaften Dinge heranzukommen. Sie müssten eher versuchen, ihre Emotionen zu verstärken. Und mal abgesehen davon, gibt es keine fundierten Studien darüber, wie sich Zaubertränke auf Komapatienten auswirken."
Snape hatte Daumen und Zeigefinger an seine Nasenwurzel gelegt und kniff nun die Augen zusammen. Jemand, der ihn gut kannte, hätte erkannt, dass sein Gehirn gerade auf Hochtouren arbeitete.
„Wenn ich ihre Emotionen verstärke, muss ich mich durch noch mehr Kinderkram wühlen, wahrscheinlich durch jede einzelne Unterrichtsstunde, die sie bei mir je gehabt hat."
„Ich werde ihr keine Medikamente geben, ohne zu wissen, was sie bei ihr bewirken."
Snape schnaubte verächtlich.
„Ich hatte mich geirrt, als ich sagte, Sie hätten nach Gryffindor gepasst."
„Es tut mir Leid, Professor, aber es wird Ihnen nichts bringen mich persönlich anzugreifen. Ich werde keiner Medikation zustimmen, die ihren jetzigen Zustand verschlechtern könnte. Lassen Sie sich etwas anderes einfallen."
Ein weiteres verächtliches Schnauben.
„Na schön, dann müssen wir die Sache anders angehen. Ich kann nicht einfach wahllos in ihrem Geist rumstochern, ich brauche ein paar Anhaltspunkte und wenn ich die nicht von Miss Granger bekomme, dann müssen wir eben auf andere Informationsquellen zurückgreifen."
Martha Cole sah ihn einen Augenblick an, nickte dann leicht und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Ich werde sehen, ob ich ein paar Krankenakten auftreiben kann. Ich denke es ist am Besten, wenn Sie für heute Schluss machen. Kommen Sie, ich bring Sie in Ihr Zimmer."
Ohne auf eine Reaktion zu warten, ging Martha in Richtung Tür.
„Vielleicht sollten wir auch Potter befragen, der kennt die gute Miss Granger doch am Besten."
„Ich werde mit Mister Potter reden und Sie werden gar nichts tun, außer ich sage es Ihnen."
„Dieses Macht-Ding gefällt Ihnen, nicht wahr?"
Matha antwortete nicht, sondern geleitete Snape schweigend zu seinem Zimmer.
ooo
Nachdem Ihn am frühen Morgen eine Eileule aus dem St. Mungos erreicht hatte, war Harry Potter, in der Hoffnung ein Wunder sei geschehen und Hermine sei aufgewacht, ohne ein Wort zu einer verschlafenen Ginny zu sagen, losgestürmt. Jetzt saß er ziemlich ernüchtert vor dem Bürotisch, den ein kleines Messingschild als Refugium von Matha Cole auswies. Diese saß ihm mit einem ziemliche nichts sagenden Ausdruck im Gesicht gegenüber.
„Mister Potter, es tut mir Leid, dass ich Sie so früh am Morgen hierher zitiert habe, aber wie Sie sich vorstellen können, läuft uns im Falle von Miss Granger so langsam die Zeit weg."
„Deswegen hätte ich Sie auch in ihrem Krankenzimmer erwartet, anstatt in Ihrem Büro. Haben Sie Snape etwa mit ihr allein gelassen?"
„Professor Snape ist in seinem Zimmer. Mister Potter, können Sie mir sagen, ob Miss Granger mit besonderen traumatischen Erlebnisse zu kämpfen hatte?"
„Soll das ein Witz sein? Haben Sie in den letzten Jahren keinen Tagespropheten gelesen?"
„Bitte Mister Potter, wir brauchen Einzelheiten, persönliche Einzelheiten." Martha versuchte so ruhig wie möglich zu bleiben.
„Na ja, wo soll ich anfangen. Der Krieg hat uns alle mitgenommen, ich hab genug Leichen für mehr als zwei Leben gesehen und Hermine auch. Na ja und dann der Angriff auf ihre Eltern. Es ist zwar nichts passiert, aber Hermine hatte ne ganze Zeit Alpträume. Und dann das mit Ron."
„Ich weiß, dass es für Sie sehr schwer ist, aber was können Sie uns über die Umstände von Mister Weasleys Tod sagen? Wie ist Miss Granger damit umgegangen?"
„Sie war die Einzige von uns, die es mitangesehen hat. Sie hat nicht viel darüber geredet. Und ich hab Sie nicht gedrängt. Aber ich verstehe nicht, was Rons Tod mit ihrem jetzigen Zustand zu tun hat."
„Es könnte sein, dass dieses Erlebnis Ihre Psyche so sehr geschwächt hat, dass sie verletzlicher, angreifbarer geworden ist. Hat Sie in letzter Zeit Zeichen für eine Depression gezeigt, sich komisch verhalten?"
„Nein, na ja, sie war nicht gerade sehr gesprächig, aber das ist sie seit Ende des Krieges nicht mehr gewesen. Aber an dem Morgen als der Angriff passiert ist, waren wir verabredet. Wir wollten gemeinsam frühstücken gehen, ein bisschen reden."
„Hatte Sie irgendwas erwähnt, einen bestimmten Grund für ein Treffen angegeben?"
„Nein, wir machen das öfter. Es war nichts besonderes und ich hatte das Treffen vorgeschlagen. Hören Sie, Hermine war nicht schlechter drauf als sonst."
„Gut, vielen Dank Mister Potter, ich werde Ihnen dann Bescheid geben, sobald wir mehr wissen."
Sie hatte sich erhoben und wollte ihm zum Abschied die Hand geben.
„Wie macht sich Snape?", wollte Harry wissen.
„Professor Snape ist sehr engagiert, aber bis jetzt haben wir noch keinen Ansatzpunkt finden können, um Miss Grangers Geist wieder in einen normalen Zustand zu versetzen."
„Glauben Sie, dass er es schaffen kann?"
Martha zögerte, sengte kurz den Kopf und atmete hörbar aus.
„Ich glaube, er ist der Einzige, der überhaupt eine Chance hat. Aber ich will Ihnen keine falschen Hoffnungen machen."
Harry nickte knapp und reichte dann seinerseits Martha die Hand.
„Vielen Dank, Misses Cole."
ooo
Snape stand am Bett von Hermine und betrachtete Sie konzentriert, als könnte er sie nur durch Anstarren dazu bewegen aufzuwachen. Martha Cole saß auf einem Stuhl und war über eine Akte gebeugt. Ihr hellbraunes Haar fiel ihr unordentlich ins Gesicht. Wie sie da saß, hätte man sie glatt für eine Schülerin halten können, die über ihren Hausaufgaben brütete.
„Laut dem Bericht, muss Mister Weasley kurz vor seinem Tod ein paar üble Flüche abbekommen haben. Da scheint jemand ein Faible für den Crutiatus gehabt zu haben. Muss für Miss Granger ganz schön heftig gewesen sein, das mit anzusehen."
„Ich glaube nicht, dass sie alles gesehen hast, schließlich hat sie gleichzeitig selbst gegen einige Todesser gekämpft."
„Jedenfalls können wir davon ausgehen, dass sie das nicht kalt gelassen hat."
„Dann sollten wir ihren Geist eben nach dem Rotschopf durchsuchen, vielleicht bringt das was."
Snape fixierte Hermine und drang erneut in ihren Geist ein.
Da ist jemand, ganz bestimmt. Aber wie sollen sie mich hier finden? Nein, hier können sie mich nicht finden.
Snape versuchte, den fast unbeweglichen Geist von Hermine Granger zu zwingen, ihm die Erinnerung an den Tag von Ronald Weasleys Tod preiszugeben. Er scheiterte. Alles was er zu sehen bekam waren zusammenhanglose Fetzen aus denen sich nichts erkennen ließ. Hermines Geist wandte unbewusst eine sehr effektive Okklumentik an, die dafür sorgte, dass nicht nur er ausgeschlossen, sondern Hermine gewissermaßen weiter eingeschlossen wurde.
Egal in welche Richtung er sich bewegte, er kam weder vor noch rückwärts. Er versuchte wieder, ihre schmerzlichen Erinnerungen abzurufen, aber das machte alles noch schlimmer. Es war als hätte er eine Alarmanlage ausgelöst, die dafür sorgte, dass sich alle um ihn verschloss. Er wurde überschüttet von allen möglichen Gefühlen, ohne einen dazu passenden Gedanken zu erkennen. Wut, Trauer, Verzweiflung und Schmerz prasselten auf ihn ein und da er keine Kontrolle mehr darüber hatte, begann sein eigener Geist, Bilder hervorzurufen. In ihm stiegen Bilder und Erinnerungen auf, die er lange unterdrückt hatte. Er wurde panisch, er wollte sich das nicht ansehen, er wollte hier raus. Er versuchte, dagegen anzukämpfen, seinen eigenen Geist zu verschließen, so wie er es tausende Male getan hatte, aber es gelang ihm nicht. Er musste sich mit ansehen, wie sein neunjähriges Ich von seinem Vater geschlagen wurde, spürte selber wieder die Hiebe. Er musste sich ansehen, wie sein zwölfjähriges Ich von einer Gruppe Gryffindors verhöhnt wurde und spürte die Stiche im Herz. Er sah sich selbst vor dem dunklen Lord knien, der seinen Zauberstab in seinen Unterarm presste und den stechenden Schmerz, der von diese Stelle ausging und in jedes seiner Glieder ausstrahlte. Dann hörte er eine Stimme, die nicht zu den Erinnerungen passte. Jemand rief nach ihm und dann tauchte er aus dem Meer der Gedanken wieder auf.
